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Neunzehnter Jahrgang

Kasseler Neueste Nachrichten

1. Dellag«

Donnerstag, 1. August 1939

müssen.

Ausverkauf* eine

Mal rasch über die Straße...

Roch einen Blick wirst eine Hausfrau aus der Waisenhausstratze durch die Küche, es ist alles in Ordnungl Auf dem Gasherd brotzelt

Heute begehr der Stadtoberbauführer H e n- r i o n sein Wjähriges Jubiläum im Drenfst der Stadt Kassel. In Anerkennung seiner treuen Dienste wurde dem Jubilar ein Dank­schreiben des Magistrats überreicht.

kleinerensprottenartigen* bekam man schon für 1.50 bis 1.60 Mark. Fuldafische zeigten einen Preis mit ellenlanger Spann« 50 bis 90 Pfg. Liebe Hausfrau, wähle gut! Schellfisch war mit 50 Pfg. angeboten.

Am Fleischmarkt zahlreiche und aut- beschickte Stände. aber wenig Käufer. Wa­rum? Warum?

* * *

Einer, der der heutige Wochenmarktsbetrieb scheinbar auch nicht gefiel, einer temperament­vollen Rosinante, riß plötzlich die Geduld. Sie nahm mit energischen Seitensprung Kurs auf eine mit Himbeeren gestillte Kötze und warf ste um, so daß eine große Menge statt süßer Beeren in dem Magen einer Käuferin m einer dicken Regenpfütze landete.

Wie wir- -as Wetter?

Vorhersage für Freitag:

Wechselnd bewölkt, zeitweise noch Schauern, kühl, noch ziemlich lebhafte nordwestliche Wrnde.

Wasserwärme: 15 Grad Celsius.

Neues aus Staffel

Was -er Ziffer bringt

Ueberall spricht man schon vom Volksfest des Sonntags: dem Zissel. Er wird eingeleitet durch

In der Nacht zum Mittwoch wurde in ein« Molkerei-Zweigstelle in der Weserstratze ein­gebrochen. Der Täter ist durch ein offen stehen­des Fenster eingestiegen und hat neben etwa- Wechselgeld und mehreren Milchmarken, grötzere Mengen Pumpernickel und Käse entwendet.

Die nächste Sprechstunde der Erziehungs­beratungsstelle findet Freitag, den 16. 8., 16 bis 18 Uhr, Rathaus, Zimmer 25 (Eingang Fünfsensterttraße) statt.

Allerlei vom Tage

Nach vollständiger Neuherrichtung seiner Räume wird das Palast-Theater in der Bahn- hofstratze am Freitag seine Pforten wieder öffnen.

So verschiedenartig, wie die Berg« der Blusen, Schürzen und Schlüpfer sind die da- rin suchenden Frauen. Eine Dame, die nicht alles, was im Ausverkauf in blendender Fülle ausgebreitet ist, gerade im Augenblick nötig hätte, wäre keine Frau. Und sieh die Hände! Da die verarbeitete sonnenaebräunte Hand der Landfrau, die manikürten Fingerchen der gro­ßen Dame, die energische der Bürofräuleins, die bleichen harten Finger der kleinen Nähe­rin. Crepe de Chines, Faconns, für uns Män­ner leere Worte, aber für die vom zarten Ge­schlecht ein Stück vom Himmel auf Erden. Und hier gibt eS endlich einmal wie so selten auf Erden Träume, die Wirklic^eit werden!

Die Hausfrau verschwindet freudestrahlend nachdem sie behauptet hat, ste sei in einer hal­ben Stunde wieder da. Selbfwerständlich dauert es sechs. Dann erst kehrt ein wan­delndes Bündel von Paketen in das traute Heim zurück. Die Sachen waren doch s o o o o ! billig! Und nur darum,nicht wahr Männe Du stehst eS doch ein?* hat ste soviel ge­kauft.

Geduld, Geduld, verlaß mich nicht!* das ist der Stoßseufzer aller Verkäufer und Ver­käuferinnen. Ganze Völkerstämme durchziehen die Läden, aber nicht jeder kauft. Die liebe Neugierde kann schwer dem Reiz des Schau­ens und Prüfens widerstehen. Zehn Minuten lang kann man stch im Besitze jenes entzücken­den Pyjamas träumen, bei dessen Anblick Bri­gitte Helm erblassen müßte. Jetzt steht die kleine dicke Frau schon zum vierten Male vor dem Tisch mit den iSeidenstofsresten. Müde er­klingt zum wievielten Male wohl? die Frage der Verkäuferin:Womit kann ich die­nen, meine Dame?* Die Kundin befühlt den Stoff und hält ihn so dicht an das Gesicht, als wollte sie ihn mit der Nase nachmessen. Ein hoffnungsloser Fall! Die kaust bestimmt nicht!

