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Geschäfts- »eigen au8

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig. 19. Jahrgang

Freitag, 16. August 1929

Nummer 192 E nzelpreiS: Wochentags 10 Pfennig.

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Mckr 9leuefte Nachrichten

Kasseler Abendzeitung gs» Hessische Abendzeitung________________

tu «3m « tt'Uwnis mWiger Sttefeiung t# au8gel®lofien. Kür unverlangt eingefanbte Beitrage fANN die IHeöaltion eine Berantworttiua oder GewSbr tnkeii^m Kalle übernebmen^chriitleiEg, Bertas und Druckerei! S iel. Schlachtbofftrabe St. 98/80. Keruivr. Soul, 3608. 3603. 860t

Abbruch der Haager Konferenz?

tinüberbrütfbare Gegensätze in der Finanzfrage / Starke Erregung bei allen Delegationen

Es verlautet, dal

fand.

überflogen und zwar in der Gegend von Bi- gossowo. Wegen ungünstiger Wetterlage ent­schloß sich Dr. Eckener, den Kurs nördlich zu verlegen und von einem Besuche Moskaus ab­zusehen. Heute früh 1,05 Uhr befand sich das Luftschiff über Wdschnij Wolotschek im Gou­vernement Twer <etwa 300 Kilometer nordwest­lich von Moskau). Ueber den weiteren Verlauf des Fluges verzeichnen wir folgende Mel­dungen:

Totengräber Snowden"

Paris, 16. August.

Die Pariser Presse ist ganz auf Pesfimis- muS gestimmt. Di« Konferenz befindet sich in

Undurchsichtige Vorschläge

Haag, 16. August.

lieber die Kontrollkommission ist es in dem Juristenkomitee gestern nachmittag noch zu kei- ner Einigung gekommen. Bon französischer Seite sind vollkommen undurchsichtige Vor- schlage gemacht worden, hinter deren bewußter Unklarheit man versucht, den Gedanken au militärische Kontrollmaßnahmen zu verstecken.

Neuerdings ist auch wieder die Henderson- sche Idee von der Schaffung eines Unteraus- schufles von drei Mitgliedern des Volker» bundsrates in den Vordergrund getreten, de« sich die Engländer anscheinend in Form euui

den gefördert. Um 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit befand sich dar Luftschiff über Seredziai, wo drei litauische Militärflugzeuge dem Luft­schiff dar Geleit bis Dotnuva gaben. Um 19 Uhr 30 Minuten überflogEtas Zeppelin" die litauisch.lettische Grenze. Es Pas- fierte 20 Uhr 10 Min. die etwa 40 Kilometer östlich Dünaburg gelegene Stadt Kres- lawska. Zwanzig Minuten später wurde

die Sowjet-Grenze

Die Fahrtroute -erGraf Zeppelin"

Die punktierre Linie zeigt die Fahrtroute an, die .Graf Zeppelin' voraussichtlich auf seinem Weltflug befolgen wird. DaS Kreuz bezeichnet den Standort, an dem sich das Luftschiff nach den Meldungenvon heute früh ungefähr befi

ständigen Organs denken. Diese« Planen gegenüber geht die deutsche Auffassung nach wie vor davin, daß es erst einmal notwendig ei, die im Locarnovertrag gegebenen Möglich­keiten auszuschöpfen.

Das Juristenkomitee hat sich schließlich auf Sonnabend vormittag 10 Uhr vertagt.

Es verlautet, daß jetzt der Gedanke austaucht. England grundsätzlich einzuräumen, daß der Spa-Schlüssel von 22 Prozent für England gleichfalls auf sämtliche Leistungen des Young- Planes angewendet wird, jedoch sollen hinsicht­lich der einzelnen englischen Wünsche prattische Vorschläge von England angefordert werden. Auch dieser Plan dürfte indessen wenig Aussicht auf Annahme seftens des englischen Schatzkanz­lers Snowden haben.

Haag, 16. August.

