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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Freitag, 31. Mal 1929

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19. Jahrgang

Bis jetzt Linksruck in England

Mae-onal- hofft auf -en Lieg Noch keine volle Uebersicht Niefenwal-bran- auf Sachalin

Wahlglüü der Arbeiterpartei

sen erfolgreich war, auch in den Grafschaften und in den noch ausstehenden städtischen Wahl­kreisen erfolgreich sein wird. Macdonald hat erklärt, die Ergebnisse seien großartig, die Re-

London, 31. Mai. (Eigener Funkdienst). Der Eingang von weiteren Wahlergebnissen in der Nacht zum Freitag bestätigt bte allgemeine Tendenz einer Stärkung der Arbeiter­partei aus Kosten der Konservativen, wäh­rend die liberale Partei bisher ohne irgend­welchen Zuwachs aus den Wahlen hervor­gegangen ist. Heute morgen 6 Uhr 30 war der Stand der Wahlen folgender: Arbeiter­partei 121, Konservative 78, Liberale 14, Son­stige 4. Die Arbeiterpartei hat bisher 56 Sitze gewonnen und 3 verloren. Die Konservativen verzeichnen einen Verlust von 5 4 Sitzen, denen nur ein Gewinn gegenüber­steht, Die Liberalen verloren zehn Sitze und gewannen acht, während die übrigen Parteien zwei Sitze verloren und einen gewonnen haben.

rvie-ergowählto Minister

. Arbeiter- und Liberalenfiege.

London, 31. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Wiedergewählt wurden Lord Eustache Percy (Unterrichtsminister) Joynsohn Hicks, Innen- Minister, dessen Mehrheit, die 1924 noch 10 944 Stimmen betrug, auf 5966 Stimmen zurückge­gangen ist, der Arbeiterführer Henderson (von 4465 auf 7934 Stimmen gestiegen) Luftfahrtmi­nister Sir Samuel Hoare (mit einer etwas er­höhten Mehrheit) Kriegsminister Worthingwn Evans, der Konservative Sir Philip Sassoon (von 8907 Stimmen (1924) auf 6912 Stimmen gefallen), der Arbeiterführer Ben Tillett (gegen den der Konservative Haden Guest unterlag), der Arbeiterführer Ben Turner, der Arbeiter­führer Ponsonby (von 2345 auf 10 449 Stimmen erhöht.) Es wurden gewählt der Konservative Sir Rennell Rodd, früherer Botschafter in Rom. Wieder gewählt wurde der Arbeiterparteiler und Schwiegersohn Lord Curzons, Sir Os­wald Mosley. Desgleichen der liberale Führer Sir Herbert Samuel. Die Attorney-Gene­ral in der konservativen Regierung Sir Thomas Jnskip wurde durch die Mehrheit von 4225 Stimmen geschlagen (ein Arbeitersteg ge­gen die Konservativen). Gewählt wurde außer­dem der bekannte Rechastanwalt Jowitt (Libe­raler Sieg gegen die Konservativen). Wieder­gewählt wurden ebenfalls die Arbeiterführer Tom Shaw (früherer Minister in der Arbeiter­regierung), Lansbury, sowie die Arbeiterpartet- lerin Frau Wilkinson.

Wiedergewählt wurde ferner der Kolonial- Minister Amery von 5959 auf 3993 Stimmen gefallen, ebenso wurden wieder gewählt das Arbeitermitglied Trevelvan und Wohlsahris- minister Neville Chamberlain (von 13043 aus 14760 Stimmen erhöht).

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Die Frauen wühlen fleißig

London, 31 Mai. (Eigener Drahtbericht.) Es war bemerkenswert, daß besonders das weibliche Geschlecht in großer Zahl der Wahl- pslichl nachkam. Bor den Wahllokalen hielten Auws mit den Farben der Parteien, mit blauen Bändern bei Konservativen und gel­ben Bändern der Liberalen, geschmückt. Sie bringen gebrechliche Personen zur Wahlurne Die Zahl bet rotbcbänderirn Arbeiterau. tos hat sich gegen früher erheblich vermehrt. Auch ein tragischer Zwischenfall ist bereits zu verzeichnen. Der Leiter eines Wahllokales fiel kur, nach Deffnung der Tore von einem Schlaganfall getroffen, tot um. In den Provinzen verläuft die Wahl sehr ruhig. Ueberall begünstigt das schöne Wetter die Wahlbeteiligung. Später erlagen noch zwei weitere Personen bei Ausübung ihrer Wahl­pflicht einem Schlaganfall.

