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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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fcböftäftellc adgcholt 2.10 Jt. Durch die Polt monatlich 1.80 M auSichltetzllL ZusicllungSge- bübr. Rückzadluna des Bezuasgeldcs ober Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungs» nrähig« Vttfetune ist ausaelchloste» Kür unperlangi eingelund» Beitrüge kann die Stebaktkon eine Verantwortung oder Gewahr in keinem Kalle übernehmen. Kchriftleituna. Verlag und Druckerei: Kassel. Schlachtbofftratze Nr. 28/30. Kernlpr. 3601. 3602. 3603. 3601.

Hessische Abendzeitung

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Nummer 177 einaeitrei»; Wochentag, 10 Pfennig.

DienStag, 30. Irr» 1S29

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig. 19« Jahrgang

Grubenunglück bei Waldenburg

23 Bergleute auf der Friedenshoffnungsgrube in Rieder Hermsdolf iSSUch berunglütft

Schlagende Wetter

(Eigener Drahtbertcht).

Waldenburg in Schlesien, 30. Juli. Huf der FriedenShoffnungrhitlt« in Rieder Herms- darf ereignete sich gestern abend 7 Uhr eine schwer, Schlagwetter-Exploston. durch die 23 Bergleute getötet und 12 schwer verletzt wurden. Sämtliche Verunglückte sind gebor­gen worden. Berghauptmann Fischer und Bergrat Weber vom Cteriergomt BreSlau trafen noch nachts in RiedrrhermSdors ein. um gemeinsam mit den Bergrevierbeamten die Grube zu befahre«.

Die Ursache der Explosion steht «och nicht fest. Die von der Explosion betroffenen Baue sind befahrbar, dock ist ihr Betrieb vorläufig eingestellt. Im übrigen i# der Betrieb der Grube nicht gestört.

Die gestern abend in der Friedenshoffnung, grub, eingctretene Schlagwetterexplosion, bei der 23 Bergleute den Tod fanden, ereignete sich auf den Schwefternschächten im Bereich der achten Sole Die zwölf Mann, die lebend zu Tage gebracht und in das Suap^schaftSlazarett befördert wurden, sind mit einer einzigen Aus- nahm, sämtlich schwer verletzt. Die Bergungs­arbeiten waren um 3 Uhr nacht, beendet. Die Schwefternschächte gehören zum Betriebe der Niederschlestsche« Bergbau A.-S.

personal war alarmiert, um am UnfallSorte einzugreisen. Die weitaus größte Zahl der Toten ist durch den explosivartigen AuSbruch des Brandwetters bis zur Unkenntlichleit ver­stümmelt. Von den 23 Totensind drei Schlep­per, zwei Feerhauer und die übrigen Berg­hauer.

Meuterei auf Gllis Island

Aewyork, 30. Juli.

176 Ausaewiesene, die zum Abschub auf ElltS Island untergebracht werden sollten, meuterten auf der Fahrt zwischen Jersey-Stadt und ElliS Island. Eine Deutsche schlug ein Fenster des Fährbootes ein und versuchte, dem Inspektor den Dienstrevolver zu entreißen. Sie mußte von mehreren Beamten festgehalten wer­den. Eine Syrerin versuchte Selbstmord mit einer Schere zu verüben. Ein Italiener war schon vorher in Jersey-Stadt aus dem Fenster des Aufenthaltsraumes gesprungen und ge­flüchtet. Zahlreiche Beamte nahmen jedoch die Verfolgung auf und konnten ihn eitlen und überwältigen. Die Meuterer sind--^kzeln in Haft genommen worden. Unter »en Mehre­rer» befanden sich 40 Schwerverbrecher.

35 Millionen Menschen

tionsverhandlungen eines starken und überaus aktiven Mitkämpfers versichert hätte. Es Hal sich aber herausgestellt, daß dieser Weg nicht, gangbar war. Auch der letzte Kompromiß- Versuch Briands, der daraus hinauslief, die Ra­dikalen durch Einräumung einiger Minister­posten ohne Portefeuille zur aktiven Mitarbeit zu gewinnen, scheitert«.

