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Mittwoch, 1. Mak 1929.

Staffelet Neueste Nachrichten

19. Jahrgang. Nr. 102.

Berlin Kann unbesorgt sein

Die Polizei will Zwischenfälle vermeiden.

Berlin. 1. Mai. (Eig. Informationsdienst.) Lei einer Konferenz erklärte Polizeipräsident Zörgiebel: Die Polizeibeamten werden unter allen Umständen ihre Schuldigkeit tun, um die öffentliche Ruhe aufrecht zu erhalten. Man be­urteilt die Lage durchaus ruhig. Die Polizei ist trotz aller Ueberfälle noch nicht verbittert. Die Beamten werden alles tun, um Blutver­gießen zu vermeiden. Die Bereitschaften und Reserven werden erst eingesetzt, wenn es durchaus erforderlich ist. Die Untergrundbahn­stationen find morgen für das gesamte Publi­kum gesperrt, um so zu verhindern, daß die Kommunisten sich so unbemerkter zusam­menziehen.

Reine Qlntegelöer für Major vapst

Berlin, 1. Mai. fPrivattelegramm.) Gegen­über dem Gerücht, wonach Major Pabst von amtlichen Stellen Geldbeträge erhalten habe, wird den Blättern milgeteilt, daß <DZajor Pabst von keiner amtlichen Stelle Geldbeträge erhalten hat.

Dor dem Nuhischiedsspruch

Berlin, 1. Mai. (Funktelegramm.) Heule wurde im Relchsarbeusmmisterlum über den Schiedsspruch im Ruhrbergbau verhandelt Die Parteien bleiben vorläufig noch getrennt Ein Ergebnis ist vorläufig noch nicht abzusehen.

Litauens Sozialdemokraten ohne Partei

Memel, 1. Mai. (Eigener Drahtbericht.» Bon amtlicher Seite wird aus Kowno milge­teilt, daß aufgrund eines Minister-Erlaffes die litauische sozialdemokratische Partei wegen staatsfeindlicher Tätigkeit aufgelöst wird.

Don 6er Revolution gesäubert

Newyork, 1. Mai. (Durch Funkspruch.) In Arizona haben sich fünfhundert mexikanische Aufständische mit achtzehn Maschinengewehren und einem Geschütz ergeben. General Calles nimmt nunmehr an, daß auch der letzte Ausstand im Staate Sorona, vollständig niedergeschla­gen ist. _______

Neue Wege der Justiz

von Guerard gegen radikale Reformen.

Berlin, 1. Mai. Im Haushallsausschuß forderte beim Justizetat ALg. Dr. Wunderlich (Dvp.) Freizügigkeit für Referendare und Rechisanlvälte usw. Uebernahme der Justlz- verwaltnng auf das Reich, sowie Rückzahlung der Aufwertungs-Hypotheken am 1 Januar 1932 und der Mobilisierung der Aufwertungs­ansprüche überhaupt. Bei den Bestimmungen der Industrie-Spionage fehle das Gebot der Schweigepflicht für die Angestellten nach ihrem Ausscheiden aus dem betreffenden Betriebe Reichsjustizm. v Guerard erwiderte, diePorlage über die Ehescheidungen basiere aus einem Ka­binettsbeschluß. Die Uebernahme der Justiz- verwalwna einzelner Länder aus das Reich fei noch nirgends durchgeführt. Auch stehe er grundstürzenden Aenderungen im deutschen

Rechtswesen skeptisch gegenüber, wenn er auch andererseits einzelne Vorschläge für beachtlich halte. Für die Vereinheitlichung der juristischen Vorbildung sei ein Ausschuß eingesetzt worden, der zum Ausgangspunkt seiner Arbeiten eine 614jährige Gesamtdauer der Ausbildung, einschl. einer mindestens V4 = jährigen Verwaltungspraxis, genommen habe Staatssekretär Dr. Joel erwiderte aus die Fragen wegen der Aufwertung, daß eine Verlängerung des Moratoriums nur erfolgen könne, wenn der jetzige Zinssatz von 5 Prozent ab 1932 wesentlich erhöht werde. Das würde aber eine Aendernng des BGB bedingen.

Gärung an Indiens Grenze

von den Soldaten mit der blanken Waffe angegriffen und mit schweren Verletzungen in die Flucht geschlagen. Hieraus vergingen sich die belgischen Soldaten in der schwersten Weise an der Frau.

