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Kasseler Abendzeitung

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Dienstag, 3. September 1929

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Hessische Abendzeitung

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Europäische Zusammenarbeit"

Neue Darstellung ver Brianbschen Vaneuropa-VIäne / Sine europäische Sektion des Völkerbundes?

Strefemann vor dem Reichskabmett

Friedrichshafen empfangsbereit!

(Eigene Dr

ahtmeldung).

Englands Räumungsaktion

das britische Heer abziehen und werde trotzdem nicht von der Anwesenheit fremder Truppen befreit.

Nach der Kabinettssitzung wird sich der Reichsverkehrsminister Dr. Stegerwald so schnell als möglich im Flugzeug nach Fried- richshafen begeben, um dort heute abend bei dem Empfang des von der Weltreise zurück- kehrendenGraf Zeppelin" zu sein. Nutzen- Minister Dr. Strefemann wird dann am Nach­mittag oder Abend die Reise nach Genf antre- ten, wo er immer noch zurecht kommen wird, um mit dem englischen Premierminister Mao- donald zu sprechen.

Lissabon, 3. September.

Hier wurde um 6 Uhr M. E. Z. ein Funk­spruch deSGrafen Zeppelin" aufgefangen. Danach befand sich das Lustschiff um diese Zest anf 36 Grad 15 M-nwen nördlicher Breite und

Berliner Vertreter).

den Haager Delegierten betriebenen Politik ausgesprochen wird.

Wesentlich größere Sorgen, als über die Einstellung des Kabinetts und der Parteien zum Haager ErgebniS müßte man sich eigentlich über die Tätigkeit deS OrganisationskomiteeS machen, das nunmehr in Aktion tritt. Es han­delt sich dabei keineswegs nur um bloße tech­nische Fragen, sondern die

Verhandlungen über ReparationSbank, Reichs­bank und Reichsbahn

greifen zum Teil tief in das finanzpolitische Gebiet hinein, sodaß noch garnicht abzusehen ist, ob die für den 10. Oktober in Aussicht ge­nommene Schlußsitzung im Haag sich wirklich nur auf eine kurze Bestätigung der von dem Organisationskomitee bis dahin gefaßten Be­schlüsse beschränken kann, oder ob es nicht not­wendig wird, im Oktober noch einmal in der Vollkonferenz auf diese Fragen näher einzu­gehen. Jedenfalls ist mit der

Möglichkeit politischer Komplikationen bei dem eigentlich«- «bschlutz der Haager Konferenz

immer noch zu rechnen. In der heutigen Kabi- nettssitzung wird man sich außerdem mit dem Bombenanschlag im Reichstag und den not­wendigen Gegenmaßnahmen, möglicherweise aber auch wieder mit dem Problem der Ar­beitslosenversicherung beschästigen, das bekannt­lich morgen wieder Gegenstand interfraktionel­ler Besprechungen sein soll.

Paris, 3. September.

Ueber die seit längerer Zeit für die jetzige Völkerbundstagung angekündigte Initiative Briands zu Gunsten eines engeren Zusammen- schlusies der Staaten Europas berichtet der Genfer Korrespondent desPetit Parifien: Briand erblickt die logische Fortsetzung der von ihm seit Locarno betriebenen Politik in der Schaffung nicht etwa der Bereinigten Staaten von Europa, wie man in ungenauer Formulierung behauptete, sondern in einer europäischen Arbeitsgemeinschaft, einer Art europäischen Sektion deS Völkerbundes, deren Tätigkeit hauptsächlich auf wirtschaftlichem Ge­biet liegen würde. Briand gibt sich selbstver­ständlich keinen Illusionen hin und rechnet nicht für morgen mit der Gründung einer Art euro. päischen Reichstags. Er weiß genau, daß die Verwirklichung seines Ideals Zeit erfordert. Für heute will er nur jeden europäischcu Staat veranlaßen, der Frage näher zu treten und vielleicht einen Vertreter zu ernennen, der zusammen mit denen der übrigen europäischen Staaten Prüfen sollte, auf welcher wirtschaft­liche« Grundlage eine Verständigung aufge­baut werden könnte.

