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Aus die Einigung folgt Räumung

Paris Wieder hoffnungsvoll / Dynamit- und Explosionsszenen

Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Sesstsche Abendzeitung

Stummer 125 Einzelpreis; Wochentags 10 Pfennig. M Donnerstag, 30. Mai 1S2S Einzelpreis: Sonntags LS Pfennig. 19. Iahrqan g

Khioa strebt empor

Don

Dr. Paul Rohrbach.

Der chinesische Eisenbahnminister Sun Fo, ein Sohn Dun z)at Sens, des geistigen Grün­ders des heutigen China, hat ein Programm für den wirtschaftlichen Aufbau der chinest. fchen Staates entworfen, mit dessen Beiwirk, lichung zu rechnen ist, falls die Nanking-Re­gierung sich hält. Es ist schw>rig, in China etwas zu prophezeien, aber vorläusig hat es den Anschein, als ob die nationale Regierung Sieger bleiben wird. Im Prinzip gibt ei nirgends mehr ein Abweichen von den moder­nen, nationalchinesischen Gedanken der Kna- mintang-Partei. Auch den Gegner der Regie­rung in Nanking berufen sich auf die geistige Erbschaft Sunyat Sens. Man muß aber em Zentrum (Oie gegenwärtige Regierung), einen rechten und einen linken Flügel unterscheiden Der linke Flügel ist der radikale; zu ihm ge­hört auch Sun Aal Sens Wiwe, und von hier aus spielen immer noch gewisse Möglichkeiten nach Moskau hinüber. Der rechte' Flügel ist die sogenannte Kuangsi-Gruppe, die ihren Sitz in einigen Südprovinzen und in dem wichti­gen Gebiete am mittleren Jangtse hat. Ihr hat sich neuerdings der sogenannt« christliche General Feng cMgeschlloflen, eine sehr un­durchsichtige Persönlichkeit, die es aber setzt direkt darauf anzulegen scheint, die oberste Gewalt zu gewinnen. Der Handstreich der

Das Aufbauprogramm der Zentralregie- rung unter General Tschiangkaischek ist vor al­len Dingen ein Verkehrsprogramm, wozu aus­ländisches Kapital und ausländische Sachver- ständige herangezogen werden sollen. Die Letz­teren sollen chinesiche Kräfte ausbilden, die imstande sind, die Arbeiten später selbständig weiterzuführen. Alle früheren Verträge übe* Eisenbahnbaui Anlage von Bergwerken und Häfen, Klußregulierung usw. sollen für nichtig erklärt werden, wenn sie vor länger als zehn Jahren abgeschlossen sind und die Arbeiten noch nicht begonnen hcü»en. Eine weitere be­deutsame Bestimmung ist die, daß keine Pro- vinzialbehöroe ohne Genehmigung der Zen- tralregierung einen Vertrag mit dem Ausland schließen, eine Anleihe aufnehmen oder einem Ausländer irgendwelche Rechte erteilen darf. In diesem Punkt wird in China ein neues Recht geschaffen, denen unter dem früheren System waren die Provinzen in solchen Fra­gen weitgehend selbständig. Jetzt wird sogar für private Unternehmungen, die ein größe­res Kapital brauchen, die Regierungsgenehmi- gung vorgeschrieben, sobald eine Anleihe im Ausland ausgenommen werden soll. Wie sy­stematisch der ganze Plan ist, geht z. B. da­raus hervor, daß vor demBeginn des Aufbaus eine Arbeiterschutzgesetzgebung, einschließlich Arbeiterversicherung, und etn Gewerkschafts­gesetz ausgearbeitet werden soll, AlS erste Maßregel des wirklichen AufbauS ist die Ver­ringerung der Armee vorgesehen, ferner Re­form der Finanzverwaltung. Revision de* Zollsätze, Errichtung einer Zentralbank, Rege- !mng und Vereinheitlichung der auswärtigen Schulden Erst nach dieser ebenso vernünfti­gen und notwendigen wie umiassendcn Vor­arbeit sollen die großen Werke aus dem Gebiet d?S Verkehrswesens an die Reihe kommen: ein Eisenbahnnetz von weit über 100 000 Kilo, metern Ausdehnung, ein System von Auto­straßen, Ausbau der Kanäle, Flußregulierung, Häfen, Waessrkrastanlagen. Entwickelung der Landwirtschaft, Aufforstung.

