Einzelbild herunterladen
 

Kaffckl Nemste Nachrichtm

Kasseler Abendzeitung

Verlas an» Druckerei: Rai

Die Saffeler Neuesten Nachrichten erscheinen wSchentlich sechsmal nachmittags. Der «hon» nementsureiS betragt für den Mouat 2.80 jT bet freier Zustellung ins Hans, in der Ge» schästsstelle abgedott 2.10 41. Durch die Poft monatlich 2.30 Jt ausfchliehlich Zuftellungsge- budr. Rückiabluna des Bezugsgeldes oder Lnsvrüche wegen etwaiger Nicht ordnungS» «ästiger Lieferung ist ausgeschlossen. Kür unverlangt einaefandte Beitrage kann die

iSvret» beträgt____________ ... ___

teste abgedolt 2.10 41. Durch die Poft monatlich

----- . lun« des Bezugsgeldes oder Lnsvrüche

«ästiger Lieferung ist anC ------

Redaktion eine Verantwort

Hessische Abendzeitung

»nzeigenvreise: Einheimische veschLstSanseiaen die «m-Zeile, 11 4. auswärtige Geschäfts» anzeigen die mm-ZeUe 11 4. Kamilienanzetaen die ««-Zeile 11 4. Kleine Anzeigen an» ßanel das Wort 7 4. auswärtige Kleine »meinen die ««-Zeile 11 4. Reklamen die ««.Zeile 45 4. Offertgebühr 25 4 (bei Zustellung 85 ITT Rechnungsbeträge innerhalb 5 Tagen »atilbar. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen sowie für Aufnahmeoaten und Plätze kann nicht garantiert werden. Kirr Anzeigen mit besonder» schwierige« Lad 100 Prozent Aufschlag. Postscheckkonto Krankfurt a. ft. 6380.

Rümmer 166 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Mittwoch, 17. Juli 1929

Einzelpreis: Sonntag» 20 Pfennig. 19. ZahkgüNg

Neuer Schachzug -er Nanklng-Reglerung

ein diplomatischer Schlitt in Tokio / Für Abschluß eines Freundschaftsvektrages

Ser$renter erste Ausreise

.(Sonderbericht unsere- Bremer Mitarbeiters.)

LiMswerben um Man

(Eigener Drahtbericht).

L

Bremerhaven, 15. Juli (an Bord des BäderdampserSRoland-, 17,45 Uhr nachmittags).

Blauer, wolkenloser Sommerhimmel über- spannt Bremerhaven»Stadt und -Rheede. Heiß brennt NachmiltagSsonne, wirft glttzernd- hellrn, breiten Goldstreifen über spiegelglatte Wasserfläche, beleuchtet scharf inselanig mitten in den Strom gebettete PanzerfortS (Langen» lütjen I" und»II*, blendet den an Deck des SalondampfersRoland- wartenden Presse­vertretern grell die Augen.

An derC o l u m b u S k o j e", nur einen Eteinwurf vomRoland" entfernt, liegt die Bremen", wuchtig, groß. Dichtgedrängt stehen ihre Passagiere auf den zahlreichen Ach» terdeckS. Riesenkräne geben mit langen, schlau» ken Eisenarmen letzte Ladung über. Ruhig vollzieht sich daS, geräuschlos, faft elegant. Post- säcke für U.-S.-A.

DerRoland" legt ab vom Pier, vor» stchtig, langsam. Unbeweglich, noch immer fest vertäut, verharrt der Koloß, der im Verlaufe einer Viertelstunde schon seine Jungfernreise »ach Rewyork antreten wird, an seinem Liege» platz.

Wir kommen näher. In ruhiger Fahrt zieht unser weißer Bäderdampfer an der Bremen" vorbei, neben der drei stark-qual» mend« Hochseeschlepper schon an den Zugtrossen zerren. Dackelhunde, neben einer großen, schwarzen Dogge.

n.

Bremen" singen mit. Winken, Rufen, Si­renengeheul, gegenseitige Flaggengrüßc.

Dann springen die Schrauben des Riesen- schisfeS an. Es gleitet fort, wird langsam klei­ner und hebt sich lange noch markant ab gegen den in Rotglut getauchten Abeudhimmel.

Schnell zieht Dämmerung heraus. Das neue große Schiff ist nicht mehr gu erkennen. Am westlichen Horizont aber schwingt dort, wo es suchendem Blick entschwand, noch lang« eine Rauchfahne über, dem Meer.

In voller Fahrt stampft unserRoland" stromauf.

W. Richter, Bremen.

pariser Ropfwäsche

Der bulgarische Autzenminister bei Briand.

Pari», 17. Juli.

