Nr. NS
Nennzebnter Zahrga»g
Kaffeler Neueste Nachrichten
2. Beilage
Donnerstag. 1. August 1929
Drei 8Bochen in der Lust
Der anwritanifdie Dauerslug nach 420 Stunden abgebrochen. — Ein Orkan zwang Fachson und L'Brieu zur Landung.
St. Louis, 1. August.
Rur infolge eines schweren Orkans waren die Flieger Jackson und O'Brien gezwungen, nach 420 Stunden 21 Minuten zu landen. Sie wurden von einer nach Zehntausenden zählenden Menschenmenge begeistert gefeiert. Starke Polizeiaufgebote mutzten alarmiert werden, um die Flieger vor dem allzu großen Enthusiasmus der Menge zu schützen. Sogleich nach der Landung untersuchten Aerzte die Flieger und pellten fest, daß sie sich in bester Gesundheit befanden. — Die beiden Rekord- .stieger erhalten für ihren Rekordslug zusammen 31245 Dollar an Prämien ton der Kon- struktionsfirma ihres Apparates, und außerdem noch 2 756 Dollar von verschiedenen anderen Personen.
Bei einer Charakterisierung des zwanzigsten Jahrhunderts durch spätere Geschlechter wird man unser Zeitalter vielleicht als die Epoche des systematischen ErperimentS bezeichnen. Täglich erleben wir auf jedem Gebiet eine fortschreitende logische Entwickelung, die bei kürzestem Zeitaufwand in verblüffens«! Folgerichtigkeit immer wieder scheinbar unerwartete Resultate zeitigt. Die Schnelligkeit, mit der diese Entwickelung vor sich geht, wäre kaum denkbar, wenn sich die heutigen wissen- schaftlichen Arbeitsmethoden nicht deS ununterbrochenen Experiments bedienen würden. Nicht nur der Arzt und Chemiker, sondern auch der moderne Sozial, und Krtegswiffen- schastler, ja sogar der Verkehrsfachmann rann des Experiments nicht mehr «»traten. Die Transozeanflüge im Flugzeug und Luftschiff sind schließlich weiter nichts, als großzügig angelegte Versuche, aus deren Ergebnissen und Erfahrungen man erst die Hilfsmittel für die Zukunft konstruieren kann. Von diesem Gesichtspunkt auS ist auch der Dauerflug von 420 Stunden der beiden amerikanischen Flieger Dali Jackson und O brien zu betrachten. Mit dem Rekord von 17>4 Tagen Überboten sie die letzte Höchstleistung um 173 Stunden, und diese Tatsache veranschaulicht deutlich, wie ein Experiment aus dem anderen seine Erfahrungen zieht und in die Praxis umsetzt. Das Flugzeug St. Louis Robin hat bet dem Flug von 25000 Meilen eine Belastungsprobe auSae- halten, wie man sie bis dahin kaum für möglich gehalten hätte.
Abgesehen von der sportlichen Rekordleistung der beiden Flieger bietet der Flug ohne Zweifel auch Weitgehende Aufschlüsse für die Praxis. Di« Fachleute betonen besonders, daß dieser Versuch Mein vom Standpuickt der Materialprüfung aus gesehen sehr wertvoll sei. weil die Motoren nur in der Luft so nach allen Richtungen hin einwandfrei geprüft werden könnten. Allerdings gjtoeben die Piloten dabei in nicht geringer efahr, weil bei der wochenlangen Beanspruchung die Tragflächen so stark in Mitleidenschaft gezogen werden, daß ein Bruch nicht ausgeschlossen ist, war den unvermeidlichen Absturz zur Folg« hätte. Wer vor allem sind bei diesem Flug die Erfahrungen im Tanken von Flugzeugen auS der Lust erweitert worden, und daS bedeutet einen Fortschritt im Flugzeugwesen überhaupt, denn nun wird in absehbarer Zeit dazu übergehen können, mittels dieser Mechode Langstreckenslüge zu etwas Alltäglichem zu machen. Um noch weitere Erfahrungen für die Zukunft zu sammel«. Werden in der nächsten Zeit ähnliche Flüge über Land und Wasser unternommen werden. Bei Landflügen werden von vorher bestimmten Flugplätzen aus Flugzeuge
mit neuem Betriebsstoff aufsteigen, um die Langstreckenmaschiue mit neuem Benzin und Nahrung zu versorgen. Wenn die Route über Ozeane führt, werden von Dampfern auS, deren Fahrtstrecke festgelegt ist, Tankflugzeuge starten können. Bisher wurden diese Dauer- [lüge über einem Flugplatz abgehalten. Hauptmann Köhl und Fitzmaurice planten als erste einen Flug, der nicht an einen Flugplatz gebunden blieb, sondern über den Ozean führen sollte. Zuerst sollte über Irland und später über Neufundland getankt werden. Leider mutzte dieses Projekt vor- a— wahrscheinlich auS finanziellen en — zurückgestellt werden.
