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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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°u.Pj.' JittäsablungeB bes UesuaSaelbeS ober Ansprüche wegen etwaig« nicht ardnunab- LIefemng ik ausgefchi^fen. Kür n»o«lang! eingesanbte Beiträge kann bk -i°- «-ra-tworw°g »ewto W keinem »alle Sbemebmen... Echttstleimng.

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Nummer 152 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

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19. Jahrgang

Räumungsbeginn am Rhein

.Leb» Wochen genügen bei gutem Willen, eine Akmee abzubesörbern"

Englische Stimmen für uns

Eigene Funkmeldung.

Frankreich in der Klemme

Bon unserem .Pariser Korrespondenten.

London, 1. Juli.

.Observer" sagt in einem Leitartikel: Die offentllche Meinung Englands ist bereits unge- duldtg geworden. Zweifellos hat die Frage der RHeinarmee der Regierung bei den Parla­mentswahlen Stimmen gekostet. Man wird sa­gen, daß Eile verhängnisvoll ist, und daß eine Räumung am 31. August unmöglich sei. Wir glauben das nicht.

Zehn Wochen genügen bei gutem Willen vollauf, um eine Armee abzubesörbern.

Aus zwei Wochen früher oder später kommt es nicht an, aber es kommt darauf an, daß ein endgültiges Datum für die Zurückziehung der letzten britischen Soldaten vom Rhein festge- setzt und noch während der jetzigen kurzen Par- lamentssession bekanntgegeben wird. Wir wünschen dringend in dieser Frage mit unseren Freunden in Paris und Brüssel gemeinsam zu handeln,

aber wir können nicht ihretwillen weiter- hin die tiefsten Gefühle unserer Freunde in Berlin verwunden. Großbritannien Muß feine Truppen zurückziehen, wenn möglich mit Frankreich und Belgien.

Wenn nicht, dann allein.

Dem diplomatischen Korrespondenten der Daily Mail zufolge werden die üblichen Som­mermanöver der britischen Besatzungstruppen im Rheinland in diesem Jahre nicht abgehalten werden. Man hatte immer erwartet, daß die Räumung des Rheinlandes durch die britische Besatzungsarmee sich über eine Reihe von Wo­chen, wenn nicht Monaten ausdehnen würde. Ich höre weiter, daß Ende voriger Woche das Hauptquartier in Wiesbaden Anweisungen er­halten hat, die einen solchen Plan radikal de­mentieren. Seit der Besetzung vor mehr als 10 Jahren waren der wichtigste Teil der Aus­bildung die Sommermanöver, bei denen die Truppen im Freien übernachteten.

DaS Aufgeben der Sommermanöver in diesem Jahre deutet darauf hin, daß die Truppen in kürzester Frist zurückgezogen werden sollen.

Der Sonderberichterstatter der Daily Mail in Wiesbaden meldet: Das britische Kommando wünscht eine schrittweise Zurückziehung der Truppen; denn die Uebergabe des besetzten Ge­bietes schließt eine ungeheure Menge Arbeit ein. In Wiesbaden allein sei es notwendig, in mehr als 1030 von Engländern belegten Ge­bäuden ein Inventar aufzunehmen und Scha­denersatzansprüche zu erledigen.

den Besatzungsangehörigen nicht den gleichen durch die Winterkälte bedingten Unannehmlich­keiten aussetzt, wie das damals bei der Um­siedlung der Besatzungstruppen der ersten Zone nach Frankreich der Fall gewesen ist.

Reparation und Räumung

Untrennbare Begriffe für die Konferenz.

London, 1. Juli. (Eigener Funkdienst). Der diplomatische Mitarbeiter deS Daily Tele­graph berichtet, die französische Regierung plane für die diplomatische Konferenz eine Tagesordnung festzulegen, die auf eine stark be- vorzugte Behandlung der französischen Forde­rungen hinauslaufen würde. Paris wollte an- regen, daß Deutschland den Aoungplan in Ber- tragsform annehmen soll, bevor die politischen Fragen einschließlich der Räumung auf einer Konferenz erörtert werden. Der diplomatische Mitarbeiter tritt diesen Bestrebungen nachdrück, lick entgegen und verweist auf die Genfer Ent- schließung vom Dezember 1928 in der der Grundsatz der gleichzeitigen Behandlung der Tributregelung und der Rheinlandräumung aufgestellt wurde. Der Friedensvertrag von Versailles gebe überdies keine juristische Hand- habe, um Deutschland eine ständige ausländi­sche Ueberwachung im Rheinland aufzuerlegen. Ebensowenig würde es rechtmäßig sein, in der bereits geräumten ersten Besatzungszone erneut eine ausländische Ueberwachung einzurichten. Dagegen sehe der Friedensvertrag die Wieder- besetzung der geräumten Gebiete im Falle der Einstellung der Zahlungen vor.

