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Kasseler Abendzeitung

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Meler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Nummer 18 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig. Sonnabend/Sormtag, 3./4. August 1929 Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig. 19. Jahrgang

Kurs aus Amerika!

«akedurst erwartet die Ankunft des LuftschiffesGras Zeppelin" für Sonntag früh

Sm Funkverkehr mit Amerika

(Eigener Drahtbericht).

retter Nachrichten vom Luftschiff ist besonder« deshalb bis zu einem gewissen Grade unver- stündlich, da Dr. Eckener zugesichert hat, daß er während dieser Fahrt mit Standorttnel- dungeu nicht geizen werde.

Friedrichshafen, 4. August.

Nachdem das Luftschiff »Graf Zeppelin" das Festland verlassen hatte, find auch diesmal die Meldungen über den Verlauf des Fluges nur sehr spärlich eingegangen. Soweit aus indirekten Meldungen geschlossen werden kann, verlief die Fahri des Luftschiffes bisher fol­gendermaßen:

Gestern um 12,35 Uhr hatte die Funkstation von Casablanca mit dem Luftschiff Verbin­dung.Graf Zeppelin" teilte mit, daß er sich zu diesem Zeitpunkte 600 Meilen westlich von Gibraltar befinde und daß an Bord alles wohlauf sei.

Nach Meldungen aus Ponta Delgada, der tafensiadt der Azoreninsel Sao Miquel, pas- erte das Luftschiff die Stadt gestern um 20 Uhr Greenwicher Zeit (21 Uhr Berliner Zeit), lieber St. Maria auf den Azoren sollGraf Zeppelin" einen Postbeutel abgeworfen haben. DaS Motorschiff der Hamburg-Amerikalinie St. LouiK" sichtete, wie ergänzend gemeldet wird, das Luftschiff gestern etwa 10 Uhr (Greenwicher Zeit) über St. Maria (Azoren).

Mr verzeichnen ferner folgende neuesten

Rugisch-Lhin-stschs verstiindigirng?

London, 3. August.

Zu den Darstellungen, die von Moskau über den Inhalt der letzten Ausgleichsvorschläge ge­geben wurden, wird in Dieldungen aus Peking darauf hinj^wiesen, daß in den chinesisch- russischen Besprechungen der Beschluß gefaßt worden sei, den internationalen Verkehr auf der transsibirischen und chinesischen Ostbahn wieder sobald als möglich aufzunehmen. Von der * Sowjetreaierung und der Nanktngregie- rung seien bereits Anweisungen ergangen, Der- Handlungen darüber einzuleuen.

Weiterhin wird erklärt, daß die Grrncklagen,

die für eine endgültige Regelung der Mei­nungsverschiedenheiten maßgebend sein sollen, bereits festgelegt wurden. Sie sollen folgende Punkte umfassen: 1. Einstellung aller Kriegs- Vorbereitungen. 2. Wiederaufnahme der diplo­matischen Beziehungen. 3. Die Organisation der chinesischen Osteisenbahn wird überprüft. Di« Einzelheiten bleiben einer Ausgleichs- konfereNz Vorbehalten. ,

Schietzereien in Nürnberg

Nürtwerg, S.Äugust. In der vergangenen Nackt gerieten drei Radfahrer, Angehörige des Reichsbanners, die ihre Fahrräder bergauf­wärts schicken, mit mehreren Nationalsoziali­sten, angeblich wegen eines an einem Fahrrad angebrachten schwarz-rot-goldenen Zettels in einen Wortwechsel. Plötzlich fielen mehrer« Schüsse. Einer traf die KaufmannSsrau Ka­tharine Grünwald au« Lamberlsheim in Hes­sen tödlich in das Herz, zwei weitere Schuss, verletzten einen ISjjährig. NeichSbanner-Anäe- hörigsn in der Brust und an der Schulter. Bezüglich der Täterschaft stehen sich ksie Ab­sagen der Zeugen gegenüber. Zwei Personen wurden vom Amtsgericht Vorläufig in Un­tersuchungshaft genommen.

Meldungen:

Newyork, 3. August. Nach einem Funkspruch desGras Zeppelin" an die Marinestatton Arlington befand sich das Luftschiff heute früh um 1 Uhr 5 Min. mitteleuropäischer Zeit neun­zig Meilen südlich der Azoren bei der Insel Pico. Bei leichtem Wind fährt daS Luftschiff mit einet Stundengeschwindigkeit von 70 Km.

