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Hessische Abendzeitung

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Nummer 134

Montag, 10. Juni 1929

Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.

19. Zahrgan

Stresemanns Ziele für Madrid

Abrüstungskonferenz Maedo nald - Hoover? Uönigsbesuch in Berlin

wo sind die O zeanflieger?

Mämntmg und Saat in Madrid

Einzug König Suat s in Berlin

Snet durch die «anglifte

Das Sffkierkarps unserer Reichswehr

ifch-amerikani- lacdonald will

Maedonald-Hoover

Fortschritte in der Abrüstung.

Ende gut, alles gut

Londons Schlußbilanz für PariS.

| Gesandte in Berlin sowie Hofpersonal in I starke von etwa zwanzig Köpfen.

denn die drei bayerischen Generäle Ritter von Ruith, Ritter von Pflüge! und Ritter von Leeb lönnea hier nicht mirzählen. Sie führen nur de« Personaladel, der ihnen im Kriege alS Rit­ter deS Mllitär-Max Josef Ordens vom König von Bayern verliehen worden ist. Beide Rate*

Ausstandsgerüchte auS Persien.

London, 10. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Aus Schiras in Persien verlautet, daß die Stadt von aufständischen Stämmen so gut wie eingeschloffen ist. RegierungSftreitkräfte find zusammengezogen. Truppenverstärkungen find im Anmarsch.

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Zusammenarbeit als Leitstern

Hendersons Stellung zu Amerika, Moskau, Berlin.

London, 10. Juni. (Eigener Drahtbericht.) In einem Interview begrüßt« der neue Außen, mimster Henderson die nächste Völkerbunds- tagung im September, die Premierminister Macdonald wenn irgendmöglich persönlich be­suchen wolle.Wir beide halten unsere Be- ziehungen zum Völkerbund für einen der wesentlichsten Bestandteil« unserer Politik. Wir werden an unsere Probleme nicht vom Stand- puntt nationaler Strategie, sondern vom Standpuntt internationaler Zusam- menarbeit Herangehen". Der Außensekre­tär sagte weiter: ES werde alles geschehen, um die Bande zwischen England und den Vereinig- len Staaten zu stärken. ES werde daS äußerste Setan werden, um dem Kelloggpakt volle Wirksamkeit zu geben. Dre Regierung werde rede mögliche Gelegenheit zu persönlichem Kontakt und unmittelbarer Beratung mit Der- tretern der amerikanischen Regierung benutzen. Bezüglich SowjetrußlandS würden Verhand­lungen notwendig sein, um die diplomatischen und Handelsbeziehungen auf eine befriedi­gende Grundlage zu stellen. Die Regie- rung wünsche auch dringend die möglichst bal. dige Räumung deS deutschen Gebietes, müsse aber sorgsam erwägen, tot« dieses Ziel am besten zu erreichen sei.

Sm Internat tonale« voitzeigeschwader

London, 10. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Die Polizei - Präsidenten von Berlin, London und Paris erstreben hier zwischen der Kriminal- Polizei der drei Hauptstädte eine engere Zusam­menarbeit U. a. wird zwischen de« Polizei- Chefs auch ein Plan für die Schaffung eines internationalen fliegenden Geschwa­der S der Kriminalpolizei der drei Länder vor­gesehen.

Handstreich auf den Hafen

Bandenterror in Westindien.

Rewyork, 10. Juni. (Funkspruch.) Eine bewaffnete Bande angeblich Benezulaner

Die nächsten Stoppen: Räumung und Saar

London, 10. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Zum Abschluß in Paris schreibt ein Blatt: Jetzt kann sich Macdonald bewähren. In erster Linie ist di« Rheinlandräumung zu nennen. Wird sie bald erfolgen Wird sie umfassend sein? Kann Frankreich veranlaß: werden, das Saargebiet in die Räu­mung einzuschließen. In bei weitest­gehenden Möglichkeit liegt die größte Hoff­nung auf Friede für Europa Aus otefe Mög­lichkeit muß Macdonald hinarbeiten.

®Wtnrtf<be Oefiäftfonsefaen Memm-Seite 11 auswärtige SelSäft».

^u^Seile Dffertaebttbr J5* 4 Jbet Zuitkllung 86 4). Stechnunarberräge innerhalb

überfielen den Hafen Willemstandt auf Cura- cao in Holländifch-Westindien und entführ- ten den Gouverneur, den Ortskomman­danten und viele Soldaten. Die Bande be- herrschte vier Stunden lang die Hafenstadt und tötete mehrere Polizisten. Die Ge­fangenen wurden auf einem Dampfer sortge- schafst, nach einiger Zeit aber wieder zurück- gebracht.

