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Montag, 15. Juli 1929
Nummer 164 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig. 19. Jahrgang
China auf dem Rückzug?
Der chinesisch-russische Konflikt in der Mandschurei / Uebergriff eines chinesischen LlnterMrers
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Schwarzer Lag der Szeanyieger
Eigene' Drahtbericht.
„Untin Bowler" verloren?
Berlin. 15. Juli.
Deutsch-belgische Einigung
Dentschllnid zahlt insgesamt über 600 Millionen
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Die Verhandlungen zwischen den Bevollmächtigten der deutschen und der belgischen Regierung haben, wie angekündigt. zur Einigung geführt, das Abkommen ist Sonnabend in
Hoesch auf Bühlerböhe
Berlin, 15. Juli.
Der deutsche Botschafter in Paris v. Hoesch und der Gesandschastsattache bei der deutschen Gesandtschaft in Warschau Freiherr von Malt- zan sind auf Bühlerhöhe eingetroffen. Beide Herren hatten am Sonntag ein« Unterredung mit Reichsaußenminister Dr. Stresemann, mit dem sie abends einen Ausflug nach Baden- Baden unternahmen.
nungstasel gegenüber denen errichten wollen, die etwa glaubten, daß der Fall des Repu- blikschutzgesetzes nunmehr Gewalttaten zum Sturz der Deksasiung ungestraft laste.
Die Anwendung des Artikels 48 sei nicht vom Belieben eines Ressortministers, sondern nur Lurch eine Entscheidung des Reichspräsidenten möglich. Selbst der Reichspräsident sei gehalten, dre von ihm auf Grund des Artikels 48 getroffenen Maßnahmen unverzüglich dem Reichstag mitzuteilen und auf Verlangen des Reichstages außer Kraft zu setzen. >
Die Beschlagnahme der ostchinesischen Bahn durch die chinesischen Behörden hat die Spannung zwischen Rußland und China erheblich verschärft. Die Sowjetregierung har dem chinesischen Geschäftsträger in Moskau einen auf drei Tage befristeten Vorschlag überreicht, in dem sie folgende Forderungen ausstellt: 1. Unverzügliche Einberufung einer Konferenz zur Regelung aller die chinesisch« Ostdahn betreffenden Fragen. 2. Die chinesischen Behörde« machen unverzüglich sämtliche die chinesische Ostbahn betreffenden Willkürmaßnahmen rückgängig. 3. Alle verhafteten Bürger werden, unverzüglich frei- gelasten. Die chinesischen Behörden stellen alle Verfolgungen und Schikanen gegenüber Staatsangehörigen und Einrichtungen der Sowjetunion ein. Die Note schließt mit der Drohung, daß eine unbefriedigende Antwort, die Sowjetregierung nötigen wird, andere Mittel zu ergreifen.
Ob es zu einem offenen Ausbruch des Konfliktes kommen wird, mutz aber doch noch fraglich erscheinen. Einige der uns vorliegenden Meldungen rücken ein Zurückweichen Chinas wenigstens in den Bereich der Mög- lichreiten. Wir verzeichnen im einzelnen folgende Meldungen:
digenplau vom 7. Juni 1929 für die allgemeinen Reparationsannuitäten vorgesehen ist. Die Zahlungen werden durch die Bank für den internationalen Zahlungsausgleich mit verwaltet werdxn. Falls Deutschland von dem in dem Sachverständigenplan vorgesehenen Moratorium Gebrauch macht, werden die Annuitäten in Form von Sachlieferungen entrichtet. Das Abkommen tritt erst nach Ratifizierung in Kräft.
Auch ein Abkommen über die Freigabe deutschen Vermögens in Belgien ist nach Verhandlungen in Berlin abgeschlossen worden.
In der Einleitung ist zum Ausdruck gebracht, daß das Abkommen bezweckt, im Rahmen der Gesamtregelung der aus dem Krieg herrührenden finanziellen Fragen auch diejenigen Fragen zu erledigen, die bisher zwischen Belgien und Deutschland wegen der int Zusammenhänge mit der Besetzung Belgiens entstandenen besonderen wirtschaftlichen Schäden noch schwebten:
Deutschland wird an Belgien während 37 Jahren folgende Annuitäten zahlen: Im ersten Jahre 16,2 Millionen Mark, im zweiten, dritten und vierten Jahre je 21,5 Millionen Mark, vom 5. bis 12. Jahre je 26 Millionen Mark, vom 13. bis 20. Jahre je 20,1 Millionen Mark, vom 21. bis 37. Jahre je 9,3 Millionen Mark.
