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Hessische Abendzeitung

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Nummer 135

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Dienstag, 11. ZmrilSW

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19. Iahrgan g

Weitere Etappen nach Madrid

Abrrrstrmgs- und R immun gs Konferenzen entgegen — Aussöhnung Lon-on-AlosKau? — Erregung um Luracao

Schon am 1. September frei?

Nur ein BanditenMupttivg

Macdonald für Frieden mit Moskau

Neffeltreiben gegen Ungarn

Protestnote der Kleinen Entente gegen Bethlen.

Budapest, 11. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Die Presse steht in dem für heute angekündigten Protest der Kleinen Entente-Länder bei der un­garischen Regierung gegen eine Rede des Mi-

Kriegsschiffe nach Luracao

Paris, 11. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Nach einer Meldung aus Amsterdam ist der holländische Kreuzer „Kortenaer" nach der Insel Curacao in See gegangen, wo in Willem-

Amsterdam, 11. Juni. (Eig. Drah:berich<? ?(n einer Preffeunterredung erklärte der Ge- chäftsträger von Venezuela im Haag: Urbino, der Führer der Banditen bei dem Handstreich auf Williamstadt, sei kein Revolutionär, son­dern ein Räuber, Dieb und Mörder, dem die Regierung schon seit Jahren nachstellc. Er habe 1928 zusammen mit dem früheren Zoll­verwalter vo» La Bela das dortige Zollamt geplündert und dabei fünf P o li zi - sten getötet. Venezuela habe seine Auslie­ferung von Columbien verlangt. Sie werde auch jetzt die schärfsten Maßnahmen gegen ihn ergreifen.

jetzt a n e r k a n n t werde. Die Lösung sei ein großer Schritt vorwärts aus dem Wege zur Befriedung Europas und zur Befreiung Deutschlands von fremden Truppen und Kontrollorganisationen. Die Ermäßigung der deutschen schuld im Falle, daß die alliierten Schulden an Amerika ermäßigt werden sollten, verpflichte Amerika zu nichts; fei sie doch weder von den amerikanischen Sachver­ständigen noch von der Regierung unterschrie, wen Vörden, und man möge darüber beruhigt sein, daß die amerikanische Politik in der Schuldensrage sich nicht geändert habe.

Madrid, 11. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Außemninister Briand stattete gestern nachmit­tag Stresemann einen längeren Besuch ab. Dle spanische Regierung gab zu Ehren des Volkerbundsrates ein Esten, in dessen Verlauf Pilmo de Rivera und Ratspräsident Watschi Trinksprüche wechselten.

Q, 11. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) meldet der Sonderkorrespondent der Chicago Tribüne, daß der französische Außenminister Briand Außenminister Dr. Stre- semann habe wissen lassen, daß er unter zwei Bedingungen mit ihm verhandeln wolle, uäm- lrch 1., daß keinerlei Entscheidung über die Räu- mung in Abwesenheit eines beglaubigten Ver- treters der neuen englischen Regierung gefällt werde. Dazu müsse man eine Zusammenkunft der Vertreter der englischen und der belgischen Regierung abwarten, 2., er empfehle eine inter­nationale Konferenz im Juli oder August. Frankreich würde mit London einverstanden fein, wenn die englische Regierung diesen Bor- schlag machen sollte. Außer Deutschland, Frank- reich, Belgien, Italien und Japan würde auch die Kleine Entente und wahrscheinlich Oester- reich und Ungarn vertreten fein, da Fragen be­treffend die Nachfolgestaaten zu regeln seien. Die amerikanische Regierung würde ebenfalls einge- laden werden. In der Zwischenzeit würden Pläne für die Zurückziehung der Besatzungs- truppen vorbereitet werden, sodaß das deutsche Gebiet entsprechend dem Youngplan am 1. Sep- tember von fremden Truppen befreit fein könnte.

Paris, 11. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) ließet die zu erwartenden deutsch-französischen Sonderbefprechungen hinter den Kulissen der Madrider Ratstagung schreibt der Matin u. a.: Man vergesse, daß die Liquidierung des Krie­ges nur der Anfang einer aufbauenden Po­litik in Europa sei, die sich nur auf das gute deutsch-französische Einvernehmen stützen könne. Zur Saar-Frage meint Sauerwein, die Frage sei fast unlösbar. Es sei unmöglich, auf die Volksabstimmung zu verzichten. Vielleicht wäre es möglich, den Rückkauf der Gruben Deutschland zu ermöglichen, ohne 1935 abzuwar- ten, wenn es sich nur um Ziffern handeln würde. Man würde aber geradezu den Grund­satz der Volksabstimmung fälschen, wollte man Deutschland für diese letzten fechs Jahre seine völlige Vorherrschaft auf wirtschaftlichem Ge- biete zurückgeben. Der Petat Parisien tut die Saar-Frage mit der Bemerkung ab: Die Saar- Verfassung fei durch den Versailler Ver»

