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Kaffeler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Zwischen Tokio und Los Angeles

„Graf Zeppe'.ln" macht gute Fahrt / tingünfttge Wetteraussichten / Durch starken Nebel vorwärts

Siegreicher Kampf mit Stürmen

(Eigene Drahtmeldung).

des „Graf Zeppelin" wird Sonntag nachmittag oder Montag früh gerechnet. Der Flugplatz ist bereits für die Oeffentlichkeit gesperrt. Er steht unter starkem militärischen Schutz. Niemand darf sich dem Ankermast nahen.

Tokio, 24. August.

Ein Funtfpruch von Bord d«S „Graf Zep. p«lin" teilt mit, daß das Luftschiff an die Ra. difftation Ochischj etwa 3 Stunden nach sei­nen Abflug von Kasumiganra in einen Sturm geriet, der es heftig schüttelte. Es herrscht jedoch keine Unruhe an Bord. Die Sturmzone war bald durchfahren, und die Passagiere können in aller Ruhe ihre Abendmahlzeit einnehmen. DaS Luftschiff war noch dem Auf- fties von Kasumiganra nach Südosten abge- drel t, um dem an der Küste von Hokkaide herr­schenden schlechten Wetter auSzuweichen. An- schei tend war es aber doch in einen Ausläu­fer oes Sturmes hinetngeraten.

SAs das Luftschiff oetzern (2 Uhr nachmit­tags MEZ) seinen Standort bekanntgab, kün­digte eS zugleich an. daß eS seine Geschwin­digkeit gesteigert habe und mehr als 130 Stui denkilometer zurückleqe. Ein Funkspruch von Lord eines Pazifie-DampferS besagt, daß dieser das Luftschiff „Graf Zeppelin" gefich- tet habe, bald nachdem eS die Sturmzone ver­lassen habe. Auf dem Schiff hatte man den Eindruck, daß das Luftschiff den Gewitter- den früheren Flügen den Erfolg gewährleiste- einer Stundengeschwindigkeit von rund 150 Kilometer in östlicher Richtung. DaS Luftschiff folgt also der Dampferlinie und vermeidet da- mit die weiter nördlich gelegenen Aleuten-Jn- seln, die wegen ihrer häufig auftretenden gro- ßen Rebelgebiete bevüchtigt stnd.

Eckeners Führerkunst

Nachdem der „Graf Zeppelin" das ©turnt- gebier unversehrt durchfahren hat, nahm er bei mondhellem, klarem Wetter und einer Flugge­schwindigkeit von nahezu 150 Stundenkilome­tern zunächst seinen Kurs etwa 800 Kilome­ter südlich der zuerst geplanten Route. DaS Luftschiff flog zwischen der nördlichen und der südlichen Dampferstraße über dem einsam­sten Teil des Stillen Ozeans. Dr Eckener be­kundet dabei hinsichtlich der Wetterlage die gleiche scharfe Beobachtungsgabe, die schon bei den frstheren Flügen den Erfolg gewährleiste­te. Obgleich das Luftschiff auf den südlicheren Kurs, dem eS jetzt folgt, eine größere Strecke zu bewältigen hat, so entgeht es doch dem un­günstigen Wetter, daS nördlich seines jetzigen Standortes herrscht.

„An Borö alles in Ordnung"

Tokio, 24 August.

Die Funkstation Ochiischi erhiev heute vor- mittag 10 Uhr Tokioter Zeit (2 Uhr früh MEZ) einen Funkspruch vom „Graf Zeppelin", i» dem sein Standort mit 161,25 Grad östlicher Länge und 39,20 Grad nördlicher Breite angegeben wird. Hiernach ist daS Luftschiff von Kasu- migaura etwa 2200 Kilometer entfernt.

Eine etwas spätere Meldung gibt die Posi­tion des „Gras Zepppelin" mit 1350 Kilometer südlich und etwaS östlich von der Südspitze der Halbinsel Kamschatka an Passagiere und Mannschaft befinden fich in bester Verfassung.

Rewyork, 24. August. Rach einem Funkspruch von Bord des „Graf Zeppelin" befand fich das Luftschiff um 1 Uhr MEZ auf 39,20 Nord und 161,25 Ost.

Hamburg, 24. August Die Hamburg-Ame- rika Linie teilt mit, daß fich daS Luftschiff „Graf Zeppelin" um 5 Uhr MEZ auf 165 Grad Ost und 40,50 Grad Nord befand. An Bord sei alles in Ordnung.

Barometer fallt!

