Einigung über den Tagungsort?
(Eigener Drahtbericht).
eine Bedeutung erhalten, hie ihr sonst wohl versagt geblieben wäre.
Der deutsche Botschafter bet vrtand.
Paris, ?o. Juli.
Der deutsche Botschafter v. Hoesch hatte Freitag eine neue Unterredung mit dem Autzenminister Briand. In dieser Unterredung wurde, wie in den verschiedenen Besprechungen der letzten Wochen, die Vorbereitung der bevorstehenden Regierungskonferenz erörtert. Der deutsche Botschafter hat bei dieser Unterredung, wie der „Temps* zu berichten weist, nochmals den Wunsch Deutschlands, die Konferenz möglichst schnell etnzuberufen, zum Ausdruck ge. bracht.
Abgeblitzt!
England- OstafrikaplSne vor dem MandatS- auSfchuß
Genf, 20. Juli.
„Maßstäbe" für Me Abrüstung
Tokio, 20. Juli.
Nicht sehr aufgeregt ist die City, fiebert nicht, wie sonst, wenn irgendwo in der Welt kriegerische Verwicklungen drohen. Man glaubt nicht an einen russisch-chinesische« Krieg, will wenigstens nicht daran glauben. England braucht Frieden, Weltfrieden, den« wie soll eS sonst sein großes Nebel, die Arbeitslosigkeit, loswerden k Soll man Granaten drehen — unparteiisch, voll wohlwollender Neutralität für beide Parteien? Das ist ja ein Geschäft und gibt Beschäftigung für viele Arbeitslose, aebr es dauert doch nicht lange, und hinterher ist's umso schlimmer. Dann haben die guten Kunden Rußland und China, ble von Englands Industrie jahrzehntelang mit Friedenswaren versorgt werden können, ihr bißchen Geld im KriegSluxus verpulvert, und die Er« wer^slosenkrise käv.e wieder, nur noch viel schwerer und mit mehr Gefahren für Englands innere Ordnung.
Irgend jemand — das meint man auch hier =_ muß den Chinesen den Rücken stärken. Ganz auf sich allein angewiesen, hätte China ein solche« Vorgehen nicht gewagt, wenn auch die Wilttärische Lage für China günsttger ist, alS
Di« Ständige Mandats-Kommission des Völkerbundes hat gestern ihre 15. Tagung ab« gestossen. Die Kommission hat diesmal eine Reihe sehr wichtiger Fragen behandelt, darunter die wirtschaftliche Gleichberechttgnng sämtttcher Swatsangehöriger der Mitglied-
Dte gestrige Kabtnettssitzung befaßte sich zum großen Teil mit einer Erörterung der Rüstungsbeschränkung, nachdem Außenminister Baron Schidehara einen Bericht über die Frage erstattet hatte. Es verlautet von zuständiger Sette, daß die Hauptpuntte, die bei dieser Zusammenkunft vereinbart bczw. früher festgestellt wurden, im wesentlichen folgende sind:
1. Japan ist bereit, an einer Abrüstungskonferenz teilzunehmen, die eine positive Rüstungsverminderung und nicht nur eine Beschränkung bezweckt.
2. Japan ist bereit, sich hinsichtlich bei Zu- sammentunftSorteS und der Vorbereitungen den englisch-amerikanischen Entscheidungen anzuschließen.
3. Japan wünscht nicht, Gastgeber einer solchen Konferenz zu fein.
4. Japan, wird di« einfachst mögliche Gestalt bei „Maßstabes" für bU Abrüstung unterstützen. ___,___,___
Rewyork, 20. Juli.
Nach Mitteilungen aus Washington hat Etiinfon bereit- die Vermittlung im chinesischruffischen Streit ausgenommen. Gtimso« empfing die Botschafter von Frankreich, England und Japan. Er bat sie, sich ans Grund de-> Biermächte-Abkommen- von 1921 den Vorstellungen in Moskau uiib Nanking anzuschließen. Der Staatssekretär berief auch den italienischen Botschafter zu sich, da die italienische Regierung den Wunsch geäußert hatte, in Anbetracht ihrer Interessen in Ostasien mit einem diplomatischen Schritte Amerikas vertraut gemacht zu werden.
lieber die Beurteilung der amerikanischen Vermittlungsaktion wird bekannt, daß die Wortführer der Sowjet-Regierung sich bereit erklärt hätten, den Kellogg-Patt zur Grundlage weiterer Verhandlungen zu machen. Auch der chinesische Gesandte in Washington hab« in einer Unterredung mit Staatssekretär Stimson eine zusagende Antwort erteilt. Obwohl der Kessogg-Vertrag formell noch nicht in Kraft getreten sei. beabsichtige China nicht, in der gegenwärtigen ruffisch-chinefischen Meinungsverschiedenheit Gewalt zu gebrauchen.
