Kasseler Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
Einzelpreis: Sonntag- 20 Pfennig. 19« Jahrgang
Dienstag, 20. August 1929
Drummer 195 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.
Der erste Bischof von DerUn
Die offizielle Er
nennung soll in nächster Zett erfolgen.
Dr. d. c. Hoover
Karlsruhe, 20. August. Die Technische Hoch- itle Karlsruhe hat Herbert Hoover, dem Prä-
Haag, 20. August.
Haag, 20. August. Der ständige internatio- nale Gerichtshof hat gestern in öffentlicher Sitzung seinen Spruch im stanzösisch-schweize- rischen Freizonen-Konflikt bekannt gegeben. Entsprecherch dem Kompromiß vom 30. Oktober 1924 hat der Gerichtshof beiden Ländern eine Frist bis zum 1. Mai 1930 eingeräumt, um zu einer Verständigung zu kommen. In der Begründung drS Spruches wird dem Artikel 435 der Versailler Vertrages eine Auslegung gegeben, die im wesentlichen der schweizerischen These entspricht.
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Berlin, 20. August. Der auf Grund deS Konkordates zwischen Preußen und dem Heiligen Stuhl gerichtete neue katholische Bischofssitz in Berlin soll, wie die »Vosflsche Zeitung" erfahren haben will, mit dem jetzigen Bischof von Meißen Dr. theol. Dr. Phil. Christian Schreiber, besetzt werden. Die offizielle Er-
Mae-snal- und Dawer
London, 20. August.
Premierminister Macdonald und General Dawes trafen gestern zu einer neuen Bespre- chung in der Frage der Abrüstung zu Dee zusammen. In politischen Kreisen mißt man der gestrigen Konferenz besondere Bedeutung bei, da, wie hier verlautet, Macdonald ein Wei- tereS Dokument von Washington zugestellt worden ist. Ueber daS Ergebnis der Unter- redung konnte aber bisher nichts in Erfahrmlg gebracht werden.
1 selbst zu übernehmen hätte. Ueber dies« Meinungsverschiedenheit müsse man erst einig werden, bevor man weitergehen könne.
Der Widerstand der französischen Militär- sachverständigen, mit dem man bei der französischen Delegation die Verzögerung der Bekanntgabe des Endtermins auf Räumung begründet, scheint tatsächlich recht ernster Natur und nicht ohne gefährliche Nachwirkungen zu sein. Dem französischen Generalstab geht eS allem Anschein darum, daS RäumungSende möglichst weit hinaus zu schieben, um Kasernen und Unterbnngungsräum« für di« 50000 Mann der dritten Zone in den Aufmarschlagern an der elsässisch-lothringischen Grenze gegen Deutschland zu schaffen, da das künftige französische Leeresstatut davon anS- geht, an der Grenze des besetzten Gebiete- 8 aus Kriegsfuß stehende Divisionen zu unter* halten.
schule Karlsruhe hat Herbert Hoover, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten auf einstimmi- gen Antrag der Bauingenieurabteilung in Bewunderung seiner weitblickenden und erfolgreichen Jngenieurarbeit in allen Weltteilen zum
mehr fallen möge, hatten di« Unterzeichner, nachdem auch daS Deutsche Reich di« Mark- , „_______________ ______
frag« in einer gerecht«« und billigen Weife zu | Dr. ing. ehrenhalber ernannt.
Wegen der Bekanntgabe deS Endtermins für die Rheinlandräumung fand gestern nachmittag eine einstünditze persönliche Aussprache zwischen Dr. Stresemann und Briand im Hotel Oranje statt, der sich eine gemeinsame Besprechung der an der Besatzung interessierten Staaten Deutschland, Frankreich und Belgien am Sitz der englischen Delegation anschlotz. Diese gemeinsame Besprechung war nur kurz und hatte das Ergebnis, daß für Mittwoch nachmittag eine neue Besprechung zwischen Deutschland und den drei Besatzungsmächten vorgesehen ist.
Bei der deutschen Delegation erklärt man, izicht in der Lag« zu sein, über den Inhalt der Besprechungen etwas anderes mitteilen zu kön- neu, als daß sich die Minister über die mit der Rheinlandräumung zusammenhängende« Fra- gen besprochen hätten. AuS den Erklärungen von anderer Seite geht aber hervor, daß eine Mitteilung der Räumuugstermine nicht erfolgt ist. ES ist auch noch nicht bestimmt, ob Briand den von den Franzosen vorgesehenen Endtermin in der nächsten Sitzung am Mittwoch mitteilen kann oder will.
