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Meler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 161 Einzelpreis: Wochentags JO Pfennig.

Donnerstage 11.1«li 1929

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19. Jahr ang

Einigung in der Markfrage

Abschluß der deutsch belgischen Dethanblungen Freitag ober Sonnabend zu erwarten

Gründliche Prüfung des Abkommens Englische Mik am Aoungplan

(Eigener Drahtbertchl).

Eigen« Drahtmeldung

Paris, 11. Juli.

Der Brüffeler Korrespondent des „Oeuvre" berichtet seinem Klatt, daß mit dem Abschluß der deutsch-belgischen Markverhandlungen Freitag oder Samstag zu rechnen sei. Es sei bereits eine völlige Einigung erzielt worden, aber man werde sich vor der Unterzeichnung des Abkommens vergewissern, ob es in allen seinen Teilen durchführbar sei. Dies erstrecke sich auch auf die Regelung der Sequester-Frage

Europäische rvirtschaftsföLeration

Paris, 11. Juli.

Die Agentur Radio, deren gute Beziehungen zuui Quai d'Orsay bekannt find, veröffentlicht folgende Meldung: Wir sind in der Lage mit­zuteilen, daß Außenminister Briand, der schon seit langem den Plan einer europäischen Wirt­schaftföderation verfolgt, eine Anzahl ziemlich günstiger Nachrichten von den beim Völkerbund vertretenen Nationen erhalten hat. Der Außen­minister hatte diese Nationen befragt in der Hoffnung, gegen Ende des Jahres eine Konfe­renz einberufen zu können, die die ersten Grundlagen zur europäischen Föderation legen würde.

Kre&it als Druckmittel

Daladier über die Räumungsfrage.

Paris, 11. Juli.

Zur Rheinlandräumung äußert sich in sei­nem Organ „La Republique* der Vorsitzende der Radikalen Partei, Abgeordnete Dala­dier wie folgt: Das Rheinland muß ge­räumt werden, wenn Deutschland den Young- plan angenommen hat. Nicht die Anwesenheit einiger französischer Regimenter im Rheinland wird die Ausführung des Youngplanes sichern, sondern die Macht des Kredits, ohne den Deutschland seine wirtschaftliche Wiederaus­richtung nicht fortsetzen kann. Diese neue Rolle des Kredits als eines entscheidenden politischen Druckinstrumentes ist aus der Reparations­konferenz in die Erscheinung getreten. Die Be­setzung, vor allem in ihrer gegenwärtigen Form, würde keine ernste Sicherheitsgarantie sein können; sie ist in militärischer Hinsicht von mittelmäßigem Wert. Zwischen Deutschland und Frankreich wäre loyale Verständigung die unerläßliche Bedingung für die Organisation der europäischen Solidarität.

„Graf Zeppelins" Weltreise

Friedrichshafen, 11. Juli.

Während aus den Prüfstellen der Maybach- Motorenwerke die neuen Kuppelungen der f eppelin-Motor« probiert werden, ist man im uftschiffbau eifrig mit den Vorbereitungen für di« Weltreise des „Grafen Zeppelin' be- ^"Vor^einigen Tagen hat bereits ein Mitglied der Besatzung, Fahringenieur Bäuerle, tue Reise nach Tokio angetreten, um dort die Maßnahmen für die Zwischenlandung des Luftschiffes persönlich zu überwachen Die von Tokio über den Pazifik führende Etappe nach der Westküste der Vereinigten Staaten sollte nach den ursprünglichen Anordnungen bis nach dem amerikanischen Marlnehasen san Diego in Kalifornien gehen. Neuerdings ist aber eine Zwischenlandung in Los Angeles wahrscheinlicher geworden. Don Los Angeles wird die nächste Etappe Lakehurst sein, von wo aus die Rückfahrt nach Friedrichshafen er- f Unbestimmt ist noch immer der Termin für den Beginn der Weltreise. Wahrscheinlich ift daß die Fahrt bis spätestens in der zweiten Augusthälfte angetreten wird.

Spannung im Fernen Osten

London, 11. Juli.

