Freitag, 30. August 1929
Pröftdent Hoover empfängt käener
Eigene» Dra-tLericht.
Rümmer 204 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.
Einzelpreis: Sonntags 80 Pfennig. 19* ZahkgiMg
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In den Blättern der Rechts-vvposstio« wird «Mrsste Kritik an dem Ergebnis vom Haag icübt und von einer vollen Niederlage Dr. ^»resemannS gesprochen
Die Blätter der Mitt« urteilen zurückhaltender und sprechen unter anderem, tote j. V. daS .Tageblatt" davon, daß da- Haager Uebereinkommen bedauerlicherweise aus einer Reihe von deutschen Zugeständnisse« besteh^
der Halle. Er wurde darauf zum Eingang der Halle gezogen, und zwar im rechten Winkel zur Längsachse der Halle, da der Wind quer auf die Halle weht.
Um 13,30 Uhr MEZ. war der Bug des „Graf Zeppelin- in der Halle. Die Bodenmannschaft unter dem Kommando des Martne- leutnants Sock arbeitete musterhaft. Schritt für Schritt schob sich der Rtesenleib des Luftschiffes in die Halle, die der „Graf Zeppelin- diesmal ganz für sich hat.
D:e Passagiere lehnten aus den Fenstern und winkten der Menge zu, die die Grütze iu- belnd erwiderte. Um 13,50 MEZ. war das Luftschiff in der Halle untergebracht.
Dr. Eckener wurde von der begeisterten Menge förmlich bestürmt Aus die Frage, ton lange er im ganzen in der Luft war, erklärte Eckener, 288 Stunden. Nicht ein einziges Mal aus dem ganzen Fluge setzten die Motoren aus.
Dr. Eckener nahm die Einladung der Stadt Newyork zum Empfang und Lunch am Freitag an. Er flog zunächst nach Washington.
Start nach 8rie-richshafen Sonnabend um Mitternacht. — Eckener fährt nicht mit.
Lakehurft, 30. August.
Sobald der „Graf Zeppelin" fichrr in der Halle untergebracht war, begab sich Dr. Eckener in das Preffezimmer, top er von mehr als hundert Prcffevertretern fuhelnd begrüßt wurde Dr. Eckener kündigte an, daß er nicht mit dem „Gras Zeppelin" nach Friedrichshafen zurückkrhrt, sondern sich etwa 12 Tage in den Vereinigten Staaten aushalten und vor feiner Rückreise nach Deutschland vkron (C6lo) besuchen werde. In Okron befindet sich der Sitz der Goodqear Zeppelin Eo., die dir Zeppelinpatenie für Amerika erworben Hot und zur Zeit Rie- senlustfchiffe des Zepprlintyps für die amerikanische Marine baut.
Dr. Eckener teilte ferner mit, daß der „Graf Zeppelin" am Sonnabend um Mitternacht unter Führung des Kapitän Lehmann «ach Friedrichshafen abfliegen wird.
Haager Manz
Von unserem Berliner Vertreter.
Unterzeichnete Dokumente
Eigene Drahtmeldung
gefundene Lösung alt brauchbar bezeichnen zu können. i
Der Abg. Dr. Qua atz hat den Reichs- sinanzminlster Dr. Hrlferding um schleunige Beantwortung der von ihm gestellten Frage über die wirkliche Höhe der Belastung des deutschen Volkes durch den Pariser Tributplan gebeten, da die deutsche Oefsentlichkeit ein Recht auf schleunige Aufllärung habe.
„Nicht beneidenswert"
Die Londoner Preffe über die Stellung der deutschen Delegierten.
London, 30. August.
Die „Times- stellt in ihrem Leitartikel fest, daß da- glückliche Ende der Konferenz sehr wesentlich gefördert worden sei durch Vie Aus- gleichSbereitschaft der deutschen Abordnung, deren Stellung im Hinblick auf die ungewisse politische Sage in Deutschland nicht beneidenswert gewesen sei. Im Laufe der Konferenz seien die deutschen Vertreter zu einer Reihe von Zugeständnissen veranlatzi worden, die in der Heimat kaum besonders volkstümlich gewesen seien, wie die Beteiligung an den Be- satzungskosten nach tzx.m 30.. die Acn- derung des Dawesplanes usto.
