Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
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Nummer 159
EinzekpreiS: Wochentags 10 Pfennig.
Dienstag, 9. Juli 1929
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.
19. Jahrgang
Endlich ein Schritt vorwärts!
Verständigung mit Frankreich über den Termin und die Methoden der Reglemngöberaiungen
Keine Dreiteilung der Konferenz
Liebeswerben nm Rußland
Vereitelter Putsch in Rumänien
Doch schließlich London?
Der wachsame Innenminister
Bukarest, 9. Juli.
Die Lleinen
karester Fliegerabwehr-Regiments.
Gens, 9. Juli. Wegen der Vereinigung deS ehemaligen Deutfch-Ostastika mit den angrenzenden englischen Kolonialgebieten gab heute vor der Mandatskommission des Völkerbundes der englische Unterstaatssekretär für die Kolo-
durch eigene Delegationen vertreten sein wür- den, da die zu behandelnden Fragen als so bedeutungsv. für das britische Reich angesehen würden, daß eine engere Zusammenarbeit zwischen seinen selbst verwalteten Einheiten für notwendig gehalten werde, als durch einfachen telegraphischen Gedankenaustausch erreicht werden könnte.
Infolge der Vertretung der einzelnen Dominions sei man in London der Ansicht, daß es nur billig wäre, den kleineren alliierten Gläubigern Deutschlands, nämlich Serbien. Rumänien, Griechenland und Portugal ebenfalls di« Teilnahme an der Konferenz zu gestatten.
Biesenflugboot mit 6500 PS
40 Passagiere und 10 Mann Besatzung.
Sieg der Vernunft
Prag, 9. Juli. Eine amtliche Erklärung der offiziösen Prager Presse kündigt die bevorstehende gütliche Beilegung des Konfliktes von Hidasnömeti ohne Anrufung einer internationalen Instanz an. Die Angelegenheit dürfte durch einen Notenwechsel erledigt werden. dem die Wiederaufnahme des Eisenbahnverkehrs folgen würde.
Außerdem wird amtlich mitgeteilt, daß der tschechoslowakische Gesandte in Budapest dem ungarischen Außenminister die gewünschte schriftliche Note übermitteln wird, die eine Darstellung deS tschechoslowakischen Standpunktes enthält, wonach der bestehende Eisenbahn- Vertrag zwischen den beiden Ländern durch die Verhaftung des Stationskassierers Pescha verletzt worden sei, und die die Art bezeichnet, wie der Konflikt liquidiert werden könnte.
Freispruch im Benott-Vrozeß
Paris, 9. Juli. Im Prozeß gegen bei Elsässer Benoit verneinten die Geschworenen sämtliche Schuldfragen. Benoit wurde dementsprechend freigesprochen.
Benoit richtete einige Worte dez Dankes an di« Geschworenen, worauf ihm der Obmann entgegnete, er habe nicht den Geschworenen, sondern Fachot für seinen Freispruch zu danken. Di« Sitzung wurde ohne jeden Zwischenfall aufgehoben.
Polnische Phantasiemel-ungen
Kattowitz, 9. Juli. Die von der gefamten polnischen Presse gebrachte Meldung von einer angeblichen Vertagung des Ulitz-Prozesses hat sich als eine von polnischer Seite völlig frei erfundene Phantastemeldung herausgestellt. Die Verteidigung des Angeklagten Ulitz erflärt, daß
Neuer Zwischenbericht Gilberts
Berlin, 9. Juli. In politischen Kreisen erwartet man, daß der Bericht des Repavati- onsagenten Parker Gilberts schon in allernächster eZit der deutschen Regierung iwergeben wird Es handelt sich dabei um einen sog. Zwischenbericht, den fünften feiner Art.
Das neue portugiesische Kabinett
Loudon, 9. Juli. Ain Montag abend wurde die Zusammensetzung des neuen portuglep- schen Kabinetts bekanntgegeben Ferraz hat neben dem Ministerpräsidenlen auch dos Außen- und Innenministerium übernommen.
