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Ein sterbender Indianerstamm

Phoenix (Mexiko).

Die zahlreichen Züge von und nach Kali­fornien müssen das südliche Arizona, die ehe­malige Heimat der Apachen, eines alten Jn- otanerstammes kreuzen. Unerhörte Gegensätze zeigt Arizona! Faszinierend ist dieses Land mit seinen üppig grünenden Landstreifen zwi­schen weiten Sandwüsten, aus denen sich die phantastischen Säulen der riesigen Kakteenstau­den wie Kerzenhalter aufrecken und die wildge­zackten, roten und gelben Berge aufsteigen; diese Berge, deren unnahbare Gipfel einen magischen Zauber auf alle ausüben, die sie in ihrer herben Schönheit einmal erblicken.

rett über die unweg­samen Gebirgszüge, und der ungeheure Roosevelt - Damm",

ein Meisterwerk von Jngenieurhand, staut gewaltige Wassermas­sen und verwandelte

Das ist das Land, wo noch bis vor 50 Jah­ren die Apachen in Fransenhosen und buntem Federschmuck ihr phantastisches Jagd- und Kriegsleben führten, wo noch hinter jedem Felsen, katzengleich hingekauert, der Tod mit vergiftetem Pfeil lauerte, und ein Rudel kupferroter Gesellen aus den verödeten Pässen hervorbrechend, die Weißen Ansiedler bedrohle, die das Land urbar zu machen und die Boden­schätze zu heben gedachten.

Heute erinnert nichts in den Tälern Arizo­nas mehr an die wildromantische Vergangen­heit des Landes. Riesige Kupferminen, frucht­bare Ackerstreifen haben um Phoenix und die anderen Orte blühendes Leben und Reichtum geschaffen. Eisenbahnstränge begleiten die Fluß- x laufe, Paßstraßen füh-

die Wüstenstreifen in fruchtbares Ackerland. Die Apachen muß­ten der Uebermacht der Bleichgesichter Wei­chen. Ein Volksstamm von hoher Kultur und großer Eigenart wur­de dezimiert; die Ueberlebenden zogen sich wie scheue Tiere in die Einsamkeit ihrer geliebten Berg­welt zurück, die ihnen auch heute noch in sei­nen unerforschten Tei­len Schutz gewährt. Apachen? Der Mittel­europäer verbindet mit diesem Wort die Vor­stellung von Pariser Verbrecherkneipen und romantisch in schwarzen Samt und rote Tücher gekleideten Jünglingen, die eine ähnlich geklei­dete Partnerin in wilden, zügellosen Tänzen

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Herumwirbeln, um zum Schluß diese Gefähr- tinnen der Laster und Leidenschaften zu erwür­gen oder mit blitzen- dem Messer zu er­stechen. Dieses schein­bar unentbehrliche Re­quisit des Pariser Nachtlebens, das sich der gleichen Beliebt­heit auch auf allen europäischen Varieti- bühnen erfreut, har nichts gemein mit jenem allen Jndianer- stamm, dessen hohe Kultur bedauerlicher­weise vernichtet Wur­de. Wohl geriet eine Gruppe jener echten Apachen vor vielen Jahrzehnten durch ein Mißgeschick nach Pa­ris und schloß sich in Rassenstolz in einem besonderen Viertel der Stadt zusammen; aber die heutigen Pariser Apachen bedeuten nur noch wirksame, imi­

tierte Kulisse, die aus die Sensationslust und die Zahlkraft der Fremden spekuliert.

Der sterbende Stamm in den Bergen Ari­zonas lebt scheu in den Felshöhlen der steini­gen Berglehnen. Rur selten bekommt der ein« latne Wanderer einen der kupferbraunen Ge­sellen zu Gesicht, aber jedesmal fällt die tier- hafte Schönheit der bronzenen Körper und der stolze Ausdruck der edlen Gesichter auf. Der Nüchternheit der modernen Zeit ließ auch hier jahrhundertealte Romantik verschwinden. Der berühmteWigwam" weist mehr Lumpen und altes Segeltuch als Baumrinde und bemalte Häute auf; die männlichen Indianer tragen anstelle des Federschmucks und der perlenbe­stickten Mokassins höchst unromantische, schmutzige Fetzen, abgelegte Kleidung von Wei­ßen. Nur die Frauen und Mädchen tragen in dem glänzend schwarzen Haar den bunten Bänderschmuck, und die Alte, die, ohne aufzu- schauen, eine undefinierbare Suppe in dem Kessel über dem offenen Feuer rührt, trägt die lange Pfeife im verrunzelten Gesicht und macht einenecht zigeunermäßigen" Eindruck.