nisterpräfidenten Bethlen bei der Ein- weihung eines Heldenmals ein Manöver der rumänischen Regierung, der es gelang, zu die- ser Protestnote auch die beiden anderen Staaten der Kleinen Entente zu bewegen. In der rumänischen Presse trete das Kesseltreiben gegen Ungarn in greifbar deutlicher Form zu­tage. Die Rede des Grafen Bethlen habe den Rumänen bloß einen Vorwand geboten, von ihren bisherigen Zugestäudniffen in der Optan­tenfrage wieder abzurücken.

Bukarest, 11. Juni. (Eig. Drahtbericht.) Den Blättern zufolge wird heute der rumä­nische Gesandte in Budapest bei seinem Pro- testscbritt darauf Hinweisen, daß die rumäni­sche Regierung alles getan habe, um eine An­näherung zwischen den beiden Ländern in die Wege zu leiten. Angesichts der Haltung Un­garns, die durch die jüngste Rede des Mini­sterpräsidenten Gras Bethlen charakterisiert werde, seien jedoch die Staaten der Kleinen Entente zu einer Revision ihrer Haltung ge­nötigt. Sie würden also die Großmächte von der drohenden Gefährdung des Friedens überzeugen, die durch die fortgesetzte Revi- sionskampagne Ungarns bestehe. Der Söller- bund Wird vorläufig nicht eingreifen.

stad bekanntlich ein Handstreich von venezola­nischen Aufständischen verübt wurde. Heute find außerdem von Amsterdam aus noch ein Kreuzer, zwei Torpedoboote und zwei Unterseeboote abgefahren.

Washington, 11. Juni. Der amerikanische Konsul auf der Insel Curacao ersuchte darum, einige in Panama stationierte amerika­nische Kriegsschisse dahin zu verständi- gen, daß sie sich zur Abfahrt nach Curacao be­reit halten möchten, sobald dort weitere Un- ruhen entstehen sollten. Aus Surinam (Holl. Guayana) Wird gemeldet, daß der Gouverneur alle zur Verfügung stehenden Kriegsschiffe nach Curacao beordert hat.

Amsterdam, 11. Juni. (Eig. Drahtbericht.) Wegen der Unruhen auf der Insel Curacao wurde dem venezulanischen Gesandten im Haag eine Note überreicht, in der die so­fortige Bestrafung der Aufständigen. Führer gefordert wird.

trag festgesetzt, sodaß sie nicht ohne Revision des Versailler Vertrages geändert werden kann.

★ + ★

Die Sozialisten für Räumung Leon Blums Schulden-Standpunkt.

Paris, 11. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Auf dem Sozialistenkongreß in Nancy äußerle sich gestern Leon Blum zum Sachverständigen­bericht, daß die Räumung des Rheinlandes der Ratifizierung des Berichts auf dem Fuße fol­gen müsse. Darüber dürfen innerhalb der so­zialistischen Parteien der verschiedenen Länder keine Meinungsverschiedenheiten entstehen, auch nicht bei de» belgischen Sozialisten. Die beut» scheu Reparationsgelder müßten in erster Linie für den Wiederaufbau Verwenduim fin­den und erst in zweiter Linie für die Bezah­lung der Schulden an England und Amerika. Die Höhe der Kriegsschäben müsse aber noch­mals überprüft und genau ermittelt werden. Frankreich müsse eher Amerika bezahlen, als Deutschland moralisch gehalten werden könne, die Reparationen zu bezahlen. Er hoffe, daß Amerika nachgiebiger in der Schuldenfrage fein werde, wenn eine demokratische Regierung in Frankreich statt der heutigen militärischen eines Tages die Abrüstung wirksam durchführen werde.

Die pariser Lösung gefällt

City und Weiße« Haus zufrieden.