Di« Lage wird heute vormittag in Konferenz kreisen einstimmig als äußerst ernst bezeichnet. Die Möglichkeft eines Abbruches der Konferenz hübet heute das Tagesgespräch. Die fortgesetz­ten Vermittlungsverhandlungen, die hinter den Kulissen geführt werden, dürfen als gescheftert angesehen werden.

einem Fiederzustande, so schreibt daS-Oeuw r e" und niemand verberge seinen Pessimismus Es scheine, daß Snowden de« Abbruch wolle und keine VerAndlunaen wünsche. Auch .Pe- tit Paris:« n" stellt fest, daß sich Snow­den zu seiner ersten Methode zuruckgefunden habe. Wenn er die Vorschläge JasParS beiseite schiebe, werde das bestätigen, daß er an dem Bruch der Konferenz von Anfang an gedacht habe.

Dex ,F i g a r o" erklärt, die Konferenz sei sehr krank, und matt könne ebenso gut sagen, st« sei tot und beerdigt. Vor der Weltgeschichte werde Snowden der Totengräber bleiben.

Der ,Matin' meint, Snowden, beeinflußt durch die nationalistischen Elemente seines Landes, hab« ganz einfach de» Youngplan torpedieren wollen.

An der europäisch-asiatischen Grenze (Eigener DrahtberichH.

Letzte Rettungsversuche

Eigene- Drahtbericht.

Kowno, 16. August. Wie aus Moskau ge­meldet wird, haben die Moskauer Funkftatio- tteit eine Meldung vonGraf Zeppelin" erhal­ten, nach welcher das Luftschiff um 8 Uhr 15 etwa 200 Kilometer nördlich von Perm gesich­tet wurde. Dos Luftschiff fliegt mit einer DurchschnittSgEIchwindigkeit von 130 Kilome­ter in nordöstlicher Richtung auf den Ob zu.

Japanische

Empfangs-Vorbereitungen

Tokio, 16. August.

Die Reise des LuftschiffesGraf Zeppelin" wird in Japan mit großem Interesse verfolgt. Die einzelnen Standortmeldungen werden tn sämtlichen Zeitungen an erster Stelle gebracht, während umfassende Vorbereitungen zu einem großen Empfang des Luftschiffes durch bi- ein. Seinen Körperschaften getroffen werden.

Die aufgetauchten Gerüchte über die Ab­sicht der japanischen Regierung, das Lustschif zu kaufen, finden keine Bestätigung.

Die Erregung ist heute überall groß. Auf belgischer und französischer Sette wird heute ein letzter Versuch gemacht, die Italiener zum Nachgeben zu bewegen. Es ist jedoch unwahr- scheinlich, daß Nelson irgendwelche Zugeständ­nisse machen wird.

Es wird nun heute der Gedanke erwogen, die Sonnabend-Sitzung des Finanzausschusses aus die nächste Woche zu vertagen, um wieder Zett zu gewinnen. Sollte es jedoch zur Sonn­abend-Sitzung kommen, so würde nach der heutigen Lage der Dinge die englische Dele­gation ihren Antrag, der die bekannten drei englischen Forderungen umfaßt, ohne Zweifel zur Debatte stellen. Der Antrag würde wohl abgelehnt werden. Der Abbruch der Konfe­renz wäre damit praktisch da.

Es wird heute erwogen, daß in einem sol­chen Falle Anfang nächster Woche die Konfe­renz zusammentreten soll, um eine Vertagung auf unbestimmte Zeit zu beschließen, jedoch mit der Forderung, daß die Organisations- Komitees des Youngplanes In der Zwischen- zeit ihre Arbeit aufnehmen. Eine neue Zusarn- meukunst würde dann für Ottober in Gens oder im Haag in Aussicht genommen werden. Dies wäre nichts anderes, als eine ver­schleierte Form deS tatsächlichen Zusammen­bruches der Konferenz.

Sie Wallfahrt aach Washington

Von Dr. Paul Rohrbach.