Die gestrige Besprechung zwischen Briand und dem bulgarischen Autzenminister Burow hat sich den Morgenblättern zufolge aus die bulgarisch-südslawischen Zwischenfalle bezo­gen. DerSlatin11 berichtet, die bulgarische Regierung habe in Paris und London mitge- teifi, daß .sie& i-- von.SüfiflqwijH "efordcrte Einrichtung , ..«er neuttalen Gi.Lp»zr-ne ab- (ebne, dagegen die Einsetzung einer interna­tionalen Grenzkontrolle Vorschläge.Pein Paristen" schreibt: Bulgarien trage die Haupt­schuld an den Zwischenfällen, da sich diese zu­meist auf südslawischem Gebiet abspielten und da Bulgarien für die mageren Ergebnisse »er im Februar und März abgehaltenen Konferenz von Pirot verantwortlich sei.

Tokio, 17. Juli.

Der chinesische Gesandte in Tokio hat den ja­panischen Autzenminister Baron Schidehara amtlich den Abschlutz eines Freundschaftsver- träges zwischen China und Japan vorgeschla­gen. Dir Nanking-Regierung legt großen Wert auf den möglichst beschleunigten Abschlutz die­ses Vertrages, selbst wenn dir anderen wirt- schaftlichen und politischen Fragen zwischen bei- den Ländern noch nicht gelöst sind.

*

Die Absicht dieses chinesischen Schrittes ist klar; die Nanking-Regierung will sich, selbst unter gewissen Opfern in andern Fragen, durch die Verbesserung der chinesisch-japanischen Bezie­hungen einen Rückhalt für ihren Streit mit Rußland schaffen, lieber die bedeutende Rolle, die Japan in dem mandschurischen Konflikte zufällt, sind unsere Leser durch den gestrigen ArtikelSturm über Asten?" unterrichtet.

Nankings

PMng, 17. Juli.

Am Dienstag hat der chinesische Geschäfts­träger in Moskau dem Außenminister der Sow- jet-Uniou eine vorläufige Note bei chinesischen Außenministers Wang zugestellt, in der die­ser erfiärt, China hoffe, daß die letzten Strei- tigkeiten durch guten Willen auf beiden Seiten

18 Uhrl DieBremen" wirst letzt« Leinen los. Rauh heulen ihre Sirenen; kün­den gellend: jetzt geht'S loS! Nebelhörner der vielen in der Nähe wartenden Passagier» und Flußdampfer entbieten dem imposanten, von der Koje ab- und sicher in den Strom ein­drehenden gigantischen Bruder heiseren Gruß. Sie setzen sich allmählich gleichfalls in Bewe­gung.

Von Land her tönen Jubelrufe. Zehn­tausend Arme winken. Tücher flattern, am Ufer, an Fenstern kahler Hafenbauten, auf schmucken Schiffen. Flugzeuge ziehen surrend ihre Streife über der mit halber Kraft stromab- dampfenden Flotille, in deren Mitte der neue Dampfer schwimmt, majestätisch, kraftvoll.

DerRoland" macht bald stärkere Fahrt, gewinnt, der See entgegeneilend, gehörigen Abstand von der in seinem Kielwasser bleiben­denBremen".

FortBrinkamahof wird passiert. Aui Panzertürmen starren graue Rohre schwerer Geschütze. Forts, die im Kriege leinen Schutz abgegeben und auch keinen erhalten haben.

Immer breiter dehnt sich die Wesermün- düng dem Meere entgegen. Zu beiden Seiten verbleichen die Ufer als graue Striche. Fern im Süden sinken Bremerhavens Dächer ein in fahlen Dunst. Kaum sind die winzigen Schlep­per und Begleitschiff« noch genauer zu sehen. Wie Schatten treiben sie auf dem Wasser. Mächtig aber ragt der Rumpf derBremen" die nun unter eigenem Dampf vorwärtSstrebt, aus dem immer mehr ins Grün hinüberspie- lendem Wasser, das ohne Wellen plätschernd nordwärts strömt. Nur leichtes Kräuseln zit­iert auf der Oberfläche.

Weiter noch draußen wird es einsam. Kaum irgendwo ein Schiff. Bloß hin und wieder einmal ein schwarzer Tonnenleger. Möven gleiten lautloS mit. Friede überall und Stille.

Schon eine Stunde geht di« Fahrt. Hohe- weg-Leuchtturm wird erreicht. Vorbei. Mit vollen Segeln kreuzt ein Schuner unseren Weg.

ni.

