Wiffells Reformpläne
Die Länderlagung in München
di« Natur der Kommission mit dem schönen Titel „Für Feststellung und Schlichtung" noch nichts ausgemacht sei.
Man hat also zu erwarten, daß die La- bour-Regierung im Haag Schwierigkeiten wegen des Verteilungsschlüssels machen und eine höhere Quote für England versuchen wird tu erreichen, als die Sachverständigen in Paris rn Aussicht genommen haben, und daß die Franzosen „Sicherheiten" verlangen und mit
Berlin, 2. August. Die gestrige Massenkundgebung der K. P. D. im Lustgarten dauerte nur etwa eine Viertelstunde, Der Abmarsch vollzog sich wie der Anmarsch in Ruh« und Ordnung. Zu Zusammenstößen ift es nicht gekommen.
Auch die Kundgebung für den Völkerfrieden, die von der Sozialdemokratischen Partei geftern abend im Friedrichhain veranstaltet wird, ist, soweit sich bis fetzt übersehen läßt, ohne jeden Zwischenfall verlaufen. Die Kundgebung selbst begann erst gegen Uhr mit einem Fanfaren marsch des 500 Personen starken Bläserkorps des Reichsbanners. An vie- len Stellen des Sportplatzes wurden Ansprachen, in denen allgemeine Abrüstung gefordert wurde, gehalten.
Gegen 22 Uhr wurden in der Skalitzer- straße zwei Reichsbannerleute von politisch Andergestnnten überfallen und durch Messer- stiche übel zuqerichtet. Einer der Reichsbannerleute wurde mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Die Zahl der zwangsgeflellten Personen beträgt etwa 30..
Lchietzereien in Frankfurt
Zahlreiche Verletzte.
Frankfurt a. M., 2. August. Am Donners tag abend 8 Uhr fand auf dem Römer-Berg eine Versammlung der K.P.D. statt. Rach lp Uhr bildete die Versammlung einen Zug. Als sich dieser in Bewegung setzte, wurde ein Weiterschreiten des Zuges von der Polizei verboten. Darauf griffen die Teilnehmer des Zuges die Polizei teilweise an und bewarfen diese mit Steinen. Da die Angreifenden immer zahlreicher wurden, ging die Polizei mit gezogenem Degen gegen bie Manifestanten vor Rur mit Mühe gelang es der Polizei, den Zug aufzulösen.
Es bildeten sich nun kleine Trupps, die bald an dieser, bald an jener Stelle zum Vorschein kamen und die Polizisten wiederholt mit Steinen bewarfen. Auf dem Platze vor der abgerissenen Markthalle kam es erneut zu heftigem und ernstem Widerstand. Die Lage war hier äußerst kritisch. Die Polizeibeamten wurden nicht nur mit Steinen beworfen, fon der?? aus den hinter der abgerissenen Markthalle stehenden Häusern fielen auch Schüsse, so daß die Polizeibeamten gezwungen waren, auch ihrerseits von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Hierbei kam es zu zahlreichen Verletzten, deren genaue Zahl noch nicht festzustellen war. Bei dem großen Aufgebot von Schutzpolizei mit Karabinern gelang es schließlich, den Platz zu säubern. Etwa dreißig Personen wurden festgenommen. Erst nach 2 Uhr nachts trat endlich Ruhe ein.
In Hamburg kam es zu unbedeutenden Schießereien, bei denen ein Kommunist einen Schuß in den Oberschenkel erhielt.
Meffepstechekel in Nürnberg
Nürnberg, 2. August.
Die Kommunisten hatten für gestern abend zu einer Antikriegskundgebung auf dem Hall-
dielser Förderung di« Konferenz zunächst auf eine Sandbank steuern werden. Gerade mit dieser Aussicht hat Briand es erreicht, daß bei der Abstimmung genügend Mitglieder der Opposition einschwenkten, um eine Mehrheit von acht Stimmen (gegen eine eindrucksvolle Mehrheit von 300!) zustand^ommen zu lassen. Nicht- wäre also unangebrachter, als einen raschen und glatten Verlauf der Verhandlungen im Haag zu erwarten.
platz aufgerufen. Die Nürnberger Polizei konnte jedoch die sich ansammelnden Trupps der Kommunisten mühelos zerstreuen. Beim Herkulesvelodrom kam es dann zu Zusammenstößen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten, bei denen ein Nationalsozialist durch einen Messerstich ernstlich verletzt wurde. Er mußte in ein Krankenhaus übergeführt werden. Die Polizei verhaftete drei Kommunisten.
