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Kasseler Neueste Nachrichtm

___Kasseler Abendreitung Hessische Abend,eit«««

Nummer 123

Dienstag, 28. Mai 1929

Jakubowski-Prozeß eröffnet

Japan will Sibirien abtrenn en? — Ruffenflug nach Amerika — Die Hungerkolonie

3m Loben der Mmgmttter

Familienschlacht im Wcrradors

Notwehr vorzuiäusch« ein offenes Messer tr

Keine Rücksicht auf Englands Wahlen

»en Stahl bet.

Bombe geworfen wurde, die in einem Holzhause«

Es handelt sich also darum, ob die Fabri­kanten ufto. die den deutschen Wettbewerb als eine Gefahr betrachten, oder ob die andern, die in möglichst billigen Rohstoffen und mög-

Widdershausen, 28. Mai. (Prtvattelegr.).

Infolge eines FamilenzwisteS, der feit län­gerer Zeit zwischen den verschwägerten Fa. Milieu Eitzert und Friedrich Schäfer be­steht, kam es Sonntag abend hier zu schweren Schießereien. Ein Prozeß au» diesem Anlaß führte zur Verurteilung der Frau Schäfer. Di« Berufungs-Verhandlung sollte in kurzem statt, finden. — Sonntag abend gerieten nun Peter und Konrad Eitzert mit dem ihnen vrrfein- beten Georg Schäfer in einer Gastwirtschaft in Streit, wobei dem einen die Kleider zer­rissen wurden. MS er seine Brüder zu Hilfe holen wollte, sprang der Vater Georg Schäfers Friedrich Schäfer, aus seiner Haustur hervor und schoß aus ihn mit den Worten: Du darfst hier nicht vorbei! Konrad Eitzert er- hielt eine Kugel in den rechten Arm. Die Brüder Eitzert schlugen darauf die Fenster­scheiben ein. Der unbeteiligte Schlosser Schwerfeld will beobachtet haben, wie aus einem Fenster des zweiten Stockwerks eine

Sprottau, 28. Mai. (Privattelegramm). Ein außergewöhnlich schweres Gewitter, da­mit wollenbruchartigem Regen und Hagel- K verbunden war, richtete gestern hier und t Umgebung großen Schaden an. Die Straßen der Stadt wurden z. T. überschwemmt Besonders schwer ist der Ort R i e d e r z a u ik e betroffen, wo die Hagelkörner nach dem Un­wetter In einer Größe von Taubeneiern etwa 30 Meter hoch lagen, sodaß daß Dorf und seine Umgebung wie eine Winterlandschaft auSsgh.

Bad Frankenhaufen, 28. Mat. Privattele­

gramm). Bei einem schweren Gewitter mit wollenbruchartigem Segen und schwerem Ha- gelschlaa prasselte«, die Etsstüike in un- gewöhnlicher Größe aus da» Dorf UderSleben nieder. Ungeheuere Wassermengen durchflu­teten die Straßen und einige Gehöfte, viele Fensterscheiben und Dachgiebel wurde« zer­trümmert. Schwer betroffen ist die Baum- blüte. Die Felder müssen umgepflügt werde«. Die Schlotzenhaufe« lagen z. Zt. einen halben Meter hoch. Die Kälte- und Wärmemischung verursachte einen starke« Dampf.

Das Dunkel um Jabukowski

Der Schweriner Prozeß im Gange.

^. ^ustrelltz, 28. Mai. (Privattelegramm.) Di- mit Spannung erwartete Schwurgerichts- 9f0£1 bie Gebrüder Rogens und Genossen wurde heute vormittag gegen '/Al Uhr unter großem Andrange des Publikums und Presse im geben Salae des hiesigen Schlos- D?m ^andgerichtsdirektor Peters-Rostock er­öffnet. Der Landtagsfltzungssaal ist für die Schwurgerichtsverhandlung hergerichtet wor- b£". 2.große Skizzen des Dorfes Palingen bei m bcm 1924 der Mord an dem kleinen Ewald Rogens verübt worden, veranschaulichen die Lage der mutmaßlichen Mrrdstelle zum Lei- chenfuudort und zum Hauskaten, in dem Jaku­bowski mit Frau und Kindern u. die Familie Rogens und andere wohnten. Der Vorsitzende äußerte sich zur Presse zunächst zur Vorgeschichte

Auf der Anklagebank erscheint weiter Frau Kohler (verw.) Rogens), die Großmutter des Ermordeten, die da- Verbrechen begünstigt ha- den soll. Diese und die beiden Angellagten RogenS sind weiter wegen Meineides ange- klagt. Der Frau Lübke, geb. Kreutzfeld, wird zur Last gelegt, daß sie die sechs Angeklagten muh dtt Dal begünstigt habe. Der Pferde- knecht Böcker ist auf Grund seiner Aussagen l«t früheren Jakubowsky^rozeß wegen MelneideS angeklagt. ES sind tnSgesautt 128 Zeugen geladen.