Der Pekinger Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet: Die Konferenz der chine­sischen Führer hat fich mit dramatischer Schnel- ligkeit aufgelöst, nachdem aus der Mandschurei

Berichte eiilgegangen sind, daß die chinesische Telegraphenverwaltung von den Behörden in Charbin mit Beschlag gelegt worden ist, was eine weitere Verschärfung der chinesisch-ruffi schen Spannung bedeutet.

Tschanghsültang hat einen Sonderzug be­stellt, um sich schleunigst nach Mulden zurück­zubegeben. In Nordchina wird die Reise Tschanghsüliangs mit Unruhe verfolgt, da man an das Schicksal seines Vaters Tschangtsolin denkt, der im Jahre 1928 in seinem Sonderzuge auf der Reise nach der Mandschurei durch eine Bombenexplosion getötet wurde.

*

Die Beschlagnahme des Telephon- und Telegraphenbetriebes der ostchinesischen Eisen­bahn durch die chinesischen und mandschurischen Behörden ist mit der Begründung erfolgt, daß dieser Betrieb bolschewistischer Propaganda nutzbar gemacht worden sei. Die chinesische Polizei hat die Allgemeine Gewerkschaft dieser Eisenbahn, sowie die Sowietgewerkschaft und zwei Sowjet-Handelsbüros geschloffen. 60 Sowjetbeamte und Angestellte der Eisenbahn und der Gewerkschaft wurden verhaftet und nach Rußland ausgewiesen.

L>er Endkampf um Las

SchulLenabkommen

Paris, 11. Juli. Die Kammer tritt am Donnerstagnachmittag nun endgültig in die Beratungen des Schuldenabkommens ein. Wie bereits mitgeteilt, wird die erste Sitzung ziem­lich ruhig verlausen und völlig von den Aus­führungen des Ministerpräsidenten PorncarL ausgefüllt werden. Die eigentliche Aussprache wird erst Freitag beginnen.

Paris, 11. Juli. Dem „Echo de Paris zu­folge hat der Vorstzende der Deutschen Kriegs- lasten-Kommisston Ruppel am Mittwoch der Reparationskommission di, Namen der deutschen Vertreter mitgeteilt. Nte dem Organisations-Ausschuß angehören werden, die die im Jahre 1924 an­läßlich des Dawes-PlaneS vom Reichstag an­genommenen Gesetze dem Young-Plan anpas- sen sollen. Es handelt sich hierbei um die Ueberwachuna des deutschen Haushaltes und der Reichsbahn.

Die Reparations-Kommission hat darauf ihre Vertreter in den Ausschuß und die drei Unterausschüsse ernennen wollen. Zur attgr- meinen Uebcrraschung hat jedoch das britische Mitglied erklärt, daß es nicht in der Lage sei, an der Wahl teilzunehmen.

Das »Echo de Paris« zieht den Schluß, daß London nicht geneigt sei, den Youngplan in der gegenwärtigen Form anzuerkennen. Lon­don wartet zunächst, bis auf der kommenden Internationalen Konferenz der Plan abge­ändert sei.

Der überflüssige Konirollausschuß

London, 11. Juli.

Der diplomatische Berichterstatter des „Dai­ly Telegraph- berichtet ergänzend über den Inhalt der französischen Antwortnote, daß ge- wisse in der Note angeschnittene Anregungen über das einzuschlagend« Verfahren auf bri­tischer Seite Widerstand finden dürften, so, wenn man auf französischer Seite die Genfer Entschließung vom September 1928 als end-

Muffolini besucht Loudon

(Eigene Dra

London, 11. Juli. (Gig. Drahtbericht.)

Muffolini wird sich nach einer Meldung des „Daily Expreß" in übernächster Woche nach London begeben. Der Besuch fet inoffUieH und werde nur eine kurze Dauer haben. Mus­solini beabsichtige lediglich, die Lustsahrtaus­stellung in der Olympia Hall in London, die am nächsten Dienstag eröffnet wird, zu besu­chen. (Es wird abzuwarten sein, ob Musso­lini nur als Ausstellungsbesucher nach der englischen Hauptstadt kommt. Vielleicht fuhrt ihn sein Weg im Vorbeigehen doch ins Foreign Office! Di« Red.)

