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Kasseler Neueste Nachrichten

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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

Nummer 190 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Mittwoch, 14. August 1929

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig. 19* ZahkgUttg

Räumung in drei Etappen

Englands Räumungö-VorfchlSge / Neue Hinberniffe?/ BefatzungsfchSden und Besatzungskosten

Ter Kampf um den Mumungstermin

Eigene Dr'ahtiaeldung

Haag, 14. August.

lieber die Endtermine der Rheiulandräu- munfl wird wohl noch in dieser Woche die ^Mscheidung sallen. .

Außer den Engländern kündigen jetzt auch die Belgier ihre RLumungsabsicht an und er- klären, daß ihre Truppen bis Ende 1929 das Rheinland verlassen würden.

Dagegen haben die gestrigen Besprechungen zwischen Stresemann, Wirth, Briand, Hymans und Henderson im Grand-Hotel in Schevenin- gen noch keine Klarheit darüber gebracht, für welche Termine die Franzosen die Beendi­gung der Räumung vorsehen.

In der Besprechung hat Briand die gesamte Räumungsfrage nach wie vor von der An­nahme des Noungplanes abhängig gemacht, da er sich, bevor die Dinge in der Finanzkom- mifsion geregelt seien, in keiner Weise binden könne. Da man vorläufig aber in den Finanz­verhandlungen fast ohne Aussicht auf eine Eini­gung noch auf dem gleichen Fleck steht wie zu Anfang der Diskussion und somit die für Mitt­woch nachmittag angesekte Sitzung der Polüi- schen Kommiffion wieder zu keinem Ergebnis hätte gelangen können, haben sich die fünf Mi­nister entschlossen, diese Sitzung ausfallen zu lassen, aber sich doch noch im Laufe dieser Woche zu versammeln. In dieser Ministerbefprechung erwartet man die Bekanntgabe des sranzöstfchen Endtermins der Besatzung.

Die Minister sind auch ubereingekommrn, den technischen Unterausschuß für die Rhein­landräumung nicht einzuberufen, sondern beab- sichtcn, in der allgemeinen Besprechung die Hauptfragen über die Termine deS Rücktrans­ports der Truppen und über die finanzielle Regelung der Bcsatzungsschäden selbst zu klären.

Die Verhandlungen

um ausgelaufene Forderungen von Hunderten von rheinischen upd pfälzischen Städten und Gemeinden, für die seit Jahren das Reich finanziell eintreten mußte, ohne daß sich die Besatzungsmächte zu ihre Begleichung verstan­den hätten. Die Schäden belaufen sich insge­samt auf eine

dreistellige Millionenziffer,

da das Reich schon seit Jahren außer den elf Millionen Marr Besatzungskosten, die er aus Grund des DawesplaneS zahlen mußte, mo­natlich durchschnittlich drei Millionen an sol- chen Entschädigungen zu tragen hatte. Dabei betrifft die Summe nur Schäden, die vor dem 1. September 1929 angerechnet werden.

Bei den Alliierten bestehl, wie die ganzen Jahre, auch in diesem Augenblick wenig Nei­gung, diese Summen zu übernehmen, und um diesen Forderungen zu entgehen, stellen sie nunmehr das

Ansinnen an das Reich,eine große Geste zu machen"

und entweder teilweise oder ganz aus diese Forderungen zu verzichten. Davon kann für das Reich natürlich keine Rede sein, denn es hieße neue Lasten zu den Lasten des Uounz- planes hinzuzufügen, wenn das Reich di« ge­nannten Millionenentschädigungen für die Be- fatzungsschäden selbst übernehmen sollte. Vor allem müßte das Reich sein Verhalten in die­ser Frage davon abhängig machen, wie man sich bei den Alliierten über die Endtermine der Räumung einigt.

Eine zweite, sehr komplizierte Frage ist ebenfalls in der gestrigen Ministerbesprechung zur Verhandlung gekommen, und zwar dieje­nige der

Bezahlung der Besatzungskosten nach dem

1. September 1929.

werden konkreter"

Stresemann über die Räumungsverhandlungen.

London, 14. August,

Der Haager Korrespondent desDailv He- rolb" spricht davon, daß jetzt angeregt werde, die Räumung in folgenden drei Abschnitten durchzuführen:

1. Der Abzug der englischen Truppen soll bis zum 15. September beginnen und Mitte Dezember, spätestens aber am Tage vor Weih­nachten beendet sein.