Das Chaos in Asghanistan greift über.

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Gärung an der indischen Grenze.

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Seit fünf Monaten tobt der Bürgerkrieg in Afghanistan und die von England gefchürreu inne­ren Kämpfe des Landes ziehen nun die außenpolitischen Verwick­lungen nach sich, welche dem bri­tischen Imperialismus den er­sehnten Anlaß geben sollten, Af­ghanistan wieder zu seinem gefü­gigen Vasallen zu machen Der Aufstand der Kuhistaner Bauern, die unter Führung von Batscha-i- Sakao (jetzt Emir Habib Ullah ge­nannt) sich der Hauptstadt Kabul schon vor Monaten bemächtigten, Öauf die nördlichen Provinzen tachschan, Kattaghan) Über. Dieser Aufstand trägt zwar einen vollständig reaktionären Charakter und verficht die Interessen der feudalen Grundbesitzer und mo­hammedanischen. Priesterschaft ge­genüber der Reformtätigkeit des Königs Aman Ullah; den Jnspi-

sind wohl ebenfalls jenseits der indischen Grenze zu suchen, wo die schiitischen Orakzai- Stämme gegen die sunnitischen Afridi einen

frisch-fröhlichen Kleinkrieg

unter den Augen der britisch-indischen Truppen führen. Die chaotischen Zustände in Afghani­stan führen zu einer erhöhten Bandenbildung, die auch über die Grenzen des Landes hinaus greift. So wurde vor ein paar Tagen vom Einbruch einer Bande in die Sowjetrepu­blik T a d s h i k i st a n berichtet, wo von den Eindringlingen der Ort Kala-i-Ehumba besetzt wurde. Die Tätigkeit der Banden sollte den Regierungskreisen von Persien Anlaß ge­ben, die afghanische Stadt und Provinz Herat zu besetzen, was jedoch vorläufig auf einen Protest der Sowjetunion Yin, unter­blieb. An der Grenze Indiens wurde die starke afghanische Nationalregierung Aman Ullahs, ein Stützpunkt der von England un­terdrückten Nationalitäten Indiens, durch ein Chaos, ein Kampf Aller gegen Alle, jedenfalls eine Schwächung Afghanistans auf Jahre hin­aus, abgelöst das ist die bisherige für Eng­land günstige Bilanz des afghanischen Bürgerkrieges.

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ratoren des Aufstandes ist es je­doch gelungen, einen großen Teil iu--------.» .. ....

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schweren Steuerlast die Reformtätigkeit des Königs

bezahlen mußten, für sich zu gewinnen. Dank der Unzufriedenheit der Bauernschaft gelang es, Habib Ullnh, die soziale Grundlage feiner Herrschaft wesentlich zu festigen. Der König Aman Ullah stützt sich nach wie vor in der Hauptsache auf das städtische Bürger- tnm von Kandahar und Herat sowie auf den Stamm feiner Familie, die Durani, welche Süd-Afghanistan beherrschen. Während des Winters rüstete er eine größere Armee ans, die jetzt, nachdem die Schneeschmelze ein­setzte, von Kandahar aus gegen Kabul vorstöß, und die Stadt Ghazni erreichte. Einen drit­ten Faktor int afghanischen Bürgerkrieg spie­len die nomadisierenden Stämme an der in­dischen Grenze, deren vom englischen Oberst Lawrence angefachte Aufstandsbewegung bekanntlich im Dezember vorigen Jahres die Kämpfe in Afghanistan einleitete Diese Stämme verhalten sich aus dem alten Gegen- fatz zwischen Nomaden und ansässigen Bauern heraus feindlich gegen Habib Ullah wie sie andererseits auch die Reformen Aman vllobs bekämvfen. Die llr'a-ben Vieler Gärung

Schwierig sei die Lösung dieser Frage auch wegen der

Höhe der 1932 fälligen Hypotheken die ans mindestens sechs Milliarden geschätzt würden. Gegenwärtig werde ein Gesetz aus­gearbeitet, das den Zustand der Grundbü­cher wieder übersichtlich gestalten solle. Auf Fragen der Minister, daß auch ein vor­läufiger Entwurf zur Zivilprozeßordnung der Oefsentlichkeit unterbreitet werden solle. Dann werde man noch mit Oesterreich über eine An­gleichung beider Prozeßverfahren in Verbin­dung treten. Selbstverständlich werde Reichs­anwalt I o r n s bis zur vollen Erledigung des Prozesses feine dienstlichen Geschäfte nicht führen. ,