Eine amttiche Note der chinesische« Regie- rung auf den telegraphisch übermittelten amerikanischen Bermtttlungsvorschlag liegt allerdings noch nicht vor. Trotzdem erklärt« Slim- so« bereits bem Präsidenten Hoover, daß die Nanking-Regierung den Verpflichtungen bei Kellogg-Paktes nachkommen werde.
SDaren!
W. J». Der Zahlenrausch der Inflation ist längst verflogen. Rur wenige werden sich i« die Welt, in der die Millionen, Milliarden und Billionen ihr gespenstisches Unwesen triebe«, zurücksehnen. Ganz spurlos aber sind dies« Zeiten an niemandem vorübergegangen; wir sind uns dessen vielleicht nicht mehr bewußt, aber selbst heut« kann man noch ihre« Einfluß erkennen. Der Begriff des Sparens, so oft auch von ihm geredet wird, ist vielen immer noch nicht wieder in Fleisch und Blut überaegangen. Das gilt nicht nur für manche Kreise unseres Volkes, sondern das hat auch seine ganz besondere Gültigkeit für die Gemeinschaften, in die wir hineingestellt sind, für das Reich, für di« Länder und die Gemeinden.
staaten des Völkerbundes in den unter Mandatsverwaltung stehenden Kolonien. Sie ist gerade in diesem Punkt zu Entschlüssen gekommen, di« eine befriedigende Regelung dieser Frage erwarten lassen.
Auch die Frage der Zwangsarbeit in den Kolonien ist eingehend behandelt worden. Von Seiten des deutschen Vertreters in der Kommission Geh. Rat Dr. Kastl, wurde außerdem verlangt, daß die MandatSmächte noch einmal an ihre Pflichten erinnert werden, di« von ihnen die Organisatton ausreichender öffentlicher Gesundheitsdienste in den Kolonien fordern.
Auch die von England projektierte Vereint* gung des ehemaligen Deutsch-Ostasrika mit angrenzenden englischen Kolonien ist eingehend besprochen worden. Der Plan hat bei der. Kommission eine sehr reservierte Beurteilung gefunden, die für die englische Regierung Anlaß sein dürste, das Projett nicht zur Durchführung zu bringen.
Der japanische Botschafter in Washington hat das SchriftsÄck über die Ratifizierung des KelloggpakteS durch bi« japanische Regierung erhalten. Er wird «S am kommenden Mitt- woch dem Staatsdepartement feierlich übergeben. Mit Ja l-M haben alle stink--w; '-er Ori- gtnalunterzeichner des KelloggparteS 2:e Ratifikationsurkunden hinterlegt, sodaß der Patt am Mittwoch Wirksamkeit erhält.
.Times" meldet weiter aus Washington: Auf die soeben erfolgte Demarche der Vereinigten Staaten in dem russisch-chinesischen Konflikt werden hier große Hoffnungen gesetzt Falls eS gelinge« sollte, dem Ausbruch von Feindseligkeiten vorzubeugen, so wird, tote
Zu Verhandlungen bereit!
Eigene* Drahtbericht.
die der Sowjets. Der heimliche Freund könne aber niemand anderes sein als Japan. Denn di« Vertreibung der Sowjet- aus der Mandschurei und die Sicherung der schon bestehende« japanischen Interessen in diesem ungeheuren Gebiet, aus dem ads Jnselreich die für seine Ernährung so wichtige Sojabohne und di« für seine Industrie so wichtige Wolle in Massen bezieht, könne Tokio nur willkommen sein. Ostasien den Ostasiaten. Das wäre das Motto der sotojetWiidlichen Politik bei Herrn Wang. Lieber di« Japaner in der Mandschurei, als die Europäer. Ei wäre die Durchführung einer ostasiatischen Moroe-Doktrin, die sich viel- leicht auch noch auf anderen Gebieten austoir- ken wird-
Japan ratifiziert
London, 20. Just.
London, 20. Juli.