Tankversuche werden auch tu Deutschland, allerdings in aller Stille, unter Ausschluß der Oefsentlichkeit vorgenommen, weil unsere Mittel Versuche nur in kleinem Maßstab erlauben. Wer man wird bei uns das Experiment von einer bisher noch nicht beachteten Seite anfassen, indem man nicht nur, wie eS in Amerika Brauch ist, den Betriebsstoff von dem darüberfliegerrden Flugzeug durch einen Schlauch nach unten ablassen, sondern auch von einer darunter fliegenden Maschine das Benzin nach oben pumpen wird. Diese Methode wird besonders deswegen versucht weroen, weil bet einigen Flugzeugthpen der Motor für die Benzinversorgung der ersten Art ungünstig liegt.
Jedenfalls darf man annehmen, datz diese Experimente über kurz oder lang zu Praktischen Reformen im VerkehrSflngwesen füh- ren werden.
Um 20 Millionen
D«S Schicksal eines Riesenvermögens
DaS Schicksal eines Riesenvermögens bildet zur Zeit den Gegenstand einer Untersuchung, die der amerikanische Generalkonsul in London im Auftrag amerikanischer Gerichtsbehörden führt. Es handelt sich um daS Vermögen der Fürstin Hatzfeldt. die tm vergangenen Jahr in London gestorben ist. Die Fürstin, seit dem Jahr 1889 mit dem Fürsten Franz von Hatzfeldt-Wildenburg verheiratet, hat ,ahre- lang in der Londoner Gesellschaft eine glänzende Rolle gespielt. Als Fräulein Clara Prenrice auS Sacramenw in Kalifornien hat sie seinerzeit von ihrem Onkel, Collis P. Hun- tingwn, ein Riesenvermögen geerbt, bereit Wert auf etwa 300 Millionen Mark beziffert wurde. Huntingwn, der u. a. die South Pacific Railwav erbaut hat, hatte sein Vermögen bet der Entdeckung der kalifornische» Gold- fell>er verdient.
MS die Fürstin jetzt starb, soll ihr Der- mögen „nur" noch etwa 20 Millionen Mark betragen haben: in ihr Testament vermachte sie dieses Vermögen an etwa sechzig verschiedene Personen und Stiftungen. Der Haupt- erbe ist der Freund der Fürstin, Claude Philip Champion de Crespignh, der mit zwei Millionen Mark bedacht wurde.
Das Tc ament ist nunmehr von dem in San Francisco lebenden Enkel der Fürstin, E. Whit- man Prentice, angefochten worden, mit der Begründung, daß es auf „betrügeri'che Einflüsse"' zurückzuführen sei.
Der Prozeß um das Vermögen dürste mit größter Hartnäckigkeit geführt werden, da die besten amerikanischen Anwälte die Interessen von Prentice und feinen Gegnern vertreten. Vielleicht wird die jetzt begonnene Untersuchung auch allerlei interessante gesellschaftliche Einzelheiten auS vergangenen Zeiten zutage
fördern, da man sich noch mit der Frage be- «en wird, wo das Rtesenvermögen der i geblieben ist. ES steht MerdingS fest, daß große Beträge für wohltätige Stiftungen ausgegeben worden sind.