Washington. 10. Juni. (Funktelegramm.) Weder das Staatsdepartement, noch die vene­zolanische Gesandtschaft haben offizielle Nach­richten über den Uebersall aus Curacao erhal­ten. Amerikanische Beamte vermuten, daß der Ueberfall von venezolanischen Revolutionären ausgeführt wurde, die sich in den Besitz von Waffen und Mumtion setzen wollten.

gorien tragen natürlich das Adelsprädikat al« Namensteil, und zwar auf Grund der Reichs­verfassung. In dem in Potsdam garnisonie- renden 9. Infanterieregiment, dessen Stamm- truppenteil die frühere Gardeinfanterie ist, tra- gen von 47 Oberleutnants und Leutnants 26 dasvon" vor ihrem Namen. Jsi,den achtzehn Retterregimentern der Reichswehr hat ungefähr fünfzig Prozent aller Leutnants das AdelSprä- dikat oder einen Adelstitel. Dieser Prozentsatz ist sogar etwas höher bei denjenigen Reiterregi- meutern, deren Stammtruppenteile Regimenter mit exklusstvem Offiziersersatz waren, z. B. beim 4. Retterregiment in Potsdam, dessen Stamm- truppenteile die Regimenter der Garde-Kaval­lerie sind. In diesem Regiment sind von 23 Oberleutnants und Leutnants 15 Angehörige altadliger Familien. DaS Reiterregiment Nr. 6 tn Pasewalk und Schwedt hat unter sei­nen achtzehn Oberleutnants und Leutnants so- gar nur drei bürgerliche. Dagegen ist bei dem 9. Reiterregiment in Fürstenwalde und BeeS- kow der Prozentsatz der bürgerlichen Offiziere auffällig gestiegen, früher 4, heute 9 bürgerliche. Indessen haben sich andere Reiterregimenter in ihrer sozialen Struktur nicht geändert, so z. B. das 7. Reiterregiment in Breslau, dessen Stammtruppenteile die ehemaligen B r e s - lauer Leibkürassiere sind. Unter den zwanzig Oberleutnants und Leutnants finden wir nur sechs bürgerliche. Von Bedeutung ist, daß der Sport in der Reichswehr weit mehr ge­pflegt wird als in der alten Armee. DaS zei­gen auch die fabelhaften reiterlichen Leistungen der jüngeren Kavallerieoffiziere auf den großen Turnieren wie jüngst in Amerika.

Parts, 10. Ium. (Eig. Drahtbericht.) Ent­gegen der halbamtlichen Auslassung, Briand werde es vermeiden, mit Stresemann über Fragen zu, sprechen, die nicht auf der Tages­ordnung ständen, sind die Sonderberichterstat- ter allgemein der Auffassung, die Erörterung der Rhetnlandsrage ließe sich nicht länger um- «ehen Dt« Techniker hätten bereits das küns- 9e Rhemland-Regime zu prüfen begonnen Zweifellos werden schon am Montag

Briand und Stresemann über die kommende politische Konferenz verhandeln.

sten wurden getütet und zwei weitere lebensge- jährlich verletzt. 51 Streiünde wurden tierbnftct darunter mehrere Schwerverwundete.

London, 10. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Zum Abschluß der Pariser Sachverständigen- Verhandlungen schreibt die Times: Die wichtig-

aghptlschcn und deutschen Reichssarben ge­schmückten Lehrter Bahnhof ein. Kurz vorher datte ssih der Reichspräsident mit Staatssekretär Dr. Meißner eingefunden, wobei bi« vor dem Bahnhof ausgestellte Mili- tarkapelle das Deutschlandlied spielte, während die Ehrenkompagnie präsentierte. Ferner wa­ren zugegen Reichskanzler Müller, Reichstags- Präsident Löbe, Ministerpräsident Braun, fünf RelchsmiNlster. die Chefs der Heeres- u. Ma- rineleitung, Oberbürgerpieister Dr. Böß usw. Der aussteigende König wurde

sofort vom Reichspräsident begrüßt, worauf ihm von diesem und vom Reichskanz­ler die Staatsvertreter einzeln vorgestellt wur­den. Rach dem Verlassen des Bahnhofs wurde der König von den Mitgliedern der ägyptischen Kolonie begrüßt, worauf er mit dem Reichs­präsidenten die Front der Ehrenkom- pagnie abschritt, während die Musik die ägyptische Königshymne spielte und eine Bat­terie der Reichswehr 21 Salutschüsse ab- feuerte. Hieraus fuhren die Wagen von Ka- vallerre eskortiert, durch die geschmückten Fest­straßen ^zum Prinz Albrecht-Palais, wo der König Wohnung genommen hat.

