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Meter Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 154

Mittwoch, 3. Zu« 1929

19. Jahrgang

Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.

Keine Tariferhöhung Lee Reichsbahn

Frankreich ratifiziert!

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der Finanzausschuß in seiner Mehrheit die Roiifizftrung für unmöglich hält.

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nister des Innern der Kreishauptmann von Bautzen Dr. Richter, die beide keiner Partei angehören.

Der deutsch-polnische Handelsvertrag

Warschau, 3. Juli. In den letzten Tagen haben innerhalb der beteiligten ReichSressortS in Anwesenheit des deutschen Gesandten in Warschau erneut Besprechungen über die deutsch-polnischen Handelsvertragsverhandlun­gen stattgefunden. Dabei ist im besonderen auch die Situation erörtert worden, die sich durch die neuen deutschen Zollveränderungen ergeben hat/ Wie verlautet, hat auch das Reichskabinett sich in seiner Dienstagssttzung mit dem deutsch-polnischen Handelsvertrag befaßt.

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Berlin, 3 Juli.

Die von der Reichsbahn beantragte Tarif­erhöhung wird der deutschen Wirtschaft zunächst erspart bleiben. Die Reichsbahngesellschaft wird gegen de« ablehnenden Bescheid deS ReichSverkehrSministerS daS Reichsbahngericht nicht anrufen. Man wird versuchen, bei der Ausführung des Young-Planes für die Reichs- bahn eine Erleichterung herauSzuschlagen, die ihr ermöglicht, die letzte Lohnerhöhung, die 25 Millionen Mark ausmacht, ohne Tariferhöhung zu decken.

Vulkanausbruch aus -en Neuen Hebriden

Suva (Fidschi-Insel), 3. Juli. Der große Vulkan aus der Insel Ambryn (Reue Hebriden) ist wieder in Tätigkeit getreten. 300 bis 400 Eingeborene haben die Insel verlaßen und aus einer benachbarten Insel Zuflucht gesucht.

Die Misfionsniederlaffungen der Adventisten und der Presbyterianer wurden zerstört. Men- schen find dabei nicht ums Leben gekommen. Man befürchtet, daß auch die zwischen diesen beiden Stationen belegende MisfionSnieder- laffung der katholischen Kirche dem Erdbeben zum Opfer gefallen ist.

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Die Ablehnung der von der Reichsbahn be­antragten Tariferhöhung durch die ReichS- regierung ist aus der Erwägung heraus erfolgt, daß eine Entscheidung über die finanzielle Sa­nierung der Reichsbahn erst erfolgen kann, wenn man nach Beendigung der bevorstehenden politischen Verhandlungen über den Young- Plan eine flare Uebersicht über die Gestaltung der Reichsbahnfinanzen gewonnen hat. Die Verhandlungen zwischen ReichSregierung und

tenkundgebungen am 28. Juni, dem Tage deS das Preußische Gesamtkabinett eingebracht haben, wird am Sonnabend im Plenum deS Abschlusses deS Versailler Vertrages gegen Landtags zur Beratung kommen. Mit dieser Beratung verbunden werden die weiteren An­träge gegen de» Innenminister und gegen den Kultusminister, die von der Wirtschaft». Partei und der Deutschen Fraktion vorgelegt worden sind. Außerdem liegen von denselben Parteien Mißtrauensanträge gegen den Innenminister wegen feiner Frankfurter Rede vor. Ferner hat die Deutsch« VolkSpar- tet zu den beiden Punkten Große Anfragen eingebracht.

Gin Hin-ernis -er engl.-ame- rikanischen Verstan-igung

London, 3. Juli. Die amerikanische Zoll- tarisgesetzgebung wird in allen Teilen deS englischen Weltreichs außerordenflich schwer kritisiert und wächst sich mehr und mehr zu einem Hindernis für die englisch-amerikanische Verständigung auS, dessen Bedeutung nicht unterschätzt werden darf. Der australische Mi­nisterpräsident Bruce wandte sich am, DienStag in einer Rede mit Rachdruck gegen die ameri­kanische Tarifpolitik und verlangte Gegenmaß­nahmen innerhalb deS britischen Weltreichs.

auswärtige Geschäft».

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Pari«, 3 Juli.

Die Beratungen deS Auswärtige« und der Finanzausschusses am Dienstag verstärkten die Gewißheit, daß Frankreich das Schuldenab­kommen mit Washington und London ratifi- zieren werde. Der Streit ginge in der Haupt­sache noch um die Vorbehalte in der Frage, ob dies« in das Abkommen selbst ausgenom­men werden oder der Gegenstand einer Zu­satzbestimmung bilden sollen.