Bon englischer Seite hört man, daß Briand auch gestern wieder die Rheinlandräumung ausdrücklich von dem Zustandekommen deS Doung- planeS abhängig gemacht hat, wogegen von dem englischen Minister erklärt wurde, daß England feine Truppen auS der Wiesbadener Zone ohne Rückstcht auf das Resultat der Haager Konferenz Anfang September zurückziehen werde.
Der Widerstand der französischen Militärs
Haag, 20. August.
Die abermalige aussehenerregende Verschiebung der Bekanntgabe des Endtermins der Räumung deS Rheinländer gab gestern abend zu einer Flut von Gerüchten Anlaß.
Nach einer Erklärung des Minisiers Lou- cheur habe man sich nicht darüber einige« können, zu wessen Lasten die Besatzungsschäden Kheu müssen. Deutschland verlange den Er- tz dieser Schäden durch die Alliierten, während die Alliierten auf dem Standpunkt ständen, es gehe aus dem Versailler Vertrag klar hervor, daß Deutschland den Schadenersatz
regel« zugesagt hat, den Zeitpunkt für gekommen, den Gerechtigkeitssinn und den Wettblick der belgischen Staatsmänner anzurufen, damit der Bevöllerung von Eupen-Malmedy und Santt Dilh nunmehr endlich Gelegenheft gegeben werde, nach freiem Dillen über ihre Zukunft zu entscheiden.
Roch teilte Räumungstermine (Eigener Drahtbertchy.
Bier Programmpuvkte
Bon unserem Berliner Vertreter,
da man annimmt, daß in dieser Zeit die Sanierung der Anstalt durchgeführt werden kann. Auch tritt im Jahre 1930 der Geburtenruck, gang der ersten Kriegsiahre auf dem Arbeits- markt in Erscheinung und wird eine Erleichterung der Lage mit sich bringen. Da das Gesetz erst am 1. November in Kraft treten soll, isi eine Verabschiedung durch den Rerchstag vor Mitte Ottober nrcht erforderlich.
Bekanntlich rechnet man auch im Haag mit der Lösung der Reparationsfrage nicht vor September oder Anfang Oktober und infolgedessen wird der
Gedanke einet Septembertagung des Reichstags nunmehr endgüliig fallen gelassen.
Der Wiederzusammenttitt des Parlaments wird nicht vor Mitte Ottober zu erwarten sein.
Nunmehr werde» im Ausschuß die Irak- Honen das Wort ergreifen, und man hat mit lebhaften Auseinandersetzungen »n rechnen,
Sentsche Propaganda
W. P. Man hat gefasst, die moderne Politik sei der Kampf um die Weltmeinung. I« diesem Satze steckt sicherlich eine Uebertreibung Aber soviel ist an ihm doch wohl richtig: Der Kampf um die Weltmeinung ist heutzutage ei« wichtigerer Teil der großen Politik als zuvor..
Wer unsere Zeit mit wachsamen Augen verfolgt hat, weiß, mit welchem Eifer überall dieser Kamps geführt wird; er bekommt einen Einblick in das Arsenal, aus dem die Politiker, die durch ihre Proganda die Weltmeinung nach ihrem Willen formen wollen, ihre Kampfmittel nehme«. Da ist zunächst die Presse; nach wie vor da» Mittel, durch das die politische Propaganda am sichersten und am weitesten i« die Massen hrnausgetragen wird. Auch in der jüngsten Zeit fehlt es nicht an Beispiele» von ssroßzügigen Propagandafeldzügen in der Presse. Es braucht nur daran erinnert zu werden, mit welcher geradezu raf- finieiien Taktik die Pariser Zeitungen wahrend der Sachverständigenberatungen zur Propagierung der französischen Forderungen eingespannt wurden. Oder es sei, um ei« zweites Beispiel zu nennen, aus die unermüdliche Tätigkeit der italienischen Presse hingewiesen, durch die der Welt ein Begriff von der Bedeutung des Faschismus und von der Größe de» Duce beigebracht werden soll. Und neben der Presse werden die übrige« Werkzeuge der politischen Propaganda, an Bedeutung freilich weit zurücktretend, mit Eifer angewen- oet: vom Funk, dessen sich die Russen sehr lebhaft zur Verbreitung ihrer bolschewistischen Ideen bedienen, über das Plakat- und AuS* stelluugswesen biS zur Veranstaltung von @e* sellschaftsreisen wird alles, waS den Kampf um die Weltmeinung günstig zu beeinflussen vermag, mit Bedacht und Sorgfalt in Rechnung gestellt.
