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Nummer 92 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig. Sonnabend. 20. April 1929 Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig. 19. Jahrgang
Preffe-Echo zur Abbruch-Krise
Schacht schul-los — Auf -er Suche nach -er Abrüstungsformel — Der Zeppelin über Sü--eutfchlan-
Doch noch ein Kompromiß?
Ein letzter HoffnungSanler in Paris. — Paris bezeichnet Schacht als den Sündenbock.
Paris, 19. April. (Eigener Drahtbertcht.) Was vorauszusehen war, ist voll und ganz ein» getroffen Der sogen. Unterausschuß Rewel- stocke hat gestern eine Fortsetzung der Reparationsbesprechungen als aussichtslos bezeichnet. Die Schuld an dem Fehlschlagen der Pariser Sachverständigpn-Konferenz wird von der französischen Presse der deutschen Abordnung und speziell Dr. Schacht in die Schuhe geschoben. Ueberall wird von einem Ultimatum der deutschen Gruppe gesprochen, während Dr Schacht noch in letzter Stunde von dem Rewel- stock-Ausschutz Anregungen erbeten Hal, die aus der Sackgasse herausführen könnten Die Politik von Locarno habe den Todesswß erlitten. Die Deutschen seien nur für physische Stärke empfindlich (1). Die Rheinlandbesetzung halte sie im Zaume. Wenn sie die Freiheit zurückerhielten, würden sie sich bei der eisten Gelegenheit gegen die Verträge auflehneit. Ein Teil der Presse meint aber auch. Logik, Notwendigkeit und Interesse würden die Deutschen zwingen, die
Verhandlungen wieder auszunehmen.
In den Spalten des Malin steht ein gewisses Unbehagen über das Scheitern der Konferenz. Die Volontee kommt zu der Auffassung, daß auf feilen der Alliierten, namentlich Frankreichs, schwere Fehler begangen worden seien. Der Irrtum der Alliierten sei gewesen, vaß esi dem Reich eine zu hohe Rechnung vorgelegt hätten.
Der Matin meint zum Schluß: die Alliierten hatten sich aus 37 erste Jahreszahlungen mit einer Annuität von je 2223 Millionen verständigt. Owen D. Uoung schlug eine Annuität von 2105 Millionen vor. Die Ziffern waren also im w e s e n t l i ch e n g l e t ch. Man wird folglich heute sagen können, daß die Gläubiger dahin gekommen waren, eine Einheitsfront zu^bilden (?)
Sie machen Schacht verantwortlich
Verweigerung höherer Summen. — Ueber Konzessionen bisher noch kein Wort.
Paris, 19. April. (Eigene Drahtmeldung. / Halbamtlich verlautet: Um in der Frage der Transferierung und der Kommerzialisierung nachgeben zu können, habe Dr. Schacht von den Gläubiger-Mächten entweder eine Herabsetzung dieser Mindestannuität (1650 Millionen für 37 Jahre) oder politische Kompensationen, wie Aufhebung des Da ziger Korridors oder Rückerstattung gewisser Kolonien an Deutschland gefordert, durch deren Verlust die Wirtschaft Deutschlands beeinträchtigt sei. Dr. Schacht habe sich dann formell geweigert, die Diskussion irgend einer höheren Ziffer ins Auge zu fassen, wenn nicht die Sachverständigenkonferenz bereit sei, in die Diskussion der geforderten politischen Vorteile einzutreten. Darauf wollten sich die Sachverständigen,da sie außer- halb ihrer rein finanziellen Befugnisse liege, nicht ein'assen. Unter diesen Bedingungen habe die Konferenz nur die grundlegende Meinungsverschiedenheit feststellen können, die angesichts des deutschen Ultimatums sie trenne.
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Hierzu ist deutscherseits die Erklärung abzu- Seben, daß gestern lediglich das Annuitäten» hema ,B" diskutiert wurde, daS an keinerlei Voraussetzungen geknüpft ist. Es entspricht also nicht den Tatsachen, daß über irgendwelche politische Konzessionen diskutiert wurde, ja es muß sogar festgestellt werden, daß über derartige Konzessionen Im Laufe der Konferenz, die elf Wochen währte, niemals gesprochen wurde.
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Kein deutsches Ultimatum Schacht ging noch höher. — Aber nur bei ver stärkt« Leistungsfähigkeit.
