Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
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Nummer 167 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.
Donnerstag, 18. Z«N 1929
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig. 19. Jahrgang
Abbruch -er russisch-chinesischen Beziehungen
Rußland erklärt die chinesische Antwort für unbefriedigend / Einstellung des Bahnverkchrs
Rauhe Wirklichkeit
►et
poln. - litauische Plänkeleien
baten wieder zurückzogen.
Die Monörakete
Französischer Versuchsballon
(Eigener Drahtbericht).
Aufruf zur Einigkeit
Bett
gewählt.
BlatteS von der Polizeibehörde Dabei wurden auch militärische ge-
wurde ein leitet deS untersucht.
Loudon. 18. Juli
Hier wird der amtliche Text von zwei Reden deS Präsidenten Tschiangkatsche! bekanntgegeben. In der Rede vor der Ran-
Jn der Sitzung des japanischen Kabinetts erklärte der Kriegsminister, daß nach amtlichen Mitteilungen des japanischen Außenministeriums die Sowjet-Regierung an der russisch- chinesischen Grenze 50 000 Mann gut bewaffneter Truppen zur Verfügung halte. Die chinesische Regierung besitze gegenwärtig an der Ostbahn 150 000 kampfbereiter Truppen. Der Kriegsminister, schilderte die Lage in der Mandschurei als sebr bedenklich und betonte, daß Japan nnumebr vor die Notwendigkeit gestellt sei, zum russisch-chinesischen Konflikt Stellung zu nehmen.
Urrö Japan?
Tokio, 18. Juli.
Russische Spionage in Paris
Paris, 18. Juli.
Auf Anordnung der Pariser Polizeipräfekten wurde in den Räumen der kommunistifchen
„Humanite" ein« Haussuchung vorgenommen und militärische Geheimakten gefunden. Mehrere Personen wurden verhaftet. Seit einiger Zeit treffen die Kommunisten große Vorbe- reitungen für den 1. August, den roten Tag. Die Ueberwachung des „HumanitL^-Gebäudes wurde angeordnet. Am Mittwoch nachmittag daS Gebäude verlassender Schrift-
anf litauische Flößer. An demselben Tage versuchten polnische Soldaten, litauische Flöß», di« aus litauischer Seite lagen, fortzunehmen. Zu diesem Zwecke waren einige polnische Soldaten über die Demarkationslinie gekommen. Di«
Kammer den Regierungsentwurs unter ehnung sämtlicher Zusatzanträge an. Der ...ichterstatier Uhry demissionierte und an seiner Stelle wurde der Abgeordnet« P«rnot von der Gruppe Marin zum Berichtersiatter
London, 18. Juli.
Aus Worchester (Massachusetts) wird gemel» bet: Lniversttätsprosefsor Goddard versuchte am Mittwoch, aus einem eigens dazu erbauten vierzig Fuß hohen Turme eine Mondrakete ab» zuschießen, woran er siebzehn Jahre gearbeitet hatte. Die Rakete ging etwa 1000 Fuß in die Höhe und explodierte dann mit einem meilen» weit hörbarem Knall, wodurch die Fensterscheiben der Universität in Trümmer gingen. Die Reste der Rakete fielen zu Boden, richteten aber keinen Schaden in der Stadt an. Unter der Bevölkerung herrschte große Auflegung. Polizei und Feuerwehr, die schnell herbeigeeilt waren, fanden jedoch nur den Professor und feine Assistenten bei den Trümmerretzen der Rakete. Die Rakete war neun Fuß lang und hatte einen Durchmesser von 28 Zoll. Sie enthielt Gase, deren Beschaffenheit geheimgehalten wird. Durch Serien-Explosionen sollte eine ungeheure Geschwindigkeit deS Raketengeschosses erzielt werden.
Berlin, 18. Juli.
Nach einer Blättermeldung aus Memel haben die Polen eine etwa 300 Meter lange und 100 Dieter breite Insel im Merkine-Fluß, die an der Demarkationslinie liegt und zu Litauen gehört, sich angeeignet und jetzt dort eine verstärkte Wache eingerichtet. Von dieser Ins«! schossen die polnischen Grenzbeamten dieser Tage auf die litauische Grenzpolizei und
Sorgen um -en Dollar
London, 18. Juli.