Verhaftungen in Frankreich
Paris, L August.
Das Innenministerium veröffentlicht um Mitternacht eine Uebersicht über den Verlauf des als „Roter Tag" angekündigten ersten August. Daraus ergibt sich, daß der Tag in ganz Frankreich ohne ernste Zwischenfälle ver- laufen ist. In Paris stnd nach einer amtlichen Mitteilung im ganzen etwa 700 Personen verhaftet worden, darunter fünfzig Ausländer. Am späten Abend hat die Polizei an zwei Stellen der großen Boulevards Versuche zur Bildung von Umzügen verhindert und dabei eine Anzahl Personen festgenommen.
Aus der Provinz werden eine Reihe von Verhafmngen gemeldet. Nach einer Meldung aus Troyes kam er dort zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten, wobei die Polizei von der Waffe Gebrauch machen mußte, da die Demonstranten einen Polizeiposten mit Steinwürfen angriffen. Zehn Personen wurden festgenommen.
In der Druckerei, in der außer anderen Blättern auch die kommunistische „Humanste" hergestellt wird, ist eS heute nacht zu Zwischenfällen gekommen. Da die Rümmer deS ersten August von der Polizei beschlagnahmt worden war, weigerten sich die Clicheure, di« Druckblätter für eine Anzahl anderer Zeitungen herzustellen. Erst nach langwierigen Verhandlungen gelang eS, zu einer Verständigung zu kommen, sodaß die genannten Blätter mit Verspätung und verkürztem Text erscheinen konnten. Die „Humanits ist heute wieder erschienen.
Aus London, Wien, Budapest und Prag wird ruhiger Verlauf des „Roten Tag" gemeldet. In Kowno wurden 26 Teilnehmer an einer geheimen Kommunistenversammlung verhaftet.
Moskauer
„Friedens"-Propagan-a
Moskau, 2. August.
AuS Anlaß deS ersten August wurden in Moskau, Charkow und Leningrad und anderen Städten zahlreiche Versammlungen und Demonstrationszüge veranstaltet. In den Versammlungen wurden Entschließungen angenommen, in denen die Teilnehmer auf die Gefahr eines neuen Krieges Hinweisen und sich verpflichten, die friedliche Haltung der Sowjet- regierung zu unterstützen. Die Zahl der Teilnehmer an den Moskauer Demonstrationen überstieg eine halbe Million.
Berlin, 2. August.
Ein sozialpolitischer Mitarbeiter schreibt uns: Mitt« nächster Woche, also — leider — gleichzeitig mit der Haager Reparationskon« seren; findet in München ein« innerpolitische Tagung der deutschen Länder statt, die sich mit der brennenden Reform der Arbeitslosenversicherung befassen muß. („Brennend" ist die Angelegenheit wegen der Geldfrage für die Reichstasse.) Es wird kür unsere Oesfent- lichkeit nicht leicht sein, ihre Aufmerksamkeit zwischen den beiden Konferenzen zu teilen, aber es mutz fein. Reichsarbeitsminlster Wissel, der jetzr nach Dr. Stresemann als zweites Kabinettsmitglied vom Urlaub nach Berlin zurückkehrt, hat di« Konferenz ausnahmsweise einmal nach München verlegt weil et auf süddeutschem Boden besseres Wetter für feine neuen Gesetzespläne erhofft.
