Nummer 153
Dienstag, 2. Zutt 1929
Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.
19. Jahrgang
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.
Unerträgliche Verzögerungen
Lim die Einberufung der Regierungskonserenz / Englischer Appell an Brianö
Dr. K. Rupprecht.
Die „Bremen" in Southampton
rNinifterrat im Llysee
Paris, 2. Juli. (Eigene Drahtmeldung). Der deutsche Botschafter v. Hoesch halte heute abend eine Unterredung mit dem französtschen Außenminister Briand. Die Besprechung, die etwa eine Stunde dauerte, diente der Erörterung der Fragen, die durch die Vorbereitung der demnächst statfindenden Regierungskonferenz aufgeworfen worden find.
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Kein südslawischer Protest gegen den Boung-pian
Stürmische Bauerukuudgebung in Husum
London, 2. Juli. Der neue Lloyd-Dampfer I griff Deutschlands mit Leichtigleit abgewehrt „Bremen", ist in Southampton eingetroffen, Iwerden könne... Und wir trauen unseren wo er ins Dock gehen wird, um dort seinen | Augen nicht: Die Stimmung der Bevölkerung Boden-Anstrich zu erhalten. I im ganzen Rheinland sei itt letzter Zett so er-
Macdonald bleibt fest!
London, 2- Juli.
SufteHung 86 4). Rechaangsbeträge tanerd-lb iffet bäte fteroivrecher «liaeaebeneo A«»ei«» a nicht »atantteti werden ftftr Anzeigen mit luffchlaa. Postscheckkonto Frankfurt s. M. 6880.
Husum, 2. Juli.
Rach mehreren ähnlichen Kundgebungen in den letzten Tagen wurde in Husum Montag nachmittag eine Versammlung der Landvolkbewegung abgehalten, um gegen die Verurteilung des Landvolkführers Wilhelm Hamkens, Mitglied des Reichstages, der wegen Aufreizung zum Steuerstreik zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden war, zu protestieren. Hamkens wandte sich scharf gegen die Regierung und bezeichnete als Hauptziel die Bekämpfung und Beseitigung des parlamentarischen Systems. Seine Ausführungen und die der übrigen Redner wurden wiederholt von tosendem Beifall unterbrochen.
Zum Schluß der Versammlung bildeten, die Versammlungsteilnehmer, etwa 300 Landwirte, einen geschloffenen Zug. um Hamkens ins Gefängnis zu geleiten. Eine von Landjägerei- und Polizeibeamten gebildete Polizeikette in der Theodor Stormstraße wurde von der Spitze des Zuges überrannt und unter lauten Rufen bis zum AmtsgerichlSgebäude zurückgedrängt Die sich vergebens zur Wehr setzenden Beamten nahmen vor dem Portal des Amtsgerichtsgebäudes Ausstellung. Aus der
Zeichen -er Abrüstung
Washington, 2. Juli. Die Durchführung des neuen Flottenbauprogramms ist mit der Vergebung von zwei leichten Kreuzern an die Puget-Werft und die Bethlehem-Schiffsbau- gesellschaft begonnen worden. Die Kosten betragen 8,8 bezw. 10,7 Mill. Dollar. Die Ablieferung erfolgt in drei Jahren. In de« nächsten Tagen werden drei weitere 10000 to• Kreuzer in Auftrag gegeben werden.
Wahlen im früheren
Deutsch-Sübwestafrika
Paris, 2. IM. Heute findet im Elyfte ein Ministerrat statt, der sich mtt der ablehnenden Note der Vereinigten Staaten, der bevortzehen-
Belgrad, 2. Juli. Rach Mitteilungen aus informierter Stelle beabsichiigt die südslawische Regierung niet#, dem Beispiel Griechenlands zu folgen und einen formellen Protest gegen den Youngplan, soweit er Südslawien betrifft, einzulegen. Die südflawische Regierung sei zwar mit dem Südslawien berrefzen- den Teil des Uoungplanes nicht zufrieden, doch wolle sie diese Unzufriedenheit in einer anderen Form, und nicht in der eines diplomatischen Protestes zum Ausdruck bringen.
