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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 143 Einzelpreis: Wochentag» 16 Pfennig.

Donnerstag, 20. Znni 1929

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.

19. Jahrgang

Paris sucht Räumungspfänder

Ausblick auf die nächsten Konferenzen Aettungswunöer auf der AewyorKer Hochbahn

Reparatwnskonserenz schon im Füll

Paris, 20. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Laut Pressenotiz sprachen sich Briand-Sttese- mann während der kurzen Untreredung in be­stimmter Weise für eine beschleunigte Methode aus, also für di« Abwicklung aller die Nachkriegsprobleme betreffende« Vorschläge vor den großen Ferien. Stresemann wurde gebeten, sich ebenso wie die französtsche Regierung bei der englischen, italienischen und belgischen Re­gierung im Sinne dieser Beschleunigung ein­zusetzen. Briand habe nach der Unterredung er- klärt, die Konferenz werde im Juli stattfinden. Es sei fofl't notwendig, so erklärt daS Blatt, daß sie in den ersten zehn Tagen des Juli zu­sammentrete, damit die Ergebnisse der Kaufe- renz zwischen dem 20. und dem 25. Juli dem Parlament vorgelegt werden könnten und die Debatte in Frankreich vor dem L August abge- schlossen werde» könne alS äußerste Grenze für die Ratifizierung deS Schulden-Abkommens mit Amerika.

Paris, 20. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Außenminister Dr. Stresemann hat um 22^55 Uhr die Rückreise nach Berlin angetreten, des- gleichen die Staatssekretäre von Schubert und Pünder und die übrigen Völkerbunddelegierten.

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Sine Hetzstimme in der vartser Veeffe

Paris, 20. Juwi. (Eigene Drahtmeloung.) Zur Unterredung Stresemann-Poinears-Bri- and nehmen die meisten Blätter in ruhiger Weise Stellung. Nur der Figaro*, dessen Eigentümer kürzlich in Berlin einen Prozeß verloren hat, kann es sich nicvt versagen, neue Forderungen aufzustellen. Unter Ausnutzung der Lage, in der sich die französische Regierung gegenüber Amerika befindet, glaube Strese- mann, Frankreich gegenüber ein Mittel in der Hand zu Halm. Darauf dürfe man nicht ringe* hen, das Rheinland könne erst dann geräumt werden, wenn die Jnternalwnale Zahlungs­bank errichtet sei und wenigstens einen Teil der Obligationen ausgegeben habe. Die Er­fahrungen des Dawes-PlaneS seien eine un> vergeßliche Warnung. Das Rheinland fei ein Pfand. Vor der Flüsjigmacvnng der deutschen Schuld von der Räumung zu spre­chen, hieße d>e Forderung an Frankreich stel­len, sich seiner Garantien zu begeben.

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Die Franzosen wollen sich sichern

London, 20. Juni. (Eigener Drahtbericht.) In einem Pariser Bericht wird darauf hin- gewiesen. daß mit der Rheinlandräumung und Einberufung einer Konferenz die alte Doppel- frage der Sicherheiten der deutschen Zahlun­gen und der Sicherung der französischen Gren- zen wieder auftauchen. Die Parteien seien sich einig, daß die Räumung abhängig ge­macht werden sollte von der Mobilisie­rung der ersten Jahreszahlung des Aoung- Planes. Poincare würde leicht eine Parla­mentsmehrheit für die Räumung auf das große deutsche Zahlungsversprechen hin finden können, aber dann würde sich die Mehrheit vorwiegend aus der bisherigen Opposition zu­sammensetzen.

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Deutschlands Iraumungsprogromm

Paris, 20. Juni. (Eia. Drahtberichl.) Sauerweiu schreibt im Slatin: Die französi­schen Minister haben sich mit Stresemann für bi« beschleunigte Arbeitsmethode ausgespro­chen. Briand hat nach der Unterhaltung er­klärt, es sei notwendig, daß die Konferenz in den ersten zehn Tagen deS Juli zusammentritt, damit die Aussprache im Parlament vor dem 1. August beende: sei. Deutschland werde ver- suchen, eine möglichst schnelle Rheinlandräu­mung zu erhalten, sowie einen FeststellungS- ausschuß im Rheinlande, der nicht über 1935 hinaus andauere. Die französische Regierung müsse vor der Konferenz Klarheit über diese beiden Fragen schasse», sie habe dann aber auch den VorteU, im Parlament auf einmal die Erledigungfast aller Rach- kriegsfragen vornehmen zu können.

