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Kasseler Neueste Nchruhtm

Kasseler Abendzeitung Sesstsche Abendzeitung

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Nummer 132

Freitag, 7. Juni 1929

Einzelpreis: Wochentag» 10 Pfennig.

Einzelpreis: Sonntag» 20 Pfennig.

19. Jahrgang

Die Räumung als dritter Akt

Urteil im Belgrader Ulordprozetz—von Schuberts Attackein rNadriö — Zeppelin- und Amerikaflüge

Räumung nicht mehr aufzuschieben Böse Folgen der Studententvmvtte

würoe. In London sei gestern mikgcleiit wor- den, vast daS Lager >on Catter 1 ch für rie Aufnahm- der britisch!» Truppen vorbei eitet worden sei.

Räumung schon im Oktober?

London- macht unS wieder Hoffnung.

London, 7. Juni. (Eigener Funkdienst). Daily Expreß will erfahren haben, daß die Vorbereitung für die Räumung des Rhein- landeS durch die Alliierten gut fortgeschritten

daß die Räumung wahrkcyeiui»ch im i

Paris, 7. Juni (Eig. Drabtbericht) Der Außenpolitiker des Mati» schreibt zum Kon- ferenzabschluß: Frankreich Hai vielleicht gewisse Illusionen aufgegeben. aber es War so wie so schon jede Aussicht verloren, daß diese Illusio­nen sich restlos verwirklichen würden. Lei erste Akt zur Liquidierung des Krieges ist also vollbracht. Es ist ganz unwahrscheinlich, daß sich die Regierungen oder die Parlamente wei­gern würden, die Vorschläge der Sachverstän­digen zu ratifizieren. Die Arbeit der Sachver­ständigen hat sich gewissermaßen unter ihrem Protektorat vollzogen. Der zweite Akt der Liquidierung des Krieges steht also nahe be­vor. Es handelt sich um die Einsetzung eines vereinfachten

KontrollsytzernS im Rheinland (!)

um zu vermeiden, daß bei jedem Zwischenfall in der neutralisierten Zone der Völkerbund angerufen werden muß. Der dritte Akt >st die Räumung, deren Notwendigkeit kaum noch bestritten werden kann. Nach der Reva- rationsregelung und Entwaffnung Deutsch­lands ist kein Grund vorhanden, diese mi­litärische Operation hinauszuschieben. Deutsch- land meint, es habe seit Locarno ein Anrecht daraus, das ist ein Irrtum, aber sranzösischer- seits hat man sich verpflichtet, die Räumung vorzunehmen, sobald die beiden notwendigen Vorbedingungen — Reparationen und Rheio landkontrolle — erfüllt sein würden. Frank­reich mutz also sein Versprechen erfül­len. Keine interessierte Regierung könnte an­ders urteilen. Außerdem würde auch die Ar­beiterregierung in England daran erinnern

sind. Sein Pariser Korrespondent meldet von besonders gut unterrichteter Seite ig zweifellos dieses Jahr, Oktober durchgesührt weeocn

Der nächsten Ronferenz entgegen

Die Zentralbank wird bleiben.

Teil, Sachlieferungen usw.) Transfer und Aufbringungs-Moratorium. Kommerzialisie­rung und Mobilisierung des ungeschützten An­nuitätenteiles. In den Anhängen werden die Internationale Zahlungsbank und die Vertei­lung der deutschen Annuitäten unter die Gläu­biger behandelt.

Paris 7. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Die Reparationssachverständigen beschlossen gestern einem Blatt zufolge ein Organisations- lomitee unter dem Vorsitz von Parker Gilbert einzilsetzen mit der Ausgabe, den Uebergang vom Dawesplan zum Houngplan vurchzufüh- ren. Dieses Komitee soll drei Unterausschüsse bilden, einen für Reichsbank, einen »weiten für die Reichsbahn und einen dritten für die Sach­lieferungen.

*

Letzt politische SnUastungen!

Berlin, 7. Juni. (Privattelegramm.) Die Temokratensraktwn äußerte sich nach einem Referat Dr. Dernburgs dahin, daß die Re- parationslösunq nur dann tragbar sein kann, wenn die ungeheuren finanziellen Belastungen der deutschen Staats- u. Volkswirtschaft ihren Ausgleich z. B. in der Räumung der be­setzten Gebiete, in einer unbehinderten Betäti­gung Deutschlands auf dem Weltmarkt in einer angemessenen Regelung der Minoeryei- tenprobleme usw. finden. Die ziffermäßigen Erleichterungen müssen Ersparnisse bleiben und zur Entlastung oer deutschen Volkswirt- schäft und der Steuerzahler verwendet werden.

