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Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
Rvmmer 96 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.
Dotterstag, 28. April 1929
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.
19. Jahrgang
Ein Ausweg aus den Geldsorgen
Der Zeppelin steuert -em Mittelmeer zu—Das Gespenst -es chemischen Lrieges in Gens
Fortsetzung folgt
Mr hatten das Instrument der öffentlichen
Der Zeppelin schon über Liffabon
Stimmung tn Parts, freilich nicht durch unsere Schuld, verstimmt Wir stnd eben noch, wie schon Lessing tn seiner „Minna von Bornheim" durch den Franzosen feststellen läßt, auch heute noch zu „plump*. Uns fehlen freilich auch die technischen Mittel, da die .gesamte Weltpresie größtenteils tn englischer oder französischer Sprache geschrieben wird. Aber Schacht hat doch durch sein geschicktes Einlenken erreicht, daß wenigstens in einem Unterausschuß über die GrundlageneinerEinigung weiterberaten werden soll. Dieser gute Wille ist wie ein Frühlingskeim unter der Schneedecke. Und so bleibt die Aussicht auf die Zukunft, au sommerlichere Tage auch tn der Politik, auf das Stärkerwerden des guten Willens mit den Jahren. Vielleicht dämmert auch dann bei den Gläubigern eines Tages die bessere Einsicht, zumal die Zeit unser bester Bundesgenosse ist. Auch ein Gesichtspunkt, weswegen Deutschland nicht die ganze Last der Reparationen starr und unabänderlich für einen Zeitraum von 37 oder gar 58 Jahren kann festlegen lassen.
Selbst bei einet heute wieder ferner gerückten Scheitern könnten die Regierungen den Faden weiter spinnen, wo ihn etwa die Pariser Konferenz vielleicht fassen äßt. Aber auch die Regierungen von heute sind nicht letzte Instanz. Hinter ihnen stehen die Völker Es wird nicht umsonst gewesen sein, war die Welt durch den Schreckschuß der Konferenzkrise an Enttäuschun- gen und Verärgerungen wieder durchgemacht hat. Unter Umständen erwiese sich dann der CHoque, den das Aufeinanoerprallen der Gegensätze verursachte, als heilsamer, als die leichtfertige Uebernahme von Lasten und Ver- pflichtungen es gewesen wäre, die sich später unter Umstanden als unhaltbar erweisen und dann umso schlimmere Enttäuschungen unb Erschütterungen hätten Hervorrufen muffen.
Die Rede des unanfechtbaren Republikaners Otto Braun zeigt deutlich, daß es tn der Be- urteilung der Lage keine Gegensätze zwischen rechts und links gibt. Der Wortlaut, deS durch einen Verirauensbruch bekannt gewordenen Memorandums bestätigt die bisherigen von deutscher Seite abgegebenen Erklärungen. Das Memorandum weist auf die Notwendigkeit der Berücksichtigung von Einkommen und Lebensstandard hin und betont nochmal-, daß Deutschland nach dem Sinne und dem Buchstaben des Da- weplaneS nicht wie bisher aus der Substanz seine Verpflichtungen abgelten könne, auch nicht durch Auslandskredite sondern aus dem Ueber- schuß wirtschaftlicher Arbeitsleistung. Man fragt sich vergeblich .warum eine Konferenz von Sachverständigen nicht derartige sachliche Ge- dankengänge ernsthaft erörtern will. Sicher wird ein Staatsvertreter tote Otto Braun, der fein Amt als Vertrauensmann der Arbeiterschaft auSübt, die Jntereff-n der hinter ihm stehenden und am meisten durch eine Ueberbürdung betroffenen Schichten nachdrücklich wahren. Der Appell, die deutfchen Un erhändler nicht im Stiche zu lasten und auch angesichts der lärmen- den PrefleenttLstung tn Parts die Nerven zu behalten, ist gerade aus dem Munde eines Man- neS besonders wirksam, der wirklich nicht im verdacht nationalistischer Scharfmacherei steht. Besonders dankbar ist das deutsche Volk aber diesem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten, daß er einmal deutlich und entschieden der heuchlerisch-moralischen Verbrämung der KriegStribfte entgegengetteten ist, wie sie in der Bezeichnung Reparation enthalten ist. Otto Braun hat autoritativ festgestellt, daß die deutsche Verpflichtung mit der Krieg-- fch u l d f r a g e nur bemäntelt werden soll und daß sie tatsächlich toi* |dt ewigen Zeiten ein Tribut deS Unterlegenen ist. Zur gleichen Stunde hat wieder -inmal Potncars von vornherein den Sinn einer Sachverständigenkonfe- renz negiert. Ein unglaublicher Z i n i S m u S ist der Hinweis auf de.. WohlftandSindex Deutschlands, der Frankreich beim Scheitern der Pariser Konferenz angeblich höhere Zahlungen bringen solle. ES ist unmöglich, daß Po- tncark selbst an daS glaubt, womit er die Begehrlichkeit seiner LandSleuteaufzuput- (eben versucht. Zehn Jahre nach Kriegsende steht Deutschland wieder der Mann der Ruhr- Methoden gegenüber, ohne etwas vergesten zu haben, ohne etwas lernen zu wollen. Auch diese Tatsache ist Material p»r Beurteilung der Ent- tvicklunL.
