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Kasseler Abendzeitung
Die Kasseler Neueste« 91 ncmentäyteiS beträgt für jchSstsstelle abgebolt Z.10 buhr. Rückzahlung deS
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Nummer 163 @t««emreW: «Bodrentng» 10 efeimtg. Sonnabend/Sonntag, 13./14. Juli 1929 Einzelpreis: Sonntags SV Pfennig. 19. Iahr^an
Maedonald gegen das Wettrüsten
Das englische Rabinett plant Rüstungsbeschränkungen — Aus politischen und wirtschaftlichen Gründen
Revision des Schiffsbauprogramms
(Eigener Drahtbericht).
Die Feststellung»- und VergleichSkommission, die die französische Presse propagiert, wäre als ständige Einrichtung ein stärkster Einbruch in die moralische Autorität des Völkerbundes in der Aufgabe der Friedensstcherung. Eine Dauerkommiflion über bie Rheinland« wäre
London, 13. Juli. „Daily Telegraph" berichtet: Wichtige Aenderungen in der Flottenpolitik der Regierung werden jetzt klar angekün- digt. Die Regierung hat, wie verlautet, sowohl aus Gründen der hohen Politik als auch in der Absicht, Ersparnisse zu erzielen, beschloffen, eine Revision des Schisfsbauprogrammes der letzten Regierung durchzuführn.
Im laufenden Jahr sollen aus dem Pro- grainm gestrichen werden: drei Kreuzer, neun Zerstörer, 6 Unterseeboote und sechs Schaluppen. Mit ziemlicher Sicherheit ist weiter anzunehmen, daß die Regierung den weiteren Ausbau des Flottenstützpunktes von Singapore einstellen wird.
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London, 13. Juli. Staatssekretär des Aeu- ßern Henderson erklärte gestern einer Abordnung der Völkervundsunion, Premierminister Maedonald werde auf der Völkerbundsversammlung für Großbritannien und ganz Europa wichtige Erklärungen abgeben. Henderson sagte, er hoffe vor der nächsten Sitzung deS Völkerbundsrates möglichst vollständige Informationen über die Minderheitenfrage zu erhalten und bat die Völkerbundsunion, ihm alle Informationen zu senden, die von ihr für besonders wichtig erachtet werden.
Lonöoner Bedingungen
London, 13. Juli.
Der diplomatische Mitarbeiter deS „Daily Telegraph" weist daraus hin, daß das Schatzamt und das Kabinett im allgemeinen gute Gründe haben, sich im Augenblick nicht aus eine endgültige vorbehaltlose Annahme des Boungplanes festzulegen. Die Annahme der oungplanes könne tatsächlich nur erfolgen, wenn gleichzeitig 2 Punkte geregelt würden:
1.) di« Ratifizierung des sranzöstsch-eng- lischen Schuldenabkommens durch die französische Regierung ohne Vorbehalte.
und 2.) die Sicherung der Rheinlandräu- muna zu einem frühen Zeitpunkte durch alle drei Besatzungsmächte.
Unabhängig von diesen beiden Haupibedin- gungen habe die britische Regierung ganz offensichtlich dar Recht, eine Anzahl von Abänderungen des Youngplanes zu verlangen, insbesondere was die geplante International« Bank abclange und deren Ausgaben bei ständiger Fortdauer der deutschen Sachliejerungen
mit Einmütigkeit erfolgten Ablehnung als eine französtsche Forderung auf der kommenden politischen Konferenz noch weiter zu vertreten. Die Deutsche Zentrumspartei werde zu jeder Rcichsregierung, die aus den Gedanken einer permanenten Konrrollkommiflion eingehen würde, in schärfster Opposition treten.
Retchsminister Dr. Wirth bestätigt in seinem Antwortschreiben, daß in der Tat di« französische Preffe die Forderung einer dauernden Feststellungs- und Vergleichskommtflio» für die entmilitarisierte Zone am Rhein pro- Pagiere. Frankreich sei aber schon jetzt, d. h., nach dem in Kraft befindlichen vertragSrechte mit einem doppelten Ringwall von Sicherun- gen umgeben
ein Schlag gegen Deutschlands Recht, der dem Ruhreinbruch verglichen werden könnte, und ein Rückschritt in der ganzen friedlichen Entwicklung.