Merkwürdig, obwoU beim Ausverkauf un­sere Frauen mehr Zeit als j« im Leben haben, hat «S jede so eilig und drängt und schiebt, denn dir Dame vor Dir, nicht wahr? kann Dir gerade den fabelhaftesten Rest weg- schnappen. Wozu hat man also seine Ellen­bogen? '

Warum hat noch niemand «ine Dokror- arbeit über die soziale Bedeutung des Ausver-

Ausverkauf* eine Attacke auf Wünsche, die I dann erst aus dem Bewußtsein unserer hol- 1 den Frauen in das Bereich des Portemon- I aaies treten. Dies ist das nüchterne Warum des psychologischen Wunders.

Jeder Großkampf erfordert Vorbereitun- I 8£n- Was ist vorher schon geschafft worden! Wie oft ist Fräulein Leni die Leiter hinan I und herunter gekrochen und wie sehr hat der I kleine Lehrling Mar, der am 1. April die erste Sprosse der Letter zum Generaldirektor beschritten hat, den Ausverkauf im allgemei- I neu und den gestrengen Prokuristen im beson­deren verwünscht, der sich mit drängenden neuen Ideen in eine Art feuerspeienden Vul­kan verwandelt hat. Aber schließlich sind di« Schaufenster ünd die Stände drinnen so ver­lockend geworden, daß nur völlige Erblin­dung dagegen unMpfindlich machen kann. O wie raffiniert wetzß man heute die Seelen zu fangen, Blicke zu fesseln, Wünsche zu wecken! Man läßt sich von den Leuten im übergeschäf­tigen Frankfurt auch in Kassel nichts mehr I vormachen. Nicht die Menge, sondern auch der Geschmack regiezt heute hinter den Schei­ben. Wär« eS doch auch draußen im Leben so ....

<Vuer über -en Wochenmarkt

Monatserster!In diesem Zeichen wollen wir siegen!* sagten sich die Händler und länd­lichen Verkäufer und besetzten mit hochbepack­ten Körben und Kästen in langen Reihen den Wochenmarkt und die anliegenden Straßen. Aber aber unsere verehrten Hausfrauen ftreilten, streikten aus der ganzen Linie, trotz neu aufgesüllter Wirtschastskasse, trotz Son­nenschein und blauem Himmel. Warum?

Am meisten in ihren Erwartungen ent« täuscht wurden wohl die Obstverkäuser, die wahrscheinlich einen großen Teil ihrer Waren mittags wieder nach Hause ziehen müssen. Die wenigen Käuferinnen, die stch eingefunden hatten, erstanden nur geringe Mengen, fodaß die Preise schon zu Anfang nachließen. Johan­nisbeeren konnte man schon für 1215 Pfg. erhalten, schwarze für die Freunde eines leckeren Johannlsbeer-Schnapses für 20 Pfg. das Pfund. Stachelbeeren waren mit 1525 i Pfg. angeboten, Heidelbeeren mit 50 Pfg (der Schoppen 30 Pfg.) Birnen konnte man heute schon von 35 Pfg. an erstehen. Kirschen hielten dagegen unvermindert ihren alten Preis (50 Pfg. für süße wie saure). Für Freunde von Apfelgelee waren Falläpsel zum Preise von 1215 Pfg. am Markte. An Tafelobst sah ich leckere Pfirsiche (1 bis 1.20 Mark das Pfund), dicke Reineclauden zu 60 bis 70 Pfg., die letz­ten Erdbeeren zu 90 Pfg. und Walderdbeeren für die Geburtstagsbowle zu dem etwas in« slationsmäßig anmutenden Preise von 1 Mark für ein kleines Schälchen. AlsKuriosum* standen zwischen den übrigen Kotzen zwei I große Körbe mitrotem Hollunder* (für Geleezwecke!) zu 12 Pfg. das Pfund I man lernt als Hausfrau nre aus!

