Kasseler Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Snowden lehnt ab
«Eigener Drahtberich
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Graf Zeppelin" macht ante Fahrt
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uftschiff auS To-
Metern über dem Ob mit vier Motoren geflogen sei.
nützen. Die Schiffsleitung scheint mit dem Be- «er der Abteilung
nächsten Stunden nicht noch ein ganz großes Wunder bringen, dann wird es in den Hl „ und Scheoeninger Hotels bald an ein eifriges Kofserpacken gehen. Und rings um den Bin- nenhos, den letzt ein wahrhaft babylonisches Sprachengewirr umwogt, wird nur wieder das
Die kräftige Linie gibt den Weg an, den das Luftschiff bereits zurückgelegt hat, während aus der gestrichelten Linie die ursprünglich vorgesehene Route zu ersehen ist.
Die Hälfte -es Weges zurückgelegt
Friedrichshafen, 17. August.
Haag. 17. August.
Die Engländer lehnen die gestern von den übrigen Gläubigerstaaten ihnen gemachten Vor- schlüge ab. Snowden hat dem belgischen Delegierten Francqui heute vormittag die englische Antwortnote übergeben, in der festgestellt wird, daß die England gemachten Vorschläge ungenügend seien. Jedoch kommt in der Note d« englische Bereitschaft zum Ausdruck, weiter zu verhandeln. Allerdings geht auch daraus her- vor, daß die Engländer dazu neue Vorschläge erwarten und nicht etwa auf der Grundlage dcS bisherigen Angebotes weiter verhandeln wollen. Wie von französischer Seite erklärt wird, enthält die englische Antwort einen Hinweis auf die angeblich übertriebenen Vorteile, die die Italiener auS dem Boungplan ziehen. Die Franzosen erklären, dieser Spaltnngsversvch werde keinen Erfolg haben, da dir vier Mächte wefter solidarisch bleiben. Man werde heute abend Snowden von seilen der vier anderen Alliierten auf seine Note antworten
Die englische Haltung hat geschickt der Ge- fahr vorgebeugt, daß England die Berant- Wortung für einen Mißerfolg der Konferenz zugeschoben werden könne. Diese Verantwortung ist von Snowden wieder auf die Schultern der vier anderen Alliierten abgewälzt worden, suervlngs durften die von Deutschland erwarteten politischen Folgen kaum noch im Haag eintreten, sondern die Konferenz dürste sich Mitte oder Ende der nächsten Woche oder noch etwas später auf den September vertagen, wo man während der Vollversammlung deS Völkerbundes die Verhandlungen fortsetzen will.
Außenminister Stresemann hatte heute eine einstündige Besprechung mit Snowden über Finanz-Fragen.
Huts Sü-ost
Kowno, 17. August.
Wie auS Moskau weiter mitgeteilt wird, meldet die Zentrale d. Offoaviachim heute früh den letzten Standort des Luftschiffes „Graf Zeppelin". Danach flog das Luftschiff um 9 Uhr früh Moskauer Zeit auf 85 Grad östlicher Länge und 60 Grad nördlicher Breite mit Kurs auf OlekminSk an der Trina. DaS Luftfchift hat in der Rächt auf der Höhe deS Zufammen- fluffeS deS Ob mit dem Jrtysch den Kurs nach Südost verändert, um dir Windstärke auSzu-
Sterbende Konferenz
W. P. Fast zwei Wochen sind die Staatsmänner aus allen Teilen der Welt in der holländischen Residenz versammelt, und das ist nun die Bilanz dieser zwölftägigen Bemühungen um die Liquidation des Krieges: die Konferenz liegt im Sterben! Noch haben die Aerzte freilich den Patienten nicht ganz ausgegeben. Die Sitzungen der beiden Kommissionen sind gestern abend auf „unbestimmte Zeil" vertagt worden. Aber auch dieser Vertagungsbeschlutz läßt keinen Optimismus aufkommen. Denn nichts spricht dafür, daß er als Ankündigung einer bevorstehenden Einigung ausgefaßt werden darf. Und so bleibt es dabei: Wenn die