Die Annuitäten werden in der gleichen Form bezahlt werden, die in dem Sachverstän-
London, 15. Juli. Der chinesische Präsident der ostchinesischen Bahn in Charbin veröffentlicht eine Erklärung. In dieser heißt es, Laß das Vorgehen der chinesischen Behörde gegen die Sowjetruste« eingestellt sei, und zwar auf Veranlastung der Regierung in Mukden. Die Sowjetregierung habe das zwischen Mukden und Moskau im Jahre 1924 abgeschlossene Abkommen verschiedentlich verletzt. Es wird hinzugefügt, datz Moskau keinen Versuch gemacht habe, Lie in diesem Abkommen übernommenen Verpflichtungen einzuhalten. Gleichzeitig wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Sowjetregierung die ihr unterbreiteten verschiedenen chinesischen Vorschläge erwägen werde. Wenn die Sow- Sregterung jedoch sich Len chinesischen Vorlägen verschließen sollte, so würden die Schritte getroffen werden, die die gegenwärtige Lage erfordere.
. Der Lünöenbock
London, 15. JE. Der Sonderberichterstatter des „Observcr" in Schanghai meldet: Die Beschlagnahme der chinesischen Ostbahn fei auch für chinesischen Behörde« selbst eine große Ueberraschung gewesen. Gerüchtweise verlautet. daß der Gouverneur von Charbin General Tschwng Tsching Hui, einer der militärischen Unterführer, auf eigene Verantwortung gehandelt habe, und daß die Beschlagnahme nicht auf Anweisung der chinesischen Behörden erfolgt fei.
Militärische Sorgen Chinas
Paris, 15. Juki In Charbin sind vier chinesische Divwnen zum Schutze der chinesischen Ostbahn eingetrofscn. Die russischchinesische Grenze ist noch nicht geschlosten, jedoch haben die chinesischen Generalkonsulate i" Sibirien keine neuen Sichtvermerke für Sowjetrussen nach China ausgestellt. Außerdem sind in Charbin zwei neue Kavallerie-Regimenter eingetroffen zum Schutze der chinesischen Eisenbahn.
I« chinesischen amtliche« Kreisen wird erklärt, daß die Einwohner an der russisch-chinesischen Grenze besonders gefährdet seien, da die chinesische Regierung nicht über genügend Truppen verfüge, um sie vor den Ruflen zu schützen.
Die chinesisch-kommunistische Partei in Charbin hat Die Arbeiter und Angestellten bet chinesischen Ostbahn zum Generalstreik aufgeru- fen.
Wie diese Sachlage und seine Mitteilungen darüber als Drktaturbestreben ausgelegt werden könnten, sei ihm unverständlich. Ebenso unsinnig seien hie Zeitungsmeldungen, daß mit der Vorlage eines neuen Republikschutzge- . . führungsgesetz zum Artikel 48
verbunden werden solle. Er könne nur immer wiederholen, daß er der entschiedenste Gegner der Diktatur fei.
Severing und dir Maturgerüchte (Eigener Drahtbericht).
Befrage« gab Costes an, 300 Meilen von der Küste entfernt habe ein sehr heftiger Wind eingesetzt. Auf einer Strecke von 500 Kilometer Stätte das Flugzeug dagegen ankämpfen müs- en, worauf die Flieger feftstellte«, datz sie auf diese Weise wegen Benzinmangels die amerikanische Küste nicht erreichen würden. Daher hätten fie beschlossen umzukehren.
Die Franzosen find etwa bis 300 Kilometer nordöstlich der Azoren gekommen. Auch auf dem Rückflug hätten fie gegen schlechtes Wetter ankämpfen müffen. Die Flugdauer beträgt genau 28 Stunden und eine Minute. Sie haben 5300 Kilometer zurückgelegt. Costes erklärte, datz er den Flug Mris-Rewyork von neuem versuchen werde, und daß er sehr wichtige Erfahrungen gesammelt habe.