Abg. Dr. Scheffer (Ztr.) meint, die Ju­stizamtmänner hätten sich ' urchaus als Rechts­pfleger bewährt. Er bitte, die kleine Ju­stizreform sofort weiterzutreiben. Die Mo­bilmachung der Aufwertungshypotheken müsse bis 1.1.1931 mindestens feststehen. Abg. Bo r r- mann (D. Vpt.) kritisiert der Vielheit der Länderjustiz in Deutschland namentlich vom Standpunkt des Wettbewerbsgesetzes. Abg.

H e r g h t (Dntl.) fordert erneut eine Verein­heitlichung in der kleinen Justizreform.

Berlins neuer Weilwifchof

Berlin,' 30. April. (Funktelegramm.) Zum neuen Weihbischof von Berlin ist der Dom- probst Steinmann-Stettin ernannt worden, der im 58. Lebensjahre steht und aus der Diö­zese Hildesheim stammt. Er war früher Kaplan in Berlin.

Bestien in Uniform

Belgische Soldaten schänden eine deutsche Frau.

Saarbrücken, 1. Mai. (Privattelegramm.) Im Saarbrücker Stadtwald hatte die Frau eines Bergarbeiters sich auf einem Sonntags- Spaziergang kurz vor dem Schießstand einen Augenblick von ihren Verwandten entfernt. Kaum hatte sie die Schonung betreten, als sie von vier belgischen Soldaten überfallen und zu Boden gerissen wurde. Die Uebersalleue schrie laut um Hilfe, worauf zwei ihrer männ­lichen Verwandten herbeieilten. Diese wurden

Friedenspolitik In Danzig

Danzig, 1. Mai. (Privattelegramm). Del Senat beschloß, den Beitritt zum Kelloggpakt sowie dem Moskauer Litwinowprotckoll anzu- melden. Die polnische Regierung, wel­che nach dem Vertrag von Versailles die aus­wärtigen Angelegenheiten Danzigs sicherzustel- len hat, ist durch zwei entsprechende Noten ge­beten worden, die Regierungen entsprechend zu benachrichtigen. Dem V o l k s t a g werden zur Ratifizierung entsprechende Gesetzent­würfe vorgelegt werden.

Die Türken im Banne Mussolinis

Rom, 1. Mai. (Etg. Drahtbericht.) Zwi­schen Mussolini und dem türkischen Außenmi­nister wurden gestern die Ratifikationsurkun­den zum Neutralitüts- und Schiedsgerichtsver- trag ausgetauscht. Ans den türkischen Außen­minister wurden von den italienischen Kam­mermitgliedern stürmische Hochrufe ausgebracht

Roch für den Haag ernannt

Berlin, 1. Mai. (Funkdienst.) Wie wir er­fahren, hat das Kabinett anstelle des verstorbe­nen Reichsjustizministers a. D. Dr. Heinze den Justizminister a. D. Koch-Weser für den stän­digen Schiedshof im Haag ernannt.

Thüringen muß auslösen

Weimar, 1. Mai. (Privattelegramm.) Die Wirtschaftspartei hat den Auftrag zur Regie­rungs-Neubildung nach längeren Verhand­lungen an das Landtagspräsidium zurück- gehen lassen. Da kaum eine andere Partei mit derselben Ausgabe betraut werden dürfte, steht die Landtagsauflösung in Aussicht. ____

Nus Politik und wirtschaft

Blutig; Parteihändel in Frankfurt. Bei einem Reichsbannerumzug in Frankfurt kam es zu einem Zusammenstoß mit Nationalso­zialisten. Dabei wurde ein Reichsbanne r< Mitglied durch einen Messerstich getötet. Außerdem wurden zwei weitere Reichsbanner, leute sowie ein angeblicher Kommunist schwer verletzt. Als die Polizei eintraf, hatten sich die Gruppen bereits aufgelöst, doch konnten noch vier ebenfalls verletzte Nationalsozialisten festgenommen werden.