Man hört aus England, Ramsah Macdo- nald habe einentiefen und aufregenden" Ein- druck von der Lage zwischen England und Amerika bekommen, als er, Regierungschef ge­worden, Einsicht in die Dokumente nahm, in denen der bisherige Meinungsaustaufch und die Berichte zu diesem Thema enthalten waren. Jedenfalls hat er für den Oktober feine Fahrt zu dem amerikanischen Präsidenten Hoover an- gekündigt, und zwar ohne Rücksicht auf die Lage in Europa. Für England ist gegenwär­tig alles, was im Haag vorgeht, eine Ange­legenheit zweiter Ordnung bis auf einen Punkt: das Bemühen, den Amerikanern zu zeigen, daß die englisch« Politik von Frank­reich unabhängig werden will.

Wenn irgend etwas geeignet war, den neuen englischen Premierminister und seine Mitarbeiter in Bezug auf Amerika zu er­schrecken, so mutz es die Erkenntnis gewesen fein, daß unter dem Regime Chamberlains in her auswärtigen Politik so etwas wie eine englisch-französische Verabredung gegen Ame­rika in der Frage der Seerüstungen zustande gekommen war. Man erinnert sich, mit wie großer Schärfe die amerikanische Presse da­mals zu dem enZlisch-sranzösischen Abkommen Stellung nahm, und wie deutliche Worte aus dem Munde der leitenden Politiker in Ame- rika fielen. Nach einiger Zeit wurde es dann still um die Sache. Das tiefe amerikanisch« Mißtrauen aber blieb, und das Ergebnis war der Kongreßbeschlutz in Washington über den Bau der mächtigen Kreuzerflotte.

Macdonald war kaum am Ruder, so gab er die Erklärung ab, die Vereinigten Staaten ständen für ihn an der ersten Stelle in seinem politischen Programm, und er ließ Hoover sei­nen Besuch ankündigen. Es folgte die beider­seitige Courtoisie einer kleinen Einschränkung im Flottenbauprogramm für das gegensei­tige Stärkeverhältnis ohne Bedeutung, aber als Symptom zu verzeichnen. Nebenher gin­gen die betonten Versicherungen, England sei nicht an Frankreich gebunden. Jetzt im Haag wird das unterstrichen und praktisch demon­striert. Der Ton dieser Musik soll vor allen Dingen den amerikanischen Ohren vertrauen­erweckend klingen.

Die Verhandlungen zwischen England und Amerika über die sogenannte Abrüstung zur See sind bisher, praktisch besehen, ohne Ergeb- nis geblieben. Nun soll noch in diesem Jahr eine Vorkonserenz der fünf Marinemächte England, Amerika, Frankreich, Italien und Japan ftattfinben, und im Frühjahr 1930 die Revisionsverhandlung über das 1922 ge­schlossene Abkommen von Washington. Hier­über sind England und Amerika einig. Ob allerdings Macdonald im Frühjahr 1930 noch mit seiner Partei an der Regierung in Eng­land sein wird, ist eine andere Frage. Wenn er sie führt, so wird er, wie es scheint, ent­schlossen fein, das zu tun, wozu sich die Kon­servativen unter Baldwin und Chamberlain nicht haben entschließen können, nämlich alle versteckten Bemühungen fahren zu lassen, um durch Schiffsklaflen-, Tonnen- und Kaliberbe­rechnung insgeheim doch eine Ueberlegenheit der englischen über die amerikanische Flotte aufrecht zu erhalten. Den größten Widerstand wird er dabei von den Marinefachleuten, den Admiralen, Schiffskonstrukteuren und Werst­interessenten finden. Ueberhaupt ist es für eine Regierung, wie die Macdonalds, keine geringe Schwierigkeit, daß alle außenpolitisch wichtigen Ressorts, das Auswärtige Amt selbst, das Äia- rtneamt, das Kriegsamt, und ebenso die dlplo- mattschen Außenvertretungen, angefüllt sind mit Menschen, die planmäßig der neuen Ein- stellung widerstreben Das güt für den Ver- zicht gegenüber Amerika, das gilt für die gegenüber Aegypten eingeschlagene Politik der großen Zugeständnisse, das gilt für das Ver­hältnis zu Frankreich und Rußland, und schließlich auch für das Problem des Stillen Ozeans, wo für die Beziehungen zu Washing- ton das Haupt- und Grundobjett der zu tref­fenden Entscheidung liegt

Es handelt sich um den amerikanischen An- «, den Stillen Ozean zu beherrschen. Auf Zanama-Kanal wird in absehbarer Zeit der Nicaragua-Kanal als zweite, von Washins ton auS beherrschte Verbindungsstraße zwi­schen den Ozeanen folgen. Der pazifische» Küste Amerikas gegenüber liegt China. Diö Amerikaner wollen kein polittsches Protektorat über China, aber ihre auswärtige Politik

Brian- bei Steesemann

Haag, 16. August.

