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Vtummer 189 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Dienstag, 13. August 1929

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig. 19« ZahkgaNg

Deutsches Memorandum zur

Saarfrage

Entschuldigend fügt das Blatt hinzu:Leider nur europäisches Niveau, denn bekanntlich ist

Doppelrolle Mae-onal-s?

Das preußische Uabinett tagt

Parker Gilbert reist nach -em Haag

Paris, 13. August.

Der Sonderberichterstatter desJntransige ant" im Haag will berichten können, daß der deutsche Reichsautzenminister dem Ministerprä­sidenten Briand ein zwei Schrcibmaschinen- seiten starkes Memorandum über die Saar­frage übermittelt habe, das eine Zusamm'.n- saffung der diesbezüglichen Unterredungen des deutsche» Botschafters in Paris, von Hoesch, mit dem Generalsekretär am Quai d'Orsay Philippe Berthelot enthalte und das Tteu.r- regime des Saargebietes behandele.

Paris, 13. August.

Der Haager Sonderkorrespondent des Oeuvre" berichtet, daß der amerikanische Sach­verständige im Uoungkomitee Lamond nicht, tote angekündigt, nach dem Haag komme. Ta»

»Njetaeuorette: (ttahetmtldx anzetae» Me mm-Seile 11 .

5 rage» zahlbar, tzür äte sowie küt »uinahmcsate» a betonderk tchwterlgem Sa-

Berlin, 13. August.

Heute mittag um 13 Uhr werden im Preu- ßlschen Staat-Ministerium die Ratifikations­urkunden über den Berttag zwischen dem Hei­ligen Stuhl und dem Preußischen Staat aus­getauscht werden.

Im Laufe des heutigen Dienstags wird eine Sitzung des preußischen Kabinetts über laufende Angelegenheiten stattfinden Entgegen anders lautenden Meldungen wird die Frage, welche Richtlinien für die kommenden Ver­handlungen mit den evangelischen Kirchen maßgebend sein sollen, zunächst noch nicht er­örtert werden, da die evangelischen Kirchen­führer erst in diesen Tagen in Berlin einge­troffen sind.

Organ des Obersten Volkswirtschaftsrates der Sowjet-Union, daß dieses Hotel mit Recht den Namen Europas trägt.

London, 13. August.

Reuter meldet aus dem Haag: Nach Mit­teilungen aus franzstscher Quelle ist ein Som- promitzvorschlag in Vorbereitung. Diese lieber. gangSlösung, die man mit besonderer Aufmerk­samkeit prüft, würde ohne die von den Groß- Mächten vorgesehene Verteilung zu ändern, darin bestehen, den englischen Anteil zu er­höhen, indem nian England einen großen Teil des Restes der deutschen Jahresleistungen zu­erkennt, die $ur Deckung der Bedürfnisse der Hauptmächte verfügbar geblieben find. Da der Ooungplan die Zuteilung eines Restbetrages an die übrigen kleinen Mächte Rumänien, Sud- slawien, Griechenland und Portugal vorfieht, wird diesen Ländern ein Ausgleich in Form ei­ner Herabsetzung ihrer Kriegsschulden gegen­über den Gläubigerstaaten gewährt werden.

MU den Vertretern der interessierten Mächte haben die Verhandlungen schon begonnen und am Montag nachmittag zwischen Marinkowitfch und Tiluscu einerseits und Cheion und Lou- cheur andererseits ihre Fortsetzung gefunden.

ES bleibt aber noch zu wissen übrig, in wel­chem Umfange dieser Vorschlag der Mächte durch die britischen Sachverständigen gebilligt wird. Havas schreibt dazu, man dürfe sich nicht verbehsen, dab die Lösung, so geistreich sich nicht sein möge, doch auf ernste Schwierigkeiten Potzen werde.

fich auf die Konferenz zu begeben.

Line Meldung der Morgenpreffe aus Brüssel befagt, daß im Haag das Gerücht um­laufe, daß der Gouverneur der Bank von Eng­land Montagne Norman dort angekommen sei Von englischer Seite wird jedoch erklärt, daß von der Ankunft Normans nichts bekannt fei.

polen auf dem Sprunge

Haag, 13. August. Es fällt im Haag allge­mein auf, daß in den letzten Tagen in der pol­nischen Delegation sämtliche Leiter der polni­schen Auslandspropaganda eingetroffen sind. Man verfolgt in der polnischen Delegation

bank sei, daß die Bank von England in der Lage sein werde, jedem Versuch des Auslan­des, die Goldreserve der Bank erheblich in An­spruch zu nehmen und dadurch einen politi- fchen Druck auf England auszuüben, Einhalt zu tun.