Der „Daily Telegraph- bringt gleichfalls seine Befriedigung über die Haager Einigung zum Ausdruck, weist aber darauf hin, daß das Räumung-datum de- 30. Juni weit später liege al- nach britischer Auffassung prakttsch und wünschenswert war. Aber diese Der« zögerung werde ausgeglichen durch die Tatsache, daß keine Vorkehrungen für eine neue und besondere Kontrollform getroffen wovden seien. Das Blatt schließt: Der Kamvf um d'e Ratifikation verbleibt und wird in Frankreich, Wenn nicht auch in Deutschland, noch sehr heftig werden.
Die Schlutzarbetten im Haag
Beratungen des Finanzausschusses noch nicht abgeschlossen / Sonnabend Konferenzschiutz,
Berlin, 30. August.
Da- Ergebnis der Haager Verhandlungen, soweit es bis jetzt vorliegt (tn einigen Fi ny- fragen sind noch Schwierigkeiten zu üderwin- den) dürfte in der deutschen Oeffentlichkett zweifellos -mit gemischten Gefühlen aufgenom- men werden.
Es ist sehr bemerkenswert, daß es gelungen ist, die politischen Fragen vor dem endgültigen Abschluß der FtnanzfrageN zu regeln, d. h mit anderen Worten, die Räumung des Rheinlandes zu sichern, noch bevor die endgültige Zustimmung zum Foungplan gegeben wurde. Das umgekehrte Verfahren wäre unmöglich gewesen, und die deutsche Delegation hat auch gerade in den letzten Tagen noch wiederholt das größte Gewicht auf diese gegenseitige Abhängigkeit der politischen und der finanziellen Fragen gelegt. Nunmehr ist der Standpunkt durchgesetzt und angenommen, daß die Räumung gewissermaßen eine Voraussetzung für das Inkrafttreten des Doungplanes ist. Man wird es tn Deutschland zweifellos bedauern, daß die
Räumungsfristen erheblich hinausgezögert worden sind. WWWMn läßt sich nun die Tat- fache feststellen, daß spätestens Mitte des nach- sten Jahres, also doch rund fünf Jahre vor Ablauf der vertragsmäßigen Frist von Versailles, das Rheinland unter allen Umständen befreit sein wird.
Stärkere Verstimmung als durch die langfristige Räumungsaktion wird durch die Bestimmungen über die Kontrolle hervorgerufen werden. Zwar ist auch hier mit Genugtuung festzustellen, daß fede sogenannte besondere Kontrolle für das Rheinland, tote sie im vorigen September in Gens in Aussicht genommen wurde, vermieden ist. Die deutsche Dele-
Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung »ga Hessische Abendzeitung_________________
gatten hat im vorigen Jahre diesem Gedanken leider zu schnell zugestimmt und hat große Mühe gehabt, von diesem Projekt wieder herunterzukommen. Das ist nunmehr gelungen und die Locarnokommissionen bleiben die ein» sigen Instanzen, die für irgendwelche künftige Kontrolle in Frage kommen. MerdingS mutzte auch hier ein Opfer gebracht «erden. Deutfch- land hat nämlich zugestimmt (was tn dem amt» lichen Kommuniauk nicht deutlich zum Ausdruck kommt), daß künftig sowohl für pokitifche Fra* gen wie auch für Rechtsfragen unter alle« Um» ständen die Vergleichskommisflon zuständig fein soll, während bisher in Rechtsfragen dies« Kommission nur angerufen werde« konnte, wenn Deutschland ausdrücklich fein Einverständnis damit von Fall zu Fall erklärte. Die Bedeutung dieser suristischen Veränderung liegt darin, daß in Zukunft
in alle« Frage«, auch in solchen, bei denen «4 sich um Angelegenheiten deS Artikels 48 und 43 des Versailler Vertrages handelt (entmilite- rifiertes Gebiet) die BergkeichSkornmissio«
auf jeden Fall in Tätigkeit tritt
und daß diese nach dem Locarnovertrag Be» kanntlich die Befugnisse der Zeugenverneh» mung, der in Augenscheinnahme, kurz regel« rechte Kontrollbefugnisse besitzt. Deutschland kann dann zwar immer noch den Völkerbunds« rat anrufen, aber das Verfahren der Der« aleichskommission wird dadurch nicht berührt. Es ist ebne weiteres zuzugeben, daß sachlich und praktisch gesehen diese Bestimmung wahrscheinlich nicht von größerer Wirkung sein wird und daß wir davon in künstiaen Jahren (Biete Bestimmungen gelten ja auch nach 1935) nicht allzuviel spüren werden. Man muß aber berücksichtigen. daß