Rückkehr wegen Benzinmangels
Der Flug der Franzosen verlief glimpflicher. Bon ihm wurde bereits Sonntag früh bekannt, datz fie den Rückflug angetreten habe«. Sie landete« wirklich um 9 Uhr 22 ohne Zwischenlandung auf dem Flugfeld VUlacoublaq. Auf
m . . - . . . Paris, 15. Juli. Auf etnerBeztrkskonserenz der sozialdemokrati- jche« Partei in Burg im Ditmarschen hielt gestern nachmittag Reichsinnenminister Severing eine Rede, in der er u. a. ausführte: Bon der Reparationsbelastung seien alle Kreise betroffen. Es sei leicht, mit einem einfachen Nein abzulehnen, wen« man keine Verantwortung habe. Bei allen politischen Maßnahme« muffe man sich fragen, was dadurch geschehe. Wenn der Antrag auf Ablehnung des Noungplanes angenommen würde, würde damit keineswegs die Zahlungsverpflichtung aufhören. Dan« bleibe der Dawesplan in Kraft. Der Youngpla« aber sei in seinerst Zahlungsmodus beffer. Eine weitere Folge der Ablehnung sei die wirtschaftliche Isolierung Deutschlands, die zum wirtschaftlichen Zusammenbruch führen müffe.
Weiter beschäftigte sich Severing u. a. mit dem Fall des Republikschutzgesetzes. Er habe mit feinen Ausführungen nur eine Art War-
Hamburg, 15. Juli.
Der Doppelflug über den Ozean, de« die Franzosen Costes und Bellonce uns die Pole« Jdzikowski u. Äubala Sonnabend antraten hat ein schnelles Ende gefunden.
Das polnische Flugzeug „Marschall Pil- sudsti" mutzte auf der Insel Graciosa, die zur Azorengruppe gehört, eine Rotlandung vornehmen. Bei der Landung fing das Flugzeug Feuer. Jdzekowski erlitt so schwere Versetzungen, datz er bald «ach dem Unfall verschied.
Ueber das Unglück berichtet „«Biotin" Job gende Einzelheiten: Trotz andauernden Motorschadens habe das Flugzeug die kleine Insel Graciosa gestern gegen 19 Uhr erreichen könne« und durch Funtspruch um Angabe eines Sgneten Landungsplatzes gebeten. Bon al aus sei ihnen das Ftuggelände von cileita angegeben worden. Die Flieger hätten noch Zeit gehabt, die Stelle ausfindig S machen; obwohl der Platz sehr seifig war, tten fie beschlossen, niederzugehen. Hierbei fei das Flugzeug umgeschlagen, als es den Boden berührte und habe Feuer gefangen. Den Flieger Jdzikowski habe man nur noch als Schwerverletzten unter den Trümmern hervor- hoier. können, während Äubala nur leichte Verlesungen davontrug. Beide seien eilig in das nächste Krankenhaus gebracht worden, wo Jdzikowski verschied.
Rach dem russischen Ultimatum (Eigene Drahtmeldung).
Ottawa, 15. Juli.
Nach einer Meldung aus Port Burwell wird das Flugzeug „Untin Bowler* für verloren betrachtet. Als daS Eis, in dem das Flugzeug festlag, aufbrach, wurde das Flugzeug ohne Besatzung aufS offene Meer hin- auSgetrieben.
Die Glücklicheren
Mailand, 15. Juli. (Gig. Drahtbericht.) Zwischen dem König von Italien und Präsident Hoover hat anläßlich des Eintreffens des Flugzeugs „Pathfinder" in Rom, ein Austausch von Glückwunschtelegrammen stattgekun- den. Die Flieger werden außer vom König auch vom Papst empfangen werde«.
Rach dem „Popolo Italia" beabsichtigen die Flieger, ihren Rückflug nach Amertka mit dem italienischen Flugzeug .Savoia-Marchetti" anz «treten.
Frankreichs verfehlte Methode
Von Dr. Paul Rohrbach.
