Kasseler Abendzeitung
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Freitag, 19. Z«tt 1929
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Kasseler Neueste Nachrichten
' • Hessische Abendzeitung
Kriegsausbruch im Femen Osten venneidbar?
Letzte Bemühungen um den Frieden / Japan und anscheinend auch Amerika zur Vermittlung bereit
Empörung in Rußland
Verbinder! wird.
3n Erwartung öer »Bremen
Newyork. 19. Juli.
Di« Jungfernfahrt der Bremen wird hie: mir dem größten Interesse verfolgt. Die BlLt-
Wie aus Nanking gemeldet wird, hat der Vorsitzende des gesetzgebenden Rate» der Mine- fischen Republik, General Hunhamin am Don-
Peking glaubt nicht an «rieg
Peking, 19. Juli.
Kowno, 19. Juli.
Wie auS Moskau gemeldet wird, hat die chinesische Antwortnote eine tiefe Empörung in der gesamten Sowjet-Unton hervorgerufen. In Moskau, Leningrad, Kiew, Odessa und anderen Städten hielten die Arbeiter große Protestversammlungen ab, in denen die sofortige
Bereitwilligkeit erklärt wird, die Sowjet- , grenzen zu verteidigen.
nerstag eine öffentliche Erklärung über den politischen Streit zwischen China und der Sowjetregierung abgegeben. In derselben heißt es u. cl, daß die Nanking-Regierung von der letzten Note der Sowjet-Regierung über den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwi- chen beiden Ländern Kenntnis genommen habe. Der chinesische Geschäftsträger in Moskau habe Anweisung erhalten, Moskau zu verlassen und ich nach China zu begeben. .
Hunhamin erklärte weiter, daß bte chinesische Republik einen Einfall Rußlands in die Nordmandschurei nicht fürchte, im übrigen aber der Auffassung sei, daß oie russische Regierung alles versuchen werde, eine kriegerische Auseinandersetzung zu vermeiden.
Newyork, 19. Juli.
Die gesamte amerikanische Presse geht in langen Artikeln auf die bedrohliche Lage in Lstasien ein, die auch ausführlich im Weißen Hause und im Staatsdepartement besprochen wurde. Sowohl der japanische Botschafter, als auch der chinesische Gesandte hatten längere Besprechungen mit Staatssekretär Stimjon. Wie gerüchtweise verlautet, beabsichtigt Japan, die Vermittlung zwischen Rußland und China zu übernehmen. Die Meldungen deuten an, daß auch die Möglichkeit einer amerikantschen Vermittlung bestehe, wenn Amerika von beiden Parteien darum ersucht würde. „Newyork World« schreibt, Amerika sei zur Vermittlung moralisch verpflichtet. „Newyork Herald" mes- det aus Washington: Trotz der Nichteinmr- schungspolitik der Vereinigten Staaten sei bte Tür der amerikanischen Vermittlung zur friedlichen Regelung der russisch-chinesischen Streit- frage nicht verschlossen.
In Kreisen des amerikanischen Staatsdepartements rechnet man nicht mit dem Ausbruch größerer Feindseligkeiten. Die amerikanische Regierung hat sich bisher darauf beschränkt, den amerikanischen Konsuln und übrigen Vertretern in China gewisse Mitteilungen zugehen zu lassen, deren Inhalt noch bekanntgeqeben wird. ~ .
Heber die mögliche Anwendung deS KriegS- verzicht-Paktes legt man sich in Washington strengste Zurückhaltung auf. Irgendwelche Beschlüsse in dieser Hinsicht sind offensichtlich noch nicht gefaßt, und das Staatsdepartement neigt dazu, vorläufig erst die weitere Entwicklung abzuwarten. „
Der ehemalige Staatssekretär Kellogg hat Pressevertretern, die ihn über die Spannung zwischen China und Rußland befragten, erklärt, diese beiden Länder hätten den Pariser Nichtangriffspakt IfKelloggpakt) unterzeichnet, und er nehme an» daß die beiden Völker ihre Unterschrift achten und nicht zu Feindseligkei- te» schr F*n werden-
Propaganda durch Flugzeuge
Schanghai, 19. Juli. Wie die chinesischen Blätter erklären, beabsichtigt die Nankingregierung nicht, auf die letzte russische Note, die >en Abbruch der Beziehungen erklärte, zu erwidern. „ ,
Nach Meldungen auS russischen Quellen haben sowjetrnsstsche Flugzeuge m der nördlichen Mandschurei über chinesischem Gebier Flugblätter abgeworfen, in denen die Prole- icrrier Chinas aufgefordert werden, die Sow- etregierung zu unterstützen. Me es weiter beißt, werden die russischen Handelsschiffe au? dem Blagovschensk zusammengezogen, wo bte Möglichkeit besteht, große Truppenmassen in kürzester Zeit in die Mandschurei zu werfen.
