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Nr. 1/9

Neunzehnter Jahrgang

Kasseler Neueste Nachrichten

z. Beilage

Donnerstag, 1. August 192»

Kann ein Mensch verschwinden?

Bergen die Wasser das Geheimnis um Dr. Bomb«?

Der Stechlin-See bei Neu-Globsow.

Wiederum ergebnislose Suche nach

Dr. Bombte.

Berlin, 1. August.

Wie eine hiesige Korrespondenz aus Rheinsberg meldet, ist die Suche nach dem vermißten Landgerichtsdirektor Dr. Bombe auf der Endststrecke des Weges von Zechliner­hütte nach Kolonie Adamswalde, an der heute etwa 80 Mann Reichswehr und 20 Landjäger unter Führung von Kriminalkommissar Bus­dorf beteiligt waren, gegen 4 Uhr nachmittags wiederum ergebnislos abgebrochen wor­den, weil sich keinerlei Spuren ergeben haben und die Reichswehrsoldaten wieder nach Neu­ruppin zurückkehren mußten. Der Kriminal- kommissar hat dann heute noch etwa zwei Drittel des Weges zwischen Kolonie Adams­walde und Neu-Glodsvw absuchen lassen, in der Annahme, daß Landgerichtsdirektor Dr. Bombe vielleicht von Adamswalde aus den Weg wieder nach Neu-Globsow angetreten Hal, um selbst das im Fonranehaus zurückge- laffene Gepäck abzuhoten.

Das Suchkommando hat di« rechts und links von diesem Wege liegenden Wälder abgesucht unv zwar kam man bis zur Försterei Stech­lin, die zwischen dem Stechlin und Neh­mt tz-See gelegen ist. Aber auch hier fand sich keine Spur, die irgendwelche Anhalts­punkte gegeben hätte. Der Rest des Weges von Försterei Stechlin bis nach Neu-Globfow soll am Donnerstag durchsucht werden. Die ucbe soll, falls sich auch auf dem Weg vom Forsthaus Stechlin nach Neu-Globsow keine Spuren ergeben .auf mecklenburgisches Gebiet ausgedehnt werden, da sich Dr. Bombe mög- lrcheriveise von Neu-Globsow aus in die Ge­gend von Fürstenberg begeben haben kann.

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Die Mordkommission greift ein.

Seit gestern nachmittag beschäftigt sich nun­mehr auch die Berliner Mordkommission mit der Aufklärung des rätselhaften Verschwinden­des Landgerichtsdirettors Dr. Bombe. Nach­dem das Absuchen der Wälder in der Gegend

von Neu-Globsow und Rheinsberg bisher er­gebnislos geblieben ikt, neigt man im Polizei­präsidium der Ansicht zu, daß Landgerichisdt- retlor Bombe vielleicht doch einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Eine genaue Verneh­mung der Wirtschafterin des Vermißten soll vorgenommen werden. Di« Wirtschafterin ist über 30 Jahre in dem Haushalt Dr. Bombes beschäftigt und daher mit den Lebensgepflogen heilen des Vermißten genau vertraut.

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Blutiger Kampf bei einer Verhaftung.

Wanne-Eickel, 31. Juli. In der vergange­nen Nacht wurde die Polizei in eine Woh­nung nach der Alleestraße gerusen, wo -ein kürzlich aus dem Gefängnis entlassener Ar­beiter die Möbel in der Wohnung seiner Schwägerin demollierte und seine Verwand­ten mir der Axt bedrohte. Als die Polizisten den Mann feftnehmen wollten, zog dieser ein Messer und verletzte die Polizisten schwer. Einem Beamten gelang es jedoch, seinen Wenstrevolver zu ziehen und auf den Mann schießen. Die Kugel durchbohrte diesem Oberschenkel und verletzte ihn so schwer,

daß er auf dem Wege zum Krankenhaus ver­starb. Die Polizeibeamten wurden mit schwe­ren Stichverletzungen in das Krankenhaus ge­schasst, wo einer sofort operiert werden mußte.

Der Lohndiebstahl auf Zeche Königsborn.

Dortmund, 1. August. Das Erweiterte Schöffengericht verhandelte gegen den Ober- Wächter Mar Dänisch und den Arbeiter Zabel wegen des von den Angeklagten am 22. Ja­nuar d. I. aus der Zeche Königsborn ausge­führten Diebstahls von 233 400 Mark Lohn­geldern sowie gegen die Ehefrau des Dänisch wegen Begünstigung. Die beiden Hauptan- geklagten waren geständig. Sie gehörten der Wachtmannschaft der Zeche an und hatten in einem über den Treforraum der Zeche gele­genen Zimmer ein Loch in den Boden geschla­gen, durch das Zabel in den Tresorraum kroch und dem Dünisch das Geld zureichte. Die beiden teilten den Raub und flohen. Du- nisch wurde dann in Hamburg verhaftet. Za­bel hatte seinen Anteil an der Beute vergNP den, gestand aber später, wo er ihn gelassen j hatte. Die Zeche hat nur geringen Schaden erlitten, da es gelang, die einzelnen Verstecke ausfindig zu machen. Das Gericht erkannte gegen Dünisch auf V/, Jahre. gegen_ Zabel auf 3 Jahre und gegen Frau Düniscy ein Monat Gefängnis. Die Sttafe der Frau wurde als durch bk Untersuchungshaft ver­büßt erachtet.

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Wahnsinnstat einer Mutter.