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Line Dauerre-e poinearös

Geheimausfprache über die Finanzen

Paris, 20. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Die Anhörung von Poincars, Briand und Ehsron vor den Kammerkommissionen der

Finanzen und des Auswärtige» begann gestern unter feierlichen Umständen. Aus einer Tri­büne war ein mit rotem Damast bedeckter Tisch und kostbare Lehnstühle für die drei Mi­nister aufgestellt. Sechs Kammerdiener waren aufgestellt, um die Neugierigen fernzuhalten. Poincare sprach von 3 bis 6,15 Uhr. Es wurde ein knappes Kommuniqus veröffentlicht. Poin- carS teilte sein Exposs in drei Teile: 1. Kriegs­schulden an Amerika; 2. an England; 3. Re­parationen. Poincars begann mit einem histo­rischen Rückblick auf die Verschuldung gegen­über Amerika, ist aber noch nicht einmal beim Mellon-Bsrenger-Abkommen angelangt. Er hat einen

ganzen Stoß Dokumente

mitgebracht, die ungefähr die Höhe von 70 Zentimeter auf dem Tische erreichen. Vier Regierungskommissäre brachte« jeder außerdem eilte volle Aktenmappe mit. Poincars teilte mit, daß er auf Fragen erst am Ende seines Exposss antworten werde, das vier S i tz u n- gen ausfüllen würde. Er appellierte an die Diskretion. Wie wir aber erfahren, enthielten die Ausführungen Poinearös einen scharfen Ausfall gegen Louis Marin. Die­ser habe wiäerholt betont, daß Frankreich die Kriegsschulden an England anerkenne. Poin- cars sucht damit offenbar den schärfste» Rati­fikationsgegner in Verlegenheit zu bringe».

Iieporaiwnskonferen» beschleunigen!

London, 20. Juni. Ein Pariser Korrespon­dent schreibt, es spricht alles dafür, die neue SteparatwnSkonserenz so bald wie möglich ab­zuhalten und es bestehen ernste Bedenken ge­gen eine Konferenz im August. Schwierigkei­ten bereitet die Tatsache, daß die französische Deputiertenkammer wahrscheinlich gegen eine Ratifizierung des AoungplaneS sein wird, wenn nicht die anderen Mächte gleichzei- tig ratifizieren. Wenn also der Plan am 1. September in Kraft treten soll, muß schnell gehandelt werden.

Stresemann am Sonnabend Im RelchSiag

Berlin, 20. Juni. (Eigener JnformationSd.) Der heute hier zurückerwarlete Außenminister Stresemann, der am Sonnabend im Reichstag. Plenum seine mit Spannung erwartete Rede halten wird, dürfte alsbald mit seinen Mini­ster-Kollegen über seine Pariser Besprechungen Fühlung nehmen. Ma» darf annehmen, daß die französtsche Regierung, wenn fie entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit jetzt schweigt, mancherlei dunkle Pläne hinter den Kulissen schmiedet, was unter Umstände« bat Reichsautzenminister veranlassen wird, am kom- mendeu Sonnabend in seiner Rede die Be- Handlung der deutschen Forderungen durch bte Gegenseite recht eindeutig barzulegen.

Hoover will sicher gehen

Keine überMrzte SeeabrüstungSkottferenz.

London, 20. Juni. (Eigrner Drahtbericht.) Sm Washingtoner Korrespondent meldet, daß Präsident Hoover zur Zeit nicht beabsichtigt, eine internationale Konferenz für die Seeab­rüstungen einzuberufen, zum mindesten so lange nicht durch einen Meinungsaustausch zwischen den Regierungen eine Uebereinstimmung der Ansichten festgestellt worden ist, die einen Erfolg sicher stellen würde. Präsident Hoover wünscht bei aller Eile doch die Sicherheit, daß sich der Genfer Mißerfolg nicht wiederholt. In Ma- rinetreifen wird .cklärt, daß der Maßstab für die Berechnung der Kampfstärke der Kreu- zerflotte (2 Kreuzer von je 6000 Tonnen mit 6zölligen Geschützen gleich einem Kreuzer von 10000 Tonne« mit »zölligen Geschützen) nicht unkorrekt ist. Senawr B o r a h, der daS Pro­blem der Brnminderung der Seerüstungen gern mit einer Erörterung des SeekriegsrechtS und d«S Rechtes der Neutrale» verbinden möchte, gibt jetzt zu, daß Präsident Hoover in diesem Punkte »icht mit ihm übereinftimmt

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Zahlungsaufschub für die Dollarschulden

Washington, 20. Juni. (Funktelegramm.) Eine Entschließung deS ReprSsemantenhauseS ermächtigt bie Regierung, bat Fälligkeitster­

min der französischen 400 Millionen Dollar- Schuld vorn 1. August b. I. auf ben 1. Mai 1930 hinauSzuschieben, unter ber Bor- aussetzung, daß Frankreich baS Schulden-Ab- kommen vor bem 1. August b. I. ratifiziert.

