Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 196 Einzel»«»: Wochentags 10 Pfennig.
Mittwoch, 21. August 1929
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig. 19. ZahrgüUg
In Lcheveningen feiert man
London, 21. August.
in die verschiedenen Säle. Uhr bei Musik und Lanz
Haag, 21. August.
In dem prächtig geschmückten Saale des Kurhauses von Scheveningen veranstaltete am Dienstag abend der Gemeinderat vom Haag
Rußlands Dank für die deutsche Gastfreundschaft.
Berlin, 21. August
Meder ein Zwischenfall In Oeskerrelch
Wien, 21 August
In der Nacht zum DtenZtag ist eß in einem südlichen Vorort Wiens abermals zu blutigen Zusammenstößen zwischen Heimwehren und Schutzbund gekommen. Eine Schutzbund- und Heimwehrparrouille gerieten in ein Handgemenge. das in eine Schießerei ausartete. Ein Heimwebrmann wurde getötet.
Dir Kommunisten entfalten große Anstrengungen, um angesichts der gespannten Lage im Trüben zu fische-
Man blieb bis zusammen.
Haag, 21. August.
Die deutsche Delegation hat gestern ein Schreiben an die Delegationen der übrigen fünf einladenden Mächte zu Händen des bisherigen Präsidenten der Bollkonferenz Jaspar gerichtet. Darin wird zum Ausdruck gebracht, daß der bisherige Verlaus der Konferenz und das Herannahen des ersten Septembers der deutschen Delegation Veranlaffung geben, eine Sitzung der bevollmächtigten Delegierten der sechs einladenden Mächte über die weitere Behandlung der aus dem Programm der Konferenz stehenden Fragen herbeizuführen. In dem Schreiben wird der bisherige Präsident der Vollkonferenz gebeten, zu einer solchen Besprechung baldigst cinzuladen. Die Führer der fünf Delegationen sind gleichfalls von diesem Schritt in Kenntnis gesetzt worden.
In feiner Antwort hat Ministerpräsident Jaspar die deutscherseits gewünschte Besprechung der sechs einladenden Mächte der Haager Konferenz auf heute nachmittag 5% Uhr im Anschluß an die für vier Uhr vorgesehene Zu sammenkunft der Außenminister der vier Rheinlandmächte festgesetzt.
Haag, 21. August. ,'Der GeueraliekretL/ der Konferenz erließ am Mittwoch eine Mitteilung, daß am nachmittag um 15,811 die sechs einladenden Mächte zu einer Besprechung zusarn- mentreten würden, die ohne die Teilnahme der Sachverständigen und der Sekretäre der einzelnen Abordnungen stattfinden werde. An der Sechsmächte-Besprechung nehmen somit nur die unmittelbaren Hauptdelegierten teil, insgesamt zwanzig Personen.
Von der deutschen Abordnung werden nur die vier Reichsminister anwesend sein. Die deutsche Abordnung wird am Mittwoch vormittag zu einer Sitzung zusammentreten, um über die in der Sechsmächte-Besprechung einzunehmende Haltung zu beraten.
einen großen Empfang für di« Koaferenzteil» nehmer und die Vertreter der Presse. Ferner waren hohe Würdenträger der holländischen Regierung geladen. Von deutscher Seite sah man die Minister Hilferding und Dr.
Sechsrnächte-BesPrechungimHaag
Deutschland fordert Klarheit über das Konferenzprogramm / Was soll am i. September werden?
Wie der amtlich« britische Funkdienst berichtet, hat gestern im Haag eine Besprechung zwischen Briand und Snowden stattgefunden, um eine Annäherung zwischen der französischen und der britischen Stellung herbeizuführen.
«»»etaeiWretle: KtndeUnttLe SetldSttSaa,eigen die mm«LieUe 11 4. auswärtige Geschäfts- eiucigen die mm-Bcile u j, Kamiiienanzeiacn die wra-Zeile 11 4. Kleine Anzeigen auf Baffer das Wort 7 4. auswärtige Kleine Anzeigen die mm-äetle 11 4. Reklamen btt mm-8eile 46 4. Offcrtgebüdr LS 4 (bei Zustellung 88 4\. Rechnungsbeträge innerhalb 5 Tagen zavlvar. ftür die Richtigkeit aller durch Kernivrecher ausgegebenen An,ergen sowie für Busnahmcoaten und Plätze kann nicht garantiert werden, ftür Anzeigen mit besonders schwierigem Satz 100 Prozent Ausschlag. Postscheckkonto Frankfurt a. 8Jt. 6380.
nicht möglich bezeichnet haben, die ihm vorgelegten Fragen zu beantworten. Infolgedessen wird der Bericht lediglich besagen, sie hätten sich außerstande gesehen, sich über die Großbri- tannien von den vier anderen Mächten angebo- tcnen Zugeständniffe und über die sonstigen per- wandten Fragen zu einigen.
