Kasseler Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.
19. Jahrgang
Donnerstag, 25. Juli 1929
Polnische Hatzgesänge
Die deutsch polnischen Handelsvertragsverhanblungen / Unglaubliche Angriffe gegen Deutschland
Gutachten
gegen Gutachten
Kattowitz, 25. Juli.
Eigene» Drahtbericht.
Entlastungszeugen eingeireten. Fräulein Neumann, die 1325 beim Deüischen Volksbund in Kattowitz und zwar
Nummer 173 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.
Die Kaffe!« Neueste» Nachrichten «scheine- wöchentlich sechsmal nachmittag». D« Abo», nemcnlsvreis beträgt Mr de» Monat 2.30 Jt bei frei« Zustellung in» Hau», in der Ge. schäftsstelle abgevolr 2.10 Jt. Durch die Po« monatlich 2.80 Jt auSfchliehItch Zustellung«ge» büür. Rückzahlung de» Bezugsgeldes od« Snlvrüche wegen etwaiger nicht orünunaS» mäßiger Lieferung ist ausgefchloffe». Für unverlangt eingelandte Beitrage kann die Redaktion eine Verantwortung ob« Gewähr in keinem Kalle übernehme», schriftleiiuna, Verlag und Druckerei: Kassel. Schlachthofstratze »t. 28/30. Sttnivr. 8601. 3602. 8603, 8604.
veröffentlicht Dokumente, die vom Sowjetkon- fulat in Charbin beschlagnahmt worden seien und die den Beweis erbringen sollen, daß das Vorgehen der Sowjets daraus hinziel«, den Kuotomintang zu stürzen.
In China werden VolkSkimdgebungen veranstaltet. Sie verlangen von der Zentralverwaltung, daß sie die notwendigsten Maßnahmen ergreife, um den Eingriffen der Sowjets Widerstand entgegenzusetzen.
Einsprüche gegen den Beschluß werde« vor allen Dingen von Städten mit großen Schiffswerften kommen. Entsprechende Hinweise habe die Regierung bereits erhalten, doch sind ernstliche Widerstande auch von dieser Richtung nach den vorsorglichen Maßnahmen der Regierung für die Ueberleitung der Beschäftigungslosen in andere Zweige kaum zu erwarten.
UnterhaurLebatte über -en youngplan?
Loudon, 25. Juli.
Lloyd George beabsichtigt, als Führer der liberalen Unterhaus-Frchktwn, vor der Vertagung des Unterhauses am Freitag die Aufmerksamkeit der Regierung auf den Foung- Bericht und die kommende diplomatische Konferenz zu lenken. Lloyd George wird darauf Hinweisen, daß eS nicht die Absicht des Parlaments wäre, die Regierung in der vorliegenden schweren Aufgabe zu binden, daß aber gewisse Zusicherungen gemacht werden sollten, daß Großbritannien keine größeren Opfer bringen würde als die übrigen Alliierten. Wahrscheinlich wird sich die Interpellation Lloyd Georges zu einer allgemeinen Aussprache über die kommende Konferenz entwickeln, in deren Verlauf, wie man hofft, auch die Regierung eine etwas umfassendere Erklärung zu der ganzen Frage abgeben wird.
Feindliche Nachbarn
Sofia, 25. Juli.
Der jugoslavifche Gesandte Nesttsch über- reichte gestern dem Generalsekretär des Außenministeriums eine Rote, in der Jugoslawien von der bulgarischen Regierung Aufklärung über die Amnestierung des ehemaligen Ministerpräsidenten Radoslavow und des ehemaligen Oberkommandanten der bulgarischen Armee Sekow verlangt. Der jugoslawische Gesandte wollte die Rote dem Ministerpräsidenten übergeben, wurde jedoch von diesem .krankheitshalber" nicht empfangen. Nesttsch hat in dieser Angelegenheit schon vor 14 Tagen bei dem Mlnisterpräsidenten Liaptschew Vorgesprächen. Die Antwort Liaptschews auf die jugoslawische mündliche Vorstellung befriedigte die Belgrader Regierung aber nicht, worauf «S zur Ueberreichung der schriftlichen Note kam.
KeNoggpaft in Kraft
Washington, 25. Juli.
Durch die Riederlegung der japanische« Ratifikationsurkunde gestern um 12 Uhr durch Botschafter Debuscht bei Staatssekretär Stirn- fon ist das endgültige Inkrafttreten des Kel- logg-PakteS bewirkt.