Unrecht an AlinLerheiten

von Schuberts Beschwerde in Madrid.

Madrid, 7. Juni. (Eig. Drahtberichl.) Im RatSkomite« erklärte heute der Kanader D a n» dura nd, daß er gegen jede Beschlußfassung sei, da der Bericht des Minderheitenausschus­ses vollkommen ungenügend ist. Er trete des­halb für eine Vertagung ein. Daraus er­klärte Staatssekretär von Schubert, daß der Bericht für Deutschland eine Ueberraschung sei, die im Wesentlichen eine tiefgehende Eru- täuschung ausgelöst habe, da der Bericht durchaus negativ eingestellt ist. Der Minderheitenschutz sei eine der größten Auf­gaben des Völkerbundes. Der Völkerbund müsse die Durchführung der Minderheitenver­träge dauernd überwachen. Der Londoner Be­richt könne keine Berhandlungs- grundlage bilden. Deshalb rege er an, daß das RatSkomite« einen neuen Bericht aus­arbeiten lasse. Br i a n d dagegen trat für eine Fortsetzung der Diskussion ein.

London, 7 Juni. (Eigener Drahtberichl.) Dor der Rückkehr nach England äußerte sich gestern Sir Josua Stamp gegenüber einem Pariser Pressevertreter, da» Reparationsab- kommen sei besser als man erwarten konnte. Besonders günstig erscheine ihm die Gründung der internationalen Bank. DaS Abkommenn habe nur einen AugenblickSwert, aber die in­ternationale Bank werde das Abkom­men überdauern. Ein anderer Bericht- erstatter bestätigt, daß eine weitere diplo­matische Konferenz in Kürze eiuberu. sen werde, auf der die Durchführung deS Koungplanes erörtert werden solle.

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Unterzeichnung heute abend

Owen Young reift Sonnabend ab.

Paris, 7. Juni. (Eig. Drahtberichl.) Für heute nachmittag 5 Uhr ist eine Vollsitzung der Sachverständigenkonferenz einberufen, in der das Abkommen unterzeichnet werden dürfte. Ein Auszug aus dem Boungplan wird in diesem Falle sofort zur Verteilung «elangen. Der volle Text dagegen dürste erst am nächsten Montag veröffentlicht werden. Owen Young will sich am Sonnabend nach Amerika einschiffen, um am 15. Juni an der Hochzeit seines Sohnes in Cleveland teilnehmen zu können. Der englische Delegierte Sie Josiah Stamp hat Pari» bereits gestern verlassen

Dem TempS zufolge wird der Bericht folgende Kapitel enthalten: Aufgaben des Sachverständigen-Ausschusses, Prüfung der Lage Deutschland», Statuten und _ Arbeits­weise der Internationalen Zahlungsbank. Re- paratioasannuitäten (Höhe, Zahl, ungeschützter

Sine Aussprache der drei «rotzen »

London, 7. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Rach einem Bericht aus Madrid wird eine Zu- sammenkunst zwischen Briand, Maedo. nald, und @ttefernenn ht Paris als eine mögliche Folge der Madrider BölkerbundSratS- tagung angesehen.

rrspfe um rnac-onal-

Uebertritt eine» Liberalen. — Die Ministerliste

London, 7. Juni. (Eig. Drahtbericht.) Die Arbeiterpartei hat einen neuen Erfolg zu ver­zeichnen, da der liberale Abgeordnete A. A. Jowitt zu ihr übergetreten ist. Die Möglich­keit, daß er einen der hohen juristischen Minl- stervosten erhalten wird, wurde in den Klubs vielfach besprochen. Es verlautet, daß ein weiterer Liberaler sich mit ähnlichen Plänen trägt. Man bespricht jetzt folgende Ministerliste: Grotzstegelbewahrer und Ar- beitslosenminister: Thoma»; Außenmini­ster: Henderson; Finanzmintster: Snow­den; Handelsminister: William Gra­ham; Innenminister: ClyneS; Gesund­heitsministerium: Arthur Greenwood.