betont worden, daß das an England gemachlr Angebot den englischen Forderungen nicht entspreche. Die Lage sei deshalb sehr ernst, obwohl eine Einigung immer noch nicht ganz auSgeschlosien sei
Infolge dieser Lage ist die für Sonnabend angesetzte Besprechung zwischen den vier
Obwohl sich da8 Luftschiff „Graf Zeppelin" bei seinem Fluge nach Tokio bereits weit jenseits des Urals befindet, konnte doch die Friedrichshafener Funkstation den sunkentelrgraphi- schen Verkehr des „Gras Zeppelin" seit der Abfahrt mit Ausnahme der Zeiten, in denen an Bord die Wettermeldungen entgegengenommen wurden, biS zur Stunde ununterbrochen verfolgen . Auch in der heutigen Rächt konnte der Verkehr, wahrscheinlich mit einer sowjetruffi- schen Station, ausgezeichnet mitgehört werden. Das Schiff bat um diefe Zeit der betreffenden Station ein Telegramm nach dem anderen übermittelt, was auf eine tadellofe Verständigung mit dieser Empfangsstelle hindeutel. Infolge der gegenwärtig in Süddeutschland auftretenden Luftstörungen sind allerdings die einzelnen Funkzeichen der Funkstation nicht ganz genau zu verstehen.
Der Verlauf der Fahrt ist im einzelnen aus folgenden Meldungen zu ersehen: Gestern um 16 Uhr befand sich baS Luftschiff auf 60 Grad nördl. Breite und 64 Grad östlicher Länge. ES hatte also um diese Zeit den Ural bereits überflogen. Um 16,30 Uhr wurde über einem ruffischen Orte ein Paket mit Postkarten an führende Persönlichkeiten deS Sowjetflug. roefenS und an Verwandte deS Sowjetpiloten Karlin abgeworfen. Jede Postkarte trägt fol- aende Auffchrist: „Die Windrichtung nötigte Dr. Eckener von der Ueberfliegung MoSkauS abzufehen, da dies eine Verzögerung von 8 bis 10 Stunden nach sich ziehe» würde".
Ein 21 Uhr aufaegebener Funksvruch von Bord lautete: 61.3 Grad nördliche Breite, 73 Grad östliche Länge An Bord alleS in Ordnung. ES befand sich zu biefer Zeit etwa 400 Kilometer nördlich der Stadt Tara am Jrtysch DaS Luftschiff richtete an die Sowjetfnnkstatin nen. die ihm reaelmäßig die Wetterberichte zu- stellen. Funksvrüche. in denen die gute Lerstän- digung bestätigt wird.
Um 24 Uhr befand sich „Gras Zeppelin" auf etwa 62 Krad nördl. Breite und 80 Grad östlicher Länge.
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triebSstoff zu sparen. Fliege des Offoaviachim, die dem 2:.....
bolSk entgegengeflogen waren, berichten, daß daS Luftschiff in einer Höhe von etwa 1000
Außenministern, Stresemann, Briand, HymanS und Henderson sowie Wirth ebenfalls au Montag verschoben worden Da Briand die Mitteilung deS französischen Endtermins bet Räumung in biefer Sitzung antünbigen wollte, wirb er bieS ebenfalls erst am Montag tun.
In der Unterhaltung zwischen Stresemann und Henderson erklärte der englische Außenminister ausdrücklich, daß die von England in der Rheinlandräumung von Deutschland verlangte „Geste" sich nut auf den Verzicht au die deutschen Entschädigungsansprüche gegen die Besatzungsmächte erstrecke, und nicht etwa auf die Uebernahme der BefayungSkosten nach dem 1. September durch Deutschland.
In Kreisen der deutschen Delegation sah man die Lage gestern abend alS außerordentlich ernst an.
Montag früh in Tokio?