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Alarmsignal
'Von unserem Berliner Vertreter'
Berlin, 21. August.
Der Brief Dr. Stresemanas, in welchem er eine Zusammenkunft der sechs einladenden Mächte verlangt, die nunmehr heute nachmir- lig stattfinden wird, ist in Berliner politischen Kreisen als eine Aktion im rechten Augenblick begrüßt worden. Zugleich verkennt man aber nicht, daß darin ein starkes Alarmsignal liegt, das auf die Gefahr deutlich hinweist, in welcher sich die gesamte Konferenz befindet, nachdem ihr« Verhandlungen in den letzten Wochen vollkommen aus die schkese Ebene geraten find.
Während die links stehenden Blätter fich daraus beschränken, den Ruf nach Klarheit zu unterstreichen, den dieser Brief bedeute, wird in der rechts stehenden Presse freilich die Meinung vertreten, daß es dafür vielleicht schon zu spät sei und daß dieser Brief gewisserrna- ßen eine Art Verzweiflungspolttik darstelle. Man glaubt jedoch in Berlin, daß der Appell Dr. Stresemanns insbesondere an Frankreich seinen Eindruck nicht verfehlen
werde, weil man dort ja wegen der eigenen Zahlungen an Amerika starkes Interesse am Youngplan besitzt.
Richt übersehen werden darf, daß auch die politischen Fragen der Räumung und der DäNtroue des Rheinlandes ein ähnliches Ab- gleiten beobachten lassen, tote die Finanzfrage. Der Plan, die beiden Locarnokommissionen (die deutsch-französtsche und die deutsch-belgische) zu einer einheitlichen Kommission zusammenzufassen und ihr ein besonderes Statut für die Kontrolle des Rheinländer zu geben, erscheint zwar aus den ersten Blick ziemlich verlockend, toeil dadurch die besondere Kommission für daS Rheinland Wegfällen würde aber dieser Gedanke hat doch seine sehr großen Schwierigkeiten. Denn, wenn eS sich lediglich um eine Umstellung von Kommissionen handelt, die im Locarnovertrag vorgesehen find, so würde
dies« Kommission auch eine AktionSdaner von unbegrenztem Zeitmaße haben,
ebenso wie der Locarnovertrag selbst bekanntlich keine zeitliche Begrenzung besitzt. Auf diese Weis« würde man gewissermaßen aus einer Hintertreppe die Grenze der Jahres 1935 überschreiten, die Deutschland stetS als Bedingung für eine solche Kommission festgehalten hat. Auch in dieser Hinsicht wird der Appell Dr. StresemannS Klarheit schaffen müssen. Bemerkenswert erscheint eS, daß
gewisse Meinungsverschiedenheiten über di« Möglichkeit einer provisorischen Lösung
herrschen. Die .Germania« betont heute, daß eine provisorische deutsche Zustimmung ,um Doungplan, ohne politische Festlegung der anderen Staaten, innerpolitisch untragbar sei. Man würde vom Foungplan zum Dawesplan zurückkehren und damit in eine neue Sachver- ständigenkonferen; hineinsteuern. Das .Tagblatt« meint demgegenüber, man hätte elaent- lich annehmen müssen, daß hinter den Kulissen bereits eine Vereinbarung auSgearveitet »erben sei, nach der sür den Fall einer weiteren Verschleppung der Konferenzarbeiten, die mit dem 1. September aknt werdenden Fragen zum mindesten in einem Provisorium geregelt würden.
Abseits diese- Meinungsstreites hofft man vorläufig noch in Berlin, daß der Alarmbrief Dr Stresemanns di« Haager Konferenz vielleicht doch noch auf den rechten Weg zurückbringen werde. ______
Die Marineleitung gab gestern mittag im Hotel .Käiserhof zu Ehren des russischen Ge- schwaderchrfs, Konteradmiral Rall, ein Frühstück. Im Verlaufe deS MahleS bewillkommnete Vizeadmiral F r e n tz el die Vertreter der Sowjetflotte im Namen des abwesenden Chef? der Marineleitung und der ReichSregierung Konteradmiral Rall dankte in seinen Erwiderungsworten für die ihm und feinen Kameraden ertotefene Gastfreundschaft. Der russische Botschafsrat Bratmann » BrodowSki sprach im ausdrücklichen Auftrag bei russischen Botschafters in Berlin seinen Dank für den freundlichen Empfang auS. den die russische Flotte in Deutschland gefunden habe und drückte den Wunsch auS. daß die Veziehtmaen der beiden Flotten immer enger werden mögen.
