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Kasseler Neueste Nachrichten

__________ Kasseler Abendzeitung ess Hessische Abendzeitung

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Nummer 157 «tn^lprril: Wochentags M Pfennig.

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Verdeckte Batterien

Aufruf zum Boykott

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Berschoben, aber nicht aufgehoben?

(Eigene Drahtmeldung).

sernbletben mit unaufschiebbare» !arma teilte mit, daß er wegen

werden

!« ist. Aber zu­erfunden. Den»

Vertagte Krise

Keine Sensationen in der Kammersitzung.

Paris, 6. Juli.

Genf, 6. Juli. Der Hilwn-Youngbericht über die Eingliederung des früheren Deutsch- osiasrita in ein neuzuschassendes afrikanisches Dominion, den die englisch« Regierung aus Proteste von deutscher Seite dem Völkerbund zur Kemttms gebracht hat. Wird in der gegen- würtig in Genf stattftnvenden Sommertagung der ständigen Mandatskommission noch eine Roll« spielen Bon unterrichteter Seite hört man jedoch, daß di« Verhandlungen der Kom- misst»» über den Bericht lediglich formalen Charakter hab«» dürften, da die neue Labour- regierung in England zu verstehen gegeben W, daß sie die Pläne de< Hilton-Houng-Be- richtes vorläufig suspendieren will. In diesem

Nation des Krieges auch Wirklichkeit werde. _ Äto,edloi/ heute Im einzelnen schon

die Möglichkeiten, die sich nach einem etwaigen Rücktritt des Kabinetts PoincarL ergeben wür- den, in Betracht zu ziehen Immerhin darf d" Erwartung Ausdruck gegeben werden, datz ein LmkSkabinetl, von dem jetzt in Frankreich so viel geredet wird, für uns ein Verhand­lungspartner sein würde, dem e» um eine Zusammenarbeit mit Deutschland ehrlicher zu t«n wäre als dem jetzt im Amte befindlichen Kabinett PoincarL. Und auch Aristide Brtand, von Einflüssen befreit, die seinem innersten Arsen doch wohl zuwiderlaufen, würde dann wieder das werden können, wozu er berufen ist: Ein Anwalt der deutsch iranzSsifchen Ver- ständiguna, der auf verdeckte Batterien und ähnliche Dinge gerne verzichtet und das Ver­trauen zum Leitmotiv des Handelns macht.

-------— Teiles der Re­parationszahlungen und von der Einrichtung eine- alS harmlos« VersöhnungS- und Fest- stellungSkommtsston firmierenden Kontrollor­ganes tauchen auf, Forderungen, nach denen die Annahme bei Youngplanet von der Durchführung gewisser innerpolitischer Maß­nahmen in Deutschland abhängig gemacht wer­den soll, werden erhoben. Wie Deutschland

Paris, 6. Juli. (Eigener Drahtbertcht.) Die „Action Francatse' veröffentlicht Aufruf, in dem zur Organisation einer Be­wegung zum Boykott des nach der Ratisizte- rung des Koungplanes zu erwartenden Ein­tausches französischer Renten- und KriegSan- leihe-Papiere gegen Wiederaufbau-Anleih« auf» gerufen wird. Di« in den Wiederaufbau-An­leihen angelegten französischen Werte würde» infolge des Aoungplanes England und Ame­rika überliefert werden.

wolle, bleibe ja nicht! andere! übrig, al! die Ersetzung der englischen Truppen in Wies­baden durch französische Truppen vorzuberrtten.

Frankreich steht heute hart am Rande etner Regierungskrise. Von rechts und von links wird gegen daS Kabinett PoincarL Sturm Sslaufen. Der Kampf geht in erster Linie um di« Ratifizierung des Schuldenab.'ommenS mit Amerika, daneben aber auch um die Maßnah­men, die den Beginn des neuen Zeitalters, von dem Briand sprach, einleiten sollen. Durch die von einem Teil der französischen Parteien geforderten Vorbehalte, die Frankreichs Zah- lungen an Amerika in enge Beziehung zu den deutschen Reparationsleistungen setzen würden, hat die Debatte um di« Ratifizierung auch für Deutschland ein gewisses Interesse, bei weitem wesentlicher aber ist doch für uns der Streit der französischen Parteien, der um di« Ein- berufuna der RegierunaSkonferenz, um den Ioungplan und feine Auswirkungen geht