Sin derartig komplizierter Apparat setzt natürlich tüchtige, talentierte Regisseure, die seine Technik beherrschen, die auf ihm zu spi»i len wissen, voraus. Und gerade in dieser Hinsicht taucht immer wieder die Behauptung auf, daß eS Deutschland au solchen propagandistische« Talenten fehlt. Es trifft $u, daß von der Krüger-Depesche bis zu manchem Ereignis der Nachkriegszeit kaum in einem anderen Lande so schwere Sünde« wider den Getst der politischen Propaganda begangen worden sind wie in Deutschland. Aber trotzdem ist der Kampf um die Weltmeinung für unS nicht aussichtslos. Je mehr sich unsere Diplomatie von dem überkommenen Bürokratismus loslöst, desto eher werden sich auch bei uns Politiker mit ausgesprochen propagandistischer Begabung entfalten können. Vor allem aber bleibt uns eine tröstliche Gewißheit: Unser Volk ist auch heute jener großen Leistungen und kühner Taten fähig, die ihren Eindruck auf die Weltmeinung niemals verfehlen werden. Denn das Wort Napoleons I., man müsse die Menschen mit der Einbildung regieren, sonst seien sie nur eine stumpfe Masse, trifft bestimmt nicht zu. Propaganda, die nur Propaganda ist, kann wohl für den Augenblick bluffen, dauerhafte Wirkungen vermass aber nur eine Propaganda zu erzielen, hinter der Taten und Leistungen stehen.
Es war ein nettes Spiel des Zufalls, daß just in den Tagen, in denen sich die Reklame- fackleute aus aller Welt in, Berlin zu Beratungen aushielten, da» deutsche Luftschiff .Graf Zeppelin"' auf seinem Weltfluge die Reichshaupistadt berührte. Denn wenn die Begriffe Reklame und Propaganda im allgemeinen auch auseinandergehalten werden, so setzt doch die Reklame die gleichen psychologischen Kenntnisse wie die Propaganda voraus. Und so war es kein Wunder, daß diese in alle« Sätteln erprobten Meister der Reklame sofort erfaßten, was für eine propagandistische Wirkung dieser Weltflug deS Zeppelins für Deutschland und für die Wett besitzt. In ihrem Glückwunschtelegramm an Dr. Eckener sprachen die Reklamefachleute davon, daß dieser Flug eine Propaganda für den Friede« und für die Verständigung der Völker sei. In kaum mehr aIS vier Tagen hat daS Luftschiff die gewaltige Strecke von seinem Heimathafen bis nach der japanischen Hauptstadt durch- messen, eine Strecke, die von der Bahn i« zwei bis drei Wochen zurückgelegt wird. Diese Tatsache eröffnet nicht allein für ben Verkehr — und zwar in weit stärkerem Maß« al» dr« Ueberfliegung deS Ozeans von Europa nach Amerika — neue Möglichkeiten, sondern sie hat darüber hinaus in der Tat eine hohe politische Bedeutung. Völker, die sich sonst fremd und unbekannt sind, kommen einander näher, und die freudige Begeisterung, mit denen die
Kür btt Richtigkeit aller durch Keruwrecher autgegebenett »tuetsen
besonders wenn di« Frage de» Verhältnisses zwischen Beitrags- und Verstcherungsleistung behandelt wird.
Das Lacht auf Selbstbestimmung
Ein Appell Eupen-MalmedyS an Belgien.
Eupen-Malmedy, 20. August. Die Gesamt* presse aller Parteien der Kantone Eupen-Mal- medy und Sankt Vith veröffentlichen eine Kundgebung an die Bevölkerung und die Regierung Belgiens, in der es heißt: In diesem Augenblick schicken sich die Regierungen der am Weltkrieg beteiligten Mächte an, eine Bereinigung aller noch offen stehenden Fragen vorzubereiten. Wir halten diesen Zeitpunkt gerade im Interesse einer endgültigen Befriedung Europas für lebmmen, die Aufmerksamkeit auf baS Schicksal unserer Gebiete zu lenken.
