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Kasseler Abendzeitung eg» Hessische Abendzeitung
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Montag, 3. Sunt 1929
19. Zahrgan
SLummer 128
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Arbeiterregierung in England?
Spionaseumtriebe -es Tschechenoffiziers — Das -ritte Sprengstoffattentat
Belgien als Hemmschuh in Paris
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doch kein Pi eS noch eine in Reparation!, gewendet werden, der ReichSte.^, f
Lin Racheakt am Finanzamt
Wieder ein Sprengstoff-Attentat.
Oldenburg, 3. Juni. (Prtvattelegramm.) Leute Nacht wurde auf daS Gebäude deS Lan- desfinanzamtes und der LandeSftnanzkafle am Marktplatz ein Sprengstoff-Attentat verübt. Die Explosion war weit übet das Stadtgebiet hin
aus zu höre». Durch den Luftdruck wurden viele Fenster, auch der der LandeSsparkasse völlig zerstört. Auch die Fenster der Lamperti- tirche wurden zum Teil eingedrückt. Eine Kirchentür wurde von innen nach außen anfgeris- fen. In der Finanzkasse sind durch den Luftdruck sämtliche Türen eingedrückt worden. Die Gerichtsbehörden waren bald am Tawrt. Bis jetzt ist der Täter noch nicht bekannt. @8 han- bett sich bei der verwendeten Sprengladung um einen Heltzünder.iodatz sich der Täter also vor der Explosion in Sicherheit bringen konnte.
Panik im Gewittersturm
Schwere Ernteschäden in Südttrol.
Mailand, 3. Juni. (Eigener Drabtberichi.) liebet Trient und Südtirol richtete ein furchtbarer Gewittersturm mit Hagelfchlag grossen Schaden an. Unter der Bevölkerung entstand eine Panik. Der Hagel fiel.In bet Grösse von Hühnereiern nieder. Gärten und Felder wurden furchtbar mitgenommen. Auch die Weingärten wurden schwer verwüfttt. Die Ernte ist zum Teil vernichtet. Der Hagel lag
Paris, 3. Juni. (Privattelegramm.) Die erneuten Schwierigkeiten durch die belgische Delegation, die nach wie vor darauf beharrt, den Youngbericht erst nach Regelung der Desatzungsansprüche an Deutschland zu unterzeichnen, scheinen noch immer nicht behoben zu sein, wenn auch die Frage weiter im Flusse ist. Ganz unverhofft ist der belgische Minister- pärstdent I a s p a r in Pari- eingetrosfen und hatte im Hotel Georg 5. eine Unterredung mit Owen Uoung, wo kurz darauf auch die deutschen Delegierten Dr. Schacht und Geheimrat Kastl erschienen. Der Schritt JasparS dürste mit den belgischen Markforderungen zusammenhängen. Allerdings sind nach dem „Er- celsior" förmliche Verhandlungen über die Markfrage bisher nicht eröffnet worden. Der deutsche Botschafter v. Hoesch habe zwar mit dem Generalsekretär im Quai Orsay, Berthe- lot verhandelt, aber nicht über diesen Gegen- Fand, den jedoch der deutsche Botschafter n Brüssel mit dem belgischen Außenminister HhmanS erörtert habe. Ferner ist der deutsche Staatssekretär v. Schubert in Paris eingetroffen.
Paris, 3. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Heutige Blätter Md der Ansicht, daß man die Frage der deutsch-belgischen Einigung über die Markbanknoten aus der Zeit der Besetzung durch Diktat und durch einen starken Druck regeln könne, und behaupten, von ihrer Lö- B hänge die Unterzeichnung deS Sachver- igenberichts in Paris ab. So schreibt journat: Es handelt sich nicht darum, daß Berlin eine Lösung sucht, es handelt sich darum, der Zahlung von 37 Annuitäten von je 25 Millionen Goldmark zuzustimmen. Man muß die Deutschen der Tatsache gegenüber stellen, daß alle Delegationen entschlossen sind, Belgien bis zum Ende zu folgen. Ein anderes Blatt spricht von der Möglichkeit einer vermittelnden Lösung durch Aufnahme von Verhandlungen Über die Markbanknoten und schließliche Unterzeichnung des Berichts der Sachverständigen, ohne auf die Beendigung dieser Verhandlungen zu warten, wenn schließlich auch die Unterschrift Belgiens fehle.