Amerikaflug -er Ruffen

Im August über Alaska «ach Rcwyork.

«n 381 Mai. (Eigener Drahtbericht.) Be» Eröffnung der Flugfaison auf dem Mos- kauer Flugplatz teilte Unschlicht mit, daß im August des Jahres von den russischen Fliegern ^cheftakow und Bolotow ein Längsterckenflug Moskau-Kamtschatka - Alaska-San Francisko. Rewyork tu einem in Rußland gebauten Flun »eug werde Er erklärt, dast dieser Flug ein bis ,ctzt noch nicht dagcwesenes Unternehmen bedeuten werde '

fiel und nur dadurch in ihrer Wirkung etwas abgeschivächt wurde. Schmerfeld, der sich ei­lends in Sicherheft zu bringen versuchte, wurde noch an der Wade v ersetzt, während Kon­rad Eitzert von mehreren Splittern erheblicher getroffen wurde. Den Flüchtenden kam aus der Wirtschaft Georg Schäfer entgegen und feuerte ebenfalls auf sie. Die Brüder Eitzett wurden durch die Schüsse ziemlich erheblich verletzt. Nu« kamen auch Friedrich und Adam Eitzert dazu, die sich ebenfalls an der Schieße­rei beteiligten. Die übrigen Familienange- hörigen rückten mit Aerten und Mistgabeln an und ermunteren die Schießenden durch Zurufe Friedrich Eitzert wurde im Verlaus der Schie­ßerei erheblich am Kiefer und an den Hän­den verletzt, der hinzukommende Vater Eitzert wurde mit Schüssen überfallen, die ihn tot zu Boden streckten. Dem Toten gab Schäfer, um Rotwehr vorzutäuschen, einen Knüppel und ein offenes Messer in die Hände.

8apa» kontra Moskau

London, 28. Mai. (Eigener Funkdienst). In Turkestan ist infolge der unter der Bevöl- kerung ausgebrochenen Unruhen der Belage- rungSzustand verhängt. Rach Meldungen aus Riga haben auf Grund russischer Zeitungsbe­richte die Aufständischen in Buchara die Eisen- bahnstation an mehreren Plätzen angegriffen, ebenso in Samarkand, wo auch Brücken und Telefonlinien zerstört und Schienen aufgeriffen wurden. Die Tscheka will in der Räte-Mongo- lei einen Anschlag aufgedeckt haben. Japan finanziere dort einen gewissen Otto man ©ernenn« mit der Absicht, Sibirien durch einen Aufstand in Irkutsk Transbeikelien von Rußland abzutrennen. Der Jswesti- ja zufolge ist das transbellelische Pulverlager durch Aufständische gesprengt, wobei neunzehn Soldaten den Tod gefunden hätten.

London, 28. Mai. (Eigener Funkdienst). Gegenüber den Unterstellungen der französi­schen Presse, daß die deutschen Delegierten in Paris die Verhandlungen absichtlich im Hin­blick aus die englischen Wahlen ver- ,öaerten, stellt die Times fest, daß diese Auffassung nicht den geringsten Glauben in englischen offiziellen Kreisen finde und ihr keinerlei Bedeutung beizumeffen sei. Auch die Behauptung sei hinfällig, daß die Berhand- langen durch die Weigerung Dr. Schachts eine schriftliche Antwort zu übermitteln, verzögert wurden.

Während sich bei einem KabinettLwechsel ta England, tote unser Sonntagsartikel darlegte, hinsichtlich der englischen Außenpolittk nicht viel ändern wird, besteht auf wirtschaftlichen Gebieten die Hoffnung, daß die für unsere Industrie so gefährlichen englischen Schutz­zölle vermindert werden. Um unsere Han­delsbilanz zu bessern, atttv zu machen, ist die Erhöhung der deutschen Ausfuhr nötig. Sie ist geradezu Vorbedingung für die totrt- chaftliche Gesundung unseres Vaterlandes.