Amerikaner in Rußland

O. E. Moskau, im August.

Ein Extrazug rollt durch Rußland. Korn- fortable Elitewagen.Bürgerliche" Eleganz. Die Amerikaner sind zufrieden", konstatiert die Sowjetpreffe: auch sie ist zufrieden. Den hohen Gästen von Uebersee ist man bemüht, alles an Komfort, ja Luxus zu bieten, was im Sowjet­staat von derErbschaft der Bourgeoisie" noch übriggeblieben ist. In Moskau und Leningrad wurden die besten Hotels der Delegation zur Verfügung gestellt, in Leningrad das noch aus der vorrevolutionären Zett bekannteHotel d' Europe". Mit großer Genugtuung vermerkt die »Torgowo-Promyschlennaja Gaseto", das

das europäische Niveau viel niedriger als dar amerikanische und insbesondere als das bet Kreise, die in der Delegation vertreten sind". Eine artige Verbeugung vor den vielen Hun­derten von Millionen, ja Milliarben Dollar, die in den 87 Amerikanern ihren lebendigen Ausdruck finden. Zahlreiche neue Fordwagen, ein Gruß aus der Heimat, stehen den Ameri­kanern in Moskau zur Verfügung. Vom frü­hen Morgen bis in den späten Abend jagten die Delegierten durch die Straßen der Sowjer- I Hauptstadt.

Eine kleine Einschaltung: leider war nicht nur das äußere Niveau der Hotels dem ver­wöhnten Geschmack der amerikanischen Millio­näre und Milliardäre nicht ganz angepatzt, son­dern die russischen Hotels zeigten sich bei dieser Gelegenheit auch von einer wenig europäischen Seite. Mit großer Empörung berichtet die Sowjetpreffe, datz die Amerikaner in Moskau von den Hotels regelrecht beschwindelt wurden. In den Hotelrechnungen fanden die den Ame­rikanern attachierten Sowjetbeamten nachträg­lich Frühstücke, Diners, Weinflaschen u. a. | schöne Dinge, die nur in der Phantasie der totelangestellten existierten, ein schwunghafter chwindel wurde mit der Einwechslung von I Dollarnoten in den Hotels getrieben, wobei sogar die Amerikaner gegen ihre schönen Dollar Obligationen von Sowjeranleihen als angeb­liches russisches Geld in die Hand gedrückt be­kamen. Künstlerische Gegenstände, die von den Sowjetmuseen zur Ausschmückung der Hotek- zimmev geliehen waren, wurden den Delegier­ten alsAndenken" verkauft. Dieses peinliche Intermezzo wird für die 30 Hotelangestellten, die vor Gericht gestellt werden, voraussichtlich ein noch peinlicheres Ende nehmen. Die Sow­jetmacht kann dieseSenkung des europäischen Niveaus" nicht ungesühnt laffen.

In Leningrad, der früheren Hauptstadt, wollten die Amerikaner unbedingt denLord­mayor Mr. Komarow" sprechenMr. Koma­row", dem Vorsitzenden des Leningrader Staatssowjets, einem alten Metallarbeiter', seit 1X19 Bolschewist, wurde von einem würdevollen amerikanischen Herrn ein persönlicher Grsttz von Mr. Jimmv Walker, dem fröhlichen Mayor von Newhork, ausgerichtet.Mr. Komarow" | dankte und mußte Hunderte von Fragen be­antworten.

Im Lenin-Museeum wurden historische Do­kumente bestaunt. In einer Vitrine log das Dekret über die Aufhebung der von der Provi­sorischen Regierung Kerenskis an der Front eingeführten Todesstrafe durch die zur Macht gelangten Sowjets.Beabsichtigt die Sowjet­regierung", fragte ein neugieriger Amerikaner, hie Todesstrafe endgültig aufzuheben?" Kleine Verlegenheitspause. Einer der Sowjetbeamten springt in die Bresche:Kann man denn über­haupt von Todesstrafe sprechen, wo diese doch nur in Ausnahmefällen gegen einen ganz mi­nimalen Prozentsatz der Bevölkerung ange­wandt wird?" Immerhin kann man in der Sowjetpreffe jeden Tag von Todesurteilen lesen.

Vor dem Museum ein kleines Zwischenspiel: ein Bärenführer läßt seinen Pflegling Merlei Kunststücke vorführen. Viel ernten kann er nicht, denn diensteifrige Sowjetpolizisten drän­gen ihn zurück:Währung des europäischen Niveaus".