Amerika sperrt

»ie deutsche Einwanderung

Rewyork, 1. Juli. Die neuen EinweisungS- quoten sind nunmehr in Kraft getreten Da­nach ist die deutsche Quote von über 50 000 auf knapp 26 000 Einwanderungen im Jahre verringert worden, während die Quote für Einwanderer aus England eine Verdoppelung erfahren hat. Der Verlust, den daS Deutsch­tum in den Vereinigten Staaten erleidet, ist beträchtlich und wird sich erst in späteren Jahrzehnten auswirken.

JJdj kann Ihnen nicht sagen, wie sehr mich die Franzosen ergötzen. Diese so sehr nach Neuigkeiten begierige Nation bietet unaufhör­lich neue Szenen dar" . . . Und: »Die franzö­sische Nation ist die ungereimteste in ganz Europa, sie besitzt zwar viel Geist, aber keine Folgerichtigkeil im Denken". Das hat Frie­drich, der große Preutzenkönig vor etwa 180 Jahren zu einem Vertrauten gesagt. Jst's heute anders?

In einem patriotischen Wahnsinnsanfall hat die Pariser Kammer ihre Regierung gezwun­gen, einen ganz aussichtslosen Canossagang nach Washington zu unternehmen, um einen Zahlungsaufschub für die 10 Milliarden-Han- delsschuld (Kaufpreis für die übernommenen Kriegsvorräte)' vom 1. August aus den 31. Dezember zu erbitten. Jeder Franzose, den man unter vier Augen spricht, gibt zu, daß Hoover ablehnen wird, ablehüen muß, denn der PasiuS des Mellon-Berenger-Abkommens, der Frankreich verpflichtet, am 1. August 1929 ßn Milliarden Francs bar aus den Tisch zu en, falls bis dahin dieses Abkommen nicht ratifiziert sein sollte, ist schon amerikanisches GesetzI Nur der Kongreß könnte es abändern, "nd der Kongreß ist in Ferien. Aber 450 woUsvertreier in der Kammer, hingerMa durch den Wortschwall des chauvinlst. Trom­peters Franklin-Bouillon, verlangen den wi­dersinnigen Schritt. Sie glauben immer noch an das Wunder.

Seit zehn Jahren gibt sich die Mehrheit der 40 Millionen Franzosen dem sinnlosen Glau­ben hin, daß Amerika (und England) eines Tages mit der Großzügigkeit von ©entfernen einen dicken Strich durch das Kriegskonto zie­hen und das teure und edle Frankreich in An­betracht seiner außerordentlichen Heldenopser aller Verpflichtungen ledig erklären werden- Seit zehn Jahren machen die Leitartikler der Pariser Presse Gegenrechnungen auf, in denen klipp und klar bewiesen wird, daß die Sum­men, die England und Amerika geliehen ha­ben, zum Ankauf von Geschützen und Maschi­nengewehren, von Tanks, Flugzeugen und Munition dienten. Wäre dieses Kriegsmaterial nicht von Frankreich gestellt worden, so hätten Engländer und Amerikaner es nicht nur auf eigene Rechnung auf die Schlachtfelder schaf­fen, sondern es auch von eigenen Leuten bedie­nen lassen müssen.

Bei solcher Art, zu rechnen kann man tat­sächlich dartun, daß Frankreich eigentlich noch ein paar Milliarden herauszubekommen hat. Schon dar französische Kriegspresseamt hat es seinerzeit den Köpfen eingehammert, daß nicht etwa England und Amerika den Franzosen Segen die Boches zu Hilfe gekommen seien, mdern Frankreich sei es gewesen, daS den

Die Räumung öer Koblenzer Zone

Köln, 1. Juli.