von der Psychologischen Seite null ««sehe«, derartige Bestimmungen, besonder- bei der rheinischen Wählerschaft unangenehme Ein
drücke Hervorrufe«
können. Der Minister für die besetzten Se« biete. Dr. Wirth, hat heute in der „@erme< nia- und in der „Kölnischen BakkSzeitung* in ausführlichen Unterredungen feine Anschau« ungen über diesen Punkt dargelegt. Er kommt vor allem darauf hinaus, daß entgegen der Meinung, die der Parteivorsitzende Prälat Kaas vertritt, die Bestimmungen der Locarno. Verträge schon bisber die gleichen Befugnisse für die Vergleichskommission enthielten, wie sie nunmehr festgestellt worden seien. Dr. Wirth erklärt weiter, es fei für ihn
maßgebend gewesen, eine besondere Kommission auszuschalten, wie sie tm vorigen Jahr«
in Gens in Aussicht genommen war
und, nachdem von her offiziellen amtliche« Außenpolitik in Berlin die Kompetenz dieser Kommissionen auch für Artikel 49 und 43 ««• erkannt worden war sei diese jetzige Regel««« nicht mehr zu umgeben gewesen Er könne sich dem Standpunkte de» Prälaten Kaa» nicht ein schließen, werde aber einer Auseinandersetzung mit seinen Parteifreunden nicht au» de« Wege geben Vielleicht bietet sich schon morgen bei der Sitzung der ZentrumSfraktivn tu Freiburg hierzu Gelegenheit.
Im übrigen unterliegen die Ergebnisse vo« Haag vorläufig noch der parteipolitischen und weniger der sachlichen Beurteilung. Jnsolge« . dessen
schwanken die Meinungen tu der Parteipress« heute von einem Extrem ht daS andere.
Der „Vorwärts* ist allerdings vgr« läufig noch da« einzige Blatt, da« ohne Einschränkung einen Erfolg feststellt, de« <1 in drei Punkten sieht: 1. Dem Inkrafttreten bei Poungplanes 2 In der Räumung der besetzten Gebiete 3 In der Tatsache daß auf bet Haager Konferenz daS Verhält«-- zwischen Frankreich unb England sich fundamental geändert bade und baß dabei die Entente «ufge# hört habe zu eristierrn
Haag, 80. August.
Die Unterzeichnung be# politischen fieber- einkommens der Haager Konferenz fand heute mittag 12,IS in einem feierliche« Akte statt. Nach der Unterzeichnung wechselten die Beteiligte« unter dem Beifall der anwesende« Diplomaten Händedrücke.
Bet den politischen Vereinbarungen handelt es sich um folgende Dokumente:
1. Ein von famtliche« sechs Mächte« unter- zeichnctes Protokoll.
2. Ein Abkommen über die Frage der Ber- gleichskommiffion, daS «ur die Unterschriften er Loearnomächte trägt.
3. Ein gemeinsamer belgisch-fnmzöstsch- englischer Brief Über die Räumung an Deutsch- land mit einem Annex, in welchem die Einzelheiten über die Räumung und über die Amnestie enthalten sind.
4. Ein gleichlautende» Antwortschreiben der detttsche« Regierung an die vorgenannte« drei Mächte.
Die obigen Dokumente «erden heute abend veröffentlicht werden. Die Schlußsitzung der Finanzkommiffion ist für nachmittags 3 Uhr anberaumt.
M
Der Präsident der Politischen Kommission Henderson überreichte dem Präsidenten der Haager Gesamtkonferenz I a s p a r den goldenen Füllfederhalter, mit dem die Unterzeichnung vollzogen wurde. Jaspar nahm ihn mit Dankesworten an, aber Henderson erbat sich mit einigen Scherzworten den Federhalter wieder zurück, nicht — wie er sagte — um ihn zu behalten, sondern um die Namen sämtlicher Beteiligten, die mit diesem Instrument ein wettere- wichtige- Frieden-dokument un« terzeichnet haben, auf dem Federhalter ein- gravieren zu lassen.
Vor Vrlan-r Abreise
Pari», 30. August.
