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Kasseler Abendzeitung effiS Hessische Abendzeitung

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Freitag, 12. Juli 1S2S

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Stummer 162

Englisch-russische Versöhnung?

(Sine russische Delegation soll zu Verhandlungen nach London eingelaben werben

Schicksal des Friedens

Aus einem Interview mit Lord Cecil.

Lord Robert GecU K einer der beste» S^®et^nS^iü6ng?nIfÄ deswegen besondere ^ea<6mn8.roeUb»- mit su rechnen ist. da« er von neuem die Vertretun- Englands ht Genf übernedme» wird.

Meine Glaube an den Völkerbund hat mich zu der Ueberzeugung gebracht, daß er. ware er schon im Jahre 1914 Stundet w°rden,w^ käme Mittel und gangbare Wege gesunden hätte, die den einzelnen Nationen eine an­nehmbare Lösung jener Probleme erlaubt bätte die zu ihrer Entzweiung führten. $ Der Völkerbund kann bereits aus ein zehn- iäbriaes Bestehen zurückblicken, und wir können uns nur selbst beglückwünschen, wenn wir seine Fortschritte beobachten. Wir dürfen nicht der- gessem unter welchen ungünstigen Bedingungen er gegründet wurde. Die allgemeine At- mospäre, die ihn umgab, war mit Itehtlzis- mus und gegenseitigem Mißtrauen erf^t. Eine war, während sie seine Einweihung seMch ^ ging' überzeugt, daß sie zwar einem eierl^- erhebenden Ereignis beiwohnte, das einen ed­len Wunsch zum Ausdruck brachte, iedoch kein Fundament, keinen festen Gnmd,und Bov n in der Wirklichkeit hatte noch irgendwelche Wirksamkeit verbürgte. Ein neu» Riükichlag beeinträchtigte den Wert deS Volkerbundes in hen Aua en der Welt, als die Vereinigten Staaten anderen Nationen den to.m

Bunde verweigerten. Doch trotz aller Schwie­rigkeiten und Hindernisse besteht der Volker Hund noch immer, und gegenwärt^ kann me mand seine Macht und seinen Wert bestreuen.

Der Völkerbund ist aus einer Grundlage höchster gesetzmäßiger Autorität aufgebaut. Eine dieser Grundlagen kommt in dem Prinzip zum Ausdruck, daß Völker und Nationen nicht aus sich heraus Feinde sind und daß die Vor- ausseiungen für -inen fortschrittlich-modernen Staat das Aufkommen von Feindseligkeiten verbieten. Die allgemeinen Interessen der Völker sind weit bedeutsamerer Natur und er­scheinen uns einleuchtender als Feindseligkeit und Hatz, die sie untereinander nähren mögen. Die Völker wünschen den Frieden, und Aus- nahmefälle sind lediglich Einzelsymptome Man wird heute kaum ein Volk finden, daS nicht den Frieden wünscht, trotz der Tatsache, daß sich manche Nation mit dem Nachbarn nicht Auge in Auge blicken möchte. Das ist eine un­bestrittene Tatsache, die indessen nur zu er- höhter Wirksamkeit des Völkerbundes bei- tragen sollte. Beispiele hingegen für solida- risches Verhalten sind leicht aufzuzahlen.

Was die Friedensv-rträge anbelangt, so sind sie nicht das Werk deS Völkerbundes; folglich liegt eine Verbesserung oder Abänd^ rung nicht in seiner Macht. Wenn sich jedoch aus den Friedensverträgen Schwierigkeiten ernsterer Natur ergeben sollten, so ist der Dol- kerbund in der Lage, Verhandlungen zugunsten einer Revision vorzuschlagen. Ich sagte^datz die Völler den Frieden wünschen. Mele Jahr­hunderte hindurch litt das Menschengeschlecht trotz seines oft auf das Gegenteil gerichteten Willens matzlos unter dem Grauen blm- dürftiger Kriege, heraufbeschworen durch die Ehrsucht der Herrscherhäuser oder durch religi- öse Intoleranz. All' das aber hat die Gegen­wart überwunden, und mit Ausnahme von Sowjetrutzland wird kein Land der Erde ent­sprechende Jdeenrichtungen mehr an den Tag legen. In Rußland nämlich ist die drohende Gefahr zwar nicht in dynastischem Ehrgeiz oder in religiöser Unduldsamkeit zu suchen, Wohl aber in derneuen Weltanschauung*, die uni den geschilderten Nebeln eine gewisse Aehnnch» kett hat und die der Grund für ungezahlte Leiden gewesen ist.

