Hessische Abendzeitung
Nummer 197 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.
Donnerstag, 22. August 1929
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig. 19. Jahrgang
,e»sm°t --»Mtttag-. ®«»b0£ fiäftÄftelie abfleftoU a.10 Jl Durch dir Pott monailtch 2.30 Jl auSIchlicttlich Zustellungsge^ mäfeioer “SÄ’? ^uzSa«ld-s oder »nlorüchk wegen etwaiger ni§, vrdnunas- , i'^rnvg ist ausgelchtogen Kur unverlangt einaeiaubte Beitraae kann ai, Reöaktton eine Verantwortung oder Gewähr in keinem ftaat übtrnebmen
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Kasseler Neueste Nachrichten
______________ Kasseler Abendzeitung
Parole: „Weiter verhandeln!"
Das Ergebnis der heuligen Gechsmächte-Defprechung / Trotzdem starker Pessimismus im Haag
sch- aufgeregten und scharfen meines Bedauern ausaelöft. Ueberall kommt der gestrigen Haager Bespre- «ber die Freude zum Ausdruck, daß das Luft.
1 «Hiss nur eine leichte Beschädigung erlitten hat.
chung herrschte.
Der Pessimismus, der in dieser Hinsicht tn Berlin herrscht, findet seine Bestätigung tn dem offenbar sehr aufgeregten und scharfen Tone, der in *■- * —
Brian- im Schatten -er Militärs
Reich gefüllte Vorratskammern
Tokio, 22. August.
Polizeistrafgesetzbuch
Die Kieler Tagung deS Reichsstädtebi"'deS.
China klagt an!
Newyork, 22. August.
Wie aus Washington gemeldet wird, hat die amerikanische Regierung von der chinesischen Regierung eine Note erhalten, die schwere Be- schEiglmgen gegen die Sowjetregierung ent- hält. Tte chinesische Regierung erklärt darin, 5“ Schriftstücke im Besitze habe, die offen- sichtlich bewiesen, daß die Sowjet-Union einen Anschlag vorbereite, der das Ziel habe, die chinesische Regierung zu stürzen. Diese Rote soll an alle Unterzeichner oes Kellogg-PakteS ge. nchtet worden sei«.
Räumung nicht vor dem 1. März 1930 beginnen, was bedeuten würde, daß sie nicht vor Dezember 1930 beendet sein würde. Die Deckungsarmee müßte an der Grenze bleiben. Man konnte sie daher nicht in entfernte Garnisonen verlegen.
Briand denke nicht daran, sich über die Mei- nung seiner militärischen Ratgeber hinwegzu- setzen.
Italiens „Opferbereitschaft"
Zwischen Tokioter und mitteleuropäischer Zeit besteht eine Differenz von acht Stunden.
300 000
besuchen -en Zeppelin
Berliner Pessimismus
Don unserem Berliner Vertreter.
Berlin, 22. August.
So groß auch die Spannung ist, mir der man in Berlin die Ergebnisse der von Dr. Stresemann angeregten Versammlung der 6 einladenden Mächte im Haag erwartet, so wenig war man vier davon überrascht, daß die gestrige Besprechung mir einer Vertagung auf heute enden mußte.
Man weiß, daß die Aussichten für eine Einigung über das vom deutschen Außenminister wieder in den Vordergrund geschobene i^auptthema der Konferenz nur gering find,
Haag, 22. August.
Der italienisch« Finanzminister M o s c o - n i hat der Presse eine längere Erklärung über den Standpunkt abgegeben, den die italienische Delegation dem Youngplan und den englischen finanziellen Forderungen gegenüber einnimml Mosconi führte hierbei in der Hauptsache aus daß Italien keine ungerechtfertigten Vorteile zu erlangen suche.
Obwohl Italien, ebenso wie Frankreich und Belgien, darauf bestehe, daß der Youngplan nicht abgeündert werden dürfe, weil er der »wirtschaftlichen und Politischen Systematisierung Europas entspreche, erkläre es sich doch bereit, seinen Anteil an gewissen Opfern, die die anderen Gläubigermächte sich zugunsten Englands auferlegen wollen, zu übernehmen
Zur Auffüllung der Vorratskammer des Luftschiffes wurden 50 Flaschen Sekt, 50 Flaschen Wein sowie Whisky und Liköre auf^e- nommen. Der Biervorrat wurde hier nicht ergänzt. Obwohl man damit rechnet, daß der Flug über den Pazific nur 3—4 Tage bau-nt wird, nahm der „Graf Zeppelin" gen"-aenb Proviant an Bord, um die 20 Passagiere und 41 Mann der Besatzung sechs Tage lang voll verpflegen zu können. Auch eiserne Rationen stnd für den Notfall ausgenommen. Der Pro- viam ist in Metallbehälter verpackt und wird durch Brocken eis frisch erhalten.