Kurz vor Bremen-Feuerschiff dreht derR o l a n d" und wendet den Stewen wie­der der Wesermündung zu. DieBreme n" holt jetzt gewaltig auf. Dicke Ballen schwar­zen Qualms ausstoßend, kommt sie schnell näher. Auf Gegenkurs laufen beide Schifte hart aneinander vorbei. Dann dreht derRo- land" abermals, folgt. Der Koloß vor unk stoppt. Wir gehen längsseit, halten auch. Hurrarufe brausen hinüber, herüber. Das Deutschlandlied brandet auf. Dir auf der

Uusmchlballt Roicnausimsch

(Eigene Dra Pari», 17. Juli.

Die englische Antwortnote, betreffend die Einberufung der Konferenz, deren Ueber- reidjung bereits für gestern angekündigt war, ist ausgeblieben. DasEcho de Paria" will wissen, datz zwar die über die Haltung der Lon. dauer Regierung gemachten MitteUungen rich­tig zu fein scheinen, datz aber da» Foreign Of­fice glaubt, auf den unfruchtbaren Rotenaus- tausch verzichien zu können und statt dessen die Angelegenheiten in direkten Besprechungen zwischen dem englischen Botschafter Lord Tyrell, PoincarL und Briand «eiter behandeln will. Das Ergebnis dieser Besprechungen werde nach einigen Tagen bekannt werden.

Aus London wird zu der gleichen Frage fol­gendes gemeldet: Ministerpräsident Macdonalö gab am Dienstag zur gleichen Frage im Unter­haus« bekannt, daß eine Entscheidung über den Tagungsort der bevorstehenden internationalen Tagung zur Behandlung der Reparations­fragen noch nicht getroffen fei. Churchill fragte darauf den Ministerpräsidenten, ob er nicht der Ansicht fei. daß die britische Regierung für den Fall, daß die Tagung in London aogehalten werde, wahrscheinlich in der Lage wäre, größere Konzessionen zu machen, als bei Verlegung des Ortes in ein neutrales Land. Macdonald er­widerte, er könne nur wünschen, das Churchill in der Lage wäre, andere Mächte hiervon zu überzeugen.

Wühlereien in -er Arbeiterpartei

London, 17. Juli.

Die Parlamentarische Arbeiterpartei trat gestern tm Unterhaus zu ihrer ersten monat­lichen Konferenz während der jetzigen Sitzungsperiode zusammen. Einen breiten Raum der Besprechungen nahmen di« An­griff« de» radikalen Flügels der Arbeiterpar­tei auf die sozialistisAn Minister in den Unterhausdebatten ein.

Premierminister Macdonald und Außenminister Henderson gaben ihrer An­sicht Ausdruck, daß diese Angriffe unterbleiben müßten, wenn die Arbeiter-Regierung bestehen bleiben und ihr Arbeitsprogramm durchführen

t m e l d u n g).

wolle. ES wurde auf dieser Konferenz wieder- holt daraus hingewiesen, daß der erst kürzlich ins Leben gerufene Beratende Ausschuß alS Mittelglied zwischen Regierung und Arbeiter- Partei die Möglichkeit einer direkten Einwir- kung auf die Regierung biete.

Das englische

Flottenbauprogramm

Heute Erklärung Macdonalds tm Unterhaufe.

London, 17. Juli. Die Frage der Einstellung des weiteren Ausbaues von Smgapore als eng» lischer Flottenstützpunkt wird den Gegenstand eines Kabinettsrates bilden, der heute abge- halten wird. Für heute nachmittag erwartet man im Unterhaus hierüber und über das all. gemeine Flottenbauprogramm eine Erklärung des Premierministers Macdonald.

Man neigt allgemein zu der Annahme, daß die Mehrzahl der Mitglieder sich für die Ein- stellung des weiteren Ausbaues enftcheidet. Die z. Zt. in Gang befindlichen Arbeiten dürs- ten zwar beendet, neue jedoch nicht in Angriff genommen werden.

3m Zeichen -es Lelloggpaktes

Rewyork, 17. Juli.

UnterstaatSsekretär Hurley vom Kriegs- Departement erklärt« in einer Rede auf dem Truppenübungsplatz Bei Fort Myer, daß Ame­rika gerüstet fein müsse, bis der Krieg für alle Zeiten verfemt sei. Er sagte, wir müssen stets vorbereitet fein, die nationalen Grundsätze als liberale Einrichtungen zu schützen und zu ver- teiblgen, da wir ihnen unseren beispiellosen geistigen und materiellen Aufschwung verdan­ken Es gäbe keine gute militärische Operation ohne sorgsame Vorbereitung. Sämtliche Bür­ger müßten sowohl die Verantwortung als auch die Bürde des Krieges tragen. Die Vor­bereitung für die kriegerische Tätigkeit werde nicht von der Regierung aufgezwungen, son­dern sei ein Volk »Programm. (Im Kellogg- pakt laS man's freilich anders! Dte Neber,eu- gung,daß di« Zeit gekommen ist, einen offe­nen Verzicht aus den Krieg als Werkzeug na­tionaler Politik auszusprechen", scheint auch jenseits des Ozeans noch auf recht schwachen Füßen zu stehen. Die Red.)