Reuter meldet aus Paris über die gestrige Unterredung zwischen Briand und Lord Threll «S heiße, daß bi« britische Regierung einer Stadt auf dem Kontinent als Zusammenkunftsort zustimme, jedoch unter der Bedingung, daß sie nicht soweit von London entfernt ei, wie Luzern oder Lausanne. Die französt- ch« Regierung ziehe zwar fmmer noch eine Stadt in der Schweiz vor, sei aber zu einer Vereinbarung mit der britischen Regierung gelangt.
Es werbe in Paris angenommen, daß Briand und Lord Threll einen Vorschlag vereinbart haben, der be« anderen interessierten Mächten unterbreitet werden soll. Sollte dieser Vorschlag angenommen werden, so würde es möglich fein, den Zusammenkunftsort Anfang nächster Woche bekannt zu geben. Borläustg werde der Kam« der gewählten Stiwt geheim ^halten.
Mehr Tempo!
In dem erwähnten Viermächte-Abkommen, das zwischen dem Britischen Weltreich, Frankreich, Japan und den Vereinigten Staaten abgeschlossen wurde, sind besonders die Artikel 2 und 6 wichtig. Artikel 2 siebt die Sicherheit der Rechte und Besitzungen dieser vier Vertragsmächte in den fernöstlichen Gebieten vor. Artikel 6 dieses Vertrages bestimmt, daß int Falle einer Bedrohung oder eines Angriffes auf die Rechte einer oder aller dieser Mächte die vertragschließenden Parteien sich miteinander in Verbindung setzen und in einem öffentlichen Meinungs-Austausch über die wirksamsten Maßnahmen sich einigen sollen, um der bestehenden Lage am wirksamsten begegnen zu rönnen.
Amerikas Vorschläge übermittelt!
Paris, 20. IM. Wie aus Moskau gemeldet wird, hat derfranzöstsche Botschafter in Moskau Jean Herbette am späten Abend der Freitags von Außenminister Briand ein Telegramm erhalten, in dem er beauftragt wird, Schritte in der Frage der amerikanischen Vermittelung in dem russisch-chinesischen Streit zu pnernehmen. Jean Herbeite hat die dem stellverttetenden Außenminister der VermittlungSwünsche Am erlas bem stellvertretenden Außenkommissar bereits zur Kenntnis gebracht. Wie verlautet, find die amerikanischen Vermittlungswünsche auch der chinesischen Regierung bereits bekannt gegeben worden.
Was London denkt
London, 20. Juli.
Obwohl das Schicksal des AoungplaneS noch nicht endgültig entschieden ist, so ist eS doch notwendig, daß wir uns schon jetzt auf die Anforderungen, die durch den Sachverständigenplan Deutschland zugemutet werden, einstellen. Di« schweren Lasten, die man uns ausbürdet, können nur aufgebracht werden, wenn die drei Ziel« die der Reichsfinanzmintster mit den Worten „Sparsamkeit, Steuersenkung und Kapitalbildung* kennzeichnet«, erreicht werden. Nach Mitteln und Wegen zu suchen, di« nach diesen Zielen führen, ist unsere wichligst« Aufgabe für feie nächsten Monate. Gerade der Gedanke von der Notwendigkeit des Sparens muß aber immer wieder in den Vordergrund gerückt werden, weil seine Verwirklichung zugleich eine der Hauptvoraussetzungen für die Durchführung der Steuersenkung und für die Ansammlung neuen Kapitals ist. Zeit ist nicht zu verlieren, denn wenn der Youngplan wirklich in Kraft tritt, müssen die Vorbedingungen dafür geschaffen sein, daß die Vorteile der ersten Schonjahre auch wirklich der deutschen Wirtschaft und dem deutschen Steuerzahler zugutekommen.
Jeder der drei Faktoren, die unser öffentliches Leben beherrschen, das Reich niefit weniger als Länder und die Gemeinden, K* -ht heute noch seine Sünden wider die Gesetze der Sparsamkeit. Der Reichsetat ist zwar nach langen Verhandlungen und nach mancherlei Abänderungen schließlich unter Dach und Fach gebracht worden, aber nichts wäre verkehrter, als wenn man sich durch diese Tatsache zu dem Glauben verleiten lassen würde, daß nun alles in bester Ordnung sei. Schon die zuletzt bekannt gewordenen Monatsergebniffe mit ihrem Minus an Einnahmen und ihrem Plus an Ausgaben, wiesen darauf hin, daß durchgreif- fendere Maßnahmen als die Flickarbeiten, die am letzten Etat vorgenommen wurden, notwendig sind, wenn der Reichshaushalt wirklich in Ordnung gebracht werden soll. Und diese Maßnahmen können sich nur auf eine Verminderung der Ausgaben erstrecken, den« mit vollem Recht wird immer wieder betont, daß eine Aufbesserung der Einnahmeseite durch Steuererhöhungen nicht in Frage kommen kann. Schon die Tarsache, daß auf jedem Kopf der deutschen Bevölkerung 215 Mark Steuern ruhen, verurteilt alle etwaigen Gelüste nach Auflegung neuer oder nach Erhöhung bestehender Steuern.