Des Herzogs Wildgatter bleibt offen. Dis Kreisdirektion Blankenburg hatte ein Wild­gattertor des Herzogs von Braunschweig als Verkehrshindernis ausgehängt. Der Her­zog ließ sich das nicht gefallen und erklärtet Das Tor wird wieder eingehängt, mein Wild läuft ans dem Wald- . Vor Gericht wurde durch Sachverständige festgestellt, daß int ver­gangenen Jahr während der Pfingsttage fast dreitausend Autos durch das Gatter gefahren sind, daß also das Tor dreitausend mal geöff­net und 3000 mal geschlossen werden mutzte. Der Verwaltungsgerichtshof kam zu dem Ur­teil, daß das Tor ständig offen bleiben muß, und daß deshalb die Klage des Herzogs zurück­zuweifen fei.

Berlin und der Türkenminister. Der tür­kische Außenminister hat dem Reichspräsidenten und der Reichsregierung für die in Berlin ge­währte Gastfreundschaft wärmstens danken lassen.

Rönueburg's Dienst in Ostpreußen. Der neu ernannte Staatskommissar für die land­wirtschaftlichen Hilfsmaßnahmen im Osten, Abgo. Landrat Rönneburg, wird seine Tätig­keit Mitte April aufnehmen.

Friedlich Lienhard t

Der Begründer der Heimatkunstbewegung.

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Aus Berlin wird gemeldet: Der Schriii- sieller Professor Dr. Friedrich Lienhard ist beute Im Alter von 64 Jahren plötzlich ge­storben.

Der Name Lienhard ist eng verknüpf, mit kern Begriff .Heimatkunst*, der in Reaktion auf den Geist der Großstadt, auf den Geist Ber- ttn8 vor allem, vor fast drei Jahrzehnten ent- stand, und der im Gegensatz zu dem damals herrschenden NamrakiSmus im Grunde eine Neußerung romantischen Kulturwillens war

Friedrich Lienhard und Ernst Wachler Hauptsührer und Propagatoren, der Bewegung denen damals in allen Landesteilen Helfer u Freunde erwuchsen, waren insofern mit den

Naturalisten ganz einig, als sie an die Macht des Milieus glaubten; nur war das Milieu ihrer Menschen nicht die Großstadt, nicht die Proletarierkaserne und das Bourgeoishaus, sondern der Stamm, die Landschaft, das Dors, in dem ihre Helden aufwuchsen, aus deren Seele heraus sie lebten und handelten_______

Friedrich Lienhards SchlachtrufLos von Berlin", fein ganzes schriftstellerisches Bemü­hen um landschaftlich bedingte Kunst ist vor allem aus feiner Abneigung gegen die Groß­stadt zu verstehen, die ihm den Tod aller kul­turellen Kräfte, alles echten Lebens zu bedeu­ten schien. Fortschreitend auf diesem Wege kam er ganz folgerichttg zur kleinstädtischen Kultur- wett des deutschen Klassizismus und der deut­schen Romantik, die er in feinenWegen nach Weimar" als Ideal kündete. Ernst Wachler rief dann aus der gleichen Abneigung gegen den großstädtischen Dheaterbetrieb die sehr ro­mantische Einrichtung des Freilichttheaters ins Leben, die sich bald über Deutschland aus­breitete, nachdem dasHarzer Bergtheater" zum ersten Male die Möglichkeiten dieser Na­turbühne gezeigt hatte.

Lienhard stammt aus dem Grenzland Elsaß und begann denn auch mit seinenWasgau- iahrten" durchaus als Heimatschriftsteller. Das Thüringer Tagebuch" und dieWege nach Weimar" fetzten diese Tendenz fort: Vorbild wurde ihm ein klassizistisch gesehenes Bild der Goethischen Kulturwelt, dem er nicht nur als Kritiker, sondern auch als Romanschriftsteller sich verpflichtet fühlte. Sein bester Roman Oderlin", der auch den stärksten Erfolg hatte, bat das Leben des elsässischen Pädagogen zum Gegenstand und bleibt so in der Atmosphäre der Goethe-Zeit. Späterhin hat er wunder­liche. farblose Novellen unter dem TitelDer Einsiedler und sein Volk" herausgegeben, die durchsetzt sind von einer falschen Romantik u ans einer überidealistischen Eckhardt-Gesinnung heraus gestaltet sind. Diese ganzen Versuche die Goethische Lebenswelt, die Ideen des deut­schen Idealismus, die unter so ganz anderen Lebensverhältniffen geboren und entstanden find, wieder aufleben zu lassen, sind durchaus romantisch, ja, in einem gewissen Sinne, lite- ratenfraft, wie denn Lienhards Bedeutung

überhaupt zuerst und zuletzt darin liegt, daß er der Literat der Heimatkunstbewegung gewe­sen ist.