Die falsche Methode im Elsaß

Ricklins Warnungen im RooSprozeß.

Bresancon, 20. Juni. (Eig. Drahtbericht.) Im Prozeß RooS nahm der Zeuge Abgeord­neter B r o g l y vor allem Ricklin in Schutz. Er habe Ricklin fein Leben zu verdanke», denn während des Krieges hätten die Deutschen ihn ohne die Fürsprache Ricklins vor ein Kriegsgericht gestellt, weil er in seiner Kran­kenabteilung französische Soldaten verpfleg: habe. Der Zeuge bezeichnete es als einen schweren Fehler, daß die Franzosen versuchten, di« französische Sprache von heute aus morgen t» der Verwaltung etnzuführen. Die meisten Elsässer seien bis zu einem gewissen Graoe Regionalisten ober Autonomisten, aber kei­neswegs Separatisten. Die Ausschlie­ßung von Ricklin und Stoffe seien schwerwie­gende politische Fehler gewesen und sie hätte zu dem starken Wahlsiege der Autonomisten geführt. Darauf wandte sich Ricklin selbst leidenschaftlich gegen die Anschuldigung, daß die Autonomisten die Rückkehr nach Deutsch­land befürworteten. Sämtliche Autonomisten wollten Franzosen bleiben. Der Au-

tonomiSmus sei nicht auS Deutschland einge- sührt worden, sondern urechtes elsässischer Eigengewächs. Er hoffe, daß den vielen poli­tischen Fehlern nicht noch ein neuer durch die Verurteilung von Roos hinzugefügt werde. Die Erklärungen RicklinS machten einen star­ken Eindruck auf bie Zuschauer und die Ge­schworenen. ______

Berlin begrüßt den Älpler Bund

Berlin, 20. Juni. Ein Begrüßungsabend für die Mitglieder des Zipfer Bundes in Amerika gestaltete sich zu einem starken Be­kenntnis zur Verbundenheit aller Deut­schen in der Welt. Den Führer der deutschen Schutzverbänoe hießen die Gaste aus bem {Teilt« scheu Bruderlande willkommen. Der Zipfer Bund ist ein Bund kultureller Hilfe für die deutschen Volksgenossen in der allen Heimat am Fuße der Tatra im Zipfer Land mit feinen 24 Städten. Reichskanzler a. D. Dr, Luther gedachte in einer Ansprache der ge­schichtlichen Bedeutung des Zipfer Landes. Darauf fprach oer frühere StaatssekretLr Koro, di als Siebenbürger Sachse und zugleich für den AuslandSbeutschenverei». Dieser große Verein sei tatsächlich ber gemeinsame Bosen auf dem alle Deutschen sich vereinigen sollte». Der Führer der Zipfer Sachsen, G. A. Weiß, dankte den Rednern mit tiefer Rührung. Die Zipfer blieben noch lange mit ihre» Gästen gesellig beieinander.

Panikszenen in der Hochbahn

Newyork, 20. Juni. (Funktelegramm.) Am Mittwochabend ereignete sich in der Hauptver­kehrszeit an der höchsten Stelle der Newporter Hochbahn ein schweres Unglück. Ein über­füllter Zug mit fünf Wagen ist in ber bekann­ten Tobeskurve in ber 113. Straße bet Bahnkörper liegt hier etwa 70 Meter übet bem Etbboben stehengeblieben. Kurz bar- auf rannte ein zweiter Zug auf ben haltenbe» Zug auf. Trotz aller Ver- suche, im letzten Augenblick zu bremsen, er­folgte ber Anprall mit solcher Gewalt, baß bet 4. unb 5. Wagen des wartenden Zuges gegen- einander gedrückt wurden. Der fünfte Wa­gen richtete sich

lerjengetabe auf unb fauste bann mit voller Gewalt auf ben vierten Wagen nieder.