England neutral!
London, 19. Juli.
Der diplomatische Korrespondent des Daily Telegraph berichtet zum russisch-chinesischen Konflikt: Amtliche Kreise sehen die Lage keineswegs als wirklich ernst an und sind der Meinung, es würde außerordentlich töricht von Rußland sein, China in dem Augenblick anzu- greiien, in dem Moskau bestrebt sei, eine Regelung mit Großbritannien herbeizuführen. Die halbamtliche Haltung Großbritanniens in dem Konflikt sei streng neutral.
Hinsichtlich der englischen Versuche, die Beziehungen mit Rußland wieder aufzunebmen, will „Morningpost" wissen, daß Rußland die englischen Bemühungen zurückgewiesen habe. Hendersons Note, in der er darum ersuchte daß ein Vertreter der Sowjetregierung nach London kommen solle, um alle für die Wiederaufnahme der Beziehungen in Betracht kommenden Fragen wie antibritische Propaganda und die Regelung der russischen Schulden zu erörtern, sei in Moskau ungünstig ausgenommen worden. Moskau sei, wie es heiße, nicht bereit, diese Vorbedingung für eine Anerkennung zu erörtern. Die Sowjetregierung bestehe darauf. daß Verhandlungen über diese Punkte auf dem regelrechten diplomatischen Wege nach der Wiederausnahme der Beziehungen zwischen den beiden Regierungen gesührt würden.
Vertrauen zu Deutschland
Berlin, 19. Juli.
Die deutsche Regierung hat die Vertremng der chinesischen Interessen in Rußland und der russischen Interessen in China übernommen. Die chinesische Regierung hat diesen Wunfch heute durch ihren Gesandten in Berlin, dem Auswärtigen Amr vorgetragen, während sich die russische Regierung durch den deutschen Botschafter in Moskau, v. Dircksen an t« deutsche Regierung gewandt hat. In beiden Fällen hat die deutsche Regierung zugesagt.
In dieser Tatsache darf man eine Anerkennung der Friedensarbeit sehen, die Deutschland auf seine eigenen Kosten und zugunsten des Weltfriedens in den letzten Jahren geleistet hat. Und in der Tai har Deutschland nur das eine Interesse, mit allen Kräften daran mitznarbei- t«n, daß wie jeder andere Krieg, so auch der Krieg zwischen der Sowjetunion und China
Das in Winniza und anderen Garnisonen stationierte Militär hat die Sowjettegierung ersucht, unverzüglich Maßnahmen gegen die Chinesen zu ergreifen, und bereits einen Tagesverdienst dem sogenannten ,Abwehrfonds" zugehen lassen. Desgleichen haben die Arbei- ter der Ukraine und Weißrußlands Sammlun- gen veranstaltet, die sofort nach der
Auflage der dritten Jndustrialifierungsanleihe für die Zeichnung derselben verwendet werden sollen.
Der Ausschuß für die Beschaffung von Staatsanleihen und für die Hebung der Spartätigkeit hat das Präsidium des allrussischen Zentralvollzugsausschusses ersucht, in Anbetracht der Empörung der breiten Volksmassen gegen die chinesischen Kriegshetzer die Auflegung der dritten Jndustrtalisierungsanleihe zu beschleunigen.
* * *
Peking, 19. Juli. Die Regierung der Außenmongolei hat nach Meldungen aus Urga dem sowjetrussischen Gesandten erklärt, daß sie gemäß dem Militärbündnis mit Rußland die Sowjet-Union unterstützen werde. Die mongolische Regierung erklärte weiter, daß sie schärfste Maßnahmen zum Schutze der mongolischen Grenze gegen mögliche Einfälle von chinesischer Seite getroffen habe.