Trauriger Manöverbeginn
Ein Kraftwagen fährt in eine Reichswehr- to tonne.
Leipzig, 31. Juli.
Beim Ausrücken der Reichswehrkompanie des Reichswehrregimentes 11 inS Manövergelände ereignete sich heute früh um 4 Uhr auf der Staatsstraße zwischen Gautzsch und Zöbigker ein schweres Kraftwagenunglück. Der 23 jährige Sohn des Rittergutsbesttzers Kirsche aus Trautschen bei Pegau, der von Leipzig kommend nach Hanse fuhr, wollte die fahrende Kolonne überholen und fuhr dabei in diese hinein. Zwei Unteroffiziere und ein Gesteiter wurden schwerverletzt und mußten ins Garnisonlazarett nach Leipzig übergeführt werden. Auch vier Pferde wurden verletzt. Die Kolonne befand sich auf der Fahrt nach Kieritzsch, wo sie nach dem Manövergelände in Bayern verladen werden foCte.
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Grotzfeuer im Hafen von Neapel.
Rom, 1. August.
Die Blätter berichten von einem großen Brand, der im Freihafen von Neapel gestern nacht ausgebrochen ist. Der Brand kam in großen Lagerräumen aus, in denen, wie verlautet, größere Mengen Paraffin, wahrscheinlich auch Teer und Benzin, aufgestapelt waren. Der Schaden wird aus etwa l}/t Millionen Lire
geschätzt. Die Unsache deS Feuers konnte noch nicht festgestellt werden. Man nimmt an, daß es sich um Kurzschluß handelte. Mit knapper Mühe konnte die Wehr das Feuer auf seinen Brandherd beschränken. Ein Arbeiter und ein Feuerwehrmann erlitten eine Rauchvergiftung und wurden in das Krankenhaus gebracht.
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Explosion im Marinearsenal.
Paris, 1. August.
?n der vergangene!» Nacht ist in Toulon er Artillertewcrkstatt des Marinearsenals durch die Explosion von sieben großen Granaten ein Brand ausgebrochen. Die Explosion und der Brand verursachten beträchtlichen Schaden und riefen bei den Bewohnern der benachbarten Straßen eine Panik hervor. 2 Angestellte des Arsenals wurden verletzt. Es gelang der Feuerwehr, des Brandes Herr zu werden, ehe er auf die in der Nähe gelegenen Munitions- und Pulvertorräte übergreifen konnte.
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Der Sarajewo« Bahnhof brennt
Belgrad, 1. August.
In Sarajewo entstand in der vergangenen Nach: ein Brand, der mit äußerster Heftigkeit in den Magazinen des Bahnhofes wütet«. Der angerichtete Schaden wird auf acht Millionen Dinar geschätzt.
* Großfeuer im Frankenland. In Erlenbach bet Obernburg am Main brach heute mittag ein Brand aus, der, da bie meisten Einwohner auf bem gelbe waren, rasch größere Ausdehnung annahm und insgesamt sechs Häuser und fünf Scheunen einäscherte. Rach mehrstündigen Bemühungen der Wehren konnte dem rasenden Element endlich Einhalt geboten werden.
Mtt Zven Hedin in Gobi
Sven Hedi» über feine Reise und Pläne
Hamburg, L August
Die .Hamburger Nachrichten" veröffentlichen eine Unterredung mit Sven Hedin, in der sich der Forscher eingehend über seine letzte Expe- dition und seine künftigen Pläne äußert. In Berlin will ich mich, fo erklärte Sven Hedin, mit meinem Verleger besprechen und die Frage der Briefmarken regeln, deren Ausgabe der Expedition bV Nankingregierung gestattet hat Es sind sieben meteorologische Stationen errichtet, die nur mit Rundfunkempfangsgerät ausgestattet sind und auf denen das Nanener Zeitzeichen empfangen wirb. Ein junger Dent- scher, Dr. Waldemar Hande, hat ganz Erstaunliches auf dem Gebiete der Meteorologie geleistet. Er hat Mein 353 Pilotballons in die Strawsphäre entsandt Die höchste erreichte Höh« betrug 21 200 Meter. Das Hauptgebiet unserer Tätigkeit ist das Gebiet von Kansu. Die Expedition hat einen Stab von 22 Gelehrten und außerdem eine Begleitmannschaft. Im ganzen gehören ihr 74 Personen an.