Schroff stehen sich in diesen Fragen die Ansichten gegenüber. Auf der eine» Seite die Rechtsparteien, denen der Gedanke, daß auf der Regierungskonferenz die Räumungsfrage und alles das, was unter den Begriff Lraui- datton des Kriege! fällt, zur Debatte stehen werde, Albdrücken bereitet, und auf der ande- ren Seite di« Sozialisten und Radikalsoztali- sten, die von der Regierung eine klare Siel- lungnahme zur Reparatwus- und Räumungs- srage fordern.

w- p. Von PoincarL erzählt man sich, dab er. selbst beim herrlichsten Sonnenschein und Helm strahlendsten Blauhimmel keinen Spa- zlergang ohne Regenschirm unternehme. Es mag sein, daß auch diese Anekdote, wie so viele ihrer Ärtf—"----- -L - ’

Paris, 6. Juli.

Eine Massenkundgebung gegen die Rati­fizierung m Paris, an der mehrere tausend Personen, Abgeordnete, Frontkämpfer usw. teilnahmen, erfolgtL am gestrigen Lage. U. a. nahm der Führer der republikcmisch-demokra- ttschen Union, der frühere Pensionsminister Marin, da! Wort. Er sagte etwa folgendes: Der Sachverständigenplan ist ein

»euer Berzicht auf unsere Rechte.

Wir erhalte» nicht einmal die Hälfte der Zin­sen für unseren Wiederaufbau. Wir bekom- E!enJein£n Mennig, kein Kapital und nichts wr die Pensionen. Reben der unglaublichen Tatsache, daß Dretvirrtel der Zugeständnisse, die Amerika Frankreich hätte machen können, Deutschland zugute kommen, wäre dieser Plan Ausgangspunkt einer neuen Außenpolitik. Diese würde somit der

Räumung bei RheinlandeS, Vie mit der französischen Sicherheit in Wider­spruch stehe,

und mit der Regelung der Saarfrage begin­nen. DaS bedeute aber die Liquidation bei Versailler Vertrages und die Liquidierung des S eges, abgesehen von den Gebietsbestimmun­gen, an denen man nicht mehr rütteln kann, weil neue blutig« Auseinandersetzungen dadurch entfesselt würden.

Französische Hetzer am Werk

Swnttümpfer-Kunbgebmig in Varis / Sine Rede Marins / Frankreichs „bedrohte" Sicherheit

t «erlitt, 6. Juli. m,3n„ der Freitagverhandlung des Slinn«-. betlal der Vorsitzende Telegramme der Ausländer Bloch und Parma, die als Zeu­gen vernommen werden sollten. Bloch ent» schWigt sein Fernbleiben mit unaufschiebbare» Geschäften. Varma teilte mit, daß er wegen Krankhett nicht zur Sauvtverbandluna erlch-t.

Unaufschiebbare Geschäfte

Schluß der Beweiserhebung am Mont»,

diesem Feuer, daS DriandS verdeckte Batterien abgeben werden, am besten begegnen wird, das hat ReichSbankpräsident Dr. Schacht vor dem Industrie- und Handelstag in folgenden Wor­te» gesagt: „Ich hoffe, daß sich keine parla- mentarische Mehrheit in Deutschland finden wird für die politische Ratifizierung bei Youngschen Planes wenn nicht durch die so- orttge bedingungslose Räumung deS Rhein- andes und eine befriedigende Regelung der Saarfraae uns die volle Souveränität über dar deutsche.Reichsgebiet zurückgepeben wird.'

DaS deutsche Volk ist in keiner Mehrheit, so darf man wohl annehmen, bereit, dem Ponng- ttan tia# aller Bedenken zuzustimmen, um den Weg zu einer endgültigen Lösung der Re- parationsfraae, die dieser Plan freilich noch nicht gebracht hat, freizumachen. Es muß dann aber erwarten, daß die enbgültige Liqui-

Ein unglaublicher Vorschlag

Pari!, 6. Juli.

Rach der französischen Rechtspresse wurde in Versammlungen der Rechtsverbände die Parole gegen die Rheinlandräumung auSge- geben. DaS „Echo de Pari!" nimmt heute, an die gestrigen Ausführungen de! englischen Außenminister! anknüpfend, zur Rheinland- frage Stellung und schreibt u. a.: Da Hender- so» erklärt har, weder die französische noch die belgische Regierung hätten sich bisher durchaus ablehnend gegenüber der Auffassung verhalten, dal Rheinland müsse so rasch wie möglich ge­räumt werden, müsse die französische Regierung antworten. Wenn die französische Regierung nach der Rede Henderson! nicht der «pielball Dentschland! und der Internationale sein

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mindest ist sie ausgezeic. ne trifft einen toejentliehen &baraiteriua des französischen Ministerpräsidenten sie I'bezeich "bnd fur die stets wache, bis zum Mißtrauen gesteigerte Vorsicht, die auch in -der Politik deS Lothringers immer wieder hervortritt: Je- den Augenblick entdeckt PoincarL am politischen Himmel Wölkchen, die Frankreich gefährlich werden könnten, und dauernd hat er auch als Politiker den Regenschirm zur Hand.