Die Engländer sind von früher her in ihrer Mehrheit für F r e i h a n d e l. Die libe­rale Partei hat ihre Auffassung von Freihandel tief in das englische Voll hineinaepslanzt, so- daß bisher selbst innerhalb der konservativen Pattei die Fürsprecher eines etwas ausgedehn­teren Zollsystems nach dem biShettgem Muster, dieses nicht in die Tat umzusetzen wagten. Das wird anders, falls die konser- vativen Patteien Englands in den Wahlen eine sichere Mehrheit erhält. Es kommt dann tcher eine Steigerung, des jetzt schon bestehen- >en Schutzsystems, sodaß auch die Eisenindu- trie ihren bisher 2 mal abgewtesenen Anttag auf Schutzzölle erneuern wurde. Solche Maf^ nahmen würden sich automattsch auf alle die Jndusttieen eiftieden, die britisch, wenden.

500 000 hungern

London, 28. Mai. (Eigener Drahtbettcht.) Der Generalgouverneur von belgisch «onao General TMens, berichtet, daß die Zahl bet von der Hungersnot Betroffene« inRuando etmaSOOOOO beträgt, von denen etwa 100 000 ihre Behausungen verlassen haben und auf die neue Ernte warten. Die Ernährung der Hun­gernden und derjenigen, mit deren Rückkehr in den Erntemonate«. Juni und Juli, «an rechnen muß, bereitet außerordentliche Schwie­rigkeiten.

lichst 6tClgen Nahrungsmitteln und möglichst leichter Zugänglichkeit des englischen Marttes das Heil für Englands Industrie sehen, zum Siege kommen.

In England selbst werden die Aussichten l 3t. wie folgt eingeschätzt: 275 Konservative, 8o Liberale, 260 Arbeiterpartei; also keine absolute Ueberlegenheit einer Partei. Für die Beleuchtung der wittschaftlichen Bedeu­tung Englands, für uns spricht vielleicht besser wie Zahlen folgendes: Jeden Morgen und jeden Abend sähtt ein direkt stets besetzter Zug von Düsseldorf - mit Dampferanschluß bis London. Fahrzeit Düsseldorf-London ist etoaf'btflg«1* nach Berlin, der Fahrpreis

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Die Räumung alswahlchema

Voraussagen für England unmöglich.

Lmrd°n W. Mai Die Wahlschlacht ist heute in ihr letztes Stadium etngetreten. Es stehl W fest, daß man am Donnerstag abend kaum ^n ungefähres Bild über den AuSgang der Wahlen wird gewinnen können. Rur in sieben von den 615 Wahldistrikten find die Ergebnisse im voraus bekannt, da keine Gegenkandidaten mtfgestellt sind. Das Ergebnis kann in drei Richtungen liegen, nämlich, daß die Konservatt- ven mit einer knappen absoluten Mehrheit zu- rücllehren, daß die Arbeiterpartei eine knappe Mehrheit erringt ober daß die MehrheitSver- Haltnisse sich derartig unentschieden geftolten, daß «ne Koalition gebildet werden oder eine Minderbeit sich zur Regierung entschließen mutz daS heißt also, eS ist alles möglich.

London, 28. Mat. (Eigene Drahtmeldung.) Die von der Beaverbrokepresse in den Wcchl- kampf geworfene Forderung nach schleuniger Räumung des Rheinlandes ist in polittschen Streifen nicht ohne Widerhall geblieben. Man wirst der Politik von Sir Austen Chamberlain vor, daß sie trotz fortgefetzter FriedenSversiche- rungen, dir eKime künftiger Kriege in sich trage. I« einer Preffe-Zuschrift heißt eS. jeder ver­ständige Mensch müsse wissen, daß man mit mi­litärischen Drohungen aus Deutschland keine Reparatwnen herausholen könne. Der gemeine

AmonuNad glaubt an fein Doll

Kairo, 28. Mai. (Funkdienst.) Amanullah äußerte sich zu treuen Mohammedanerführern, der Wiederaufbau Afghanistans müsse von selbst kommen ohne irgendwelches Eingreifen anderer Mächte. Ein militärischer Schritt anderer Mächte wurde die innere Sage Afghanistans nur verschlechtern und den Bürgerkrieg verlän- aren. Der Wiederaufbau werde in allernächster Zeit erfolgen, da daS afghanische Volk seine Selbständigkeit mit den Waffen erkämpft habe und niemals darauf verzichten könne. Habib Ullah werde bald von verschiedenen Schichten der Bevöllerung gestürzt werden.

englische Soldat wolle die kleine englische Rheinlandarmee nicht zu einem Verhandlungs- abjekt machen lassen. Roch niemals habe die englische Geschichte einen so grotesken Wahnsinn gekannt.

Belgien wählt bürgerlich

Der AuSschlag des WahlpendelS.

