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_________________Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 108 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Mittwoch, 8, Mai 1929

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London in Paris benachteiligt

Wien auf neuen wegen — polen noch nicht beruhigt

Noch ein Mai-Nachspiel

England zürnt Swen Young

ru

ionsausgaben

reich» Wunsch, auS den erlangen, daß eS für seine

Stomp lauft Sturm

Schadenfreude der Franzosen.

nis verurteilt. Hiervon hat er sieben Jahre verbüßt. Vor zwei Jahren war er begnadigt worden.

leit.

Dazu führe Himmelfahrt unsere Herzen j Aufwärts und mache sie froh und park! I

Berlin« Kommunistenspeklakel in Newyvtk

Rewyork, 8. Mai. Vor dem deutschen Gene­ralkonsulat in Rewyork kam es gestern zu einer kleinen kommunistischen Demonstration. Etwa fünfzehn junge Leute zogen mit Plakaten aus und ab, deren Inschriften Proteste gegen die Vorkommnisse bei der Berliner Maifaier dar- stellten. Schließlich kam es zu einer Balgerei mit einigen Passanten, wobei die Plakate zer- rissen und in die Luft geworfen wurden.

Der böfe Nachbar

Immer noch Polenhetze gegen Deutschland.

Kattowitz, 8. Mai. (Privattelegramm.« Die polnischen Schauspieler, die in Oppeln gastier- ten, werden jetzt auch in Warschau drei Vorstel­lungen geben, die Propagandazwelken dienen sollen. Die Schauspieler sollen im Triumph durch die Stadt geführt werden. Zuschriften an ein Warschauer Blatt fordern dringend Zwangs­maßnahmen. In einer dieser Zuschriften heißt es: „Fort mit der dummen Höflichkeit gegen­über den preußischen Henkersknechten, fort mit allen Schauspielern und Sängern aus Deutsch­land, fort mit den deutschen Trödlerwaren."

Der Lorri-or als Festung

Ein Polenblatt ruft zu Spenden auf.

Warschau, 8 Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Ein Blatt tritt für die Befestigung der Grenz­linie des Korridorgebiets zur Rückendeckung der polnischen Kriegsflottenbasis in Gdingen ein und zwar mit neuzeitlicher Technik rott Schuügräben, Blockhäusern, in di« Erde tief eingebauten Batterien usw. Auch um Gdingen müsse außerhalb deS Hafengebiets ein Gürtel von Befestigungen zum Schutz gegen Angriffe zu Lande angelegt werden. Der ganze pom- merellifche Korridor müßte befestigt uttb eine Rescrvestellnnq auf der Linie Dirschau Chof nice-PePlin gebaut werden. Die bisherige Schutzlosigkeit des polnischen Küstengebiets und des Korridors,so erklärte das Blatt, sticht den Deutschen geradezu in die Augen," die ganze Bevölkerung Polens müsse sich durch Spenden für den Ausbau eines Fkstungsgür- telS cinsetzen.

Mussolini verfolgt die Kommunisten

Rom, 8. Mai. (Eig. Drahtbericht.) Bor de-i außerordentlichen Staatsgerichtshofe hat 6c Prozeß gegen eine Anzahl Kommunisten von Görz und den umliegenden Ortschaften begon­nen. Sie find nickst nur der aufwieglerische, Propaganda und der Verschwörung gegen den Staat armeklaat. sondern sollen auch dem all­serbischen G e h e»m b u n d angehört haben

London, 8. Mai. (Eig. Drahtbericht). Der Reparationsplan Owen Youngs wird hier heftig kritisiert. Reuter meldet aus Paris über den „Pariser Theatercoup", der die ganze Lage völlig verändert habe u. a.: Die britischen Delegierten entdeckten zu ihrem Erstaunen, daß ihr Anteil eine unannehmbare Verminderung erfahren hatte, die Sir Josuah Stamp gegen­über Young sofort strikt ablehnte. Anscheinend s'.i auch keii.e Rede von ttnon-rehmhar«n deut' scheu Vorbeyalten. Aber die Hauptschwierig­keit liege jetzt darin, daß der Bericht, wenn er die Frage der Verteilung nicht erwähne, für die Engländer, aber wahrscheinlich nicht

für die Franzosen und Belgier annehmbar

Paris, 8. Mai. (Eigene Drahtmeldung.- Owen Young hat den Alliierten einen neuen Verteilungsschlüssel vorgeschlagen, um F ---- - - • — --- »i

Berlin, 8. Mai. (Eigener Informations­dienst.) Das Auswärtige Amt hat dem engli­schen Botschafter auf dessen Ersuchen den Tat­sachenbericht über die näheren Umstände über­mittelt. unter denen der australische Journalist Mackay bei den Mai-Unruhen den Tod ge­sunden hat. Bei der Bestattung wird die Reichsregierung sich vertreten lassen.

