und führte an*
Garvin dankte von der
Vor Kasseler Gerichten
sah in dem Landrat nur „formell" seinen Vor* gesetzten, im übrigen wähnte er sich selbstständig. Und zwar so selbständig, daß er für das Werk auf eigene Faust einen Kredit von 50 000 Rm. aufnahm, ohne daß ihm jemand darüber etwas sagte. Die Genehmigung der Aufsichtsbehörde wurde nachträglich ohne jedes Wimperzucken erteilt.
Das Selbständigkettsgefühl des Beamten ging dann bald so weit, daß er sich und anderen Angestellten in zahlreichen Fällen Vorschüsse anwtes und auch auszahlen ließ. Darin fand die vorgesetzte Stelle nun doch ein Haar. Sie verbot in einer Instruktion ausdrücklich die Zahlung von weiteren Vorschüssen und da sich der Mann dem „formellen" Vorgesetzten nicht fügen wollte, entließ man ihn fristlos und überlieferte ihn sogar dem Strafrichter. Die erste Instanz hatte in der Vorschußzahlung, durch die übrigens kein anderer Schaden als Zinsverlust entstanden war, eine Untreue gesehen und als Buße auf zwei Wochen Gefängnis erkannt. Die Strafkammer in Kassel, die den Fall noch einmal nachprüfte, konnte nicht begreifen, tote der Angeklagte die Anweisung, keine Vorschüsse mehr zu zahlen, nicht gr- lesen haben will. Das sei unglaubhaft und daher müsse es bei dem erstinstanzlichen Urteil sein Bewenden haben. Ob damit nun diese Geschichte von Vorschüssen erledigt sein wird? Wir glauben es nicht!
erkannte Gelehrte, Künstler, Politiker und Schriftsteller aus den verschiedensten Wissenszweigen nach Münden, die 14 Vorträge Boten. Die Hochschule konnte ihre neue Aula mit einem Bild schmuck aus der Hand des Berliner Professors Dettmann zieren.
Dom Offenbarungsei-
Eine sehr beachtliche Entscheidung des Oberlandesgerichts
Das Obertandesgericht Kassel hat kürzlich zu der Frage Stellung genommen, ob ein Schuldner von derVerpflegung zur Leistung des Offenbarungseides vor dem Vollstreckungsgericht befreit ist, wenn er den Offenbarungseid vor dem Finanzamt innerhalb der letzten fünf Jahre geleistet hat.
Das Landgericht Hanau hat die Frage verneint. Wenn der in Steuer* und der in Zivilsachen zu leistende Eid auch denselben Wortlaut haben, ist doch ihre Bedeutung verschieden. Wer vor dem Vollstreckungsgericht den Offenbarungseid geleistet bat. wird in das dort geführte Schuldnerverzeichnis eingetragen, das jedem zur Einsicht offen steht; diese wichtige Wirkung entfällt aber bei dem im Steuerver fahren geleisteten Eide. Dazu kommt, daß jeder Gläubiger von dem tor dem Vollstreckungsgericht beschworenen Vermögensverzeichnis Kenntnis erhalten kann; der Schuldner kann die Gläubiger jedoch nicht daraus verweisen, von dem Finanzamt Auskunft einzuholen.
Das Oberlandesgericht hat diese Entschel- dung gebilligt. Der Oftenbarungseid vor dem Finanzamt sei nur für die Steuerbehörde in dem Verfahren gegen den Schuldner von Bedeutung, während her Offenbarungseid vor dem VollstrcckungsgKiM alle Gläubiger angehe und daher nicht unter Berufung auf den im Steuerverfahren geleisteten Eid verweigert werden könne.
Sonderzüge.
Anläßlich des am Sonntag, den 25 August in Treysa staitsindenden großen Spring- Reit- und Fahrturniers verkehren auf der Strecke Oberaula-Treysa und Eschwege-Treysa die nachgenannten Sonderzüge: 10.42 Uhr ab Oberaula, an Treysa 11,56 Uhr, ab Treysa 19,49 Uhr, an Oberaula 20,59 Uhr, ab Escb- weg« 9,46, en Treysa 1&38.