London, 11. Juni. (Eia. Drahtbericht.) Die Londoner City hat den Pariser Sachverftän- digenbericht günstig ausgenommen. Die Kurse der ausländischen und deutschen Mtien zeigten eine bemerkenswerte Stetigkeit an der Börse. Dos Staatsdepartement in Washing- ton hat sich ebenfalls sehr anerkennend über den Bericht ausgesprochen, dessen Werl schon

London, 11. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Im Kabinett wurde gestern wie erst durch die Morgenpresse bekannt wird .beschlossen, sobald wie möglich mit der Sowjetregierung über die Wiederaufnahme der Beziehungen zu verhau- belrt. Die Minister in London betonen, daß England von Rußland nichts anderes erwarten könne als eine Beobachtung der üblichen Höflichkeit zwischen den Regierungen Von diplomatischer Seite sind in dieser Rich­tung bereits Fühler ausgestreckt worden.

* * *

Räumung un- Abrüstung

Macdonalds nächste RegierungSziele.

London, 11. Juni. (Eig. Drahtbericht.) Ein politischer Korrespondent äußerr sich über die Richtlinien Macdonalds, — man erwarte von ihm, daß er zu der Praxis internationaler Konferenzen und privater Besprechungen zu­rückkehrt. di« von Chamberlain nach Locarno aufgegeben worden war. Macdonald wird kei­ne Müh« scheuen, um zu erreichen, daß die SeeabrüstungSkonferenz — wahr, scheinlich im Juli oder August in London abgehalten wird. Nach Ansicht Macdonalds und seiner Kollegen würde die Rheinlandräu- mung im September beginnen und bis zum 10. Januar nächsten Jahres beendet fein. Die britischen Truppen dürsten jeden­falls zurückgezogen werden ohne Rücksicht aus Frankreich oder Belgien. In dieser Frage würden die Sozialisten bestimmt nicht nur die Unterstützung der Liberalen Partei, sondern auch vieler konservativer Gruppen haben. In der Abrüstungsfrage würde man das Zugeständnis Lord Cushenduns in der Frage der Nichtberückstchtigung ausgebildeter Reserven vermutlich nutßt ausrechterhallen.

Da« Weiße Haus fleht Macdonald gern Washington, 11. Juni. (Funktelegramm.) Zu dem in Aussicht gestellten Besuch Macdonalds

1 wird an zuständiger Stelle erklärt, daß das Weiße Haus und das Staatsdepartement der Ansicht seien ein persönlicher Meinungsaus- tausch zwischen den beiden Staatsmännern werde viel zum Ausgleich der amerikanisch- englischen Beziehungen beitragen. Der kana­dische Premierminister Mackenzi King will Macdonald nach Washington begleiten.

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Hoover lä-t selbst ein

Der Flottenkonserenz mit Macdonald entgegen

Rewyork, 11. Juni. (Durch Funkspruch.) Der amtliche Herold berichtet, daß Hoover 6e- schlossen habe, Macdonald zu einem Besuch im Sommer einzuladen. Der amerikanische Bot- fchafter soll die Einladung bei feinem Antritt in London überreichen. Eine ähnliche Einladung erhält voraussichtlich auch der kana­dische Premierminister. Macdonald hat Se­nator Borah mitgeteilt, daß er den Wunsch habe, selbst nach Amerika zu kommen Die ge­samte amerikanisch« Press« mißt diesem Besuch die allergrörtzte Bedeutung bei besonders we­gen der Flottensrage. *

England sichert den Achtstundentag

London, 11. Juni. (Eia. Drahtbericht.) Der englische Vertreter auf der internationalen Arbeitskonferenz in Gens erhielt Instruktionen denen zufolge die neue Regierung sofortige Vorkehrungen zur Ratifizierung der Achtstun- denkonvention treffen wird.

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Das ergänzte Kabinett

London, n. Juni. (Eig. Drahtbericht.) Den Blättern zufolge Hai MacÄonald den vorma­ligen Vorsitzenden be8 Generalratz des Ge- werkschaftskongrefleS, Ben Turner zum Bergbauminister und A. Ponfonby zum UnterstaatSfekretSr für die Dominions auSer- fehen.

ReparationsbankkredM

Bon Kurt Paul.

Der neue Pakt, der in Paris als Poung- plan End« voriger Woche geschlossen wurde, soll auf Jahrzehnte hinaus die Richtschnur für di« deutsche Wirtschaft fein. Wit sagen aus­drücklich, er s o l l «S fein, ob er es bleibt, muß erst die Zukunft lehren. Auch der Dawesplan galt ehedem als die sunrema lex, bis sich schließlich die Problematik seines Daseins er­gab. Aus der Tatsache, daß die Undurchführ- barkeit bet bisherigen Zahlungen drüben schon zu einem Zeitpunkt aktuell wurde, wo wir noch nicht einmal daS erste Normaljahr hinter uns haben, könnte man bereits jetzt schon wie­der dem Youngpakte das Sterbejahr prophe- zeien, aber erstens wollen wir dem neuen Ab­kommen den Kredit nicht untergraben, und zweitens hängt seine pünktliche Erfüllung letz­ten Endes wohl von Amerikas Gnaden ab.