Liffabon, 24. April. Eigene Drahtmeldung.) Das Luftschiff Graf Zeppelin hat auf seiner Mittelmeerfahrt um 10.30 llhr die Stadt überflogen.
Basel, 24. Aprll. (Privattelegramm.) DaS Luftschiff „Graf Zeppelin", daS gestern um 13,30 Uhr in Friedrichshafen zur Mittelmeerfahrt aufgestiegen war, dann Konstanz und Waldshut überflog, passierte um 14,55 Uhr Basel. An Bord deS Luftschiffes befinden sich einundzwanzig Passagiere.
Paris, 24. April. Der „Graf Zeppelin* hat um 17 Uhr die Stadt Chalons für Saone in 500 Meter Höhe gekreuzt.
An Bord deS „Graf Zeppelin", 24. April.
Nm 9,30 Uhr abends überflog der „Graf Zeppelin* die Küste westlich von Bordeaux und nahm Kurs auf Kap Finistere. Das Wetter ist schön. Heller Mondschein liegt auf der leicht bewegten See.
Friedrichshafen, 24. April. (Privattelegramm.) „Graf Zeppelin* war um 10,55 Uhr nachts nördlich von Bilbao mit Kurs auf Kap Ortegal. Das Wetter ist weiterhin schön, die See leicht bewegt, die hiesige Funkstation steht mit dem Luftschifs in Verbindung.
An Bord, 24. April. 3,45 Uhr früh. Das Luftschiff überflog um 3 Uhr früh Ca Coruna. DaS Wetter ist nach einigen Regenschauern setzt tote- bet klar.
ahlmanöver in England
London, 24 April. (Eigener Drahtbericht.) Die Vertreter der Industrie und der Gewerr- schaften beschloffen die Einsetzung eines Komitees. das die besten Methoden der weite- ren Zusammenarbeir zwischen den Arbeitnehmern und Arbeitgebern untersuchen soll. Diesen Abschluß betrachtet man als Erfolg und großen Fortschritt auf dem Wege zum industrielle n F r i e d e n. Selbst der schärfste Jndustriel- lengegner, Bergarbeiterführer Eook, sprach
seine Zustimmung zu der Entwicklung der Dinge aus. Die Ernennung der Wahlkandi- daten erfolgt am 20. Mai. Der 3 0. Mai ist der Wahltag. Das neue Parlament tritt voia tsstchtlick, tn der Woche nach dem 10. Juni zusammen. Für die Dauer des Wahlkampfes dürfen die Minister wieder polnische Preffear- tikel veröffentlichen, sodaß die Konservativen den Oppositionsparteien gegenüber nicht im Nachteil sind.
Gaskrieg noch immer
Gens, 24. April. (Eigene Drahtmeldung.) Die AbrustungSvorkommission beschränkte die Maßnahmen gegen den chemischen Krieg darauf, daß die Staaten tn Kriegsfällen keine chemischen Kampfmittel anwenden und verzichtete auf daS wettere Verbot der Vorbereitung und Unterhaltung chemischer Waffen in FriedenS- zeiten. Der amerikanische Delegierte Gibson führte aus, daß die Konvention dieses ersten Verbots auch das Verbot der Ausbildung von Truppen im chemischen Kampf und die Herstellung giftiger Gase einbegreife. Graf Bernstor ff bedauerte, daß eS nicht gelungen sei, auch die Friedensvorbereitung für den Giftgaskrieg zu untersagen und schloß sich der Auf- faffung Gibsons an.
Rom, 24. April. (Eigener Drahtbericht) Im Palazzo Doria wurde die Sachverständigen- Konferenz für den Schutz der Zivilbevölkerung gegen den chemischen Krieg eröffnet. An der Tagung nehmen fast alle europäischen Staaten, darunter auch Deutschland teil.