Eupen und Malmedy sollten über ihr zukünftiges Geschick entscheiden. Leider haben es die Verhältnisse mit sich gebracht, daß wohl unter den Einwirkungen des eben erst abgeschlossenen Paktes diese Volksbefragung unter einer militärischen Herrschaft In einer Weise zur Durchführung kam, die nicht als ordnungsmäßige Ausführung der Bestimmungen des Versailler Vertrages angesehen werden kann.
Von dem lebhaften Wunsch beseelt, daß in Zukunft auf das friedliche und einträchtige Zusammenleben der Nachbarstaaten kein Schatten
Die Arbeit
-er itzinanzsachverstän-igen
Haag, 20. August. Die Finanzsachverständigen der fünf Gläubigermächte tagten gestern abend bis in die neunte Abendstunde, ohne zu einem Abschluß ihrer Arbeiten zu gelangen. So wurden drei Unterausschüsse für die Einzelfrageweingesetzt, die r it den englischen Ansprüchen zusammenhangen. Tie Unterausschüsse hielten dann noch eine Rachtfltzung ab. Heute vormittag tritt der Gesamtausschuß wieder zusammen und hofft, ein abschließendes Urteil über die zur Erörterung stehenden finanziellen Vorschläge der vier Mächte an England abgeben zu können.
Berlin, 20. August.
Der neue Entwurf über die Reform der Arbeitslosenversicherung, der gestern im Reichs* kabinett verabschiedet worden ist und heut« dem Reichsrat und dem Sozialpolittschen Ausschuß des Reichstages zugeht, eröffnet nun endlich ben Weg zu der parlamentarischen Behandlung dieses wichtigen Problems. Wenn man noch vor kurzem erwartet hatte, daß dieser Entwurf wahrscheinlich wesentliche Lücken aufweisen werde, so hat sich dies« Befürchtung erfreu» licherwetse nicht bestätigt. Roch in letzter Stunde hat der Arbeitsminister diese Lücken auSgefültt.
Der Entwurf stellt sich jetzt als geschlossenes Ganzes dar, in welchem lediglich einige Son* derbestimmungen über die Saisonarbeiterfürsorge noch ergänzt werden müssen. Die wichtigste neue Bestimmung ist die
Beitragserhöhung von Prozent.
Da in betu amtlichen KommunigLö über die gestrige Kabinettssitzung gesagt wurde, daß es sich um den Entwurf des Arbeitsministers handelt, der verabschiedet worden ist, so ist daraus der Schluß zu ziehen, daß auch der Arbeitsminister Wissell selbst sich ganz von seinen Forderungen, die nach V* Prozent gingen, abgewendet und auf % Prozent beschränkt hat.
Die Rechnung, nach welcher diese Reformen durchgeführt werden solle, geht von der Voraussetzung aus, daß man mit 1,1 Millionen Arbeitsloser im Durchschnitt zu rechnen hat. Dafür braucht die Versicherungsanstalt einen Gesamtaufwand von 1119 Millionen Mark, und zwar 897 Millionen für reine Unterstützungsgelder und die übrigen 222 Millionen für eine Reihe anderer Zwecke, z. B. produktive RotstandSarbeiten, Leistungen für Arbeitsvermittlung und Berufsberatung, Leistungen an die Krankenkassen usw.
Nach dem bisherigen System nahmen die Versicherungsanstalten nur 840 Millionen Mark ein. Durch die ^prozentige Erhöhung der Bei- träge kommen weitere 140 Millionen Mark herein. Es bleibt also ein Defizit von 139 Millionen Mark zu decken. Dafür sind in der Vorlage vor allem vier große Reform- Punkte in Aussicht genommen, nämlich
1. die Aenderung der Wartezeit,
2. die Anrechnung der Rente« auf die Arbeitslosenunterstützung, mit alleiniger Ausnahme der Kriegsbeschädigtenrenten,
3. die Neuordnung der Krankenversicherung, wo bekanntlich von neunzig Millionen dreißig Millionen gestrichen werden solle« und
4. di« Staffelung der Unterstützungssätze.
Man nimmt an, daß durch diese vier Hauptpunkte der Reform die erforderlichen Ersparnisse im wesentlichen erzielt werden. Ein Rest, der noch übng bleiben sollte, wird im Ausschuß des Reichstags geregelt werden.
DaS Gesetz soll auf eineinhalb Jahr« befristet werden,
Die Resormpläne des Kabinetts
Die Regierungsvorlage zur Arbeitslosenversicherung / Beitragserhöhung um 7- Vrozent