Sobald wie möglich, werde ich wieder nach Asten zurücttehren, aber noch weiß ich nicht, auf welchem Wege. Viel wird davon abhän- gen, wie sich die Dinge in der Mongolei ge» statten. Im weiteren Verlaufe des Gesprächs bemerkte Hedin, die Expedition müsse noch min- bestens Jahre arbeiten. Schon zwei Jahre und 10 Monate ist sie unterwegs. Zunächst konnten wir die Eisenbahn benutzen, dann wurden Automobitt und in der Wüste Gobi vorwiegend Kamele verwendet. Von großem Nutzen für uns war der Karawanenführer Larson, ein Schwede. An Manuskripten habe ich viel fertiggestellt, aber es fehlt noch viel
und ich weiß noch nicht, ob mein neues Werk bald erscheinen kann.
16 000 Meter Film wurden bis jetzt hergestellt. Daraus ist ein Wettsilm zusammenge- stellt, der 2500 Meter umfaßt und unter dem Titel „Mit Sven Hedin in der Gobiwüste" bald laufen wird. Sven Hedin sprach hierauf von den Leistungen der Fachgelehrten der Expeditwn. Astronom Lund untersucht bie Pendelschwingungen — etwas ganz neues für Jnnerasien — und Erdmagnetismus. Außerordentlich sind auch die Erfolge des Geologen. Die Ufer deS alten Sees Lopnor und die alten Seen Zentralasiens sind vermessen worden. Bedeutsam sind bie Dinosaurierfunde. Es handelt sich nm ältere Formen deS Dinosawins, als sie sonst gefunden werden.
Der Archäowge hat über 20 000 Gegenstände gesammelt, die hauptsächlich aus der Steinzeit stammen; Dr. Hummel, ein Deutscher, der Arzt der Expedition, ist zugleich Botaniker und Zoologe und nimmt auch anthropologische Messungen vor. Ein Tierpaläontologe und ein Pflanzenpaläontologe nehmen an der Forschung teil. Major Zimmermann, ein Deutscher, leitet eine Station in der Wüste Gobi. Seit vielen Monaten habe ich nichts mehr von ihm gehört, hoffe ober, daß S ihm gut geht. Er hat seine Station erfolgreich gegen Räuber verteidigt und interessante Beobachtungen gemacht. Bisher haben wir kein Menschenleben verloren. Am Schluß der Unterredung erklärte Sven Hedin, daß er sich nur auf Reisen wohl fühle, daß er nicht lange in Schweden bleiben werde und selbst in Stockholm in feinen eigenen Zimmern sich nur als Gast bewachte.
29. Fortsetzung „Die Königin der Südsee." sprang, ,,laß uns lieber nachdenken, was wir nun beginnen werden."
.„Ich will aber dein Geheimnis kennenler- nen“, sagte sie eigensinnig.
Er stand vor rhr, legte seine beiden Hände auf ihre Schultern und schüttelte sie. „Verlange das nicht," zischte er gereizt, „es könnte unser beider Ende sein. Darüber spreche ich erst, wenn ich sterbend daliege . .. früher nicht. Und auch dann . . . bann möge mir der Teufel den Mund schließen", setzte er hinzu und stieß sie von sich, daß sie zurucktaumette.
Da war seine alte Energie zur Stelle, und sofort begann Ethel Thang ihn zu fürchten. Die Schwäche, die sie an ihm beobachtet hatte, schien überwunden.
Er ging in dem Zimmer auf und nieder, mit jugendlicher Elastizität, die verriet, datz es ein Mann von etwa fünfunddreitzig Jahren war, den ein seltsames Schicksal so häßlich gestaltet und mit irgendeiner schweren Schuld belastet hatte.