... das Mittagessen des ersten Fluglage- ist das folgende Menu vorgesehen: Gänseleber- aaflete’ - Sardinen. Kraftbrühe, gedämpftes Huhn, Spargel und sonstiges Gemüse, Salat, Speiseeis und Obst. Die Vorratskammer deS Luftschiffes enthält auch die japanische Deli- frtAe Sukivaki. An P o st s a ch e n nimmt daS Luftschiff im ganzen 5700 Briefsachen für Arne- rika und Europa mit.
Der Start wird nunmehr Donnerstag abend um 11 Uhr erfolgen. Von japanischer Seite stnd alle Vorkehrungen zur Unterstützung deS Luftschiffes getroffen worden. Zwei Torpedobootszerstörer werden auf der Flugstrecke deS Schiffes kreuzen, um im Notfälle Hilfe zu bringen. Der „Graf Zeppelin" soll Brieftauben, die Tokioter Zeitungen gehören, mit sich führen, die während der ersten Flugstrecke über den Großen Ozean zur Entlastung der Funkstationen Verwendung finden werden.
_ . Haag, 22. August,
smsrou ”®ue der sechs einladenden
Machte ist heute im Haager Binnenhof in einer sonderbar gespannten Stimmung iusam- menficitcicn. Die widersprechendsten Gerüchte lagen l tiander. Die ganze Stimmung st über- nervös. Obwohl von den Alliierten die Parole misgegeben worden ist „Weiter verhandeln», weil man sich ja doch entweder hier im Haag 2<ct.r!?,atcr an einem anderen Orte über Deutschlands Reparationen einigen muß und weil icder es dem anderen überlassen will, die Verantwortung für den etwaigen Abbruch zu übernehmen, ist die Beurteilung in allen Lagern ausgesprochen pessimistisch.
Die Sitzung ging nach einer einstündigen Dauer zu Ende und hat mit dem Entschluß geendet daß weiter verhandelt werden soll. Die Entscheidung hängt jetzt davon ab, ob zwischen den Engländern und den übrigen vier Gläubigern eine Einigung über die englische Forde- rung zustande kommen kann, d. h, ob die Engländer sich mit den Angeboten, die ihnen die übrigen Gläubiger in.den einzelnen Besprechungen machen werden, einverstanden erklären.
Die Besprechungen sollen Heute sofort auf. genommen werden. Es ist vorgesehen, daß im 7?"^ des heutigen Tages Besprechungen zwischen den vier Gläubigermächten untereinander sowie zwischen Deutschland und England statt- ftuden sollen. Das Ergebnis dieser Bespre- chuugen wird dann morgen nachmittag in
Besprechung der sechs einladenden Machte zur Beratung gelangen.
Von alle« Seiten wurde betont, daß bis Sonnabend nock genügend Zeit bleibt, um zu einer Einigung zu gelangen ,und daß es deshalb vorläufig nicht notwendig erscheine, über den putschen Antrag abzustimmen, so lange noch Aussicht bestehe, über »vn Youngplan ju einer Einigung zu kommen. Ob eS allerdings <S1W«4. roJrh' den englischen und französi- schttl Standpunkt einander zu nähern, steht
"" bic Besprechungen gestz.ru £ eMntlich „Ur gezeigt, daß
die sachlichen Differenzen nach wie vor die gleichen find.
Zu gleicher Zeit veröffentlicht die „$lme§" eine offenbar beeinflußte Mitteilung, in der es heißt, daß vorbereitende Maßnahmen getroffen worden feien, um die Zurückziehung der englischen Truppen ober eines Teiles derselben durchzuführen, sobald die englische Regierung .in der Lage sei, die notwendigen Anweisungen hierfür zu geben. Man hoffe, daß die Rückbeförderung im Verlaufe des Dezembers beginnen könne. Die englische Regierung habe den Wunsch, die Räumung zu dem frühest möglichen Termin durchzufuhren und ziehe die voll- ständige Zurückziehung einer Räumung eines Teiles der Etappe vor.