2. Die Franzosen und Belgier sollen die Räumung der zweiten Befatzungszone Anfang Oktober beginnen. Sie ist ebenfalls spätestens zum Anfang Januar abzuschließen.

3. Die Räumung der dritten Zone durch die Franzosen soll Ende Dezember beginnen und bis Ende Februar beendet sein.

An diesem Datum schließt bekanntlich der Youngplan die deutschen Verpflichtungen zur Bezahlung der Besatzungskosten, wie sie der Dawesplan noch enthalten hatte, endgültig aus. Es wird Sache der Alliierten sein, von diesem Zeitpunkt an aus den Ergebnissen des Youngplanes selbst die Besatzungskosten zu bezahlen. Auch hier bestehen von Seiten der Alliierten Versuche, von Deutschland neue Leistungen zu erhalten. Diese Versuche sind vollkommen aussichtslos. In deutschen Krei­sen weist man darauf hin, daß Deutschland sich mit diesen Kosten nicht belasten könne, denn ebenso wie die Engländer und Franzosen sich vor der Uebernabme neuer Lasten sträuben, sei daS auch für das Reich nur billig.

Kompromiß

in der Finanzfrage?

Der Sonderkorrespondent desDaily Ex­preß" im Haag unterbreitete dem deutschen Außenminister gestern die Frage, ob er mit dem Verlaufe der bisherigen Verhandlungen zufrieden sei. worauf er die Antwort erhielt: Ich bin überzeugt, daß die Besprechungen nun konkreter werden"

In einem Haager Bericht derTimes" wird festgestellt, daß Außenntintster Henderson in einer Besprechung mit den Delegierten Frank­reichs und Belgiens das äußerste Datum er­wähnte, zu dem England seine Truppen aus dem Rheinlande zurückziehe. Es besteht Grund für die Annahme, daß die Zurückziehung der englischen Truppen bis zur dritten Woche des Dezember beendet fein wird. Belgien nähme in dieser Frage die gleiche Haltung ein. Sowohl der englische wie der belgische Delegierte wür­den, was immer Frankreich in dieser Frage be­schließt, zu ihren Beschlüssen stehen, daß die baldige Rheinlandräumung auch aus politischen Gründen unbedingt notwendig fei.

Neue Zumutungen

Haag, 14. August

Obwohl nun die Dinge, was den Rän- mungslermin anbelangt, eine etwas schnellere Entwicklung zu nehmen scheine«, taucht für die Räumnung ein höchst sonderbares neues Hindernis aus. Die Alliierten machen nämlich die Räumung neuerdings auch noch von der

Regelung der BesatzungSschäden abhängig. Es handelt sich Sei diesen Schäden

Abschluß der Verhandlungen in 1012 Tagen?

Haag, 14. August.

Man beurteilt heute vormittag die Mög­lichkeiten einer Einigung über die finanziA- len Streitfragen in französischen Kreisen et­was günstiger. Man hält es für wahrschein­lich, daß das finanzielle Kompromiß, von dem die weiteren Verhandlungen über die Rhein­landräumungen abhängen, in einigen Tagen zustandekommt und vast die Haupidelegierten den Haag in 1012 Tagen verlassen können. Es sollen dann nur noch die Sachverständigen und die Unterkomitees im Haag wettet tagen, während die politischen Endbesprechungen in Genf während der Bölkerbundsversammlung geführt werden.

Die Begleichung der englisch-französischen Differenzen scheint sich immer mehr auf Ko­sten der kleinen Staaten vollziehen zu sollen Zwecks Befriedigung der Ansprüche dieser Mächte, ist im Aoungplan eine Summe von ca 37 Millionen Mark int Rahmen der unge­schützten Annuitäten noch zu verteilen. Diese Summe soll nun als Grundstock der englischen Beteiligung an der ungeschütz-en Annuität von den Heinen Mächten auf England übertragen werden, das im Augenblick an der ungeschütz­ten Annuität noch garnicht beteiligt ist.