Was also verursacht dann jene Atmosphäre der Unruhe und Unsicherheit, die wie die Schwüle eines gewitterfchwangeren Tages über den Problemen von internationaler Be­deutung lagert? Alle Völler wollen dem Ge­fühl Ausdruck geben, daß sie in Frieden und Freundschaft mit der übrigen Welt zu leben wünschen, aber wenn benachbarte Völler um ihre Meinung befragt werden, wird man stet? die Feststellung machen können, datz sie in Furcht vor ihrem Nachbar leben und sich stets in der Defensive befinden. Sie setzen ihre Rüstungen fort, weil ste nicht wag n, Urnen Einhalt zu gebieten. Bewaffnung aber au (eiten des einen Landes zeitigt Bewaffnung

London übernimmt die Znitiatwe

Eigene Drr

London, 12. Juli.

DaS englische Kabinett hat sich in seinen letzten Sitzungen auf die Innehaltung einer bestimmten Linie zur Anbahnung diplomati­scher Beziehungen mit Rußland geeinigt. Noch in dieser Woche werde, wie vomDaily Herold" bestätigt wird, eine Note an die Sow­jetregierung abgehen, in der der Wunsch aus­gesprochen wird, innerhalb der nächsten drei Wochen eine russische Delegation zur Bespre­chung wichtiger Fragen nach London zu ent­senden. Führen diese Besprechungen zu einem zufriedenstellenden Ergebnis, so sollen die diplomatischen Beziehungen sofort toiebet aus­genommen werden.

Sofort räumen!

Noch keine Einigung über den Tagungsort.

Loudon, 12. Juli. (Eia. Drahtbericht.) England wird, wie toft alle diplomatischen Korrespondenten der Morgenpreffe bestäcigeu, in der Eröffnungssitzung der Reparationskon­ferenz auf sofortige Räumung drängen, in der Hoffnung, daß sich die anderen Besatzungs­mächte ebenfalls zum vollständigen Abtrans­port ihrer Truppen entschließen. Wie Hen­derson im Unterhaus bereits mitteilte, wird England auch im Falle einer negativen Ent­scheidung der Alliierten sich seine Handlungs­freiheit in der Räumungsfrage Vorbehalten.

Die Meinungsverschiedenheiten zwischen der englischen und der französischen Regierung in der Frage des Ortes für die Abhaltung der Reparationskonferenz dauern mit unvermin-

htmelduug

beriet Schärfe an. Der englische Botschafter in Paris Lord Tyrell ist am Donnerstag telegraphisch beauftragt worden, noch einmal im Quai d'Orsay vorstellig zu werden in dem Sinne, datz England an der Abhaltung der Konftrenz in Lotchon unter c*en Umstanden festhält. _______

Kriegsfeuer im fernen Osten?

Newyork, 12. Juli.

Wie dem NewqorkerHerold" aus Schang­hai gedrahtet wird, hat die chinesische Regie- rung die diplomatischen Beziehungen zu Ruß­land abgebrochen und zwar wegen der Be­schlagnahme der chinesischen Ostbahn (Chinese Eaftern Railway).

Datz in der Mandschurei bezw. an der rus­sisch-chinesischen Grenze die Dinge in den letz­ten Tagen nicht in Ordnung waren, geht un­ter anderem auch aus der überstürzten Abreise TschiangsuliangS von Peking nach Mulden hervor.

Russischer Gegenbesuch In Rom

Konstantinopel, 12. Juli. Die Sowietregie- rung hat die türkische Regierung ersucht, einem russischen Flugzeuggeschwader die Ermächti­gung zum Ueberfliegen des Bosporus und der Dardanellen zu geben, damit es Italien einen Besuch abstatten könne. Es handelt sich um einen Gegenbesuch im Zusammenhang mit dem neulichen Fluge eines italienischen Seeflug­zeuggeschwaders im Schwarzen Meer.

Briands Paneuropa

(Eigene Drahtmeldung).

Paris, 12. Jukt.

Die Absicht Briands, auf der Septemberta­gung des Völkerbundes Besprechungen oder Vorverhandlungen über die Verwirklichung des Planes einer Föderation der europäischen Staaten einzuleiten, wird heute von der ge­samten Presse lebhaft kommentiert.

Die meisten Blätter geben die Aeußerungen der Berliner Zeitungen wieder, wobei sie al­lerdings vorsichtig die Auswahl so treffen, daß die deutschen Stimmen mit ihrer eigenen Anschauung übereinstimmen. «Petit Journal" ist der Ansicht, daß der Gedanke der Vereinig­ten Staaten von Europa, nachdem ihn Briand einmal öffentlich unterbreitet habe, genau tote damals die Idee des AntikriegSPoktes nicht mehr zur Ruhe kommen werde.