Die Räumungsvorbereitungen der Beset- zungSbehörden in Koblenz und Ehrenbreitstein scheinen sicherem Bernehmen nach doch von größerem Umfang zu fein, als eS anfangs den Anschein hatte. Der Oberkommandierende, General der Besatzungstruppen im Rheinland Hal seine gesamten Maßnahmen auf eine Räu- mung der Koblenzer Zone zum 1. September eingestellt. Wie wir hören, sollen bereits in den nächsten vierzehn Tagen zwei Regimenter in die Heimat abtranSportiert werden. ES handelt sich um die beiden französischen Re- gimenter, die in Koblenz stehen, und zwar um ein Infanterie- und ein Artillerieregiment. Für die frühzeitige Räumung der Koblenzer Zone fcheint weniger der Stand der Verhandlungen um die Ratifizierung des Aoungplanes als vielmehr die Tatsache maßgeblich zu fein, daß pie Koblenzer Zone sowieso nach dem Versail­ler Vertrag am 10. Januar 1930 geräumt wer- pen müßte. Bei den nun in Fluß kommenden Räumuugsvorbereitungen soll auf französischer Seite auch die rein praktische Erwägung eine Rolle spielen, daß eine Räumung der zweiten Zone bis zum 1. September, die hier abrücken­

zwei gegensätzliche Tagungen

Deutschland, die Industriellen gegen Amerika

Die pariser Sozialisten für

Pari«, 1. Juli. Am Sonntag fand hier die Einweihung des sozialistischen Partechaufes statt. An dem Festbankett nahmen als Vertre­ter der deutschen Sozialdemokratie Crispin, Sender und Breitscheid teil. Breit- scheid umschrieb di« gemeinsamen Ziele des Sozialismus. Ich schäme mich, so erklärte Breitscheid, vor Ihnen immer toieber von den deutschen Wünschen zu sprechen. Aber es han­delt sich nicht um rein deutsche Fragen, son­dern ihr Lösungen interessieren ganz Europa. Unsere Pflicht ist es, durch gemeinsame Bestre­bungen eine Regelung der Kriegsenis-chädi» gungen und der alliierten Schulden zu sickern.

Wir wissen, daß alle Regierungen ohne Aus­nahme am Kriege schuld sind, aber die schwerste Schuld fällt auf den Kapitalismus, der allen gemeinsam war. Wir sehen von Tag M Tag mehr ein, daß nur die gesunde Entwicklung des Sozialismus er«e Gewähr für «inen ewi­gen Frieden bietet.

Von 'den Mitgliedern der sozialistischen Kammergruppe setzte sich unter anSerem Auriel für die sofortige Räumung des Rheinlandes ein. Der Führer der sozialistischen Partei, Leon Blum, erklärte, es sei

zweifelhaft, ob Poincar« eine Kamermehr- heit für die Ratifizierung deö Schuldenab- kommens finden wird. Mau könne aber »oraussagenchatz die Regierung Poinrarss die Ratifizierung kaum überleben werde.

*

Paris, 1. Juli. Bei dem Festessen am Schluffe der Tagung de französischen Jndustri- ellenverbandes hielt der Abgeordnete Fourgere eine Aufsehen erregende Rede, in der er über Amerika unter anderem sagte: Amerika sei eine edlerer Gefühle unfähige Station, die die ganze Welt durch ihr wirtschaftliches Uebergewicht zu erdrücken drohe. Amerika bedeute eine weit größere Gefahr als die, gegen die Frankreich vor 15 Jahren habe kämpfen müssen.Wenn wir um unsere Freiheit zurückzuerlangen, Amerika die Milliarden zurückgeben müssen, die es rät sein Bestehen als notwendig zu erachicn scheint, so werden wir sie ihm geben, obwohl Amerika dreiviertel des Goldes der ganzen Welt besitzt. Vielleicht werden wir gezwungen fein, unS an unsere Gegner von gestern zu wenden.