Aus Kunst uu- wissen

** Szenen aus dem Kaufmannsleben im Rundfunk. Der Hamburger Rundfunk bringt erstmalig in Form eines Hörspiels Szenen aus dem Kaufmannsleben. Die Szenenreihe, die außerordentlichen Beifall gefunden hat, be­ginnt mit einer Gläubigerverfammlung, wo­bei die Geschichte einer großen Insolvenz bis zur Ausgleichsguote von 30 Prozent drama­tisch dargestellt.

** Deutsche Kunstausstellung in Buenos Aires. Die Sammlung, die zur Zeit in den Vereinigten Staatsschulen für freie und ange­wandte Kunst in Charlottenburg gezeigt wird, wird voraussichtlich auch noch an andere amerikanische Städte gehen. Im Einvernehmen mit dem Auswärtigen Amt veranstaltet der Hauptausschuß der Allgemeinen Deutschen Kunstgenoflenschast eine Ausstellung zeitge­nössischer, deutscher Künstler in Buenos Aires.

** Die Südpoltragödie der Scott-Expedi­tion im Drama. Der erfolgreiche Dramatiker Sheriff, der Autor des englischen Kriegsstückes »Journeys End", arbeitet an einem neuen Drama, das im Herbst in London aufgeführt werden soll und die Südpoltragödie der Scott-Expedition zum Thema hat. Im Mittel- puntt des Dramas steht Kapitän Gate, der sich aus dem Zelt der Scott-Expedition entfernte und in den Schneesturm hinausging, um den Tod zu suchen, da er völlig erschöpft und krank geworden feinen Kameraden nicht länger zur Last fallen wollte.

** Auch Amerika entdeckt alte Meister. Im Museum os Fine Arts" in Boston hing feit vielen Jahren ein Bild, das man als unbe­deutendes Werk der Tintoretto-Schule ansah. Kürzlich Hai sich nun, als man das Bild re­staurieren wollte und die wertlose Bemalung entfernte, ergeben, daß man es mit einem ech­ten Tintoretto einerAnbetung der heiligen drei Könige" zu tun habe.

Hans Julius Wille: Juan Sorolla. Roman. Im Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig. In Leinen 6,80 Mark.

Wille ist ein Mann, der fein Tale.it, fein Wissen und feine Weltkenntnis nickt unter den Scheffel stellt. Er verpflichtet in den Ro­man des Geigers Sorolla feine Anschauungen von dem Teil der Welt, den er kennt, von Kunst, Auto und Sport mit einer programma­tischen Geste, die zuweilen snobistisch wirkt. Zwischen dem entzauberten Montmatre von Paris und dem lärmenden Broadway von Newyork, zwischen den Amsterdamer Grachten und den Millionärsbadeorten von Florida spielt sich das Leben eines seltsamen Menscken- quartetts ab, eines italienischen Geigers, eines deutschen Pianisten, einer Russin und einer Dollarprinzeflin, auf biefen internationalen Hintergrund stellt Wille die Diskussion über die Kunst, die für ihn ohne falsche Sentimen­talität, die gesund und groß und objektiv sem sollte. Die Klugheit, mit der Wille seine Met- nung sagt, läßt bis zu einem gewissen Grade den einzigen Mangel des Romans vergessen: feine geringe Konzentration. °u.

Georg Ebers: Uaröa. Roman aus oem alten Aegypten. Helios-Bücher. In Seinen 2.75 Mark. Verlag Philipp Reclam jun. Leizig.

Die Kultur des alten Aegypten steht fett der Eindockung des Tut-enck-Amon-Grabes wieder im Vordergrund des Interesses. Es ist deshalb zu begrüßen, daß der Verlag Reclam den vorliegenden Roman des Dichier-Gelehr- ten Ebers, der ein vielseitiges Bild des Pha- raonenlandes gibt, durch eine billige, aber schön ausgestattete Ausgabe einem weiteren Leserkreis zugänglich macht. Uarba ist ein nordisches Fürstenkind, das nach Aegypten ver- fetfagen wurde. Den historischen Hintergrund ihres bewegten Lebens bildet der Kamps bei Priestertums gegen den kriegerischen König Rhamses, ein Kampf des freien Menschengei- tzes gegen die ftarren, hierarchischen Satzungen