San Franrisro, 24. August. Nach einer Mit­teilung des hiesigen Wetterbüros liegt ein gro- tze- Nebelwürfel 'n der Fahrtrichtung beS „Gras Zeppelin". Auch werde das Luftschift bei der Fahrt nach Amerika frischen Winden benennen Westlich von 170 Grad westlicher Länge ist die Windrichtung von der Behringsee her südlich ötzlick. von demselben Meridian herrscht West­wind. DaS Barometer fällt stark. Ueber dem Golf von Alaska stnd starke Störungen in Bil- düng begrisken.

San Francisco, 24. August. Die Funkstation Mackaq erhielt um 9 Uhr vormittags M E. Z. eine Meldung vom „Graf Zeppelin", die den Standort des Luftschiffes mit 168 Grad 30 Mi­nuten östlicher Länge und 41 Grad 5 Minuten

nördlicher Breite augibt. In der Meldung heißt es weiter: „Wir machen 50 Knoten durch dichten Rebel".

tos Angeles ist gerüstet!

London, 24 August.

Rewyorker Meldungen besagen, daß in Los-Angeles alle Vorbereitungen für die Lau- düng und die Befestigung des LuftschifteS am Ankermast getroffen stnd. MU dem Eintreffen

Aus San Diego stnd dreihundert Matrose» in Lo« Angeles eingetroffe«. Die notwendigen maschinellen Einrichtungen für die Auffüllung des Luftschiffes sind gleichfalls in Stand gesetzt worden.

I« Rewyork werden schon jetzt die Pläne für den Empfang eatworftn. Die Stadtverwal­tung plant einen festlichen Empfang Dr. Ecke- nerS und der gesamten Besatzung, eine Parade und einen Empfang in der Stadthalle, wo Bür- germeifter Walker die Begrüßungsansprache halten wird.

Verhandlungen im Kreise

Eigene Drahtmeldung

Haag, 24. August.

Die Haager Konferenz ist gestern abend wieder an dem P angelangt, wo sie von 3 Wo­chen stand. Die Fronten haben sich nach dem Besuch der deutschen Vertreter Dr. Hilferding und Dr. Curtius bei Snowden geklärt, und das Problem spitzt sich ganz klar wieder auf die englisch-französische Auseinandersetzung zu, wie sie zu Anfang der Verhandlungen bestand.

Der englische Schatzkanzler Snowden gab den deutschen Vertretern zu verstehen, daß England in der Reparationsregelung nicht in der Lage fei, an Deutschland einen rechtlich begründeten Anspruch aus ein Entgegenkom­men außerhalb der jetzigen im Doungplan vorgesehenen Regelung zu stellen. Wie von englischer Seite erklärt wird, bedeutet das, daß Herr Snowden auf die Bereitschaft Deutschlands, zu einem Kompromiß beizutra­gen, in logischer Verfolgung seiner bisherigen Haltung verzichtet.

Auf deutscher Seite wird dementsprechend auf das Bestimmteste erklärt, daß

Deutschland in keiner Weise Angebote gemacht und sich in irgendeiner Form gebunden habe. Diese Erklärung läßt die Interpretation zu, daß nach dem ablehnenden Bescheid Snowdens die von den vier übrigen Gläubigermächten ins Auge gefaßte Möglichkeit, unter Beteili­gung Deutschlands einen Kompromißvorschlag zu machen und dann auch die bisher durch französische Verlautbarungen bekannt gewor­denen Versuche. Deutschland zu einer Erwei­terung des ungeschützten Teiles der Annuitä­ten zu veranlassen, hinfällig geworden sind.

Ueber den weiteren Verlauf der Konferenz kursierten gestern abend die wildesten Gerüchte Immerhin ist in der Richtung ein Fortschritt erzielt worden, daß man

nicht mehr alternativ von Biegen oder Brechen redet

und eine Schlußsitzung für heute in Aussicht nimmt, nach deren Abhaltung die verschiede­nen Delegationen auseinandergehen.

Man hat fich vielmehr entschlossen, unter Hintansetzung verschiedener anderer Pläne und Wünsche einzelner Haupwelegierter die Ver­handlungen über den Sonntag hinaus fortzu- setzen, um nach einem Ausgleich zu suche«.

Endlich

das Grganisationskomitee

Haag, 24 August.

DaS im Poungplan vorgesehene Organisa. tions-Komitee für die Anpassung der nach dem DaweS-Plan erlassenen deutschen Gesetze ist zu seiner ersten konstituierenden Sitzung unter dem Vorsitz der früheren belgischen Ministerpräsi­denten Delacrotr im Haag zusammengetreten und hat zum neutralen Vorsitzenden Herrn MarcuS Wallender g«Stockholm gewählt.