Heime Schriftstücke bei ihm gefunden. Bei der daraufhin sofort durchgeführten Haussuchung in dem kommunistischen Gebäude, daS von der Polizei umstellt wurde, wurden verschiedene Schriftstücke beschlagnahmt. Unter ihnen befand sich ein vertrauliche- Rundschreiben des Kriegsministers und Generalstabspläne, Photographien von französischen RüstungSgegen- ständen, Berichte über See- und Landstreitkräfte usw. Man hat den Eindruck, der Hauptstelle einer großangelegten Spionage zugunsten Rußlands auf die Spur gekommen zu fein.
W. P. Der goldene Federhalter, den der Bürgermeister von Le Havre dem Vater des Kriegsächtungspaktes, Frank Billings Kellogg, für den Unterzeichnungsakt überreichte, hat ichon längst in irgendeinem Museum oder im Prunkzimmer irgendeines Amtsgebäudes als historisches Erinnerungsstück ein würdiges Plätzchen gefunden. Fast «in Jahr ist seit Di feierlichen Stunde, in der Briand im Uhrensaal des Pariser Auswärtigen Amtes den neuen Pakt als „wahren Vertrag der Eintracht" grüßte, vergangen. Elf Monate hat eS gedauert, bis endlich im Washingtoner Staatsdepartement die Ratifikationsurkunde sämtlicher Unterzeichnerstaaten beisammen waren. Nachdem aber vor kurzem nun auch die Herren aus Tokio ihre Urkunde abgeliefert hatten, war für Herbert Hoover der Augenblick gekommen, di« Einladungskarten für di« Zeremonie, durch die der Kelloggpakt in aller Form in Kraft gesetzt werden soll, zu verschicken. Wieder werden am 24. Jull bei dem Frühstück der Diplomaten ein paar festliche Reben gehalten werden; wieder wird, wie von Briand in Paris „das vom nationalen Egoismus gereinigte Gewissen der Völker" gefeiert werden, und am Ende wird wieder von dieser Washingtoner Zeremonie nur der Eindruck eines mehr oder minder feierlichen Schauspiels übrigbleiben, das aber „ach ein Schauspiel
Paris, 18. Juli. Vor der zivilrechtlichen Kommission der Kammer äußerte sich Justiz- miuister Barthou zu dem von der Regleruug etngebrachten Amnestiegesetz für die elsässischen Autonomisten. Der Berlchterstatter der Kom- Mission, der sozialistisch« Abgeordnete Uhry, hatte in seinem unlängst von der Kommission gutgeheißenen Bericht die Ausdehnung der Amnestie auf all« politischen Verurteilten gefordert. Barchou erklärte, daß die Regierung diese Erweiterung der Amnestie unter keinen Umständen annehmen werde. Daraus nahm die Kammer den Regierungsentwurf unter Ablehnung sämtlicher Zusatzanträge an. Der
Internationalen ZahlungSbank aus und führte aus, es sei richtig, daß in London ein starker Druck ausgeübt werde, damtt der Sitz der Bank nach der englischen Hauptstadt gelegt werde. „Mr selbst", meinte Stamp wörtlich, .cherlan- gen, daß der Sitz der Bank leicht zu erreichen ist. Das braucht aber nicht notwendigerweise London zu sein".
Pari«, 18. Juli.
DaS »Journal" will berichten können, daß man in gewissen englischen Kreisen zu verstehen gebe, di« internationale Konferenz zur Liquidierung des Krieges werd« um einige Wochen, eventuell sogar bis zum Monat Cftobgr verschoben werden. Man rege an, daß die englischen Staatsmänner und Briand gelegentlich der Völkerbundstagung im September sich $u« nächst darüber einigen.
tinger Militär-Akademie erklärte der Präsident bie imperialistischen Mächte zeigten sich aufgebracht Über den chinestsch-rusiischen Streitfall und versuchten nun, sich gegen China zusam- menzuschließen. Solange aber die Chinesen selbst einig seien, hätten sie von außen her keine Unterdrückung zu fürchten.
In einer zweiten Rede vor dem Vollzugsrat der Kuomintang sagte Tschiangkaischek, die Uebernahme der chinesischen Osteisenbahn fei nicht- Ungewöhnliches gewesen. Rußland habe bei verschiedenen Gelegenheiten betont, daß es die Eisenbahn in China zurückzugeben beabsichtige.