Blutige Streikszenen in USA

Schießerei zwischen Arbeitern und Polizei

Rewyork, 10. Juni (Funkdienst.) In Gafto- nia (Rordkarolina) kam es laut Pressenotiz gestern zwischen streikenden $e$tilarbeitern und »er Polizei zu einem blutigen Kampfe, in des­sen Verlauf auf beiden Seiten von der Schuß­waffe Gebrauch gemacht wurde. Zwei Polizi­

Die alte Rangliste, dar gigantische Denkmal deuffcher HeereSorganisation umfaßt 1600 ©ei­ten, die neue, ein Meilenstein auf dem langen, schweren Wege deuffchen Wiederaufbaues nur 241. Vierundzwanzig Armeekorps hatte das deutsche FriedenSheer 1914, in zwei Gruppen- kommandoS ist die neue deutsche Reichswehr ge> gliedert. Diese beiden Kommandos zerfallen in zehn Divisionen, sieben Infanteriedivisionen, darunter eine bayerische, und drei Kavallerie- divistonen. Unter jeder Infanteriedivision steht ein Jnfanterieführer und ein Artillerieführer. Viele führenden Stellungen sind von früheren Generalstäblern besetzt. Von den drei dienst- ältesten Offizieren mit der Bezeichnung .Gene­ral" sind die Herren Heve, Chef der HeereSlei- tung, und Haffe, Oberbefehlshaber der Gruppe 1 in Berlin. Träger des Pour le mSrite mit Eichenlaub, während der Oberbefehlshaber der Gruppe 2 in Kassel, der aus Bayern stam­mende General

Frhr. Kreß von Sreffenftein, den Orden ohne Eichenlaub

besitzt. Von den vierzehn Generalleutnants hat die Hälfte den Orden Pour le mtrite, von den fechSundzwanzig Generalmajoren haben ihn sechs. An der Spitze deS sog. neuen »Minister- amtS* steht Generalmajor von Schleicher. Er ist feit der StaatSumwälzung ununterbro­chen im ReichSwehrministerium tätig und hat ei tn einer außerordentlich schnellen Karriere zum General gebracht. War er doch bei Ausbruch

Bertas nttb Druckerei: Kassel. $<6Ia4tboffh:a6e St. 88/80. »ernfot. 8601, 8602, 8603?8«jt

Saberwein glaubt außerdem zu wissen, Briand und Stresemann Wersen die Frag« aufwerfen, ob man nicht jetzt schon eine vorzeitige Regelung des Saargebietes ins Auge fassen könne, ohne das Jahr 1935 abzu­warten. Falls der Völkerbund dem zustim­men sollte, könne man auf die politische Ab- stlmmung verzichten. Juristisch sei aber Genf für btefe Frage zuständig, so daß es sich nur um eine vorhertge Prüfung handeln könne Bezüglich der Behandlung der Minderhei­ten erklärt Sauerwein, die neuen Staaten wollte« bei sich Hause frei schalten tonnen. Was man auch in Deutschland darüber denken m öge. sie würden über die in den Ver­trägen festgelegten Garantien für die Minder- hetten ntchr htnausgehen. Man könne daher mit der ungefähren Beibehaltung d«S Status yuo rechnen.

sten Klauseln der Balfour-Note seien unverän­dert geblieben. Der Recovery-Akt werde in Kraft bleiben, trotzdem diese Tatsache von den anderen Nationen nicht gern gesehen werde. Die Sachlieferungen seien ungefähr auf die Hälfte reduziert worden und auf zehn Jahre beschränkt. Im Vergleich zu der ungeheuren Wichttgkeit einer einstimmigen Reparations-Re­gelung für die ganze Welt, seien die Opfer, die gebracht werden müßten, kaum nennenswert.

Sultfonferen» in Baden Baden?