Die fett einigen Jahren durch besondere Mittel ermöglichte Einrichtung von Gastvorträgen aus Wissensgebieten, die die Mün» dener Vorlesungen nicht behandeln, wurde im Wintersemester weitergepflegt erkannte Gelehrte, Künstler
Menschliches, allzu Menschliches
Daß die Freundschaft in Geldangelegenheiten gemeinhin aufhören foll, ist zwar eine Binsenwahrheit; nichtsdestoweniger sind wir aber von jeder Bestätigung stets Peinlich betroffen. So auch hier: Hans und Fritz waren Freunde von der Schulbank her und hatten schon manchs Stürme tapfer gemeinsam durchgestanden. Hans war Junglehrer und wartete wie so viele seiner Leidensgenossen .recht lange auf feine feste Anstellung. Inzwischen betätigte er sich auf den verschiedensten Gebieten, bis er dann auch eines Tages von Fritz, der die Generalvertretung eines Leipziger Verlagshauses übernommen hatte, als Untervertreter eingestellt wurde. Aus Freundschaft versprach Fritz dem Freund die gleiche Provision, wie er sie selbst erhalte. Viel hatten die Freunde schon gemeinsam erlebt, aber das gemeinsame Geldverdienen wurde daS Ver* hängnis für ihre Freundschaft. Hans verfuchte einmal durch einen Bries an den Leipziger Verlag den Fritz aus der Arbeit herauszudrängen, um das Feld für sich allein zu haben. Er bekam jedoch einen Korb.
Von seiner Seite war damit der Bruch eingeleitet worden. Da wurde er aber gewahr, daß Fritz eigentlich schon viel eher die Freundschaftsverpflichtungen nicht eingehalten hatte. Aus Provisionsabrechnungen ersah er nämlich, daß die Zahlungen, die Fritz aus Leipzig erhielt, um einige Prozent höher waren, als er sie mit Hans verrechnete. Nun verlangte er daS ihm vorenthaltene Geld, einen Tausend- rnarkschein und noch etwas darüber. Da er
der und Jesu Glieder."
Der ehrwürdige Londoner Univetsitälspio- fessor Principal A. F.
Kanzel aufs herzlichste. Wie könnten Christen stch besser empfangen als im Gottesdienst! Die Einheit des Geistes weckt Freundschaft und durch sie Frieden. Wir müssen einander besuchen zu verttauensvollem gegenseitigen Verständnis und zu treuer Zusammenarbeit in den großen Ausgaben des Reiches GotteS. Wir sind Söhne der Reformation, die der deutschen Theologie und Deutschland viel verdanken. Ich habe oft Gäste, deutsche Studenten, sie sagen, es sei
Borgen bringt Sorgen auch dem „selbständigsten" Beamten.
Vorschüsse sind manchmal ganz nett. Nämlich solange man nicht an ihre Rückzahlung zu denken braucht. Aber wenn die Stunde der Abrechnung geschlagen hat, dann verflucht man vorn Stift bis zum Hern Direktor im Innern doch zumeist die Stunde, in der man den Vorschuß annahm.
