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Kasseler Neueste Nachrichten

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Die Sasieler nementsvrei iwailsiielle < bühr. Rück niätziger Li« Redaktion e Bering und

Nummer 198 EinzelpreiSr Wochentags 10 Mennig. Freitag, 23. August 1929 Einzelpreis: «-»«tag- 80 «frnnig. 19. Jahrgang

Graf Zeppelin" wieder gestartet!

Don ToNo nach ros Angeles / Vlötzttche Besserung der Wetterlage /19 Vaffaglere an Bord

Herzlicher Abschied

. Eigene* Drahtbericht.

AeSpsecmächte"

Bo« ««fetet Berliner Schrift lettuug.

Das LuftschiffGras Zeppelin" ist heute früh 7,13 Uhr M. E. Z. zur Fahrt »ach LoS Angeles gestartet.

Der Start de» Luftschiffe»Graf Zeppelin" war gestern mehrfach, zuletzt auf unbestimmte Zeit verschoben worden, da sich infolge der fort­dauernd ungünstigen Windverhältnisse daS Ser- ausbringen des Luftschiffes auS der Halle sehr schwierig gestaltet hätte. Die Beseitigung des Schadens den da» Luftschiff bet seinem erste« Startversuch erlitten hatte, hat keine Schwierig, keilen bereitet, da die Beschädigung ganz ober- flächlicher Natur war.

Auf der neuen Fahrt hat das Luftschiff 19 Passagiere an Bord. Außerdem kommt auch Lberingenieur Bäuerle, der die ReuflUlung deS Luftschiffes in Kasumtgaura vorzubereiten und zu übernehmen hatte, für de» Rest der Fahrt an Bord, sodaß die Kopfzahl der Besatzung fich von 41 aus 42 erhöht. Acht Mitglieder der Be- satzung deSGraf Zeppelin" werden daS Lust- schiff in LoS Angeles verlassen und im Flug- zeug oder in der Bahn nach Newyork reisen, um die Belastung des Luftschiffes während deS Fluges über die Rocky Mountains zu vermin- dern. Uebrigens wurde am Mittwoch ein junger Mann an Bord entdeckt der versuchen wollte, die Fahrt als blinder Passagier mitzumachen. Wie es heißt, handelt es sich dabei um einen Menschen, der für seine Handlung nicht voll verantwortlich gemacht roetoett kann.

Die erste Fahrtmeldung

Newyork, 23. August. Wie aus Tokio ge­meldet wird, überflogGraf Zeppelin" um 7,36 mitteleuropäischer Zeit die Stadt Meto 40 Kilometer nördlich von Sasumigaura.

Der Start

Tokio, 23. August.

Noch um 1 Uhr nachmittag hielt man es sür unmöglich, daßGraf Zeppelin" vor mor­gen seinen Weiterslug antreten könnte. Auf Grund der Meldungen des Wetterbüros nahm man an, daß die Abfahrt auf mindestens 24 Stunden verschoben werden müßte, da die starken Nordwinde unvermindert anhielten.

Als die zahlreiche Menschenmenge, die fich auch heute wieder auf dem Flugfelde von Ka- sumigaura eingefunden hatte, von der Start­verschiebung hörte, zerstreute sie fich enttäuscht. Aber eine Stunde später bereits traten plötz­lich Aenderungen der Wetterlage auf, und kurz nach 2 Uhr wurde auf Grund der neuen Wet­terlage der Start des Luftschiffes auf 3 Uhr nachmittags festgesetzt. Wenige Minuten spä­ter erfolgte die Alarmierung der Wach- und Haltemannschaften. Die Passagiere desGraf Zeppelin waren am Vormittag nicht nach To­kio zurückgekehrt. Sie wollte» auch für den Fall, daß der Start auf morgen hätte verscho­ben werden müssen, in ihren Kabinen im Luftschiff übernachten.

Um 3.13 Uhr erfolgte dann unter den begei- fierten Zurufen der Menge der Abflug, der fich ohne Schwierigkeiten vollzog. Das Luftschiff entfernte sich in schneller Fahrt in nordöstlicher Richtung. Bereits um 3.20 Uhr war eS de» Blicken entschwunden.

Die Wetterlage

London, 28. August.