Englische

Rüstungsbeschränkung?

Trotzki in England unwillkommen.

London, 11. Juli. (Eig. Drahtbericht.) Trotzkis Emreisegefuch nach London ist gestern in der KabinettSsttzung endgültig abgelehm worden. Eine entsprechende Erklärung der Regierung wird heute nachmittag im Unter­hause abgegeben werden.

Das Kabinett beschäftigt sich gestern weiter­hin mit dem schwierigen Problem des eng­lischen Flugbauprogramm. Die Ansichten der Minister waren geteilt, sodaß es zu keiner endgültigen Einigung kam. Mit Bestimmtheit aber ist anzunehmen, daß von etwa sechs neuen Unterseebooten und dem dazugehörigen Mut­terschiff Abstand genommen wurde.

Nach italienischem Muster

Madrid, 11. Juli. Die in der Nationalver­sammlung von Primo de Rivera eingebrachte Verfassung besteht aus 104 Artikeln. Die wich­tigsten von ihnen sind die, die sich mit der Volksvertretung beschäftigen. Der Entwurf der neuen Verfassung lechtt sich hierbei an das faschistische System der Korporattonenverire- tung mit ihrem ständischen Charakter an. Der „Große Rat", der in der Art eines Senats dem König zur Beratung beigegeben wird, soll zur Hälfte bestehen aus den Führern des Heers, der Flotte, den Leitern der wichtigsten Staatsämter und der Kirche: die andere Hälfte der Mitglieder des Rais koll gewählt werd«,

tmeldung).

und zwar ein Drittel in allgemeiner, direkter Wahl und zwei Drittel von den Berufsver- bänden. „ . .

Das Parlament wird aus allgememen Wah- len hervorgehen, «r wird jedoch eine Ergän­zung durch dreißig vom König ernannte -lb» geordnete finden ES wird das Budget und die Gesetze zu genehmigen haben, es darf auch Tadelsvoten gegen Minister aussprechen, doch dürfen diese Voten keinen politischen Charak­ter haben.

Faschistische ArbetterpoUt»

Rom, 11. Juli.

In einer Ansprache an die im Flugzeug nach Rom gekommenen neuen Führer des Matländer Faschismus erklärte Muffoltm, Mailand muffe als führende Arbeitsstadt Ita­liens der Welt zeigen, was das faschistische Re­gime für die Arbeiterklasse geleistet habe, näm­lich unendlich viel mehr, als das was dl« reichsten Staaten des Dollars und des Pfun­des oder die Sowjets getan hätten.

Mit Bezug auf die Erziehungsfrage be­harrte Muffolini gegenüber den Einwänden und Vorbehalten deS Papstes unerbittlich aus seinem Standpunkt. Er schloß mit den Wor­ten: „Der Faschismus ist ein GlaShaus, in daS alle Einblick haben. Wehe dem, der das Schwarzhemd anzieht, um unlautere Geschäfte zu machen."

Manius Pyrrhussieg

Bukarest, 11. Juli.

Der Konflikt zwischen Regierung und Re­gentschaftsrat ist am heutigen Mittwoch da­durch beendet worden, daß der Rrgentschifts- rat den Gesetzentwurf über di» Zerwauungs- resorm zenehmigt hat. Der Gesetzentwiirf wurde in der Mittwochsitzung der Sammer durch den Innenminister Vaida vorgeleckt.

In politischen Kreisen wird erflärt, daß die Eindringung deS Gesetzentwurfes über die Verwaltungsreform zwar einen Sieg der Re­gierung darstelle, daS Ergebnis sei aber nicht so günstig, wie man allgemein glauben könnte. Die Regierung habe, wt« eS sich erweist, nun­mehr auch in den eigenen Rechen mit Schwie­rigkeiten zu kämpfen, damit der Gesetzentwtzrs in die Tat mngesetzt werde« tema.

gültig hinzustellen suche, als ob eS sich um einen Vertrag zwischen den Regierungen han­dele, während es in Wirklichkeit nur ein vor­läufiges Uebereinkommen sei.