Doppelten Anlaß dazu hat der frühere kaufmännifche Leiter eines Krelselektriziläts- werkes, weil er wegen Vorschußzahlung an sich und andere Angestellte seines Geschäftsbereiches nicht nur fristlos entlassen worden ist, sondern auch noch unter der Anklage der Untreue vor Gericht erscheinen mußte. Die Angelegenheit ist für ein kommunales Elektrizitätswerk immerhin etwas eigenartig: Der kaufmännische Leiter, eben unser Angeklagter,
Don der
Forstlichen Hochschule
Der Jahresbericht der Hochschule in Hann. Münden gibt einen auch die Allgemeinheit interessierenden Einblick in die Arbeit der Mündener Hochschule. Der Oberlandforstmeister Ministerialdirektor Dr. Freiherr von dem Bussche, der gelegentlich der Rektoratsübergabe 1928 mit dem zuständigen Minister für Land- unb Forstwirtschaft Dr. h. c. Steiger zum letzten Male in Münden amtlich tätig war, wurde am 1. 10. 28 durch den aus Kassel ins Ministerium berufenen neuen Oberlanbforftmeifter und Ministerialdirektor Doerr ersetzt, der selbst alter Mündener Akademiker ist. Der Lehrkörper der Hochschule setzt stch im Berichtsjahr zusammen aus 10 ordentlichen öffentlichen Professoren, darunter 3 Forstfachleuten 2 außerordentlichen Professoren, sowie 4 Lehr* beauftragten aus verschiedenen Gebieten (bar* unter 1 Forstmann). Es bestehen folgenbe Institute: bas Forstbenutzungsinstitut, das Wald- bauinstitut (beibe erst in letzter Zeit begrünbct), das Agrikulturchemische, Botanische, Chemische, Mykologische, Physikalische und Zoologische Institut.
Als Lehrreviere gelten die Staatsoberförsterei Bramwald in Hemeln (Verwalter Oberförster Dr. Mayer-Wegelin), Staatsober* försterei Kattenbühl-Münden (Prof. Dr. Gehr- Hardt) Staatsoberförsterei Gahrenberg (Prof. Oelkers). Während die beiden ersteren zum Reg.-Bez. Hildesheim gehören, liegt letztere im Kasseler Bezirk. Die Hochschule wurde int Sommersemester 1928 besucht von 140 Studierenden und 10 Hörern, im Wintersemester von 109 und 11, der Besuch in diesem Sommersemester beläuft stch auf 147 Studierende. Der Bund der Förderer und Freunde der Hochschule brachte 3300 Mark für Forschungs zwecke gufammen.
Die Begrüßungsfeier
Donnerstag Nachmittag 6 Uhr — zu ungewöhnlicher Zeit, dazu bei Regenwetter, die wette St. Martinskirche gefüllt — ein gutes Vorzeichen, daß die Weltbundtagung für Freundschaftsarbeit der Kirchen von den Gemeinden innerlich getragen wird.
Kreispfarrer Lic. Bachmann hatte Spruch und Lied, Zwiegesang und Knabenchor, Schrift» lefung und Predigtwort zu einer feierlichen Ge- samtwirkung für diese gottesdienstliche Begrüßung anläßlich des Besuchs von Vertretern der Kirche von England und der britischen Freikirchen zusammengestellt. Besonders wirkungsvoll war der neue Bettenhäuser Knabenchor des Lehrerehepaars Pfalzgraf in dem Ge- meindekampflied: Kommt her, deS Königs Aufgebot! Die Festpredigt zeichnete auf Grund deS Apostelwortes Römerbrief 12. V. 2 knapp und durchsichtig klar den Kampf der Christenheit für die Erneuerung der menschlichen Gemeinschaft von innen aus der Erkenntnis deS guten und vollkommenen Gotteswillens, dem allein die Zukunft gehört. Ganz warm war die Wendung an die Brüder aus England „in herzlichem ehrlichen Willkommensgruß", in den die Gemeinde alsbald einstimmte: „Das sollst du, Jünger Jesu, nie vergessen, wir sind, die wir von Einem Brote essen, aus Einem Kelche trlnlen, alle Brü-
Eine Gemeinde Christi...