Man schreibt uns aus Wiesbaden: In den letzten Tagen häuften sich die internationalen Pressemeldungen über einen angeblichen Beginn der Rheinlandräumung durch die fremden Truppen. Der Wiesbadener Berichterstatter eines englischen Blattes z. B. hat bekanntlich berichtet, daß dem Kommando der hier stationierten britischen Formationen der Auftrag erteilt worden sei, Pläne auszuarbeiten, die eine Räumung innerhalb von vierzehn Tagen gestatten. Das ist schon möglich. Richtig ist auch, daß die hier einquartierten Tommies nicht mehr feldmarschmäßig gedrillt werden. Die Manöver, die noch im vorigen Sommer einen so bedauerlichen Umfang annahmen, scheinen wirklich von London aus abgesagt zu sein. Die Engländer rechnen also bereits mit einer vorzeitigen Räumung nach dem Youngplan, das heißt, zum 1 September dieses Herbstes. Aber was planen die Franzosen drüben in Mainz und was geht vor allem bei der interalliierten Rheinlandkommission in Koblenz vor?
Aus Koblenz wurde bekannt, daß die Fran- zosen dort einige Vorwerke des Ehrenbreitstein geräumt hätten. Das wäre wenig von Bedeutung. Aber das Kommando in Mainz will, so heißt es, in den nächsten zwei Wochen ein In- filtert-- und ein Artillerieregiment ir Marsch setzen. Das wäre schon mehr! Es fragt sich nur, wohin die beiden Regimenter abttanspor- tiert werden. In die Heimat? Das Ziel kann auch die südlich gelegene dritte Zone sein. Man will Platz machen für die Truppen, die nach dem Versailler Vertrag am 10. Januar 1930 die zweite Zone geräumt haben müssen. Rach dem großen Grippe-Sterben der Soldaten im letzten Winter will man diese Umgruppierung möglichst schon jetzt in der warmen Jahreszeit vorbereiten. So kann es also auch sein! Die
Paris, 2. Juli. Der ..Malin" will wissen, Botschafter von Hoesch habe am Montagabend bei der Besprechung mft Bem französischen Außenminister über die Vorbereitungen der Reparationskonferenz Briand von neuem erklärt, die Reichsregierung würde auch in der 8rage des Konferenzbefchluss-s sich gern der uffaffung der Mehrheit auichließen. Briand seinerseits dürfte die Gründe dargetan haben, die nach französischer Auffassung vorliegen.
Der britische Botschafter har, wie der „Matin" weiter meldet, den Auftrag, die Aufmerksamkeit Briands aus die Verschleppungstaktik zu lenken. Briand soll versichert haben, daß die französische Regierung den Gedankenaustausch nicht in die Länge ziehen lassen wolle.
London, 2. Juli. Ein Berliner Bericht der .Times" äußert sich über die wahrscheinliche Behandlung der Saarfrage auf der kommenden internationalen Konferenz durch die deutsche Regierung. In dem Bericht heißt es, Deutschland werde die Frage zwar aufrollen, es sei aber nicht anzunehmen, daß eine volle Lösung erzielt werde. Alle Anzeichen deuteten im Augenblick daraufhin, daß ein Fehlschlag der Beziehungen die volle Wiederherstellung der Oberhoheit des Saargebietes gleichzeitig mit der Rheinlandräumung zu erzielen, den Youngplan nicht zerstören werde. Die territoriale Sette der Angelegenheit werde im Uebrigen keine großen Schwierigkeiten bereiten, da eine Abstimmung zugunsten Deutschlands von vornherein feststehe.
Wenn auf die volle Rückgabe im Augenblick nicht der nötige Nachdruck gelegt werde, so geschehe das wohl aus der Ueberzeugung heraus, daß der Preis für einen solchen Rückkauf zu hoch fein könne. Auf der deutschen Seite glaube man jedoch, daß es Zeit wäre Zahlen zu nennen, um eine Verhandlungsgrundlage zu erhalten.
den Kammerberatung über die Rattftzierung des Schuldenabkommens uns mit der Vorbereitung der Regierungskonferenz befassen soll Man rechnet in Kammerkreisen immer noch mit der Möglichkeit, daß gegen Ende der Dienstag-Nachmittagssitzung Franklin Bouillion oder einer seiner Gesinnungsgenossen den Versuch machen wird, die Regierung über die Note der Vereinigten Staaten zu interpellieren. Die Regierung ist aber fest entschlossen, jede Interpellation vor Eintritt in die eigentliche Schuldenberatung durch Stellung der Vertrauensfrage abzuschlagen.
