Mittwoch, 17. April 1929
Ein Versöhmmgskabinett in Wien?
verhanblungswille in Paris — Scharfes Balkangeplänkel - Thüringens Anlehnung an Preußen
Wenn die Pariser Konferenz scheitert. ।I Reiseabenteuer des Bizekomgs
Brennende EisenLahnschwellen aus der indischen Brücke.
widerte mir, daß
ire
geistiger oder moralischer Borrechte
Braun verhandelt mit Thüringen.
London, 16. April. (Eigene Drahtmeldung.) Die Unterstützungen gegen Beamte von Scotland Aard stehe» laut Pressebericht im Zusammenhang mit einer Ueberweifung von vierzig- tausend Pfund rusfischer Gelder nach England.
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toten Punkt hinweggeholfen. Die Dollargläubiger jedenfalls scheinen nicht gewillt zu sein, eS aus eine Gefährdung ihrer AuSlandSkredite an- kommen zu lassen. Die nächsten Tage schon werden zeigen, ob sich die SchicksalSwage nach der positiven oder negativen Sette neigt.
Dieser Betrag war dazu bestimmt, Uniformen für die kommunistische Liga in England zu kaufen. Die Zentralstelle der kommunistischen Par- tei leugnet jede Kenntnis von diesen Vorgängen. Bisher sei kein Mitglied ihrer Partei vernommen worden.
noch nie ein spanischer Führer so populär bei den Gewerkschaften
im Zusammenhangs mit der Reise des italie- nischen UuterstaatssekretSrs G r a n d i nach Al- banien und mit dem Aufenthalte der bulgarischen Abordnung in Rom. Man müsse viel eher an einen Angriffsgeist derjenigen glauben, die den Italienern nahestückden. Dieses Dokument sei entweder das Ergebnis der Furcht oder eines schlechte» Ge- wissens, welches die Verantwortung für die eigenen bösen Taten auf andere lenfen wolle.
Salle» räumt in Mexiko auf
London, 16. Avril. (Eigener Drahtbericht.) Wie die Zeitungen melden, haben die Aufständischen die Stadt San Blas im Staate Sina- lo geräumt. General Calles geht jetzt gegen die Attfständischen des Staates Sonora vor. E' wiro erwartet, daß General CardenaS San Blas heute besetzen wird.
standen. Es gibt da z. B. die Artilleristen Ihre Lage war einzigartig, und ich glaube nichts daß die Elttekorps in den ältesten euroäpischen Monarchien je eine solche Vorzugsstellung ge- kannt haben. Nach dem Studium auf einer Sonderakademie banden sich die Artilleristen gegenseitig durch Eide, die sich nur mit denen der heftigen Feme vergleichen lassen. Es gab . dort ein besonderes Register, das heilige Buch
Anlehnung statt Anschluß etne Eidesformel mit unverbrüch.
33 ' ’ c w 1 lichen Bindungen bei Strafe der Ausstoßung
aus dem Korps für jedermann enthielt Jede Beförderung wurde nur unter Vorbehalt und sozusagen ad referendum angenommen Und es kam häufig vor, daß drei Wochen später, nach der geheimen Sitzung des Offizierkorps, der auf diese Weise Ausgezeichnete von seinen eigenen Aermeln die ihm verliehenen Litzen abtrenntc. Primo hatte festgestellt, daß diese
Anmaßungen ein demoralisierendes Beispiel gaben und wie etne Demütigung für die ande. ren Waffengattungen wirkten. Aber kei«
Noch kein Bundeskanzler
Well sich Seipel sträubt.
