Meier Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Mittwoch, 31. Juli 1929
Briands Regierungserklärung
1
Paris, 31. Juli.
a-
Der Weg der Flottenabrüftung
Eigene Drahtni-ldnng
London, 31. Juli.
Hooverfche Geständnisse
Rewyork, 31. Juli.
Der diplomatisch« Mitarbeiter der »Mor- ningpoff stell: fest, daß zwischen Macdonald und Dawes eine Einigung über die Form er-
Die Gefahren -es 1. August
Zahlreick)« Verbote der kommunistischen Kundgebungen.
reichen sei. Es brauch« nicht verheimlicht zu werden, daß ein solches Wettrüsten zwischen Amerika und England seit dem Abschluß des Weltkrieges stattgefunden habe.
äH»etgen»retle: Eli ameiaen die mm-4 Raifel i>as Worr 7
revolution haben sich die Kreis« um Stalin uimer noch nicht losgesagt.
Die eifrigen Vorbereitungen, die in allen europäischen Ländern von den kommunistisches Parteien für den 1. August, den „Roten Tag^, getroffen werden, kündigen deutlich genug an daß der Bolschewismus — um das Wort einet? amerikanischen Diplomaten zu gebrauchen einen neuen Versuch unternehmen will, „bei übrigen Welt sein tödliches Gift einzuimpfen^ Die Propaganda wird so einheitlich betrieben daß sie unbedingt von einer zentralen Stew- aus geleitet sein muß, und es kann keine, Zweifel darüber geben, wo diese Propaganda
Heute nachmittag in der Kammer / Keine Erörterung der innenp oiiiischrn Fragen
London, 31. Juli. Der englisch« Außenminister Henderson wird Ende dieser Woche London verlassen, um sich zur Teilnahme an der internationalen ReparationSkonferenz »ach
Präsident Hoover hat an den Kommandeur der amerikanischen Legion «in Schreiben gerichtet, in dem er erklärt, daß nach der Auflassung der Marineverwaltung eine amerikanisch-englische Flottengleichheil vollkommen genüge. ES sei besser, wenigstens den Versuch zu unternehmen, eine Gleichheit beider Flöt- ten durch ein Abkommen herzustellen, obwohl sich Amerika zu dem Grundsatz bekenne, daß ein richtiges amerikanisches Flottenverhälmis zu England nur durch ein Wettrüsten zu er-
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig. 19. Jahrgang
. ------------uniguna über die Form er
zielt worden ist, in der die weitereren Flot- lenabrüstungSbesprechungen fortgesühri werden sollen.
Günstige Aussichten
der englisch-russischen Verhandlungen
Londou, 31. Juli.
Auf Grund des Ergebnisses der Unterredung zwischen dem englischen Außenminister Henderson und dem russischen Botschafter in Paris Dowgalewski ist man in hiesigen politischen »reifen der Ansicht, daß eine Basis für die endgültigen Verhandlungen zur Wie- deraufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern im Laufe zweier Wochen gefunden werden wird. Dowgalewski selbst hofft, nach Ablauf von drei Wochen London wieder verlassen zu können.
Paris, 31. Juli.
Der Pariser Polizei stehen morgen, tote .Journal" meldet, im ganzen 30 000 Mann Polizei und Militär zur Aufrechterhaltung der Oordnung und Verhinderung von Demonstra. tionen zur Verfügung. Der Innenminister hat gestern nach einer Konferenz mit dem PoltzA- präfekten von Paris und dem Seine-Depa----- ment bekanntgegeben, daß Umzüge unb.'^r- sammlnngen, sowie sonstige Knndgebungeif'Üuf den Straßen nach wie vor verboten seien.
Die KaNcl« Neueste» Nachritte» trWtncn wöchentlich techsmal nachmittags. Der Abo«, betragt für den Mouat 2.30 X bet freier Zustellung ins Haus, in der (Ke. IchafisstcUe abgeüolt 2.10 X Durch die Poft monatlich 2.30 X auMchlieftlich Zuiiellungsge. büpr. -"iickzablung des Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungs- matziger Lieferung ist ausgeschlossen Kür unverlangt eingefandte Beiträge kann die Redaktion eine BeraMworruug oder tSewädr in keinem Kalle übernehmen. Schristleiiung, Verlag und Druckerei: Ra fiel. Schlachtbofstratze Nr. 28/30. Kernivr. 8601. 8602. 8603. 3604.