Man fragt, was das alles kosten und wie­viel Zeit es beanspruchen soll. Die Summe ist enorm: ca. fünfzig Milliarden Mark, im Laufe von fünfzig Jahren, sodaß sährlich «ine Milliarde erforderlich wäre. Immerhin ist ei noch weniger, als was die Alliierten allein von Deutschland an Tributleistungen verlan. gen! Man will äußere und innere Anleihen mobil machen. Auch wenn vorläufig nur ein Terl des Riesen­programms in Angriff genommen wird, so wird daraus eine sehr tiefgreifende Veränderung nicht nur des chinesischen Verkehrs- und Wirtschaftslebens, sondern des ganzen chinesischen Daseins erfolgen. Das Programm bedeutet eine durchgreifende Mobi­lisierung der bisher fast ganz an die Scholle gebundenen chinesischen Volksmasse. DaS so- ziale und seelische Fundament Chinas ist bis­her die Familie und die Autorität des Fami-

NenhaupteS gewesen. EinS wie daS andere beruht darauf, daß die Hauptmasse des Volkes ein örtlich gebundenes Dasein führt. Mit der Industrialisierung und Mobilisierung, mit der MögliöPeit eines leichten Ortswechsels und einer starken Zerstreuung der Familienglieder, wie sie durch die weitgehende Freizügigkeit des

modernen Eisenbahnwesens von selbst gegeben sind, wird die chinesische Familie und damit die Grundlage deS bisherigen chinesischen Lebens sich wandeln. Diesen Folgen aber sehen Persönlichkeiten, wie die Mitglieder der jetzigen Rationalregierung China«, mit Be- wußtfein und mit Ruhe entgegen.

Lokaltermin im Fakubowski.Prozeß

Neustrelitz, 30. Mai.

Am gestrigen Mittwoch wurde die Ver­nehmung des Fritz Nogens über seine Be- teiligung am Morde fortgesetzt. Fritz Nogens belastete, wie schon kurz gemeldet, stark feinen Bruder August. R A. Dr. Brandt machte zum ersten Mal eine Andeutung darüber, daß Kreuzfeld vielleicht der wahre Täter fei, da fein Notizbuch in der Nähe der Leichenfund. stelle gefunden worden sei; leider habe es der Oberstaatsanwalt dem Verlierer wieder zurück- gegeben. August Rogens bestritt die Richtig- leit der Darstellung seines Bruders in allen Punkten und widerrief seine früheren Geständ­nisse. Dagegen blieb Fritz Rogens unentwegt bei feinen, den Bruder belastenden Angaben.

Bei dem Verhör des Angeklagten Blöcker drehte es sich hauptsächlich darum, wo Jaku­bowski sich zur Zeit der Tat aufgehalten hat. Die Angaben der Beteiligten sind hinsichtlich der Zeitangaben sehr schwankend. Am Mittwoch nachmittag begab sich das Gericht nach Lübeck, um am Donnerstag früh zum Ortstermin nach Palingen zu fahren.

* * *

Am Tatort

Gericht und Angeklagte forschen nach.

Palingen, 80. Mai. (Privattelegramm). Heute vormittag begaben sich Gericht und Ae- geklagte des Nogensprozefles, sowie Presse- tteter und Pothographen mit Kraftwagen zum Lokaltermin nach dem Heidedorf Palingen. Zunächst wurde der Heidekaten besichtigt, wo die Angeklagten Fritz und August NogenS,

Frau Kaehler und der ermordete Ewald Ro­gens gewohnt haben. Frau K. mußte über die frühere Verhältnisse berichten. Das Haus isi inzwischen umgebaut. Beim Anblick des links liegenden Schlafzimmers der Familie Rogens brach sie in Schluchzen aus. Das Ge- bäude hat früher, wett verwahrloster ausge­sehen als heute. Etwa zwanzig Meter vom Heidekaten entfernt befindet sich der Saum, unter dem nach einer früheren, allerdings in­zwischen widerrufenen Aussage des Angeklag­ten August NogenS der kleine Ewald erwürgt worden fein soll. Man konnte sich auch einige Meter von biefem Baum entfernt noch den Stein ansehen, auf dem er kleine Ewald kurz vor dem Mord von Blöcker gesehen und ange­sprochen worden war.

Fräulein Lühr zeigte dem Gericht die Straßcnencke, an oer Jakubowski ihr am Mordabend begegnet ist. Sie bekundete heute daß Jakubowski, als er sie bemerkt habe, er­schreckt zurückprallte und dann stehen geblicNn sei. Interessant war weiter, die Vernehmung deS Schäfers Schade auf dem Wohl einen Ceilometer von Palingen entfernt liegenden Acker, wo er bald nach dem Mordtag seine Schafegehütet hat und etn Gespräch zwischen Jakubowski und Blöcker, die in der Nähe pflügten, gehört haben will, Schade gab heute an, daß er in etwa 50 Schritt Entfernung ge- hört habe, wie Jakubowski zu Blöcker sagte: SSenn das nicht rauskommt bis Weihnachten dann wollen wir krSfttg einen trinken!" Die Kraftwagen fuhren dann zur anderen Seite Palingens, wo die Leiche des Ewald im Ka- nmchenloch versteckt worden ist.