London, 8. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Ein Blatt erinnert daran, daß Mackay eine glänzende aber sehr abenteuerliche Laufbahn als Bürgermeister hinter sich hatte. Während seiner Amtszeit erschoß er einen jungen Mann und wurde dafür zu fünfzehn Jahren Gefäng-

sei. Wenn er aber die Verteilung erwähne, dann werde vermutlich das umgekehrt der Fall fein. Indessen könnte der neue Vertei­lungsvorschlag dem Bericht in einem Anhang« beigefügt und der Bericht selbst unterzeichnet werden, sodaß die Alliierten doch noch zu einer freundlichen Vereinbarung gelangen könnten. Ein anderer Korrespondent berichtet: Youngs Streich kam wie ein Blitz aus heiterem Him­mel für die britische Delegation. Alle anderen aber, Frankreich und Belgien eingeschloflen, erscheinen gan, zufrieden mit den Sum­men zu sein, die ihnen jetzt zufallen. Im Lichte der ungewöhnlichen Handlungs- weise der Amerikaner, die die

Konferenz zu sprengen droht«,

ist di« Frage der deutschen Vorbehalte in den Hintergrund getreten, die schwerlich ein Hin­dernis bilden würden. Ein weterer Korre­spondent schreibt, wenn nicht für die sreund- lich« Gesinnung des Präsidenten Hoover so reichliches Beweismatertal vorläge, dann wür­de es entschuldbar sein, wenn Owen Youngs

Kompromiß" als vorsätzliche feind- liche Handlung aufgefaßt werden würde.

hält, sich lichten, —

Und wie toir hier stückweise erkennen werden wir schauen von Angesicht zu Angesicht.

Rein, nicht wissen und undurchdrinaliwe Schleier lüften ist die Aufgabe und der Zweck des Lebens, nicht intellektuelle Förderung und Bereicherung, sondern die pra111sche Be­währung. Der eigentliche Zweck eines nütz­lich und segensvoll verbrachten Lebens ist nicht Denken und Wissen, sondern Wirke« unb Sieben unter dem Gesichtspunkte der Ewig-

eine Vergütung von etwa 50 Milliarden Pa- pierfrank erhält, erfüllen zu können. Den Blät­tern zufolge würde für Großbritannien so gut wie garnichts an eigentlichen Reparationsbeträ­gen übrig bleiben. Sir Josah Stomp bemühe sich um Verbesserungen. Die Engländer waren so enttäuscht, daß Owen Young ankündigen ließ, seine Verteilungsvorschläge aufschieben zu wollen. Der Pariser Bankgouverneur verlange i ine klarere Fassung der Vorbehalte Schachts Josuah Stamp droht damit, den

Bericht nicht zu unterzeichnen,

sondern die Entscheidung seiner Regierung zu Überlassen. Ohne Zweifel sei cs absurd, daß das englische Schatzamt so ausgeplündert werde, aber weshalb habe eS am 19. April Dr. Schacht nicht auf den Dawesplan zurückverweisen wol­len? Weshalt habe es sich ihm gegenüber so gefällig gezeigt? (!) Weshalb habe es sich nicht Moreau angeschloflen, um dem Schuld- ncr eine Lektion zu erteilen. Weshalb sollten andere unter der Schwäche des englischen Schatzamtes leiden?

Schachts Sicherungen

Harte Nüsse für die Sachverständigen.

Paris, 8. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Nach dem Exzelsior lauten die deutschen Vorbe­halte wie folgt: 1. Revifion des Abkom­mens, sofern sich später ergeben sollte, daß die deutsche Zahlungsfähigkeit zu hoch eingeschätzt worden ist. 2. die Möglichkeit, den S ch u tz der T r a n S f e r k l a u s c l für den nicht geschützten Teil der Annuitäten anrufen zu können. 3. Herabsetzung der Zölle durch die die deutsche Ausfuhr behindert wird und Auf- Hebung des Recovery Mtes. 4. Verzicht der Gläubiger auf die verpfändeten deutschen Einnahmen (Eisenbahn und Monopole). 5. Aufhebung aller ausländischen Kontroll­organe über die deutschen Finanzen. 6. Mög­lichst hohe Beteiligung Deutschlands an den zu­künftigen Gewinnen der Reparationsbank. 7. Aufrechterhaltung der Sachlteferungen während der ganzen Dauer des Abkommens. 8. Zusicherung für eine neue Herabsetzung im Falle der erweiterten Kommerzialisierung der

fahrtfestes.