Zunächst fei die Einberufung einer vorläufigen Tagung der fünf Flottenmächte Amerikas, Japans, Frankreichs, Italiens und Großbritanniens geplant, der die Vorfchläg« und Anregungen, die in den Verhandlungen zwischen Dawes und Maedonald gemacht wurden, unterbreitet werden sollen. Wenn diese Anregungen sich als geeignete Grundlage für Verhandlungen erweisen sollten, wird wahrscheinlich bereits im Frühjahre nächsten Jahres eine allgemeine Flottenabrüstungskonferenz nach London einberufen werden.
Das Ergebnis dieser Flottenkonferenz würde dann der vorbereitenden Abrüstungskonferenz in Genf übermittelt werden, deren Aufgabe es wäre, di« übrigen Mächte mit den bisherigen Abrüstungsbe,chlüflen der fünf Flottenmächte bekanntzumachen.
tei am Roten Tag chre Demonstration vor allem im Zeichen des zehnten Jahrestages des Sturzes der Räte-Reaierung abhalten. Die Oberstadthauptmannschaft Hal entdeckt, daß seit einigen Tagen neuerlich kommunistische Flugzettel vor allem unter den Fabrikarbeiterkrel- sen, Invaliden unv Arbeitslosen verteilt werden. Angesichts dieser beunruhigenden Anzeichen wird die Budapester Polizei von heute 6 Uhr abends angefangen 36 Stunden lagg unter strenger Bereitschaft gehalten werden.
Mannheim, 31. Juli. Das von der kommunistischen Partei für 3. und 4. August hier beabsichtigte internationale rote Ländertreffen ist von der Polizeidirektion mit Rücksicht auf die dadurch zu befürchtende Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung verboten worden.
Nummer 178 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.
Wien, 31. Juli. In Erledigung des von der kommunistischen Partei Oesterreichs gegen das polizeiliche Verbot ihrer Kundgebungen am 1. August eingelegten Einspruchs hat Landeshauptmann Seitz die Kundgebung der kommunistischen Invaliden am Vormittag des 1. August bewilligt dagegen den Einspruch be- jügkich des geplanten großen Aufmarsches über die Ringstraße am Abend des 1. August an die Polizei zurückverwiesen. Somit bleibt es bei dem Verbot des kommunistischen Umzuges.
Budapest, 31. Juli. Dem 1. August sieht man in Budapest mit einiger Besorgnis ent- Sen. Dem offiziösen »Acht Uhr-Blatt" zu-
\t wird die ungarische kommunistische Par
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Nur ein kurzes Programm
Eigen«'' Drahtbericht.
3er rote Zog >
W.-P, Als am 27. Mai 1927 einige Mit- glieder der englischen Arbeiterpartei dem russischen Geschäftsträger in London kurz vor seiner Abreise ein Abschiedsfrühstück gaben, entzündete fast die ganze englische Presse ihren Zorn an dieser „überlegten, aber dezeichnenden Unverschämtheit^ Das war in jenen eregten Tagen, als die konservative Regierung die Haussuchungen in den Geschäftsräumen der „Ar« cös", der russischen Handelsdelegation, veranstaltet, als Baldwin im Unterhause den Bruch mit Rußland angekündigt und Chamberlain die Drohung seines Kabinettschefs verwirklicht hatte, lieber zwei Jahre hat diese Unterbrechung der diplomatischen Beziehungen und des offiziellen Handelsverkehrs zwischen England und Rußland gedauert. Inzwischen sind Parteifreunde jener Männer, die damals mit der Veranstaltung des Abschiedsfrühstückes eine unzufriedene Geste machten, ans Huber gekommen, und was von der neuen arl eiter- parteilichen Regierung zu erwarten war, ist eingetreten: Maedonald hat den Versuch unternommen, die Fäden, die Baldwin und Chamberlain zerschnitten hatten, wieder an- einanderzuknupfen. Er hat an Moskau die Einladung zu Verhandlungen über die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen gerichtet, und die russischen Machthaber haben die ihnen zur Versöhnung. Hast,
des englischen Premiers gern <Ti,eriffZn. " Am Montag sprach der russische Botschafter in Paris,, der von seiner Regierung zum Unterhändler ernannt worden war, in der Downing« street vor. Und wenn die englische Opposttions- presse zu dem Vorgehen Macdonalds auch keineswegs Ja und Amen sagt, so hält sich doch heute die Kritik der konservativen und liberalen Blätter von jenen lebhaften Gefühls» wallungen, die ihre Haltung vor zwei Jahren bestimmten, fern.