schreckend „aggressiv" geworden, daß ein militärischer Schutz nun erst recht nicht entbehrt werden könne. Die Fliegerei, die ja feit einiger Zeit im besetzten Gebiet nicht mehr verboten werde, fei ebenfalls sehr verdächtig. Die Deutschen hätten jetzt Gelegenheit, ganz unauffällig durch Luftaufnahmen neue Generalstabskarten anzufertigen. Dazu kämen die deutschen Bahnverbesserungsanlagen u. Bahn- neubauten, der emsige Ausbau der Straßen und vor allem die neuen Brückenbauten. ,
Man sollte auf all diesen Unsinn nicht weiter eingehen, zumal soeben aus Berlin bekannt gegeben wird, daß die Verhandlungen mit Paris über den Bau der 3 neuen Rljein- brücken einen durchaus zufriedenstellenden Verlauf nehmen. Was unseren emsigen Ausbau der Straßen anbelangt, so weiß ja jeder, wie sehr die Franzosen mit ihren Lastkraftwagen und Manövertanks unsere Chausseen 10 Jahre lang ruiniert haben. Das Koblenzer Gutachten fordert, daß in Mainz für die Dauer des Tributplanes (! Also auf 62 oder noch mehr Jahre hinaus?) ein starker militärischer Posten bleiben soll, der ähnlich wie im Saar- gebkt durch einen Bahnschutz der Nahe-Linie entlang mit Frankreich verbunden werden müßte. Auch für Bingen und di: Pfal'-isftv Brückenschutz verlangt. Stärke des Schutzkorps 10 bis 12 000 Mann. Das Koblenzer Gut- achtm scheint von A bis Z lächerlich, ja gerade zu kindisch zu sein. Aber was wird die
Pariser Diplomatie daraus machen?
Die englische Thronrede
London, 2. Juli. (Drahtmeldung). Die Thronrede ist infolge der Krankheit des Königs Dienstag mittag um 12 Uhr durch den Lord- kanzler verlesen worden. Die Aussprache über die Rede wird bis Ende nächster Woche andauern. Heute werden Macdonald, Baldwin und Lloyd George zur Thronrede Stellung nehmen. Der erste Vorstoß gegen die Regierung wird jedoch erst tm Verlaufe der Aussprache Mitte oder Ende nächster Woche er solgen.
Jubel in Lon-on
König Georgs Rückkehr in die Hauptstadt.
London, 2. Juli. Die Londoner Bevölkerung hat Montag dem englischen König, der nach beinahe fünfmonatiger Abwesenheit nach London zurückgeiehrt ist, einen herzlichen Empfang bereitet. Der König, der im November erkrankt war. war am 9. Februar nach Bognor übergesiedelt und ist jetzt aus Windsor nach dem Buckingham-Palast zurückgekehrt. Eine nach Zehntausenden Bhlende Menschenmenge hatte auf dem ganzen Weg von Windsor nach London und in den Straßen Londons Aufstellung genommen.
Der Einzug des Königspaares erfolgte mit großem höfischem Gepränge. Schulkinder streuten beim Herannahmen des offenen Hofwa- gens große Mengen kostbarer Rosen und anderer Blumen. Der König, der von der Sonne gebräunt ist, machte einen frischen Eindruck; er erwiderte die Begrüßungsrufe in einer Dankesbotschaft. Die Begeisterung erreichte ihren Höhepunkt, als der König nach seiner Ankunft im Buckingham-Palast auf dem Balkon des Schlosses mit der volkstümlichen Prinzessin Elisabeth auf den Armen erschien.
Menge wurden Ruse laut „Schießen! Schie-
Nachdem Hamkens in das Gerichtsgebäude eingetreten war, fang die Menge das Deutschlandlied, worauf sie sich zerstreute. Nach Abzug der Landwirte traf ein Kommando der Schutzpolizei aus Schleswig im Auto zur Verstärkung ein, brauchte aber nicht mehr in Tätigkeit zu treten.