Aus den Einkünften der internationalen Bank- hoffe man etwa noch acht Millionen freizupiachen und zu dem englische« Anteil schlagen zu können. England, daS ursprüng­lich ungefähr sechzig Millionen verlangte, wurde daun seinerseits seine Forderung auf

die so zustandegekommenen 45 Millionen redu­zieren. Frankreich soll die entsprechende Sum­me, welche die kleinen Mächte verliere», an feinem eigenen Schuldenabkommen mit diesen Mächten streichen.

Frankreichs Lontrollplane

Haag, 14. August.

Die Besprechungen über die Feststellungs und Vergleichskommiffion in dem Juristen» Komitee, da- gestern nachmittag drei Stun­den zum erstenmal tagte, scheinen einen ebenso eigenartigen wie unerwarteten Verlauf zu neh­men. Es verlautet nämlich, daß von dem reich­lich unklaren französischen Vorschlag, den man zwarLigurdations-Komitee" nannte, der aber nichts anderes als eine Kontrollkommission enthielt, in dem Ausschuß kaum noch die Rede ist.

Wie von deutscher Seite gesagt wird, sind in dem Komitee Vorschläge erörtert worden, die sich auf die Gründung eines neuen Organs erstrecken. Die französischen Wünsche sollen letzt dahin gehen, die im französisch-deutschen Scbiedsgerichtsvertrag von Locarno geschafjene Vergleichskommmisiwn in ihren Arbeitsbesug. nissen so zu erweitern, daß sie den französischen Wünschen gemäß Feststellungen an Ort und Stelle im Rheinland treffen kann.

Es ist aber durchaus nicht einzusehen, in

welcher Weise die Form dieser Kommission der» ändert oder ihr Arbeitsgebiet erweitert werden soll, da sie für alle Fäll», die die Franzosen zur angeblichen Begründung ihrer Forderung anführen, schon nach dem jetzigen Statut voll­kommen ausreicht.

Das Juristen-Komitee tritt Donnerstag nachmittag wieder zusammen.

Polnische Kommentare

Warschau, 14. August.

In einer Polemik mit der nationaldemokra­tischenGazette Warszwaska", die ht der Rheinlandräumung den Anfang vom Ende Polens erblickt, schreibt die halbamUicheEpo- ca" heute, daß Polens Außenpolitik sich nur 'n ein schlechtes Licht setzen würde, wenn sie sich etwa als Ziel setze, sich mit allen Mitteln der Rheinlandräumung zu widersetzen. Wenn Briand und Jaspar zu der Ueberzeugung ge­langt wären, daß der gute Wiste Deutschlands über alle Zweifel erhaben fei, dann könne Za- leski schwerlich im Namen der Sicherheit Po­lens fein Veto einlegen

Ganz anders würden die Dinge allerdings liegen, wenn Deutschland seine Hand nach pol­nischem Gebiete ausstrecken sollte. Nicht nur Zaleski, sondern jeder Pole würde in einem solchen Fälle jede Erörterung ablehnen. Eine Erörterung darüber fei ausgeschlossen, und die Berührung der ganzen Frage müsse dm euro­päischen Frieden gefährden, ja sogar in Frage stellen.

Russisches Interesse für den Zeppelin eigene- Drahtbericht.

Kowno, 14. August.

Wie ans Moskau gemeldet wird, haben die Ortsgruppen der Ossoaviachim (Verein zur Förderung der Luftfahrt und der chemischen Kriegsführung im Bereiche der Sowjet-Union) zum Empfange desGraf Zeppelin" auf An­ordnung der Zentrale in Moskau auf der gan­zen voraussichtlich zu überfliegenden Strecke Vorbereitungen für einen Wetterdienst getrof­fen. Aus dem Moskauer Flughafen sind eben­falls alle technischen Maßnahmen getroffen, die nötigenfalls eine Landung ermöglichen würden.

Die großen Blätter bereiten alles vor, um mit dem Luftschiff in ständiger Verbindung zu bleiben. Nach dem Ucberfiiegen des Ural würden nacheinander die Wetterwarten Omsk und Chabarowsk den Wetterdienst übernehmen. Zum Empfange des Luftschiffes werden von der Moskauer Zentrale des Ossaviachim-Der- eins Flugzeuge an die Grenze der Sowjet- Union entsandt, die das Luftschiff nach Moskau begleiten werden.