Die Liberalen werden beschuldigt

London, 31. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Sin liberales Blatt nennt die Niederlage der Konservativen erdrückend. Times unterstreicht daß sich bisher die Hoffnungen bei Liberalen nicht verwirklicht haben, warnt jedoch vor ir­reführenden Schlüssen. Die bisherigen Ergeb­nisse beschränkten sich hauptsächlich aus die Wahlkreise, in denen die schwersten konser­vativen Verluste erwartet worden seien da sie am schwersten unter oer industriellen

Depression gelitten hätten. Das Blatt er- wähnt die sehr knappe Mehrheit, die Sir Austen Chamberlain erhalten hat uns fährt fort: Die überraschendsten Merkmale der bisherigen Ergebnisse sind zwcisellos der allge­meine Erfolg der Arbeiterpartei und der Scha­den, den die Liberalen ben Konservativen zu- gefugt haben, ohne ihrer eigenen Sache zu nützen. Es ist, so bemertt Times, kein augen­scheinliches Zeichen eines liberalen »Wieder­auflebens" vorhanden. Die Liberalen haben ebensoviel« Sitze verloren wie sie gewonnen. Mer ihre Intervention war zweifellos verant- wörtlich für viele konservative Niederlagen.

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Uebersicht bis heute mittag

Macdonalds SiegeSzuverstcht.

London, 31. Mai. (Eigene Drahtmeldung). Da noch nahezu vierhundert Wahlergebnisse bekannt gegeben werden müssen, ist man vor allem gespannt, ob der Angriff der Arbeiter­partei der in so vielen industriellen Wahlkrei-

gierung habe das Vertrauen des Lan­des verloren und die Arbeiterpartei habe es gewonnen. Bisher sind drei Frauen wie­dergewählt und eine ist neu gewählt. In Lon­don sind zwei Bezirke konservativ geblieben. In verschiedenen anderen Kreisen des Bezirks ist die Arbeiterparien erfolgreich gewesen. In B i r mi n g h a m hat die Arbeiterpartei, die bisher nur einen Sih hatte, im ganzen sechs Sitze gewonnen. Von den fünf Wahlkreifen Bristols sind vier der Arbeiterpartei zuge- fotten. Von den elf Wahlkreisen Liverpools sind neun unverändert geblieben, in zweien hat die Arbeiterpartei gewonnen.

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Englands König wieder leicht erkrankt

London, 31. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) liebet die neue leichte Erkrankung des Königs berichtet der medizinische Mitarbeiter der Ti­mes, daß bi; behandelnden Aerzte zur Zeit keine ernsteren Merkmale feststellen konnten. Von einem führenden Mediziner, der nicht an der Behandlung des Königs beteiligt ist, wird dar­auf hingewtesen, daß es sich nur um eine leichte Erkältung handele, der jedermann ausgesetzt sei.

Raab-Katzenßein geht Nach Wna

Berlin, 31. Mai. (Privattelegramm. Das uns allen bekannte Kasseler Sportflugzeugwerk, das sich in der letzten Zeit auch dem Bau von Kleinluftschiffen zuwandte, lieferte im ver­gangenen Winter mehrere Serien seines Schulflugzeuges »Pelikan" nach China. Das Werk scheint dem deutschen Namen imFer­nen Osten" alle Ehre gemacht zu haben, denn wie wir soeben hören führten die an* geknüpften Geschäftsverbindungen nunmehr zur Errichtung einer Filiale der Raab-Katzen- stein-Flugzeugwerke, G. m. b. H. in China.

Die Vorverhandlungen sind bereits abge­schlossen; der Geschäftsführer Antonius Raab wird sich Ende Sommer nach Schanghai be­geben, um an Ort und Stelle die Vorberei­tungen zu treffen. So erfreulich an und für sich diese Nachricht ist spricht sie doch auch zweifelsohne für die Güte der Erzeugnisse unserer Flugzeug-Industri« kann man sich

Eine Waldbrand-Kalastrophe

Tokio, 31. Mai. Den großen schon seit vier Tagen auf der japanischen Insel Sachalin- tenden Waldbränden sind den letzten Meldun- gen zufolge annähernd 100 Personen zum Opfer gefallen, worunter sich 40 Schulkinder befinden sollen. Zahlreiche Städte und Dörfer haben schweren Schaden erlitten. ES besteht noch keine Hoffnung, deS Feuers Herr zu werden.

doch wohl kaum des Gefühls erwehren, daß hier ein erfolgreiches Unternehmen, das immer wieder ohne Unterstützung durch die öffentliche Hand arbeitete, unserem Vaterlande bett Rücken zu kehren scheint Wie wir ferner hörten, wird der Betrieb in Kassel jedenfalls verkleinert werden müssen.