Brüssel, 28. Mat. (Prtvattelegramm.) Nach den bisher vorliegenden Wahlergebnissen wird sich die Kammer wie folgt zusammensetzen: Ka­tholiken 74 oder 75 (78), Liberale 30(23) Sozialisten 72 (78), Flämische Akts, dlsten 9 (6), Kommunisten 0 (2), Par- te11o f e 1 (0). In der Provinz E e u pe n- Malmedy haben die Autonomisten mehr stimmen erhalten als alle übrigen Parteien zusammen. Hebet den Ausfall der Senatswah­len können noch keine Angaben gemacht werden.

Am Ruber der Partei

Die Sozialdemokraten in Magdeburg.

Magdeburg, 28. Mai. Auf dem sozial- demokratischen Parteitag bezeichnete Vogel eine andere als eine Koalitionsregierung in Deutschland für nicht möglich, nab zu, daß das erite Jahr Regierungstätigkeit nicht ge­eignet sei, Begeisterung zu erwecken, bedauerte aber, daß vielem Parteifreunde immer nur toben, was nicht erreicht sei und niemals das, was die S. P. D. an Anschlägen auf die In­teressen der Arbeiterklasse verhindert habe. Die zweite Panzerkreuzerrate werde von der ReichStagssraktion abgelehnt. Die Mi­nister dürfe man aber nicht binden, weil sonst eine neue Dauerkrise drohe. Deshalb wünsche der Parteivorstand die Ablehnung aller PanzerkreuzerantrSge. Bezüglich deS Einheitsstaats sollten sich die Länder unter­einander erst verständigen. Für das Aqrar- Programm solle eine besondere Zentralstelle geschaffen werden. — Aus dem Organisations- Referat Ludwigs ergab sich, daß die Bar-Ein- nahmen aller Patteibezirke 1928. etwa 10'A Millionen betrugen und daß die G. P. D. 44 000 Vertreter in den Parlamenten habe, ferner 889 Bürgermeister, 897 Gemeindevor- sicher und 520 Stadträte.

Mecker-Altenburg, ein Vertreter der Ju- Send, hielt eine temperamentvolle Angriffs- rebe. Den Bericht des Patteivorstandes, so er­klärte er, könnte man überschreiben: „Und siehe da, er sah, daß alle- sehr gut toar". In ber Provinz fei man ganz anderer Mei­nung und halte im Gegenteil schärfste Kri- t i k für notwendig. Die Partei hätte sich von vornherein überlegen müssen, ob innerhalb einer Regierung der Köpfe ohne Programm etwas zu erreichen sei. Die Haltung der Mi- mster m der Panzerkreuzerfrage werde im Lande draußen als schwerer Verstoß ge- 0eV. PatteidiSziplin angesehen. Beim Be- ruf-auSbrldungSgese- habe der Innenminister Severing sich die Schielesche Kulturpolitik ,u eigen gemacht. Auch die versprochene Auflö- sung der Technischen Rothilfe sei mcht erfolgt Die neue 500 Millionen Mark-Anleihe sei rin ungeheuerliches Geschenk an dar Fi- n ?i' aP' a [ Auch der Herausgeber deS radikalen „Klaflmkaiypf, ©eibetottz-Zwik- die Ergebnisse der Koalitionspo- ltttk habe die Mitglieder der Partei nicht be­friedigen können.

Tatsächlich fei aber in der fozialdemokrari- schm Politik ein Stillstand eingetreten. Wir ftab der Meinung, so schloß der Redner, daß wir die Berantwottung für die jetzt bevor- tehende Koalitionspolitik nicht werter tragen können, darum fordern wir dm “

Austritt auS der Reaieruna. Eckstein-Breslau begründete eknm Lttrag, in £e”L bi- Zurüd»lebung ber sozial- demo tra tischen Minister berlanat wird. Die jetzige Koalitionspolitik habe dm Rassen die Augen geöffnet über den wahren Charakter der deutschen Republik. Der deutsche Staat sei auch kn der Form der Republik nur da« Werkzeug der herrschenden Klassen gegen die Arbeiterbewegung.

Reichstagsabgeordneter Sollmann-Köln er. ^dette u- L: Eine Halbheit bleibe die Koali- tionspolitik für alle daran beteUigten Patteien L^wmer. Wenn der Reichskanzler einfach die Order der Partei ausführen könnte, dann brauchten wir keine Koalittonspolittk meh-s Eine gewisse Beweglichkeit an Taktik werde man km Ministern zugestehen müssen. Er wünscht den Rücktrttt der Minister nicht halte eS aber andererseits für notwendig, daß! die Fraktionen Har feststellen, daß die fatal. »emokratische Pattei die Verantwortuna ur den Reichstagsbeschluß in der Panzer­kreuzerfrage ablehnt.