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Nicht ganz umsonst
Wenn nach vierzehn Tagen bet Bruch kommt.
Paris, 24 April. (Gig. Drahtbericht.) Eia Blatt schreibt zu dem gestrigen Beschluß der Sachverständigen, in einem Unterausschuß eine Einigung anzubahnen: Wenn die Alliierten Schacht bei seinem Entgegenkommen helfen wollen, muffen sie Mittel suchen, um die Hilfsquellen Deutschlands mit Hilfe der Tätigkeit der internationalen Bank zu mehren u. zu jeder Regelung des Annuttätentetls bereit fein, unter der einzigen Bedingung, daß die Zah- lungen an Amerika nicht ihr eigenes Bürget belasten. Oeuvre erklärt: Die Konferenz wird also sortgeführt, nicht ohne — eine allerdings chwache — Hoffnung auf eine Annäherung Leon SB tunt schreibt: Selbst wenn tn 14 Tagen bb Kont-"ev, auö#'n-indera#bt. ohne ib-e Aus. gab« erfüllt z« haben, tontbe niemand VI Recht haben, zu verzweifeln Die Inn ative würde alsdann von den
Sachverständigen auf bie Regierungen
Alsdann müßten die Vereinigten Staaten die Pflicht begreifen, die ihnen ihre wirtschaftliche Souveränität und die europäischen Notwendigkeiten auferlegen. Im Journal heißt es: ES besteht nur eine einzige Aussicht, zu einem Abschluß zu gelangen, nämlich innerhalb von etwa 10 Tagen den Deutschen die Notwendigkeit begreiflich zu machen, daß sie die Grundlagen deS Memorandum - der Gläubiger annehmen müffenl!) sodaß
alSdann nur noch die Modalitäten der Ausführung zu prüfen wären. DaS ist der feststehende Beschluß der Gläubigermächte.
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Laffensorgen -es Reichs
Anleihe-Ermächtigung und Bankkredite.
Berkin, 24. Aprll. Durch den Antrag der Regierungsparteien, die Anleiheermächttgung der Reichsregteruna um zwechundert Millionen zu erhöhen, hofft man, darum herumkom- men zu können, daß das Reich zum Monats- erften kurzfristig sich größere Beträge leihen muß. Da keine Aussicht besteht, daß der Ultimobedarf tn den nächsten Monaten durch die Reichskaffen voll gedeckt wird, haben die Banken selbst auf eine zweckmäßige Regelung ge- drungen. Den sehr hohen Ausgaben für die Arbeitslosenversicherung wendet der Ftnanzmintster volle Aufmerksamkeit zu, er selbst hat ja auch schon entsprechende Maßnahmen angekündigt.
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Berlin, 24. Aprll. (Eigener Informationsdienst.) Wie wir hören, sollen nur für die nächsten drei Ultinto-Termine solche Abmachungen mit den Großbanken dahin getroffen werden, daß diese die teweils benötigten Mittel über den Ultimo-Termin hinaus zur Verfügung stellen. Ende April beträgt der durch Banken- kredit zu deckende Kaffenbedarf des Reichs 180 Millionen, für Ende Mat rechnet man mit einem Kaffendeftztt von etwa achtzig Millionen und auch dieses hofft man bis Ende Juni auf dreißig Millionen Mark abbauen zu können. Von Juli ab würden dann dem Finanzministerium
große Steuereingänge zur Beifügung stehen, die zusammen mit der Verminderung her Arbeitslosigkeit ausreichen ofirften, um bie Kasfenlage des Reichs zu entspannen, sodaß man die Großbanken nicht mehr braucht. Berücksichtigt man weiter noch, daß schon in den allernächsten Tagen mit einer erheblichen
Heraufsetzung deS ReichSbankdtSkontS
gerechnet wird — (vermutlich um 1% Prozent auf acht Prozent) — so wird man gegen diese Ausweisungen der bisher bereits kaufenden AnleiheermSchtigungen kaum etwas etntoenden können, wenigstens, wenn ©arantte dafür gegeben wird, daß die Schatzwechfek nicht allzu- lange befristet gegeben werden. Der Antrag der Regierungsparteien dürfte angenommen werden.
8ine verlorene Schlacht
Von
Dr. Paul Rohrbach.