Tokio, 17. August.
Die gesamte japanische Bevölkerung erwartet mit Spannung das Luftschiff, besonders, da mehrere Japaner die Reise mitmachen. Die Wetterlage für Japan ist aber für Montag früh durchaus unsicher, da nach den letzten Sturm- tagen ein neuer Taifun von den Philippinen aus im Anzug ist.
Man erwartet das Luftschiff Montaa früh und die Behörden arbeiten bereits mit Marine und Kriegsministerium zusammen, um alle erforderlichen Vorbereitungen zu treffen. Der Flugjckatz bei Tokio ist sorgfältig in Stand gesetzt worden Festlichkeiten find bisber f’’r zwei Tage von feiten der Behörden, der Pre^x. der Stadt und der deutschen Botschaft nnrae- sehen. Auch der Kaiser von Japan soll beabsichtigen Dr. Eckener zu empfangen.
Rach weiteren Meldungen befand sich daS Luftschiff heute früh etwa 450 Kilometer nordöstlich vom Tomfl und hat somit die Hälfte der Strecke Friedrichshafen — Tokio zurückgelegt. Man nimmt an, daß das Luftschiff baS nördliche Ende des Baikalsees überfliegen wird.
Kasseler Abendzeitung
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den Von den vier Gläubigermächten ist das von Snowden verlangte schriftliche Angebot den Engländern überreicht worden.
Vom englischen Außenminister Hender-
1 o u, der gestern abend eine Besprechung mit Stresemann hatte, ist ober ausdrücklich
Die Presse der vier anderen Hauptgläubigermächte, vor allem die franzosche Preffe, hat ein wütendes Geschrei gegen Snowden erhoben. In zahlreichen Karikaturen wird dar- gestellt, wie der englische Schatzkanzler mit seinen Krücken, deren er sich bekanntlich wegen eines schweren Leidens bedienen muß, wild herumfuchtelt und das ganze gute Porzellan in Scherben schlägt. „Der Totengräber bet Banger Konferenz^ — das ist der Titel, den die artfer Blätter für Philipp Snowden ersonnen haben Der englische Finanzminister wird ich auch durch diese Anpöbeleien nicht beirren lassen, und er wird ebenso wenig durch de« Vorwurf, der Haager Konferenz das Grab gegraben zu haben, von seinen Zielen abgebrachl werden.
Diese Ziele in voller Klarheit zu erkennen, ist heute noch nicht möglich. Erkennbar find zegenwärtig nur die Forderungen, die Eng- and bet der endgültigen Regelung der Repa- rationsfrage erfüllt sehen will. Mit ihrer Anmeldung stellten sich die englischen Staatsmänner zum erstenmal seit langen Jahren in scharen Gegensatz zu Frankreich Die Zukunft wird erst zeigen, ob diese englisch-französische Gegen- ätzlichkeit tatsächlich der Auftakt zu einer völ- tgen Umorientierung der englischen Außen- wlitik sein wird Philipp Snowden, den die ranzösische Preffe nicht mit Unrecht schon auf Grund seiner parlamentarischen Vergangenheit einen Todfeind Frankreichs nannte, ist sicherlich im Kabinett Macdonald einer von denen, die in einer Befreiung der englischen Politik von den französischen Fesseln eine lohnende Ausgabe sehen.
derbe Platt der einheimischen Bevölkerung zu hören sein.
Von wo aber soll dieses Wunder kommen? Die Vertreter der vier Hauptgläubigermächte haben erklärt, England in den finanziellen Fragen nicht weiter, als es in ihrem gestrigen Angebot geschehen fei, entgegen kommen zu können. So wäre also nur ein Mann in der Lage, das große Wunder, diese Rettung der Haager Konferenz in lctzkLx Stunde, zu sc'r'ir- ten Und das ist der Mann, der von der ersten Sitzung an das Schicksal der Verhandlungen bestimmt hat, das ist Philipp Snowden, der Schatzkanzler des britischen Reiches.