JahreSverfmnmlung des Weltbundes für Freundschaftsarbeit der Kirchen in Kassel.
iranisches Christentorn, bei unS, was sie sehen. Wir sind einig in der gleichen Gottesliebe. Im Namen aller meiner Brüder danke ich für die- en Empfang. Wenn wir nach Hause gehen, oird es mit dem Entschluß fein, baß wir unsren Einfluß bazu gebrauchen, daß beide Völ- er besser zusammen leben und arbeiten. Noch einmal erhob der ehrwürdige GreiS feine Stimme in tiefer Bewegung und ergreifend wirkte der inbrünstige Gebetsruf in feiner lehentlichen Wiederholung: Gott gebe eS, Gott lebe ei, Amen." Unvergeßlich für alle Hörer. Invergeßlich auch die Antwort der Gemeinde, deren Gesang fofort einsetzte „Wenn wir wie Brüder beietnanber wohnten... AIS Gebet lebiglich daS Unservater unb abschließenb ber Mädchenchor: Verleih unS Frieden gnädiglich, ; ,err Gott, zu unfern Zeiten! Die weiten Kir- < »enhallen entleerten sich. Drinnen erzählte Kreispfarrer Liz. Bachmann den englischen und chottifchen Gästen die sechshundertjährige Geschichte von St. Martin. W. M.
Bauen ©ie Sfcre Seide selbst an !
Für unb gegen den deutschen Setbenbau ist schon viel geschrieben worbe». Versuche mit einigen Saniert Raupen sind nur alb Spielerei ,u betrachten, denn nur eine Zucht von 25—80 000 Stück kann bei sorgfältiger Pflege nennenswerten Erfolg bringen. ! In ber vorjäbrigen Zuchtveriode wurden von den Mitglieder» deS Vereins für Seidenbau in Hellen, Sitz Kassel, Probezuchten, mit insgesamt etwa 82 000 Raupen, durchgeführt.
Trotzdem die Hauvtfutterauelle, die Maulbeer- anlage der Stadt Kassel im Garten des Kgfanen- Hofes, für die tn Vorbereitung befindliche große Zucht aufgespart wurde, haben die Mitglieder in diesem Jahr wteder kleinere Zuchten gemacht, welche zirka 30 000 Kokons lieferten. Um nun dem von vielen Seiten geäußerten Wunsch Rechnung zu tragen, hat der Verein, der vorgeschrittenen Zuchtveriode entsprechend, etne grvtze Zucht von 80 gr. Eier (85 000 Rau- nett) in verschiedene» Altersstufen in Vorbereitung. Die Zucht finiet im Saale von Rivoir, Weserstr., mitt. Dort wird die Entstehung der Seide von der Maulbeere bis »um ivebsähigen Kaden gezeigt.
Da die Zucht als Schau-und Lebrzucht gedacht ist, können Interessenten den Seidenbau fachgemäß fen* «en lernen. Ausserdem wird während der Beüchti. gungSzeit kostenlose Auskunft erteilt. Bei Besicht!» guttg durch Organisationen oder Vereine wird vor* Bert« Anmeldung gewünscht. Anfragen ssnb an den Verein für SerdenSau in Hessen, Sitz Kassel, Giess- bergstrasse. «t richten.
rvanöerftreckel 3 Raffel-Soest
Der Naumburger Gebirgsverein stellte ben Rest ber Bezeichnung ber großen Wanberstrecke Kassel, beginncnb am Herkules unb führend bnrch eine wunderbare Gegend des hessischen- walbeckschen Berglanbes, bes anschließenden Sauerlanbes unb enbenb in Soest im Herzen Westfalens, fertig.