In Südtoestafrika stehen Neuwahlen zum Londesrat, parlamentarische Vertretung der Eimvoyuet schäft bevor. Eine deutsche Abordnung hatte zuvor vom Premierminister General Hertzog m Kapstadt u a. gefordert Anerkennung der deutschen Sprache als dritte Amtsfprache.Schasfung rein deutscher Staatsschulen mit dem Recht aus Anstellung im Staatsdienst ufto. Die anfangs günstig stehenden Verhandlungen wurden aber durch eine Gegenabordnung unter vem Administrator von Sudwestafnka,Herr Werth aus Windhuk durchquert, der ganz zur Asrikanerpartet gehört, d. h. er ist Vertreter des letzigen „bu- rischen* Regiments in Südafrika. Er war vor einigen Monaten in Deutschland und ift hier auch vom Reichskanzler Muller empfangen worden. In Windhuk erzählte er später, dieser habe zu ihm gesagt,Deutschland brauche gar keine Kolonien — eine Aeußerung, der Herr Werth die wohlwollende Zensur hinzu- fügte: „Der Reichskanzler ist ein sehr verständiger Mann!* Die deutsche Abordnung hatte vor allem um Abänderung der Natttraltsati- onsfrist gebeten, die einseitig für Deutsche auf fünf Jahre erhöht worden war, was natürltch eine starke Benachteiligung des Deutschtum» enthielt.
Die eigentlichen Gegner des Deutschtums in Südtoestafrika sind viel weniger bie Engländer als die Buren. Das Burenlum, bie Afrikanerpartei, geht planmäßig darauf auS. bas Deuschtum zu übertoältipen u. das Land burisch zu machen. Sie spricht es offen aus. daß bie Deutschen überhaupt nur geduldet seien und daß sie irgendwelche Rechte nicht zu beanspruchen hätten. Um die Afrikanisierunz von Süowestafrika zu beschleunigen, wird jetzt die Ansiedlung einiger Hunden verkommener Burenfamilien aus der portugiesischen Kolonie Angola, im Norden von Südwestafrika, mit großen Mitteln betrieben. Ihnen wird daS Stimmrecht schon nach einem Jahre erteilt! Rach Anhörung der Gegenseite wurde den Deutschen mitgeteilt, daß ihre Wunsche abgelehnt seien An der fünfjährigen Frist muffe festgehalten werden. Die anderen Punkte seien undurchführbar
Zunächst muß dazu bemerkt werden, daß es sich bei den Mandatsgebieten um die Ausübung einer .Vormundschaft* handelt, bie nicht nach parteipolitischen Rücksichten der M-indatsvcrwaltung geführt werden darf. General Hertzog hat früher, als er noch nicht Premierminister der fttbafiikantfchen Union wat, starke Proteste gegen bie Vergewaltigung deutschen Besitzes, gegen bie Unterdrückung deuticher Art und Sprache, überhaupt gegen den Angriff auf Süowestafrika, den et als „unberechtigt* erklärte, geführt. Von diesem seinem früheren Standpunkt ist nichts übrig» geblieben. Es ist kaum noch ein Unterschied Mischen feinem Verhalten u dem der deutsch- feindlichen, in Windhuk erscheinenden Zeitung „Afrikaner*, bie zwar vorgibt, einer beneren Verständigung zwischen Deutschtum uno.Afrikauertum oas Wort zu reden, in Wiiklichke-.t aber von den Deutschen eine bedingungslose Preisgabe ihres Standpunkts verlangt. Zu dieser ungerechten Behandlung kommt daß bie seither zugestandene Einwanderung von Deutschen mif Grund von An- stellungsvetträgen mit einer sübwestasrikani- schon Firma fortan nur noch erlaubt ift wenn gleichzeitig mit diesen Verträgen auch eine Haftsumme von 40 Pfund Sterling für Er- wachsen« und 25 Pfund für Kinder dar bet der Einwannerungsbebörde deponiert wird. Zwei Jahre lang muß das Geld bd dieser liegen bleiben. Auch die Aussührungsbesttm- mungen sind in den Einzelheiten daraus berechnet, Deutschen das Kommen zu verleiden oder zu erschweren. Umgekehrt sind die Angolaburen auf Staatskosten ins Land gebracht unb mit weitgehender Staatsunterstutzuiig angesiedelt worden. Stimmoiehimport neu- neu es bte Deutschen. - Sie haben recht damit, und sie hoben auch damit Recht, daß es die Absicht der Burenvertoaltung ist, das Deutsch - tum zu unterdrücken und aus Sndweflasriko ein reines Burenland zu machen Die Deut- schen drüben sind aber nicht entmutigt Sie haben eine Schlacht verloren, sie kämpfen weiter für ihr Rech