Der Gesetzentwurf, den der Reichsarbeitsminister auf Grund des Berichtes der Sach- verständizenkommiflion auszuarbeiten har, wird der Konferenz nach offiziösen Mitteilungen allerdings noch nicht vorliegen. Was sollen die in München sich versammelnden Län- dervertreter? Sie sollen sich über di« Lasten ihrer Wohlfahrtspflege äutzern, die sich natürlich erhöhen, wenn die Reichsversicherung künftig weniger Arbeitslose als bisher über Wasser hält. Länder und Gemeinden sollen also mehr zahlen! Das ist des Pudels Kern. Wieviel das sein wird, will Minister Wissel erst in München ausrechnen lassen.
Der Sachverständigenausschutz hat ja nur gewisse Grundsätze der Reform sestgelegt. Er hat beschlossen, datz die gewöhnliche Unterstützung, die bisher schon nach einer Anwartschaft von 26 Wochen gewährt wurde in Zukunft nun erst nach einer Anwartschaft von 52 Wochen in Kraft treten soll, und daß kürzere Beitragsfristen von 39 und 26 Wochen nur den Anspruch auf einen Teil der Vollrente begründen. Wie aber die ziffernmäßigen Grenzen zu ziehen sind, wurde nicht gesagt. Die Regierung erhielt nur den Auftrag, bei Durchführung der Grundsätze die jährliche Summe von 80 Millionen Mark einzusparen und keine Kürzung der unteren Lohnklasse vorzunehmen. Minister Wissell ist anscheinend gewillt, seine Gesetzesvorlage nach diesen Reformgrundsätzen emzurichten. Aber was werden die Länder zu der aus der Versicherung abwandernden kleinen Armee der Wohlfahrts- Pfleglinge sagen?
Der springende Punkt der Reform der Arbeitslosenversicherung ist nun einmal das Verhältnis von Beiträgen und Leistungen, und dieses Verhältnis entpuppt sich, sobald man näher zusieht, als ein Sonderproblem der sogenannten Saisonarbeiterschaft. Bei dieser Berufsgruppe erkannte man am deutlichsten die Kinderkrankheiten der ja erst zwei Jahre alten Einrichtung. Die regelmäßig in jedem Jahre wiederkehrende Arbeitslosigkeit innerhalb der Säisongewerbe, in denen die Unterstützungsempfänger das Vielfache ihrer eingezahlten Beiträge beanspruchten, war ein Vorgang, der zur Kritik herausforderte, zu einer Kritik, die nicht zuletzt von den Kreisen der übrigen Versicherten, die die hohe Zeche bezahlen müssen, ausging. Der Grundsatz der Gesamthaftung, der einer Versicherung überhaupt erst ihren Sinn gibt, schlagt eben in einen Unsinn um, wenn eine bestimmte Versichertengruppe regelmäßig in absehbaren kurzen Zwischenräumen eine Leistung in Empfang nehmen darf, die das Vielfache der ein- gezahlten Prämien beträgt.
In München wird man sich also auch vor allem über diese Frage der Saisonarbeiter zu unterhalten haben.
Der Reichstag spart
Infolge der Kürzung der Etattitel für den Haushalt des Reichstages hat auch der Reichs
tagspräsident Loebe Sparmaßnahmen treffen müssen, u. z. hat et in einem Rundschreiben den Reichstagsabgeordneten mitgeteilt» datz ihnen neben den amtlichen Druckfachen bei Reichstags in Zukunst nur noch das Reichs- gefetzblatt zugestellt werden kann. Der Reichsanzeiger, das Reichsarbeitsblatt und die Veröffentlichungen des Statistifchen Amts müsse« aus Sparsamkeitsgründen in Fortfall kommen.
Bauernkun-gebungen in Neumünster
Neumünster, 2. August.
Der Empfang des gestern aus dem Gefängnis entlassenen Landbundsührers Wilhelm Hamkens war der Anlaß zu einer große« Bauernkundgebung. Um 3 Uhr nachmittags fetzte sich ein etwa 3000 Mann starker Zug von der Tonhalle aus in Bewegung. Es kam zwischen Demonstranten, die eine Fahne, in bie ein Pflug und ein großes Schwert gezeichnet waren, bei sich trugen und der Polizei zu einem Zusammenstoß, wobei bie Beamten von Gummiknüppel unb Säbel Gebrauch machen mußten. Eine Anzahl Personen würbe verletzt.