Der .Motin* meint, man könne vielleicht

noch zu Ende dieses Jahres in das Stadium einer Europa-Föderation eintreten

*

Soweit Briands Plan nur als Begleitmu­sik für die Ratifikationsrede Poincarss, als .Gongschlag" für Amerika gedacht ist, geht « die europäische Oeffentlichkeit nicht viel an. Wenn der französische Außenminister aber auch in Genf von seinem .Traum* sprechen tollte, wird man sich mit diesen Gedanken auch bei unS kritisch auseinanderzufetzen haben. Auf tetneu Fall darf man sich aber durch den ver­führerischen Klang der Schlagwortes von den .Vereinigten Staaten Europas" über die ge- waltigen Schwierigkeiten, die der Verwirkn- chung dieser Pläne aus geschichtlichen uno ge­ographischen Gründen entgegenstehen, hinweg- täuschen lassen.

Die lateinischen Schwestern

Aussichtslose Verhandlungen zwischen Frankreich und Italien.

Paris, 12. Juli. (Eig. Drahtbericht.) Der ranzösische Botschafter in Rom Sir Beau­marchais hat bei feinem Besuch im Quai d'Orsay dem Außenminister Br land anschei­nend nicht nur über die Haltung Italiens zur Regierungskonferenz, sondern auch über den Stand per schon nahezu seit einem Jahr schwe­benden französisch-italienischen Verhandlungen unterrichtet.

Ein Fortschritt dieser Verhandlungen ist In diesem Augenblick umsoweniger zu verzeichnen als die bereits im März 1928 unterbreiteten Vorschläge Frankreichs bis jetzt ohne Antwort isblieben sind. Italien habe durchblicken las­en, daß liefe Vorschläge durchaus ungenü« ;end feien, was zunächst zur Folge habe, daß rer sranzösische Botschafter zu Beginn dieses Sres neue Vorschläge seiner Regierung un- reitete. Diese bezogen sich aus drei Punkte nämlich auf den Abschluß eines FreundschaftS- und Äachbarschastsvertrages, die Grenzberich­tigung in Tripolis und das fogenannte Sta­tus Frankreichs in Tunis.

Ueber die Verhandlungen ist durchgesickert, daß Italien nach wie vor die französischen Vorschläge ablehnt. Italien verlangt Gebiets­abtretungen bis zum Tschad-Dee. Unter die- sen Umständen sei auch das Zustandetomme« des geplanten Freundschaftsvertrages zwischen Frankreich und Italien noch in ferne Zukunft gerückt.

Glückliches Amerika

Washington, 12. Juli.

Der Gesamtbetrag der Steuereingänge in den Vereinigten Staaten betrug in dem Ende Juni dieses Jahres abgelaufenen Fiskaljahr 2937 660 313 Dollar gegenüber 2790 535 538 Dollar im vorausgegangenen Fiskaljahr. Auf die Einkommensteuer entfallen hiervon 2 331109 827. Interessant ist, daß allein auf dm Staat Newyork 28,7 Prozent der gefamten in den Vereinigten Staaten eingegangenen Steuern entfallen, nämlich 813 Millionm Dollar.

Bestellte Ovationen

Bukarest, 12. Juli. (Eig. Drahtbericht.) Gestern wurde der Kammer der Gesetzentwurf vorgelegt, der die Verwaltung in Rumänien auf eine neue Grundlinie stellen soll. Der Ge- setzmtwurf wird am Montag im Plenum der Kammer zur DiAuffioa gestellt werden. Falls die Abgeordneten der liberalen Partei und die Partei des General AvereScu, wie angekündigt bei Beratung dieses Gegenstandes das Parla­ment verlassen sollten, wird die Regierung das Gesetz dennoch von der Kammer annehmen las­sen. Die Regierungsmehrheit bereitete am Montag in der Kammer lebhafte Ovationen.

auf fetten des and. Landes, und so bewegt sich der Kreislauf ab Infinitum. Und wenn die Rüstungen verstärkt werden, wächst die Gefahr des Krieges mit ihnen.