In den letzten Tagen sind wieder zahlreiche Verhaftungen vorgenommen worden, da die Regierung neue Ausstände befürchtet. Mar- schall Gomes da Costa wird von der Lissaboner Polizei festgehallen
Wie bekannt wird, hätten nach den Plänen der Verschwörer in der Nacht vom Samstag auf Sonntag die Mitglieder des Regentschasts- ~ ' Ministerpräsident, der Jnnenmini- ~ ' - 'astet werden Kant wollten
Rewyoick, 9. Juli.
Die Bereitwilligkeit der englischen Regierung, die diplomatischen Beziehungen zu Sow- jetrutzland wieder aufzunehmen, und die Gefahr, daß dadurch der amerikanisch-russische Handel Not leiden könnte, hat nach der „Chi- kago Tribüne" den Präsidenten Hoover veranlaßt, die Frage der Anerkennung Sowjetrutz- lands einer erneuten Prüfung zu unterziehe«.
Präsident Hoover hat niemals die Besürch- tungen der Staatsfekretär Hughes und Kelogg hinsichtlich der bolschewistischen Propaganda in den Bereinigten Staaten geteilt, und gab dem Wunsche, Verhandlungen elnzuleiten, um zu einer Verständigung über die noch bestehende« Schwierigkeiten zu gelangen, Ausdruck.
Die „Chikago Tribüne" bemerkt ausdrücklich, daß sie eine offizielle Bestätigung dieser Meldung nicht erhalten hat.
Bukarest, 9. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Im Ministerrat am Montag abend berichtete Ministerpräsident Maniu über die in den letzten Tagen vorgenommenen Verhaftungen und die damit in Zusammenhang getroffenen Maßnahmen.
rates, der Ministerpräsident, der Innenminister und der Kriegsminister verhaftet werden solle«. Zur Ausführung dieser Pläne wollten die Verschwörer ein Bukarester Regimen: gewinnen. Der geistige Urheber des Komplotts war General Sturdza, Kommandant des Bz»
größeren Anzahl von geladenen Gästen gezeigt worden. Mit den Probeflügen wird ie» doch erst in einigen Wochen begonnen werden können. Alle neuesten Errungenschaften der modernsten Flugbautechnik find bei diesem Boot angewendel worden.
Paris, 9. Juli.
Die französische Antwort an England, so erklären die Pariser Blätter übereinstimmend, versucht nochmals, als Verhanlungsort eine Stadt in der Schweiz vorzuscklagen; jedoch geschehe dies in freundschaftlichster Form. Außer- dem stehe Frankreich auf dem Standpuntt, daß neben der Konferenz am Verhandlungsort sämtliche Organisationsausschüsse tätig sein sollen, die die Ausführung des ^oungplanes erfordere. Dadurch werde man eine Arbeitserleichterung ermöglichen.
Rach dem „Matin" soll der deutsche Botschafter Brtand aufs neue erklärt haben, die Reichsregierung werde sich in der Frage des Konferenzortes der Mehrheit anschließen. Was die endgülttge Entscheidung betrifft, so glaubt „Oeuvre", daß trotz der französischen Einwen- düngen gegen London die französische Regie- ntng diese Stadt als Verhandlungsort anzunehmen gehalten sei. und daß nur sie allein Einwendungen hiergegen erhebe.
Friedrichshafen, 9. Juli. (Gig. Drahtbericht) Auf dem schweizerischen Ufer des Bodensee ist in den letzten Tagen ein neues Flugboot einer größeren Anzahl von geladenen Gästen ge-
Der Minister des Innern hat bereits am Donnerstag alle Einzelheiten des Anschlags gekannt und die notwendigen Maßnahmen getroffen, um die Minister, den Regentschastsrat und das Kabinett zu schützen. Der Putsch hätte vom Arsenal ausgehen sollen, wo die verhafteten Offizier« Dienst hatte«. Heut« sind alle Mflitärposten aus den öffentlichen Gebäuden Bukarest zurückgezogen. Di« Ueberwachung wird nunmehr als überflüssig bezeichnet.
kein Vertagungsantrag gestellt sei, sondern daß Ulitz vielmehr großen Wert darauf lege, daß der Prozeß fo schnell wie möglich stattfinde.