Rach Beschlagnahme bet Fahne setzte sich bie Polizei an bie Spitze des Zuges, der nun geordnet durch bie Hauptstraßen zu bet Auktionshalle marschierte, wo bas Eintreffen Hamkens erwartet würbe. Das Versammlungslokal wurde nach Eintreffen eineröHunderftchaft Schutzpolizei umstellt unb bie Versammlung aufgelöst. Beim Abzug bet Menschenmenge wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Bei dem Rückmarsch zur Stabt kam es vor bem Hauptbahnhof zu einer neuen Stunbgebung. Es würben Hochrufe aus Hamkens und auch auf bie Bauernrevolution ausgebracht.
Ergebnislose Luche nach Bombe
Berlin, 2. August.
Die Suche nach Lanbsgerichtsdirektot Bombe, bie am Donnerstag gemeinsam mit Waltarbeitern und Pfabfindern unter Führung von Kriminalkommissar Busborf fortgesetzt würbe, hat wiederum zu keinerlei Ergebnis geführt, sodaß bie Berliner Kriminalbeamten gestern nachmittag ihre Arbeit m Rbeinsberg enbgüttig abgebrochen haben. Kriminalkommissar Busborf unb Kommissar Renket sinb noch Abenbs nach Mecklenburg gefahren, um bort nach Vereinbarung mit den dortigen Behörden ihre Suche fortzusetzen.
Flagge auf Halbmast!
Berlin, 2. August.
Als Vertreter des preußischen Ministers für Handel und Gewerbe begaben sich gestern bei Oberhauptmann Flemming und der Leiter des Grubensicherheilsamtes Ministerialdirigent Hatzfeld nach Waldenburg, um sich an Ort und Stelle übet den Staiü, bet amtlichen Untersuchung derSchlagwetterexplosion aus der Gückhils-Friebenshossnungsgrube zu unterrichten und an der Trauerserer für die Opfer dieser Explosion teilzunehmen.
Der preußische Handelsministet hat die Anordnung getroffen, daß ausAnlaß der Trauerfeier von Freitag vormittag alle Gebäude der preußischen Bergbehörden halbmast flaggen. Aus Anordnung des preußischen Staatsmini- steriums werden auch sämtliche staatlichen und städtischen Behörden im Waldenburger Bezirk sowie das preußische Handelsministerium die Flagge auf halbmast setzen.
Der rote Tag
3m aägemeinen ruhiger Verlauf / Zwischenfälle in Frankfurt
Set Kurfürst unb bie SRagb
Von
Georg W. Sikorski
Zur Zeit als August I. Kurfürst von Sachsen war, hatte seine Gemahlin Anna, eine dänische Prinzessin, das Gut Ostra bei Dresden zu ihrem Lieblingsplatz erkoren, wo sie keinesfalls mit rauschenden Festen und großartigen Jagden Hof hielt, sondern sich eine regelrechte Meierei einrichtete unb sich hier ganz wie eine regelrechte, gute Lanbfrau ausnahm, bie besonders viel auf Ordnung in Hof und Stall hält, selbst nach dem Rechten steht, mit Hand anlegt und einen guten Gewinn aus den Erträgnissen der Wirtschaft zu erzielen sucht. — Auch der Kurfürst war ein Freund bet ibhl-' lisch-stillen, weltabgeschiedenen Lage Ostras und liebte es hin und wieder in ganz einfacher Bürgertracht dort zu erscheinen und sich in Wald und Flur zu ergehen ober bem eblen Weibmannswerk obzuliegen.
So war August einst an einem brückenb heißen Julitage auf einem seht ausgedehnten Spaziergänge schließlich ganz in bie Nähe bet Wzrtschaftsgebäube gekommen. Da ihm bie Hitze bie Kehle ausgetrocknet hatte, fühlte er nicht übel Lust nach einem kühlen Trunk. Ohne viel Besinnen betrat er also bie Meierei unb bat eine bort befchäftigte Magd um einen Krug Milch. Dienstfertig trug das Mädchen bem unbekannten Herrn das Gewünschte herbei. Der Kurfürst aber schwenkte den Krug mißtrauisch hin unb her unb sagte schließlich
.»Jungfer, ich bank' ihr wohl, allein bie Milch ist doch recht blau und so dünn wie Wasser. Sag' sie mir, wie bas möglich fei?"