Von den Besatzungsmächten ist Mitteilung gemacht, daß die Rheinlandkommtsston ihren Sitz von Koblenz wegverlegen wird. Ueber den neuen Sitz der Rhetnlandkommission ist von den Besatzungsmächten noch nichts mitge­teilt worden, jedoch darf angenommen werden, daß die Rheinlandkommission sich bis zur end­gültigen Räumung in Wiesbaden niederlassen wird. , . .

Dazu berichtet der Sonderkorrespondent der Times" aus Wiesbaden seinem Blatt, bei der Wiesbadener Bevölkerung werde daS Gefühl der Befriedigung über den Abmarsch des briti­schen BesatzüngSheereS durch die Nachricht ge­trübt, daß die interalliierte Rheinlandkommis- swn demnächst auS Koblenz nach Wiesbaden verlegt werden soll. Das bedeute, daß auch weiterhin fremde Truppen in Wiesbaden ver- bleiben würden. Die Stadt sehe daher jetzt

Verschiedene Blätter wissen zu berichten, daß die im Haag vereinbarten diplomatischen Verhandlungen über die Saarfrage zwischen Deutschland und Frankreich am 15. September in Paris beginnen sollen.

Wie die T. 11. hierzu erfährt, hat die deut- sche Reichsregierung dem deutschen Botschafter in Paris von H ö s ch eS überlassen, mit der französischen Regierung den Zeitpunkt für de» Beginn dieser Verhandlungen festzufetzen. Bis zum gestrigen Abend hatte Botschafter v. Hösch eine Vereinbarung noch nicht getroffen. Die Blättermeldungen eilen darum zum mindesten den Tatsachen voraus.

21 Grad 15 Minuten westlicher Länge. Dieser Punkt liegt ungefähr 600 Meilen westlich von Liffabon.

Wie die Hamburg-Amerika-Linie mitteilt, be- fand sich das Luftschiff um 9 Uhr M. E. Z. aus 37,50 Grad Nord und 15,30 Grad JBeft. Das Luftschiff hat KurS auf Kap Finisterre an der Nordwestecke Spaniens genommen.

Lchleswig-Lüneburg-Berlin

Zusammenhänge zwischen den Sprengstofs- attentaten?

Berlin, 3. September.

Am Montag fand im Ministerium des Innern unter Anwesenheit maßgebender Per­sönlichkeiten der Berliner Polizei eine ein­gehende Besprechung über den Höllenmaschinen- Anschlag auf das Reichstagsgebäude statt. Re­gierungsdirektor W ü n d i s ch erstattete den Be­richt über die bisherigen Feststellungen der Ab­teilung I a.

Am Montag fand noch einmal ein Lokalter­min statt, wobei die Sachverständigen der Ueberzeugunq Ausdruck gaben, daß die Täter, die wahrscheinlich auch die Hersteller der Höl­lenmaschine waren, unbedingt mit der Spreng­wirkung vertraut gewesen sein müßen. Sie haben aber von vornherein die Bombe so ge­legt, daß sie keine größeren Verwüstungen an­richten konnte. Wäre sie, statt einfach in den Lichtschacht gelegt zu werden, in einem der Kellerfenster untergebracht worden, so hätte sie bei der Explosion unbedingt schwere Zerstörun­gen verursachen müssen. So aber verpuffte die Höllenmaschine nach oben aus die Straße hinaus.

Die in der Nähe des Tatortes gefundenen Sprengstücke der Höllenmaschine wurden in der Chemisch-Technischen Reichsanstalt untersucht. Die Ergebnisse der Untersuchung werden bis auf weiteres geheim gehalten, immerhin er­gibt sich aus ihnen, daß das Attentat in Ber­lin ein Glied in der Kette der früheren An­schläge in Hannover und Schleswig-Holstein iu sein scheint. Die Höllenmaschine scheint nach dem gleichen Rezept hergestellt zu sein. Es ist weiterhin sestgestellt, daß die Lüneburger Attentäter in Schleswig die gleiche Margarine- ktste zur Verpackung ihrer Höllenmaschine be­nutzten wie in Lüneburg Eingehende Nach­forschungen in dem fraglichen Margarinewert haben ergeben, daß sich die Täter von einem Händler dieser Fabrik einen größeren Posten von Margarineverpackungskisten beschafften, Bte dann gleichmäßig für verschiedene Anschläge be»

Rurs auf Rap Finisterre

Nach einer Mitteilung, die der Hamburg- Amerikalinie zuging, hatGraf Zeppelin" in der Nacht zum Montag mehrere Gewitter um­fahren müssen. Gestern nachmittag um 17 Uhr M. E Z. wurden die Motore deS Luftschiffes aüf-hoher See in der Nähe der Azoren gehör«. Nach einem gestern abend um 22 Uhr M. E. Z nach Newyork gerichteten Funkspruch befand sich das Lustschiff um diese Zeit 200 Meilen nördlich und etwas westlich der Azoren.