Bitte um Vergebung
Russische Oppositionelle an die Partei.
Kowno, 13. Juli. (Eigener Drahtbericht). Wie aus Moskau gemeldet wird, bringt die Sowjet-Preste eine Erklärung von Radek, Preobrashenski und Smilga, in der sie sich zu der Leninschen politischen Linie bekennen und ihren endgültigen Bruch mit der Rechtsopposition bekanntgeben. Zum Schlüsse ihrer Erklärungen bitten die genannten Oppositionsführer um Wiederaufnahme in die Partei.
Frankreichs „politischer Zrid" (Eigen, Drahtmeldung).
Kowno, 13. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Wir aus M $ kau g e m e 11 wird, werden vie Erklärungen' Briands über Paneuropa in russischen politischen Kreisen skeptisch ausgenommen. Die Ausführungen Briands, so heißt es, dürften nicht allzu ernst genommen werden. ES handele sich um einen französischen politischen Trick, um die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkett von der Rhein- landräumung, von der politischen Spaltung in Osteuropa und von der Kriegsgefahr abzulenken. Solange die französische Politik die Welt in Besiegte und Sieger einteile, könne von einem Paneuropa nicht die Rede sein. Die Sowjet-Union verhalte sich ablehnend gegenüber einem solchen Gedanken, weil dieser ebensowenig praktischen Nutzen bringen werde wie der Völkerbund.
Italienischer Spott
wirft die Frage auf, ob man ernstlich glauben könne, die schwierigen Probleme, weiche den Völlerbund seit Jahren beschäftigen, die daS Genfer Protokoll zu Falle brachten, den Geist von Locarno verflüchtigen ließen, das Idyll von Thoiry vergessen machten, nun durch die Vereinigten Staaten von Europa zu lösen.
DaS Blatt meint, man könne kaum noch die Ironie aufbringen, um diesen Gedankengang zu beleuchten.
Ein schöner Traum
Paris, 13. Jult.
Der in die Öffentlichkeit gedrungene Plan BriandS, in Genf auf einer besonderen Konferenz der Bildung der Bereinigten Staaten von Europa-vorzuarbeiten, ist in Frankreich auf wenig fruchtbaren Boden gefallen. Wo er mcht, wie in der Rechtspresse, bekämpft und als schädigend für Frankreich hingestellt wird, begnügt man sich mit einer kurzen Erwähnung oder bezeichnet ihn als einen schönen Traum.
Der Vorschlag lehnenden Widerh
Rom, 13. Juli Briands $at in Italien ab» all gefunden. Die „Tribuna"
Strafanträge im Etinnesprozeß
Eigene Dratztmeldung
Sturm gegen die amerikanische Zollvorlage
Newyork, 13- Juli.
Nunmehr hat auch die kanadisch« Regierung gegen die neue amerikanische Zollvorlaze formell Einspruch erhoben. Wie verlautet, Hai der kanadische Gesandt« in Washington bet der Ueberreichung der Protestnote erklärt, daß England als Vergeltungsmaßnahme in Zukunft Weizen, der aus den Vereinigten Staaten ausgeführi wird, mit Zoll belegen werde.
Die Senatoren Waison und Smith sind davon überzeugt, daß hie Vorlage fertig sein wird, wenn der Senat am 19. August seine Arbeiten wieder ausnimmt. Die Frage der Einsprucherhebungen der ausländischen Regierungen stand gestern wieder auf der Tagesordnung. Bei dieser Gelegenheit wurde die Mitteilung von dem Proteftschritt des kanadischen Gesandten Maffey gemacht.
Lin Schlag
gegen Deutschlands Recht
Wirth über pie Gefahren einer Kontroll- kommission.
Berlin, 13. Juli.
Der Vorsitzende der Deutschen ZentrumS- fraklion, Prof. Dr KaaS, hat an Reichsminister Dr. Wirth ein Schreiben gerichtet, in dem er feine Besorgnisse mttteilt, über die neuerdings in einem Teil der französischen Presse aufgetauchten Bestrebungen, den Gedanken. der sogenannten Feststellung» und Ver- gleichskommiffion ungeachtet der deutscherseits
Berlin, 13. Juli. (Eig. Drahtbericht.) Im Stinnes-Prozetz stellte heute Oberstaatsanwalt Sturm unter außerordentlicher Spannung sämtlicher Pro^tzbeteiligten folgende Strafan- träge:
Gegen Hugo Stinne« jun. acht Monate Ge- fängnis und ein« Geldstrafe von hunderttausend Mark.