Stachel-raht gegen Alkohol
Washington, 2. Juli. Der Unterstaatssekretär im Schatzamt Lowmen teilt mit, daß die Führer der Trockenlegungsbewegung in der nächsten Kongretzsitzung den Atttrag stellen werden, die etwa 5000 Kilometer lange Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada mit einem 2 Meter hohen Stacheldrahtverhau S versehen, um auf diese Art den Alkohol- muggel zu unterbinden. Das Schatzamt veranschlagt die Kosten für dieses Projekt auf etwa 10 Mill Dollar. Gleichzeitig veröseutlicht die Vereinigung zur Bekämpfung der Prvhibi- tionsgefetzgebung eine StatistÜ, wonach 90 Prozent der kanadischen Liköraussuhr nach den' Vereinigten Staaten gehen.
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Franzosen denken wahrscheinlich noch gar nicht an den L September, sondern bestenfalls an den 10. Januar.
Die deutsch« Rheinlandbevölkerung ist immer noch pessimistisch. Daß dieser PesstmiS- muS nicht ohne Grund ist, beweist ja wieder das seltsame „Gutachten", das auf einen Pariser Wink hin zurzeit in Koblenzer Militär- Ireifen auSgearbeitet wird und von dem soeben einige erbauliche Jnhaltsteile an die Oeffentlichkeit gelangen. Mau sollte eS nicht für menschenmöglich halten: DaS Gutachten der Herren in Koblenz warnt vor einer baldigen Rheinlandräumung im Interesse der „immer noch gefährdeten Sicherheit Frankreichs". Di« naher« Begründung: Frankreichs Grenzstcherungen an ber Ostgrenze seien noch nicht so weit ausgebaut, daß ein plötzlicher An-
London, 2. Juli. „Morning Post" meldet aus Johannisburg: Morgen finden im Mandatsgebiet Südwestafrika allgemeine Wahlen statt. Es stehen die Deutsche Partei und die unionistische Partei (Engländer, Holländer und Südafrikaner) einander gegenüber. Sollte«, die Unionisten eine Zweidrittelmehrheit erhalten. so würden sie die Möglichkeit haben, die Verfassung abzuändern und das Mandatsgebiet in die südafrikanische Union einzugliedern. Die Deutsche Partei rechnet jedoch damit, daß diese Zweidrittelmehrheit von den Unionisten nicht erreicht werden wird.
Der diplomatische Korrespondent d«S „Daily Telegraph" schreibt: Die italienische Regierung hat jetzt endgültig ihre Zustimmung zu dem britischen Vorschlag mitgeteiltz die Re- parations- und Rheinlandskonferenz in London abzuhalten. Nachdem nunmehr Italien, Belgien und Deutschland ihre Bereitwilligkeit zur Teilnahme an einer Londoner Konferenz bekundet haben, ist es nicht überraschend, daß Macdonald und seine Kollegen es ablehne«, fich durch die an den Haaren herbeigezogenen Pariser Argumente von ihrer ursprünglichen Absicht abbringen zu lassen.
' Britische Kreise geben zwar zu, daß die Umwandlung des Noungberichtes in einen Vertrag erhebliche Arbeit machen wird. Tie teilen aber nicht die französische Ansicht, daß diese Aufgabe Monate beanspruchen muß. Sie erwärmen sich auch nicht für den Gedanken, drei aufeinander folgende Konferenzen abzuhalten, nämlich eine der Staatsmänner .eine der Sachverständigen und bann wieder eine der Staats- männer. Ein solches Verfahren würde geeignet fein, die Rheinlandräumung über das laufende Jahr hinaus zu verzögern. Macdonald und seine Kollegen find keinesfalls bereit, eine solche Möglichkeit in Erwägung zu ziehen.
Angst vor der Räumung
Von einem Sondermitarbetter.
Der deutsche Botschafter bei Briand
Eigene Funkmeldung
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Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Noch keine en-gültige Lösung -er Saarfrage?
Englischer Druck auf Frankreich
London, 2. Juni. Die Entscheidung der engt Regierung in der Rheinlandfrage geht, wie der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegraph" meldet, soweit, daß die britische Regierung nicht davor zurückschrecken werde, ihre Truppen allein zurückzuziehen, wenn sich eine allgemeine Räumung nicht erzielen lassen sollte. Anweisungen an das britische Hauptquartier seien aus London zwar noch nicht eingegangen, Maden aber für eine schnelle Zurückziehung der britischen Truppen in Vorbereitung. Die üblichen Anweisungen für die Sommer-Manöver habe man nicht mehr er- lassen.