Parts, 21. August. Die französischen Morgenblätter sind über den Verlauf der Zusammenkunft zwischen Briand und Snowden eNt-' täuscht. Die Unterhaltung scheine, so erklärt der »Petit Paristen«, weder nach der einen noch nach der anderen Seite ein Ergebnis ae- zeittgr zu haben. Man sei über dir endgültige Haltung der britischen Delegation noch in völliger Ungewißheit.
DaS »Ecko de Paris« ist der Ansicht, daß die Inständige Aussprache sachlich nicht viel geändert habe. Tatsache sei, daß Snowden vor allem aus der Erhöhung deS englischen Anteils bestehe. Frankreich sei durch den Poungplan hinsichrlich der Qualität der Zahlungen begünstigt, Italien und Belgien hinsichtlich bet Quantität. In dem Augenblick, In dem Snowden vor allem auf Quantität sehe, würden die Staaten die Opfer bringen müssen, die Jia- Heu und Belgien seien. Hoffentlich habe Briand bei diesem Unternehmen den Schatzkanzler nicht seinen Beistand versprochen.
Die Sachverftiin-igen- Verhan-lrrngen gescheitert!
London, 21. August. Der Haager Korrespondent des RenterbüroS hat von einem der britischen PaßamtSsachverständigen erfahren, daß die Sachverständigen der Gläubigermüchte «S als
Snowden gibt nicht nach!
Eigene Drahtmeldung
Stresemanns Appell
Eigene» Drahtbericht.
pariser Randbemerkungen
PariS, 21. August.
lieber die Vollversammlung, die heute nachmittag auf Veranlassung des Reichministers Dr. Stresemann im Haag ftattfinbet, äußern sich die Sonderberichterstatter der Pariser Morgenblätter.
Im .Matin« heißt es. Stresemann sei vollkommen berechtigt, Ausklärung zu verlangen und nötigenfalls Beschwerde zu führen, er dürfe sich aber nicht in der Adresse täuschen. Wenn Snc/.vden sich von jeder Verantwortung frei- machen und Frankreich allein die Schuld an der verzögerten Rheinlandräumung überlassen wolle, dann begehe er einen Irrtum; denn wenn die Absichten Englands fo entgegenkommend seien, dann müsse eS das in erster Linie dadurch beweisen, daß es das Jnkrafi- treten eines Zahlungsplanes möglich mache, den eS im Augenblick in einer untergeordneten Frage persönlichen Prestiges willen sabotieren wolle.
Der Außenpolitiker deS »Echo de PariS« schreibt vom Haag, die französische Delegation wünsche eine Formel zu finden, die geeignet fei, Stresemann zufrieden zu stellen, denn sie befürchte, daß die Berliner Regierung gemäß dem Dawesplan sofort das Transferkomitee mit einem MoratoriumSantrag befassen werde.
Der Korrespondent des »Petit Jour, nal« schreibt: Die heutige Vollsitzung werde zweifellos einer der interessantesten Augenblicke der Konferenz sein, sie werde vielleicht sogar einen stürmischen Verlauf nehmen.
Das Problem der Wettübervölkeruug
Von
Philip Snowden, britischem Schatz*anzler
Die Haager Verhandlungen habe« die Persönlichkeit bes britischen Schatzkanzlers Philiv Snowden in den Vordergrund des Jntereges gerückt. Die nachfolgenden Ausführungen Snowdens verdienen aber auch deshalb Behrn« bere Beachtung, weil der Verfasser bei der Erörterung der kolonialen Probleme zu ooki« tischen Schlutzfolgerungen kommt, bie bet einem aktiven englischen Minister überraschen müssen.
-(Lopytight by Jntatdi, Berlin S- W. 11.)
Die Welt ist nicht übervölkert. Die Malthu- sianische Lehre, daß Die Bevölkerung der Welt schneller wächst als die Ernährungsmöglichkeit, wird durch die tatsächliche Entwicklung widerlegt. Die Welt könnte nur übervölkert werden, wenn die natürlichen Hilfsquellen von der Wissenschaft restlos erfaßt und durch menschliche Arbeit nutzbar gemacht würden und trotzdem nicht ausreichten, allen Menschen vernünftige Lebensmöglichkeiten zu bieten. TaS ist zweifellos heute nicht der Fall. Viele Millionen fruchtbarsten Landes, die ungeheure Mengen von Nahrungsmitteln hervorbringen könnten, liegen noch brach. ES ist berechnet worden, daß die ungenützten Landgebiete allein Kanadas und Sibiriens den ganzen Weizenbedarf der Welt decken könnten, selbst wenn man die Möglichkeit intensiverer Produktion, als man sie gegenwärtig antoendet, außer acht läßt.