Die nach amerikanischen Staatsrechten erforderliche Proklamation wurde im Weißen Haus um 13 Uhr von Präsident Hoover in Anwesenheit Coolidges und Kellogg- und aller Vertreter der fremden Mächte seierlichst verlesen. Präsident Hoover leitet« heut« die feierliche Proklamierung mit einer Ansprache ein, in der er die Verhandlungen BriandS und Kelloggs, die zum Abschluß des Kriegsächtungspaktes führten, als einen Appell an das Gewissen der zivilisierten Nationen und einen neuen Schritt zum Ausbau des Völkerrechtes bezeichnete. Er pries die wundervolle Aufnahme des PattvorschlageS durch die ge- samte Welt und beglückwünschte Kellogg zu seiner Arbeit, die zur Ausdehnung deS ursprünglich zweiseitigen Vertrages auf alle Staaten der Welt geführt habe. Er schloß mit dem Hinweis, daß dieser erste Schritt alle anspornen solle, an der Verwirklichung der im Kriegsächtungspakt niedergelegten Idee mitzuarbeiten.
Der Reichspräsident und der Reichsaußen- minister halten an Hoover Glückwunschtelegramme geschickt.
Der zweite Entlastungszeuge Walden, der Leiter der Bezirksvereinigung Katwwitz bekundete, daß er kein« der dem Angeklagten
Die Sekretärin des Geschäftsführer Ulitz Emma Kleber erklärte, die Bescheinigung könne nicht von ihr stammen, weil das Signum fehl«, das sie auf jeden Brief zu setzeff pflegte
Paris, 25. Juli. Der Morgenprefle zufolge soll die gerichtliche Untersuchung der bei den Kommun,stenführern beschlagnahmten militärischen Schriftstücke ergeben haben, daß es sich bei der Vorbereitung des Roten Tages am 1. August tatsächlich um eine Verschwörung gegen die Staatssicherheit handele. Die verhafteten Werber würden voraussichtlich vor das Schwurgericht oder den Staatsgerichtshof ge- stellt werden. Zur Verhütung von Zwischenfällen habe die Regierung für den 1. August alle Kundgebungen In Lokalen und alle öffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel verboten.
Die Maßnahme wurde am Mittwoch abend in einer Versammlung des ständigen Verwaltungsausschusses der sozialistischen Partei erörtert. Dieser Ausschuß nahm eine Entschließung an, in der er gegen die Unterdrückung der Kundgebungen durch die Polizei Einspruch erhebt.
Bei der Bezirksvereinigung Kattowitz angestellt war, sagte aus, sie hätte keine von Ulitz unterschriebenen Schriftstücke mit Stempeln versehen.
Das „entlarvte" Deutschland
Eigene Drahtmeldung
Mae-onalös
Abrüstungsplane
im Lichte der englischen öffentlichen Meinung.
London, 25. Juli. Der am Mittwoch von Ramsey Macdonald angekündigte Beschluß der Regierung auf Kürzung des englischen Flottenbau-Programms wird von bett' Morgenblättern in größter Aufmachung verzeichnet. Einwände werden vorläufig gegen den Beschluß kaum erhoben. Nur in der Einschätzung der aktuellen Bedeutung des Reaierungsbeschlusses gehen die Meinungen insofern auseinander, als der größte Teil der Presse die Abrüstungsgeste an sich in den Vordergrund stellt, die rechtskonservativen Organe dagegen Gewicht darauf legen, daß «s sich nur um eine Verlangsamung int Bautempo handele. Die Zweckmäßigkeit der britischen Geste als politisches Mittel in den weiteren Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten wird jedoch durchweg anerkannt.
Verschwörung gegen -ie Staatsstcherheit Die Pariser Kundgebungen am 1. August verboten.
bekundete, daß er kein« Der dem Angeklagten zur Last gelegten Bescheinigungen ausgestellt habe. Zu dem fraglichen Dokument ,Bialu- cha" erklärt der Zeuge, daß dieses nicht in seinem Büro geschrieben worden fei.
Oberregierungsrat Graf Matuschka von der Regierung in Oppeln erklärte, bei den Akten Bialuchas habe sich keine Bescheinigung gefunden, der zufolge Bialucha deutsch gesinnt und militärpflichtig sei, sich ober feiner Militärpflicht durch Flucht entziehen wolle. Bialucha sei, da er aus dem Heeresdienst geflüchtet sei, die Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland versagt worden.
Hierauf wird Polizeikommissar Mentzel als Zeuge vernommen, der ebenfalls erklärte, daß das Gesuch B. als Anlage nur eine Mii- gliedkarte des Volkskunde- enthielt. Direktor Range bestätigte, daß von Witz eine Mit- teilung an die Bezirksvereinigungen vorausge- zangen sei, daß die Mitgliedsausweise unter keinen Umständen als Paß verwendet werden dürften.