Der amtliche Sitzungsbericht ist, gewollt oder ungewollt, sehr unklar gehalten. Es scheint aber so, daß auch

Reicher Segen an Mitztrauensantragen

Berlin, 3 Juli.

Der Mtßtrauensantraa, den die Deutsch- nationalen im Preußischen Landtag wegen der Vorkommnisse bet den Berliner Stuben-

Englands «euer Kurs

W.P. König Georg ist nach mehrmonatiger Abwesenheit, zu der ihn seine schwere Erkrap- kung gezwungen hatte, in die englische Haupt­stadt zurückgekehrt. Die Bräun« seines Ge­sichter täuschte den Zehntausenden, die ihn wäh­rend seiner Fahrt durch die Londoner Straßen jubelnd begrüßten, Gesundheit und Frische vor. Aber der Schein trügt, König Georg ist in Wirflichkeit auch heute noch ein kranker, leiden­der Mann. DaS zeigte sich von neuem schon am Tage nach seiner Rückkehr, als es sich der König versagen mußte, eins der bedeutsamsten unter den wenigen Staatsgeschäften, die für den englischen Monarchen noch übrig geblieben sind, in eigener Person z« erledigen: An seiner Stelle stand der Lordkanzler vor dem Hause der Lords, um in feierlicher Sitzung die Thron­rede, das politische Programm des Königs und seiner neuen Regierung, zu verkünden.

Die politische Wirklichkeit pflegt sich in pro­grammatischen, auf Wirkung nach außen be­rechnete» Kundgebungen, in denen jeder Satz sorgfältig überlegt ist, vieler gefällig stisiert und manches schamhaft verschwiegen wird, nur unvollkommen widerzuspiegeln. Dar gilt auch für die Thronrede, mit der den edlen Lords am DienStag aufgewartet wurde. So wurden, um nur ein Beispiel anzuführen, die britische - Sorgen, die sich an die SelbständigkeitslMre- bungen Indiens, Aegyptens und einiger anderer Dominions knüpfen, mit dem Mantel der Liebe zugedeckt. Und nur aus der allerdings recht deutlich bekundeten Hochachtung vor den Dominions sprechen die bangen Gefühle, die daS Knistern im Gebälk deS britischen ReicheS den emsig lauschenden Londoner Staatsmän­nern bereitet. '

Reichsbahn dürften sich bis im den August, möglicherweise sogar biS l» de» Septem­ber hinausziehen. Im Vordergrund dieser Auseinandersetzung steht die Frage des Finanz­ausgleiches zwischen Reichsbahn und Reichs­regierung mit dem Vorschläge deS Reichsver­kehrsministers Stegerwald, der Reichsbahn für bedeutende wirtschaftliche und nationale Zwecke besondere Zuwendungen auS Reichs­mitteln zu überweisen. DeS weiteren steht di« Frage der Anleihe zur Beratung, die bisher an den zu hohen Zinssätzen und auch an der kurzfristigen Laufzeit gescheitert ist.

Leider steht der Ausgabensteigerung bei der Reichsbahn keine Einnahmeerhöhmig, sondern sogar eine beträchtliche Einnahmeverminderung gegenüber, sodaß mit einem Gesamtfehl, betrag von rund 115 Millionen ge­rechnet werden muß. Ob eS tatsächlich gelingt, dieses Loch mit Hilfe deS Reiches zuzustopfen, tst sehr fraglich und eS ist daher nicht unwahr­scheinlich, daß im Herbst die Reichsbahn sich gezwungen sieht, bett jetzt abgelehnten Tarif» erhöhungSantrag erneut zu stellen.

Der Youngplan müsse nicht nur, bevor Frank­reich thm zustimme, ausdrücklich vom Reich ra­tifiziert sein, sonder« der Reichstag werde (diese Bemerkung stammt von Briand) eine bestimmte Zahl von Gesetzentwürfen anneh­men müssen, die die Reichsfinanzen in Ord­nung zu bringen hätten. Er handele sich für oie französischen Unterhändler darum, von Deutschland die Gewißheit zu erhalten, daß es aufrichtig und guten Willens sei.

Der »Petit Parisien* schreibt: Die Annahme des YoungplaneS bedeutet auch die Eröffnung einer Aera, in der Deutschland, von jedem Zwange befreit, nur noch durch seine Verpflichtungen gebunden sei.