„Ha", rief bie Magd, „ba hat bet Herr schon recht, aber was kann ein armes Mäbchen, wie unsereins bafür? Da frage bei Herr nur bie Frau Kurfürstin von Sachsen, ben alten Geiz- kagen! Früh schon, Wenns kaum zu tagen an« fängt, ist sie bet der Hand, ben guten, fetten Rahm herunter zuschöpsen, bet alte Brummbär!^
Gut also; bet Kurfürst leerte lächelnd seinen Krug, ging nach Hause und erzählte mit stiller Schadenfreub«, was er erlebt hatte. Sofort sanbte die Kurfürstin einen Boten nach Ostra ab, bie Magb vor ihr Angesicht zu rufen — nicht um sie zu bestrafen, fonbern weil sie sich ein rechtes Vergnügen davon verfprach, zu hören, wie sie sich aus bet Verlegenheit ziehen werbe. Unb aus eben bem Grunbe verbarg sich bet Kurfürst, als bie Ankunft des Mädchens gemeldet wurde, in einem anstoßenden Kabinett.
Es mag ihr nicht wohl zumute getoefen fein, der jungen Magd, da sie aus dem Munde ihrer hohen Gebieterin vernehmen mußte, welch' ungehobelte Reden sie geführt und wie man es der Kurfürstin mitgeteilt — Aber weit entfernt, zerknirfcht zu fein, etwas zu beschönigen ober gar zu leugnen, sagte bie Stallmagd trotzig:
„Gesagt hab' ichs freilich, Kurfürstliche Gnaden, unb gesagt ist gesagt! Aber wollet gnäblgft bebenlen, daß ichs einem Manu gesagt hab', den ich kannte, und wie könnt' ich wohl wissen, daß er solch ein Klatschmaul sei, der Galgenschwengel?!"
Da war es vorbei mit dem mühsam gewahrten Ernst. In ihrem Lehnstuhl schüttelte sich bie Kurfürstin vor Lachen, im Kabinett prustete unb schnaufte Kurfürst August — na — unb bie junge Magb — sicher wird sie mitgelacht haben.
„Dann tragen wir in guter Ruh'
De« Brummbär’ ich, ben .Schwengel' buk"
Aus Kunft und wissen
** Sven Hedin bei Hindenburg. Der Reichspräsident empfing Mittwoch ben Forscher Dr. Sven Hebin, bet sich zurzeit aus bet Durchreise für einige Tage in Berlin aushält.
** Georg Kaiser wird in der nächsten Saison bet am meisten gespielte Autor fein. Nicht weniger als fünf feiner Stücke werden von Berliner Bühnen angetünbigt, so „Der gerettete AlkidiadeS" im Deutschen Theater, im Lessingtheater „Mississippi", im Künstlertheater
„Hellieherin", im Berliner Theater „Zwei Krawatten" und in der Komödie eine Wieber- holung von „Kolportage".
** Krise des Deutschen Theaters in Mäh- risch-Oftrau. Die Bilanz des Deutschen Thea- ters in Mährisch-Ostrau weist für das abgelaufene Spieljahr ein Defizit von 430000 Kronen auf, so daß sich bas Passivum auf über 800 000 Kronen erhöht. Infolge tiefer finanziellen Mißerfolge hat bei bisheiige Theater- ansschuß seine Funktion niebeigelegt. An Stell« des bishengen Diiektois Bolton düifte wie eine Konespondenz belichtet, Kail Meir- ner vom Deutschen Volkstheater in Wien, der das Stadttheatei in St. Pölten wählend der vorigen Spielzeit erfolgreich geleitet hat, die Leitung des Mährisch-Ostrauer Theaters übernehmen.