Eine schöne Geste oder mehr?
(Eigener Drahtbericht).
Sechzehn Weißgardisten hingerichtet
MoSkau, 25. Juli. Aus Chabarowsk wird gemeldet: Die staatliche politische Verwaltung stellte fest, daß seit Juni russisch.' weiße Emigranten mit direkter Unterstützung chinesischer Behörden eine rege Tätigkeit an der Sowjetgrenze des fernen OstenS zu entwickeln begannen, um Eisenbahnbrücken und Munitions- depots zu sprangen, andere Anschläge zu verüben sowie weißgardistische Banden aus Brr brecherelementen zu rekrutieren. Bom 17. bis 20. Juli wurde im Amurgebiet eine Reihe russischer Weißgardisten feftss.nommen, welche die Grenz« zu dem gleichen Zweck überschritten hatten. Die staatliche politische Verwaltung verurtenilt« in der Gerichtssitzung vom 23. Juli von den feftgengntmerLn Weißgardisten 16 zum Tode. Daß Urteil ist bereits vollstreckt worden.
Warschau, 25. Juli.
Die Absage der Reichsregierung, dem polnischen Vorschlag gemäß schow am 25. d. Mts. die deutsch-polnischen HandelMertragSverhand- lungen auszunehmen, gibt der heutigen Polnischen Presse den willkommenen, aber durch nichts begründeten Anlaß zu der einheitlichen Feststellung, Deutschland untergrabe die Handelsvertragsverhandlungen mit Polen.
Unbekümmert um die in der deutschen Antwortnote angeführten Gründe, di« die Reichsregierung veranlaßt haben, den überstürzten polnischen Vorschlag abzulehnen, erklärt der .Expreß Poranny", das an die Wand gedrückt« Deutschland sei nun entlarvt. Die deutsche Note sei ein weiterer Beweis dafür, welche Richtung die Reichsregierung bei den deutsch- polnischen Vertragsverhandlungen verfolge. Seit Jahren verzögerten sich die Handelsvertragsverhandlungen trotz der fast unerschöpflichen Geduld (?) von fetten Polens.
Die halbamtliche «Epoca* fügt wörtlich hinzu: „Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Reichsregierung unter den verschiedensten Vorwänden die ' Handelsvertragsverhandlungen mit Polen verschleppen möchte. DaS Interesse der deutschen Großagrarier überwiegt daS Interesse an einer wirtschaftlichen Befestigung der Beziehungen zwischen beiden Ländern. (Zu diesen unglaublichen Anschuldigungen der polnischen Blätter ist zu sagen, daß Deutschland trotz der kaum diskutierbaren Forderungen, die Polen in den Verhandlungen stellte, immer wieder versucht hat, die Verhandlungen zu einem befriedigenden Abschluß zu bringen. D. Red.).
Im Ulitz-Prozeß wurden gestern zunächst die letzten Belastungszeugen vernommen. Hauptmann I n a s i n s k i vom Bezirkskommando Königshütte erklärte, daß jährlich etwa 150 Deserteure int Bezirk Königshütte festzustellen seien. Es sei aber schwer, zu sagen, ob es sich hier um Personen polnischer oder deutscher Nationalität handele.
Die Schriftsachverständigen
Der von der Anklagebehörde gestellte Schriftsachverständige Professor K r o l-Krakau gab dann fein Gutachten dahin ab, daß die während der Verhandlung vollzogenen Unterschriften des Angeklagten alle Merkmale und Anzeichen aus- weisen, wie die auf den Befcheinungen fowie auf dem inkriminierten Akt Bialuchas. Durch die Verteidigung wird der Sachverständige ziemlich in die Enge getrieben. Er muß schließlich zugeben, den genauen Nachweis über feine mikrometrischen Messungen der Steigungshöhe der einzelnen Buchstaben usw. nicht vorlegen zu können, da er Notizen darüber für nicht notwendig erachtet habe.
Der von der Verteidigung geladene Sachverständige Kwiczynfki, Oberkontrolleur beim Verkehrsministerium in Warschau, führt aus, daß das vorliegende Material außerordentlich schwer zu prüfen fei. Es lasse sich durchaus kein Urteil abgeben, ob die Unterschriften gefälscht oder echt seien. Auch die Vergrößerung der Unterschrift sei nicht ausreichend, da sie die Merkmale der kleinen schlechten Unterschrift nur in vergrößertem Maßstabe wiedergeb«.