Paris, 1. August In Bethun stürzte sich die Frau eines Bauern i« einem Anfall gei­stiger Umnachtung mit ihren drei Kindern im Mter von sechs Monaten bis acht Jahren m einen Muß. Alle vier ertranken, bevor chnen Hilfe gebracht werden konnte.

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Neue Straßcnraubüberfulle in Rumänien.

Bukarest, 1. August In der Räss? von Kronstadt haben Straßenräuber neuerdings zwei Autobusse und sechs Personenautomobile nacheinander angehalten und 35 Insassen, da­runter zwei Damen, bis aus die Kleider,

Schuhe und Strümpfe ausgeraubt. Sie ban­den dann alle an Bäume, knebelten sie und verschwanden ungehindert. Der Gendarmerie soll es gelungen sein, die Räuber zu umzin­geln, doch fehlen Nachrichten über ihre Fest­nahme.

Stau

mit den zehn Männern

. Newyork.

Frank T. Urban ist in Chicago ein biede­rer Straßenbahnschaffner und. verbringt sein Leben im Dienste des Publikums. Aber wenn man den ganzen Tag schwer arbeitet und sich mit den Fahrgästen herumschlagen mutz, was härtere Arbeit sein soll als Steineklopfen, dann will man abends seine Ruhe haben im eige­nen Heim. Es sollte keinFlapper" sein. Das Weib seiner Ideale war die mitteljährige, die erfahrene Frau. Bald fand er auch ein Weib­chen, das so recht seinen Wünschen entsprach, denn sie behauptete, erst zweimal verheiratet gewesen zu sein, und da alle guten Dinge drei wären, würde sie es noch ein drittes Mal ver­suchen. Die Hochzeit sand am 15. Oktober 1927

Für eine kleine Weile ging auch alles wie am Schnürchen bis ja bis Urban er­fuhr, daß seine Göttergattin nicht zweimal, sondern neunmal verheiratet gewesen war, daß er der zehnte Mann sei und seine Frau nun gar die Absicht hätte, einen elften Mann zu beglücken. Urban stellte fest, daß seine Frau bereits mit den Herren Pena, Zingarelli, Bascope, Ridley, Cradock, Sundell, Mustain, Shakelford und einem neunten unbekannten Mann verheiratet war, und er hat nun eine Klage auf Anullierung seiner Heirat einge­reicht. Er begründet seine Klage mit der Be­hauptung, daß die von seiner Frau erreichte leiste Scheidung ungültig gewesen wäre. Er führt auch weiter an, daß seine Frau bereits mit einem elften Mann namens Pat Ragar angebandelt hätte.

Line altrömische Zeitung

Daß die alten Römer bereits amtliche Mit­teilungen der Tagesneuigkeiten, die sog. Acta diurna, besaßen, ist bekannt. Bisher aber hatte man noch niemals Spuren dieser eigentlichen Zeitungen des alten Rom gefunden. Andere Formen der Nachrichtenübermittlung sind viel­fach aufgedeckt worden, so z. B. die Berichte an den Triumphbögen, die die Heldentaten der Le­gionen schildern, große Jnschriftentaseln mit Berichten über die Taten der Herrscher, wie j. B. das Testament des Kaiser Augustus, das zu Ancyra in Klein-Asien entdeckt wurde, schließ­lich die Mauerinschriften in Pompeji, in denen alle möglichen Neuigkeiten und Mitteilungen, Wahlaufrufe und Anzeigen vor die Oeffentlich- keit gebracht wurden. Man hat Julius Cäsar den »Vater des Journalismus" genannt, weil seine Berichte vom Kriegsschauplatz in Gallien und Germanien auf einer weißen Mauer deS Forums mit Kohle aufgefchrieben wurden zur Ergötzung des Publikums, freilich weniger zur Freude der späteren Schuljugend, die die Nie­derschrift dieser »Kriegsdepeschen" in zahllosen Lateinstunden übersetzen Muß.

Jetzt aber ist zum erstenmal eine Zeitung des alten Rom tatsächlich ausgegraben worden, und zwar in Gestalt von Mauertafeln, die in dem Hafen des alten Rom, in Ostia, angebracht wa­ren. Diese Funde enthüllen uns zum ersten Mal die Organisation des öffentlichen Nachrich- tenwesens zur Zeit Cäsars; sie bringen Lokal­berichte und solche auS dem Ausland, Nachrich­ten von Wahlen und Schlachten, die in der Hauptstadt angeschlagen und von dort nach den Provinzstädten Italiens verbreitet wurden. Unter den Mitteilungen befindet sich eine Mel­dung vom Tode des Pompejus im Jahre 49 v. Chr., dann die Veröffentlichung des Testa- mentes von Julius Cäsar mit seinen Legaten an das römische Volk, eine Liste der neugewähl­ten Konsulen und die Bekanntgabe der Ein­bringung eines Gesetzes, durch das den Arme« eine jährliche Rente zugebilligt werden sollte.

Deutsche Runst in alle wett: Lin deutsches Bühnenschiff

Ein Kreis deutscher Kunstfreunde hat den in Hamburg liegenden Viermastgaffelschoner Dora" angekauft, der nach großzügigem Um- und Ausbau als Bühnenschiff unter dem neuen NamenPro arte" im Januar eine auf 18 Monate berechnete Werbefahtt nach Süd- und Nordamerika antreten soll. Das Schiff, das einen Kammertheaterraum für 500 Zuschauer erhält, wird auch Ausstellungen von Kunst und Kunstgewerbe zeigen.

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