Rundfahrt im Leningrader Hafen. Die Staatsbarkasse fährt am großen Gebäude deS neuerrichteten Kühlhauses vorbei. An den Wänden große Feuchtigkeitsflecke.Von unS gebaut!", sagt stolz einer der Sowjetbeamten. 3a, das sieht man", meint ironisch einer bet Amerikaner. So zu lesen in derTorgowo-

nSl *2. ausgelLIoNcn ftür «»verlangt einaefattMe Beiträge kann die BeranuvorNing oder Gemtbr in keinem Rafft übernehmen, «christleitnng, Verlag anb Druckerei: Laßet. SchlaLtbokltrake 9?t. 2&3Q. Kernipr. 3601. 3602 3603 8604.

energisch bafür ein, daß eine Vertagung auf unbestimmte Zeit unter keinen Umständen ein- treten darf. Das Blatt spricht die Erwartung aus, daß die Reichsregierung alles daran fetzen Joerbe, um die baldige parlamentarische Be« chandlung der Vorlage zu ermöglichen.

Andererseits ist man sich in, Berlin natür­lich darüber klar, daß

die Inangriffnahme biefet Arbeite» auch die bestchenben Gegensätze in voller Schärfe hervortreten

lassen wird, unb baß damit die Gefahr einer Krise in unmittelbare Nähe gerückt wird. Man weiß auch, daß eine solche Krise, wenn sie erst zum vollen AuSbrnch kommt, sich schwerlich auf bie Regierung beschränken würbe, fonbern mög­licherweise zu einer Reichstagsneuwahl führen müßte. Im Augenblick aber wirb von allen Seiten als oberster Grnnbsatz anerkannt, bäß eine innerpolttische Krise unter keinen Urnstän- ben auSbredjen darf, solange die RevarattonS- frage nicht gelöst ist. In den nächsten Tagen wird das Kabinett die Beratung der Vorlage fortsetzen unb mit ben Parteiführern Füh­lung nehmen. Aber eS bleibt nach wie vor recht ungewiß, wie ein Ausweg att« ben jetzigen Verhanblungen gefunden werben soll.

DaS Problem bet ArbeitSlosenversicherungS- reform wird jedenfalls in ber nächsten Zeit Tag für Lag im Vorbergrunb ber innerpolitischen fragen stehen unb wird vielleicht noch einen sehr ernsten Charakter annehmen, ehe eine Klä­rung der außenpolitischen Probleme im Haag erreicht fein wird.

Aus Deutschlands Kosten?

Eigene Drahtm-ldung

Paris, 13, August.

Der Montag im Haag wird von der Pariser Morgenpreffe als ein Tag der Entspannung gekennzeichnet. Das Telegramm MacdonalbS an Snowden wird verschieden beurteilt. Wäh­rend einige Blätter darin eine weitere Gefähr. düng der Lage erblicken, sind andere Blätter nicht geneigt, es alS gefahrbringend anzusehen Sauerwein, der Berichterstatter desMatin" ist ber Anschauung, es sei wenig wahrscheinlich, daß Macdonalds Noten feine Gefühle unb An­sichten verheimlichten. Vor der Oeffentlichkeit denke, stütze und ermutige der englische Mini- sterpräsident den/Schatzkanzler, aber privat unterrichte und warne er ihn. wie es die Pflicht eines vorsichtigen Regierungschefs fei. Diefer Schritt Macdonalds fei bedeutungsvoll für die weitere Haltung Snowdens.

Kasseler Neueste Nachrichten

____Kasseler Abendzeitung Hefsische Abendzeitung

die mm-Setle 11 4. auswärtige Geschäft», i die nun-Seile 11 A. »leine Anzetgen an» leiaen die mm-Setle 11 A. Reklamen die lluna 85 Al. Rechnungsbeträge innerhalb mrv> Kernivrecher aufgegebenen Sn,eigen it Baianriert werden Kür Anzeigen mit lag. PoKscheckkomo Srankmrt a. M 8880.

Znnerpolitische Sorgen

Von nuferem Berliner Vertreter.

London, 13. August. Der diplomatische Korrespondent desDailv Telegraph" erfährt: Der Gouverneur der Bank von England Montagne Norm an hat Macdonald am Montag mitgeteUt, das Ergebnis seines eben beendeten Besuchs in Amerika und seiner Be­sprechungen mit dem Leiter der Bundesreserve-

Betlin, 13. August.

Der kurze Ausflug ber beiben Minister Severing unb Wissell nach bem Haag ist bereits vorüber. Die beiden Minister sind in bei Nacht vom Sonntag zum Montag nach Hollmtb gefahren und in der Nacht vom Mon­tag zum Dienstag bereits wieder nadj Berlin zurückgekehrt. Es war vorauszusehen, daß eine sachliche Einigung auch im Haag nicht gefunden werden konnte, wohl aber dürfte sich dort bie Ueberjeugung verstärkt haben, daß,

solange bie wichtige» politischen Verhand­lungen im Haag schweben, der Ausbruch einer innerpolitischen Krise unbedingt ver­miede» werden mutz.