Das Luftschiff hat ein« Breite von 48 Meter, ist vierzig Meter lang und 10 Meter hoch. Der Flächeninhalt beträgt etwa 490 Quadratmeter. Zum Antrieb sind 12 Siemens-Jupi- ter Motor« von je 525 PS vorgesehen, sodaß insgesamt eine Kraft von 6300 PS. zur Verfügung steht. Man hofft, eine Höchstgeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern und eine Marschgeschwindigkeit von 190 Stundenkilometern erreichen zu können.
Die Paflagierräume sind für vorläufig 40 Personen bestimmt für die in großen Kabinen und im Speisesaal von beträchtlichen Ausmaßen Aufenthalt vorhanden ist. Der Führerstand ist ähnlich dem des »Grafen Zeppelin*. Ganz vorn sitzt der Pilot, unmittelbar dahinter liegt das Kartenhaus, dann folgt die Maschinenzentrale und ganz hinten steht als Ab- schluß die Funkbude. Die Besatzung besteht aus zehn Man«.
• Bukarest, 9. Juli.
I« der Rächt vom Sonntag auf Montag wurde« sämtliche Ministerien, die Post» und die Eisenbahndirektio« sowie die Rationalbank von starke« MUttärposten besetzt und in der Umgebung dieser Gebäude ein Militäraufgebot zusammengezogen. Im Ministerium des Innern herrschte die ganze Rächt über fieberhafte Tätigkett.
In einem Kommuniqus des Innenministeriums heißt es: Einige Agitatoren aus dem Zivilftand versuchten, geführt von dem früheren Oberste« August Stoifka, anscheinend ein Komplott gegen die öffentliche Ordnung zu organisieren. Es ist ihnen aber nicht gelungen, auch nur den geringsten Aufruhr zu erzeugen. Das ganze Ergebnis chrer Aktion bestand darin, daß es ihnen gelang, sich der Mitwirkung zweier Offiziere sowie einiger Arbeiter aus den Militärwerkstätten zu versichern. Die Agitatoren und ihre Komplizen find verhaftet worden.
Im ganzen Lande herrscht vollkommene Ruhe. Die Ordnung wurde nirgends gestört und die Armee tut nach wie vor ihre Pflicht
Aussetzung von Streitigkeiten über die Renten der Standesherre» anordnet, unterzeichnet. DaS Gesetz ist bereits im Reichsgesetzblatt veröffentlicht «nd hat damit Rechtskraft erhalten.
Der Reichspräsident hat die Frage des ver- faffungsmätzigen Zustandekommens eingehend geprüft. Neben dem Gutachten, das im Reichs- justizministerium ausgearbeitet worden ist, hat der frühere Oberreichsanwalt Ebermeier em Gutachten erstattet, in dem er zu der gleichen Auffassung wie die Juristen deS Reichsjustiz. Ministerium sgekommen ist, nämlich, daß das Gesetz keinen verfassungsändernde« Charakter trägt.
nie« die Erflärung ab, daß die neue englische Regierung diefe Frage noch nicht habe studieren können, daß aber in keinem Falle eine Entscheidung getroffen werden würde, die mit dem Mandatsvertrag über Tanganjika nicht vereinbar sei. Dagegen teilte er mit ,daß jetzt fchon die Militärstrettkräfte von Tanganjika unter das gleiche Kommando wie die Kolonialstreitkräfte von Njassaland (Rhodesien) gestellt wurden, eine Maßnahme, zu der England nach Artikel 10 des Mandatsvertrages berechtigt ist.
Das Sperrgesetz ht Kraft
Berlin, 9. Juli. Reichspräsident von Hindenburg hat das sogenannte Sperrgesetz, da» die
Pans. 9. Juli. Der deutsche Botschafter von Hoesch hatte Montag nachmittag «ine weite« Unterredung mit dem Generalsekretär des Außenministeriums Berthelot und abends eine solche mit Brland. Beide Unterredungen dienten der Fortführung des Meinungsaustausches über die Gestaltung und die Aufgaben der bevorstehenden Regierungskonferenz.