Die Bezeichnung bilbet nach ber Bezeichnungsart bes Sauerländer GehirgSvereins ein liegendes Kreuz unb führt über Aussichtsturm Hohes Gras. Hoof, Elmshagen zur Bergruine Falkenstein (ehemaliger Sitz deren von Hnndi. Von hier über die alte Fliehburg der Kalten, die Altenburg, über Emserberg zum Kloster Merxhausen (Jrrenheilanstalt) weiter zum idyllisch gelegenen Naumburg und nach Schloß Walbeck am Ebersee. Hier am Edersee entlang nach ber toeltabgelegenen Sommerfrische Vöhl unb über ben Eisenberg mit Georg-Viktoriurm bei Corbach unb Medebach zum höchsten Berg Westfalens dem 800 Meter hohen Kahlen-Asten bei Wirtterberg. Weiter werden Fredeburg, das herrliche Arnsberg und die Möhnetalfperre mit ihren Brückenbauten berührt. Dem Wanderer der diesem Wegezeichen folgt, wird ein herrliches Stück Erde unseres deutfchen Vaterlandes vor Augen geführt. An der Wanderstrecke liegende Jugendherbergen in Naumburg, Vöhl, Corbach und im Sauerlande ermöglichen Schülern und Jugendlichen bei geringen Uebemach- tungskosten diese herrliche Gegend zu bestchtt- gen und zu durchwandern. *el.
Oekumenisch heißt weltumfassend. Eine ökumenische Versammlung weiß sich der gesamten Menschheit verantwortlich. Sie stellt sich auf die höchste Warte unb spricht aus einer Autorität, die für alle Völker Geltung haben sollte Oekumenisch war, wenigstens annähernd, das alte römische Reich. Oekumenisch tm Ziel ist das Christentum.
Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts fliegen tieffchwarze Wolken auf, weithin Ahnungen und Befürchtungen eines Krieges von unerhörtem Ausmaß. Da befannen sich deutsche unb englische Christen darauf, daß lebendiges Christentum ökumenisch ist, eine Gemeinschaft ber Menschheit tn Gott. Sie er
kannten, baß eine sicher gegrünbete Gemeinschaft Deutschlands unb Englands ben Weltfrieden bedeutete. Eine große Zahl angesehener deutscher Christen unternahm 1908 eine Friedensfahrt nach England, die von dort aus 1909 in gleichem Geiste erwidert wurde. 1914, tm Anfang August, sollte in Konstanz der Weltbund für Freundschaftsarbeit ber Kirchen jufammentreten. Da zog stch das Gewölk des europäischen Streites aufS neue pechschwarz zusammen. 90 führende christliche Männer unb Frauen aus 12 Nationen befchworen die Re- gterungen um ben Frieden. Umfonst. Banke- rott ist dann die Gemeinschaft ber Menfchheit zufammengebrochen.
Der aus Christen aller Länder bestehende Weltbund für FremrdfchaftSarbeit ber Kirchen aber zerbrach nicht. Selbst im Weltkrieg, 1915, tonnte er sich in Bern zu einer Tagung zu- famtnenfinben. Er wuchs von Jahr zu Jahr. Er leistete werwolle Dienste für den Zufam- mentritt ber Stockholmer Weltkirchenkonferenz unb würbe selbst daS Hauptstück weltumspan- nenber Arbeit.
.An ber Spitze bei Weltbundes für Fteund- schaftSarbeit ber Kirchen steht ein gewählter Präsident, jetzt ber Erzbischof von Cambridge, neben ihm zwölf Vizepräsidenten aus allen Ländern. Auch die Tagungen ber einzelnen Zweige deS Weltbundes lassen den ökumenischen Charakter der ganzen Arbeit erkennen. Zur Kasseler Tagung sind nicht nur deutsche Vertreter in großer Anzahl, sondern auch österreichische, dänische, polnische u. a. gemeldet. Der russisch-orthodoxe Bischof Tychon hat eine Ansprache zum VolSabend int großen Stabthallensaal am Freitag abend zugesagt. Aus England und Schottland kommt eine besondere Delegation von 20 Geistlichen, darunter ber Londoner Universttätsprosessor Principal A. E. Garvin, der in der Stadthalle üher Kirche unb Weltfriede" sprechen wirb. Der Führer ber englischen Delegation ist der Lord- bischof von Ripon, ber im Evangelischen Vereinshaus am Freitag um 4 Uhr eine Ansprache über „Die christliche Neuorientierung in der Politik unb Versailles" übernommen hat.
