Meler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
-mal naitimtttage Der »bon-
Mittwoch, 22. Mai 1929
L«e «afleUi «euettee «a-richie» enAemcu nemenwvreis tx'.raai lat 6et Monai 2.30 jt
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Die Aussichten in Paris getrübt
(ätzt Schacht sich noch etwas abhandeln? — Amerika drangt auf Schuldenratifizierung
Einigung auf Jeutschlands Kosten
Für Berlin unannehmbar
An RSuberidyü in Argentinien
irte nai
amerikanischen Kirchen unterzeichnete Kundgebung zugunsten des Friedens, der Einstellung des Rüstungswettbrwerbes und der Förderung des internationalen Schiedsgerichtswesens.
Ueber das Inkrafttreten neuer Vereinbarung gen in der Reparationsfrage werden übrigens auch die politischen Konferenzen zu entscheiden haben. Ebensowenig ist das andere Problem gelöst, in welcher Höhe Deutschland und die anderen Staaten sich an der zu gründenden R e - Parationsbank beteiligen sollen. Kategorisch wird übrigens in Berlin auch die in Paris erwogene Möglichkeit abgelehnt, Deutschlands Zahlungsverpflichtungen über 37 Jahre hinaus auszudehnen und endlich hält man es für völlig undiskutabel, daß etwa der nicht transfergeschützte Teil der deutschen Zahlungen eine Steigerung erfahre, da hierdurch ein neues weiteres Unsicherheits-Moment in alle Abmachungen hineingetragen würde.
Dor entscheidenden Beschlüssen
London, 22. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Wie au» Peking verlautet, soll am Sonntag
für den 29. Mat genommen. Bis dabin er» Wartet man alfo de» Bericht des Lusfchuges,
Die «lrche als Friedenshüter
London, 22. Mai. (Eigener Funkdienst). Die Blätter veröffentlichen eine von Führern der Kirche von England und den wichtigsten
Ungarn nähert sich Paris
ZaleskiS Vermittlerrolle in Budapest.
Budapest, 22. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Die Reife des polnischen Außenministers Zales- ki nach Budapest wird allgemein als die Vorbereitung einer ungarisch-französischen «nnähe- rung betrachtet, deren Auftakt eine Erklärung des Ministerpräsidenten Gras Bethlen in einem französischen Blatt bildet. Bethlen teilt darin mit, daß Briand sich über die friedlichen Absichten der ungarischen Regierung und weiter- hin davon überzeugt habe, daß Ungarn zur Zeit weder die Frage der Revision des Friedensver- träges noch die Königsfrage aufwerfen wolle. Auch Zaleski äußerte sich zu einem Preffevertre- ter, daß er die ungarisch-französische Annähe- rung fördern und damit der internationalen Verständigung dienen wolle. Zugleich muffe auch zwischen Ungarn und Rumänien gegensei» ttgrs Vertrauen eintreten.
Budapest, 22. Mai. Zu Ehren des polnischen Außenministers Zaleski gab Reichsverweser Horthh in der Hofburg einen Tee, an dem etwa tausend geladene Gäste teilnahmen. Abend» fand ein Essen beim Ministerpräsidenten Grafen Bethlen statt. Die Blätter würdigen die traditionelle polnisch-ungarische Freundschaft, die durch das gemeinsame Schicksal während der Jahrhunderte besiegelt worden sei.
.Belgrad, 22. Mai. (Eigener Funkdienst). Auf dem Festeffen, hielten die drei Außen- Minister der Kleinen Entente Trinksprüche, in denen sie die Entschlossenheit hervorhoben, in der durch die Friedensverträge geschaffenen Lage Mitteleuropas keine Aenderung zuzu- laffrn.
Berlin, 22. Mai. (Eigener Jnformatwns- dienst.) Aus Unterredungen mit maßgeblichen Personen aus Politik und Wirtschaft glauben wir schließen zu können, daß ein Verzicht auf das von Dr. Schacht geforderte Aufbringungsmoratorium, das von den Gläubiger-Sachverständigen abgelehnt sein soll, nicht in Frage kommt. Man weist hier darauf hin, daß es sich bei dem Aufbringungs-Moratorium nicht nur um den elementarsten Schutz der deutschen Wirtschaft und Währung handelt, sondern auch um eine Art G a r a n tl e für die deutsche Reparationsfähigkeit, die zweifellos sehr stark eingeengt würde, wenn in den neuen Abmachungen eine derartige Schußmaßnahme nicht enthalten wäre.