Doch das ist eine Seltenheit. Für gewöhn­lich liegen die Felsenhöhlen unheimlich ausge­storben, und nur des Nachts hört der Wande­rer von fern jene eigenartigen, schwermütigen oder lebhaften Gesänge, die die Herrlichkeiten des Kriegspfades und der ewigen Jagdgründe besingen. I. L.

nate auf und versteigert sie dann öffentlich. Ter Erlös wird für den Verlierer drei Jahre aufbewahrt. Als Entschädigung berechnet die Reichsbahn zum Schutze der Minderbemittelten einen abgestuften Gebührensatz nach dem Wert des Fundes. Der Finder und Ablieferer von Werten und Geld usw. hat das Recht, sich da­

von zu überzeugen, daß der Beamte sofort zwei Meldekarten abfertigt, in denen der Wert an­gegeben ist. Bei Werten über fünfzig Mark erstattet der Beamte dem Fundbüro sofort tele­graphische Meldung. In Reisezeiten hat dieser Mann recht viel zu tun, denn im Reisi-sieder häufen sich Verluste und Funde.

Eisenbahn-Sagen

Ein Jahrhundert ist vahtngegangen, seit zum erstenmal das Dampfroß durch die Lande jagte und eine neue Epoche des Verkehrs 6er- aufführie. Allenthalben rüstet man sich zu Er- innerungsfestlichkeiten, aber es wird uns freute schwer, uns aus der Zeit des Kraftwagens und des Flugzeugs in jene Tage zurückzuversetzen, in denen die ersten Lokomotiven als unbegreif­liche Wunder angestaunt wurden. Die Mensch­heit mußte damals in ihren Anschauungen von Zeit und Raum gründlich umlernen, und aus dieser geistigen Umwälzung ist es zu verstehen, daß man so lange im Volk eine abergläubische Scheu vor der Eisenbahn b-"t-

Alle möglichen Sagen and Geschichten waren mit ihr verknüpft, irne der von Bäch- told-Stäubli bearbeitete ArtikelEisenbahn" in der neuesten Lieferung des bei Walter de Gruyter u. Co. in Berlin erscheinenden Monn- mentalwerkesHandwörterbnck des deutschen Aberglaubens" zeigt. An manchen Orten Hai die Eisenbahn sogarvorgefvukt", wie gewisse Sagen aus Oldenburg und dem Bergischen zeigen. Da wurde z. B. 1820 erzählt:Auf einmal sehe ich einen Feuerwagen ohne Pferde, welcher mehrere Wagen nach sich zieht, dahin­rasen. Gleich darauf war alles aus." Es sollte noch mehr als ein halbes Jahrhundert vergehen, bevor die Eisenbahn-Strecke Olden­burg-Osnabrück wirklich das Bild zur Wahr­heit machte, das ein .Spoekenkieker" an jener Stelle gesehen hatte.

Als die Eisenbahn mehr und mehr aufkam, Da wiesen die weisen Leute aus die Weltunter­gangsprophezeiungen hin, in denen Stellen enthalten waren wie etwa:Wenn die Welt eifern wird, frann . . ." Odersobald durchs Brixental der große schwarze Wurm kriecht, kommt eine ander« Zeit". Das Voll hatte tote gegen alles Neue eine starke Abneigung gegen dieses keuchende, fauchende und rauchende Un- geheuer, das an seinen Dörfern und Feldern

vorbeiraste; da mußte natürlich der Teufel dahinterstecken, und io wird denn in manchen Sagen erzählt, man habe den Gottseibeiuns höchst persönlich beim Bau der Eisenbahnen mithelsen sehen. Eine Elberselder Sage berich­tet, daß die guten Zwerge, die bis dahin wohl­tätige Freunde des Menschen gewesen waren, durch den Pfiff der Lokomotive vertrieben wur­den. Nach dem Emmentaler Glauben soll auf den Alpen viel mehr Gras gewachsen und alles fruchtbarer gewesen fein, bevor die Eisenbahn kam; ihr wurde auch die Schuld gegeben, wenn die Kartosseln krank wurden.