Als Neuling, unerfahren in dem große« Schachspiel, das sich Diplomatie nennt, kam dieser Beauftragte das Kabinetts Maedonald nach dem Haag, aber er brachte etwas mit, was der Routintertheit seiner Verhandlungspartner gewachsen war: Eine durch keine Schwierigkeiten bezwingbare, durch keinen Widerspruch einzu- schüchternde Energie. Und diese Energie setzte Philipp Snowden rücksichtslos ein, wenn es Sait, den englischen Interessen Geltung zu ver- haffen.
Schon dir erste Sitzung im Saale der holländischen Kammer, in der Snowden mit brutaler Offenheit den Uonngplan ein „Dokument voller Widersprüche" nannte, ließ erkennen, daß das Ja dieses Engländers nur dann zu erhalten war, wenn seine finanziellen Forderungen ohne jeden Abstrich anerkannt werden. Für Kompromisse, diese sonst in diplomatischen Kreisen so beliebten Rettungsinseln, hat der englische Schatzkanzler kein Verständnis, er kennt nur eine Politik des Entweder-Oder, Zwölf Tage Haager Verhandlungen habe« diese Eigenschaften des neuen Mitspielers im weltpolitischen Konzert, mag man sie nun Vorzüge oder Schwächen nennen, in aller Deutlichkeit aufgezeigt. Und dieser Man« ist jetzt der einzige, der die Konferenz retten kann. Es ist schwer, an dieses Wunder der Rettung zu glauben!
Schickfalsstunden im Haag
Deiiagung der Konferenz unvei meidbar / Fortsetzung der Verhandlungen in Gens?
Der antienglische Block
London, 17. August.
Die Krise auf her Haager Konferenz bleibt nach Ansicht der Londoner Morgenpreffe troy der Vertagung der Finanzkommission auf un- bestimmte Zeit, überaus akut, Üebereinftim* menb wird In den Berichten der Haager Korrespondenten der Londoner Blätter zum Aus- druck gebracht daß der letzte Vorschlag der vier alliierten Mächte die Ablehnung Snowdens gesunden habe, da die Zugeständnisse noch be- deutend hinter den englischen Forderungen zurückgeblieben seien.
Die Mehrzahl der Korrespondenten hebt in ihren Berichten hervor, daß Frankreich und Belgien nunmehr zu Konzessionen bereit seien und daß der Widerstand gegen eine Revision des Doungplanes hauptsächlich Italien r"zu- schreiben sei.
Aus der Umgebung Snowdens wird ver- sichert, daß der SÄatzkanzler unbedingt festblei- ben werde, aber größten Wert darauf lege, den vier anderen Mächten jede mögliche Gelegenheit zu geben, einen befriedigenden Vorschlag vorzulegen. Diese Haltung Snowdens wird von der Presse allgemein gebilligt.
MitzgMckteRettungsversuche
Haag, 17. August.
Die Haager Konferenz hat den kritifchen Puntt, den sie gestern den ganzen Tag über zu überwinden trachtete, erneut mit einer Vertagung der Finanzkommisfion unb ber Politischen Kommission auf unbestimmte Zeit umgangen.
Im Laufe beS Nachmittags haben laufend Besprechungen zwischen englischer und sran- zöfischer Sette in dem Onotenstreft ftattgefun-
Räumung erst in 10 Monaten
Paris, 17. August.
liebet die gestrige Unterredung zwischen Briand und Stresemann weiß das Journal" zu berichten, daß der deutsche Außenminister dringend darauf bestanden habe zu erfahren, wann die Räumung erfolgen würde. Briand habe geantwortet, daß nach Ansicht der französischen Sachverständigen die gesamte Räumung in zehn Monaten erfolgen könnte. Ein solcher Zeitraum sei Stresemann viel zu lang erschienen. Gleichwohl habe er sich damit einverstanden erflärt. die Verhandlungen auf dieser Grundlage fortzusetzen.
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