Der Ministerposten für die Bekämpfung der ArbeitSlosigteit wird als der wichtigste an­gesehen, da die Arbeiterpartei unbedingt einen Erfolg erringe» muß, um sich da» Vertrauen der Wählermasseu zu erhalten. Eine besondere Organisation soll die Tätigkeit deS ArbeitS-, Transport-, Erziehungs- und sonstiger in Fra­ge kommender Ministerien aufeinander ab­stimmen, sodaß die Zusammenarbeit und da- m-t die höchste gewährleistet ist.

Warschau, 7. Juni. (Eigene Drahtmel- düng.) Demonstrierende nationalistische Stu- dentengruppen haben in Lemberg gestern aber- mals in jüdischen Geschäften, auf dem Markt und in der Ruthenischen Straße die Schaufenster eingeschlagen und versucht, daS große Kaffeehaus ,Lum Frieden" zu jer- stören. Der Polizei gelang eS im wesentlichen, die Ansammlungen rasch zu zerstreuen. Bei den Zusammenstößen wurden zwei Schutzleute durch Messerstiche verletzt. Der Vor- lesungSstreik dauert noch immer an.Eine Aufforderung der Rektoren, zur Arbeit zurück­zukehren, blieb unbeachtet. Ja, man versucht, von Lemberg aus einen

Generalstreik sämtlicher polnischer Hochschüler herbeizuführen. Tatsächlich hat daS Warschauer Oberste Studentenkomitee für morgen eine große Studentenversammlung zur Erörterung der Lage einberufen. Die Regierung scheint je- doch nicht gesonnen, dem Druck der Studenten- schäft nachzugeben. Jedenfalls sind die 28 ver- hasteten Studenten, deren Freilassung durch den Streik erzwungen weredn sollte, bislang noch immer im Gefängnis.

Während die Warschauer nationaldemokra­tische Presse sich vollkommen mit den nationali­stischen Studenten solidarisiert, bekämpfen die Regierungszeitungen die Nationaldemokraten' denen sie allein die Schuld an den Lemberger Unruhen beimessen. Die Lemberger Bischöse haben sich die Beschuldigung zu eigen gemacht, daß die Fronleichnamsprozesston von jüdischer Seite gestört worden sei und erklären, es han­delt sich um den ersten in Polen festgestellten Fall kirchenschänderischer Unbill. Die Bischöfe bedauern, daß die an dieser mit aller Schärfe zu verurteilenden religiösen Störung Schuldigen nicht zur Verantwortung gezogen worden feien wodurch Vorfälle hätten vermieden werden können.

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Spannungen am Balkan

Prag, 7. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Außenminister Benesch äußerte sich im Senat über die Reise des polnischen Außenministers Z a l e s k i nach Budapest. Die von Gegnern der Kleinen Entente ausgeheckte Idee eines Blockes zwischen Italien, Ungarn, Polen und vielleicht auch Rumänien existiere nur in den Köpfen von Leuten, die glaubten, daß sich Po­litik und Diplomatie aus der Luft machen ließe. DaS polnische Verhalten zur Kleinen Entente sei absolut loyal und korrekt gewesen. Wenn ungarische Kundgebungen ein gewisses Maß überschritten, so müßte notwendigerweise

eine Intervention erfolgen. Tatsächlich sei auch wegen der letzten Kundgebungen eine diplomatische Demarche unternommen worden. Es würden gegenwärtig fünf strittige Fälle verhandelt, die Verhaftungen von Ungarn seien aber durchweg gemäß den tsche­chischen Gesetzen erfolgt.

vilfudski voll Ezechowiez wieder

Warschau, 7. Juni. (Eigener Drahtbericht.)' Nach Pressemeldungen ist der frühere Finanz- minister Czechowicz, der wegen Budgetüber- schreitung vor dem Staatsgerichtshof steht, vom Ministerpräsidenten aufgefordert worden, an den Beratungen des FinanzauS- schusses teilzunehmen. Czechowicz, der das volle Vertrauen Pilsudflis genießt, erfreut sich eines großen Rufes als hervorragender Finanzsachkenner.

Der Skuptschinamörder verurteilt

Höchststrafe zwanzig Jahre Zuchthaus.