Wirtfchaftspolitische Gründe sind eS in erster Linie, auf die Macdonald diefen außenpolitischen Vorstoß zurückführt, und in wirt- schaftlichen Dingen hat sich der Engländer, einerlei in welchem Lager er auch steht, stets ein von parteipolitischen Einflüssen unbeeinflußtes Urteil bewahrt. Darauf mag es auch zurückzuführen fein, daß das Experiment der arbeiterparteilichen Regierung in ver englifchen Oeffentlichkeit mit fo starker Zurückhaltung beobachtet wird. Ein Experiment — mit gewissem Recht wird man diefen Versuch einer englisch-russischen Versöhnung so bezeichne» müssen. Es soll hier nicht von den Schwierigkeiten, die durch das Problem der russischen Vorkriegsschulden heraufbeschworen werden, bte Rede fein. Aktueller ist im Augenblick die Frage, wie sich bte neue englische Regierung zu bet gerade jetzt tn allen europäischen Ländern mit erhöhter Lebhaftigkeit betriebenen kommunistischen Propaganda einstellen werde. Als die russische Regierung Jahres 1927 Trotzki und feil
dem Haag zu begeben. Gegen Ende August wird Henderson dann nach Genf reifen, um den Sitzungen des Völkerbundes beizuwohnen
Paris, 31. Juli. Die französische Delegation für di« Haager Konferenz wird laut »Ma- tin" aus folgenden Per onen bestehen: Ministerpräsident Briand, Flnanzminister Chöron, dem Sekretär int Außenministerium Berthelot dem Gouverneur der Pank von Frankreich, Moreau, dem Kabinettschef Briands Leger, dem Rechissachverständtgen des Außenministeriums Fromageot sowie mehreren Sachverständigen.
Als die russische Regierung im Dezember des Jahres 1927 Trotzki und feine Freunde aus der Partei ausmerzte, wurde vor allem von eng« lischen Blättern die Erwartung ausgefprochen, daß Stalin und feine Freunde nunmehr mit freieren Händen einen Kurs, der Rußland wtrtfchaftspolittfch und außenpolitisch näher an die bürgerlichen Mächte heranführen sollte, steuern würden. Es kann aber keinem Zweifel unterliegen, daß diese Erwartungen nicht in Erfüllung gegangen sind. Ganz offenbar haben innen- oder, was in Rußland im Grunde das gleiche ist, parteipolitische Rücksichten den Mos- lauer Machthabern die Erkenntnis aufgenöttgt, daß eine Abschwächung her1 bolschewistischen Ideen der Festigkeit ihrer Herrschaft abträglich fein werde So ist in wirtschaftspolitischer Hin- sicht der Kampf gegen die russischen Großbauern und gegen den Nep, gegen jene Handelspolitik, die durch eine Erleichterung des Verkehrs mit den kapitalistischen Kräften der russischen Wirtschaft helfen möchte, fortgefuhrt worden. Und auch von dem Gedanken der Welt-
Echo aus Tokio
Tokio, 31. Juli.
MU Bezug auf bte englisch-amerikanischen Verhandlungen über die Abrüstung zur See haben hier zwischen dem Außenministerium und der japanischen Admiralität zahlreiche Besprechungen stattgefunden. Wie der japanische Marineminister dem japanischen Kabinett mit» teilte, sucht das japanische Marineministerium über die Gründe Englands und Amerikas für eine teilweise Suspendierung ihres Flotten- bauprogramms Näheres in Erfahrung zu brin« gen und wird unter Umständen dem Kabinett Schritte für eine Nichtdurchführung des vollständigen japanischen Flotrenbauprogramms anempfehlen. Im Augenblick erachtet man es in Tokio nicht für nötig, eine offizielle Erklärung zu dieser Frage abzugeben.
Die niederländische Regierung hat in Beantwortung der gestern von den Regierungen Frankreichs, Englands, DeutschlaiwS. Belgiens, Italiens und Japans unternommenen Schritte wegen Abhaltung der ReparationS- konferenz der Reglerung im Haas den betreffenden Gesandten mitgeteilt, daß ne sich freuen werde, die Konferenzmitglieder im Haag zu empfangen.
lieber die Vorbereitungen zur Konferenz verlautet weiter, daß die Delegationen Deutschlands. Englands, Frankreichs, Belgiens, Italiens, Japans, Polens, Rumäniens und Griechenlands bereits zum größten Teil Unterkunft in Haager und Scheveninger Hotels gefunden haben. Ein französischer Regierungs- Vertreter teilte mit, daß Briand trotz mehrerer inzwischen aufgetretener Schwierigkeiten damit rechnet, daß die Konferenz zum ursprüng- lich vorgesehenen Zeitpunkt beginnen könne.
Menagerie im Graf Zeppelin
Zwei Affen und 600 Kanarienvögel machen die Amerikafahrt mit.