So blieb dem Ministerpräsidenten nichts weiter übrig, als das alte Kabinett PoincarL unverändert im Amte zu lassen, nur mit dem einzigen Unterschied, daß er anstelle Poinearss das Präsidium übernimmt, selbstverständlich unter gleichzeitiger Beibehaltung deS Außen­ministeriums. Es liegt auf der Hand, daß dies« Lösung nur einen vorübergehenden Lharakter tragen kann. Und daß dieses Kabinett nicht allzu fest im Sattel sitzt, lassen die oben wie- dergegebenen Meldungen bereits deutlich ge­nug erkennen!

Konferenz.

Vorbereitungen

6 London, 30. Juli.

In Durchführung der letzten Vorbereitun- gen für die Haager Konferenz hat die englische Regierung den Gesandten im Haag beauftragt, im holländischen Außenministerium die not* wendigen Schritte zu unternehmen, um der britischen Abordnung Unwrkunftsmögliltteiten zu sichern. Me diese Vorkehrungen werden für den 6. August getroffen, weil nach der schnellen Lösung der französischen Kabinett-»

.'rtfe in amtlichen Kreisen fein Grund mehr für eine Verzögerung gesehen Wird. In anderen Kreisen wird dagegen nach Meldungen auS Brüssel und wahrscheinlich auch au, Part, ein kurz« Aufschub für wahrscheinlich gehalten.

Die Frage de, Präsidiums der Konferenz wird einige Schwierigkeiten bereiten. Der bel­gisch« Ministerpräsident ist nach Behinderung de, deutschen Reichskanzlers und Macdonakd, der rangälteste Ministerpräsident, doch wird er voraussichtlich Briand für den Borsitz Platz machen. Di«

Zweiteilung der Konferenz in eine poli­tisch« und finanzielle Abteilung

ist sicher. Dagegen ist di« Frage noch nicht ge­klärt, ob die Staaten der Kleinen Entente und Portugal an beiden teilnehmen oder nur an der finanziellen Besprechung. Ebenso ist noch nicht entschieden, ob Polen un-d die Tschecho­slowakei direkt all beiden Abteilungrabschnit- ten teilnehmen werden.

lieber dies« Frage wird gegenwärtig noch zwischen den verschiedenen Außenministerien verhandelt. Ebenso über die Zuziehung eine, amerikanischen Beobachter,.

* * *

Washington, 30. Juli Die auS dem Weißen Hause verlautet, hat Präsident Hoover die Hoff­nung. daß die in London zwischen dem Bsift schafter Dawes und ÄUnisterpräsidenten &.... donald geführten Besprechungen im Jahre 1930 die Einberufung einer FlottenabrüstungSkonse- renz nach London ermöglichen werden.

Trauer in Waldenburg

, Waldenburg, 80. Juli.

Da, gesamte niederschlestsche Steinkohlen- revier steht im Zeichen tiefster Trauer. Vom Förderturm bet Schwesterschächte der Frieden-. hoffnunar-Grub« weht eine schwarze Trauer­fahne. Ueberall stehen Gruppen zusammen, die sich über da, furchtbare Unglück unterhalten. Wie jetzt feststeht, sind von den 23 Toten vier­zehn verheiratet und neun unverheiratet. 28 Kinder trauern um ihren VaVter.

Viele hundert BergwerkSfrauen und deren Angehörig« hatten sich vor der UnglückSstelle angesammelt. Herzzerreißende VerzweiflungS- szenen spielten sich ab. Da, gesamte RettungS»

Hungern

London, 30. Juli. Der Letter der chtnesi- 3en internationalen Hungersnot-HUfs-Kom- sston berechnete nach Pariser Meldungen, daß durch die getroffenen Maßnahmen seit dem Frühjahre das Hungersnotgebiet beträchtlich verringert werden konnte, daß aber immer noch 35 Millionen unter der Hungersnot litten.

In Zentral-Kamsu, im nordwestlichen China, habe es seit vier Jahren nicht geregnet. DaS Weizenanbaugebiet gleiche einer Wüste. In einer Stadt sei die Bevölkerung von 60 000 auf 3000 herabgesunken. Nach einer weiteren Mitteilung der Kommisswn hat in diesen Ge­bieten der Kannibalismus sehr erheblich zuge­nommen.

