Letzte Depeschen
Bluttat im Polizeibüro
Belgrad, 24. JuN.
Ein in Haft genommener kommunistischer Agitator verübte gestern abend in Ragusa eine schwere Bluttat. Der Kommunistenführer Josef Tschillan, der im Zuge von Sarajewo nach Ragusa verhaftet wurde, sollte auf dem Polizeibüro der Station vernommen werden. Hier angelangt zog er plötzlich einen Revolver und feuerte auf einen ihm gegenüberstehenden Gendarmen einen Schutz ab. Der Getroffene stürzte nieder und war sofort tot. Hierauf sprang Schillan aus dem Fenster in den Hof und versuchte von dort zu entkommen. Einige sich ihm dort entgegenstellende Polizisten schotz er ebenfalls nieder und versteckte sich in einem grotzen Holzlager. Obwohl ein grotzes Polizeiaufgebot die ganze Nacht hindurch das Lager umstellte, konnte er bis jetzt noch nicht ausgesunden werden.
Feuer im Moor
Eine Torfstreufabrik eingeäschert.
Emden, 24. Juli. Gestern nachmittag gegen 2 Uhr geriet das Jpweger Moor nördlich von Oldenburg in Brand. Infolge des heftigen Westwindes verbreitete sich das Feuer mtt großer Schnelligkeit und hatte gegen 5 Uhr nachmittags die große Torfstreusabrik Strückhausen erreicht. Die Fabrik wurde mit sämtlichen Maschinen und sämtlichen Torsbeständen ein Raub der Flammen. Inzwischen war das Feuer aus einer Breite von 300 bis 500 Meter vier Kilometer vorgerückt und hatte den Eisenbahndamm Oldenburg—Brake erreicht. Sämtliche Feuerwehren der Umgebung waren bereits nachmittags alarmiert, konnten aber wenig ausrichten, da fast kein Waffer vorhanden war. Nachmittags 5 Uhr wurden alle Reserven der Oldenburger Ordnungspolizei eingesetzt, und abends acht Uhr zwei Kompagnien der Reichswehr. Erst nachdem Gräben ausgeworfen worden waren, gewann man Gewalt über das Feuer. Außer der Torfstreusabrik sind acht Arbeiterhäuser niedergebrannt. 70 bis 80 Leute sind obdachlos geworden.
Der Thüringer Etat verabschiedet
In der gestrigen Plenarsitzung des Thüringischen Landtages wurde der Gesamtetat des Landes im ordentlichen Etat in Einnahme mit 159 631 650 Rm., in Ausgabe mit 167 824 150 Rm , also mit einem Fehlbetrag von 8 192 500 Rm., verabschiedet.
Zeppelin rüstet zur Amerikasahrt
Friedrichshafen, 24. Juli.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin", das nach einer Ankündigung Dr. Eckeners am 1. oder 2. August nach Amerika starten soll, von wo es die große Reise um die Welt unternimmt, wird jetzt fahrbereit gemacht. Augenblicklich werden nach dem befriedigenden Ergebnis der Probeläufe mit den neuen Koppelungen die Motoren wieder eingebaut. In den nächsten Tagen wird das Luftschiff zu einer Werkstättensahrt über den Bodensee aussteigen.
Dr. ing. h. e. Dorpmüller
der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahngesell- schaft, vollendet am 24. Juli das 60. Lebensjahr. In diesen Tagen, in denen der Streit um den Bests der Ostchinesischen Eisenbahn einen Krieg zu ent» segeln droht, ist es besonders interegant, dah Dorv- müller von 1908 bis 1917 im Dienste der Chinesischen Staatsbahn gestanden hat, an deren Organisation und Ausbau er maßgebenden Anteil hat.
Bergmannslos
Waflereinbruch in der Grube. — Zwei Berg- leute getötet.
Hamborn, 23. Juli.