Prag, 3. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Zur Berhaftung eines tschechischen StaatSkapitäns unter dem Verdacht der Spionage melden die Blätter: Der verhaftete Offizier, dessen Name geheimgehalten wird, war mit der Leitung der Kanzleien beS Prager Generalstabes betraut. In seiner Kanzlei wurden zahlreiche geheime Instruktionen vervielfältigt. Diese Kanzlei lag in unmittelbarer Nähe der Räum«, in welchen die SicherheitSschränke mit den Mobilisterungs- plänen untergevracht sind. ES scheint, dass sich der Kapitän die Schlüssel zu diesem Reffort verschaffte ober sie unfertigen liess. Er entnahm auS ihnen wichtige Geheimbokumente und brachte fie ins Ausland. Bei feiner letzten Flugzeugreise nach Dresden, liess er aus dem Prager Flugplatz eine Aktentasche mit wichtigen militärischen Dokumenten liefen. Der Offizier er- suchte von DreSden auS telephonisch, die Tasche in Verwahrung zu nehmen. «IS er dann abendS
Unterschrift verweigert. Die ganze Sache läuft darauf hinaus, In letzter Stunde einen verstärkten Druck auf Deutschland auSzuÜben und die versteckte Erhöhung der Aoungzahlun- gen um 25 Millionen Mark jährlich - das ist äwää onsfragen gibt ,so muß sie hwr anerden. Nicht nur die Parteiführer agS, sondern Wohl auch die ganze Öffentlichkeit erwartet morgen von Dr. Stresemann so etwas wie ein Programm.
die Tasche abholen wollte, erfolgte die' Der- Haftung. *
Die nächtlichen Umtriebe des «tabskapitäns
Prag, 8. Juni. Eigener Drahtbericht.) Laut Pressenotiz wurde der verhaftete Tfche- chenoffizier gestern wettetverhört. Deine Gat. tin wurde ebenfalls vernommen, um JWteU len, ob u. inwieweit sie in die Tätigkeit threS Mannes eing.'weiht war. In der Wohnung deS Verhafteten wurde neuerlich eine Haussu- chung abgehalten Es werde heute nachgeforscht werden, welchen Weg da« verratene Matenal genommen hat. Der verhaftete StabSkapitän, bet zu den streng geheimen Atten,die in schweren Panzerschränken verwahrt werden, keinen Zutritt hat, verschaffte sich Schlüssel zu einigen Registraturschränken, die zwar geheimes aber weniger wichtiges Material enthielten Die Akten hat er dann über Nacht offenbar photographieren lassen und am nächsten Tage wieder unversehrt in den Schrank gelegt, was er zwei Jahre lang betrieb.
Paris im Auswärtigen Ausschuß.
Ehe nicht die volle Einigung und der Schluß- bericht der Pariser Sachverständigen in Berlin vorliegt, kann die Reichsregierung, das wird man verstehen, keine verantwortlichen Erklärungen auf die Interpellationen von rechts abgeben. Das heißt also: Die Tribut-Debatte der Vollsitzung des heute wieder beginnenden Reichstags ist auf frühestens die zweite Juniwoche verschoben. Aber die Ausschüsse werden reden! Die Parteien sind hier ganz unter sich Man möchte gar zu gerne wissen, wie Dr. Stresemann über die letzte Formung des Doungpla- nes denkt und wie er seine Politik der nächsten Wochen darauf einrichten will. Die Oppositionsparteien, die den Zusammentritt des Auswärtigen Ausschusses forderten, nämlich Deutsch- nationale und Kommunisten, wünschen die Behandlung einer ganzen Reihe von Fragen: Räumung, Minderheiten, Abrüstung usw. Aber der einzige Punkt des morgigen Verhandlungs- Programms des Ausschusses wird sein: Die Sachverständigenkonferenz. Was hat bis letzt unser Auswärtiges Amt getan, um den schweren Schlag der Pariser Entscheidung politisch aufzufangen und die bedenklichsten Spitzen dieses neuen Diktats — das ist es doch im Grunde und nichts anderes — abzubiegen? Jene Marknoten. die seinerzeit von der deutschen Heeresverwaltung im besetzten Gebiet zuruckgelassen wurden und später der Entwertung anheimfte- len, werden fetzt wieder eine große Rolle spielen. Die belaische Sonderforderung dürfte dem Streite der Regierungen Vorbehalten bleiben. Nun bestehen aber die belgischen sachverständt- gen darauf, den Youngplan nicht eher zu unter- zeichnen, bis ihre Forderungen auf 37 Sonder- annuitäten von je 25 Millionen Mark bewilligt sind Es besteht also die Möglichkeit, daß Bet- aien sich weigert, baS Abkommen zu unter- Zeichnen, wenn nicht vorher diese leidige Mark- fraae erledigt ist ober wenn nicht zum mtndesten im Schlußbericht der Sachverständigen die Form feNaeleat wird, wie die Markfrage erledigt wer- den soll Belgien sucht Bundesgenossen für sein Verhalten, sodaß vielleicht auch Frankreich die
Joch RSummgsdebotten in Madrid?