Gegen die Angeklagten Rothmann, von Waldow, Leo und Eugen Hirsch je sechs Monate Gefängnis.
Gegen den Angeklagten Groß fünf Monate Gefängnis ».gegen den Angeklagten Schneidt drei Monate Gefängnis.
Durch die Untersuchungshaft sollen al» verbüßt gelten bei dem Angeklaaten Stinnes drei Wochen, bei Rothmann 14 Tage, bei von Waldow sieben Wochen, bei Leo Hirsch und vela Groß eine Woche und bei Schneidt 5 Tage.
Im Stinnes-Prozeß begann Freitag der Vertreter der Anklage, StaatSanwaltschaftSrat Dr. Berliner, sein Plädoyer, da» heute fortgesetzt wurde. Er führte auS, der Fall Stinne» habe in der ganzen Welt Auffehen erregt, weil ein Name in die Affäre verwickelt ist, mit dem einmal die Vorstellung von märchenhaftem Reichtum verknüpft war. Und einem Träger dieser Namens wird der Vorwurf gemacht, daß er daS Reich um einige Millionen betrügen wollte. Sicher sei Stinnes nicht fähig, einen Mitmenschen vorsätzlich zu betrügen, aber er gehöre zu den Menschen, di«
aus einer anti-siSkalischen Einstellung heraus dem Staate nicht geben wollen, »«• des
Staate» sei
Die Hauptfrage ist: Haben di« Angeklagten gewußt, daß Reubefltz als Altbesitz präsentiert
werden sollte, wie e» der Angeklagte Groß gesagt hat? Bela Groß, Eugen und Leo Hirsch und Schneid waren von vornherein bös- gläubig, dagegen lasse sich dar bei Stinnes, Rothman und von Waldow nicht nachweisen. StinneS hätte sich sicher auf dar Gefchäft nicht eingelassen, wenn ihn nicht
der gewaltige Gewinn gereizt
hätte. Er wußte auch, daß dar Geschäft nicht in Ordnung fei und hab« sich geschämt, mit dem VertrauenSanwalt seiner Hauser darüber zu sprechen, legte Wert darauf, daß sein Nam« im Zusammenhang mit dem Geschäft nicht genannt wurde und versucht«, Waldow, den unbequemen Mitwisser, tnr Aurland abzuschieben.
Spätesten» im Mai 1937 habe SttnneS bestimmt erfahren, daß die Schlutznoten gefälscht waren.
Bezüglich von Waldow erklärt« der Staatsanwalt, wenn di« Verteidigung sage, daß das Geständnis auf eine schwere geistige Depression während der Untersuchungshaft zurückzuführen fei, dann müßte entweder jeder Mensch an BewußtsetnSfälschung leiden ober Waldow wahnsinnig sein. Denn bei von Waldow haben diese Bewutztseinssälschungen noch sechs Monate nach der Untersuchungshaft angedauert, was nach der Aussage der Gachver- ständigen nur bei Irrsinnigen vorkommt An Hand der Beweisaufnahme sucht der Staatsanwalt nachzuweisen, daß
von Waldow» Geständnisse in der Unter- suchungShast richtig
waren und durch die Beweisaufnahme unterstützt wurde«.
Sommerpause
w. P. Das Thermometer ist doch endlich in die Höhe geklettert. Der Sommer, der allmählich schon zu einem Sommer des Mißvergnügens zu werden drohte, scheint sich auf die ihm fliegenden Pflichten besonnen zu babtn. Mit Sonnenschein und blauen Himmel zieht fast überall so etwas wie Ferienstimmung ein. Fast überall — das kleine Wörtchen der Einschränkung wird man betonen müssen! Denn da- eifrige Getue, mit dem von den Staatsmännern und Diplomaten eine just für den schönsten Sommermonat August angesagte Haupt« und Staatsaktion vorbereitet wird, läßt erkennen, daß die große, die völkerverbindende oder völkertrennende Polittk sich auch in diesem Jahre keine Ferien zu gönnen gedenkt. Seitdem ihr der Juli des Jahres 1914 mit seinen furchtbaren Ueberraschungen den Glauben an die Reinheit sommerlichen Glückes geraubt hat, gibt es auf diesem Gebiete keine Sommerpause mehr. Und nur als eine Mär klingt aus vergangenen Tagen zu uns die Kunde von der „sauren Gurkenzeit" herüber, in der sich die Arbeit des Chronisten mit der Auszeichnung von Nordlandfahrten und Kuraufenthalten promoninenter Persönlichkeiten erschöpfte.