Nach den gegenwärtigen Vorkehrungen würde das achte irische Hufarenregiment, die 29., 96. und 97. Feldbatterie und das zweite Ba- taMon der Wales-Füsiliere, sowie das zweite Bataillon der Königs-Füsiliere zuerst nach England zurückkehren.
Eine genaue Untersuchung der Motoren hat "geben, daß sie unbeschädigt geblieben sind. Lediglich die Streben der hinteren Motoren- gondel müssen durch vorrätige Ersatzteile ersetzt werden. Die japanischen Marinebehörden leisten iede notwendige Hilfe und Unterstützung. Der Vorfall beim Ausgang des Luftschiffes aus der Halle hat in ganz Japan allae.
London, 22. August.
Der „TimeS"-Korrespondent in Frankfurt a. M. hört von amtlicher Seite, daß die deutfchen Berichte, nach denen das englische Hauptguar- tier der Rheinarmee Anweilungen der engli- chen Regierung erhalten habe, die auf eine baldige Zurückziehung der englischen Truppen lauteten, nicht den Tatsachen entsprechen. Bis zum Mittwoch abend waren solche Anweisungen im britischen Hauptquartier in Wiesbaden nicht eingegangen.
Paris, 22. August.
Zu der Besprechung zwischen Strese- mann und Briand am Mittwoch nachmittag ertlört Sauerwein im „Matin': Briand hat in der Räumungsfrage eine sehr große Festigkeit gezeigt. Die politischen Zugeständnisse Frankreichs liegen in der früheren Räumung, die nach Regelung der Tributfrage für die dritte Zone in Frage kommen.
Die zweite Zone werde Briand vier Monate vor den festgesetzten Fristen räumen lassen, d. h. ab September. Wenn England in drei Monaten 5000 Mann zurückziehe, fo ziehe Frankreich in der gleichen Zeit rund 12000 Mann zurück. Für die restlichen 38 000 Mann müßten aber die nötigen Unterkunftsmöglichkeiten vorbereitet werden. Außerdem möchte Frankreich die Truppen und das ungeheure Material nicht mitten im Winter zurückschaf- en. Um die Soldaten unter guten Gesundheitsverhältnissen zurückzuziehen, dürste die
ltebernervöse Stimmung
(Eigener Drahtberichl).
Äofumigaura 22. August.
Infolge eines geringfügigen Unfalles ist der Start des Luftschiffes „Gras Zeppelin" "ufgeschoben worben.
Sämtliche Passagiere des Luftschiffes hatten sich Donnerstag um 3.47 Uhr Tokioter Zeit an Bord begeben, und um 4,04 Uhr sollte die So- benmaniif$aft den „Gras Zeppelin" auS der Luftschiffhalle herausziehen. Drei Minuten spater, als das Luftschiff gerade das Freie er- mdft hatte, stieß infolge eines fehlerhaften Schienenwagens die hinterste Motorengondel auf den Erdboden auf. Dabei wurden fünf Streben gebrochen. Um 4.15 Uhr wurde das Luftschiff tn die Halle zurückgcbracht. Dr. Ek- kener stieg sofort aus und begann den Schaden zu untersuchen.
Kiel, 22. August.
Als Auftakt der zehnten Mitglieberversamm- luna bes Reichsstäbtebundes tagten aeftern nachmittag Vorstand unb Hauptausschutz bes Reichsstäbtebunbes unter Vorsitz des Bundes- Präsidenten Oberbürgermeister Dr. Belian, um zu aktuellen Fragen der Kommunalpolitik Stellung zu nehmen.
U. a. wurde über die neuen Pläne deS Preußischen Innenministeriums verhandelt, die dahingehen, den Städten unter 5000 Einwoh- nern das Recht zum selbständigen Erlaß von Polizeiverordnungen zu nehmen und auf den Lanbrat zu übertragen. Zu dieser Frage hat der Gesamtvorstand eine Entschließung angenommen, in der gefügt wird, nicht durch Ausschaltung der Ortspolizeibehörden, fonbern nur durch eine Beschränkung ber Zahl der Polizeiverordnungen bei allen zuständigen Stellen könne das Ziel einer Vereinfachung erreicht werden. Die Herausgabe eines Polizeistrafge- setzbuches, bas alle grunblegenben Fragen enthalte, sei geeignet, diesem Ziele näher zu kommen.