Me durch ein Wunder erfolgten keine eigent- »chen SSagenenigleifungen, bie zu einer Kata­strophe geführt hätten. Denn bie Wagen hät­ten zweielloss bas Gitter bes Bahnkörpers burchbtochen unb wären in bie Tiefe gesaust. Nord ben bisherigen Feststellungen hat bas Unglück ein Tobesopfet unb breitzig Verletzte gefordert. Unter den Insassen brach eine furchtbare Panik aus, die ba- durch »och vermehrt würbe, baß bie Trümmer unb bie Holzschwellen ber Gleise l« Brand gerieten, so daß nur wenige Reifende stch zu reten versuchten, sondern laut jammernd daS Eintreffen der Feuetweüt abwarteten, die mit Hochleitern anrückte. Brennende Trüm- wer fielen auf die Straße und gefährdeten die untenstehende Menge. Die Rettung der Verletzten war äußerst schwierig.

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Massengrab in -er Sintflut

Verzweifelte Rettungsszenen in Indien.

«ffam, 20. Juni. (Funktelegramm.) Meh- rete hundert Menschen find bei ben großen Ueberschwemmungen in «ffam (Nordindien) er- trunken. Taufen.« von Einwohnern find ob­dachlos. Biele mußten flch durch Er lettern vonBäunen -'ib Durchschlagen ihrer Haus» bächer retten. Neunzig Prozent beS gesamten Viehbestandes ist verloren. Ein großer Man- gel an Lebensrnitteln ist eingetreten.

Gegen neue StS-tenamen

Proteste der Norweger.

tuni. (Durch Funkdienst) Sie aus Oslo berichtet wird, kam eS gegen die Namensänderung norwegischer Städte zu gro­ße» Kundgebungen. In Ehristianfund sand eine Abstimmung der Bevölkerung über bie Namensänderung der Stadt in Fosna statt. Dort sind die Aussichten für daS Durch­

bringen der Namensänderung groß, da die Stadtverordnetenversammlung dafür ist. Ein größeres Ausmaß nahm die Kundgebung in Bergen an, die sich gegen die Abänderung des Namens in Björgin richtete. Etwa 5000 Menschen durchzogen im Anschluß an die Ver­sammlung die Stadt. Vor dem Gebäude einer die Namensänderung befürwortenden Ver­einigung kam es zu einem wüsten Pfeif- konzert, ebenso vor einem ZeitungSgebäude dessen Fensterscheiben eingeschla­gen wurden, ferner vor der Poltzeistatio», alS Polizisten die Ansammlung zu zerstreuen suchten. Die Stadtverordnetenversammlung von Berge» sprach stch daraus einstimmig ge­gen die Namensänderung aus.

volll» Im Hamburger Rathaus

Hamburg, 20. Juni. (Privattelegramm)'« Die Bürgerschaft genehmigte gestern eine An­zahl von Hafenbauten in Höhe von über 10%l Millionen. Ohne Aussprache wurden 1601440 Mark für Notstandsarbeiten bewilligt. Die nötige Mitgliederzahl für die Abstimmung über die Festsetzung der Wahlperiode der Bür­gerschaft biS zum 31. Oktober 1931 war aber­mals nicht vorhanden. Die Lesung wurde ab­gesetzt. Der Bericht über die Aufhebung der Immunität für zwei Abgeordnete (Soz. und Nat.-Soz.) sowie schließlich der gan­zen kommunistische» Fraktio» Wege» Widerstandes gegen die StaatSgewatt tief eine lebhafte Debatte hervor. Die Anträge wurden schließlich angenommen, der letzte, der die Auf­hebung der Immunität der 25 kommunistischen Abgeordneten betrifft, in namentlicher Abstim­mung mit 70 gegen 37 Stimmen

Revolte im Zuchthaus

Thorn, 20. Juni. Im hiesigen Zuchthaus ist gestern eine Revolte ausgebtochen. ES mutzte Polizeifchutz angefordert werden, eini­ge verbarrikadierte Zellen wurden aufgebrocheu. Die Ruhe konnte bald wieder hergestellt wer­den.

Die brennende Safe Im 5ttf

Paris, 20. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Aus Rabat wird berichtet; Letzte Nacht steckten eingeborene Aufständische einen Teil ber be­festigten marokkanischen Oase Alt Jaeub in Brand. Die französische Entsatzabteilung unter General Rieger erreichte AU Jaeub am dar­auffolgenden Nachmittag unb schlug bie Aus- ständischen in die Flucht. Die Franzosen er­litten nur leichte Verluste