W Generalprobe des Kellogg-Pattes (Eigene Drahtmeldung).
ter berichten ausführlich über die Fahrt. Die .Bremen" wird bei der Ankunft an der Quarantänestation von einem städtischen Emp- angsausschutz begrüßt werden. Bürgermeister Walker wird Dienstag nachmittag das an Bord bei „Bremen" befindliche Flugzeug auf den Namen .Newyork" taufen.
Ins Garn gegangen
Bad Ems, 19. Juli. Ein Einwohner auS Diemethal befand sich am Sonntag in Gesell- 'chaft einiger Fremden. Er klagte ihnen seine Arbeitslosigkeit, woraus ihn die Fremden nach Koblenz bestellten, um ihm dort Arbeit zu verschaffen. Er fuhr dorthin und blieb seitdem verschwunden. Am Donnerstag teilte er seiner Frau in einem Briefe mit, daß er Werbern der französischen Fremdenlegion ins Garn gegangen sei. Es sei ihm jedoch geglückt, zu entkommen. Er befinde sich bereits auf dem Heimwege, fei jedoch völlig mittellos.
„Bauer auf dem Schachbrett"
Waldows Rolle im Stinnes-Prozetz.
Berlin, 19. Juli.
Unter der drückenden Hitze erlahmte auch das Interesse am Stinnes-Prozetz. Der Saal ist leer selbst die Anklagebank weist große Luk- ken auf, das Gericht hat die Angeklagten, deren Plädoyers beendet sind, beurlaubt. Rechtsanwalt Ehlers sucht an Hand dieser Ergebnisse die Auffassung des Staatsanwalts, daß die Geständnisse von Waldow in der Voruntersuchung
zweifellos der Wahrheit entsprachen, zu widerlegen. Er betont, daß in v. Waldow ein gewisses Hatzgefühl gegen Sttnnes entstanden sei. Waldow sei nicht die Hauptperson in diesem Prozetz, sondern nur ein Bauer auf dem Schachbrett, aber man könne König Stinnes nicht mattsetzen, wenn der Bauer nicht geschlagen wird. Das Geständnis oder der Widerruf des Geständnisses des Angeklagten v. Waldow sei der Schlüssel für das Urteil gegen Stinnes. Deshalb habe man v. Waldow sieben Wochen lang in Haft behalten, denn nur über v. Wal- dow konnte man an Stinnes herankommen.
Zu einer Sensation kam es, als Rechtsanwalt Ehlers einen Eventualantrag darüber anlünbigte, daß Landgerichtsrat Brühl als Untersuchungsrichter versucht habe, den früheren Oberbürgermeister von Hannover und jetzigen Rechtsanwalt in Altona Dr. Bucerius zu be- einslussen, günstig für v. Waldow auszusagen. Der Vorsitzende machte darauf aufmerksam, Hatz man bann ja erneut in bie Beweisaufnahme eintreten müßte.
Wenn keine neuen Verzögerungen eintreten, bann wird das Urteil am Donnerstag der
Die Ueberschwemmungen in Uleinasien
London, 19. Juli. Die Ueberschwemmungen in Kleinasien nehmen nach Konstantinopler Meldungen entsetzliche Ausmaße an. Die Zahl der Toten wird nunmehr mit 1000 angegeben. Große Teile der Bevölkerung suchen Zuflucht in den Bergen, da die Talgebiete mehr und mehr für die Bewohner unzugänglich werden.
Englands Mumungs-BocbMilungen
(Eigener Drahtbericht).
London, 19. Juli.
Die Räumung des Rheinlandes wird heute von dem politischen Mitarbeiter des „Daily Mail« als bevorstehend bezeichnet. Wie der Mitarbeiter hört, sind nunmehr alle Vorbereitungen für die Räumung soweit vorgeschritten, daß Vorsorge für die Unterkunft der zurück- kehrenden britischen Truppen bereits getroffen wurde. In verschiedenen Landesteilen werden Baracken instand gesetzt, und verschiedene Unterkunftslager für die zurückkehrenden Regimenter geräumt.
rung bringen wollte. _ Im politischen Leben spielten nicht bie Militärs, sondern bte Regie- rungen eine Rolle.