Soweit die immerhin überraschende Mel­dung unseres Berliner Gewährsmannes. Rückfragen bei Raab-Katzenstein ergaben, daß Antonius Raab bereits am 1. Juli Kassel verlassen wird, um die Vorarbeiten in China zu leiten. Ueber die obengenannten Ein­schränkungen des Kasseler Betriebs ist vorerst Bestimmtes nicht zu sagen, es ist jedoch zu hoffen, daß das Werk von diesem Schritt, t.n die Stadt Kastel bestimmt außerordentlich be» dauern würde, Ab stand nehmen wird.

London, 31. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Der Waldbrand auf berjjnfel Sachalin konnte trotz Hinzuziehung von Militär nicht ganz ge­löscht werden. Biele Städte liegen in dem Waldgebiet. Die Zahl der Toten wächst ständig. Unter ihnen befinden sich bereits vierzig Schulkinder. Der Schaden ist nur mit den schweren Verwüstungen der Erd­bebenkatastrophe von 1923 zu vergleichen.

Unterausschüsse für die Vorbehalte

Belgien besteht auf den Besatzungsgeldern.

Paris, 31. Mat. (Eigener Drahtbericht , Die Gläubiger-Sachverständigen haben sich ge­stern über die deutschen Vorbehalte insoweit geeinigt, daß das endgülttge Reparationsab­kommen nicht unterzeichnet werden soll, bevor nicht Belgien von Deutschland die formelle Zusage erhalten habe, die während des Krie­ges von der Besatzung in Belgien ausgcgebe- nen Markbeträge durch jährliche Zahlun- gen von 25 Millionen Mark zurückzu­erstatten In der langen Sitzung wurde bann über das Aufbringungs-Moratorium, die Auf­hebung der Hypothek auf ote Retcksbahn uns Die Beteiligung an oer internationalen Bank gesprochen. Für das Aufbringungs-Morato­rium wird als mögliche Lösung vorgesehen daß es erst nach einer bestimmten Dauer des Transfer-Moratoriums einireten könne Die übrigen Vorbehalte sollen am heutigen Frei­tag in Angriff genommen we den, sodass die Sachverständigen hoffen, am Sonnabeno

zu einer grundsätzlichen Einigung gekommen zu sein.

Paris, 31. Mai. (Eigener Funkdienst). Der gestern gebildete Ausschuß zur Prüfung der Finanzfragen, der Eisenbahn-Obligationen des Gesellschastskapitals der internationalen Bank usw. besteht aus: Melchior (Deutschland), Morgan (Amerika» und fünf Alliierten dem zweiten Unterausschuß für Revision und Mo­ratoriumsklausel gehören an: Dr. Schacht und Geheimrat Kastl (Deutschland), Boung (Ame­rika) und drei Alliierte.

ettefemann unterrichtet das Kabinett

Berlin, 31. Mai. (Privattelegramm). Der Reichskanzler und bte sozialistischen Mit­glieder des Kabinetts, sind gestern vom Magde­burger Parteitag nach Berlin zurückgekehrt Für heute ist eine Sitzung des Retchskabinetts anberaumt in der u.a. ein Vortrag des Außen­ministers Dr. Stresemann über die Ratstagung in Madrid am 6. Juni entgegengenommen werden soll Auch die Arbeitslosenverstche- rungsresorm dürste behandelt werden.

Was ich in Spanien sah

Von

Staatssekretär Frhr. v. Rheinbaben (M. d. R.)