Auf Schacht IV der Bergbaugruppe Hamborn der Vereinigten Stahlwerke ereignete sich in der vergangenen Nacht eine schwerer Grubenunfall. Auf der fünften Sohle wurden zwei Bergarbeiter während ihrer Arbeit von einem Wassereinbruch überrascht, der so stark war, daß sich die beiden Leute nicht mehr in Sicherheit bringen konnten. Sie wurden von mitstürzenden Gestetnsmassen getötet. Beide Verunglückte waren verheiratet. Der Wassereinbruch mutzte abgedichtet werden, worauf die Verunglückten erst geborgen werden konnten. Der Betrieb ist nicht gestört. Die Bergbaubehörde hat eine Untersuchung eingeleitet.
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In den Tod gefahren.
München, 23. Juli.
Auf der Fahrt nach München geriet heute nacht ein Motorradfahrer und sein Sozius, als sie dem neben der Stratze sahrenden Zug zu- winkten, auf die linke Stratzenseite, wobei das Motorrad auf ein entgegenkommendes Auto auffuhr. Beide Motorradfahrer wurden bei dem Zusammenprall sofort getötet.
Schwerer Auwunfall bei Utrecht.
Berlin, 23. Juli.
Als heute nachmittag der Führer eines Kraftwagens auf dem Wege Utrecht-Doorn einem Radfahrer, der die Stratze überquerte, ausbiegen wollte, wurde er gegen den Pseiler der Elektrizitätsleitung geschleudert, wo er auf einer Seite vollkommen aufgeriffen wurde. Von den Insassen wurden acht schwer und drei leicht verletzt; vier Verletzte befinden sich in Lebensgefahr.
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Ein Gefchäftsviertel durch Feuer vernichtet.
Quebec, 24. Juli. In dem Orte Wain- wright, 125 Meilen östlich von Edmonton tm Staate Alberta, brannte das danze Geschäfts- Viertel ab. Der Schaden beläuft sich auf 750000 Dollar.
Der fliegende Glaubensbote
Die „Miva" und Hauptmann Köhl.
Die ersten Pioniere der weißen Raffe in wilden Ländern sind stets die unerschrockenen Glaubensboten gewesen, die, von religiösem Feuer erfüllt, dem Christentum und europäischer Kultur die ersten Wege bereiteten. Mit übermenschlichen Krästen drangen sie in das dunkelste Afrika, in die Savannen Amerikas und die verlorenen Steppen Chinas vor, um den staunenden Kindern der Natur von einem ihnen bis dahin fremden Gotte und fernliegenden Ländern zu erzählen. Im Dienste ihres Glaubens legten sie Tausende von Kilometern zurück und ebneten die Bahnen, auf denen später die weltlichen Vertreter der weitzen Raffe nachrückten, um Handelsbeziehungen anzuknüpfen und Kolonisativnsbestrebungen auf» zunehmen.
Heute noch liegen viele Missionsstationen weit jenseits der geschützten Grenzen im Fnnern laupt erforschter Länder, wo die Macht des weißen Mannes keinen Einfluß mehr hat. Nur unter den erschwertesten Umständen in wochenlangen Reisen aus Ochsen- und Pferdewagen. oft zu Fuß. der glühenden Sonne un* der eisigen Nachtkälte ausgesetzt, von Fieber wilden Bestien unter Tieren und Menschen be droht, erreichen viele Missionare ihren exponierten Bosten.
Die Tätigkeit der Missionare in Afrika und Asien ist vor allen Dingen durch die primitiven Verkehrsbedingungen gefährdet und wenn erst die schlechte Jahreszeit eingetreten ist, dann wird oft die Tätigkeit der einzelnen Miflionsstatwnen auf den kleinsten Kreis eingeengt oder sogar häufig völlig lahmgelegt. Der Missionar muß über eine eiserne Gesundheit, beherrschte Nerven und eine nie versagende Schlagfertigkeit verfügen, denn wenn er krank oder überfallen werden sollte, ist er einzig und allein auf sich selbst angewiesen, da ihm Hilfe ost erst nach Monaten gebracht werden könnte. Wegen dieser Verhältnisse können zahllose Missionare zwanzig und mehr Jahre lang ihre Station int Busch, in der Steppe oder dem Urwald nicht verlassen.
