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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Sesfifche Abendzeitung

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Nummer 150

Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Freitag, 28. Juni 1929

19. Jahrgang

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.

Die Reichsregierung zum 28. Juni

Erregtes variier Echo / Stimmen fflr Revision der Friedenöverttäge An bas beuifche Volk

Der heutige Tag ist ein Tag der Trauer. Zehn Jahre sind verflossen, feit in Versailles deutsche Friedensunterhändler gezwungen waren, ihre Unterschrift unter eine Urkunde zu fetzen, die für alle Freunde des Rechts und eines wahren Friedens eine bittere Enttäu­schung bedeutete. Zehn Jahre lastet der Ver­trag auf allen Schichten des deutschen Volkes, auf Geistesleben und Wirtschaft, auf dem Werk des Arbeiters und des Bauern. Es hat zäher und angestrengter Arbeit und einmütigen Zu- fammenstehens aller Teile des deutschen Vol­kes bedurft, um wenigstens die schwersten Aus- Wirkungen des Versailler Vertrages abzuwen­den, die unser Vaterland in feinem Tafein be­drohten und das wirtschaftliche Gedeihen ganz Europas in Frage stellten.

znm Kriege führte. Trägt es sie ganz? Wer würde dos zu vehaupten wagen. Die Geschich­te wird sich vielleicht später klar darüber aus­sprechen. Heute muß man jedenfalls verhüten, daß diese deutsche Kampagne gegen die Ver­antwortung am Kriege nicht dem sehr realen Zweck der Durchlöcherung des Vertrages von Versailles dient, der törichterweise ans der These von der Schuld Deutschlands aufgebmu ist.

Die Volants schreibt:

Es wäre ei» Mißgriff, die deutsche Geste von heute als ein Sympthom der Revolte gegen den europäischen ftatus qua oder als das Vorspiel zu einem Wiederaufleben be-3 deutschen Imperialismus zu bezeichnen. ES handelt sich einfach um eine Arutzerung zu

den Akten, deren fentimentalen Urfprung wir verstehe« müffen, nicht um einen

politischen Akt, der greifbare Folgen «ach - sich ziehen soll.

Der Zrvangsfrieöen

Eine einsichtige Londoner Stimme.

London, 28. Juni. (Drahtbericht). Anläß­lich der zehnten Wiederkehr des Jahrestages der Unterzeichnung deS Verfailler Vertrages bemerkt das Regierungsblatt, derDaily He- tato", daß dieser Vertrag nur unter Protest und unter dem Zwange von Deutschland unter- zeichnet worden wäre. Wenn man allerdings von einer Revision des Vertrages spreche, so errege das im Augenblick immer noch die alten Leidenschaften. Die Zeit für eine Revision fei noch nicht gekommen. ES müsse aber eine der nächsten Ausgaben der neuen Diplomatie fein, Mittel und eWge für eine Revision und eine Ergänzung der Friedensverträge zu finden.

unser außenpolitischer Mitarbeiter, der be- kannte kuunrpolitische Schriftsteller, von dessen WerkenDer deutsche Gedanke in der Welf die größte Verbreitung gefunden hat, vollendet am 29. Juni das 60. Lebensjahr.

Dr. Paul Rohrbach

Deutschland hat den Vertrag unterzeichnet, ohne damit anzuerkennen, daß das deutsche Volk der Urheber des Krieges fei. Dieser Vorwurf läßt unser Volk nicht zur Ruhe lam­men, und stört das Vertrauen unter den Na­tionen. Wir wissen uns eins mit allen Deut- fchen in der Zurückweisung der Behauptung der alleinigen Schuld Deutschlands am Kriege und in der feste» Zuversicht, daß dem Gedan- ken eines wahren Friedens, der nicht aus Dik­taten, sondern nur auf der übereinstimmenden und ehrlichen Ueberzeugung freier und gleich­berechtigter Völker beruhen kann, die Zukunft gehört.

Berlin, de» 28. Juni 1929.