Di« Innenpolitik freilich ist In den meisten Ländern dem Vorbilde ihrer großen Schwester noch nicht gefolgt. Für sie gibt es noch Sommerserien, sie kennt noch Woch-n, in denen V-c- Maschinerie des Parlamentarismus stillgelegt ist. Und damit soll, besonders wenn wir von unfften deutschen Verhältnissen aus urteilen, beileibe kein Vorwurf ausgesprochen werden, denn es ist segensreich, daß dem Parteipolitiker einmal Gelegenheit gegeben wird, sich auf sein Menschentum zu besinnen, und eS kann der Allgemeinheit nur von Nutzen fein, wenn für die Beteiligten und die Beobachtenden die Möglichkeit vorhanden ist, in aller Ruhe die Bilanz unserer Innenpolitik zu ziehen und, unbeeinflußt von dem Treiben und Drängen des Tages, nach neuen Zielen Ausschau zu halten.
Ein Zeugnis wird man den Mitgliedern deS preußischen Landtages, die in diesem Jahre später al» ihre Kollegen aus dem Wallotbau in die Ferien gingen, nicht verweigern können: Das ZeugntS ausgezeichneten Fleißes. Unter den Vorlagen, die von ihnen im letzten Sitzungsabschnitt erledigt wurden, verdienen zwei eine besondere Erwähnung: Das Gesetz über die Neugliederung des Ruhrgebietes und der Staatsvertrag mit dem Heiligen Stuhl. Das eine, ein Gesetz von gewaltigem Umfang, ein kühner Versuch, das kommunale Leben des wichtigsten deutschen Wirtschaftsgebietes zu rationalisieren. Ein Versuch, der selbstverständlich, zumal es bei den Verhandlungen nicht ganz ohne Kuhhandel abging, feine Fehler und Schwächen hat, der aber im ganzen gesehen, für die Entwicklung des Ruhrgebietes eine geeignetere Grundlage abgibt, als es die demonstrierenden Gemeinden, die Trauerfahnen hißten und die Fabriksirenen heulen ließen, wahr haben wallen. Und di« andere Vorlage, das Konkordat, eine „Manifestation des guten Willens", ein Instrument, das dem kulturellen Frieden dienen kann, wenn die Zukunft die beruhigenden Erklärungen, die durch die preußischen Minister und die Zentrumsvertreter über die Auslegung der umstrittenen Artikel, über die Schul- und bie Schiedsgerichtsfrage, abgegeben wurden, rechtfertigen wird. Bedauerlich bleibt freilich di« taktische Unklughktt, die von der Regierung begangen wurde, als sie den evangelischen Kirchen da- Recht auf gleichzeitigen Vertragsabschluß versagte. Bedauerlich vor allem deshalb, weil eine vollkommen paritätische Behandlung der katholischen und der evangelischen Kirche dem Gedanken der kulturellen Verständigung den stärksten Auftrieb gegeben hätte. ES bleibt nur die Hoffnung, daß die Regierung durch beschleunigte Durchführung der Verhandlungen mit den evangelischen Kirchen den Fehler nach Möglichkeit wiedergutmacht.
An seinem letzten Verhandlungstage vor den Ferien hatte sich der Landtag noch mit verschiedenen MißtrauenSanträgen, ju denen daS Verbot der Studentenkundgebungen am 28. Juni den Anlaß gegeben hatte, zu beschäftigen. Die Regierung ist zwar aus diesen Abstimmungen ungeschoren herauSgekommen, aber die Krittk, die selbst von sonst regierungsfreundlichen Blättern an diesem Verbote geübt wurde, sollte den Ministerpräsidenten und seinen Kultusminister doch aufhorchen lassen. Auch wer nicht geneigt ist, das Regime Braun wegen d-ieses Vorfalles mit der Aera Metier-