Rewyork, 3. August. Associated Chatham Massachusetts konnte heute nacht über eine Stund« lang sich mit demGraf Zeppelin" verständigen. Er gab eine große Anzahl von privaten und Pressenachrichten; die augenblick liche Position d«S Luftschiffe« wurde nicht an- gegeben.

Günstige wetterausstchten

Newqork, 3. August.

Mit dem Eintreffen deS Luftschiffe«Gras Zeppelin" in Lalehurst wird für morgen Sonntag früh gerechnet. Die Wetterlage über dem aimntischen Ozean ist z. Zt. günstig.

*

Rewyork, 3- August. Zu seinem Weltrund- flug wirdGras Zeppelin" 120 vom Hydro­graphie Office zusammengestellte Karten des gesamten Gebiete« von Alaska bis Neuengland mituehmen, darunter eine Reliefkarte, die von Leutnant John P. W. Best zusammengestellt ist. Von Eipaso aus wurden Karten m" zwei Routen geliefert > St. Louis-Ehicago-Newyork und San Änwnio-Neto OrleanS-Jacksonvslle. Die letztere Route längst der Atlantischen Küste nach Newyork wäre im Fall« schlechten Wet­ters vorgesehen.

Warum kein Anruf?"

Friedrichshafen ohne Funkverbindung «ft dem Luftschiff.

Friedrichshafen, 8. August.

In Friedrichshafen war, nachdem daS Luftschiff Gibraltar gestern früh passiert hatte, bis gestern abend keine unmittelbar von Bord deSGraf Zeppelin" stammende Standortmel­dung' eingegangen. Wie man hört, hat auch die Werftabteilung feit der Abfahrt desGras Zeppelin" von diesem erst em Telegramm und zwar auf dem Wege über die Küstenfunk­station Norddeich erhalten. Di« Funkstation de« Luftschiffbau» hat auch den Funkverkehr deS Luftschiffes mit anderen Stationen nicht mehr überhören können, da ihr die Wellen­längen, auf denen die Bordfunker arbeiten, nicht alle bekannt sind. Der Grund, warum die Friedrichshafener Station bisher keine di- rette Nachricht von Bord erhalten hat, dürfte darin zu suchen fein, daß die Funkstation deS Graf Zeppelin" mit bet Ausnahme von Wet­ternachrichten sehr stark belastet war.

Mit Genehmigung des Chefkonstrukteurs Dr. Dürr hat die Station de« Luftschiffbaues an di« SMffsleitung gestern gegen 21 Uhr folgenden Funkspruch gerichtet:Sind stüno- lich und jede Minute auf Empfang. Warum kein Anrufs Luftschiffbau." Da« Fehlen di-

Die deutsche Delegation reisefertig!

Eigene' Drahtbericht.

wohl über den genaue» Zeitpunkt der Eröfs- nung, wie auch übet die Ernennung eines ge- meinfamen Generalsekretärs, der dann die

Berlin, 8. August.

Das ReichStablnetl trat gestern unter hem Vorsitz deS Reichsminister« Di. Strefe- mann zu einer Sitzung zusammen. Eingangs gedachte der Vorsitzende in herzlicher Weist de« erkrankten Reichskanzler« und sprach im Namen sämtlicher anwesenden Reichsütinister die zuversichtliche Hoffnung au«, daß der Kanzler sich von seiner fdaueren Erkrankung völlig erholen möchte, und in nicht zu ferner Zeit die Leitung der ReichSgeschäfte wieder persönlich in bte Hand nehmen könne. Bis dahin werden tote üblich die Dienstgeschäfte für den Reichskanzler durch den dienstältesten Reichsminister, Reichsminister deS Auswärti­gen Dr. Stresemann, geführt werden. Für die Dauer der Abwesenheit de« Reichsminister« Dr. Stresemann von Berlin al« Führer der deutschen Delegation im Haag und in Gens wird die Leitung der GefchSste der Reichste« gierung in Berlin in den Händen de« nächst» dienstältesten ReichSministtrS, de« Reichswehr- Ministers Groener, liegen.

Auf bet Tagesordnung der gestrigen Kabi- nettssitzung stand di« RegierungSkonfetenz im Haag, beten gesamter Aufgabenkrei« eingehend erörtert wurde, wobei di« völlige Einmütigkeit bei Kabinett« über alle im Haag zu behan- delnben Fragen zum Ausdruck kam.