Die Bodenschätze tropischer Länder sind noch in weitestem Umfange unberührt. Abgesehen davon kann man mit Bestimmtheit neue chemische Verfahren erwarten, die auf synthetischem Wege Lebensmöglichkeiten, die wir jetzt nur aus natürlichen Produften erhalten können, in fast unbegrenzten Mengen schaffen werden. Seit dem Beginn der industriellen Revolution hat die Fähigkeit, Wohlstand zu schaffen, schnellere Fortschritte gemacht als das Anwachsen der Bevölkerung. Dieser Prozeß wird sich wahrscheinlich fortsetzen, und solange baS geschieht, kann von einem allgemeinen Problem her Weltübervölkerung keine Rede sein.
Wohl aber jjilit es ein Problem regionaler Bevölkerungshäufung. In gewissem Sinne sind einige Länder über- und andere dünn be- völkert. Die Untervölkerung von Ländern, die große natürliche und für die große Masse nicht nutzbar gemachte Hilfsquellen besitzen, ist ein bedeutender Verlust für das Wellvermögen und verschärft gleichzeitig die wirtschaftlichen Schwierigkeiten unter denen die dichter bevölkerten Länder leiden. Für die internationale Zusammenarbeit und Organisation gibt cs daher keine wichtigere Frage als die der gleich mäßigeren Verteilung der Bevölkerung über die Erdoberfläche.
Der Bevölkerungsdruck ist in der Vergangenheit oft die Ursache von Kriegen gewesen. Er wird es auch in Zukunft sein, wenn er nicht durch internationale Zusammenarbeit beseitigt wird. Drei europäische Rationen haben sich durch Eroberung oder Kolonisation mehr als ein Viertel der Erdoberfläche angeeignet. Schließt die Politik dieser Länder Angehörige anderer Rationen von der Niederlassung in diesen Gebieten aus, find ernsthafte Störungen unvermeidlich. Die britische Politik der „offenen Tür« für den Handel anderer Länder in den britischen Kolonien und Dominions hat die Ungerechtigkeit, die in einer Politik strenger Exklusivität liegt, wenigstens teilweise gemildert. Aber bet dem Problem handelt eS sich nicht nur um den Handelsverkehr, sondern auch um die Rteder- lassung von Angehörigen solcher Länder, in denen ein raumloses Volk nach einem AuS- weg sucht. Wenn aber Länder tote Australien, Kanada und die Vereinigten Staaten die Einwanverung beschränken oder gar verbieten, obwohl sie riesige unbewohnte und zur Vergrößerung deS Weltvetmögens außerordentlich gut geeignete Gebiete besitzen, so ist das Entstehen internationaler Eisersüchteleien unvermeidlich Das Problem kann nur durch bl« Erkenntnis gelöst werben, baß bie ganze Erd« gemeinsames Erbe bet ganzen Weltbevölkerung ist, unb baß bie gesamten natürlichen Schätze her Erde als gemeinsames Erbe jeder Rasse und jeder Nation zugänglich sein sollten.
Rassenhaß verhindert die Verteilung der Weltbevölketung. Drei große Länder, Australien, Kanada und die Vereinigten Staaten, baden durch Gesetz« und Verordnungen die Einwanderung von Anaebörigen der gelben Rasse in ihre Gebiete verboten. Australien
Panzerzüge und Haubitzen
Reue russisch-chinesische Zusammenstöße.
Tokio, 21. August.
AuS Mandschuli wirb den hiesigen Zeitungen gemeldet, daß russische Panzerzüge sich ge- stern biS auf 500 Meter den chinesischen Siel- lungen in Mandschuli näherten. Aus den Zügen stiegen Jnfanteriesoldaten, die unter dem Schutz von Geschützfeuer auf die Chinesen schossen. Die Chinesen erwiderten das Feuer mit Haubitzen. Nach einem zweistündigen Kampfe zogen sich die Russen zurück. Die Chinesen verloren 30 Mann, erbeuteten jedoch zahlreiche Geschütze und viel Munition.
Wirth, ferner den deutschen Gesandten im Haag, Graf Zech. Nach einem Festkonzert begab sich die mehrere tausend Menschen um
fassende Gesellschaft