Aus der heutigen Vormittags-Besprechung der Finanz-Sachverständigen der vier Haupt­gläubigermächte erfährt man, baß es nicht ge­lungen ist. eine Verständigungsbasis zu finden, daß man aber in einer neuen Besprechung heute nachmittag um 4 Uhr im Grand Hotel tn Scheveningen versuchen wolle, mit den Eng­ländern gemeinsam zu prüfen, auf welchem praktischen Boden man sich treffen kann. Die Engländer sollen dabei veranlaßt werden, ihre Forderungen noch einmal genau zu präztiteren und die Alliierten beabsichtigen darauf, even­tuell mit einigen Detailvorschlägen zu ant­worten.

Die Hauptdelegierten derjenigen Delegati­onen, die an dieser Sitzung nicht teilnehmen, haben heute vormittag interne Besprechungen abgehalten Der französische Außenminister Briand hat sich um 11,30 Ubr zu Dr. Stresemann in das Oranje Hotel nach SchSeningen zu einer Besprechung begeben, die. tote auf französischer Seite v- '♦et. der Prüfung der Modalitäten gegolten haben soll, unter welchen eine Verschiebung der Konferenz erfolgen könnte.

Der Flug deS »Gras Zeppelin" nach Totto hat bisher einen sehr erfreulichen Verlauf ge­nommen.

Nachdem »Graf Zeppelm" Stettin überflo­gen hatte, erschien es gestern nachmitiag um 14,55 Uhr

über Danzig.

Vom Sirenengeheul der im Hafen liegenden Dampfer begrüßt, beschrieb es in langsamer Fahrt einen Bogen und verschwand dann in Richtung Ost-Nordost. DaS Luftschiff, das in geringer Höhe flog und einen prächtigen An­blick bot, war fast zehn Minuten lang zu sehen Kurz vor 16 Uhr erschien das Luftschiff über Königsberg. Um 16,15 Uhr befand es sich, von vier Flugzeugen umkreist, über dem Kern der Stadt, wo es überall jubelnd begrüßt wurde. In einem durch Funkspruch übermittelten

Gruß der Stadt Königsberg heißt es: .Die Hauptstadt der vom Vaterland abgeschnürten Provinz Ostpreußen grüßt den .Gras Zeppelin". Wir huldigen dem Werke, seinem Heimgegangenen Erfinder, den Män­nern. die es weiter führen, an ihrer -spitze dem Kommandanten Dr. Eckener Allen Teil» nehmern an der Weltfahrt unseren Gruß. Graf Zeppelin" verbindet uns mit dem Va­terland. Er befeuert mächtig unseren Willen, mit ihm wieder bereinigt zu Werben Vfir danken sein Erscheinen über unserer Stadt. Unsere Wünsche und unsere Hoffnungen be­gleiten ihn auf feiner Weltfahrt. ®urd> iahe Arbeit zum Ziel! Stadt Königsberg. Oberbür­germeister Dr. Lohmeyer." Um 16,30 Uhr ent­schwand das Luftschiff den Blicken.

Um 17 Uhr wurde .Graf Zeppelin über Tilsit gesichtet. Es überquerte in langsamer Fahrt die Stadt.

Von den Tilsiter Kirchtürmen läuteten die Glocken,

während die Fabriken ihre Sirenen heulen liefen

Das Luftschiff, daß mit einer durchschnttt- Uchen Geschwindigkeit von 120 Stunden-Kilo- metern fuhr, überflog dann litauisches (S c b l et. Die Fahrt war von günstigen Win-

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