Wie Daily Chronicle berichtet, hat di- Wet­terwarte in San Francisco Dr. Eckener geraten, den Start zu beschleunigen, da zwei große Stürme über dem Großen Ozean zu erwarten seien. Die Meldung hat folgenden Wortlaut: Die Hochdruckgebiete mtt dem Massiv südlich der Aleuten bleiben bestehen. Ueber dem Golf von Alaska herrschen bemerkenswerte Störungen, deren Mittelpunkt westlich in der Nähe von Janeau in Alaska liegt und langsam ostwärts wandert. Andere starke Stürme werden von den mittleren nördlichen Breitegraden nordwest­lich von Hawai angezeigt.

Moskau Aewyork

Kowno, 23. August.

Wie aus Moskau gemeldet wird, startete am Freitag früh um 3 Uhr Moskauer Zeit vom Moskauer Zentralflugplatz aus der Flie­ger Schestakow mit dem Flugzeug .Land der

Sowjets" erneut zum Fluge MoSkon-Netoyork. Er will denselben Weg tote beim ersten Ver­such einschlage«.

Regierungskrise?

Berlin, 23. August.

Die Krisengerüchre, die in dey letzten Ta­gen vom Haag au» verbreitet würden, finden in Berlin zwar keine Bestätigung, aber man sieht es doch als recht auffallend an, daß nicht nur die rechtsoppositionellen Blätter, sondern z. B- auch das dem Verkehrsminister Sieger. Wald nahestehende GewerkschaftSblatt -Der Deutsche" in eine scharfe OPPofitiontstellung zu dem im Haag befolgten Kurse einschwenken

Es ist immerhin daran festzubalten, daß irgendwelche pvsttiven AnhaltSPünkte für eine Krisenentwicklung innerhalb der ReichSregte- ruug nicht gegeben find und daß man viel­mehr nach wie vor die Hoffnung hat, heute, spätestens morgen im Haag zum mindesten zu einer BasiS zur weitere» Verhandlung zu ge­langen.

Wenn man angestchtS der überaus krittschen Zuspitzung der Haager Verhandlungen, die jetzt offenstchtlich zum mindesten der Ber- tagung, wenn nicht einer noch schlimmeren Wendung entgegengehen, da» richtig« Augen­maß für die Beurteilung dieser Vorgänge be­halten will, so mutz man auf den Ausgangss- punkt der Konferenz zurückgreife». DaS Ziel dieser großen internationalen Zusammenkunft war für uns einmal der Uebergang vom Da­wesplan zum Youngplan, um wenigstens sür eine Reihe von Jahren einige finanzielle Er- leichterungen zu erreichen. Zum andern sollte damit die Lösung einiger politischer Fragen untrennbar verbunden sein, vor allem die Be­endigung der Rheinlandbesatzung und di« Ent- fernung aller ausländischen Kontrollorgane, die der Dawesplan kn Deutschland eingesetzt hatte.

Für das Ausland stellt« fich das Ziel die- ser Konserenz naturgemäß etwas anders dar. Die Franzosen find am Youngplan zwar eben­

Deutschland gibt nach?

Eigene Drahtmelduug

Haag, 23. August.

Di« vier Gläubigermächte Frankreich, Bel­gien, Italien und Japan find heute zum drtt- tenmal- mit den deutschen Sachverständigen CurtiuS und Hllserding zusammengetreten, um über die Gegenangebote aus die englischen For- derungen zu beraten. Die Beratungen sollen heute nachmittag 3 Uhr in Gegenwart von Sachverständigen, zu denen Dr. Schacht ge- hört, fortgesetzt werden. Im Anschluß an diese Sitzung treten die drei Besatzungsmächte mit Stresemann und Wirth zur Fortsetzung ihrer Beratungen zusammen.

Während man von deutscher Seite bisher noch keine Mitteilungen über die Forderungen machte, die an Deutschland gestellt worden sind, erklären die Franzosen, daß die in Aussicht ge­stellten Ziffern im großen und ganzen zutref- fen, und daß der Kernpunkt der Verhandlun­gen eine Zustimmung Deutschlands zur Ver­teilung der dreihundert Millionen, ein Nach­geben in der Liquidationsfrage und ein Ent- gegenkommen in der neuen Festsetzung der ge- schützten und ungeschützten Annuitäten des Youngplanes sei. Die Höhe des ungcschätzten Teiles soll sich auf etwa 88 Millionen Gold­mark belaufen.

Wie aus gut unterrichteter französtfcher Quelle weiter verlautet, ist jedoch von deutscher Seite darauf hingewiesen worden, daß die Zu­stimmung zu diesem Entgegenkommen an Eng­land für Deutschland innenpolitisch nur tragbar sei. wenn eS seinerseits von den Besatzungs­mächte« politische Gegenkonzessionen erhält, die in der Bekanntgabe eines früheren Endtermins für die Räumung der dritten Zone und in einem Verzicht der Franzosen auf die halbmili­tärische Form der Feststellungskommiffion für daS Rheinland bestehen fall. (Eine Bestätigung dieser Meldung bleibt noch abzuwarten. Red.)