Aristide Briand hat zwar einst in Locarno dem Geiste des Mißtrauens di« Grabred« gr- halten und dem neuen Geiste der Solidarität den Willkommensgruß entboten, aber die vier Jahre, die uns nun bald von der Locarno» Unseren, Kennen, sind an dem französischen ßuJIoi vorübergeaangen. »rianb ist des Kampfes müde geworden, er bat sich dem Einfluß bei KabtnettchefS auf die Dauer nicht entziehen können. Strese- manns Locarnopartner hat die Rolle deS Führenden längst ausgegeben. Der Regen» schirm PoincarL! bat auch für die von Briand geleitete französische Außenpolitik symbolische Bedeutung bekommen. Und wenn der fram zosische Außenminister kürzlich mit einem Schwung, der an frühere Zeiten erinnerte, den Youngplan als „Beginn eines neuen Zeit- ayers- feierte, bann zeigte boch schon der nächste Satz seiner Rede mtt ein paar bösen Wen» und Aber, daß durch die jetzige Gedan- kenwelt Briand! ein Riß geht, daß sich da! Mißtrauen auch in dal Denken und Fühlen dieses Mannes eingeschlichen und den „Geist der Solidarität' der einst in ihm mächtig war, zurückgedrängt hat.

Zwischen den beiden Fronten, nicht genau in der Mitte, sondern von der Mittellinie ein paar Schritte nach rechts postiert, die Regie» rungl Und Briand? Nirgends ein Versuch, das Tempo der Vorbereitungen zur Regie- rungskonserenz zu beschleunigen, nirgend! ein mutiges Eintreten für die völkerversöhnenden Ausgaben, die er einst f» packend zu schildern wußte. Und selbst all in der Kammerkommik» sion die Linke eine Erklärung über die Siel» lungnahme del Kabinett! zur RSumunglfrage verlangte, hatte Briand nur eine ausweichende, nach Poincartlchen Methoden gestaltete Ant» wort bereit. Eine Antwort, in der von „ver­deckten Batterien', die der Welt jetzt noch nicht gezeigt werden dürsten, die Rede war.

Aul den Kommentaren der Pariser Presse wissen wir ungesähr, wie die Munition, die von diesen vertarnten Batterien abgefeneri werden soll, beschaffen ist. Pläne von einer Verbindung der Räumungsfrage mit der Mo­bilisierung del transferfreien Ii

nen könne. Unter allgemeiner Heiterkeit stellte der Vorsitzenbe frst baß bte unaufschiebbaren Geschäfte unb bte Krankheit bei Zeugen wohl solange dauern würden, wie der Prozeß.

Die beiden medizinischen Sachverständigen Medizinalrat Dr. Stürmer und SanttätSrat Leppmann bekundeten Übereinstimmend, daß bei dem Angeklagten v. Waldow während der Zeit der Straftaten und auch als er fein Ge- tändniS ablegte, keine krankhafte Geister- störung vorgelegen habe.

Am Montag wird man wahrscheinlich mit bet Beweiserhebung zu Ende kommen.

Falle bestehl für di« Mandatskommission kein Anlaß, sich krittsch mit dem Bericht zu de» schäfttgen.

Der MandaiSausschuß hat Freitag den Jahresbericht der füdasrkamschen Regierung u65r-1,?al lUbwestafrikanische Mandatsgebiet geprüft. Dabei kamen auch die Lage des deut- Zwiste Enteignungen zur Sprache, bu vor allem gegenüber der Kaolo- Land- und Minengesellschaft vorgenommen wurden. Die Vertreter der südafrikanischen Rearerung gaben hierzu die Erklärung ab, daß diese Enteignungen aus Gründen der Gemein- nutztgkett vollzogen worden und niemals im fl,c9en Gesellschaften gerich­tet gewesen seren.