Paris, 19 April. (Eig. Trahtbericht.) Die deutschen Delegierten hatten zwei Vorschläge (A und B) unterbreitet, die zu dem gleichen Gesamtergebnis (37 Jahreszahlungen von je 1650 Millionen Rm.) führten. Ter Vorschlag L, der einen Zeil der zu zahlenden Summe außerhalb des TranSferschutzes lassen sollte, und dessen Annahme gewisse Vorausset
zungen hinsichtlich der Möglichkeit einer Ausdehnung des Exports und der Erhöhung der deutschen Zahlungsfähigkeit enthielt, wurde überhaupt nicht diskutiert, sondern nur der Vorschlag B, der die deutschen Zahlungen etwa unter den gleichen Schutz stellen sollte, wie er im Dawesabkommen vorgesehen ist. Man wollte aber-von vornherein nur weiter verhandeln, wenn die deutsche Delegation eine Erhöhung der Gesamtannuität zubilligen würde. Dr. Schacht lehnte ab mit dem Hinzufügen, daß, wenn noch irgendeine Anregung geben werden könne, die erwarten ließe, daß sich daraaus eine
Verstärkung der deutschen Leistungsfähigkeil erziehen lasse, er dann bereit wäre, auch über eine höhere Annuittät zu diskute- reit. Es ist aber keinerlei derartige Anregung mehr gegeben worden, wie überhaupt festzustellen ist. daß auf dieser Konferenz nahezu sämtliche Anregun gen von deutscher Seite gekommen sind. Die Gegen- seile wird in der heutigen Vollsitzung berichten, daß eine Annäherung der beiderseitigen Standpunkte nicht zu erzielen sei. Es ist anzunehmen daß die ReparalionSkonferenz nunmehr mit einem allgemeinen Bericht die Diskussion ab schließen wird. Es ist ausdrücklich zu betonen, daß die deutsche Delegation ihren Vorschlägen niemals einen ultimativen Charakter
gegeben hat. Sie Hai sich vielmehr ausdrücklich zu einer weiteren Debatte bereiterklärt, wenn irgendwelche Vorschläge gemacht werden könnten, die das Risiko bei Uebernahme einer derartigen Verpflichtungen besser begründen würden.
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Nächster Schritt: Räumung
Wenn heute kein Kompromiß gefunden wird.
London, 19. April. (Eig. Drahtbericht.) Die englischen Morgenblätter lassen die Frage des endgültigen Abbruchs der Besprechungen noch offen. Wenn die Unterhändler am Freitag morgen fein Kompromiß finden können, dann muß ein Zusammenbruch als sicher angesehen werden. Für den Fall des Scheiterns der Konferenz könnte die Frage der Rheinlandräumung kritisch werden, da bekannt ist, daß die Wilhelmstratze einen diesbezüglichen Schritt nur aufgeschoben habe, um die Entwicklung der Konferenzarbeiten abzuwarten.
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Vie Schul- liegt -Eben
Presseecho zum Abbruch in Paris.
Berlin, 19. April. (Privattelegramm.) Das Scheitern der Reparationsverhandlungen in dem Unterausschuß Revelstokes wird von den Blättern als untrügliches Vorzeichen für den Abbruch der Pariser Konferenz angesehen. Der „Vorwärts" nennt das irreführende Havascom- munique, den Schlußpunkt eines systemati - schen Feldzuges, mit dem diesranzöstsche Regierung feit dem ersten Tage der Konferenz die öffentliche Meinung zu beeinflussen verfucht Hal. Der Zweck dieser Stimmungsmache sei gewesen, die deutschen Vertreter nervös und mürbe zu machen und sie zu zwingen, nur solche ziffernmäßigen Angebote zu unterbreiten, die den absichtlich hochgeschraubten französischen Forderungen einigermaßen entsprochen hätten. Dadurch wurde die Atmosphäre um die Konferenz herum
so getrübt, ja vergiftet, daß eine Einigung immer schwerer wurde. Hätten die Sachverständigen wirklich in völliger Unabhängigkeit und frei von diesem Druck beraten können, so hätten sie sich wahrscheinlich längst geeinigt. Das Zentrumsorgan urteilt: Der Abbruch ist jedenfalls besser, als die Uebernahme von Bedingungen, die auf die Dauer für Deutschland untragbar gewesen wären. Die politische Unvernunft hat noch einmal den Sieg davongetragen. Trotzdem konstatieren wir diesen bedauerlichen Mißerfolg mit dem sicheren Gefühl und der festen Ueberzeugung, daß
die Zell Deutschlands bester Bundesgenosse sein wird. Die D. A. Z. geißelt den Pariser Versuch, die Last der Verantwortung der deutschen Delegation zuzuschieben. Schachts Bedingungen sind rein ökonomischer und finanziel
ler Natur, während die französische Propaganda behauptet, daß er politische Dinge zur Sprache gebracht hätte. Es ist bezeichnend, daß fein Plan überhaupt niemals diskutiert worden ist. Außerdem hat Schacht sich wiederholt erbeten, feinen rein wirtschaftlichen Charakter nachzuweisen. Man hat niemals die angebotene Aufklärung erbeten. Man war eben entschlossen, hier mit der Propaganda einzusetzen.