Ministerpräsident Briand wird beute abend in Paris erwartet. Ehero« und L°u- cheur Werden bis zum SamStag im Haag ölet- bett, um der Schlußsitzung beizuwovnen und Verhtmdlungen mit den kleineren Mächten zu führen, die sich mit der Reparationsregeluna nicht zufrieden zeigen. Auf Sam-tag früh ist ei» Ministerrat im Elysee einberufen worden, in der der Bericht BriandS über di» Haager Konferenz und die dort erzielten Ergebnisse entgegengenommen wird-
Laut Journal- wird Briand mit seine« Kollegen auch die Frage prüfen, ob das Parlament, das bekanntlich bis November in die Ferien gegangen ist, bereits tm Oktober zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen «er» den soll, um den Voung-Plan und die tm Haag gefaßten Beschlüsse zu ratifiziere«.
Anwandlung von Großmut
Pari», 30. August. Der Korrespondent de» „Journal- im Haag Will erfahren haben, daß Snowden in eine. Anwandlung von Großmut, die politische Gründe zu haben schemt, beschlossen habe, auf fünf Miv'^nen oon dem England. Japan, Portugal unb ben kleinen Mächten zu« gestandenen ungeschützten Anteil zu verzichten. Die» werde zur Erl ichterung der ziemlich muh- seligen Verhandlungen beitragen, die mit Rumänien, Südslavien, Griechenland und bet Tscheche "owaket geführt werden müßten.
„Line brauchbare Lösung"
Dr. Wirth über die Kontrollfrage.
Köln, 30. August.
In einer vo« der „Kölnischen Volkszeitung- veröffentlichten Unterredung erklärte der AN- nister für die besetzten Gebiete Dr. Wirth über die Verhandlungen bezüglich der Rheinland- kontrolle u. a.: Ich lehnte jede neue Kommission ab. wenn sie als «ine Kombination det beiden vorhandenen Locarno-Vergleichskom- Missionen in dar harmlose Kleid der sogen Gemischten Kommission gehüllt war. Ich ersucht« ferner unter allen Umstande» für Deutschland die Möglichkeit zu sichern, in jedem Augenblick Deutschland das Recht zu yerschas» fett den strittigen Fall vor be« Völkerbund» rat zu bringen. Bo» einem Kontrollcharakier oder davon, daß nunmehr zwei Feststellung»- kommissionen geschaffen seien, kann gar kein» Rede sein. Di» deutsch« Delegation unb auch ich glauben, nach schweren Bedenken die jetzt
Newyork, 30. August.
Im Laufe des Donnerstag nachmittag stattete Dr. Eckener dem Präsidenten Hoover i« Washington seinen Besuch ab. Präsident Hoover gab feiner Bewunderung über bi« Leistungen bei „Graf Zeppelin" und Dr. Eckener» Ausdruck. Dr. Eckener hab« dem Flugwesen einen großen Dienst geleistet. Der Erfolg wär«, so fuhr Hoover fort, den hervorragende» Wissenschaft, lichen und technischen Fähigkeiten deS deutschen Volkes zuzuschreiben, die dadurch ihre eigen« Kühnheit in hie Tat umgesetzt hätten. Sie haben be« Menschengeist zu erneutem Vertrauen in de» menschlichen Fortschritt empor- gehoben.
Dr. Eckener sprach hierauf einig« Worte, di« durch den Botschaftsrat «iep übersetzt «ur. de«: „Herr Präsident! Ich bin Ihne» sehr dank, bar für die herzlichen Worte, die Sie mir gewidmet haben. Hie sind s» gütig gewesen, die Leistungen deS Schiffes und feine» Kapitän» dankbar anzuerkennen, und wir find stolz auf diese Anerkennung. Ich kann jedoch nicht um- hin, zu betonen, daß diese Leistungen nicht ohne die großzügige Hilf« fettens der Bereinigten Staaten erzielt werden konnten, und will diese Gelegenbeit nicht verstreichen lassen, ohne meinen Dank dafür auSzusprecheit"
Rach einer Ansprache geleitete Präsident Hoover Dr Eckener in den Garten des Weißen Hauses, wo beide photographiert wurden. Dr. Eckener sprach dann noch einige Worte tn deutscher Sprache in da» Mikrophon und verabschiedete sich dann von dem Präsidenten.
Line Glanzleistung -er Zeppelinmotore
Die Landung in Lakehurft.
, Lakehurft, 30. August
fieber die Landung de» „Graf Zeppelin- m Lakehurft, di», tote toit tm größten Teil unserer gestrigen Auslage bereit» mitteilte«, gestern nachmittag 13,14 Uhr MEZ. erfolgte, seien noch folgende Einzelheiten mitgeteilt:
»Traf Zqtpelin- landete etwa 500 Meter vor