Ein ganz modern orientierter junger Missionar aus dem Rheinland, der Pater Schulte, dem Orden der Oblatenpatres angehörig, hat sich daher schon vor längerer Zeit der Aufgabe unterzogen, das katholische Misionswesen durch die Organisierung eines regelmäßigen Flugverkehrsdienstes zu reformieren.
Vor allem rief der Flugmiflionar Schulte die „Miva" (Miflions-Verkehrs-Arbeits-Ge- meinschaft in Köln) ins Leben, die das modernste Verkehrsmittel in den Miflionsdienst zu stellen plant. Pater Schulte, der Leiter des von ihm gegründeten Instituts, ist ein Kriegskamerad des Hauptman Köhl. Der junge Missionspriester ist nun im Begriffe, seine Pläne in die Tat umzusetzen, nachdem er verschiedene Bedenken in kirchlichen Kreisen zerstreut und die nötigen Vorarbeiten getroffen hat, um in dem ausgedehnten Wüstengebiet des Nordens von Südwest-Mrika einen kombinierten Waffer-, Land- und Lustverkebr mit drahtloser Telegravhie einzurichten. Der künftige Verkehr in dem zu bearbeitenden Missionsgebiet Wird von zehn Kraftwagen, drei Motorbooten und mehreren Flugzeugen bestritten werden.
Bisher brauchte man zur Ochsenwagenreise durch dieses Gebiet ein Vierteljahr, während man in Zukunft in einem Flug von fünf Stunden diesen Landstrich durchqueren wird. Haupt- mann Köhl hat sich seinem alten Kriegskameraden Pater Schulte ehrenamtlich als technischer Berater beigesellt Auch Major Fitz- maurice soll seine technischen Erfahrungen zur Verfügung gestellt haben. Der erste große
Missionsflug durch Afrika wird zu Anfang des nächsten Jahres stattfinden. Hauptmann Köhl und Pater Schulte werden diesen Flug durchführen, an dem wahrscheinlich auch ein Miffi- onsbischos als Fahrgast teilnehmen wird.
Das Flugzeug wird in den Großstationen der Missionsgebiete zwischenlanden, weil aber nirgends Betriebsstoff und Ersatzteile für die Maschinen stationiert werden können, muß das Flugzeug für die ganze Flugdauer alles Nötige mit sich führen. Die G e fa h r e n dieses lieber» landfluges sind nicht zu unterschätzen. Vor allem wird dieser erste Missionsslug zur Orientierung dienen, um die beste Flugroute auszukundschaften und nachzuprüfen, wo das Gelände für die Errichtung von Flughäfen am geeignetsten ist.
Für Frauen verboten!
In der englischen Fabrikstadt Birmingham gibt es ein Wirtshaus, das in ganz England und weit darüber hinaus berühmt ist. Touristen aus dem Inland und dem Auslande pflegen nicht vorüberzugehen, ohne im „Schwanen" Einkehr zu halten, der merkwürdigen alten Herberge, über deren Pforte in großen Buchstaben die Worte geschrieben stehen: „Eintritt für Frauen verboten." Das Wirtshaus selber wird von einer Frau geleitet. Sie hat durchaus nichts gegen ihre Geschlechtsgenossinnen. Aber sie mutz die Tradition, schon aus Geschäftsrücksichten, wahren. Denn seit undenklicher Zeit besteht die Bestimmung, datz feine Frauen zugelassen werden sollen. Auch sonst wird man in dem Wirtshaus an die gute alte Zeit erinnert. Tas Mobiliar und die ganze Ausstattung sind so unmodern, als man nur wünschen kann. Die Gerichte werden von der Wirtin selbst nach ganz alten Rezepten zubereitet und persönlich von ihr serviert. Und da das Essen vorzüglich war, fand das Wirtshaus stets großen Zuspruch. Für die Männer hatte es einen besonderen Reiz, einmal „ganz unter sich" zu sein. Aber an einem Tage im Jahr sollte auch die Neugierde der Frauen befriedigt werden. Das war zu Weihnachten. Da durften sie mitkommen. Schon um sich zu überzeugen, daß in dem Wirtshaus alles manierlich zuging. Jetzt soll, wie englische Blätter berichten, das Wirtshaus abgebrochen werden. Vielleicht entsteht daraus ein Kino oder ein Varietee. Jedenfalls aber eine Sache mit Frauen.