Zwischen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung kam es zu einem Zusammenstoß. Von der Verteidigung war der Antrag gestellt worden, den Schriftsachverständigen und Letter der graphologischen Abteilung des Polizei- instituts in Lausanne, Dr. Bischof als Sachverständigen zuzuziehen. Der Staatsanwalt lehnte diese Sachverständigen ab. da es dem polnischen Gericht und der polnischen Behörde nicht möglich sei, den Sachverständigen, da tr Ausländer sei, später gegebenenfalls zur Rechenschaft zu ziehen. Das Gericht beschloß schließlich, Dr. Bischof zuzulaflen, jedoch nur. wenn es die Sachlage erforderlich mache Am Nachmittage wurde in die Vernehmung der
»Bietgenoretle: einbetmtfdte ®eld>äft Sanjet gen die mm «Sette, 11 4. auswärtige Beschatt».
1 anjeiaen öle mm-Setle 11 4. eamtlienanjetae« bie mm-Seüe 11 4. Kleine änietgen an» RafTel da» Wort 7 4. auswärtige Kleine Anzeigen die mrn-Zetle 11 ^.Reklamen dte rnrn-Letle 45 4. Cffertaebüöt 25 4 bei Zustellung 85 A\. Rechnungsbeträge innerhalb 5 Tagen »ablbar. tzür die Richtigkeit aller durchFernsprecher ausgegebenen An,eigen sowie füt Aulnahmeoaten und Pliuze kann nicht garantiert werden Bür Anzeigen mit besonder» schwierigem Satz 100 Prozent Ausschlag. Postscheckkonto SranEfurt a. M. 6380.
Schanghai, 25. Juli. Nach einer Meldung aus Nanking hat der chinefifche Gefandte in Berlin an feine Regierung berichtet, der russi- fche Botschafter habe ihn informiert, daß die Sowjetregierung nicht gewillt fei, die Vermittlung der drei Mächte anzunehmen. Die russische Regierung ziehe es vor, mit China in direkte Verhandlungen zur Beilegung des Streitfalles über die ostchinesische Eisenbahn einzutreten. Der bevollmächtigte Vertreter der Sowjetregierung, Serebriabow, ist bereits in Chardin eingetroffen, und man erwartet, daß die Verhandlungen zur Bereinigung der Streitfragen demnächst ausgenommen werden.
Die Krise dürfte damit als beseitigt gelten. Auch der chinesische Berkehrsminister erflärte in einem Interview, daß es sich nicht als notwendig erweisen würde, die Streitfrage dem Völkerbund zur Entscheidung zu unterbreiten, und daß China und Rußland allein imstande seien, sie zu lösen.
Immer noch Verhaftungen
London, 25. Juli. Die chinesischen.Behörden Huben am Dienstag nach Charbiner Meldungen weitere 300 russische Angestellte der chinesischen Ostbahn verhaften lassen. 42 andere, darunter acht Frauen sind in Pogra- nilschnava und anderen Goenzorten verhaftet und von dort nach Chardin gebracht und ins Gefängnis geworfen worden
Paris, 25. Juli. Tie Agentur Jndupazi- fique meldet aus Nanking: Di« Regierung
London, 25. Juli.
In Beantwortung einer Anfrage erklärte Macdonald im Unterhaus: Ich bin jetzt in der Lage, eine Erklärung über die unmittelbaren Absichten der Regierung bezüglich des Flotten- bauprogramms abzugeben. Der allgemeine Standpunkt der Regierung ist, daß zwei Stand- punkte berücksichtigt werden müssen: Erstens die Bedeutung der Verteidigungsmittel, die verwandt werden müssen, und zweitens die Wirksamkeit der Sparsamkeit.
Macdonald erklärte: Sobald diM Tagung des Unterhauses mich von meiner täglichen Arbeit befreit, beabsichtigte ich, mich hauptfächlich der Frage der Seerüstungsbeschränkung zu widmen, bis ein Ergebnis erzielt worden ist. Mein Besuch in de- Vereinigten Staaten ist jetzt Gegenstand von Besprechungen, z. Zt. läßt sich der Oktober als wahrscheinlich bezeichnen.
Die Regierung habe nach gründlicher Prüfung beschlossen, alle Arbeit an den Kreuzern „Surrey" und „Rorthumberland" einzustellen, daS Unterseebootsdepotschiff „Maidstone" zu streichen, die Kontrakte für zwei Unterseeboote zu kündigen und Werk- und andere Flottenbauten zu verlangen. Was das Flottenbauprogramm 192D 30 betreffe, so werden auf jeden Fall vor dem Herbst keine Verpflichtungen ein» gegangen werden.