Belgrad, 7. Juni. (Eig. Drahtbericht.) Im Mordprozeß gegen Puniea Raschitsch u. Genossen wurde heute R. wegen nicht Vorsätze lichen MordeS an dem kroatischen Abgeordne- ten Basaritschek und Paul Raditsch in der Skruptschina zu je 20 Jahr n Zuchthaus, wegen versuchte» Mordes ohne Vorbedacht an Stefan Raditsch und zwei anderen Abgeord­neten zu je 15, bezw. 5 Jahren und 6 Mona- ten Zuchthaus verurteilt. Die Gesamtstrafe beträgt auf Grund deS Höchststrafmatzes 20 Jahre Zuchthaus.

Gin Abrüstungslicht

Amerikas Botschafter tritt an Maedonald heran

Newyork, 7. Juni. (Durch Funkspruch.) Kurz vor der Abreise deS neu ernannten Bot- schafters Davis instruierte Hoover diesen Persönlich, wie er sich bei den in London sofort anzuknüpfenden Abrüstungsbespre- ch u n g e n verhalten soll. Man hofst allgemein tu London, datz persönliche Besprechungen zwi- schen Davis und Maedonald, auch in der Frage des Zeitpunkts der Abrüstungskonferenz schnell zur Lösung kommen werden.

Stettin auf Kassels Spuren

Stolp i. Pomm., (Privattelegramm). Das neueste kleine Luftschiff, daS in Stettin für die Schokoladenfabrik Trumpf gebaut wor­den ist, startete gestern 6,15 Uhr zum ersten Probeflug, der etwa eine Stunde dauerte. An der Fahrt nahmen Konstrukteur Dipl. Jag. Ra atz, der Direktor der Berliner Lustfahrt­gesellschaft und der bekannte Flieger Major Stelling, sowie ein Bordmonteur teil. Start und Landung verliefen glatt. Major Stelling und Dipl. Jng. Raatz äußerte» sich sehr befriedigt über den Startverlauf.

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Amerikafahrt verschoben

Der Motorschaden am Zeppelin noch nicht auf- geklärt.

Friedrichshafen, 7. Juni. (Eig. Drahtber.) Bon gut unterrichteter Seite wird versichert, datz die Amerikasahrt deS Grafen Zeppelin keinesfalls vor Ende Juli oder Anfang August erfolgen kann. Die bisherigen Untersuchungen der Kurbelwellenbrüche haben noch zu k e l n e m klaren Ergebnis geführt. Vorher kann natürlich ein Fahrtprogramm auch für die Weltfahrt nicht aufgestellt werden. ES ist durchaus möglich, datz die Smerikafahrt sogar bis zum Spätsommer hinausgeschoben wird.

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Schweben auf dem Amertkaslua

Kopenhagen, 7. Juni. (Funklelegramm) Rach Meldungen aus Bergen find dort die letzten Vorbereitungen für die voraussichtlich Sonnabend vormittag gegen 11 Uhr erfolgende

Zwischenlandung der schwedischen Ozeanflie- ger Ahrenberg und Floden auf ihrem Flug n achA tuet ik »getroffen worden. Es ist noch unbestimmt^ ob Ahrenberg der Küste entlang oder über Stockholm fliegen wird. Der Weiter- flug von Bergen erfolgt am Nachmittag.

Wieder 200 (Millionen Fehlbetrag

.. Berlin, 7. Juni. (Eigener JnformationS- drenst.) @tnem Morgenblatt zufolge rechnet man bereits jetzt wieder mit der Notwendigkeit eines NachtragS-EtatS. Für das sich ergebende Defizit von mehr als zweihundert Millionen Mark müsse spätestens im Herbst die notwendige Deckung bereitgestellt werden. Diese sensationell aufgemachte Meldung besagt jedoch für die Ein­geweihten nichts Neues. Verschärfend sind in der letzten Zeit noch die schlechten Steuer- eingänge hinzugekommen, die erheblich Mn. ter dem Voranschlag zurückgeblieben sind.

Senf verbietet Zwangsarbeit

Genf, 7. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Die Kommission für Zwangsarbeit beschloß, daß keine Konzession, die einer Privatperson oder einer Gesellschaft verliehen wird, im Hinblick auf die Erwerbung von Erzeugnissen, die die Konzefsionsemvfänger benutzen oder mit denen sie Handel treiben, irgend eine Form des Zwan- ?eS vorsehen darf. Eine Liste derjenigen Fälle

Sherer Gewalt wurde aufgestellt, in denen bte Anwendung von Zwangsarbeit zu­lässig ist. '