Zahlen ist gut, wenn man borgen kann! Diese Methode haben wir bei der bisherigen Erfüllung des Dawesplanes genügend ange­wandt. Es war letzten Endes nichts anderes, als die Umleitung der amerikanischen Kredit- gelber, allerdings Plus deren respektabler Ver­zinsung. Hätten wir weniger Kredite in Ame­rika ausgenommen, so hätte sich die Undurch- führbarkeit unserer Zahlungen schon viel frü­her ergeben! Jetzt wo wir die neuen Zah- iungSmobalitäten in ihren Einzelheiten ken­nen. müssen wir schließlich positive Politik treiben, d h. auf den einfachsten Renner ge­bracht: den Gang der deutschen Wirtschaf: be­schleunigen, seine Intensität erhöhen und Kri­sen bereits int Keime zu lösen versuchen. Als Generaldirektor Vögle r, der Vertreter ver Schwerindustrie und engste Mitarbeiter Schachts in Paris sein Amt als Experte zur Verfügung stellte, schien die Konferenz zu schei­tern, aber man hatte in der Person des Ge­heimrats St a ft I, des geschäftssührenden Prä­sidialmitgliedes des RetchsverbandeS der Deut- schsn Industrie, einen vollgültigen Ersatz, viel­leicht sogar den besseren Mann, gefunden. Die Schwerindustrie diskreditiert auch heute schon wieder den neuen Vertrag, ohne daß aller­dings eine Aussicht auf maßgebenden Einfluß auf Regierungskreise bestehen dürste.

Das wesentlichste an dem neuen Vertrag ist natürlich die Höhe der Zahlungen Leiber ftnb keine größeren Veränderungen mehr vor­genommen, obgleich man noch in der vorigen Woche mit einer Reduzierung der Annuitä­ten rechnen zu können glaubte. Vorläufig sieht der Plan bekanntlich die Erfüllung von 37 Jahreszahlungen von durchschnittlich 2050 Millionen einschl. der Dawesanleihe vor, wo­bei die Summe von 1700 Millionen bis 2,4 Milliarden in 25 Jahren ansteigt, um dann wieder abzufallen. Außerdem sind 21 weitere Jahreszahlungen von 1700 bis 960 Millionen vorgesehen, die Deutschland zahlen muß, wenn Amerika den Alliierten keine Schuldnachläffe gewährt und wenn die Reparationsbank keine Gewinne einbringt, die zur Tilgung der letz­ten Annuitäten mit herangezogen werden können.

Der amtliche Text der für die Reparations- bank aufgestellten Satzungen ist noch reichlich verworren. Wenn eS auch vielleicht ein Zei­chen allzu weit gesteckter internationaler Wirt­schaftspolitik ist, auf Jahrzehnte hinaus mit erhofften Gewinnzahlen zu rechnen, so muß der Wirtschaftskritiker sie immerhin mit ein« stellen, weil sie ein Teil der Gebälkes des gan- zen DoungplaneS sind.

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Man will eine Reparationsbank schaffen! Was beißt das? Bis jetzt hat der ReparationS- gent di« Verteilung der deutfchen Zahlun-- gen, feine Transferierung, vorgenommen. Er war gewissermaßen die personifizierte Spar- unb Sammelbüchse für sämtliche Ententeländer Jedes Jahr pflegte er außerdem noch feinen berühmten Bericht über »Deutschlands blühen, de Wirtschaftslage« zu veröffentlichen und glaubte damit schlagend den Beweis erbracht zu haben, daß Deutschland zahlen könne. Wir konnten auch zahlen, dank den amerika- Nischen Krediten! Wer es hat sich schließlich gezeigt, daß diese Summen immer problema­tischer werden, da die deutsche Wirtschaft von sich aus nicht in der Lage fein konnte, die Zah­lungen zu leisten. Der Reparationsaaent bat ich geirrt. Es ergeht ihm wie jedem Di­plomaten, der nicht mehr das Vertrauen fei­ner ober der ihm akkreditierten Regieruna ge­nießt, er verschwindet, auch Parker Gil­bert wird gehen, nur der Zeitpunkt steht noch nicht fest.

An seine Stelle tritt die Reparations- bank. Das Institut hat zunächst auch die Aus. gäbe, die Zahlungen in Empfang zu nehmen und sie an die Ententeländer zu transferieren