Stöber erzählt aus dem Elsaß von einer alten Frau aus der Gegend von Straßburg, die sich überreden ließ, ihre Wallfahrt nach St. Sudan oder St. Lotten auf der Eisenbahn zu machen. Da sie aber auf diese Weise so viel schneller an den heiligen Ort kam, als es früher zu Fuß geschehen war, da wurde sie stutzig und erklärte, die ganze Reise sei ein Blendwerk des Teufels; es sei sündhaft und dem heiligen Lu- danus mißfällig, daß sie auf solche Weise ihre Wallfahrt gemacht habe; sie kehrte also sporn­streichs um, lief zu Fuß nach Straßburg zu­rück und trat dann von dort ihren Bittgang nach der gewohnten Weise zu Fuß an. Häufig findet sich auch in den Sagen der Glaube, daß die Eisenbahnen nach einer bestimmten Frist plötzlich wieder verschwinden werden, so wie sie plötzlich aufgetaucht sind; der Teufel habe ihnen nur dieselbe Zeit gewährt, die er den Leuten auf Erden vergönnt, die ihm ihre Seele verschrieben haben. Im Badischen ist die Sage verbreitet, daß beim Anhalten der Eisenbahn an größeren Stationen jedes Mal einer der Reisenden fehle; den habe der Teufel als seinen Lohn geholt. Der Aberglauben, der sich an das neue Verkehrsmittel knüpfte, war so groß und so weit verbreitet, daß von den Kanzeln verschiedentlich dagegen gepredigt wer­den mußte und die Geistlichen das Volk zu beruhigen suchten

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Sie Million her Vergeßlichen

Richtiges und Falsches um den Finderlohn.

In den Reisernonaten befördert die Reichs­bahn rund 200 Millionen Menschen monatlich, im Monatsdurchschnitt immer noch nahezu 170 Millionen, so daß also durchschnittlich jeder Deutsche monatlich fast dreimal in die Reichs­bahn klettert. Gemessen an diesen Riesenziffern kommt es sehr selten vor, daß jemand in der Reichsbahn etwas liegen läßt. Wir Deutschen stellen uns das Zeugnis aus, ein aufmerk­sames, ruhig überlegendes Volk mit guten Nerven zu fern; denn die Verlustanzeigen bei der Reichsbahn über verlorene oder vergessene Gegenstände belaufen sich durchschnittlich noch nickt einmal aus eine Million jährlich. Ver­glichen mit der jährlichen Zwei-Milliarden- Ziffer der Beförderten ist das sehr wenig, im täglichen Betrieb der Reichsbahn macht diese armselige Million aber doch wieder ungeheuer viel Arbeit und erfordert einen gewaltigen Apparat.

Ein kriegsstarkes Bataillon von Beamten lebt allein von der Vergeßlichkeit der Zeitgenossen.

An allen zentral gelegenen Verkehrspunkten sind Fundbüros von zuweilen recht beachtlicher Ausdehnung eingerichtet. An diesem Fundbüros sind auch die entsprechenden Privatbahnen an- geschlossen und bei diesen großen Verkehrs- zentralen laufen die Anzeigen aus dem ganzen Verkehrsbereich zusammen. Sie bewahren auch die Gegenstände oder das verlorene Geld auf, und sie haben auch die Unmasse von Ber- lustanzeigen zu bearbeiten, die mit einemlei­der nein!" beantwortet werden müssen. Ost gehen Gegenstände auf der Reichsbahn ja nicht im üblichen Sinne verloren, sondern kommen durch Diebstahlgegen feinen Willen aus fei­nem Besitz", wie der Jurist sich so nett aus­drückt. Oftmals werden die wirklich verlorenen Gegenstände nachträglich einbehalten, also unterschlagen, wie in diesem Fall besagter In- kist sich auch ausdrückt. Strafbar ist das nicht, soweit es sich um Sachen handelt, deren Wert drei Reichsmark nicht übersteigt. Durchweg werden jetzt in Deutschland gefundene Gegen- stände in Massen wieder abgeliefert.

Die Ehrlichkeit hat mit der Ueberwin- düng der Inflation wieder eine hohe Stufe erreicht.