Der Repnrationsagent grollt

Paris, 30. Mai. (Eigener Drahtbericht). Eine Mitteilung der deutschen Delegation zu­folge ist gestern abend eine Auslegung über die «nnuttätenziffern von 2050 Millionen Rm. gefunden worden, die sowohl für die Gläubiger wie für Deutfchland annehmbar ist, vorbehaltlich allerdings der Einigung über die ungeklärten deutfchen Bedindungen, deren Entfcheidung offen sicht.

Paris, 30 .Mai. (Eigener Funkdienst). Der Daily Mail zufolge verlautet in Kaufe- renzkreisen, daß Generalzahlungsagent Parker Gilbert mtt der neuen Wendung der Lonferenz- arbeiten und insbesondere mit der ent- gegenkommenden Haltung Owen Youngs und Sir Josua StampS, die zu einer enormen Reduzierung" der deutschen Annui- täen geführt haben, wenig zufrieden sei.

* 4. *

ien.

Räumung vielleicht 1930

Englands RcparationS-Optimismu«.

Paris, 30. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Im Anschluß an die Einigung über die Zis- fern wirft die in Paris erscheinende amerika­nische Presse die Frage bet Rheinlandräu­mung auf. Sie weist darauf hin, daß in dem Abkommen keine Zahlungen für die Rhein­landbesatzung nach dem 1. Januar 1930 vor- gesehen feien. Die Klausel für die laufenden ! Zesatzungskosien stelle fest, daß die Hanpizah- lungen für biefen Posten am

L September 1929 aufhören

ollten, baß ober Deutschland bis L Januar 1930 die Besatzungsausgaben zu leisten habe, me bis zu diesem Tage noch nicht aus dem Rheinland abtransportiert sein konnten. Es ei ein stillschweigendes Abkommen dahin ge- troffen, baß. wenn der Reparationsplan in Kraft gesetzt wird, die Alliierten sofort Schritte jur Räumung unternehmen wurden. DaS Rheinland werde also fünf Jahre vor dem im Versailler Vertrag borg sehenen Termin völlig geräumt werd.

Ein Blatt macht Deutschland Hoffnungen für Räumung deS Rheinlandes zum 1. September 1929.

London, 30. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Auch die Times melden aus Paris, daß die ge­genwärtige Einigung der Sachverständigen auf der Voraussetzung beruhe, daß das Rheinland bis L September geräumt werde und baß bann leine weiteren BefatzungSkoften notwendig s?)*n. Die britische Regierung habe die franzö­sische Regierung davon verständigt, baß die eng. lifdjen Truppen in diesem Fall zu einem frühe­ren Zeitpunkte zurückgezogen würden. Das uebereinlommen hänge zuguterletzt ab von der Rheinlandräumung biS 1 September und der gesonderten Regelung der belgischen Markfor­derung. Die Räumung müsse natürlich von den Regierungen beschlossen werden. Die Ausstch- ten für eine Einigung seien als sehr günstig zu bezeichnen.

Paris, 30. Mai. (Eigener Drahtbericht). Dr. Schacht hat sich gestern durch Spaziergänge im Park von Versailles von den Anstrengun­gen und der Hitze der letzten Tage erholt. Rach dem »Setups* besteht unter den Sach­verständigen die Absicht, einen Einheitsberichi auf Grund der erzielten Einigung auszuarbei- ten und die politischen Fragen über die keine Einigung erzielt werden konnte, an die Re­gierungen zu verweisen. Außerdem suchen die Alliierten nach einem neuen Modus, der es ermöglichen würde, den Forderungen ge­wisser Alliierter, die sich zurückgesetzt fühlen, zu befriedigen, ohne das deshalb die Houng- zisfem erhöht werden müßten.

* * *

Wie die Zahlungen steigen

Einigung auch über die Vorbehalte?