Kanton wieder nationalistisch
Das AuSländerviertel im Verteidigungszustand
Schanghai, 22. Mat. (Funktelegramm.) Die aufständischen Kwangsitruppen, die die Stadt Kanton besetzt hatten, haben sich plötzlich aus der Stadt zurückgezogen, die von den Rationu- listen sofort wieder besetzt wurde. Die Kwangfi- Truppen erwarten Verstärkungen und wollen dann einen Sturm auf Kanton unternehmen. Das Ausländerviertrl Kantons wird von drei englischen und je zwei japanischen und frauzö- ischen Kriegsschiffen bewacht. Britische Kano- nenboote haben gelandet und starke Verteidigungsanlagen errichtet. Die Tore und Brücken Kantons find überall m't starken Posten besetzt. Bei einem Bombardement des wichtigsten Verkehrsknotenpunktes Ranning, durch Flugzeuge der aufständischen Kwagnfi-Truppen wurden sieben Personen getötet. Die Zahl der Verletzten ist noch unbekannt.
Berlin und der Minder heltenlchutz
Berlin, 22. Mat. (Eigener Informationsdienst.) Zur Minderheitenfrage, die durch den Beschluß des Völkerbund-Dretkomiiees be- kanntlich in einen für Deutschland sehr ungünstigen Standpunkt getreten ist, wird uns von zuständiger Seite erklärt, es könne keine Rede davon fein, daß die Reichsregierunq threu Kamps für die Neuordnung und Erweiterung des Minderheitenrechts aufgeben werde. Ter deutsche Standpunkt wird auch aus der nächsten Ratstagung in Madrid und erst recht aus oer Vollversammlung des Völkerbundes im September nachdrücklichst weiter verfochten, umsomehr als er in der Vollversammlung des Völkerbundes zweifellos einen günstigeren politischen Boden finden wird.
Buenos Aires, 22. Mat. (Funktelegramm.) Seit einiger Zeit machte in der argentinischen Stadt Rosario eine Räuberbande von sich reden, die neben Diebstählen und Raubüber- fällen auch das Erpresferhandwerk ausgiebig betrieb. Eine ganze Anzahl wohl- habender Hyaeindenbesitter erhielt unter Todesandrohung die Aufforderung, eine Summe Geldes zu einem bestimmten Zeitpunkt zu hinterlegen. Da diese Zuschriften biS- wellen durch eine haarscharf am Kopfe des Betreffenden vorbeisausende Kugel Unterst ü tz t wurden, zahlte eine ganze Anzahl der Bedrohten. Die Regierung entsandte nun insgeheim einige ihrer tüchtigsten Detektive, um den Verbrechern auf die Spur zu kommen. Es gelang auch, zwei Mitglieder der Bande fepzunehmen, auf deren Aussagen hin sech» weitere Mitglieder verhaftet werden konnten. Das Ueberraschendfte war, daß der dortige Bolizeikommissar MarcoS Gome» selbst eines der leitenden MUglie- der dieser Bande war. Er wurde ebenfalls verhaftet.
Amerika laßt Paris die Wahl
Entweder ratifizieren oder die Schuld bezahlen.
London, 22. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Wie ein Washingtoner Korrespondent erfährt, hat Schatzamtssekretär Mellon durch den Botschafter Claudel Poincart mitteilen lassen, daß die amerikanische Regierung so schnell wie möglich über die Ansichten der Ratifizierung des französischen Schuldenabkommens verständigt zu werden wünscht. Bei Ratifizierung innerhalb einer angemessenen Zeit würde die Regierung dem Kongreß em Gesetz anempsehlen, das bte für die Rückzahlung von ungefähr 400 Millionen Dollar Kriegsschuld vorgesehene Frist ausdehnt. Diese Summe war seinerzeit in die allgemeine französisch-amerikanische Vereinbarung einbezogen worden, aber mit dem Vorbehalt, daß sie wieder zu einer gesonderten im August rückzahlbaren Schuld werden würde.