Der Reichspräsident gez. von Hindenburg Die Reichsregierung gez. Müller und die Minister.

Aufregung in Paris

Paris, 28. Jini. Die Kundgebung der Reicysregierung anläßlich der lOjahligen W«e- derlehr des Jahrestage der Unterzeichnung des Vertrages von Versailles wird nur von einigen Blättern besprochen. Perttnar fchretdl im Echo de Paris:

Niemals hat Deutschland nit solcher Kühn­heit die Revision der Befttmmungen von Versailles gefordert.

Das ist die erste Auswirkung des Umstandes, daß in England die Regierung an bie Män­ner oer Sozialistischen Internationale überge­gangen ist, auf dem Gebiet oer internationalen Politik.

Petit Parisiert etftorr In diesem Augen­blick, wo man zur allgemeinen Liquidation des Krieges schreitet, werden derartige Kundge­bungen noch ungezügelter erscheinen, ohne für Deutschland von irgendwelchem praktischen Nutzen zu sein, könnten sie nur die ruhigere Atmosphäre stören, die zu schassen den Staatsmännern nach jahrelangen Anstrengun­gen gelungen ist.

Figaro schreibt: Tiefe oer systematischen Verhetzung dienenden Manöver find bedauer- l ch. Wenn Deuifehland schweigend über feine Niederlage trauern würde, hätte niemand et­was dagegen einzuwenden; aber diefe Empö­rung, dieser Haß, dieser Wunsch, den Rache­durst zu entfachen, diese Art und Weise, das besiegte Deutschland hmzustellen. als sei es einer Bande von Würgern ausgeliefert, sind bedrohliche Zeichen für uns.

Das Oeuvre schreibt: Das kaiserliche Deutsch­land und nicht daS deutsche Volk trägt die schwere Verantwortung für die Politik, die

Heute Sonderbeilage

Diktat und Wirklichkeit Zehn Jahre Versailles

Zer deutsche Box-Sieg in Amerika

Was sagt die New Borker Vreffe? - Am erlka sympathisiert mlt Schmeling

Newyork, 28. Juni. In Berichten von gro- i ßer Ausführlichkeit, die ganze Seiten füllen, äußern sich die Blätter in durchweg sympathi­scher Weise zum Sieg Schmelings, be. de: ; Mehrheit der Boxsachverständigen unerwartet käm, da ja die Härte Paolinos eine sprichwört­liche war und Paolino, wie bekannt, noch nie­mals zu Boden geschlagen wurde. Dieses Schicksal hätte ihn aber gestern sicher erreicht, wenn sich Schmeling im Verlaufe der vierten Runde nicht seine rechte Hand verletzt hätte. Auch sonst bot der Kampf, so schreibe» die Stot­ter weiter, insofern eine ungewohnte Situation, als beide Boxer nicht Amerikaner find. Nament­lich in den letzten Runden, als die Führung of­fensichtlich in Schmelings Händen lag,

erfreute et sich der sichtlichen Sympathien des Publikums.

Nach dem Kampfe äußerte Paolino in ech­tem Sportgeist, daß der Beste gewonnen habe. Erstaunlicherweife, foheben die Blätter hervor, wies Schmeling außer der sich selbst zugefügten Verletzung an der rechten Hand keinerlei

Kampfspuren auf. Schmeling war »ach dem Kampfe begreiflicherweise in bester Stimmung und tief den Pressevertreter» zu, er fei gerne SerÄl. S'Metz, Dempsetz und jeden unbeten Kandidaten auf die Weltmeisterschaft zu boxen.

Schmeling an feine Mutter.

Newyork, 28. Juni. (Eigener Funkdienst). Kurz nach feinem Sieg telefonierte Schmeling feinet Mutter in Berlin das Ergebnis. Er er- klärte, daß er feinen Gegner nicht hätte k. o. schlagen können, da er sich in der 5. Runde die rechte Hand verstaucht hatte und von da ab nur »och links boxen konnte. Gerade diese linke»Jab" (hakenartige Schwinger) wäre» dem Gegner sehr unangenehm gewesen. In der 15. Runde habe er, Schmeling, gewußt, daß der Sieg fein wäre. Wäre der Kampf zwei Run- den weiter gegangen, hätte et wahrscheinlich Paolino durch k. o. gelandet. Der Kampf wäre der härteste seines Lebens gewesen.