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Lon-on will einschüchtern
Preffestimmen zur Pariser Krise.
London, 19. April. (Eig. Drahlbericht.) Ein Blatt berichtet aus Paris, man frage sich dort, ob Schacht die Verantwortung der Zustimmung zu einer in Deutschland unbeliebten Re- gelung ablehnen möchte In der Hoffnung oder in dem Bewußtsein, daß feine Regierung trotzdem jetzt die abgeänderten Forderungen der Alliierten erfüllen werde. Aus Berlin berichtet Morning Post, dort werde die Hoffnung eegt, daß die heutige VoÜkonferenz einen sweg aus der Sackgasse bringen werde. Sicher sei, daß das letzte, was Berlin wünsche, ein Fehlschlag der Verhandlungen fei, da dadurch der deutsche Wiederaufbau verzögert werden würde. Ein Parifer Korrespondent schreibt: Eine gut unterrichtete Persönlichkeit erklärte, es würde nach der Abreise der ante- Manischen Delegierten unmöglich (ein, eine neue Gelegenheit yi finden. Von alliierter Seite werde bemerkt, daß Deutschland in die- fern Falle der Hauptleidtragende sein würde, da der deutsche Kredit nicht wieder gut zu machenden Schaden erleiden könnte. Ein weiteres Blatt bemerkt: Es würde krasse Ungerechtigkeit fein, Großbritannien neue Lasten aufzubürden damit die deutschen Steuern herabgesetzt werden können: denn darauf läuft der deutsche
morgen sieben Uhr zu einer etwa sechs Stunden langen großen Fahrt nach Süddeutschland auf. ES soll der Oberrhein bis etwa Frankfurt a. M., zurück und Stuttgart besucht »erben. Die Leitung des Schiffes hat Kapitän Lehmann. Im Navigationsraum ist zu Versuchszwecken ein Kreiselkompaß eingebaut, der jedoch nach Beendigung der Fahrt wieder aus dem Luftschiff entfernt werben wirb. Zweck ber Fahrt ist, bad Arbeiten bieses Kompaß mit dem gewöhnlichen Kompaß zu vergleichen. An ber Fahrt nehmen Pressevertreter usw. teil.
Schon über Freiburg gesichtet
Freiburg, 19. April. (Privattelegramm.) Der Gras Zeppelin hat um 7,35 Uhr morgens
Gens, 19. April. (Eigener Drahlbericht.) In ber Abrüstungskommission führte Litwinow u a. aus: Abrüstung heiße tatsächliche Herab- setzung der gegenwärtigen Rüstungen. Das könne aus zwei Arten erfolgen. Erstens, inbem von ber Konferenz ganz parteiisch bestimmt würde, wieweil bas einzelne Land abzurüsten habe und das andere seine Rüstungen behalten könne. Diese Methode habe man beim französisch-englischen Flollenabkornrnen eingeschlagen. Die Resultate seien entsprechend und würden bei einer Konferenz von sechzig Staaten noch unzureichender sein. Es bleibe nur die zweite Art, die proportionale Abrüstung nach einem bestimmten Koeffizienten. Wenn man der künftigen Konferenz die Festsetzung ber Zah- len und des Verhältnisses überlassen wolle, werde man ihr nur Schwierigkeiten bereiten, die heute schon von der Vorkommission besei- ttgl werben könnten. Es hanble sich jetzt um eine
Entscheidung für ober gegen die Abrüstung. In ähnlichem Sinne sprach sich der türkische
Plan in Wirklichkeit hinaus. DaS Blatt behauptet, Deutschland habe in den Jahren 1925 biS 1927 1300 Millionen Pfund Sterling gespart und in derselben Zeit an Reparationen nm 299 Millionen Pfund Sterling gezahlt (!)