Am Triglaw abgestürzt.
Belgrad, 23. Juli.
Auf dem Triglaw (Terglou), dem höchsten Berg der Julischen Alpen, ereignete sich ein schweres Touristenunglück. Von einer Gruppe von vier Touristen, die von der Nordseite her die Spitze ersteigen wollten, stürzten zwei Touristen in den Abgrund. Einer der Abgestürzten, ein Laibacher Beamter,"war auf der Stelle tot, der andere wurde schwer verletzt.
• Die Stadt der Wolkenkratzer. In New - York wird demnächst mit dem Bau eines neuen 58stöckigen Wolkenkratzers an der Ecke der Fünften Avenue und 42. Straße, der „World's croß-road", begonnen werden. Dies ist das zweitteuerste Gelände der Welt. Der Boden kostet hier etwa 112 000 Mark per Fuß; in der teuersten Gegend, Wall-Street Nr. 1, kostet der Fuß 120 000 Mark. Der neue Wol- kerckratzer hat zwar ein Stockwerk weniger als das berühmte Woolworth-Gebäude, wird dafür aber nicht als Turmbau errichtet, sondern voll ausgenutzt. Er wird Läden und Banken und in den oberen Stockwerken Büroräume enthalten.
Die heutige Nummer umfaßt lü Seiten
Verantwortlich für Mlittk und Feuilleton t. B.: Dr. Walter Pehnt: süV den lokalen und Heimatteil: Dr. Hans Joachim G l a d e r: für den Handel. Kurt Paul: für den Sportteil i. B.: H. Speich: Photo» redakteur: Eduard Schulz-Kessel: für den An- zeigenteil: K. W a ch s m a n n. — Druck und Verlag: Kaffeler Neueste Nachrichten G. m. b. H„ Kassel,
Kalis Opfer
Von Hanna Fechner-Riehm.
Bhaguan, der junge Sannpasi, der wandernde Heilige, zog mit seiner Mutter Ramabai, bet Brahmanenwitwe, durch die Wüste Thar. Schlank und hell war der Knabe, mit schmalen Hüften und zierlichen Gelenken, schwebenden Ganges. Edel thronte der schön geformte Kopf mit den lockigen schwarzen Haaren den klaren Augen, den Sonnenbrunnen, auf Dem langen Hals. Aus Bengalen, aus den weiten Ebenen des Stromes Hugli, waren sie bierher gezogen. Bhaguan kannte Durst und Hunger, kannte Fasten und Kasteien, denn mit der Mutter, der innig geliebten, tat er Büßer- fahtt für den Tod des Vaters, Pandit Dava- nath, der vor Jahresfrist gestorben war. Wohl hatte ihn der Vater gelehrt seit seiner Kindheit, die Hvmnen zu fingen, die Slekas der Weden zu wiederholen, und seine Welt waren die Upanischabs der Götter, der Strahlenden und Lieblichen, der Starken und Schrecklichen, die das Weltall in der hohlen Hand tragen und die Geschicke der Menschen durch Aeoueu hindurch in zahllosen SSieoergeburten bestimmen. — Dem Kult der Schwarzen Dewi, der Kali Weib des Schöpfers und Zerstörers Schiwa, war er mit ganzer Seele ergeben, der Entsetzlichen, die durch Seuchen und Pocken ihren Auserlesenen ihr Mal aus die Stirnen drückt. — Sein Karma stufenweis zu erfüllen, leuchtender und schöner jedesmal wiederzukehren, bis er in den Strahlenden aufgehen konnte, davon träumte er, wenn er in den stillen Stunden der Meditation — des Dhvan — mit gekreuzten Beinen, das Haupt gesenkt, dieAugen geschlossen-bewegungslos, lächelnd dasaß.