Das Komitee besteht aus drei Unteraus­schüssen. für die Anpassung der Regelung der verpfändeten Einnahmen des Bankgesetzes und des Reichsbahngesetze» und setzt fi chwie folgt tufamtnen:

Verpfändete Einnahmen: Mini­sterialrat Dr. Berger, Staatssekretär tt D Bergmann. Andrew Mac Fadyean. Mini, ster Gaillet-Bellotteau.

Bankgesetz: Sir Charles Addis. Dela. croir, Ministerialdirektor Dr. Scheffer, Ge­heimrat Bocke.

ReichSbahngesetz: Bianchini, Mini- sterialdireftor Professor Dr. Dorn, Leverve, Ministerialdirektor Bogel.

DaS Komitee trat unter dem Vorbehalt zu. sammen, daß au fdcr Konferenz ein grundsätz­liches Einvernehmen zustande kommt

Der Kampf um die Räumungstermine

Paris, 24. August.

Sauerwein meldet im „Matin' auS dem Haag, daß die Gläubigermächte an Snowden im Verlaufe der Verhandlungen am Freitag abend neue Zugeständnisse gemacht hätten. Sauerwein glaubt, zu wissen, daß der Vor­schlag 75 vom Hundert der englischen Forde­rung entspricht.

Zu der Frage, ob Deutschland Zugeständ­nisse gemacht hätte, erklärt Sauerwein an an­derer Stell«, Deuffchland habe sich nach der Unterhaltung der Minister Curtiu» und Hil­ferding mit Snowden am Freitag abend gleichsam aufgefordert gefühlt, ein Opfer zu bringen. ES verlange aber dafür eine Gegen» leistung und zwar eine Verkürzung der Räu- mungSsrist. Dr. Stresemann habe den 1. Ja­nuar gefordert, wobei er jedoch zu verges­sen scheine, daß die Räumung der driften Zo­ne erst nach der Kammerabstimmung begin­nen könne. Die französischen mllitärischen Sachverständigen hatten den 1. September vorgeschlagen. ES erscheine möglich, daß man Deuffchland entgegenkomme, indem man den 1. Mai als RäumungStermin festsetze.

„Unfaires Spiel"

Amerikanische Presseurteile über die Haager Verhandlungen.

Rewyorh 24 August.

Die Rewyorker Blätter äußern sich heute ausführlich zum Stande der Haager Konfe­renzarbeiten. Die „Rewyork Times' schreibt, selbst die Feinde DeuffchlandS müßten zugeben, daß Stresemann aus der Haager Konferenz eine bedeuffame Erklärung für sein Land abgegeben habe. Deuffchland hatte zu­nächst ruhig beiseite gestanden, während die Franzosen und Engländer handelten. Strese­mann habe dann geglaubt, nicht mehr länger schweigen zu können, als die Konferenz tn gro­ßer Gefahr zu sein schien.

Deutschland habe auf der Pariser Sachver- ständtgen-Konferenz sehr große Zugeständmsse aemaebt. Die Alliierten torpedierten jetzt den Voungplan. ES sei unfair gegenüber Deutsch­land, wenn man eS im Falle des Scheiterns der Haager Konferenz zur Weiterzahlung nach dem DaweSplan anfsordere. Auch müsse man bedenken, daß die RheinlandrSumung mit dem Youngplan verbunden sei.

„Rewyork World' meint, eS sei un­gerecht und zeuge nicht von gesundem Men­schenverstand, wenn man Stresemann mit lee­ren Händen heimschtcke, wenn man also von Deutschland wegen eines ausschließlich die Al- liierten angehenden StteitfalleS Zahlungen nach dem DaweSplan verlang«, während die Rheinlandbffetznng weiter bestehen bleib-.