geregelt werden können. Die Note kündigt an, daß der

neue chinesische Gesandte für Moskau in allernächster Zeit dorthin abrdfen werde, um persönlich die Verhandlungen mit der Sowjetregievung zu leiten. Zu den letzten Vorgängen in der Nordmandschurei erklärt dte Note, daß kommunistische Werber unter dem Deckmantel der Sowjet-Diplomati« versucht hätten, eine kommunistische Republik in China zu errichten. Die Nanking-Regierung sei da» her gezwungen gewesen, gegen die

kommunistische WüUarbeit in China scharf vorzugehen und auch eine Haussuchung tm russischen Konsulat in Charbin vorzuneh­men. Sie verlangt ferner, datz die in der Sow­jet-Union verhafteten Chinesen freigelassen werden. Außerdem müßten die in Rußland wohnenden Chinesen gleichwertig mit den anderen Ausländern behandelt werden.

Es handelt sich nur um eine vorläufige Ant­wort der Nanking-Regierung, da man in Nan­king noch nicht ganz über den Inhalt der Sew» jet-Note unterrichtet wäre. Die endgültige ««»Dort d«r chinesischen Regierung werde Moskau fofDi.i »uOf etnoeKö» r»en*«" les der russischen Note übermittelt werden.

* * *

Kowno, 17. Juli. Nach Meldungen au» Moskau herrscht dort allgemein die Auffassung, daß die letzte chinesische Note ein Verschlep­pungsmanöver der Nanking-Regierung dar­stellt, die einer llaren Antwort aus die russi­schen Fragen aus dem Wege gehen wolle. Di» Sowjet-Regierung werde aber weiterhin for- dem, daß die chinesische Regierung die chine­sische Ostbahn auch in Zukunft der Sowjet-Re- gierung auf Grund deS Abkommens vom Jahre 1924 zur Verfügung stellt. Die Sowjet-Regie- rung erwarte eine klare Antwort der chinen- scheu Regierung auf alle Fragen, die st« in ihrer letzten Note vom 13. Juli aufgerollt habe.

Bombardement mit Früchten

Kowno, 17. Juli.

Nach Meldungen au» Moskau war am Dienstag nachmittag vor der chinesischen Bot­schaft wieder eine Massenkundgebung der Ar­beiter. Etwa 1000 Arbeiter und Beamte nah­men daran teil. Die Teilnehmer bewarfen di«! Gesandtschaft wiederum mit Früchten usw. und versuchten, in dar Gebäude einzudringen. Sie wurden jedoch von der Polizei zurückgehalten.

-Mirbegreifliche Kühnheit"

Die ausländische Kritik an bet amerttanischen Zollvorlage.

Washington, 17. Juli. (Eig. Drahtbericht). Beim Staatsdepartement sind von Schweden, Spanien und Italien neue Proteste gegen die Erhöhung der amerikanischen Zolltarife ein­gegangen. Senator Smoot erklärte in der Finanzkommission des Senats, er könne nicht verstehen, woher diese Mächte die Kübnbeit nähmen, eine Beeinflussung des amerikanischen Staates in dessen Angelegenheiten zu ver­suchen.

Italienische Kritift an Brian-

Mailand, 17. Juli. TerPopolo d' Italia" nimmt heute zum ersten Male offiziell in einer Korrespondenz seines römischen Vertreters zu Briands Paneuropa-Plau Stellung. Wie nicht anders zu erwarten, ist das Blatt sehr skeptisch und sieht nur unüberwindliche Schwierigkeiten voraus. Tas Blatt fragt: Werden dann die Kolonien für den gemeinsamen Gebrauch frei­gegeben? Werden die militärischen Kräfte ver­einheitlicht? Wird eine neue Bürokratie geschaf- fen? Wird eine Neberhanptstadt gegründet und wird diese Ueberhauptstadl neben Genf stehen oder sich gegen Genf wenden?

Der Gegensatz zwischen Wirklichkeit und Geist fei der, datz Frankreich bis zum Aeutzersten rüttet, seinen Widerstand am Rhein aufrecht er­hält und gegenüber Italien seinen schlechten Willen zeigt. Frankreich hätte gerade jetzt eine ausgezeichnete Gelegenheit seinen guten Willen zu zeigen, wenn es die kolonialen Verpflichtun­gen gegenüber Jtrjien endlich einlösen werde.