„Schon nahen wir uns dem Schrein der Großen Göttin, der Maha Dewi, mein Sohn", weckte ihn die Stimme der Mutter aus seinen Träumen. „Die dritte Wache ist angebrochen, und vor Sonnenuntergang müssen wir das Ziel erreicht haben." Sie wanderten weiter. Vor ihnen ragte, jenseits eines schmalen Pal
mengürtels, ein niedriger schwarzer Höhenzug, — vulkanisches Gestein, voll ausgebrannter kleiner Krater. In dem Palmendörflein rasteten sie ein wenig und bereiteten sich bei Sonnenuntergang zum Opfergang an den Schrein der Großen Göttin, der zwischen dem schwarzen Gestein versteckt lag. Auf einem wohlbetretenen Pfad wandelten sie nun, mit ihnen viele andere Pilger, Greise, Männer, Frauen und Kinder. Die meisten krank, entstellt von der verheerenden Seuche der Pocken... Ringsum aber- — unbändige Farbengluten, die sich über Wüste und Palmen, über schwarzes Gestein und über den funkelnden Strom in der Ferne ergossen ... Schon tönen die Glocken des Schreins, und die singenden Stimmen der Priester.
Vor dem niedrigen Eingang des Höhlentempels liegen, sitzen, hocken die Anbeter, stumpf oder entzückt, oder mit schmerz- und trauererfüllten Gesichtern... Stumm, mit höchster Erwartung im Blick, steht der Jündling neben der Mutter, der Büßerin, und blickt in das Dunkel des Schreins, aus welchem ein heißer Dunst und ein matter Schimmer bringt „Wer, o ihr Frommen, bringt der Dewi ein Opfer? Es trete ein!" Rasch tritt der Jüngling vor, berührt die silberne Glocke und steht gebeugten Hauptes, die Hände auf der Brust gekreuzt, vor dem Bild der Schrecklichen. In rätselhaftem Feuer glimmen ihm die Diamantaugen des Götterbildes entgegen. Im ungewissen Flakkern des hochgestielten Tempellämpchens sieht er die hingeworfenen Anbeter liegen und wirft sich neben sie. Schauer durchrinnen ihn — Fieber scheint ihn zu schütteln. Aus einer engen Oesfnung, fast einem Spalt nur, dringt ein seltsames Röcheln. Da schallt die Stimme des Priesters: „Drinnen in der Kammer, o ihr Gläubigen, könnt ihr das höchste Opfer bringen, denn die Göttin heischt ein lebendiges Opfer, einen reinen Knaben, damit die Menschen vom Fluch des ewigen Verderbens erlöst werden und ihr Karma reise zur Wiedergeburt. — Dort liegt der Sterbende! Wer setzt die Kette fort? — Wer weiht sich der Großen Göttin In bet herrlichsten tat, im. freiwilligen Tode?"
Aufrecht, leuchtenden Auges, schreitet Bhaguan, der Junge, der Strahlende, der Liebling der Mutter, wirst sich vor der Großen Göttin nieder als Todgeweihter, — bewegt sich, platt auf der Erde liegend, in die dunkle Höhle, aus der das letzte Röcheln des von den schwarzen Blattern entsetzlich entstellten Sterbenden tönt, — legt sich an seine Seite, umschlingt ihn mit den Armen, den Namen der Maha Dewi an» rufend.
Und da der Tote hervorgezogen wird, liegt Bhaguan krank, ein Opfer der tödlichen Seuche, die grausige Kette fortsetzend, besinnungslos murmelnd — Als man der Mutter, der armen Büßerin, sagte, daß ihr Sohn „flurban" geworden sei, ein Opfer der großen Göttin, neigte sie sich und betete an.
Kleine Komoren
Ein guter Herr, ein gutes Pferd.
Nach dem Niedergang Polens nahm Tadeusz floseiuszko, der Held des letzten politischen Aufstandes gegen die Russen, zuletzt seinen Aufenthalt in der Schweiz. Ein befreundeter Diplomat nahm ihn gastfrei auf. Die Herzensgute und bezaubernde Einfachheit des alten Feldherrn waren berühmt. Immer, wenn er es vermochte, gab er, der in feiner Heimat alles verloren hatte, von dem Wenigen, das ihm geblieben war. Bezeichnend für seine Art ist folgende Geschichte: Nach dem Tode flosciuszkos (1817) wurde sein geringer Nachlaß versteigert.