London, 22. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Ein Pariser Korrespondent meldet u. a.: Ter Sachoerstandigenausschuß hat endlich für die Verteilung eine Formel aufgestellt. Danach wurde Großbritannien ungefähr den Betrag zur Befriedigung der Ansprüche seiner Do- minions erhalten. Man glaubt, daß für diesen Zweck nicht die internationale Bank in Anspruch genommen, sondern das Inkrafttreten des neuen Planes aufgeschoben werden wird. Wenn er erst am 1. September, also erst beim Ablauf des Dawesjahres, tn träte (Dr. Schacht wünschte schon den 1- April) wurde ein Ueberschutz aus Dawes- zahlungen vorhanden sein. Der Korrespondent meldet weiter: Die Aufnahme des Berichts durch Dr. Schacht macht den Gläubigergruppen Sorge und es fehlt nicht an Zeichen da- fur, daß die Abänderungen eine Annahme
Deutschen schwierig machen werden. Die Ablehnung der zwei deutschen Vorbehalte wegen der Zahlungen der Nachfolgestaaten und wegen des Moratoriums allein konnten genü- Sen, um eine ablehnende Antwort herbei- zusühren. Wenn außerdem, wie anzunehmen ist, Dr. Schacht ersucht werden sollte, eine besondere Bezahlung an Belgien über die vorgesehene Annuität zu leisten, dann ist man deutscherseits entschieden gegen die Annahme. Ich höre von zuverlässiger Seite, daß. die
Deutschen bann den Bericht ablehne» werden. Die britischen Delegierten hätten die belgischen Ansprüche nicht unterstützt, doch hätten die Franzosen schon vorher eine derartige Zusage gegeben. Wahrscheinlich werde Young in diesem Falle zu vermitteln haben. Zum Schluß meint der Korrespondent, es fei nahe- zu undenkbar, daß die Verhandlungen nach breimontiger Arbeit wegen einer Frage, die tatsächlich außerhalb ihrer Aufgabe liege, zusammenbrechen sollten. Auch ein anderer Pariser Korrespondent hört, daß einige Ab- änderungen für die Deutschen unannehmbar {ein dürften. Frankreich und Großbritannien ätten einer nicht unbeträchtlichen Verminderung ihrer Anteile zugestimmt, sodaß weder Belgien noch Italien zu Schaben kämen.
Lonbon, 22. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Die Aussichten einer Reparationslösung bis zum 29. Mai sind nach bcm Urteil ber englischen Presse nicht günstig. Dailh Telegraph läßt sich aus Paris melben, baß vielleicht das Ende ber Reparationsverhandlungen schon in Sicht sei. In welcher Weise aber bie schwierigen Fragen gelöst fein sollen, darüber schweigen sich bie offiziösen Stellen in Frankreich aus.
eine Sonberfitzung des Vollzugsrates der Kuo- mintang-Partei über dasVorgehengegen Feng entscheiden. Auch die Frage des Bor- Marsches der Kwanfi-Truppen soll behandelt werden. Tschiangkaischeck wirst Feng vor, riesige Summen, die er für den Ankauf von Munition und Lebensmitteln für die hungernden Gebiete erhalten habe, für sich behalten zu haben.
wenn bie Ratifizierung bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht erfolgt ist. Das amerikanische Angebot würde nur Gültigkeit haben, wenn die Antwort Poincarss bie Erwartung rechtfertigt, daß »och in diesem Jahre sran- zöflscherseits ein Schritt unternommen wird. Der Korrespondent fährt fort: Der Zusammenhang zwischen dieser amerikanischen Anregung Und der Frage ber Haltung, bie bie Bereinigten Staaten gegenüber dem allgemeinen Problem einer Reparationsverein, barung einzunehmen bereit sein mögen, siebt außer Zweifel. In Washington wird er» Sahli, Owen D. Noung habe eine Rückfahrkarte nach den Vereinigten Staaten endgültig 29. Mai genommen. Bis dabin er»
sodaß Frankreich für die Haltung Amerikas eine gewisse Verantwortung trägt.
Paris, 22. Mai. Eigene Drahtmeldung.) Als Grund für das Ersuchen Amerikas zur Ratifizierung des Mellon-Berenger - Abkommens wird angegeben, daß die Etledtgung des neuen Zolltarifs und der Wirtschaftshilfe die Sonder- kommissionen des amerikanischen Senats und des Repräsentantenhauses sehr lange beschäftigen könnte, und es deshalb immer wahrscheinlicher werde, daß das amerikanische Parlament sich bald vertagen werde.