Aber nicht darauf kommt es an: ob dem Himmel, den wir suchen und ersehnen, ein wirllicher Himmel entspricht. Auch nicht darauf: Ob er die Wohnung eines Gottes ist, wie ihn unsere Sehnsucht und Vorstellung ge­stalten. Nicht darauf: Ob unserer Welt der Willkür und Ungerechtigkeit, des Leidens und Sterbens eine andere, vollkommenere folgt, diesem Dasein des Kampfes, der Unruhe und Enttäuschung- ein harmonisches voller Ruhe. Frieden und Glückseligkeit — kein Verstand der Weisen kann es uns sagen. Und es kommt auch garnicht darauf an.

Sondern ans etwas ganz anders: Daß wir leben, lieben und leiden unter dem Horizonte dieses Himmels, unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit, daß wir unter seiner Sonne wan­dern und wirken, als sähen wir das verhei- ßende Ziel unserer Pilgrtmschaft in sicherem Herzen und mit klarem Auge vor uns. Dann wird das Dunkel, das uns hier noch gefangen

Unklare Klarheit werden.

Himmelfahrt

Von

Arthur krause weiter.

Es ist in der ersten Frühe. Die Sonne ist eben aus güldenem Tore hervorgetreten wie der Bräutigam aus seiner Kammer. Eine wundervolle Klarheit ist da. Ein helles Blau leuchtet durch das müde Grau, einige rosa Töne mischen sich in seine Farben, Lichter glitzern auf wie Edelsteine, schwinden. Und plötzlich tut sich der Himmel auf wie ein wei­tes, hohes Tor, das in die Ewigkeit weist

Dann ändert sich das Bild, und das Tptel der sich hebenden und fallenden Schleier jetzt ein. Himmel und Erde sind eins. Groteske Klippen tauchen auf, Zacken und Spitzen ra­gen gespensterhaft aus dem Chaos. Schön war die blaulichte Klarheit. Aber bas in Wolken und Dunst gehüllte Bild ist größer. Denn es läßt hinter verbergenden Schleiern nicht nur das Sichtbare, Wirkliche, sondern das Unsicht­bare, Unwirkliche suchen. Und die geflügelte

hell vor dem entzückten Auge sich breiten.

Es ist dem Menschen eingeboren, daß er garnicht restlos sehen und erkennen will. Eine gestaltende Kraft lebt in ihm, die nach Spiel­raum verlangt. Darum ziehen uns auch ost Menschen mehr an, hinter deren Antlitz und Wesen wir etwas suchen und enträtseln kön­nen, als solche, in deren Worten und Art alles auf den ersten Blick klar und rätsellos vor uns liegt. Das Schöpferische allein macht die Wir­kung. Werden muß uiles Große, langsam und in stetem Kamps. Eine schöpferische Ungeduld mutz den kleinen Gott der Erde packen, daß er die schaffenslustigen Hände ausstrecken möchte hinein in eine Welt des widerstehenden Dun­kels, der hartnäckigen Schleier sehnsuchtsvoll empor zu dem großen Gott der Welt: „Daß Du deinen Himmel zerrissest und führest herab."

Am Strande des ewig wallenden Meeres erst fühlen wir den ganzen Mut des Lebens, sehen wir das geheimnisvolle, unergründliche Leben selber: sein unablässiges Neigen und Steigen, sein Empor und Hinab. Leben und Tod sind die geheimnisvollen Formen, die uns trennen. Aber wir wissen von beiden nichts, nicht ein wenig mehr als von den ge- heimnisvollen Höhen und Tiefen, die zwischen den unablässig wandernden und wallenden Wellen liegen.

Schließlich wird es wohl nur daranf an- kommen: Ob es Einem gelingt, während der kurzen mühevollen Erdenwanderung lene leich­ten, lichten Höhen zu erreichen, von denen sich alles Leben unb Sterben, alles Kämpfen und Ringen, alles Dulden und Suchen wie von ruhig gesicherter Warte ansteht, wo man kei­neswegs aufhört, mitzumachen, mitzuerleben, mitzuleiden, wo aber eine reine, dünnere Lust weht, die Einem die Wanderung dem letzten Ziele entgegen nicht gar zu schwer und hart gestaltet.

Auf diese Höhe« uns zu führe«, die bei» Kene Pforten zu ihnen uns aufzutun, ist edeutung und der Zweck des Himmel-

Wohin Wien strebt

Streeruwitz enthüllt fein Programm.