Neue deutsche Opfer?

Haag, 23. August.

Die Ausgleichsverhandlungen im Haag sind gestern sofort nach der Besprechung der sechs einladenden Mächte, in der man fich, wie wir berettS gestern im größten Teil unserer Auf­lage mttteilten, zum Weiterverhanveln ent- schloß, zwischen den vier Gläubigern aufae- nommen worden. Bei ihrer Beendigung hat Loucheur erklärt, daß man unter allen Umstan­den bis Freitag mtt den Differenzen zu einem Ende kommen müsse

Gestern nachmittag um vier Uhr habe« fich die vier Gläubigermächte Frankreich, Italien, Belgien und Japan mit den deutfchen Bettre- tern Minister CuttiuS und Minister Hllserding gemeinsam im Binnenhof getroffen, um die Besprechungen fottzus^en. Die Besprechun­gen dauerten biS halb sechs Uhr und wurden abends wettergesührt.

ES erhalten fich Gerüchte von einem neuen deutschen Vorschlag. I» den erste» Nachmtt-

tagsstunden erklärte man, daß sich die Ber- Handlungen zwischen den vier Gläubigermäch. ten und Deutschland um eine Erhöhung des ungeschützte« TelleS der deutschen Annuttäten um hundert Millionen jährlich drehen. DaS Gerücht ist nicht zu kontrollieren und von deut­scher ©eite ist auch leine Bestätigung dafür zu erhalten.

Von französischer Seite werden jedoch bereits Einzelheiten dieses angeblichen Vorschlages mitgeteilt. Danach soll die Höhe der Dawes- Annuttäten zuzüglich der Zahlungen für Die Dawesanleihe Wetter 2050,6 Millionen betra­gen. Der bisher auf 660 Millionen berechnete ungefchützte Teil der Zahlungen fall jedoch durch die Zunahme von 100 Millionen aus dem bisher geschützten Teil auf 760 Millionen erhöht werden. Diese 100 Millionen sollen zu Lasten des bisher geschützten Teiles ans dem Reichshausbatt gehen. Außerdem soll man sich über die Verteilung der 300 Millionen, die sich als Ueberschuß aus der Ueberschneidung des Dawes- und Youngplanes ergeben, bereits ei­nig geworden sein.

Brian- gegen Yonngplan-Provisormm

London, 23. August.

Reuter meldet über die Lage im Haag: ES verlautet, daß in der heutigen Morgensitzung der sechs Mächte B r i a n d daraus hinwieS, daß eine Annahme deS deutschen Vorschlages, Deutschland solle vom 1. September ab nur nach dem Youngplan Zahlungen leisten, bedeu­ten würde, daß die Konferenz im Sterben liege. Dies sei nicht der Fall, und es müsse eine letzte Anstrengung unternommen werden, um zu einer Verständigung zu gelangen. Es besteht die Auf­fassung, daß nur eine schwache Hoffnung auf eine Regelung bis zum Sonntag besteht.

Eine fpätere Reutermeldung besagt: Es wird offiziell von der britischen Delegation demen­tiert, daß Snowden 'n der gestrigen Sitzung die Ansicht BriandS unterstüm habe, wonach Deutschland vom 1. September Wetter die Da- weSzahlungen und nicht die Young-Zahlungen leisten solle.

rNae-onalös Genfer Reise

London, 23. August Wie nunmehr endgül­tig seststeht, wird Ministerpräsident Macdonaltz am Sonnabend nächster Woche nach Genf ab­reisen. Nach seiner Ankunft in London, die für Sonnabend erwartet Wit®, benötigt er für die Erledigung größerer StaatSgefchäste etwa eine Woche. Ob während dieser Zeit neben oen englisch-amerikanischen Flottenverhandlun- gen auch die übrigen große« Fragen, wie die russische, behandelt werden, ifi nicht wahr­scheinlich. Dagegen ist anzunehmen, daß sich das englische Kabinett in der nächsten Woche mit der nunmehr auch in London ÄS rächt ernft bezeichneten Lage tn der Mandschurei be­fassen wird.