Pari«, 30. Mai. (Eigene Drahtmeldung) Zur Einlgung über die Zahlenfrage wird von deutscher Seite erklärt: Der Dawesplan bleibt weiter in Kraft bis zum 1. September 1929. Von ba ab tritt der Plan Young in

seiner neuen Form an seine Stelle. Dieser Plan steht für die ersien zehn Jahre folgende Annuitäten vor: Vom 1. 9. 1929 bts zum 31. 8. 1930 742,8 Millionen, vom 1. 4. 1930 bis zum 31. 3. 1931 1707,9 Millionen, für das Jahr 19311932 1685 Millionen, für 1932 bis 1933 1738,2 Millionen, für 1933-1934 1804,3, für 19341935 1866,9, für 19351936 1892,9, für 19361937 1939,7, für 19371938 1977, für 1938-1939 1995,3 und für 1939-1940 2042,8 Millionen. In diesen Zahlen ist der Zins en di en st für die Dawesanleihe nicht enthalten. Vom elften Jahre ab wird also die Zwei-Milliarden-Grenze erreicht. Die Ziffern steigen dann noch weiter langsam an und bleiben auf der ungefähren Höhe von 2,2 bis 23 Milliarden, sodaß sich ohne den Zinsendienst für die Dawesanleihe öine

DurchschntttSannuttät 1988,8 Millionen

ergibt Die Uebergangsperiode dient dazu, die Bedürfnisse, die sich aus der Ueberleitung des einen Systems In das andere ergeben, zu decken, lieber diese Uebergangsperiode erfolgt eine besondere Abrechnung. Die Beträge, die nicht verbraucht werden sollten, werden Deutschland zurückvergütet. Alles andere wird von den Regierungen bestimmt. Sollte das Inkrafttreten des neuen Aoung- Planes nicht bereits am 1. September 1929 lNlHkich Jein, falls nämlich die Regierungen bis dahin nicht fertig sind, so tritt der neue Plan später In Kraft. Dadurch wird jedoch nichts on den deutschen Zahlungen ge­ändert Diese Lösung hat die politische Lage und Zweckmäßigkeit febr stark berücksichtigt Damit ist jedoch noch nicht entschieden, ob man zu einem einstimmigen Bericht kommen wird. Für die deutsche Delegation sind eben neben der Zahlenfrage auch die Modalitäten, unter denen der Plan laufen soll, von größ­ter Wichtigkett, Man rechnet aber auch mit einer Einigung übet die noch schwebenden den Fragen.

Wie Berlin urteilt

.. Erlitt 30. . Mat (Eigener Jnformations- dienst.) Die hiesigen politischen Kreise wollen erst die Verständigung über die deutschen Vor- behalte in Paris abwarten. Es wird nicht verkannt, daß das jetzt erzielte Kompromiß gegenüber dem ersten Vorschlag Owen Vounas für Deutschland bedeutende M e h r b e - lastungen bringt Diese Mehrbelastungen sind einmal darin zu erblicken, daß oie Da- weszahlungen bis 31. August fortgesetzt wer- den sollen und weiter, daß Deutschland inner- halb des Zeitraumes von 3654 Jahren noch ^Verzinsung und Tilgung für die Restsumme des ersten Youngplanes aufzubrin- gen hat, die jährlich auf etwa 70 bis 75 Mil- honen Mark geschätzt wird.

Die Bombe beim Schulrat

Hohenweststädt (Sr. Rendsburg), 30. Mai. (Privattelegramm.) In der vergangenen Rächt um 1 Uhr 15 wurde auf das HauS deS hiefigen Schulrate« Lempfert ein ähnlicher Sprengstoffanschlag verübt wie kürzlich auf das Jtzrhoer Landratsamt ES ist eine Bombe ge- legt worden, die großen Gebäudefchaden an- gerichtet hat HauS und Dach wurden z. T. zerstört und sämlliche Fensterscheiben sind zertrümmert von den Tätern fehlt bisher jede Spur.

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Schwere Explosion unter Wasser

30 Mat (Funktelegramm.)

<ott Brückenbauarbeiten explodierte gestern Anterwafferbehälier, in dem sich drei» zehn Arbeiter befanden. Zwei Arbeiter wur- den an die Oberfläche des Wassers geschleudert, außerdem konnten zwei weitere gerettet werdend Das Schicksal der übrigen neun ist ungewiß. Die Feuerwehr versucht die Berunglückten zu retten.

Jersey City, 30. Mai. (Funkdienst.) Zu dem Explosionsunglück wird weiter gemeldet: In dem unter Wasser befindlichen explodierten Arbeitsbehalter befinden sich außer den vier Geretteten noch vierzehn weitere Arbeiter. Von diesen find zehn lebend und vier tot geborgen worden. Die Geretteten haben sämt- lich Ann- und Beinbrüche und durch den plötz- lichen Luftdruckwechse« Lungenerweite. rungen davongetragen. Sie wurden in improvisierten Sufttammern ins Krankenhaus geschasst