Bon französischer Seite erfahre« wir über diese Besprechungen, daß Brranv dem deutsche« Botschafter von dem Inhalt der englischen Not« und der Antwort, die heute im Ministerrat endgültig festgelegt werde« wird, Kenntnis gegeben habe. Es bestehl jetzt eine Einigkeit darüber, daß die Konferenz in der ersten Augustwock-e, möglichst am 6. August, zusammentrete« soll. Di« französische Regierung hält die Absicht, di« Konferenz in d«i Teile zu zerlegen und damit die Lösung zu verschieben, nicht aufrecht, fonderu stimmt hinsichtlich des Verfahrens de« deutschen und englischen Anregungen zu.
melden sich zum Wort
London, 9. Juli. Der diplomatische Berichterstarter des »Daily Telegraph" will «rissen, daß alle Dominions auf der kommenden internationalen Konferenz zur Erörterung des Houngplanes und der Rheinlandräumung
Beruhigungspillen
Das Schicksal Deutschostafrikas vor der Mandatskommission.
Unwetterschüden Im Bayerischen Wal-
München, 9. Juli. Das Unwetter, da» im bayerischen Walde wütete, hat, wie sich erst jetzt übersehe« läßt, großen Schaden angerichtet. In Zwiesel sind die Felder derart mitgenommen worden, daß man kaum noch erkenne« tonn, welche Frucht auf de« Aeckern gestanden hat. Besonders große« Schaden hat der Sturm in de« ausgedehnten Waldungen angerichtet. Ma« schätzt de« Bruchschaden an schlagbarem Holz aus ungefähr 300 000 Festmeter. Die Wälder find in manchen Gegenden vollständig zerstört.
Schwer sind auch die Schäden an de« Wohnstätten. In der Stadt Zwiesel find 50 Familie« obdachlos geworden. In Altpocher bei Zwiesel wurde» sämtliche Häuser vom Sturme abgedeckt, so daß die Bewohner in Maffen- auartieren untergebracht werden mußten. Rach vorläufigen Schätzungen beträgt der entstandene Schaden in der Stadt Zwiesel allein eine halbe Million Mark. Gemeinden und Bezirke stehe« der Katastrophe hilflos gegenüber.
Frankreichs
RSumungsbe-ingungen
Der heutige Ministerrat in Paris.
Paris, 9. Juli. Im heutigen Minifierrat, der sich mit der Antwortnote Frankreichs an England beschäftigen wird, dürfte Außenminister Brtand voraussichtlich den Tert der Antwort auf die britische Note vom 6. Juli feinen Minister-Kollegen unterbreiten.
Diese Antwort, so erklärt Pertinax im .Echo d« Paris", bedeutet ein erstes Rachge- den, und Mar in der Frag« der Dreiteilung der Konferenz. In der vom Quai d'Orsay vorbereiteten Note bestehen wir noch auf einer neutralen Stadt als Konferenzort. Wir wissen aber fchon, daß Henderson glaubt, uns feinen Willen auszwingen und uns nach London ziehen zu tonnen. Wenn der Ministerrat in dieser Frage schwanken und sich einschüchtern lasse« sollte, würden wir bald einen zweiten Rückgang zu verzeichnen habe«.
Von überwiegender Bedeutung in den Verhandlungen des Kabinettsrates, fo sagt Pertinax weiter, fei wahrscheinlich die Tatsache, daß die Minister zunächst erst einmal Gelegenheit haben würden, ein« gemeinsame Linie hinsichtlich der Bedingungen sestzulegen, zu den«« die Räumung d«S Rheinländer selbst von französischer Sette abhängig gemacht werden soll. Di« meisten dieser Bedingungen seien bereits bekannt und benötigten keine besondere Erwähnung, aber bie Ansicht, daß eine verlängerte Besetzung des Rheinlandes nach wie vor eine wesentliche Notwendigkeit für ben europäischen Frieden (?!) darstelle, werde im Verlaus« der Besprechungen sicher in den Vordergrund treten.