Berlin, 10. Juli. (Eigener Informations­dienst.) Sie Meldungen über eine Außen- mtmsterkonferenz in Baden-Baden im Juli werden hier als Kombination bewertet. Es ist von vornherein klar, daß in Madrid Ab­schließendes über die politischen Verhandlun­gen wegen der Ratifizierung des Pariser Sach- verständigen-Gutachtens und anderer Pro- bleme nicht gesprochen werden konnte, da England ja lediglich durch seinen Madrider Botschafter, nicht aber durch den Außen­minister vertreten ist. Macdonald selbst braucht zum Studium der Akten Zeit. Es ist Infolgedessen auch unwahrscheinlich, daß Dr. Sttesemann sich in Madrid auf irgendwelche Abmachungen mit Briand über Ort und Zeit­punkt der pollttschen Konferenz einlassen wird. Diese Verabredungen dürften auf di- plomatifchem Wege erfolgen.

Berlin, 10. Juni. (Funkspruch.) Der Pa­riser Platz und der Platz vor dem Branden- , Eiroo ^anaia «ov,en

L d-m mit d.»

des Königs mutz die Polizei di« große Menge der Schaulustigen zurückhalten. Mit klingen­dem Spiel marschiert die Reichswehr zur Spa­lierbildung auf.

Singen am Hohen Trail, 10. Juni. (Privat­telegramm.) Der gestern hier mit Sonderzug aus der Schweiz eingetroffene ägyptische König Fuad wurde auf dem Bahnhof von Minister a. D. Dr. R o f e n, dem deutschen Gesandten in Kairo v. Stohrer, Gesandtschaftsrat Dr. Klee, Generalmajor v. Bock usw. empfangen. Beim Verlassen des Zuges auf dem mit deuffchen und ägyptischen Farben geschmückten Bahnhof Über­mittelte Reichsminister a. D. Dr. Rosen die Grüße des Reichspräsidenten und der Reichsre­gierung und erinnerte an die ruhmreiche Ge- schichte Aegyptens, die bis zum Morgenrot menschlicher Kultur zurückreiche. König Fuad erwiderte u. a. daß er von dem Besuch eine be­sondere Auswirkung auf die Förderung der deutsch-ägyptischen Beziehungen erwarte. Der Zug fuhr dann über Stuttgart nach Berlin weiter. Mit dem König reifte auch der ägyptische Außenminister und der ägyptische

der Weltkrieges erst Hauptmann. Er ist daher noch verhältnismäßig jung, Mitte der Vierzig. Seinen raletenartigen Aufstieg verdankt er zum Teil seiner diplomatischen Gewandtheit, weil er sich im Etat- und Parteiwesen auSkennt und parlamentarischen Widerständen die Spitze ab* zubrechen weiß. So haben denn bi« jetzt alle Parteien, die den einflußreichen General von hinten herum beseitigen wollten, auf Granit gebissen. Zum erträumten Posten des Chefs der Heeresleitung fehlt ihm freilich die prak­tische Erfahrung der Truppenführung. Die Zahl der rein adligen Offizierkorps war schon vor dem Kriege immer mehr zusammenge­schmolzen und beschränkte sich 1914 auf einige Garde- bejto. Linienregimenter der Kavallerie. Sogar ein fo exklusives Regiment wie die Gar- dekurassiere hatten einige Jahre vor dem Kriege einen bürgerlichen Schwadronschef. Der Pro- zenffatz deS Adels in der Reichswehr ist in den oberen Chargen ungefähr derselbe wie in der alten Armee, unter den Leutnants etwas gerin­ger. Von den

44 Generälen stammen 22 auS adligen Familie»,

Meter 9kuefte Nachrichten

Kasseler Abendzeitung -

London, 10. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Der dipl. Korrefpondent deS Arbetter-Partei. blattes hat Grund zu der Annahme, daß der Premierminister nach einer Beratung mit dem Außensekretär Henderson einen toidjtigen Entschluß bezüglich der enr"" ' ' schen Beziehungen gefaßt hat. '______________

falls die Umstände es gestatten, Gelegenheit zu einer persönlichen Besprechung mit Präsident Hoover nehmen.Wahr- scheinlich würde, falls Macdonald nach Ameri. ka fährt, der kanadische Premierminister Mackenzie King zu den Beratungen eingela­den werden. Man darf annehmen, daß Diac. sonalds Ansicht von der Notwendigkeit einer direkten persönliche« Fühlungnahme vom Präsidenten Hoover und seinen Ratgebern ge­teilt wird und daß sie die Zusamn».nkunst erleichtern würden. Das Kabinett dürfte da­rüber heute beraten. Auch Daily News spricht von der Möglichkeit einer persönlichen Abrü- stungs Konferenz zwischen Hoover und Mae- donald , die aber erst später während der Fe- nenzeit abgehalten werden könnte.