(Ster «amofbcticht im htntteen Sportteil. D. Red.)

Berlin mutz bürgen

Zusammenbruch d. Deutschen VolkserholungS- heime G. m. b. H.

Berlin, 28. Juni.

Die Berliner Stadtverordneten haben gestern in geheimer Sitzung davon Kenntnis genom­men, daß dieDEVO" (Deutsche Bolkserho- lungsheime G. m. b. H.) vor dem Zusammen­bruch steht. Die Stadt will die von ihr über­nommene Bürgschaft von 250 000 Mark, die mit Zinsen aus 400 000 Mark angewachsen ist, dadurch wieder zurückerhalten, daß sie die Liquidation der Gesellschaft und den Verkauf der Grundstücke zugunsten der Stadt veranlaßt. Die DEVO. ist vor einigen Jahren mit gro­ßen Mittel» ausgezogen worden. Ihr Setter ist der Stadtverordnete Kleinau, ein städti­scher Beamter, der zur Leitung dieser Gesell­schaft beurlaubt wurde. Eine Anzahl Pensio­nen und Hotels an der See und im Gebirge gehört dieser Gesellschaft, die dadurch finan­ziert wurde, daß ihre Mitglieder Anteile zeich­nen mutzten. Eine Sanierung der Gesellschaft ist nach Lage der Dinge ausgeschlossen.

Der,Zarensohn"

Merkwürdiger Grenzzwischenfall.

Bromberg, 28. Juni. (Eig. Drahtbericht). Die deutsche Grenzwache hat am Mütwoch et- nen etwa 17jährigen Jüngling angehalten, der nur russisch sprach und sich nicht ausweisen konnte. Da er keinen Patz besaß, hat man ihn der polnischen Grenzwache übergeben. Im Ver­hör hat der Jüngling sich für den russischen Thronfolger und einzigen Sohn des ermorde­ten Zaren ausgegeben, dem es gelungen fei, aus Sowjet-Rntzland zu entfliehen. Er habe die Absicht gehabt, sich nach Berlin zu begeben, um mit den dort sich aufhaltenden russischen Emigranten in Verbindung zu treten. Mit deren Hilfe wollte er dann nach London reifen, um von der Bank von England die im Jahre -A^zu Gunsten des Thronfolgers deponierten 100 000 Rubel abzuheben. Der junge Russe, der emen sehr intelligenten Eindruck machte, ist bis zur Beendigung der Unterfuchung von den polnifchen Behörden in Hast genommen wor­den.

Schweres Autounglück

Das brennende Auto zündet ein Gehöft an.

,, Lahr (Baden), W. Juni.

Em schweres Automobilungiück, bei dem nicht nur der Besitzer des Wagens den Tod fand, sondern der zertrümmerte Wagen noch ein Bauerngehöft einäfcherte, ereignete sich an der Paßstraße Kinzigtal-SchweigHwfen. Un- weit der Paßhöhe geriet der Wagen des ar- gentinifchen Bizekonsuls in Lahr, Eugen Kauf­mann, ins Schleudern, verließ die Straße und stürzte die etwa 15-4 Meter hohe Böschungs- mauer hinunter. Der Benzintank fing Feuer und der lichterloh brennende Wagen rollte in einen im Umbau befindlichen Bauernhof, der in kurzer Zeit niederbrannte. Bizekonsul Kauf­mann ist kurz nach dem Unglück feinen schwe­ren Brandwunden erlegen.