Rewyork, 3. Juni. (Funktelegramm.) Rach einer Meldung der World auS Paris wird dort in eingeweihten Kreisen vertraglich verstchert, daß Stresemann und Briand in Madrid die Frage der RheinlandrSumung besprechen »erben. DaS französische Kabinett soll darüber zusammen mit der Kriegsentschädigungsregelung beraten haben. Amtliche französische Kreise sollen auf dem Standpunkt stehen, dass Frank- reich sich zwar Zeit nehme, grundsätzlich jedoch zu einer vorzeitigen Rheinlandräumung bereit sei. _______
Die Liberalen für Mae-onal-
RSumt Baldwin das Feld-
London, 3. Juni. (Eigene rDahtmeldung.) Times bezeichnet alS Wahlett,ebniS, baß ble Arbeiterpartei die nächste Regierung bilben wird. Angesichts dieser klaren Tatsache ist die Frage, ob eine solche Regierung schon im Saufe dieser Woche ober später gebilbet wirb, verhältnismäßig unwichtig. Jedenfalls sei klar, baß eine Inanspruchnahme liberaler Hilfe zur Verlängerung beS Lebens der jetzigen Regierung nicht in Frage kommt. Auch Morningpost sagt: Der Gebanke, daß eine Regierung, wie ble konservative nach einer derartigen Niederlage mühselig ihr Leben weiterzufristen suchen sollte, würde der Selbstachtung BaldwinS schwerlich entsprechen. Eine ®
antisozialiftische Koalition kommt nicht in denn erstens würde^anch ein Zusammenschluß bet Konservativen und Liberalen keine arbeitsfähige Mehrbeit ergeben und zweitens ist die ganze Politik der Liberalen nicht auf eine Niederlage der Sozialisten sondern der konservativen Regierung gerichtet gewesen. Daily Tele-
graph vertritt dagegen nach wie vor die Auffassung, die gegenwärtige Regierung solle teor- Eistert werden und dann dem neuen Unter»
s gegenübertreten. Das Sprachrohr Lloyd
»rges zitiert Snowdens Ausspruch, daß eine «rbetterregierung ein Programm dringlicher Maßnahmen aufstellen könne, dem die Liberalen ihre Unterstützung gewähren müßten und bemerkt dazu: Hieran braucht nicht der leiseste Zweifel zu bestehen. Die Liberalen werden sich nicht von engherzigen Parteirück- » leiten lassen, und es wird nicht nur ihre sein, sondern auch in ihrem Interesse liegen, alle
gesunden, fortschrittlichen Massnahmen zu unterstützen.
Sie haben daS in dem Parlament der Wahlen von 1924 getan und werden es von neuem tun, welche Partei sich auch an der Macht befindet, aber unter einer Bedingung: Sie werden bestimmt auf einer Reform deS Wahlrechtes beharren. DaS Blatt meint: Wenn alle abgegebenen Stimmen gleichen Wert hätten, dann würden jetzt 141 Liberale im Unterhaus einziehen. Dem Skandal des jetzigen Wahlsystem- muß ein Ende gemacht werden.
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London, 3. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) DaS Kabinett wird sich wahrscheinlich heute über Vie Regierungsfrage schlüssig werden. Ramsay Macdonald äntzerte zu einem Pressevertreter die Bereitwilligkeit der Arbeiterpartei, die Regierung zu übernehmen, wenn Baldwin zurücktreten sollte. Der BollzugSrat der Arbeiterpar- tei tritt am Mittwoch zusammen.