Dunkles Senf

W. P. Der Genfer Professor Bovet hat ein­mal gesagt, es gäbe im Glashause des Völ­kerbundes einen winzigen vollkommen dunk­len Raum, in den kein Tageslicht dringe und ans dem kein &«ut an die Oeffentlichkeit ge­lang«. Das sei der Raum, in dem der Schutz der Minderheiten -verwirklicht' werde. Die­sen Raum endlich einmal in eine bessere Be­leuchtung zu setzen, die erkennen ließe, was eigentlich innerhalb dieser vier Wände, gespielt werde, war daS Ziel des deuffchen VorfwßeS in der Minderheitenfrage, der mit einem ur- kräftigen deutschen Faustschlage auf den Lu­ganer Verhandlungstisch eingeleitet und auf den Genfer und Madrider Völkerbundstagun­gen fortgesetzt wurde. Aber wenn zu Beginn dieses Jahres ein Genfer Journalist den pro­phetischen Satz gewagt hat, daß das Jahr des Heils 1929 im Zeichen der Minderheitenfrage stehen werde, so ist dies« Prophezeiung nur in recht bedingtem Umfange in Erfüllung ge­gangen. Der Völkerbundsrat, dem offenbar immer noch nicht die Erkenntnis auf gegangen war, daß die Minderheitenfrage keineswegs eine Privatangelegenheit einzelner besonders interessierter Staaten, sondern eine Schick­salsfrage ganz Europas sei, hat sich bei seinen Mai- und Juniverhandlungen mit übergroßem Eifer bemüht, den unangenehmen deutschen Vorstoß abzufangen. Unb dann traten immer stärker die großen Fragen, um die jetzt im Haag die Entscheidungsschlacht ausgefochten wird, in den Vordergrund; der Raum im Gen­fer Völkerbundshause, von dem Bovet sprach, lag wieder im tiefsten Dunkel.

Man hatte freilich damit gerechnet, daß auf der bevorstehenden Genfer September­tagung die Minderheitendebatte im An­schluß an den Bericht des Generalsekretärs von dem deutschen Vertreter nochmals In Gang gebracht werden würde. Da aber auch di« Ver­handlungen im Völkerbund aller Voraussicht nach noch ganz im Schatten des Reparations- Problems und der großen, damit zusammen­hängenden politischen Fragen stehen werden, dürste für die Minderheitenfrage nur wenig Zeit übrigbleiben. Das ist schon deshalb be­dauerlich, weil vor kurzem durch die Presse Gerücht« liefen, daß von den Staaten der Kleinen Entente und von Polen eine Aktion gegen die Minderbeitenschutzverträge beabsich­tigt werde. Denn wenn diese Nachrichten of­fenbar auch nur zur Einschüchterung der Mit­glieder des MinderheitenkongresseS — eine einseitige Kündigung der Verträge, von der gefabelt wurde, ist rechtlich überhaupt nicht möglich — in die Oeffentlichkeit lanziert wur­de, so kann doch diesen Gegnern des Minder­heitenschutzes nicht oft genug auf ihre schmut­zigen Finger geklopft werden. Vor allem aber ist es notwendig, den Völkerbund immer wie­der an die Pflichten zu erinnern, die ihm, der Verkörperung deS „neuen Systems inter­nationaler Beziehungen', auf diesem Gebiete zugefallen sind. Und wenn im September wirklich feine genügende Gelegenheit vorhan­den sein sollte, die Forderung aus Mtivierung der Genfer Minderheitenpolitik mit Nachdruck zu verfechten, dann werden fich die deutschen Vertreter diese Ausgabe für die nächste Völker« bundstagung unbedingt bornierten müssen.

Denn das, was der Völkerbund, der beute leider immer noch tn erster Linie eine Versiche­rungsgesellschaft der Starken ist. bisher zum Schutze der Schwachen, zum Ausgleich der durch die „neuen Verhältnisse naturgemäß ge- schaffenenSPannungen„ getan bat. ist durchaus unzureichend. Di« deutsch« Märzaktion hat zwar einige Verbesserunaen in bem technischen Verfahren, daS bei der Prüfung von Minder- heitenbeschwerden in Gens angewandt wird, gebracht, aber all« grundsäklichen Forderungen sind von dem damals eingesetzten Dreimänner- Kollegium. in dem kein Befürworter einer tat­kräftigen Minderheitenpolitik vertreten war, mit prompter Zuverlässigkeit abgelehnt worden. Ins Grab befördert Wurde von die­sem Beerdigunasinstitut. als das sich der Drei­erausschuß darstellte, der fruchtbare Gedanke, daß der Völkerbund von sich aus die Durch­führung der Minderheitenschutzverträge kon­trollieren müsse, unbeachtet blieb der Vorschlag eine ständige Minderheitenkommission einzu­setzen, abgelehnt tourbe die Aushebung der nur gegen Deutschland gemünzten Bestim­mung, daß bei der Prüfung von Minderhei« tenbeschwerden kein Vertreter eines der Min­derheit stammverwandten Landes beteiligt fein darf, und verworfen wurde schließlich auch bie Anregung, unter Umständen einen Vertreter der beschwerdeführenden Minderhett auzu- hören.