Rm Reichsbahnbetriebe ist das besonders an­erkennenswert, toeil hier der Anreiz fortfällt Rechtsansprüche gibts aus den Finderlohn nicht bei Gegenständen,die in den Geschästräume. oder feen Beförderungsmitteln öffentlicher VerkehrS-

einrichtungen gefunden werden. Solche ge­fundenen Dinge sind vielmehr unverzüglich und unentgeltlich an die Angestellten oder die Fundstellen dieser Verkehrsmittel abzuliesern.

Auch diese selbst kann wohl ihre Auslagen berechnen, hat aber keinen Anspruch auf den Finderlohn.

Die Pflichten und Rechte des Finders lassen sich so zusammenfassen. Der Finder mutz von Funden im Wert von mehr als drei Mark der Polizei Anzeige machen, die dann bestimmt, ob der Fund abgeliefert werden foll, falls ver­derbliche ober schlecht aufzubewahrende Gegen­stände in Frage kommen, muß er die Fund­sache zur öffentlichen Versteigerung bringen und den Erlös an die Polizei abliefern. An­dere Sachen kann er in Verwahrung behalten. Außer dem Ersatz seiner Unkosten steht ihm der Finderlohn zu. Daraus hat er einen Rechts­anspruch und ist durchaus nicht nur auf den guten Willen des Verlierers angewiesen. Der Finderlohn beträgt aber nicht, tote fälschlich an­genommen wird, für Sachen im Werte bis zu 300 Mark nur fünf Prozent, von allen Werten und Summen, die barüblr hinausgehen ein Prozent mehr. Bei Tieren sind immer nur ein Prozent des Wertes Finderlohn. Bei Dingen, die wie Verrechnungsscheck nur für den Emp­fangsberechtigten Wert haben, ist die Entschädi­gung in das Ermessen des Beteiligten gestellt. Einigen sie sich nicht, dann kann auch in solchen Fällen das Gericht angerufen werden.

Meldet sich der Verlierer nicht innerhalb Jahresfrist, dann gehört dem Finder fein

Fund.

Ein Teil dieser Grundsätze, eben außer dem Finderlohn, ist auch auf die Verluste bei der Reichsbahn übernommen. Man erstattet münd­liche Verlustanzeige bet dem Bahnhof, bei dem man feine Sache verlor ober bei der nächsten Unterwegstation ober bei der Endstation. Der zuständige Aufsichtsbeamte ist bann verpflichtet, durch gebührenpflichtiges Telegramm ober Fernspruch Ermittlungen einzuleiten. Wenn btefer Weg keinen Erfolg mehr verfpricht, macht man eine schriftliche Verlustanzeige, für die Formulare zu haben sind. Das ist der rafcheste Weg. Man tut gut sich nicht unmittelbar an die Reichsbahndirektion zu wenden, fonbern sich an den Verlustbahnhof zu halten, weil ja die Reichsbahndirektion selbst auch diesen Weg erst wieder einschlagen mutz. Die Reichsbahn bewahrt die gefundenen Gegenstände drei Mo­

Geheimnisvolles, nächtliches Dunkel. Die stille, der ruhige Atem der Sommernacht wird Plötzlich durchbrochen von knatternden Pferde­hufen; mit kurzem Ruck hält ein Wagen vor dem Hause, maskierte Männer bringen in bas schlasaemach des wohlbehüteten Töchterchens und schleppen bie Wiberstrebenbe hinaus. Re­volver blitzen im Monblicht. Bewaffnete sprin­gen aus die flinken Pferde, und mit Windes­eile rattert der Wagen davon. Der Entführer reißt die Binde von den Augen und feeltg er- kennt die Jungfrau den beliebten, der sie auf' sein Schloß 'entführt. Keinen Blick gönnt das herzlose, undankbare Kind den händeringenden Eltern, bie im Nachtgewanb auf den Stufen des Hauses stehen. ,^}n ben Armen liegen sich beide . . ."

Der Traum aller jungen Mädchen. Doch ach, wo gäbe es heutzutage noch so kühne Rit­ter? Zum Trost sei ihnen gesagt: der Braut­raub ist durchaus keine märchenhafte Ange­legenheit, um bie man bie Frauen ber galan­ten Zeit des Rokoko oder bie blutäugigen Zi­geunermädchen vergangener Jahrhunderte be­neiden muß. Es gibt auch heute noch eine Reihe von Völkern, betten ber Brautraub alt- hergebrachte Sitte, unb zum Teil Hochzeits­zeremonie bedeutet. Man braucht sich nicht erst ber weiten Reise nach Süd- und Mittelasien zu unterziehen, wo der junge Mann seine platt­nasige Schöne kurz entschlossen auf die Schul­ter lädt und in sein Zelt entführt, ober sich der sengenden Sonne Afrikas auszusetzen, dessen schwarzen Eingeborenen in ihrer primitiven Auffassung ber Raub ber kraushaarigen Er­wählten einfach Selbstverstänblichkeit ist.