Man hat sich daher im Haag offensichtlich im wesentlichen über das weitere taktische Verfah­ren unterhalten, und man hat zunächst einen AuSweg gefunden, der darin besteht, daß ent­gegen allen bisherigen Wünschen unb Disposi­tionen, ber

Zusammentritt deS Sozialpolitischen Aus­schusses des Reichstags, der für Donners- tag in Aussicht genommen war, nun doch um eine Woche verschoben

werben soll, bamit bet Regierung bie Möglich­keit gegeben wirb, inzwischen noch eine Bera­tung mit ben Führern ber Regierungsparteien einzuschalten.. Ob sich daraus eine Annäherung ergeben wird, muß nach wie vor äußerst zwei­felhaft erscheinen, denn bie Gegensätze inner­halb beS Regierungslagers bestehen unverän­dert fort, besonders weil der Reichsarbeits­minister in seinem neuen Entwurf erhebliche Abweichungen von den Vorschlägen deS Sach- verständigenauSschusses eingeschaltet hat.

Die Verschiebung des Zusammentrittes des Sozialpolitischen Ausschusses des Reichstags hat im Haag eine Vertagung des ganzen Pro­blems in den Vordergrund gestellt, die aber wesentlich anders beurteilt wird als lediglich die Einberufung des genannten Ausschusses Wenn es sich um bie Vertagung beS Gesamt­komplexes hanbeli. so treten hierzu andere Momente in den Vordergrund. Dann muß man fich überlegen, daß der

bevorstehende Winter sehr starke Anforde­

rungen an die Arbeitslosenversicherung stellen wird, unb baß man sich bereits im Frühjahr darüber klar war, daß die Reform unbedingt biS zum Herbst durchgeführt werben muß. Heute tritt dieGermania" noch einmal sehr

Unser Haager Sonderberichkerstatter drah­tet uns dazu, man könne fich nicht der Be­fürchtung verschließen, baß diese Einigung von den Engländer» mit politischen Konzessionen an Frankreich auf Kosten Deutschlands in der Frage der Kontrollkommission gezahlt werden könne. Doch seien bie sachlichen Unterschiede zwischen dem franzöflschen und englischen Standpunkt augenblicklich noch so groß, daß eine Einigung über bie gegensertigen politi­schen Zugeständnisse noch nicht akut sein dürfte.

Die Besprechung zwischen Stresemann, Briand, Hymans und Henderson findet heute nachmittag um 4 Uhr im Grand Hotel, dem Sitz der Engländer in Scheveninge» statt.

mit großer Aufmerksamkeit bie Verhandlungen der. Politischen Kommission, deren Protokolle dem Außenminister Zaleski regelmäßig vom Generalsekretariat der Konferenz zugestellt werden.

Theorie und Praxis

Genf, 13. August.

Die Regierung von Washington hat eine Abschrift des Kellogg-Pakts bem Sekretariat bez Völkerbundes übermittelt. Der Antrag auf Eintragung, des KriegsächtungSPaktes in das Archiv des Völkerbundes unb auch seine Veröffentlichung mutz von einem Bölkerbunbs- mttglieb ausgehen. Dem Vernehmen nach be­absichtigt bie französische Regierung, bei bet ber Kellogg-Pakt am 27. August 1928 unter­zeichnet würbe, im September in ber Völker­bundsversammlung den entsprechenden Schritt zu tun, womit der Vertrag, der bekanntlich bereits vor einigen Woche» internationale Rechtskraft erlangt hat, auch nach der Bestim­mung des Artikels 18 des Völkerbundspaktes international rechtsverbindlich wirb.

DaS Ktiegsministerium veröffentlicht eine Denkschrift über bie Verbesserungen des ame­rikanischen Kriegsmaterials seit Friedensschluß. Danach ist bie Wirksamkeit bei KrieaSwaffe, vot allem bei Geschütze, bet Geschosse, beS Transportwesens und ber Fliegerabwebrwaffe burch Verbesserungen um 25 bis 100 Prozent «fliegen. Bedauerlicherweise, so fügt der Be­richt hinzu, habe das KriegSmtnisterium nicht über die nötigen Mittel verfügt, um die ganze Armee für Uebungs- unb Versuchszwecke damit auszurüsten.

Kompromiß-Hoffnungen im Haag

Bemfidungen um eine Lledergangslösung in der Finanzfrage / Englische Kontroll-Zugeständnisse?