„Hill muß befeitigt werden", sagte er dann mehr zu sich selbst als zu seiner schönen Freundin.
„Wer ist Hill?"
„Er ... der sich hier Höfer nennt. Er hat sich in mein Hans eingeschlichen, weil er ahnt, daß ich . . . Aber nein," fuhr er fort, als wollte er sich selbst beruhigen, „wer ich bin, kann er nicht ahnen. Meine Stimme hat er kaum erkannt. Wir haben früher feiten miteinander gesprochen. Das also ist es nicht. Nur durch die „Königin" kann er auf meine Spur gekommen fein, und da trieb es ihn in dieses Hans. Du, Ethel, hast ihn mir unabsichtlich mitge- bracht. Deine Eitelkeit hat ihn hierher geführt."
„Ich bin mir keiner Schuld bewußt", erwiderte sie kleinlaut. Sie fürchtete, er werde in helle Wut ausdrechen, wie gewöhnlich, wenn tfcm etwas nicht patzte.
„Rein ... du brauchst dich nicht zu verteidigen-, sagte er sanft, wie er sonst nie zu ihr sprach ober nur in Minuten, in denen ihn ihre Reize fesselten und in denen seine Sinne )n Retten lagen, „was kannst du dafür, daß ich
so bin, so elend, so schuldig. Es ist ein Rätsel, daß gerade dieser Mann mein HauS betreten hat, ein Rätsel, aber gewiß kein Zufall. Glaubst du an eine Nemesis, Ethel?"
Diese letzt« Frage stellte der Mann mit der Narbe in einem gedämpften, unheimlich geisterhaften Ton.
Die Frau schüttelte den Kopf. „Unflnn, es gibt keine Nemesis!"
„Doch . . . doch ... ich habe st« schon im Traum gespürt," gab er noch immer so seltsam zurück, „oft tauchen sie alle vor mir auf, alle, die ich . . . Doch was rede ich da ... du hast recht ... es ist Unsinn . . . Torheit. Nur der Starke siegt tm Leben!"
Wieder lief er vor ihr auf und nieder. Seine Gedanke» mochten hinter der von der gräßlichen Wunde geteilten Stirn fliege».
Dann blieb er abermals vor Ethel stehe»,
»Wir müsse» fort...mein erster Entschluß war der richtige. Ich habe keine Zeit zu verliere», wenigstens für einige Wochen mutz ich aus Portello fort. Hast du Lust, mich zu begleiten ?"
„Wohin du willst, James."
Er nahm sie in seine Arme und küßte sie. Sie schloß die Augen wie immer, wen» sich dieses Gesicht zu ihr neigte.
„Du bist gut zu mir, du hast mir deine Schönheit geschenkt und mir damit das gegeben, was ich ersehnt habe," flüsterte er ihr zu. „alles, was ich besitze, soll dir gehören. Wenn ich nicht mehr bin, kannst du darüber verfügen. Aber nicht wahr, du wünscht's mir nicht den Tod?"
„James, du bist heute anders als sonst", antwortete sie.
»Wir gehen wieder nach meinem Schloß in Steiermark," spann er seine Pläne weiter, „bart versteck» wir uns wie damals. Inzwischen muß Perkins beobachten, ob hier die Luft rein ist. Im Herbst können wir wieder hierher zurückkehren, wenn sich nichts Verdächtiges gezeigt hat. Aber Hill..was beginnen wir mit Hill? Ob er noch tm Haufe ist? Ob Perkins bereit wäre, ihn zu töten?"
„James," schrie Ethel entsetzt aus, „was sprichst du?"
Er lachte leift, aber um so unheimlicher aus. „Toten... ja ...ihn töten," stieß er hervor, „wäre es nicht das Beste, das Einfachste? Oder glaubst du, daß an einem Menschenleben viel liegt? Wenn du wüßtest, Etbel, wie schnell ein Menschenleben zu Ende geht!"
Und er lachte wieder, daß die schone Amerikanerin vorn Grauen getroffen zurücktrat.