Der Völlerbund hat sich unablässig um SchiedsgerichtSverttäge, Sicherheit und Ab- rüstung bemüht. Keine Nation, die Mitglied des Völkerbundes ist, kann es wagen, einen Krieg zu beginnen, ausgenommen, wenn die letzte Frist, die einen friedlichen Ausgleich vor­siebt, verstrichm ist. Durch die Bestimmungen des Völkerbundes ist Vorsorge getroffen, daß kein Staat der Gefahr ausgesetzt ist, durch den kriegerischen Ueberfall eines anderen Überrascht zu werden, der möglicherweise auf den Krieg vorbereitet gewesen sein und unerwartet zum Schlage ausholen mag. Um solchen Möglich­keiten zu begegnen, wurden Sanktionen ringe» führt. Im Mittelalter waren ste unter dem Namen .Exkommunikation* bekannt, und heute nennen wir es Aechtung. Wir haben ver­sucht, den Krirg unmöglich zn machen, indem wir ihn für außerhalb des Gesetzes stehend erklärten.

Ich glaube nicht, daß der Kelloggpakt die Möglichkeit eine- neuen Kriege- au-schl'eßt. Mein Grund für diese Meinung ist lediglich der, daß ein Verteidigungskrieg stet­erlaubt ist. Nichtsdestoweniger bedeutet der Patt einen ungeheuren Fortschritt auf dem Gebiete der internationalen Beziehungen. Durch ihn wird der Krieg al- ein Instrument nationaler Politik geachtet, und durch solchen

Ban« ist der Krieg, ausgenommen tm Falle der Selbstverteidigung, unmöglich gemacht. Präsident Hoover hat erklärt, datz der Kellogg- patt der erste Schritt zum Weltfrieden gewesen sei und daß alle Nationen der Welt an seiner weiteren Ausgestaltung und Vollendung arbei­ten sollten. _ .

WaS die Sicherheit und Abrüstung betrifft, so können diese beiden Probleme kaum getrennt werden. Trotz des Völkerbundes und des Kelloggpattes ist die Abrüstung bet den Natio­nen nmh nicht durchgeführt. Da- Schicksal deS Frieden- oder auch deS Kriege- hängt immer noch von ihrem guten Willen ab. Es mag keine wachsende KriegSstimmung festzustellen fein, ober wiederum mag eine Zeit kommen, da alles von dem »drohenden Kriege* spricht. Um solchen Möglichkeiten zu entgegen, bleibt nur ein Mittel: Abrüstung. Sicherheit kann durch gegenseitige Garantten erreicht werden. Jede Nation sollte in einem Grad« abrüsten, der deutlich zeigt, daß ihrer militärischen Streitmacht jeder aggressive Charakter verloren geht. Da- Problem der Sicherheit hängt auch von der Frage der Solidarität ab,1 indessen dürfte bereits eine internationale Solidarität bestehen, das unbestrittene Symbol der Sicher- heft, dessen hoher Bedeutung sich die Welt in unseren Tagen mehr und mehr bewußt wird.

Eine Wahrheit indessen, zu der ich mich von ganzem Herzen Betemte, ist ein geflügeltes Wort geworden: .ES ist weit schwieriger, Frieden zu qiUtoa, alS den Kries W'wba. reite«.*

Die wünsche Lee evgl. Lirche

Berlin, 12. Juli.

Der preußische Kultusminister Dr. Becker und der Staatssettetär im Kultusministerium Lammers empfingen gestern den Präsidenten des Evangelischen OberkirchenrateS, Kapler, den Vorsitzenden der Generalshnode D. Winkler und den Geheimen Konststorialrat Karnatz zu Vor­besprechungen sür die Aufnahme der Verhand­lungen zwischen den evangelischen Kirchen und dem Preußischen Staatsministerium, die da- Ziel verfolgen, nach Erledigung deS Konkordat- zu paritätischen Vereinbarungen mtt den evan­gelischen Kirchen zu gelangen. ES wurden zu­nächst nur technische Fragen besprochen und ins­besondere festgelegt, datz die vorgenannten Her­ren Verhandlungsführer der evangelischen Kir­chen sein sollen. Es ist zu erwarten, daß nun­mehr von evangelischer Seite zunächst die Wünsche der Kirchen tiorgetragen werden. Dar­auf wird daS preußifche Kabinett, das am 13. August zur Unterzeichnung deS Konkordats zum erstenmal wieder voll zusammentritt, zu den Wünschen der evangelischen Kirchen Stellung nehmen und Richtlinien entwerfen.

Do. X aus dem Bodensee

Berlin, 12. Juli. Wie baS Berliner Büro der Dornier-Metallbauten in Friedrichshafen mitteilt, ist das neue FlugfchiffDo. X" zu Wasser gebracht worden und macht feU heute morgen bereits die ersten Rollversuche auf dem Bodensee.