Wien, 8. Mai. (Privattelegramm.) Die gestern von Bundeskanzler Streeruwitz verlesene Regierungserklärung beschäftigt sich mit den aktuellen Problemen der Landwirt­schaft, der Industrie, des Handels, des Gewer­bes sowie der Handels- und Steuerpolitik. „Aus wirtschaftlichen Gründen mit leiben» schaftloser Beharrlichkeit all diese Arbeit zu leisten, erklärte der neue Bundeskanzler, be­trachtet die Regierung als ihre wichtigste Aus­gabe." Die Technik der Landwirtschaft müsse unter Mithilfe der Genossenschasten gehoben und entsprechende Absatzorgamsationen ge­schaffen werden. Die Viehzucht sei gegen die Einfuhr zu schützen und die Ausfuhrmöglich­keiten seien zu verbessern. Gewerbe und Han­del litten schwer unter der Zerreißung des alten Wirtschaftsgebietes und unter dem Mangel an Kapital. Besserung dieser Verhältnisse und die Be­kämpfung der Arbeitslosigkeit kann nur durch

organische Hebung der Volkswirtschaft durchgeführt werden. Der heimifche Bergbau sowie der Ausbau der Wasserkräfte sei zu för­dern. Die neue Regierung wirb sich ferner be­mühen, den Weg für eine neue ausländische Anleihe freizumachen. Der Bundeskanzler kün­digte weiter für Industrie und Landwirtschaft, Gewerbe und Handel eine rationelle Handels» und eine schonende Steuerpolitik an. Die aus­wärtige Politik wird sich in den bewährten Leit­linien halten: freundschaftliche Beziehungen zu allen Staaten, vornehmlich zum Deutschen Reich, mit dem wir kraft unserer gemeinsa­men Abstammung, Geschichte, Sprache und Kul­tur uns aufs engste verbunden fühlen.

Streeruwitz schloß: Wir können uns den Luxus des ständigen Parteihaders nicht gestat­ten, da das Gebot der wirtschaftlichen Be­dürfnisse uns tagtäglich entgegentritt. Er­blicken wir in uns nicht die Rivalen um die vergängliche Gunst der Wähler, sondern sehen wir unsere vornehmste Aufgabe darin, im Wettbewerb den wahren Interessen des Volks­wohles zu dienen. Die Regierungserklärung wurde mit großem Beifall und Händeklatschen aufgenommen.

Der nächste Aordpolflug

Wilkins kauft di« dritte englische Maschine.

London, 8. Mai. (Eig. Drahtbericht.) Der Polarforscher Wilkins bezeichnete gegenüber einem Pressevertreter als den Hauptzweck sei­nes Aufenthaltes in England den Ankauf eines dritten Flugzeuges für seine neue Expedition nach dem Nordpol. Er hoffe während der nächste« Expedition in die Anarltis bei einem Dauerflug über 2500 Kilometer, das ganze Gebiet an der Küste bis nach der Roffee p h o- tographieren zu können.

Roch kein Sifenbaynei streik

Berlin, 8. Mai. Die Gewerkschaft deutscher Eisenbahner teilt mit: Jrn Vordergrund der gestrigen Aussprache in den Eisenbahnerge­werkschaften standen in der Hauptsache zwei Fragen: ob der Streik sofort ausgerufen oder der Anregung der Regierung, den Schlich­ter anzurufen, Rechnung getragen wird. Bor der endgültigen Entscheidung soll noch einmal eine Aussprache mit den anderen inter­essierten Gewerkschaften der Reichs-, Post-, Staats- und Wasserbau-Arbeiter stattfinden, um ein weiteres gemeinsames Vorgehen her­beizuführen. ______

Wieder ein Tropen-Scharmützel

As unrion, 8. Mai. (Funkdienst.) Eine bolivianische Militärpatrouille hat gestern ge­gen eine kleine paraguanische Truppen-Abtei- kung in der Nähe des Fons Banguardia Schüsse abgegeben. Verluste traten nicht eilt

Der Streik in Bombay erlischt

London, 8. Mai. (Eigener Drahtbericht). In Bombay haben 34 Betriebe die Arbeit ganz oder teilweise wieder aufnehme» können. Der Gouverneur versucht zwischen den Arbei­tern und Gewerkschaften einen Vergleich zn schaffen. Die Unruhen haben anfgehört.

Einstein vartscr Ehrendoktor

Paris, 8. Mai. (Eigener Drahtbericht). Die Universität Paris hat Professor Einstein die Würde eines Dr. h. c. verliehe«.