Aktenstücks gefunden.

wurde auch die ietjeffrnten

Gestohlene Dokumente

Eine Spionageangelegenheit in Brüssel

Brüssel, 28. Juni. Aus dem belgischen «riegsmintsterium sollen zwet wichtige mili­tärische Frage betreffende Dokumente entwen­det worden sein. Die Kopie eines dieser Do­kumente, die in Schreibmaschinenschrit verviel- salttat worden sind, soll bei der Ueberwachung der Korrespondenz einer in Deutschland leben­den Persönlichkeit entdeckt worden fein. Es tourte eine Untersuchung emgeleitet, bei der btt einem im Kriegsministerium beschäftigten Offizier eine weitere Kopie entdeckt wurde, über deren Herkunft er keine befriedigende Aus- tonst geben konnte. Der Offizier ist verhaftet

Moslaus Sandschrift in 8hina

Von Dr. Paul rto!:rbach

Auf Befehl der Regierung der Mandfchurei in Mulden hat eine gewaltsam-. TÄUitchiStz des Sowjet-Konsulats in Charbin stattgesun­den. Dabei wurden Schriftstücke gefunden, die zum größten Teil zur Geheimkorrespondenz ge- hören, die von derOperationsabteilung" der kommunistischen Partei in Moskau und ver­schied. ihrer Filialen im Fernen Osten mit dem Charbiner Konsulat geführt worden ist. In dem offiziösen Blatt der Mukdener Regierung wird berichtet:

Als die Vertreter der Behörde ins Ar­beitszimmer des Generalkonsuls Melnikow eindrangen, überraschten sie den Sowjet-Di­plomaten gerad e dabei, wie er kompro­mittierende Schriftstücke im Kamin zu ver- brennen versuchte. Im letzten Augenblick gelang es noch, die Verbrennung einiger Dokumente zu verhindern, durch die daS Sowjet-Konsulat stark belastet wird."

Durch die beschlagnahmten Schriftstücke be- {tätigte sich, daß von Moskau (wie ohnehin be­kannt) ein großes Netz von Agitatton und Spionage nicht nur über die Mandschurei, son- dein auch über das eigentliche China geworfen ist. In einem der Moskauer Dokumente wird wörtlich gesagt:

Wir sind der Ansicht, daß man umfang­reiche Vorbereitungen zu terroristt- schen A^en treffen muß, wozu wir die Geld­mittel uub Sprengstoffe zur Verfügung stellen. Sie werden unverzüglich nach Muk* den, Nanking und dem Gebiet der Ostchine­sischen Bahn abgesandt.'

Men Sowjetvertretern in China wird in den Dokumenten empfohlen, bis auf befondere Anweisung keine terroristischen Handlungen auszuüben (wohl aber sollen solche vorbereitet teerten!), und dem chinesischen General Feng die umfassendste Unterstützung zu gewäh­ren. Feng ist der sogenanntechristliche Gene- ral', der unter den chinesischen Machthabern die undurchsichtigste Rolle spielt und von dem manche Kenner glauben, daß er im Grund« feine«( teraeng altchinesisch gesinnt ist und von dem Modernismus der Regierung in Nanking dte innere Auflösung des chinesischen Wesen» befurchtet Hebet Feng liegen Nachrichten bor, die sich auf den ersten Blick zu widerspre­chen scheinen, die aber vielleicht doch einen inneren Zusammenhang haben. Am 23. Juni ^urde aus Peking telegraphiert, Feng habe drei Tage vorher in der Provinz Schansi eine neue Nordchinestsche Republik ausgerusen, die außer Schansi noch die Provinzen Honan, scheust, Kansu und Chinesisch-Turkestan um* al° die chinesischen Nordprovinzen mit Ausnahme von Schantung und Tfchili. Dies« neue Nordchinesische Republik werde ein mtlU tansches Bündnis mit Moskau abschließen, um gemeinsam gegen Nanking zu kämpfen, und ihre Regierung werdekommunistifch. demokratisch" sein. Die Begründung dafür lautete: Tschiangkaitscheks Diktatur führt »um Untergang Chinas!

Zwei Tage später verlautete aus Peking diesmal durch ein amerikanisches Nachrichten! buro, die Kriegsgefahr zwischen Feng und de,