Der Sommer nimmt Abschied auch auS dem Schaufenster, der Herbst zieh: ein. Aber nicht ohne Abschiedsfest: den großen Ausver­kauf. Männer jammern grauen irren bon Geschäft zu Geschäft von einer verlok- kendeneinmaligen Gelegenheit* zur anderen! Und wenn es auch nur die be­kannten Ziffern von 98 Pfg. sind Pfennige machen auch Geld, wenn wir das auch nach bem_ Billionentaumel erst wieder haben lernen stich ist das Zauberwort

Sonderfahrt nach Thal«.

Für die Sonntags-Sonderfahrt der Reichs- bahndirektton Kassel nach Thale im Harz am 4. August sind noch Teilnehmerkarten zu ha­ben. Abgesehen von der Fahrpreisermäßigung bietet die Sonderfahrt den großen Vorteil daß man den Ausflug in das wild roman- tische Gebiet des Harzes Bodetal Hexen­tanzplatz Roßtrappe) an einem Tag« unter­nehmen kann.

Freiwillig in den Tod.

Am Mittwoch abend wurde der 93 Jahre alte Laternenwärter i. R. Heinrich Fehr, Gieß­bergstraße 4 von seinen Angehörigen bewußt­los in der Küche liegend aufgefunden. Der starke Gasgeruch erklärte die Ursache, der alt« Mann hatte den Gashahn geöffnet. Schon vor einiger Zeit hatte er einen ähnlichen Ver­such unternommen, war aber von feinen An­gehörigen überrascht worden. Die Wieder- belebnngsversuche blieben erfolglos.

sportliche Veranstaltungen des Stadtverbandes für Leibesübungen. Von 14 Uhr ab finden Schallplattenkonzerte und von

1u n 6Ston jerte im stadttschen Flußbad statt. Um 18 Uhr startet ein S ch ö n h e i t s w e 11 b e w e r b, der für alle Bootsarten offen ist; die an dem Wettbewerb teilnehmenden Boote bewegen sich zwischen 18 und 1» Uhr m zwangloser Folge auf der Höhe deS stadttschen Flußbades. Das schönste und zwglelch originellste Boot wird von einem Preisrichterkollegium prämiiert werden.

Mit Einbruch der Dunkelheit setzt die Festbeleuchtung

der an der Fulda gelegenen Badeanstalten, Boots- und Klubhäuser ein. Der eigentliche Zissel beginnt mit einem

Wafferfestzug, an dem sich die am Fuldasport interessierten Bei- eine beteiligen. Der Wasserfestzug wird einge­leitet durch Abschuß einer Bombe und Ab- brennen eines Wasserfalles von der Fuldabrücke und vom Rondell gegen 20,30 Uhr. Das Heran­nahen des Festzuges und die Schilderung der 14 festlich ausgestalteten Pontons des Wasser­festzuges wird auf dem Rundfunk übertragen, desgleichen die Begrüßung der Ziffelfreunde vom Boot der Stadt Kassel aus, sobald der Festzug die Höhe des städtischen Flußbades er­reicht hat. Anschließend wird ein

Höhenfeuerwerk auf der dem Flußbad gegenüberliegenden Seite abgebrannt. Während des Vorbeifahrens des Wasserfestzuges an den Klubhäusern Fulda auf. wärts wetteifern die Vereine mit Feuerwer­ken, Wasserspielen, Massenpyramiden und sport­lichen Darbietungen aller Art, die von Männer­chören unterbrochen sein werden.

In etwaiger Höhe des AneauSgangeS wen­det der Wafferfestzug und löst stch, fuldaab- J wärtsgleitend, allmählich auf. Als Abschluß der 1 gemeinsamen Veranstaltungen wird gegen 22 Uhr der zum Fuldauser gekehrte malerische Dorfrand von Waldau durch Anstrahlung fest­lich beleuchtet.

Hoffentlich hat der Wettergott ein g ü t i g e s Einsehen, damit der Ziffel seinen Freunden, I die er sich in und außerhalb Kassels erworben I hat, das geben kann, waS sie stch von ihm versprechen.

kaufes geschrieben? Er verbindet Stadt und Land, Arm und Reich, würdige Damen und Backfische in noch kürzeren Röcken. Es ist ine ganze bunte Welt des Heute, «ine farbenfrohe Revue des GroßstadtlebenS, die sich durch die Drehtüren hineinsaugen läßt, hinein in die Wogen des Ausverkaufes. Mit der Eisenbahn mit dem Autobus, selbst aus dem fernsten Retnhardswäld ist man gekommen, denn Kassels Geschäfte locken selbst die alte Grete, die sonst von demneumodischen Kram* nicht viel wissen will. Das wühlt und sucht und sucht-und wühlt, bis abends unter einem Hü­gel von Ballen die erstickte Stimme des armen Verkäufers um Hilf« schreit, wenn man ihn mühsam ausgräbt.