Die deutsche Delegation, die am Sonntag abend Berlin verlassen wird, wird bereft« am Montag Gelegenheit haben, mit den Delegier­ten der anderen an bet Konferenz beteiligten Mächte Vorbesprechungen zu Pflegen, die der Vorbereitung der eigentlichen Konsetenzarbei- ten dienen werden. Außer den Ministern Stresemann, Lurliu«, Wirth.und Hilferding gehören der Delegation u. a. noch an: Die Staatssekretäre v. Schube« und Vünder, die deutschen Mitglieder der Pariser Sackverstän- digenkommisston Schacht, Melchior und Kestl, ferner die Ministerialditettottn Gau« und Ritter sowie eine Anzahl von Ministerial­räten au« den beteiligten KriegSrninisterim.

Amerika

auf Beobachtungsposten

Washington, 8. August.

Da« Staatsdepartement teilt mit, daß die gegietung zur Teilnahme an der Haager onferenz einaeladen sei und den ersten Se­kretär der Pariser Botschafter, Sbto in Wilson, als inoffiziellen Beobachter dort­hin entsenden werd«.

*

Haag, 3. August. Es wird angenommen, daß die Delegierten der an der Konferenz teil­nehmenden sechs Hauptmächte sich am Vormit­tag des 6. August oder vielleicht bereit« am Montag nachmittag »u einer vorläufigen Be­sprechung zusammenstnden werde«, in der fv-

toeitere organisatorische Durchführung bet Konferenz von den holländischen Behörden zu übernehmen haben wird, ein Beschluß gefaßt werden wird.

Brüssel sür den youngplan

Brüssel, 3. August.

Im belgischen Ministerrat wurde beschlossen, den Aoungplan in seiner Gesamtheit anzu­nehmen und alle Schrille zu einer endgültigen Lösung der Kriegsentschäd..anqSfrage zu er­greifen, um den europäischen Frieden sicher- zustellen. Die belgische Abordnung wird am Montag in Begleitung von mehreren Offizieren und eines Vertreters der Rheinlandkommisston abreisen.

polnische Lvichtigtuerei

Warschau, 8. August.

Das maßgebende Pilsndski-DlättGloS Prawdve" beschäftigt sich mit der bevorstehen­den Haager Konferenz und erklärt, Polen habe als Reparation«gläubig«r da« größt« Inter­esse an diesen Verhandlungen. Ebenso inter­essiert sei Polen an dem Reparationswerk und an der Frage der eventuellen Rheinlandräu­mung. Die polnischen Entschädigungsan­sprüche an Deutschland seien eng mit dem rnsst- schen Abkommen verknüpft und sollten au« bw> fern Grunde auf der bevorstehenden Konferenz zur Sprache kommen. Polen habe Anspruch auf gewisse Quoten auS den jährlichen deut­schen Zahlungen auf der Grundlage des Konng» planeS. Schließlich bestehe noch ein polnische» Anrecht auf die Rückzahlung der von Preu­ßen eingezogenen Gelber verschiedener öffent­licher Einrichtungen im früheren preußische« Gebiete

Die polnisch« Abordnung, die am Sonntag nach dem Haag abreife, werde eingehendes und gut begründete« Material zu all diesen Fragen vorlegen. Di« Abordnung Wird von Außen- Minister Zaleski geführt.

Einladung

an die Tschechoslowakei

Prag, 3. August.

Am Freitag sand sich der deutsch« Gesandte in Prag Dr. Koch im Außenministerium ein um im Namen der deutschen, belgische«, fran­zösischen^ ttaliennchen, japanischen und eng- tischen Regierung bk tschechoflowakisch« Re- tierung zur Teilnahme ätt der Konferenz im >aag einzuladen. Außenminister Dr. Benesch wird bia Delegation führen.