Briand vor Schwierigkeiten

Eigene» D

Paris, 30. Juli.

Ministerpräsident Briand hat gestern um 7 Uhr abends dem Präsidenten der Republik fein neues Kabinett, das sämtliche Minister des zurückgetretenen Kabinetts Potnrart ent­hält, ohne daß in der Verteilung der Porte­feuille, irgendeine »enderung eingetreten ist, vorgeftellt. Die Konstituierung des neuen Ka­binetts wird heute im Journal" offiziell ver- öfffentlicht. Der Ministerrat hat beschlossen, die Präsidenten der Kammer und des Senates zu ersuchen, die beiden Parlamente für Mitt­woch nachmittag 3 Uhr zur Entgegennahme der Regierungserklärung zusammenzuberufen. Am Mittwoch vormittag wird ein Ministerrat ftatt- finden.

Unmittelbar nach der Bildung des Kabi­netts begann sich aber bereits der politische Ho- rizont zu umwölken. ES verdichteten sich näm­lich die Gerüchte, daß ein Teil der Radikalen, dieJungtürken" unter Daladier, gegen das Kabinett stimmen werde, und daß es ihrer eif­rigen Propaganda gelungen sei, bereits einen Teil des von Malvy geführten Flügel«, der eine Stimmenthaltung bei der Abstimmung über die Regierungserklärung befürwortet, zu sich herüberzuziehen. Man hatte daher gestern abend in parlamentarischen Kreisen die Heber- zcugung, daß der größere Teil der Radikalen Kammergruppe seine Stimmen gegen Briand in die Wagschale werfen wird.

Sehnlich beunruhigende Anzeichen machen sich auf dem rechten Flügel der Regierungs­mehrheit bemerkbar. In einer Sitzung der Republikanisch-Demokratischen Union ergriff Louis Marin da« Wort zu heftigen Angriften

ahtbericht.

gegen Briand. Ein Beschluß über die Haltung der Gruppe kam nicht zustande, doch hat man in polifischen Kreisen den Eindruck gewonnen, daß mindestens zwanzig Mitglieder der Grup- pe gegen das Kabinett stimmen werden. Dem- entsprechend war gestern abend die Stimmung in den Wandelgängen der Kammer auSgespro- cheu pessimistisch. *

Die Umbildung des franz. Kabinetts, bte sich Briand augenscheinlich vorgenommen hatte, ist nicht geglückt. Der französische Außen­minister, dem der Präsident der Republik nach Poincarks Rücktritt die Verantwortung für die kommenden Entschlüfle auferlegt hat, wollte seine Regierung mit Einschluß der großen linksbürgerlichen Gruppe der Sozialradikalen, also der Partei Herrtois und Dalaoiers, bilden. Zuerst schien es, als ob alles gut gehen sollte, dann aber zeigten sich Schwierigkeiten, dte sachlich auf der Unversöhnlichkeit des Stand­punktes der Sozialradikalen und der republi­kanischen Union, also der großen Rechtsgruppe beruhen und die sich persönlich aus den Streit um den Innenminister Tardieu zuspitzte.

Tardieu gilt in der französischen Politik als der Vertrauensmann der Rechten im Kabinett. Das Innenministerium bildet in Frankreich tm Gegensatz zu Deutschland eine starke Schlüssel­stellung, da die gesamte innere Verwaltung bei der straffen französischen Zentralisation von dieser Dienststelle abhängt. Briand war wohl zunächst auf den Ausweg verfallen, das Innen­ministerium dem Führer der Sozialradikalen Hetriot zu übertragen und statt dessen Tardieu daS Finanzministerium anzubieten, weil er sich auf diese Weise für die kommenden Repara­

Kommunistische Kampsansage

Eigen« DrahtMeldung

Kowno, 30. Juli.

In Leningrad sind die deutschen Kommu­nisten Thälmann und Reumann eingetroffen. In einer Arbeiterversammlung sprachen sie über die kommunistische Bewegung in Deutsch­land. Thälmann erklärte, der Widerstand, den die Kommunisten der deutschen Polizei gegen­über eingesetzt hätten, habe bewiesen, daß «ine polizeiliche Maßnahme die kommunistische Be­wegung in Deutschland aufzuhalten vermöge. Der L August werde in Deutschland dieses zei­gen. Die Arbeiter und daS Proletariat Deutsch­land, würden trotz des Verbotes der Polizei und anderer Maßnahme» auf di« Straße gehen, um für ihre Rechte zu demonstrieren.