Roch feine RSumnngsanweisungen
Eigene" Drahtbericht.
Tokio, 22. August.
Die Zahl ber Besucher des „Grafen Zeppelin" ist auf rund 300 000 gestiegen. Alle Volksschich- ten bekunden lebhaftes Interesse für den „Graf Zeppelin". Im Laufe des gestrigen Nachmittags waren Tausende und Abertausende U Oon- betätigen in Kafumigaura eingetroffen. Unter den Schaulustigen befanben sich u. a. ber Bruder bet Kaiserin, Prinz Kuni unb Prinzessin Ye von Korea.
Die Passagiere und die Mannschaften deS Zeppelins benutzten den gestrigen Tag, soweit das Festprogramm ihnen Muße ließ, die Zeit, um Einkäufe zu machen. Auch Dr. Eckener hatte angesichts ber großen Hitze ben Versuch unternommen, einen Weißen Sommeranzug zu erstehen, mußte aber barauf verzichten, ba sich in ganz Tokio nichts fertig vorfand, was mit seine- Statur auch nur einigermaßen in Einklang zu bringen war.
Anstelle ber in Japan ausscheibenben drei Passagiere werben Leutnant-Commander Kn- saka vom Abmiralstab ber Marine unb ber Korrespondent einer japanischen Nachrichtenagentur Shirai sowie wahrscheinlich Major Shibata vom japanischen Generalstab mitfahren. Wie der Vertreter ber Hapag erklärte, mußten wäh- renb bes Aufenthaltes bes Luftschiffes in Ja- Pan 40 Bewerber um Passagierplätze für die weitere Fahrt weoen Platzmangels zurückgewie- e.: werden.
$Et$ögentng Des zeppelinftarts
Eigene Draht,n-lbung
Ergebnislose Besprechungen am Mittwoch
„ Haag, 22. August.
®te Zusammenkunft der sechs Mächte am Stufen nm)*it*8a b““”‘e zweieinviertel Stunben. Nach Ausgang der Sitzung wurde mitgeteilt, daß die Verhandlungen am Don- EfhSL °°rmitt°g 10 Uhr fortgesetzt werden. ES kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Verhandlungen ohne Ergebnis 'blieben Dr S t r e s e ma n n hat den deutschen Stand' 5*”“ an Hand eines schriftlich verlesenen Be- richt« zur Kenntnis der übrigen Mitglieder ge- b"cht, Briand und S n owdrn haben dar- ?*rufic*ert*U"b bet Reichsautzenminister hat Mlietzlich noch einmal gesprochen. Der deutsche Standpunkt geht dahin, datz die Konferenz ihre Hauptaufgabe nicht nur noch nicht erfüllt, son- hkrn wit der Behandlung an sich gleichfalls wichtige^ aber im Vergleich zu dieser Hauptauf. gäbe doch minder bedeutungsvoller Nebenfra- gen tn den Hintergrund gedrängt habe. Zur Erörterung steht daS Verhältnis zwischen Schuldnern und Gläubigern, und diese Klärung hat zunächst nach der Richtung hin zu erfolgen, was am 1. September geschieht, wenn bis dahin die Konferenz nicht mit einem vollen Ergebnis abgeschlossen fein wird.
»«il die grundsätzliche Einigung über ben Youngplan, um die es sich in erster Linie handelt, immer wieder auf den englischen Einwand einer Verständigung über ben Verteilungsschlüssel stoßen muß. solange bieses Jon- berproblem nicht gelöst ist Man weiß, baß die Methode, bie Zahlungen ab 1. September nach dem Youngplan zu leisten, bie Verteilung ba- geaen nach dem alten Schlüssel in Spa oorzn- nehmen, keinessalls den Beifall der Gläubiger außer England finden würde. Der Kern bet deutschen Forderungen, die gestern im Haag vorgetragen wurden und deren Wortlaui noch geheimgehalten wird, scheint aber der zu sein, daß Deuischland, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, ab 1 September doch jedenfalls nur nach dem Youngplan be- zahlen will.
Der Hinweis darauf, daß ein negativer Ausgang dieser Konferenz auch für Briand etne allzugroße Blamage fein würde, genügt jedenfalls nicht, um bie Befürchtungen zu zerstreuen. die sich in Bezug auf ein Scheitern ber Haager Konferenz gegenwärtig notwendigerweise einstellen.