Denn die Welt gebt ihren alten Lauf weiter Der „nationale Egoismus" steht diesseits und jenseits deS Ozeans in Blüte, und in den mei- sten Ländern sucht man vergeblich nah Zeichen der neuen Zeit, die nach den Worten deS KelloggpakleS auf den Krieg „offenen Verzicht" geleistet hat. Eine bekannte Zeitschrift brachte vor kurzem eine Karikatur, di« die gegenwärtige Situation der Weltpolitik nicht schlecht beleuchtete: In einem mit Entwürfen für Kriegsschiffe ausgeschmücktem Zimmer berät sich Herbert Hoover, der amerikanische Präsident, mit einer Schar seiner Militärs. Dem Diener, der ihm die Besuchskarte des englischen Ministerpräsidenten Macdonald überreicht, gibt er die Weisung, er solle den Besucher in das Friedenszimmer führen. So liegen die Dinge heute in der Tat und zwar nicht nur in U. S. A., sondern auch in den meisten anderen Staaten. Man hat wohl eine gute Stube, ein Friedenszimmer, aber dies« gute Stube wird nur bei besonderen Gelegenheiten, wenn Festtag ift oher wenn Besuch kommt, geöffnet. Der Alltag dagegen spielt sich immer noch in den Zimmern ab, in denen an Stelle des Kelloggpaktes Baupläne für Kriegsschiffe und Festungen auf den Arbeitstischen hegen.
Einen recht merkwürdigen Auftakt für den friedlichen Att, dessen Zeuge das Washingtoner Weiße HauS in einigen Tagen fein wird, gab die Rede, di« der Unterstaatssekretär deS Kriegsdepartements Hurley kürzlich auf einem Truppenübungsplatz hielt: Auf der einen ©eite Ne Versicherungen deS KriegSSchtungSpakteS, der den Namen eines amerikanischen Staatsmannes trägt, und auf der anderen dies« Erklärungen deS Mannes aus dem Kriegsde« partement, der bie Kriegsbereitschaft als „VolkSprogramm" anpreist. Die amerikanische Polittk wird durch diesen Gegensatz überaus treffenb gekennzeichnet. Man spricht gerade in Amerika viel vom Pazifismus, und ohne Zweifel hat die Polittk der Vereinigten Staaten einen pazifistischen Zug. Freilich hat dieser Pazifismus fein ganz besonderes Gepräge. Er will den Frieden nicht um des Frieden» willen, et wünscht feine Erhaltung vielmehr nur aus dem Grunde, um dem amerikanischen Kampfmittel, das wirksamer alS Kanonen und Gewehre arbeitet, um dem Dollar fein« WirkungsmögliMeiten zu erhalten. Und dieser Auch-Pazifismus wird sich nicht scheuen, gelegenttich die kriegerischen Machtmittel in Anspruch zu nehmen, wenn sich dem Dollar auf seinem Weg« zur Weltherrschaft einmal Schwierigkeiten in den Weg stellen sollten. Mr von den Regierungen der europäischen Militär- staaten wird aber gegen diesen eigenartigen amerikanischen Pazifismus Anklage erheben können? Reden, wie sie der Unterstaatssekre- tör Hurley hielt, sind in Paris, in Rom und in Warschau nicht allzu selten und zumeist in kräftigerer Tongebung zu hören, und schließlich werden selbst die Rüstungsbeschränkungs- Pläne, die das Kabinett Macdonald, jetzt so eifrig erörtert, mehr von wirtschaftlichen Gründen, von der Erkenntnis, daß Englattt» ein Wettrüsten mit dem großen Vetter jenseits de-
London, 18. Juli. (Eig. Drahtbericht.)
In Peking wird von chinesischer Seite ein Bericht verbreitet, wonach Sowjettruppen den Versuch machten, den Amur-Fluß in der nördlichen Mandschurei zu überqueren. Di« Russen seien zurückgeschlagen worden. Von japanischer Seite in Peking verlautet, daß die russischen Truppen mit beträchtlichen Mengen von Flua- zeugen und chemischen Kriegsmitteln ausgerüstet wurden.