Der rote Tag

Propaganda und Abwehrmatznahmen.

Wien, 30. Juli. Bei einem von der kom­munistischen Partei Oesterreichs veranstalteten Roten Pressetag hielt der kommunistische Ab­geordnete im Prager Parlament, Anton Schmerda aus Mährisch-Schönberg ein« An­sprache, in der er der Ueberzeugung Ausdruck gab, daß die Wiener Arbeiterschaft ttotz deS polizeilichen Verbots am 1. August die beab. sichtigte Demonsttation veranstalten werd«. Schmerda, der unmittelbar nach der Veran­staltung Oesterreich wieder verlaffen sollte, wurde verhaftet.

Schwientochlowitz, 30. Juli. Am Sonn­abend wurden in Schwientoä^owitz 43 Kom­munisten verhaftet, denen staatsfeindliche Be­tätigung zur Last gelegt wird. Nach Meldun­gen der polnischen Presse ist im Zusammen­hang mit der Verkündung des 1. August zum kommünistischen Weltfeiertag auch in Ostober­schlesien eine lebhafte Tätigkeit der Kommuni­sten festgestellt worden. Unter den Verhafteten sollen sich auch einige kommunistische Führer befinden.

Riga, 30. Juli Die Polizei unternahm eine Reihe von Haussuchungen bei Kommu­nisten und beschlagnahmte zahlreiche Doku­mente und Anweisungen der Kommunistischen Internationale für Kundgebungen am 1. August. 17 Personen wurden verkraftet. Auch in Libau wurden 10 Kommunisten sefige- nommen.

Am DerhondiungS isch

Unterredung HendersonS mit DowgalewStt.

London, 30. Juli. Staatssekretär bei Aus­wärtigen Henderson hatte gestern vonnittqg

mit dem SvwjeÜbotschaster in Paris, Dow» galewski eine Unterredung über die Vorberei­tungen zur Wiederausnahme der diplomati­schen Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Großbritannien.

weitzrusseneinfall in Sibirien

London, 30. Juli.

Times" berichtet aus Schanghai: Aus Nan­king wird gemeldet, daß die Nationalregie­rung die Verteidigung der Mandschurei gegen einen möglichen Angriff verstärkt habe. An­scheinend zuverlässigen Nachrichten zufolge habe «ine Band« von etwa 300 Weißrussen einen Einfall nach Sibirien in Richtung Tschita gemacht. Di« mandschurischen Behör­den befürchteten eine Verschärfung der Lag« mit Rußland.

London, 30. Juli.

Daily Telegraph" berichtet aus Peking: Der chinesische Gesandte in Finnland ist be­auftragt worden, ein Methode zu finden, um eine Vereinbarung mit Rußland wegen der chinesischen Ostbahn zu erzielen. Er ist mit einem Stab von Sa^erständigen in Peking eingetroffen, wo er mit dem Verkehrsmmlster beriet und endgültige Anweisungen bezüglich der Politik Nankings erhielt. Der Gesandte fährt sofort nach Mukden ab, wo er eine Zu- sammenkunft mit General Tschang Hsiau Liang haben wird. Es wird erwartet, daß er­folgreiche Bemühungen unternommen werden, um eine Konferenz zwischen dem Gesandten und einem russischen Delegierten in Charbin oder Moskau zu Wege zu bringen.

Rach weiteren Meldungen auS Schanghai wird sich der chinesische Friedensunterhändler Tschuschoo am heutigen Dienstag von Sckrang- hai nach Mukden begeben, um die Lage in bet Mandschurei einet Prüfung zu unterziehen. Er hofft, im Anschluß baran bereits morgen Verhandlungen mit dem russischen Vertretet einleiten zu können. Zwischen den 6etbetfei­ligen Vorposten an bet Grenze besteht zurzeit ein« neutrale Zone von etwa 35 Kilometer. Damit gilt die Gefahr eines Waffenzusam» menstoßes als stark verringert.