England habe auch nicht wie Frankreich die Rheinlandräumung und die Endregelung der Kriegsentschädigungsfrage der Einsetzung eines Ueberwachungsausschuffes im Rheiulande un­tergeordnet.

Schließlich habe man sich auf eine unabhän­gig«, gleichzeitige Behandlung aller drei Fra­gen geeinigt. Praktisch sei aber nur die Kriegs- entschädigungssrage erörtert worden, so daß die Genfer Grundlage der Gleichzeitigkett nicht genau befolgt worden sei. Die Rheinläno- räumung sei überdies in der Genfer Ent­schließung als die erste der zu behandelnden Fragen genannt worden. Wie diese Ange­legenheit auch liegen möge, der Kellogg« Sait habe nach britischer Ansicht einen neuen attor in die Behandlung der Rheinland- und Sicherheitsfrage gebracht. Er müsse auch die Beweismittel dafür ergeben, daß

der von französischer Seite angestrebte lieber» wachungsausschutz vollständig unnötig

sei. Einen neuen Gesichtspunkt werde der im Houng-Bericht niedergelegte freiwillige Ver­zicht auf jede ausländische Aufsicht bringen. Im Lichte dieser Erwägungen sollte die Hal- tungder britischen Regierung bei den letzten AuKinandersetzungen mit Frankreich verstan­den werden.

Der Nanzler auf -er Ronferenz

Berlin, 11. Juli. (Eigene Meldung.) Ein Teil der Berliner Blätter weiß mitzuteilen, daß Reichskanzler Müller selbst die Führung der deutschen Delegation auf der ReparattonS- und Räumungskonferenz übernehmen werde, da fich sein Gesundheitszustand in der letzten Zeit erheblich gebessert habe. Der Entschluß des Reichskanzlers ist dadurch hervorgerufen worden, daß auch die übrigen Mächte durch die Regierungschefs fich vertreten lassen wer­den.

Loudon oder Luzern?

London, 11. Juli.

„Times* meldet: Das Kabinett konnte in seiner Sitzung zu keiner endgültigen Entschei­dung über den Tagungsort der bevorstehenden Reparationskonferenz gelangen, da die fran» zöstsche Regierung den Vorschlag, London als Ort der Zusamenkunst zu wählen, noch nicht angenommen hat. Die anderen interessierten Mächte sind bereit, nach London zu kommen, aber die französische Regierung beharrt noch immer aus ihrer Auflassung, daß die Zusam- menkunst in Luzern oder einer anderen Schwei­zer Stadt stattfinden sollte.

Man ist sich klar darüber, daß die endgül- tige Entscheidung ungefähr bis morgen fallen muß. Aber das Kabinett hofft noch immer, daß die französische Regierung die Berechti- gung der britischen Auffassung anerkennen wird, daß Minister, die erst seit einigen Wochen im Amte sind, nicht aufgefordert wer­den sollten, London wegen der Konferenz zu verlassen.

Vorwärts gegen Len MorLee

Ein« tschechische Taktlosigkeit

Prag, 11. Juli. Die vom Ministerium für nationale Verteidigung veranstÄtete tschechische Armeeausstellung in Tabor in Südböhmen enthält u. a. an einer am meisten sichtbaren Stelle ein großes Plakat, aus welchem ein tschechischer Legionär abgebildet ist, der im Be­griff steht, einen reichsdeutschen Soldaten nie­derzuschlagen. Die Auffchrist des Plakates lautet: „Vorwärts, vorwärts gegen den Mör­der und für die tschechoslowakische Demokratie.

Die sudetendeutsche Presse nimmt Anstoß an der Anbringung dieses Plakates, daS eine aufreizende Wirkung auSübt und geeignet ist, auf die Beziehungen zwischen den beiden Staaten erneut Schatten zu werfen. Sie er- innert daran, daß Deutschland der tschecho« flowakischen Demokratte niemals Schwierig­keiten bereitet habe