Die milttärischen Vorbereitungen entlang der mandschurischen Grenze halten an. Die Truppenbewegungen umfassen vor allem Ka- vallerie. Rein zahlenmäßig sind die an der Grenze zusammengezogenen chinesischen Truppen weit stärker, doch ist ihre Ausrüstung nicht annähernd so gut als die der russischen Truppen.
General Tschangsühliang, der mandscho- rische Heerführer, hat ein Telegramm deS Prä- 5deuten Tfchiangkaischek erhalten, das ihn zur iückkehr nach Mulden auffordert, um die Ber- teidigungSarbeiten an der Grenze zu leiten.
Bon der Nankingregierung wird amtlich mitgeteilt, China sei jetzt entschlossen, die chinesische Ostbahn in eigener Verwaltung zu übernehmen und den von Rußland angewendeten militärischen Maßnahmen Widerstand entgegenzusetzen. Die Eisenbahnverbindung zwischen der Mandschurei und Sibirien ist nach Charbiner Meldungen gestern nachmittag 2 Uhr unterbrochen worden.
W ersten Schüsse
(Eigene Drahtmeldung).
litauische Grenzpolizei empfing sie jedoch mit1 vbt; war. Gewehrschüssen, worauf sich die polnischen Sol«
Der Washingtoner Korrespondent der Times meldet, daß gerade in diesem Augenblick, wo das Staatsdepartement die Ereignisse im fernen Osten mit Sorge betrachte, die japanisch« Regierung bemüht sei, auf dem ame- rikauifchen Markt eine Anleihe für die süd- mandschurische Eisenbahn unterzubringen. Die Verhandlungen darüber würden von Baron Okura geführt werden. Der Korrespondent stellt fest, daß man eS im Staatsdepartement wohl kaum gern sieht, wenn die an sich schon so ausgedehnten amerikanischen Interessen in China auf diese Art ein« weitere Ausdehnung erfahren.
Die Amnestie für -ie Autonomisten
Rußlands letztes Wort
Kowuo, 18. Juli.
Nach Meldungen ans Moskau hat das Außen-Kommissariat der Sowjet-Union am Mittwoch abend um 9 Uhr dem chinesischen Geschäftsträger in Moskau eine neue Rote zugestellt. In dieser Rote wird mitgetcilt, daß die Sowjet-Regierung beschlossen hat, sofort sämtliche Vertreter der Sowjet-Union, diplomatische, konsularische und Handelsvertreter, die sich in der chinesischen Republik befinden, auS China abzuberufen. Ferner würden sämtliche diplomatische und Konsular-Vertreter Chinas sofort das Gebiet der Sowjet-Union verlassen. Der Eisenbahnverkehr zwischen China und der Sowjet-Union wird sofort unterbrochen. Gleichzeitig erklärte die Sowjet-Regierung, daß sie ihre Ansprüche auf die chinesische Ostbahn nach wie vor aufrechterhalten würde und alle Maßnahmen zum Schutze ihrer Interessen im fernen Osten getroffen habe. Im übrigen stellte die Sowjet-Regierung fest, daß die Nanking-Regie- runq in ihrer Note auf der Beschlagnahme der Oftbahn bestehe und außerdem die Bemühungen der Sowjet-Union um eine Verständigung zwischen beiden Völkern ablehne.
Die Sowjet-Regierung erklärt, durch die Haltung der chinesischen Regierung sei eine Verständigung unmöglich geworden. Die Regierung der Sowjet-Union sehe daher heute keine Möglichkeit mehr für die Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Völkern.
Gewisse englische Organe deuteten auch an, daß England und Frankreich sich schließlich auf Brüssel als Konferenzort einigen würden (Die Nachricht Hingt fo unglaublich, daß man sie zunächst nur als französischen VersuchSbal- lon werten möchte. Die Red.)
Aeparationsbank in Conbon?
Antwerpen, 18. Juli.
Der Führer der englischen SachverstänNgen« Delegatton auf der Pariser Konferenz Sir Jo» suah Stamv, Direktor der Bank von England, der fett einigen Tagen hier weilt, ertlärte dem Vertreter eines hiesigen BlatteS, daß bie deutsch-belgische Einigung in der Markflage nicht nur ein sehr gutes Ergebnis in Bezug auf Ne Ausführung deS Doungplanes darstelle, sondern daß auch die deutsch-belgischen Beziehungen immer besser würden.
Stamp sprach sich weiter über den Sitz der