Sparen ist also das einzige Mittel, baS bie finanziellen Nöte des Reiches beseitigen kann. Unb es gibt noch Möglichkeiten zum Sparen, barüber kann kein Zweifel bestehen. Die vor einiger Zeit erschienene Denkschrift, in feer der Reichsrechnungshof seine kritischen Einwendungen zu dem Etat des JahreS 1925 niedergelegt hatte, wies an einer langen Reihe überraschender, ja erschütternder Beispiele nach, in wie starkem Maße von manchen Reichsämtern gegen den gefunden kaufmännischen Grundsatz, daß sich feie Ausgaben nach feen Einnahmen zu richten haben, gesündigt wird. Die Mißstände, die der Rechnungshof aufdeckt, lwgen zwar in der Regel soweit zurück, daß der Schade nicht mehr gutgemacht werden kann, trotzdem kann sich aber die Arbeit dieser Behörde sehr nutzbringend auswirken. Und zwar dann, wenn sie das Reichsfinanzmtnisterium anregt, bet den anderen Reichsämlern immer wieder mit Energie auf Innehaltung feer durch den Etat festgesetzten Ausgabengrenzen hinzuwirken. Mag eS sich bei diesen Ausgabeüberschreitungen, denen der Reichsrechnungshof auf die Spur gekommen ist, oft auch nur um Kleinig- ketten, um Freiflugscheine, um unnötige Dienstreisen und ähnliche unliebsame Scherze Han- deln, schließlich werden aus den Hunderten doch Tausende. Und vor allem muß den Reichs-
Beginn der Friedensaktion
Die amerikanischen Dermiitlungswünsche bekannigegeben / Sin Triumph des Kelloggpaktts?
TtrtüUOrt erwartet die „Bremen"
Newqork, 20. Juli. Das Publikum wartet auf das erste Einlaufen des neuen Lloyd- dampsers .Bremen" so interessiert, daß bereits jetzt großer Andrang nach Karten zur Besichtigung des SckiffeS während des Aufenthalts des Schisses im Newtzorker Hasen herrscht. Bisher wurde« 8000 Karten ausgegeben.
Amerika kann es sich leisten!
Washington, 20. Juli.
Wie im Weißen HauS mitgeteUt wurde, rechnet man mit einer Erhöhung der jährlichen Staatsausgaben um schätzungsweise 240 bis 300 Millionen Dollar. Allein dar Gesetz über die Farmerhilfe wird 150 Millionen 'M Jahre beanspruchen. Außerdem weisen die Ausgabenvoranschläge für öffentliche Arbeiten Post usw. beträchtliche Steigerungen auf.
Kölns 40 MlMonen-Anlewe
Köln, 20. Juli
Die Kölner Stadtverordnetenversammlung genehmigte in geheimer Sitzung die Aufnahme einer Inhaber-Anleihe in Hohe von vierzig Millionen Rm. im Inland. Der Betrag ist bestimmt zur Ablösung der am 1. Oktober 1929 fälligen Anleihe von 1926 über 36 Millionen Rm. zuzüglich zwei Millionen Rm. für Min- bererlose. Die neue Anleihe soll mit 8 Proz. verzinst und zu 96 Prozent aufgelegt werde«. Die Laufzeit beträgt zwei Jahre, redoch erfolgt Rückzahlung auf Parikurs.
Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Stummer 169 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig Sonnabend/Sonntag, 20/21, Juli 1929 Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig. 19. Jahrgang
Geschäft«» zeigen aui [amen 6te „.. ----------- innerbeö
ird) Sernwrecher aufgegehenen Anzeige«
Hessische Abendzeitung
Natzrtchten erscheinen wöchentlich sechsmal «ach!
»en Monat bei freier Zustellung ini ‘ PP rf* Durch N» Poft monatlich 2.30 Jt auchchsi