Die juristische Möglichkeit für Deutschland, »ach den Bestimmungen des Versailler Ver­trages, daS linke Rheiuufer wieder zu erhalten, könne nicht »lS wünschenswert betrachtet werden

Als Gesamteindruck kann festgehalten werden: Die Regierung ist weiterhin der Ansicht, daß sich die Ratifizierung durch Regierungsv" ordnung als empfehlenswerteste Lösung d< stelle.

Dresden, 3 Iusi. Ministerpräsident Dr. Dün­ger hat am Dienstag nachrmnag sein Kabinett gebildet, das, wie bereits angekündigt, als Ka­binett von Fachleuten angefproche» werden mutz. In dem neuen Kabinett find neben Dr. Bänger, der außer der Ministerprästdentschaft das Volksbildungsministerium übernimmt bezw. beibehätt, von der alten Regierung der deutschnattonale Wirtschaftsminifier Dr. Krug von Ridda und der Finanzminister Weber jWirtschaftspartei) vertreten. Reu in das Ka­binett trete» ein als Justizminister OberlandeS- gerichtspräfideni De. ManySseltz und als Mi­

Prag. 3 Juli.

Durch Verhaftung eines spionageverdächtigen tschechoslowakische» Eisenbahnbeautte» »amen« Pescha in der Grenzstation Hidasnemeti ist zwi. schen der Tschechoslowakei und Ungarn ei» Zwischenfall entstanden, dem eine gewisse Be­deutung nicht abgesproche» werde« kann.

Dienstag mittag 12 Uhr wurde von der tsche- choslowakischen Eisenbahnverwaltung der ge­samte Personen- und Güterverkehr über die Grenzstation Hidasnemeti eingestellt.

Es wird vorausstchüich versucht werden, den Zwischenfall auf diplomatischem Wege betzu­legen, da daS Eisenbahnministerium sich an daS tschechoslowakische Außenamt mit dem Ersuchen gewandt hat, auf diplomatischem Weg zu- gunsten des von den Ungarn verhafteten Eisen, bahnkassterers zu interveniere».

Im übrigen vertrttt man aus tschechoflo- wakischer Seite die Auflassung, daß für die Verhaftung des Eisenbahnbeamten Pescha kei- »erlei stichhaltige Gründe Vorgelegen habe» könnten, da dieser Beamte nur 14 Tage lang in der Grenzstation «ushilfsdienste versehen habe und in dieser kurzen Zett keine Gelegenhett für eine Spionage geboten gewesen sei.

Die Budapester Abendblätter setze» die hef­tigen Angriffe gegen die tschechoslowakische Re­gierung fort und heben heroor, daß die Ab­sperrung der Grenze der erste Fall in bet Ge­schichte sei, daß ei« Staat wegen eines verhaf­teten Spion« eine solch fchwerwiegende Rc- preffalie ergriffen habe.

Sehnsucht nach Afghanistan

London, 3. Juli. (Eia. Drahtbericht.) Rach einer Meldung des »Daily Expreß" aus Kairo soll Exkönig Aman Ullah erklärt habe«, er be­absichtige, nach ungefähr 612-wöchentlichem Aufenthalte wieder «ach Afghanistan zurückzu­kehren, werde dan« aber keine Ansprüche auf de« Thron erhebe«.

Tschechoslowakische Grenzsperre

(Eigene Drahtmeldung).

Ablehnen-e Haltung -er Sozialisten

Paris, 3. IM. Die sozialistische Kammer­gruppe nahm ebenso wie die Mehrzahl der an­deren Fraktionen zu der interalliierten Schul­denfrage Stellung. Im Laufe der Beratung sollen sich die meisten Mitglieder gegen die Ra- ttfizierung ausgesprochen haben. Jedenfalls fand ein Antrag auf Stimmenthaltung leine Gegenliebe. Die Abgeordneten Grum- bach und Froffard setzten sich für die Ratifi- zieruna ein, stießen aber aus den Widerstand fast aller anderen Mitglieder. Die Gruppe faßte noch keinen Beschluß, sondern will am Donnerstag vormittag erneut zu der Frage Stellung nehmen.

Entscheidend ist aber vor allem eins: Die neue Regierung ist bei der Theorie, bei der Er­kenntnis, daß sich der Regelung der Repara- tionsftage die Räumung als notwendige Folge anschließen müsse, nicht stehengeblieben; sie hat bekanntlich bereits energisch den Willen be­kundet, dieser Erkenntnis entsprechend zu han­deln.