Heute früh erhielt die Friedrichshafener Werst folgende Standortsmeldungen: 3 Uhr M. E. Z.35 Grad 52 Minuten Nord, 24 Grad West. Um 5 Uhr M. E. Z. 36 Grad 15 Minu­ten Nord, 21 Grad 15 Minuten West.

25 Tage über -er Arktis

Nansens Polarexpeditwn mit dem Zeppelin.

Berlin, 3. September.

Auf der Durchreise nach Genf hielt sich Pro- feflor Fritjof Nansen einen Tag in Berlin auf, wo er an einer wichtigen Sitzung der Aero-Arktik über die geplante Zeppeltn-Polar- expedition teilnahm. Wie er erklärte,

soll im Aprll nächsten Jahres der Start nach der Arstis vor sich gehen,

um dort zunächst mehrere wissenschaftlichc Beobachtungsfahrien vorzunehmen. Es sollen hierbei in erster Linie ozeanographische, erd- magnetische, aerologische und sonstige Beobach­tungen aller Art gemacht werden. Ferner sind geographische Feststellungen über bisher nocy wenig bekannte Länder und Inseln im Polar­gebiet beabsichtigt. Nach diesen vorbereitenden Unternehmungen soll dann zu der großen Fahrt gestartet werden, die

18 000 Kilometer weit über die unendlichen

Eisfelder der Arktis

führen wird. Ausgangspunkt wird T r o m s ö im nördlichsten Norwegen fein, wo ein Anker­mast errichtet wird. Die Fahrt wird von hier nach Fairbanks in Alaska gehen, wo gleich­falls ein Ankermast aufgestellt wird, und wo überhaupt der Stützpunkt für die wetteren Vor­stöße in die Polarwelt sein soll Man plant,

im Inneren der Arktis an irgendeiner günstigpn Stelle zu landen,

um wissenschaftliche Arbeiten und Messungen vorzunehmen.

Man rechnet für diese Expedition, zu der eine vollständige Polarausrüstung mitgenom­men werden wird, etwa 25 Tage. Da Bte meteorologischen Bedingungen in der Arktis sehr günstig sind, erwartet man zuversichtlich einen nuten Ansciang der Unternehmung

Die Empfangsvorbereitungen in Friedrichs­hafen sind beendet. Den Eingang zur Werst schmückt ein Triumphbogen mit einem .Will­kommen" und den weiß-blauen Fahnen des HauseS Zeppelin. Weichin ist di« weiße Auf­schrift aus dem Dach der Luftschiffhalle sicht­bar:.Wir gratulieren".

Daneben reckt sich das zu zwei Dritteln sertiggestellte Gerüst der neuen Hall« noch recht kahl in die Höhe. Ganz oben sieht man win­zig klein einige- Arbeiter bei der Dachdecker- arveit.

Allmählich treffen auch die Ehrengäste ein, die zum offiziellen Empfang geladen sind. Die Hapag wird durch Dr. Ktep selbst vertreten sein. Reichsverkehrsminister Siegerwald wird heute abend im Flugzeug nach hier kom­men. Die Absperrungsmaßnahmen auf dem gatuett Platz sind außerordentlich streng. Man wollte zunächst sogar bte Zahl der Angehö­rige» der Mitsahrenden für die Zulassung zum Landeplatz und zur Halle auf nur zwei für jeden Fahrgast einschränken, eine Maßnahme, die jedoch nicht aufrechterhalten werden konnte

Ueber die weiteren Pläne des Luftschiff­baues verlautet, daß beabsichtigt fein soll, vor- aussichtlich Anfang Oktober wieder eine Ame­rikafahrt zu unternehmen. Daß daS Luftschiff dauernd in Amerika bleiben werde, dürfte da­gegen eines jener Gerüchte sein, die ohne jede Grundlage bei jedem Zeppelinereignis aus. tauchen.