Stimmen ans Amerika
Er wird jetzt von oen ersten Geschichtsforschern aller Länder für unhaltbar erachtet" Abschließend führt er den unmittelbar vorher erschienenen Spruch des vielgenannten Historikers Professor Eh A. Beard an- „Kein einziger unter den berühmten Gelehrten der Entente glaubt an die Pariser Behauptung, baß die Zentralmächte uno ihre Verbündeten die alleinige Verantwortung tragen müssen, Europa j« die Hölle gestürzt zu haben." In einem weiteren Artikel des amerikanischen Senatsdrucks heißt es: „ES ist eine öffentliche Tatsache, dass die „Alliierten" Deutschland gegenwärtig finanzieller Beziehung methodisch zugrunv, richten. Die Tränen des blutenden Teiitfdblani smo der Champagner für unsere amerikanischt Plutotratie. Diese temperamentvolle Aw klage ist die Antwort auf einen Artikel bei Weltzeitung „Chicago Tribüne", in ber ei heißt: Daß Deutschland nicht mehr als dis übrigen Nationen der Angreifer war, ist jetzi
Ralph Warten Still, Sekretär cm der amerikanischen Botschaft zu Rom, der über oen Friedensvertrag und über die Reparationen schon früher größere Werke geschrieben hat,veröffentlichte in jenen Tagen dal jüngst erschte- nene amerikanische Werk „Der nicht Itguibler« te Krieg". Er weist daraufhin, daß Amerikas Volk Über die finanziellen Dinge im Verfall. Icr Vertrag wiederholt getäuscht wurde unv oaß die FrtebenSabmachungen des Präsidenten Wilson mit dem deutschen Kanzler im Frie- densvertrag glatt gebrochen wurden. Um die Unterschrift Deutschlands unter diesen ganz an. deren Vertrag zu gewinnen, der ihm dte Ge- (amtfumme der Reparationen ausbürdete, schreibt der Amerikaner, wurde eS notwendig, Deutschland nach dem Waffenstillstand und während die Friedenskonferenz tagte, zu er obern..Diese Eroberung wurde in Wirklichkeit nur durch eine sechsmonatige militärische Lavd- unb Meeresblockade bewerkstelligt, die so heimlich al» möglich vurchgesührt wurde, um U.' deutsche Volk an den Rand des Verhungerns Su bringen und die Regierung zu nötigen, den frieoenSverttag im Juni 1919 zu unterzeichnen.
Nur durch diesen ganz entsetzlichen Zwang konnte ja eine Nation zu dem Unterfangen gezwungen werden, eine Schuld von 33 Milliarden Dollar auf sich zu nehmen. Etwa zu gleicher Zelt wie HillS legte ein amerikanischer Staatsbeamter, Sohn einer Französin, der frühere Chef-VolkSwlrt der General Motors Com. pany, während des Kriegs deutschfeindlich eingestellt, einen Protest gegen Versailles nieder. Er spricht es auf Grund seiner Aktenst't- dien rückhaltslos aui, daß Frankreich u. Rußland die Kricgsplane geschmiedet haben, daß sie England mit hineinzuziehen wußten und Deutschland um seiner Selbsterhaltung willen- gezwungen war, den Krieg zu erklären. „Mit mathematischer Genauigkeit hatten die Alliierten uno ihr Freund alle ihre Schachzüge getan, um dieses Resultat zu erreichen. Und alsdann schließlich die Explosion erfolgte, da luden sie die SckMld auf Deutschlands Schultern ab * Gleichzeitig ging im Senat ein Antrag durch, zwei in Zeitschriften erschienenen Kriegsschuldaufsätze in oen Senttsoeröfsentlichungen ab- drucken zu lassen. Für den bisher abgelehnten Antrag zur Prüfung der Schuldfrage hat sich der frühere Generalkonsul Gaff, ney dahin geäußerst, daß das Gutachten des Fünfzebner-AusschusseS, den der Fricdensvclegierte Laniing leitete, tote jetzt zugegeben wird, „auf ungenügenoe Beweise gegründet war, ans Unterdrückung der Wahrheit, falsche Aussagen und zum Teil aus betrügen- schen und gefälschten Dokumenten, und daß eS nun von allen angesehenen Geschichtsforschern widerrufen wird. Lannng's noch lebender Mitoelegierter Scott beruft sich auf die knapve Zusammenfassung bei hei vorragenden amerikanischen Geschichtsforschers Professor Sidney Fay: „Man muß den Ausspruch des Versail- Icr Vertrags, wonach Deutschland und feine Bundesgenossen die
Alleinschttldigen waten, fallen loffen.