Die anstrengenden Tage des 13. Kongresses der Völkerbundsgesellschaften in Madrid sind nun vorüber. Er tagte diesmal in Spanien» wohl hauptsächlich deshalb, weil in diesem Jahre Spanien wegen der Weltausstellungen in Sevilla und BarcelonaMode" ist. Auch be­ginnt am 6. Juni in Madrid die VölkerbundS- tagung und man wird, schon auä Dank für dir Gastfreundschaft viel Vorteilhaftes und Inter­essantes über Spanien reden und schreiben und Spanien, Regierung und Volk, werden sich in Erinnerung an die stolze geschichtliche Tradi­tion und im Selbstgefühl überwundener schwe­rer Zeiten nun als große vorwärts und auf­wärtsstrebende Macht fühlen... Wenn ein Deutscher ins unbekannte Ausland reift, bann kauft er sich entweder den Baedeker, oder er lieft einige Bücher über das Land, das fein Fuß be­treten soll. Ich selbst kannte einige spanische Hafenstädte aus früherer Zeit. Nun kam ich zum ersten Mal nach Madrid. Erstaunlich ist die äußere ins Weite gehende Aufmachung und der starke Verkehr in Den wenigen Hauptstra­ßen dieser Stadt. Außerhalb des eigentlichen Kerns des Stadtbildes sind die Straßen meist so breit, daß sie noch auf lange hinaus auch einen weiterhin wachsenden Autoverkehr auf« nehmen können. Der L rm ist noch um Vieles größer als etwa der in Italien. Einige Häuser machen den Versuch, die Wolkenkratzer von New- york im Kleinen zu kopieren, ander« sind auf­fällig mit Säulen und Ornamenten neu-spant- scher Baukunst überladen. Die inneren Straßen sind besonders in den späten Nachmittags- unb frühen Abendstunden voller redender und gestikulierender Menschen. Immer wieder hörte ich, daß diese Massen sich über alles an­dere als über Politik unterhalten.

Ja wie stehts denn überhaupt mit dem grundsätzlichen Verhältnis les Spaniers zur Politik"? So liebenswürdig unsere spani­schenKollegen" auch den Kongreß der Völker- bundgesellschaft vo ' ereilet hatten und seinen äußeren Rahmen gestalteten, so war doch da- Interesse an ihm in Spante selbst außerordent­lich gering. Wir hätten ebenso gut auf dem Felsen von Gibraltar ober sonstwo tagen kön­nen wir blieben bei den eigentlichen Ver­handlungen im großen und ganzen unter unS. Nach allgemeinem Eindruck hat überhaupt we­be r her Völkerbund nochdie große europäische Politik ein namhaftes Echo in der spanischen öffentlichen Meinung. DaS Regime Primo de Riveras scheint für die Gegenwart die einzig mögliche Form. Die große Mehrheit des spa­nischen Volkes hat sich längst mit ihr abgefun­den und denkt in der Hauptsache an Arbeit und Freuden des täglichen LebenS. Es mangelt der Raum, um hier etwa länger auf ben Unterschied zwischen spanischen und italienischemFaschis­mus" einzugehen. Ich glaube überhaupt nicht, baß man das jetzige Regime in Spanien mit Diesem Begriff bezeichnen darf. Sicher ist nur» daß für diefe jüngste Periode spanischer Ent­wicklung die Herrschaft eine- einzelnen klugen und energischen Mannes sich segensreich ausgewirkt hat, daß es sicherlich kein andere- Regime in ben letzten 5 Jahren besser ge­macht hätte und daß hier in Spanien, wohl an­ders als in Italien, nur die bange Frage be­steht: Was wird, wenn einmal früher oder spä­ter die Herrschaft PrimoS ein Ende nimmt? Gibt es überhaupt dann noch bte Vorstellung irgend einer organischen Regierung und wa- vor allem würde aus der Dynastie werden? Da- stnd ernste Zukunftsfragen für Spanien und die Ueberlettung in bte angeblich 1930 geplante Verfassung" wirb ein gewagte- Experi­ment werden. Für heute stellt man fest, daß bas große Programm öffentlicher Arbeiten au- inneren Anleihen sich nun jahrelang auf da- Beste bewährt hat. Spanten hat auf ben gro­ßen Routen heute mit bte besten Autostraßen in ganz Europa. Mir selbst gelang es, ben be­reits abgefahrenen Sübexpretz 50 Kilometer nördlich Madrid in einer romantischen Wett­fahrt in der Taxi einzuholen.. Das Taxi gewann! Ich war fünf Minuten vor dem Zuge neben dem großen finsteren Schloß Phi­lipps des Zweiten. So gut war die wunder­bare Autostraße! Die meisten anderen Haupt­routen sind eher noch besser. Also: Automo­bil s a h r e r aller Länder, kommt und tobt Euch auf Spaniens Autostraßen auS!

Immer neue Autostraßen werden gebaut. Besondere im Preise kontrollierte Hotels liegen