In der Moskauer Bevölkerung wird die Anlunft des®raf Zeppelin" mit großer Span­nung erwartet. Die Vertreter der Ossoviachirn haben schon jetzt alle Mühe, die Anfragen der Bevölkerung über die Richtung, die das Luft­schiff nehmen wird, zu beantworten. Die Fahrt des Luftschiffes über das Gebiet der Sowjet- Union soll durch Funk-Uebertragung der Be­völkerung genau beschrieben werden.

Die Route des Wettfluges

Dr. Kiep, Mitglied des Vorstandes der Hamburg-Amerika-Linie, der die letzte Zeppe­linfahrt nach Lakehurst und zurück mitgemacht bat, äußerte sich eingehend über den Verlauf Der Reise und die dabei gemachten Erfahrun­gen. Eine Reise im Zeppelin, so erklärte er, sei sehr angenehm, da irgendwelche Bewegun­gen nur bei Uebertoinbung größerer Höhen­unterschiede zu bemreken seien. Die Navi­gation des Luftschiffes, die lediglich mit Hilfe von Sternen- und Sonnenbeobachtungen so­wie von Dampferpeilungen erfolge, fei glän­zend getoefen.

Für den Weltflug fei alles aufs Beste vor­bereitet. Die erforderlichm Ingenieure sowie die notwendigen Ersatzteile seien bereits nach Tokio und Los Angelos gebracht, nach Tokio mutlich werde das Luftschiff etwa die Route schlißen.

Luftschiff-Passagiere würden allerdings auf lange Zeit hinaus nur sehr reiche Leute sein tonnen, doch fei eS nach feiner Meinung nicht ausgeschlossen, daß bet Preis für eine Atlan­

tikfahrt, der jetzt 2000 Dollars betrage, auf 1000 Dollars würde herabgesetzt werden kön­nen. Die wichtigste Ausgabe der Zukunft fei der Bau eines neuen Luftschiffes, das einen regelmäßigen Transatlantikverkehr ermögliche. Abschluß der Verhandlungen in 1012 Tagen.

Plänkeleien an öer man-schurischen Grenze

London, 14. August. Nach in Tokio eingegan­genen Meldungen aus Mandschnria überschrit­ten 60 russische Kavalleristen am Sonntag den Fluß Argus, griffen das Dorf Janaino an und raubten es aus. Fünf Bewohner sind von den Soldaten in den Fluß geworfen worden und ertranken.

Die chinesische Regierung veröffentlicht Mit­teilungen über eine Reihe von Zwischenfällen, an der sibirisch-mandschurischen Grenze, die sich in den letzten Tagen ereigneten, und für die von der chinesischen Regierung den Russen die Schuld in die Schuhe geschoben wird. Am Sonntag eröffneten russische Truppen in der Nähe von Suisonhe das Feuer mit Maschinen­gewehren und Feldgeschützen. Zwei Chinesen wurden dabei getötet und mehrere verletzt.

Am M ntaa sei es zu neuen Schießereien gekommen, wobei eS auf beiden Seiten Ver­wundete gab. Die Grenze wurde nicht über* fchritten.

Der chinesische Bevollmächtigte sitzt immer noch in Mandschnria und verhandelt gegenwär­tig mit dem Sowjet-Kommissar, der ihm gegen­über auf der anderen Seite der Eisenbahn« brücke wohnt.

Lnglan-sFriedenspolitik-

Ottava, 14. August.

Der frühere englische Schatzkanzler Churchill hat gestern im kanadischen Flugklub in Mon­treal eine viel beachtete Rede gehalten, in der er sich mit den Bedingungen und Aussichten für eine Fortdauer des Weltfriedens ausein- andersetzt. Nachdem Churchill in feiner Rede auf die Bestrebungen Ennlands bingetoiefen hatte, - den Frieden der Welt auf das Beste gesichert zu sehen, bezeichnete et als eine der Grundlagen des Weltfriedens die befriedigende Löfung der Abrüftungssrage. Der Schlüssel zur Abrüstung Frankreichs liege in den guten Beziehungen zwischen Deutschland und Frank­reich und der Förderung der gemeinsamen In­teressen dieser Länder. Die Verwirklichung dieses Zieles ist nach den Erklärunoen Chur­chills das Zentralproblem der englischen Poli- ttk während der letzten Jahre gewesen.