Mit großem Nachdruck hat dieser ökumenische Bund betont, daß für feine nicht einzelnen Völkern, fondern der Menschheit und bet Gerechtigkeit und damit dem wahren Frieden bienende Arbeit keinerlei weltlicher und politischer Maßstab, sondern nur der des Evangeliums gilt. Ganz offen sprach es die Festpredigt der Halle'fchen Tagung 1927 aus: „Solange der Versailler Friede regiert, kann ei keinen Ausstieg geben, sondern nur Untergang. Denn dieser Friede weiß nichts von dem Grundsatz des Völkerlebens: „So ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit." Aus einer Tagung, ber der Herr Landesoberpfarrer feinen Gruß entbietet und ber Herr Oberpräsident spricht, f6nn eS ben hohen Gästen nicht verborgen bleiben, daß unter ben Leiden, die in der Folge deS Versailler Vertrages durch Arbeitslosigkeit und Elend aller Art über unser Kassel hereingebrochen sind, diese Stadt dicht am Ende ihrer finanziellen Kraft steht. Diese bei unS herrschende Rot wächst sich zu einer Versuchung auS, der ganze Schichten unserer Jugend zu erliegen drohen. Wir machten unS sittlich schuldig, wenn wir auf einer ökumenischen Versammlung davon schweigen würden. Wir sind der Uebetgeugung, daß Männer wie die Professoren D. Detßmann u. D. Siegmund-Schultze auS Berlin, die zu uns sprechen werden, ober der Festprediger der Tagung, Pfarrer D. Dr. Le Seur, ber Leiter
deS Jugendwerkes auf dem Hainstein bei Eisenach, diese furchtbaren Jugendnöte in ihren Wirkungskreisen ebenso vor Augen haben, wie Kreispfarrer Lic. Bachmann, der den StadchallenvolkSabend leiten wirb.
Zu der Rot unseres Landes, deren Folgen unabsehbar sind, gehört auch die deS gebrochenen Rechtes und bei uns durch Androhung erneuter Kriegshandlungen abgepretzten Unterschrift der KrtegSschuldlüge, um ein neuer- sicher Wort deS amerikanischen Geschichtsforschers Sidney B. Fay zu gebrauchen. Weite Streife unseres Volkes, auch unserer Jugend, wissen heute um diesen Tatbestand. Sie wer* ben für ihren wankenben Glauben an die göttliche Gerechtigkeit eine Stütze haben, wenn die ökumenische Tagung das ganze Gewicht ihres Urteils zu Gunsten des Unterdrückten in die Wagschale legen wird. ES kann kein Zweifel fein, daß viele junge Menschen unserer Stadt auf solche Heilung ihrer seelischen Not geradezu warten. Sie und wir alle teilen die Gewißheit des KreiSpsarrerS unserer Stadt, baß die Tagung des Weltbundes nicht schöne Worte bringen wird, sondern eine Tat, die der Not der Menschheit gilt. W. M.
was soll Baby essen?
DaS Wirtschaftskartell für Lebens- und Heilreform, in dem feit Anfang d. Js. die naturgemäße Lebens- und Heilweife bertretenben Vereine Kassels zusammengeschlossen finb. hat an bas Stadtgesundheitsamt folgenben offenen Brief gerichtet:
,Hst bent stäblischen Gesundheitsamt bekannt, daß durch die Ausstellung für Säuglings- und Kinderernährung, welche gegenwärtig im Stinberfolbab in ber Fuldagasse gezeigt wird, eine Ernährungsweise empfohlen I wird, welche nicht nur im schroffsten Widerspruche steht zu allen biologischen Erkenntnissen, sondern auch den Grundsätzen moderner Ernährungsprinzipien widerspricht, wie sie auch von prominenten Wissenschastlern unb von Kapazitäten auf medizinischem Gebiete vertreten werden?