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Tiefes Bedauern in Wien
Die Siegerpolitik ber Gläubiger am Pranger.
Wien, 19. April. (Privattelegramm). DiS Blätter stellen zur Abbruchkrise in Paris fest, daß hier wieder das Diktat der Siegermächte zutage getreten sei. Die Ablehnung sei ein Unglück für die ganze Welt, ein Weltereignis, dessen Folgen Industrie, Handel und Landwirtschaft, Arbeiter und Angestellte in der ganzen Welt zu spüren bekommen würden. Die Reichspost schreibt: Die phantastischen alliierten Vorschläge würden Deutschland durch mehr als zwei Generationen tributpslichtig machen. Die S i e g e r m e n 1 a li 1 ä t ist also noch stärker als der Wille zur sachlichen Verständigung, Die neue Freie Presse sagt: Schachts Gegenvorschlag dürfte in einer Welt der Vorurteilslosigkeit und der nüchternen Betrachtungsweise starken Eindruck machen. Das Memorandum der Gläubigermächte war ein Rückfall in böse Tage, und dieser Rückfall Hal der Konferenz das Leben gekostet. Die Arbeiterzeitung erinnert an die deutsche Ettt- schädigungssorderung von 1871 (5 Milliarden Franken), um richtig abzuschätz-n, wir groß jetzt das deutsche Angebot war. Im Neuen Wiener Tagblatl heißt es: Die Ansprüche der Alliierten nehmen keine Rücksicht auf die Wirtschaftskraft Deutschlands. Von diesem Augenblick an hatte die Pariser Konferenz ihr sachliches Antlitz verloren. Hinter der Maske der Sachverstänbi- gen versteckt sich die Siegerpolitik bes Versailler Diktates.
Delegierte Tewfik Rouchbi Bey aus. Der italienische Delegierte erklärte, daß Italien bereit ist, feine Rüstungen auf daS niedrigste herabzufetzen, falls ledes andere europäische Land auf die gleiche Stärke abrü- ftet. Das Proporttonalsystem uno die Koesfi- zienlenberechnung lehnte er als ungerecht ab(!) Die Diskussion nahm dann eine überraschende Wendung, als die tschechischen und rumänischen Delegierten anftagten, ob Auf. gnbe und ihre Kompetenz der Kommission erlaubten. sich mit den russischen Prinzipien zu beschäftigen. Obwohl Letwinow und der Titr- ke beantragten, sofort in dieser Sitzung auf die Vorfrage zu antworten, beauftragte bte Kommission den Präsidenten Loudon, die Frage der Kompetenz zu prüfen Man wird jetzt also weiter nach einer Formel suchen, mit ber es möglich ist. einen Ausweg ans dem Dilemma zu finben, ohne den Gesamtinhalt ber russischen Vorschläge vollständig zu verwerfen.
Zeppelin heute überFrankfurt
Südbeutschlandfahrt zur Kompaß-Erprobung.
Friebrlchshafen, 19. April. (Privattelegr.)
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" stieg heute
Konstanz berührt, um 8,30 Waldshut am Rh. Um 9,20 Uhr befand es sich über Lörrach. Kurz darauf überflog das Luftschiff Basel. Um 9,35 Uhr wurde Müllheim und um 9,45 Freiburg erreicht.
Die Stiftung für Kriegsgefangene
Die ehemaligen Kriegsgefangenen hallen der Reichsregierung umfassende Vorschläge für eine Stiftung unterbreitet. Es wird die Bereitstellung eines Betrages von zehn Millionen Mark aus Reichsmitteln für die Stiftung verlangt, und zwar als Ausgleichfür die durch das völkerrechtswidrige Verhalten der Entente st aalen den Kriegsgefangenen entstandenen Verluste an Arbeitsguthaben In einer Kriegsgefangenenheimstättesoll durch Beschäftigung in Obst- und Gartenbau und in Kleinbetrieben den ehemaligen Kriegsgefangenen die Möglichkeit zum wirtschaftliche« Wiederaufstieg geboten werden. Ein Erholungsheim, ein Alters- und Invali. denheim sollen der Fürsorge bienen.
Auch Genf tu ver Sackgasse
Die AbrÜstungskommisston versucht die Russen abzuschütteln.