falls stark interesflert, weil et bessere Mobili- flerungsmögllchkeiien Äs ber Dawesplan mit sich bringt und damit für Frankreich ein« Er­leichterung tn der Abdeckung feiner eigene« Schulde« a« Amerika bringt. Für sie bestand aber immer noch die Hoffnung, aus dem deut­schen Räumungsbegehren irgend wie KapitÄ zu schlagen. Die Engländer, die weder in der einen noch in der anderen Richtung ähnliche Interessen haben, legten «S von Anfang an auf eine möglichst genaue Wahrung der Vor­teile an, die ihnen der Dawespla« gab und die sie unter dem Youngplan nicht vermissen wol­len. Diese Differenz zwischen den Interessen der am stärksten beteiligten Mächte konnte sehr leicht dazu führen, und fo ist es ja auch ge­kommen das man sich zunächst über die­jenigen Voraussetzungen unterhalten mußte, die dem Uebergang zum Youngplan eben tn Gestatt eines solchen Interessenausgleiches im Wege standen. Die Konferenz ist habet tot Laufe von fast drei Wochen ohne deutsches Verschulden an den Rand des Zusammen­bruchs gekommen, und es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß keine noch fo großzügig« Geste und keine noch so eindringliche mora- lische Erinnerung und Ermahnung tat Sinne einer Rückkehr zu ber Hauptaufgabe im Stande fein wird, die Konferenz dem eigentlichen Ziele näher zu bringen, so lange nicht die Hinder­nisse beseitigt find.

Mit diesem Tatbestand mutz man wohl oder übel rechnen, und der Beweis dafür, daß man es im Haag wirklich tut, liegt in der jetzt ein- S'eten Sonderberatung derjenigen großen te, die im Gegensatz zu England zur grundsätzlichen Annahme des Youngplanes be­reit sind. Nur England sträubt sich noch ,im­mer, und man ist sich nun endgültig darüber klar geworden, daß schlechterdings irgend ein Opfer gebracht werden muß. um den englischen Widerstand zu überwinden, wenn man nicht auf das gefamte Unternehmen ber Reparations­regelung verzichte« will. Es mag zwar etwas grotesk klingen, wenn vier der großen Gläu- otgerftaaten sich jetzt angesichts dieser Zwangs­lageGpfermächte" nennen, aber die Situation im Haag wird dadurch ganz treffenb gekenn­zeichnet. Für uns ist jedoch das Wichtigste, daß auch wir an den Beratungen dieser Mächte teilnehmen, und das kann natürlich keinen anderen Sinn haben, als daß die and-"« ge­sonnen sind, uns nicht nur an den Beratungen sondern auch an dem Opfer teilnehmen zu lassen, welches Herrn Snowden gebracht werden soll. In nüchternen Zahlen gesprochen wird eS sich ungefähr um 48 Millionen handeln, die den Engländern Jahr für Jahr zu ihrem An­teil an den deutschen Reparationsleistungen zugelegi werden sollen. Aus einen Teil davon wird England ja vielleicht noch verzichten, aber der größere Teil wird irgendwie aufgebracht werden müssen, und Franzofen fowohl wie Italiener haben wiederholt erklärt, daß ste ihrerfeits nicht daran denken, allein einen Ver- zicht zu leisten. ES bestand ja in letzter Zeit vorübergehend schon die Gefahr, daß die Gläu­bigermächte untereinander ein Abkommen tref­fen würden, bei welchem diese 48 Millionen einfach den deuffchen Leistungen zugefchlagen worden wären. Dann hätte die deutsche Dele­gation vor der böfen Frage gestanden, ob ste an dieser Forderung das ganze Reformwerk samt Räumung usw. scheitern lassen wollte. Jetzt ist die taktische Lage anders. Wir nehmen selbst an den Beratungen teil, in denen der Ausgleich gefunden werden soll, und es kann wohl schon jetzt gar keine Rede mehr davon sein, daß uns etwa eine Zulatzleistung in der Höbe der gesamten englischen Forderung zuge­mutet werden könnt«. Andererseits wäre «S sehr optimistisch, zu glauben, daß die ..Ovfer- mächte" uns überhaupt keine neue Belastung auferlegen wollten, und man kann sich im Augenblick nur fragen, auf welchem Gebiete und innerhalb welcher Grenzen derartige Zu­mutungen überhaupt denkbar sind.

Eine Aenderung der im Youngplan v-"-. gesehenen festen Jahresraten wird man als unmöglich anzusprechen haben. Die deutsch« Delegation würde, wenn sie über flau»! einem derartigen Gedanken näher treten wollte, wahr­scheinlich damit rechnen müssen, daß sie für die Bewilligung eines derart verschlechterten Ab­kommens kein« Mehrheit im Reichstage finden