Krieg für die ganz« Welt zur Verteidigung der von dem deutschen Ueberfall bedrohten Zi­vilisation geführt habe. Und so traten Jahr für Jahr nach dem Kriege eine ganze Reihe ernst zu nehmender Polittker zuletzt war es der alte Tiger Clemenceau, der Coolidge an» fauchte auf den Plan, die England und Amerika das moralische Recht absprachen, auch nur einen Schilling ober Dollar von Frank­reich zurückzuverlangen. Denn Frankreich habe der gemeinsamen Sache zwei Millionen Men- schemeben und zehn blühende Verwaltungsbe­zirke geopfert. Ms. der Franc erkrankte, gab es auch führende Franzosen, die wie z. B. Loucheur den Grundsatz des Bankerotteurs vertraten, nämlich, daß, wo nichts ist, auch Ci­ty und Wallstreet ihr Recht verloren hätten. Aber das ging nicht lange. Der Franc wurde wieder gesund. Poincare hat ihn gerettet.

Poincare konnte nicht verhindern, daß die Schuldenverträge mit Amerika vereinbart wur­den. Seit drei Jahren harren diese Abkommen auf die Ratifikation durch Kammer und Se­nat. Poincare hat schon als Führer der Oppo­sition im Senat, dann auf verantwortlichem Posten des Kabinetts alle. Minen springen lassen, um von Amerika 2nd ÄMonst eiiua----

NaMaß der Kriegsschulden zu erlangen. Nichts fruchtete. England hatte an dem Bonar-Law- Abkommen, d. h. an seinen eigenen Verpflich­tungen gegenüber Amerika eine wundervolle Ausrede. Amerika aber, das den Franzosen bereits eine Herabsetzung der ursprünglichen Schuld auf die Hälfte gewährt hatte, lehnt jedes weitere Entgegenkommen ab. Denn, das ist die Begründung und sie entbehrt nicht des Spottes: Eine Nation, die jährlich 10 Mil­liarden für Rüstungszwecke verpulvert, muß ihre Schulden bezahlen können.

WaS blieb Poincare anders übrig, er mußte umsatteln und den zuständigen Kam- merausschüssen in endlosen Sitzungen der letz­ten Woche beweisen, daß es nur einen Aus­weg aus der Klemme gibt: mit oder ohne Soungplan in der Tasche das Abkommen mit merika zu ratifizieren. Der Schritt in Wa­shington war nur eine letzte sinnlose Zuckung vor dem Kleinbeigeben. E. Schöne.

Die Absage ber Amerikaner

Pari«, 1. Jnll. Im Ministerrat wurde die ablehnende Antwort der amerikanischen Regie­rung auf die in Washington unternommene Demarche bckanntgegeben. DerParis Soir" ertlärt, handle sich um eine glatte und kate­gorische Weigerung, die nicht einmal die in den diplomatischen Beziehungen Übliche Form der Höflichkeit wahre.

Paris, 1. Juli. Die französische Presse sucht ihre Enttäuschung über die ablehnende Hal­tung Washingtons in der Schuldenfrage und ihren Grimm über die ganz überflüssige De­mütigung, der sich Frankreich mit der durch bt« Kammer erzwungenen Demarche ausgesetzt hat, zu verbergen, indem sie berichtet, baß in den Vereinigten Staaten der französische Schritt kei­nerlei abfällig« Kritik hervorgerufen habe. So­wohl die offiziellen Kreise als auch die Blatter hätten im Gegenteil bei dieser Gelegenheit ihre Sympathie für Frankreich bekundet.

Nur ganz wenige Rechtsblätter sind immer noch nicht zur Erkenntnis der wahren Sachla­ge durchgedrungen so der ,3ntranfigeant*, wenn er kategorisch erklärt, die Amerikaner würden am 2- August unter keinen Umständen bezahlt werden; darüber hinaus werde Frank­reich, falls Deutschland den Rourmplan nicht annehme ober seine Zahlungen cm stelle, gleich­falls feine Schulden nicht mehr bezahlen.

Wenn wir nicht zahlen.

London, 1. IM. Perünax berichtet im Daily Telegraph, Poincars werde wohl ge­zwungen sein, dem Truck der Kammer nachzu- geben Und die Ratifikation des amerikanischen Schulbenabkommens an die Bedingung zu knüpfen, daß die Zahlungen von dem pünkt- lichen Eingang ber britischer, Verpflichtungen abhängig fein sollten. Die französische Diplo­matie werde versuchen, bie Durchsetzung biefet Bedingungen zu erreichen.