Das Gute liegt viel näher. Schon bei einer Reihe von Balkanvölkern finben wir den Brautraub als eine au sfrüheren Zeiten über­kommene, traditionelle Sitte, insbesonders in Bosnien und ber Herzegowina. Der junge Mann, der unter den Töchtern des Landes, feine Wahl getboffen hat, erscheint eines Tage/ vor dem Hause der Geliebten, meist in Beglei­tung einer Schar wohlbewaffneter Freunde und raubt die Zukünftige, die vermutlich wohl zufrieden ist und ihn schon sehnsüchtig er- wartet.

Dabei wird lebhaft mit Gewehren und Pistolen hantiert, denn das gehört ju unbe» Dingt dazu. Die Schüsse, die fallen, sind heut­zutage allerdings meist mehr Ausdruck der Freuve als Abwehrmaßnahmen. Es kommt allerdings auch jetzt noch vor, daß es zwischen dem Bräutigam nebst Gefolge und der wider­strebenden Berwanbtschaft der Braut Mord und Totschlag gibt. Der Brautstrauß hat sich nicht nur, wie man annehmen sollte, in den niederen Volksschichten erhalten, sondern wird, wie erst kürzlich durch ein kleines Abenteuer bekannt wurde, sogar von hohen Würdenträ- gern ausgenützt.

Der ehemalige Minister und Vizepräsident der Skuptschtna, Dr. Hrasnica, bewohnte mit seiner Familie in Mostar bei Ragusa eine

Villa. Er selbst befand sich mit feiner Gattin in Sarajewo, wo plötzlich ein Auto vorfuhr, dem drei junge Herren entstiegen. Kurze Zeit darauf verließen sie mit der Tochter des Mi­nisters das Haus und fuhren mit dem Wagen davon zum Standesamt. Es war ber ehe­malige Minister unb Abgeorbnete Dr. Bech- mann mit zwei Kollegen, dem bas Töchterchen des Präsidenten seine heimliche Braut, die günstige Gelegenheit verraten hatte. Schon eine Stunde später befand sie sich mit ihrem Gat­ten auf ber Hochzeitsreise.

So harmlos verliefen berartige Gewalttaten nun in früheren Zeiten nicht. Noch vor betn klassischen Beispiel ber griechischen Helena, bereu Schönheit bie Branbfackel zwischen Troja unb Hellas entfachte; noch vor bemR aub ber Sabinerinnen entbrannten blutige Zwiste und erbitterte Stammeskämpfe um geraubte Frauen bei den primitiven Völkern. Braut- unb Friuenraub gehörte zu ben Bräuchen und Sitten fast aller Urvölker; sie waren sowohl i mOrient, als auch bei den Germanen üblich. Der Brautraub jener Zeit hat hohe kultur­historische Bedeutung. Die Forschung erkennt, insbesondere aus der germanischen Sitte, die Dem Jüngling vorschrieb,die Braut aus der Mitte ihrer bewaffneten Angehörigen zu rau­ben, ben ersten Schritt zurEinehe" aus bei ehemals verbreiteten Gemeinschastsehe.

Doch abgesehen von biefem ethischen Mo­ment, ich finbe den erhöhten Blutdruck, das Höherschlagen der Mäbckenherzen beim Gedan­ken an Brautraub (natürlich nur soweit er sie selbst betrifft)äußerst berechtigt, insbesondere in heutiger Zeit. Wie ungemein vereinfachend würde dieses Verfahren wirken. Keine Pein- lichen Auseinandersetzungen mit Eltern und Schwiegereltern, kein Tazwischrntreten der ge­fürchteten Erbtante tm letzten Augenblick, keine jehrelange Verlobungszeit mit unbegründeten Eifersuchtsszenen, kein Aufgebot und keine see­lischen Konflikte.

Wollen wir Männer uns nicht auf unsere angestammten Rechte besinnen?Weltbund der Frauenräuber?"