Wir leben heute nicht im Paradiese, aber gäbe es »och eins, in den Tagen der Aus­verkäufe würde eine begeistert« Gemeind« aus seinen Pforten hinausdrängen. Denn mit dem Zehnmarkschein in der Hand bist Du im Geiste Herrin all dieser Herrlichkeiten, solange Du ihn noch has^ bist Du reich, kannst wählen.

»ine, haft Sn nach Geld?"

Dle Hausfrauen Wollen zum Ausverkauf!

Aus dem Tagebuch der (Sanitäter

Bei Neuarbeiten auf einem Grundstück in der Sandershäuser Straße schlug ein großes eisernes Tor um und traf einen Schlosser so unglücklich, daß er neben schweren äußeren Verletzungen auch eine Gehirnerschütterung er­litt. Er wurde durch den Krankenwagen der Feuerwehr in das KrankenhausRotes Kreuz* befördert.

_ S*t der Mühlengasse flog beim Abhauen von Eisenstangen einem 14jährigen Schlosserlehrling aus Simmershausen ein Stück Eisen mit gro­ßer Wucht an den Hinterkopf und verletzte ihn erheblich. Arbeitersamariter brachten ihn nach erster Hilfeleistung zu einem Arzt.

Beim Fensterputzen schlug in der Henkel- straße ein junges Mädchen mit dem Arm in eine Scheibe und zog sich eine schwere Hand- Verletzung zu, bei der auch eine Hauptader ver­letzt wurde.« Die Sanitätswache Fuldabrücke führte die Verwundete ärztlicher Behandlung zu.

Am Marställer Platz brach spät abends eine Frau aus der Ziegengaffe plötzlich bewußtlos zusammen. Die S-mitätswache Fuldabrücke brachte die Bewußtlose, die von einigen Leu­ten erkannt worden war, in ihre Wohnung und sorgte für ärztliche Hilfe.

Dieselbe Wache leistete einem achtjährigen Jungen erste Hilfe, der an der Schlagd beim Radfahren gestürzt war und sich schwer am Knie verletzt hatte. Auch er wurde einem Arzte zugeführt.

Auf dem durch den Regen schlüpfrig ge­wordenen Straßeupflaster kam ein Radfahrer, der feine 8 Jahre alte Tochter mit auf dem Fahrrad hatte, zu Fall. Durch den Sturz er­litt das Mädchen eine schwere Kopfverletzung, di nach erster Hilfeleistung auf der Sanitäts­wache Fuldabrücke ärztliche Behandlung er­forderte.

In der Maulbeerplantage versuchte ein 29- jähriger Fensterputzer mehrere Male eine im' Wege sitzende Katze mit dem Fuß beiseite zu schieben, als das Tier plötzlich den Mann an­sprang und sich derartig in seine Hand ver­biß, daß es nur mit großer Mühe gelang, di« Katze loszubekommen. Die Arbeitersamariter brachten den Verletzten zu einem Arzt, der den Gebissenen toeqgn der Gefährlichkeit der Verletzung sofort einer Serum-Behandlung unterzog

Auch der Gemüsemarkt hatte nicht den Ab­satz, den er wohl erwartet haue. Die in gro­ßen Mengen vertretenen grünen und Wachs­bohnen gingen zu 1820 Pfg., Puffbohnen zu 1520 Pfg. ab. Wer Erbsen mit Schwemm- klößchen heute mittag dem Gestrengen Bor* setzen wollte, mußte 20 Pfg. für das Pfund anlegen. Zwischen dem frischen Grün der übrigen Gemüse leuchteten Berge von Tomaten zu 2030 Pfg. das Pfund. Einmachegurken &15 Pfg. Rotkohl hatte im Preis« nachge- en und kostete heute 30 Pfg. da- Pfund, während Wirsing- und Weißkohl ihren alten Preis von 30 Pfg. behaupteten. Wer sich seinem Kalbsschnitzel heute mittag einen »L. menkohl zu Gemme führen wollte, mußte für einen mittleren Kopf wohl ober übel 90 Pfg. anlegen. Für Pilz-Liebhaber waren Cham­pignons (7080 Pfg.) mid die leuchtendgel­ben Pfifferlinge (80 Pfg. bas Pfund) auf­marschiert.