Der belgische Botschafter Gaiffter d'Hestroh stattete Freitag im Quai d'Orsay einen neuen Besuch ab, um sich mit Außenminister Brtand über die mit der bevorstehenden RegierungS- konferenz zusammenhängenden Probleme zu unterhalten. Uber die Einzelheiten der Aus­sprache ist bisher nichts bekannt geworden.

Rach dem „Malin' steht es nunmehr fest, datz die Sachverständigen, die die Statuten der Internationalen Bank beraten sollen, nicht, wie man angenommen hatte, in Baden-Baden zusammentreten werden, sondern in der glei­chen Stadt, in der die Regierungsvertreter tagen, sodatz ihre Arbeiten mit denen der Di- plomaten parallel laufen würden.

Völkerbund und Repurusionsbank

Gens, 6. Juli. Di« Erörterungen übet den Tagungsort der Zünftigen Konferenzen zur Re­gelung der Reparallons» und Räumungsfrage । werden in Genf mit größter Aufmerksamkeit verfolgt, denn von der früheren oder späteren Einberufung der Konferenz hängt sehr wesent­lich der Verlauf der Völkerbundsversammtunz im September ab. Infolge der Verzögerung der Konferenz läßt man Befürchtungen laut werden, daß die Septernbervollveriammlung wiederum eine vollkommen unübersichtliche @t. tuation vorfinden und dadurch in ihren Arbei­ten stark beeinträchtigt werde.

In einer Teilfrage der Reparationslösung fühlt man sich tm Generalsekretariat noch un- mittetoarer interessiert, nämlich bei der Schaf- fung der zentralen Reparationsbank. Man nimmt an, daß durch die Tätigkeil der Repa- rakionsbank die bisherige Arbeit des Völker- bundeS auf dem Finanzgebi«, j. B. bei der Begebung von Anleihen sowie Stabiltste- rumas- und Sanierungshtlfe, zu einem be- triichrltchen Teil aufgehoben oder stark be­schrankt werde. Man hält es auch für möglich, daß die Reparationsbank einen Teil der bis­her beim Völkerbund zentralisierten statisti- schen Arbeiten über die Wirtschaft und die Fi- nanzen der Welt übernehmen wirb.

Die gestrige Kammersitzung, der man in po- litlschen Kreisen mit größter Spannung ent» gegenaesehen hatte, da sie über das Schicksal der Regierung entscheiden sollte, verlies wie daS Hornberger Schießen.

Zunächst stellte Ministerpräsident PoincarL bei Beratung der Interpellation des Unabhän­gigen Linken Goh über die Niederlage, die fidj die französische Regierung mit ihrer Forve- tung nach einer Verschiebung des Fälligkeit!- termins für die amerikanische Handels,chuld in Washingwn geholt habe, die Vertrauen!- frage, worauf daS Haus durch Handaufheben und mit starker Mehrheit die Vertagung be- schloß.

Geradezu belustigend wurde die gefürchtete Interpellation des Abgeordneten Dormann be­handelt. Innenminister Tardieu gab nur eine kurze Erklärung ab, daß er niemals be­absichtigt habe, Dormann der Lüge zu beschul­digen.

Rach dieser „Erledigung" der beiden In­terpellationen ist selbstverständlich di« Regie­rungskrise nicht beseitigt worden. Der fachliche Konflikt in der Frage der Schuldenratisizie- rnng besieht -wischen der Regierung und den Kmmnerkommiffionen unvermindert fort, ja man kann feststellen, daß er nach dem gc,»ri­sse» Beschluß der außenvolitisclsen Kommission sowie durch den inzwischen endgültig geworde- nen Rücktritt des Berichterstatters der Finanz- tomnttffwn Pietri noch verschärft worden ist. Die Krisengefahr itz also ledtglich bi! Diens- tag vertagt.

Im Interesse

-er europäischen Friedens

Henderson für sofortige Räumung.

London, 6. Juli. Im Unterhaus gab Außen- Minister Henderfo» Freitag die prinzipiell wichtige Erklärung ab, daß England für die so­fortige unb vollständige Räumung des Rhein- land«! eintreten wird. Er sagte n. a.: „Ich habe teilten Anlaß zu der Bermuiung, daß Frankreich und Belgien einer völligen Räu­mung unüberwindliche Schwierigkeiten in den Weg legen werden. Die englische Regierung wird sich für eine sofortige Räumung emsetzen, da eine allmähliche und etappenweise Räu­mung nicht im Interesse des europäischen Frie- denS liegt".

Die Frage öesLkonferenzortes

Pari!, 6. Juli.

Gegen Youngplan und Räumung!

Eigene- Drahtbericht.