Wiesbaden, 3. September.

Ueber Vorbereitungen der Engländer für die bevorstehende Räumungsaktion ist zurzeit noch nichts bestimmtes bekannt. Wie jedoch verlautet, sind sie im Begriff, einen genauen Räumungsplan aufzustellen, der in den näch­sten Tagen, wahrscheinlich morgen oder über­morgen,. mit den deutschen Behörden bespro- che» werden soll. Nach Aeutzerungen von un­terrichteter Seite hat es den Anschein, als ob die ganze aus 6000 Mann Militär und 4000 Familienangehörigen bestehende englische Be­satzungsarmee möglichst beschleunigt zurückge­zogen werden soll. Die Reihenfolge der Räu- mung ist ebenfalls noch nicht festgesetzt worden. Man nimmt jedoch an, daß Königstein und Schwalbach in erster Linie geräumt werden.

Ueber die Absichten der noch in Wiesbaden weilenden französischen Besatzungsangehört, gen, die dort etwa 80 bis 100 Wohnungen in­nehaben, ist nichts bekannt. Es kann also noch nicht gesagt werden, ob sie gleichzeitig mit den Engländern Wiesbaden verlassen oder biS zur Räumung der dritten Zone durch die Franzo­sen dort bleiben wollen.

Die österreichische Rrise

Seipel fordert Bersassungsreform

London, 3. September. .Daily Telegraph" veröffentlicht ein Interview seines Wiener Kor­respondenten mit dem vormaligen Bundestanz, ler und Führer der Christlich-sozialen Partei Oesterreichs Dr. Seipel, in dem dieser zwar nicht die Möglichkeit einer Konfliktes leugnet, jedoch der Ueberzeugung Ausdruck verleiht, daß eine gründliche Reform der österreichischen Verfassung ohne Blutvergießen durchgeführt werden kann.

Auf di« Frage des Korrespondenten, ob diese Begegnung nicht ein Versuch sei, die Sozialisten unter Androhung einer Heimwehraktion zu zwingen, die notwendige Zweidrittelmehrheit zur Aenderung der Verfassung zu gewähren, antwortete Seipel, er sehe keinen Grund, wes­halb das zu einem Bürgerkrieg führen sollte. Wenn die Sozialisten, die notwendige Zweidrit­telmehrheit für Annahme eines Reformgesetzes ablehnen sollten, so bestünden zwei Möglichkei­ten: Der Landbund schlage für diesen Fall eine Volksabstimmung vor, deren Ergebnis die So- zialisten nicht ignorieren können. Er (Seipel) sei für eine sofortige Auflösung des Parlaments

Saarkonferenz am IS. September?

Eigene- Drahtbericht.

(Bon unserem

Berlin, 3. September.

Der Außenminister Dr. Strefemann hat sich nun doch entschlossen, seinen kurzen Berliner Aufenthalt um einen Tag zu verlän­gern und in der heutigen Kabinettssttzung ein Referat zu der Berichterstattung über die Hoa- ger Konferenz zu geben.

Es ist jedoch vollkommen abwegig, wenn an diese veränderte Reisedisposition in der rechtsradikalen Presse Vermutungen von hoch­politischem Inhalt geknüpft werden, so z. B. wenn in einem Blatte davon die Rede ist, daß Dr. Strefemann in Berlin bleiben mußt«, um eine gefährliche krisenhafte Zuspitzung im Reichskabinett zu bekämpfen, die sich aus An- laß der Haager Verhandlungen eingestellt habe. Von alledem kann gar keine Rede sein, sondern man weiß vielmehr schon im voraus, daß das gesamte

Kabinett und voraussichtlich auch der gesamte Regierungsblock im Parlament sich einmütig hinter das vorläufige Ergebnis der Haager Verhandlungen und unsere Delegierten stellen werden. Auch die Schwiertkckeiten im Zentrum werden voraussichtlich alsbald überwunden werden. Jedenfalls dürfte die heutige Kabi- nettssitzung sich lediglich auf die Berichterstat­tung in ihren Einzelheiten beschränken und dann mit einem offiziellen Kommunique enden, in welchem die einmütige Billigung der von