,, ** Ausländische Studenten an deutschen Universitäten. Aus den deutschen Hochschulen waren nach einem Bericht der Berliner Hoch- schulnachtichten im Sommersemester 1928 6541 Ausländer, darunter 746 weibliche Studierende unb 3198 Ausländer mit deutscher Mut- tersprache. Die größte Zahl kam aus Rumänien, Polen, Bulgarien, Oesterreich und Danzig.
** Kostbare Bücherschätze für das Britische Museum. Zwei der prächtigsten illustrierten englischen Manuflripte, der Luttrell-Psalier und bie Bedforb-Yorae ans bem 14. und 15. Jahrhundert, die bei Soihebh in London zur Versteigerung kamen, sollen in ben Besitz des Britischen Museums gelangen. Der Psalter wurde von der bisherigen Besitzerin vor der Versteigerung zurückgezogen, da sie ihn an einen nicht genannten Käufer f. 630000 jK 6er- tauft hatte, der ihn dem Britischen Museum zur Verfügung stellen will, wenn ihm dieser Preis im Lauf eines Jahres zuruckerstattet wird. Es ist ein monumentaler Band, der um 1340 für Sir Geoffrey Louterall ausze- fühtt wurde, ein überaus reich illustriertes schönes Werk. Um die Bedford-Horae, die im Jahre 1414 ausgerührt wurden unb die das schönste englische Manuskript der Zeii sind entspann sich ein erbitterter Kamps, in dem Quaritch mit 660 000 Mark Sieget blieb. Auch in diesem Fall« wurde erklärt, daß das Weik
dem Britischen Museum zur Verfügung ge- stellt werden solle. Man hofft, in bei gegebenen Ftist die nötigen Fonds aufbtingen zu können.
" Japan beheibergt deutsche Wissenschaft. Der lapanische Gioßinbustiielle Genzo Shi- madzu in Kioto stellte dem japanisch-deutschen Kultuiirrstitur in Tokio sein neues Haus und seinen Patk zut Beheibung deutschei Wissen- lchastlei, bi« sich vorübergehend in Japan aufhalten, zur Verfügung.
** Di« Comsdie Fran;aise will Sprechfilme machen. Einer Anregung des französischen Kultusministeriums zufolge wirb bie Comedie Fran?aise ben Versuch unternehmen, einige der klassischen Stücke ihres Repertoires auch als Sprechfilme herauszubringen. Die Anregung gehl barauf zurück, daß «s den Künstlern der Comedie Fran^aise vertragsmäßig verboten ist, außerhalb bes Rahmens ihres Spielprogramms für Filme und anbere Thea- tergeiellfchaften tätig zu fein. Die französische Unterrichtsverwaltung verspricht sich vor allem auch eine Werbung für das Spitzentheater der französischen nationalen Schauspielkunst.
.** Theaterkrise auch in Paris. In bet Pa- rifet Presse ist eine lebhafte Diskussion im Gange zur Ueberwinbung bei herrschenden Theaterklise in Paris. Man ersteht sie daraus, bag gegenwärtig 30 Pariser Theater geschlossen sinb. Es wirb dies nicht allein auf bie Som- merzest zurückzuführen sein, sondern darauf, daß es die Pariser Theater bisher nicht ver- standen haben, bie Konjunktur des Fremdenverkehrs durch eine besondere Sommersaison auszunutzen. Es wird der Vorschlag gemacht ^-^bater-Saison auch im Sommer durchs zufuhren, bie völlig gleichwertig bet Premieren- ,-non tm Winter sein soll. Ans im einzelnen aufgesuhrten Zahlen ergibt sich, daß die Tages- etnnahmen ber Oper (in beutsche Währung umgerechnet) sich gegenwärtig nur auf 5—6000 Mark belaufen. Die Comödie Fran?aise hat in den letzten Wochen Tage gehabt, in denen nicht einmal 1000 Mark Kaffe aufznweisen warem Richt viel beffer steht es mit der Komischen Oper, wo bie Tageseinnahmen kaum 2000 Maik übersteigen.