Ein Schweizer erwarb das Pferd, auf dem der polnische Verbannte in den letzten Jahren täglich auszureiten pflegte. Allein kurze Zeit später brachte er es den Erben zurück.
„Ich vermag es nicht zu behalten", erklärte er. „Sooft ich einem schlecht gekleideten Menschen begegne, bleibt die verdammte Mähre stehen und geht nicht eher weiter, bis ich nicht in die Tasche gelangt und dem Wanderer ein Geldstück gereicht habe."
Von floseiuszko war das kluge Tier daran gewöhnt, sofort und ohne besonderen Befehl, vor jedem Armen haltzumachen, dem dann eine Gabe gereicht wurde.
Rundfunk
Programm der Sender Frankfurt und Kassel Donnerstag, den 25. Juli 1929.
6,30: Morgengymnastik. Anschließend: Wetterbericht und Zeitangabe. 12.30: Schallplattenkonzert: Instrumental-Terzett Freundorser. (Silber — Harmonika — Klavier). (Tri-Ergon-Platten.) <$> 3,10 bis 3,45: Stunde der Jugend (unter Leitung von Mittelschulrektor K. Wehrhan): Spielzeug und Träume, vorgetragen von Jlse-Helene Roettgen: 1. Der Lössel. Softe Reinheimer. 2. Der kleine Teddybär, Ilse Obrig. 3. Die Lustreise, Jlse-Helene Roettgen. °K 3.55—4,05: Hausfrauendienst (unter Leitung von Jini Pfannes. — Werbeveranstaltung): Die Konsumentin zur Konsumentin. <$> 4,15 bis 6,00: Nach Stuttgart Konzert des Rundfunkorchesters: 1. Ouvertüre zur Over „Don Zuan": 2. Zwei Sätze a. d. Sinfonie in Es-Dur (..schwancn- gefang" Werk 543) a) Andante, bi Menuett: 3. Recttativ und Arte der Susanne aus „Figaros Hochzeit", „Endlich nabt sich — O säume länger nicht": 4. Andantino a. d. Konzert für Flöte und Harte «Werk 299): 5. Zwei Lieder: a) Abend» empsindung: b) Warnung, Mozart: 6. Türkischer Marsch (aus Werk 331). Musikalische Leitung: Kapellmeister R. Merten. — Mitwirkung: Erna Arnold (Sopran), Rose Stein (Harte) und Otto Grunmach (Flöte). Musik Joies Strauß. *> 6,10 bis 6,30: Lesestunde. — Aus dem Roman „Die andere Seite" von Alfred Kubi». <$> 6,35—6.55: Bon Kassel: „Erholung und Sport in den Ferien . Vorttag von Stadtmedizinalrat Dr. Kedtng. 6,55—7,15:
„Reife nach Rußland". Vortrag von Wilhelm Kahl. 4> 7,15—7,45: „Wo uns der Schuh drückt". Interviews mit Jedermann. IV. Arbeitslose. z» 8.15 bis 10,15: Nach Stuttgart: Die Luftkuticke. Rundfunkkabarett. Programm u. a.: „Dasselbe in Mann". Scherz von Friedrich Kartnthy. <$> 10.15—11.15: Von Kaffel: Svätkonzert des I. Kaffeler Mandolinen- Lrchesters 1913 E. V.: 1. Fantasie aus „Alessandro Stradella, Flotow. 2. „Plaifir d'Amour" (Liebesfreude), Romanze, Martini. 3. „In stiller Nacht" Noeturno, Hermann Hungerland. 4. „Marionetten (Gitarrenchor mit Mandolinen-Orchefter, Ritter. 5. a) Romanze, Mertz: b) „Ftngals Höhle" (Gitarre- Solo Karl Israel), Mertz. 6. Thernberger Hoch- zeitsftück'ln aus Oesterr. um 1800. 7. Duo factle (leichtes Duett) für 2 Gitarren. Call. 8. Ungarischer Ta«, Nr. 6. Brahms. 9. „Luba", Polca Russe. S-uwin. Leitung: Hermann Hungerlaud.
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