Ist dem städtischen Gesundheitsamt bekannt, daß unter anderem Wurst, Speck und gehacktes roheS Fleisch zur Ernährung ber Kinder empfohlen werden .zumal erstere obendrein gewürzt I unb stark gesalzen stnb, unb daß starker Salz- S zufolge neuester Forschungsergebnisse die
r tuberkulöser Erkrankungen erhöht, sowie I baß ber Genuß von rotem Fleisch Banbwurm- I gefahr birgt, insbesondre bort, wo burch die Ernährung mit ebenfalls empfohlenem weißem I raffiniertem Zucker, stark ausgemahlenem weißem Mehl und daraus hergestellten, gätungs- I bildenden Nahrungsmitteln infolge von lieber» fäuerung im Organismus und zersetztem Darmschleim der entsprechende Nährboden für Eingeweidewürmer geschaffen wird?
Ist dem städtischen Gesundheitsamt bekannt, daß durch eine Ernährung, wie sie mit dieser Ausstellung empfohlen wird, infolge Uebcr» fäuerung des Blutes die Grundlage zu rachi- tifchen und ferofulöfen Erkrankungen der Kinder geschaffen wird, daß ferner auf den Erklä« mngstaseln nur ber Kalorien-Brennwert der Nahrungsmittel, nicht aber der energetische Wert (Vitamine) in demselben berücksichtigt wird?
Haben sich die dafür maßgebenden Stellen vor Veranstaltung respektive Bewilligung dieser Ausstellung davon überzeugt, ob die damit empfohlene Ernährungsweife ben Bedürfnissen der gesamten Bevölkerung Kassels entspricht, von welcher etwa x/4 (annähernd 45000) mit den oben genannten Vereinen in dem Wirtschaftskartell für Lebens- unb Heilreform zusammengeschlossen sinb?
Diese Ausstellung, welche auf stäbtische Un* kosten unb damit auf Kosten der gesamten Steuerzahler veranstaltet wurde, widerspricht nicht nur den Anschauungen und Bedürfnissen weitester steuerzahlender VollSkreife unb allen neuzeitlichen wissenschaftlich anerkannten Ernährungprinzipien, sie ist geeignet, verwirrend unb schäbigend in weiten Volkskreifen zu wirken auf dem für Volksgesundheit und Volkswirtschaft so wichtigem Ernährungsgebiete.
Das Wirtschastskartell für Lebens- unb Heilreform sieht stch auS oben genannten Gründen veranlaßt, die fofottige Schließung dieser Ausstellung zu verlangen unb muß namens bei in bentfelben zusammenaeschlossenen Einwohnei bei Stadt Kassel ben Wunsch zum Ausbiuck biingen, daß künftighin bei beteiligen öffentlichen, die Interessen bet gesamten steuerzahlenben Bevölketung berühienben Un» tetnehmunaen Veittauensleute bei in dem Kaitell zusammengeschlossenen refoimatorische Ptinzipien bertretenben Veteine zu Rate gezogen weiben, um zu verhinbern, baß weitet- hin duich öffentliche Propagierung rüefftänbi» ger Ansichten bie gesunbheitlichen Interessen weiterer Streife ber Bevölkerung gefährdet werden."
fein Geld nicht erhielt, zeigt« er den ehernali- gen Freund wegen Betrugs bei der Staatsanwaltschaft an. Und feltfamer Weise kam Fritz auch vor ben Strafrichter, ber ihn in elfter Instanz auch wahrhaftig verurteilte. Die Kasseler Strafkammer konnte sich als Berufungsinstanz jeboch nicht von einer strafrechtlichen Schulb des Fritz überzeugen. Es läge wohl ein zivilrechtlicher Anspruch vor; aber Betrug? Nein! Infolgedessen Freispruch. Der Zivilprozeß ist dem Fritz jetzt aber doch sicher wie bas Amen in ber Kirche, obwohl ja eigentlich beibe Anlaß genug haben, über ihre Auslegung ber Freundschaft ernsthaft nachzu- denken.