Die Iungdemokraten
Ein Franzosenvertreter für Räumung.
Koch als ParlamentSreformer.
Worms, 22. Mai. Aus ber Jungdemokra- tentagung wurde ber französische Delegierte Mendes stürmisch begrüßt, der vor allem gegen die Rheinlandbesetzung protestierte mit dem Hinweis darauf, daß sich donn dieselbe geistige Auffassung zeige, bie schließlich zum Weltkrieg geführt habe. Er betonte, daß militärische „Sicherüngsmatznah- men" unzulänglich seien, wenn nicht der Geist der Völker den Frieden wolle. Auch der Vorsitzende Abg. Ern st Lemmer hob hervor, daß ein tatsächlicher Friede für Europa erst denkbar fei, wenn Deutschland und Frankreich sich verständigt hätten. Man könne bett fran- zösischen Militarismus bekämpsen, wenn man auch im eigenen Lande gegen militärische Be- ftrebungen auftrete. Der Bodenreformer D a» maschke forderte ein neues Bodenreckt, nicht zuletzt zur Beruhigung der Arbeiterschaft, um das Bedauern darüber y-*- zu halten, daß die Diktatur des Proletariats in Deutschland, die 1918 die Volksbeauftragten auSgeübl hätten, nunmehr durch eine parlamentarische Demokratie abgelöst wurde. Reichsminister a. D. K 0 ch - W e f c r führte aus: Ter Parlamentarismus fei nicht die einzige AusbruckS- wrm der Demokratie, wie die Schweiz und die Verewigten Staaten bewiesen. Man könne daher auch als guter Demokrat am parkamen t arischen System Kritik üben und vor allem gegen das Grundübel, das Proporfi. onal-Walrecht vorgehen. Auch könne man ruhig die Art ablehnen, wie es in ber letzten Zeit üblich geworden sei, Regierungsbildun- gen durchzuführen. Festzustellen wäre jedoch, daß das wesentliche Problem im Staatsleben, die Fuhrerauslese, sich in der Republik wesentlich besser habe verwirklichen lassen als unter dem alten wilhelminischen System.
Lehrer,leist für Schule und «lrche
t 22" Mai. Auf der Tagung be» beutf^en Lehrervereins wurde in einer Entschließung die Durchführung der in der Reichs Verfassung verbrieften eeinheitlichen Lehrerbildung.durch das Reich verlangt mit dem Hinzufügen, daß auch bie allgemeine Schulpflicht, oie für die Volksschule mindestens acht Schuljahre umfassen soll, in allen rändern endlich einheitlich durchgeführt werde. Im Sinne der Reichsverfassung müsse Slkch etne organische Ausgestaltung des öffentlichen Schulwesens durch Ausbau ber Volksschule nnb Unterstützung bedürftiger Erziehungsberechtigter erfolgen. Schließlich wird verlangt, daß schon vor Erlaß des Reichsschulgesetzes auch den Lehrern, die keiner Religionsgesell- fchafi angehören, ihre verfassungsmäßigen Rechte gesichert und den entsprechenden An- Wärtern der Zugang zum Lehrerberuf erwog« "cht wurden. — Zur Konkorbatsfrage werden Konkordate oder Kirchenbeträge, in oenen staatliche Bindungen bezüglich ber schule enthalten seien oder auch nur angedeu- tet würden, auf das entschiedenste abgelehnt.
Amnestie beim Älrd&enfritötn
Mailand, 22. Mai. Laut Pressenotiz wird der Kontg anläßlich ber bevorstehenden Ratifi. äierung der Lateranverträge eine allgemeine Amnestie erlassen.
Die flelne Sntente noch fester vereint
Belgrad, 22. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Die hier tagenden Vertreter der Kleinen En. tente erneuerten gestern bie im Juni abkaufen, ben Bündnisverträge Rumäniens mit der Tschechoslowakei und Jugoflawien und zwar auf 5 Jahre. Ferner wurde ein SchiedSge- richtsvertrag zu Tritt nach Art der Völkerbundsverträge abgeschlossen, dessen Bedeutung darin liegt, baß bie Solibarität burch die Regierungen bezw. zwischen den Vertreter» der Kleinen Entente noch einmal vorgeführt wird. Dieser Vertrag zu Tritt wurde zum ersten Male in der Geschichü ber Schläge» richtsverträae abgeschlossen.