Lanbbutter hatte etwas angezogen, man mußte für diesen unentbehrlichen Aufstrich 1.8g bis 1.90, für Süßrahm 1 Mark anlegen (für heute noch*, sagte mir die Verkäuferin,am Sonnabend ist sie teurer). Eier hielten unent­wegt ihren Preis von 13 Psg., Notz Protest von allen Seiten. Für Feinschmecker gab es Rehrücken zu 1.60 und Rehblatt zu 1.40 das Pfund, Enten 1.40, Hühner zu 120 und extrafeine zu 1.40 das Pfund, Tauben zu 80 bis 90 Pfg., aber kein Absatz!

A». F i s ch m a r 11 entdeckte ich auf fri­sches Grnu gebettet, Forellen, Forellen, daß mir das Wasser im Munde zusammenlief, Prachtexemplare, das Pfund zu IM. Die

Wohin gehen wir am Freitag?

KIeines Theater:Weekend im Paradies*. 2u uyr.

E 6 o f f a 11 a - ß {<6 t f o t e I e:Champagner*.

St afi tu art «großer Saal): Gastspiel der Helfen« vteone, 20 Uhr.

o6er «einer Saal): Konzert mit. tytim, 20 Uhr.

d"kr,istaurant Karldaue: Instrumental- oirtuoseHarrison.

Hent«, Donnerstag:

Reinholisaal: Schallplattenkonzert, 20 Uhr.

Ein Dreikäsehoch jammert an Muttis Hand zum Gotterbarmen. Sie schleift ihn durchs Gewühl wie eine Löwin ihr Junges durchs Dornendickicht.Wenn Du jetzt nicht artig bist, nehme ich Dich das nächste Mal nicht mit!* Zweifelhafte Drohung! Jetzt übertrumpft stch tri Knirps int Heulen^ ich M's auch an seiner Stelle, wenn damit zu erlaufen ist, daß ich nicht mit müßte . . .

Atemlofe Paus« im Erfrischungsraum oder in der Konditorei. Die Schar der erhitzten Kämpferinnene r f r i f ch t* sich sei «s auch mit Doppelportionen heißen Kaffees. Dann stürzt man stch wieder ins Gewühl. Schließlich aber tritt sie die sonst das Tragen des Marktkorbes verabscheut, bepackt wie St. Nicolaus,leibet* den Heimweg an. Aber ihr Seufzer sagt vernehmlich morgen ist auch ein Tag!

Scherz beiseite gönnen wir es den lie­ben Mädchen und Frauen, es ist oft auch ein Wenig, was sie glücklich macht. Sollen sie uns Sonn« bringen, lassen wir ihnen den Ausverkauf. Und machen wir einmal Früh- lingsinventur in unserem Männerherzen, dort wo hoffentlich auch kein Ladenhüter die Dankbarkeit sitzt, die Freude daran, anderen I eine Freude zu machen, ihr vor allem, bi« mit hunbert kleinen Diensten, di« Du Gewohn­heitstier garnicht mehr merkst. Dich umsorgt. Also sei kein Unmensch, lieber Zeitgenosse, greif ins Portemonnaie-----aus

Nächstenliebe. H. J. Gl.

der Mittagsbraten, ein Blick durch die offene Tür ins Nebenzimmer überzeugt:das Kleine fchläft*. Rasch fort, um einige Besorgungen zu machen. Aber, wie das so geht, di« Zeit vergeht. Jedenfalls erlebt sie zu Hause eine böse Ueberraschung. Di« ganze Wohnung war vollständig verqualmt, bei ihrem Eintritt schlu­gen der Frau dicke, beizende Qualmwolken ent­gegen, der Braten war vollkommen verkohlt! Und das Kind? Es lag bewußtlos in seinem Bettchen, dem Erstickungstode nahe. Die rasch herbeigerufen« Feuerwehr hatte eine halbe Stund« zu tun, um eine gründliche Durchlüftung des Hauses vorzunehmen. Es wird der Fran bei künftigen Ausgängen eine Warnung sein.

AUSVERKAUF*

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