„Ich werde nicht dulden, daß ihm ein Haar getvtnunt wird", sagt« sie mit aller Entschiedenheit.
Der Mann mit der Narbe war unzufrieden. Er murmelte Unverständliches vor sich hin, ging wieder hin und her und überlegte.
„Man mutz ihn aber unschädlich machen., wenigstens für Stunden."
„„So sperre ihn ein!"
„Das ist gut... sehr gut. Und wir fahren noch heute »acht mit dem Automobil davon. Ich selbst werde steuern...du weißt, was daS heißt."
„Das heißt, daß wir unser Leben für die Schnelligkeit der Räder etnsetzen müssen." entgegnete sie bitter, „aber ich bin damit einverstanden. Ich habe mich dir angeschlossen. Ja« mes, und ich bleibe bei dir."
„Du wirst keine Zeit haben, drüben deine Koffer abzuholen."
„Ich statte mich in Innsbruck oder in Graz neu aus. UebrigenS kann mir Andrew alles nachschicken, sobald die Sache in Ordnung gekommen ist. Wie aber wird Perkins morgen dem Menschen, den du Hill nennst, das Vorgefallene erklären?"
„Das ist zu bedenken. Aber er kann erzählen, ich fei wahnsinnig, sein Gesicht habe mich gereizt. Einem Wahnsinnigen wird viel verziehen... alles... nicht wahr, Ethel "
„Warum fragst du so eigenartig?"
„Weil ich... wahnsinnig bin," schrie er .weil das alles Wahnwitz ist. Oder glaubst du, daß man das, was ich getan habe, bei klarem Verstand begehen könnte?"
Sie schüttelte verwundert daS Hcwpt, aber
sie fragte nicht mehr. Sie wußte, daß sie von seinen Lippen niemals das Geheimnis seiner Vergangenheit erfahren würde. •
„Ob sich Hill mit dieser Erklärung begnügen wich?" erwog Drotton dann wieder mit bewunderungswürdiger Kaltblütigkeit.
„„Vielleicht... vielleicht nicht. Damit mußt du rechnen, daß es ein Wagnis ist. Perkins kann ihm aber den Mund mit Geld verschließen."
„Ja...vielleicht braucht er Geld. Perkins soll ihm tausend Dollar geben, damit er fdftoeigt Wenn er mich nicht erkannt hat, wich er sich alles nicht recht zusammenrei- men können, und er wich das Geld nehmen. Oh. ich weiß, eS kommt nur daraus an, daß er nicht ahnt, wer ich bin. Und wie sollte er dar durchschaut haben,"
Er sah nachdenklich vor sich hin.
„So muß es gehen", rief er bann erleichtert „du gibst Perkins auch einen Bries für Andrew mit, damit der Dummkopf uns keinen Strich durch die Rechnung macht. Er soll nach Wien reifen und mit den Koffern tm Hotel Bristol abwarten, bis wir ihm weitere Anweisungen gehen. Sobald ich gute Nachrichten von Perkins erhalte, setze ich mich mit Andrew in Verbindung, vorher nicht, denn er konnte überwacht werden."
Andrew tut blind, was du ihm befiehlst. Und nun werde ich deine Koffer packen! Laß Perkins kommen, damit er dafür sorgt, daß dieser Hill uns nicht stört."
Der Geheimnisvolle drückte auf den Knops der Klingelleitung, die seinen Rus nach dem Kammerdiener hinab ins Souterrain trug.
Ethel Thang ließ ihn allein. Sie begab sich hinüber in die Räume, in denen die Schränke ihres Freundes standen, Zimmer, di« ihr gut bekannt waren.
Ihr war seltsttm zumute; zum erstenmal er* griff sie ein Zögern und eine unbegretflidje Furcht; zum erstenmal, feit sie damals in den Vereinigten Staate» die Geliebte Drottons geworden war, erwog sie, ob sie ihm wirklich io ohne Vorsicht folgen, sich ihm ohne Kenntnis seiner Vergangenheit anvertrauen dürfte.
(Fortsetzung folgt.)