Marin erklärte auf einen Angriff bei So- zialichen Grumbach, bie Räumung fei eine Gefahr und eine Unmöglichkeit, wenn Frank- reich bezahlt werden wolle. Unter größtem Tumult bei Linken eikläite Grumbach, er kenne Deutschland besser. Er fei überzeugt, daß für die Sicherheit Frankreichs bie Besetzung des Rheinländer nicht notwendig sei.
In einer Nachtsitzung, bie um 22 Uhr begann, wurde bie Aussprache fortgesetzt.
Streit um ben Tagungsort
Paris, 19. Juli.
„Marin" erklärt: In gewissen französischen Kreisen ist man erstaunt, daß baS Foreigrr Office die letzte Note des Quai d'Orsay über die Wahl des Tagungsortes bei Repataiions- konfeienz noch nicht beantwoitet hat. Tatsächlich hat bet englische Botschafter in Paiis Tyiell von feinet Regierung bereits bie et- forberlichen Anweisungen erhalten und «artet offenbar nur bas Ende der Kammerdebatte über bie Ratifizierung der Schuldenabkommen Frankreichs ab, um mit PoincarS über alle schwebenden Fragen und besonders übet die Wahl deS Tagungsortes zu konferieren.
Von gutunterrichteter Seite wird zu den Ausführungen des ,Matin" gesagt: Wenn das Blatt unter Hinweis darauf, daß die französische Regierung an dem Gedanken der Abhaltung der Konferenz in einem neutralen Lande etwa der Schweiz, festhalte, von einem neuen englischen Vorschlag für bie Zusammenkunft in einem Otte Hollands ober Belgiens <Hifen wolle, so müsse diese Nachricht mit der größten Vorsicht ausgenommen werden.
Die Ewig-Gestrigen
Marin über die „Gefahren der Räumung«
Paris, 19. Juli. Die Debatte über die Ichuldentallfizterung nahm Donnerstag in der Kammer ihren Fortgang. Die Aussprache bot wenig Interesse, da die Redner meist bte bereits früher vorgetragenen Argumente für ober gegen die Schuldenratifizierung wiederholten. , _
Außenminister Lriand griff in bte Auseinandersetzungen ein und beklagte, daß man die Militärs und besonders den verstorbenen Marschall Foch in einen Gegensatz zur Regie
Der bolschewistische Bazillus
Französische Abwehrmatznahmen.
Paris, 19. Juli. Die eggen bie Huma- nit6" eingeleitete polizeiliche und gerichtliche Untersuchung, die zu den gemeldeten Haussuchungen geführt hat, wird möglicherweise auf hie kommunistische Partei ausgedehnt werden. Diese hat nämlich neuerdings eine besondere Kolontalabteilung, die offenbar feine andere Aufgabe hat, als UtVuhen tn den französischen Kolonien zu stiften und bte Eingeborenen gegen Frankreich auszuhetzen. Das Propagandamaterial dieser Abteilung ist in die Hände der Polizei gefallen Seine Sichtung wird beweisen, daß die meisten der ernsten Zwischenfälle in den französischen Kolonien von der kommunistischen Partei orga- nisiett und finanziert worden stnd.
Die bei der Durchsuchung der Näul*x der »Hnmanitö" feftgenommenen Ausländer, ein Italiener und ein Pole, sind nach dem „Petit Parisien" ausaewiesen und unter Bedecküvg über die belgische Grenze abgeschoben worden.
Älalienifch-fi-anzöflscher GkenzzwischenfaN
PattS, 19. Juli.
Aus Briangon wird gemelbet, daß eine etwa 120 Mann starke Abteilung des btttten italienischen Alpenjäger-Regiments bie französische Grenze bei Col des AeleS Übertritten und auf französischem Boden etwa 100 Meter vorrückte. Offiziere der Abteilung kamen bis tn die Nähe der französischen Militärbaracken und kehtten eist um, als sie auf der Sttaße französischer Polizei begegneten.