Kampf für die Wahrheit

w. p. Längst schon haben die Regierungen der meisten Großmächte, die am Weltkrieg be­teiligt waren, ihre Archive geöffnet. Archive, die augesüllt waren mit Bänden von Akten, geheimen Ausarbeitungen, Verträgen, Briefen uni> anderen Urkunden, die vollgepfropft waren mit vergilbten und verstaubten Papieren. Ver- gilbte und verstaubte Blätter und doch, wie­viel Leben war in ihnen festgehalten. Hebet das Schicksal von Millionen wurde in diesen Urkunden, in denen die europäischen Staats­männer der Vorkriegszeit ihre Absichten vor« gezeichnet und ihre Taten festgelegt hatten, ent­schieden. Allein die deutsche AktenverösfeNt- lichung umfaßt über 15 800 Dokumente. Und wenn dieses gewaltige Aktenwerk durch seinen Umfang und seine Vollständigkeit auch eine Sonderstellung unter den Veröffentlichungen aus europäischen Archiven entnimmt, so läßt doch schon diese eine Zahl erkennen, welcher riesigen Aufgabe die wissenschaftliche Forschung gegenüberstand, als ste sich der Behandlung der Schuldfrage zuwandte. Die Väter des Ver­sailler Diktates freilich hatten geglaubt, mit ihrem Machtspruch, mit ihremSchuldig", bas sie über Deutschland fällten, auch di« Kriegs- fchulbfraae, dieses große Problem der Welt- moral, abtun zu können. Sie haben geirrt, die Macht kann bte Wahrheit auf die Dauer nicht unterdrücken. Und ein Volk, dem durch ein« .Lüge seine Ehre genommen roerben- foS, >. füt diese Wahrheit kämpfen, bis die Lüge ge­fällt ist.

So war es eine Selbstverständlichkeit, daß Deutschland als erster Staat seine Archive ge­öffnet hat. Ohne Bindungen, nur ihrem Ver- antwortungsbewutztsein untertan, verrichteten die von der deutschen Regierung beauftragten Wissenschaftler ihre Arbeit. In vierzig Bäu- den legten sie vor, was au« deutschen Archiven für die Feststellung der Wahrheit bedeutsam war. Auch die Sowjetregierung, durch keiner­lei Rücksichten personeller Art gebunden, brachte wichtiger Material aus zaristischer Zeit zur Veröffentlichung. England öffnete wäh­rend der ersten Regierungszeft MaedonaldS, im Jahre 1924, seine Archive, und ebenso ge­statteten Amerika und Italien den Wissen­schaftlern Einsicht in da« Material, das st« über die Vorkriegspolitik besaßen. Nur Frank- reich stellte sich lange Zeit taub, wenn der­artige Wünsche an sein Ohr gelangten. Frank­reich war es, das allen deutschen Versuchen, die Schuldfrage zur Diskussion zu stellen und diese Wand, die zwischen uns und den ande- ren aufgerichtet worden war, niederzureißen, den erbittertsten Widerstand entgegensetzte. Und die Zeit, in der Raymond Poincar«, der fran­zösische Ministerpräsident, Sonntag für Sonn­tag in die Provinz zog und in feinen Denk­malsreden die Lüge von Deutschlands Allein- schuld auftoärmt«, liegt noch garnicht weit zurück.

Jetzt endlich ist nun auch derersteBand der französischen Aktenveröffent­lichung über die Vorgeschichte de« Weltkrie­ges erschienen. Jetzt endlich ist der internatio­nalen Wissenschaft bl« Möglichkeit geboten wor- den, daS Bild, daS ste sich über die Vorgänge, bte im Sommer 1914 zum Weltkrieg führten, erarbeitet hatte, an dem französischen Material auf feine Richtigkeit nachzuprüfen. Französische Zeitungen und Zeitschriften haben mit einem fteundttchen Seitenblick auf PoincarS ein gro­ßes Aufheben darum gemacht, daß die gleichen Männer, bte 1914 als Mitspieler auf der politi­schen Bühn« gewirkt hätten, jetzt an der Ceff« nuna der französischen Archive beteiligt seien. Diese« Eigenlob macht stutzig, es weist gerade aus di« Mängel bet französischen Veröffent­lichung bin. Denn ganz abgesehen davon, daß es sich für Frankreich nur um eine beschränkte Oeffnung seiner Archive handelt, gibt die Me­thode, die bei der französischen Äktenveröffent- lichung angewendet wird, zu starken Bedenken Anlaß. Frankreich hat die Auswahl des Mate­rials nämlich einer 44 Mann starken Kommis­sion übertragen, und gerade für die Zusammen­setzung dieses Ausschusses sind recht eigentüm­liche Gesichtspunkte maßgebend gewesen. Ein a^eU der in der Kommission vertretenen schaftler erfreut sich zwar in der inter­nationalen Welt eines sehr guten Rufes. Seit- {am mutz es aber doch berühren, daß diese» Männern Persönlichkeiten beigeordnet wurden, bte auf U Vorkrieaspolitisi Um deren Klärung es hi« ja gehen soll, selbst bestimmenden Ein­fluß gehabt haben. Hieße e8 nicht etwas Un­billige« fordern, wen» man beispielsweise von