Ueber die Bedeutung, die diese englisch, ftanzöstsche Gegensätzlichkeit für die Behand­lung der Räumungsfrage hat, ist kein Wort zu verlieren. Abzuwarten bleibt aber, ob da- mit eine grunvsätzliche Neuorientierung der englischen Europapolitik, bei der etwa der einst das englische Handeln bestimmende Gedanke derAufrechterhMung des europäischen Gleich­gewichts" wieder eine Rolle spielen würde ein- geleitet werden soll. Wenn auch manche An­zeichen dafür sprechen, daß der englische Lieb- Haber jetzt dem Garne Mariannes entschlüpfen möchte, so dürfen doch die gern etnf amen Inter­essen, die England und Frankreich auf allen Gebieten, auf denen es die Ernte aus den

Vorsichtig, dem Charakter dieser Kundge­bung entsprechend, werden in der Thronrede di« brennendsten politischen Probleme behan­delt. Man geht, bildlich gesprochen, auf leisen Sohlen, um niemand durch den Widerhall oer Schritte auszuschrecken. Und auch der Premier hat sich leider in seiner Unterhauserklärung gescheut, den großen Gegenwartsfragen herz­haft zu Leibe zu rücken. Selbfwerständlich in- tereffiert uns das, was Macdonald und der Lordkanzler über die innerpolitischen Ziele des Kabinettes, über die Bekämpfung der Ar­beitslosigkeit, Über den Wiederaufbau deS Kohlenbergbaus und die Regelung der Ar­beitszeitfragen, zu sagen hatten, nur in be­schränktem Maße. Uns bewegt Vielmehr in erster Linie die Frage, ob und in welcher Richtung der außenpolitische Kurs Englands 'unter der neuen arbeiterparteilichen Regie­rung eine Aenderung erfahren soll. Selbst ans den vorsichtigen Formulierungen der Thron­rede wird man immerhin zu diesem Kapitel einige Beiträge gewinnen können.

Sir Austen Chamberlain hat einmal, als thm noch die Sonn« ministeriellen .Glückes- schien, bei einem Pariser Besuche in einem Augenblick »männlicher Rührung- das Ge­ständnis abgelegt, daß er Frankreich liebe, wie man sonst nur eine Frau lieben könne. Dieses Geständnis entsprang sicherlich einem ehrlichen Gefühl. Die Pflege der guten Beziedungen zwischen London und Paris war der oberste Grundsatz der Polttik, die England in der Aera Baldwin-Chamberlain betrieb, und in einer Thronrede, die unter Mitwirkung dieser beiden Konservativen stilisiert worden wäre, hätte niemals ein gegen Frankreich gerichteter Gedanke Unterschlupf gesunden, wie er gestern von dem Lordkanzler in den Ausführung, über die Rheinlandräumung ausgesprochen wurde.

Die »aflckx Sieutfue Rachnchie» ertcbetnen wSchrntlich leb»mal nachmittag». Der Abo«. WM / bei frejer ÄkteNng iiwWs, :x bei ®e- MMf,8fteÖe «bgebolt 9.10-*. Dur» Me Soft monatlich g.80 X ausickliebl'ck Auftellunaeac. »udr RÜKablungeo de» V«ug,gelbe» oder »uforüche wegen etwaiger uichi ordnung». Zahiger dieftruug ist aubgeichloffe». Kör ageeriattgt eingefaabie Beiträgt kamt die »A. ®e»86t in keinem Wolfe ftbentebtaew. «chriftleimng,

«erlag und Druckerei: gaffet SchlachtbofftraKe «t.lMO. Wernfo*. 8801, 8802, 8608, 8604.

Mexiko wir- trockengelegt r

Proteste gegen die Einführung der Prohibition

Mdxiko, 3. Juli. Das neue Gesetz über die Einführung der teilweisen Prohibitton tst seit gestern in ganz Mexiko in Straft getreten. In­folgedessen mutzten alle öffentlichen Gaststätten, die alkoholische Getränke zum Ausschank brin­gen, um 9 Uhr abends schließen, während sie früher bis Mitternacht offen bleiben dursten. Die Sranntttfeinbrennereien haben beschlossen, einen Propagandafeldzug gegen das neue Ge­setz zu eröffnen.

Wetterwolken im Südosten

Zwischenfall in einem ungarisch-tschechoslowakischen Srenzort / Erregung in Prag und Budapest