Als der Weltkrieg zu Ende war, in dem Amerika der von Frankreich angezettelten Ein- kreijung Deutschlands schließlich zum Siege verholfen hatte, erfolgte von französischer Sette aus amerkanischem Boden eine genial erdachte Gründung: die der „American Legion". Es war dies eine Vereinigung amerikanischer Teilnehmer am Weltkriege, hauptsächlich solcher, die in Frankreich gekämpft hatten, doch konnte ich im Grunde jedermann anschließen, der einen patriotischen Zusammenhang mit dem „Rettungswerk" dokumentieren wollte, das Amerika an der europäischen Kultur im Allgemeinen und an Frankreich im Besonderen vollbracht hatte. Viele behaupten, daß für dre Gründung und die Pflege des „Legions- gedankens" auch große französische Geldmittel aufgewendet worden sind. Auf jeden Fall wurde eine Unmasse von Propaganda hinern- gesteckt. Wie klug diese Propaganda war, geht schon daraus hervor, daß die Franzosen sofort die Verbindung mit dem angelsächsischen Nationalismus in Amerika, den sogenannten Hundertprozentigen, den Feinden des Ein- wanderertums, fanden. Auf diesem Gebiet waren keine französischen Interessen zu verteidigen, denn eS gibt aus dem menschenarmen Frankreich keine Auswanderung mehr, am wenigsten nach Amerika. Zweck der Legion war die Pflege der Erinnerung an den Krieg, vor allem aber die Pflege der amerikanifch- französtschen Bündnisidee, der ewigen Freundschaft zwischen den beiden Völkern. Die amert. konische öffentliche Meinung, auf die jede amerikanische Regierung Rücksicht nehmen muß, sollte dauernd bei der Einstellung erhalten bleiben, datz es zu ihren Aufgaben gehöre, Frankreich, dessen Name nach französischer Auffassung ja schon „ein Synonym für Menschheit" bedeutet, in Europa ungehindert schalten und walten zu lassen. Die Spitze gegen Deutschland und alles Deuffche war dabei ebenso gewollt wie offenbar.
In den ersten Jahren nach dem Kriege funktionierte die Legion in der Tat ausgezeichnet. Nach französischer Absicht gehörte es auch zu ihren Aufgaben, den Erlaß aller französischen Schulden an Amerika vorzubereiten. Die von Frankreich ausgegebene und von der Legion aufgenommene Parole hieß: „Im gemeinsamen Kampf zur Rettung der menschlichen Kultur vor dem barbarischen Deutschland hat Frankreich das Blut von Millionen seiner Söhne hergegeben, Amerika aber in der Hauptsache bloß Geld; Blut bedeutet viel mehr alS Geld, daher ist es das einzig Anständige, wenn Amerika fein schäbiges Geld gegen das edle französische Blut aufrechnet!
Hier sieht man, wieviel darauf ankommt, welche Meinung in Amerika über den Ursprung des Krieges, die Kriegsschuldfrage, die' Alleinschuld Dentslandchs usw. herrschend ist. Wäre es der französischen Politik und ihrem Instrument, der „American Legion" geglückt, die öffentliche Meinung in Amerika unerschüttert bei der Ueberzeugung von Deuffchlands Alleinschuld Deutschlands usw. herrschend ist. ein kräftiger Vorspann für die Propaganda zur vollständigen oder weitgehenden Streichung der französischen Schulden gewesen. So aber kam es nicht, vielmehr verbanden sich gegen die französische Absicht drei entgegenwirkende Faktoren: 1. wachsende Zweifel an der Alleinverantwortlichkeit Deutschlands, 2. Besorgnis der regierenden republikanischen Partei, von den gegnerischen Demokraten dafür verantwortlich gemacht zu werden, daß der amerikanische Steuerzahler die ganzen Lasten der Kriegsbonds auf sich behielt, 3. endlich die Einsicht, daß die Franzosen, die ihre Schulden nicht bezahlen wollten, dabei unentwegte Ausgaben für ihren Militarismus machten, und daß die damit zusammenhängenden sonstigen europäischen Militärlasten die Kaustraft Europas für amerikanische Waren unzweifelhaft schwächten.
So kam eS z« dem sogenannten Mellon- Beranger-Abkommen, so genannt nach dem damaligen amerikanischen SchatzsekretSr und dem französischen Botschafter, in dem den Franzosen zwar Erleichterungen zugestanden wurden, aber doch twch erhebliche ZahlüngS- lasten verblieben. Dazu trat noch der Leichtsinn des dem letzten französische« Kriegs«