Friedrichshafen, 31. Juli. Nach dem erfolgreichen Abschluß der Probefahrten des Luftschiffes »Graf Zeppelin" jft man zur Zeit auf der Friedrichshafener Werft eifrig beschäftigt. das Luftschiff für die Fahrt nach Amerika auszurüsten. Gestern nachrntttag wurde mit der Unterbringung des nach Amerika bestimmten Frachtgutes im Laderaum des »Graf Zeppelin* begonnen. Zu der bei der im Mai abgebrochenen Amerikafahrt initgefübnen und bisher in Friedrichshafen lagernden Lust- B worunter sich bekanntlich ein Bechstein- , ein Rnbensgemälde und das Gorilla- hen Susi befanden, sind in der Zwischenzeit neben einer großen Zahl anderer Gegenstände noch zur Beförderung angemeldet worden, ein Schimpanse von der Tierhandlung Ruhe-Hannover, von der auch der junge Gorilla herrührt, desgleichen nicht weniger als 600 Kanarienvögel Von derselben Firma. Ein Berliner Bildhauer läßt eine Büste des verstorbenen Ozeanfliegers von Hünefeld auf dem Luftwege nach Lakehurst befördern.
Die gesamte Fracht hat ein Gewicht von etwa 2000 Kilogramm. Auch zu den für die letzte Amerikafahrt eingetroffenen und immer noch beim Friedrichshafener Postamt aufge- stapelten Luftpostbriefen und -Karten im Gesamtgewicht von annähernd 350 Kilogramm werden noch einige Säcke neu hinzukommen.
Mit Spannung sieht man der Regierungserklärung des neuen Kabinetts Briand entgegen, die am Mittwoch nachrntttag in der Kammer durch Briand und im Senat durch Barthou verlesen wird.
Die Regierung, die den Wunsch hat, die Sitzung noch heute abend aufzulösen, wird sich mit einer sehr kurzen Programmerklärung — man spricht von 1% Schreibmaschinenseiten — begnügen, die keinerlei Ausführungen über die Innenpolitik enthalten wird, da alle politifchen Probleme bis nach Abschluß der Haager Konse- renz zurückgestellt werden sollen. Briand wtrd voraussichtlich lediglich daraus Hinweisen, daß die jetzige Regierung sich die Erledigung der bevorstehenden außenpolitischen Verhandlungen über die endgültige Liquidierung des Krieges als einziges Ziel setzt und wird dann an die Unterstützung aller Parteien appellieren.
Für die allgemeine Aussprache liegen bereits mehrere Wortmeldungen und Jnterpella- tionsgesuche vor, doch rechnet man damit, daß mehrere Redner ihre Wortmeldungen zurückziehen werden. In politischen Kreisen glauot man, daß die Regierung eine Mehrheit von etwa 40 Stimmen erhallen wird, und daß die sozialistische Partei und ein Teil der Radikal- sozialisten gegen die Regierung stimmen werden.
Zuckerbrot für öie Radikalen
Paris, 31. Juli. Gestern nachmittag empfing Ministerpräsident Briand den Präsioen» ten der Finanzkomission der Kammer Malvh und den Finanzminister Cheron zu einer Aussprache über die der Kammer vorzuschlagenden Steuerermäßigungen. Bekanntlich hat die Regierung Poincars die Diskussion über diese von der Linken geforderte Steuerreform durch bte vorzeitige Verlesung des Schlußdekrets verhindert und dadurch Veranlassung zu einer Abstimmung gegeben, bei der sie in die Minderheit versetzt wurde.
Die Tatsache, daß Ministerpräsident Briand sich nunmehr persönlich mit dieser Angelegenheit befaßt, zeigt, tote sehr et wünscht, sich durch eine entgegenkommende Haltung die noch zweifelhaften Stimmen der Radikalen Fraktton zu sichern.
Die Belohnung
Washington, 31. Juli.
Der Staatssekretär Mellon tauschte mit dem französischen Botschafter Claudel Roten auS, in denen der Aufschub der Tilgung der 400 Millionen Dollar Kriegsmaterialschuld entsprechend der Entschließung des Kongresses ßtzt tn Kraft tritt, da Frankreich daS Mellon- eranger-Abkommen vor dem 1. August ratifiziert hat. Mellon sprach die Erwartung aus, daß der Kongreß seinerseits das Abkommen in einer Sondersession ratifizieren werde, sodaß die Kriegsmaterialschuld ganz tn Wegfall komme.
Dke Vorbereitungen im Haag
Haag, 31. Juli.