Berlin, 16. April. (Eigener Jnsormations- oienst.) Wie bekannt wird, hat eine unverbind. liche Besprechung von thüringischen Polftikern mit dem preußischen Ministerpräsidenten Braun stattgefunden. Maa habe sich dabei nicht über den Anschluß Thüringens an Preußen unterhalten, sondern es wäre die Frage der Bildung etwaiger BerwaltuugSgrmeinschas- ten besprochen worden, ebenso wie schon mit sächsische» Regierungsstelle».
christlich-sozialen Politikers würde eine wesent- liche Entspannung in Oesterreich bedeuten da Dr. Buresch schon seit langem mit einer schwarz-roten Koalftion der Christlich-Sozia- len und Sozialdemokraten regiert. Buresch ist von Beruf Rechtsanwalt, steht aber de» Agrarier» nahe. Seine BundeSkanzlerschaft wäre den Sozialdemokraten ausgesprochen genehm. An ein „Bersöhuungskabi- nett" Buresch würden als neue Männer der Vorarlberger Bundesrat Dr. Mittelber- g e r, als Ftnauzmintster und der christlichsoziale Nationalrat Födermaher, Präsiden- des Bauernbundes, als Ackerbauminister Eintreten. Die übrigen Minister des Kabinetts Seipel sollen in das Kabinett Buresch über- nomme» werden.
Dersödnunoskabine« Buresch?
. Wien, 16. Avril. Der christlich-soziale Kandidat der letzten Stunde ist, wie wir erfahren, der Landeshauptmann von Riederösterreich. Dr. Konrad Buresch. — Die Ernennung dieses
Nvmmer 89 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.
Diktator undMensch
Gespräche mit Primo de Rivera.
Von
Jules Sauerwein
(Nachdruck, auch auszugsweise, berboten.)
Wir gebe« in de« folg. Artikel de« bekannten nno einflußreichen franzö st scheu Journalisten daS Wort, der nnter den Großen diel« Well auch Spaniens Diktator näher kennen in lernen Gelegenheit hatte nnd sich ein Urteil bildete, das wir frellich nicht in allen Einzelheiten teilen.
Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal nachmittag». D« «bon. ,ür 6en Monat 2.80 Jt bei freier Zustellung ine HanS. iuder Ge- Kbr MVä, Durch die Po« monatlich S.S0 Jt ausschließlich ZufkllungSL^
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Wien, 16. April. Der Hauptgrund der Schwierigkeiten für die Regierungsbildung scheint darin zu liegen, daß innerhalb der Chrisftich-Sozialen Partei eine kleine Palastrevolution gegen Dr. Seipel im Gang ist. Seipel läßt bekannftich alle Minen sprengen, um entweder seinen Unterrichtsminister Schmitz oder Finanzminister Kienböck in das Amt des Bundeskanzlers zu setzen, damit sein Kurs gegen die Sozialdemokratie beibehalten werden kann. Sowohl der Riederösterreichische Bauern- bund wie die Landbündler verlangen jedoch, daß ein Ländervertreter und kein Wiener an die Spitze der Regierung trete.
London, 16. April. Laut Reuterbericht zeigte sich, als der Eisenbahnzug des Bizekönigs von Indien sich in der Nähe von Hardwar befand, daß eine Eisenbahnschwelle auf einer kleinen Brücke durch Zufall in Brand geraten war. Der Zug mußte eine Stunde halten, bis die Brücke passierbar war. Nach einer Meldung aus Delhi wurden im ganzen achtzehn Eisenbahnschwellen durch das Feuer zerstört. Wie das Feuer an einer so einsamen und gefährlichen Stelle ausbrechen konnte, fei noch ungeklärt.
Lriegsgespenfter am Balkan
Mißtrauen zwischen Serben und Italienern.
Belgrad, 16. April. (Erg. Drahtbericht) Ein Blatt befaßt sich mit den vom Gironale d'Jta- lia veröffentlichten Dokumenten über die angebliche» Kriegsvorbereitungen Südslawiens und behauptet, die Veröffentlichungen stehen
Paris, 16. April. (Eigene Drahtmeldung.) Die schrifftiche Antwort der Miierten auf die von Dr. Schacht erbetene Aufklärung wurde gestern der deutschen Delegation überreicht. Aus der Aufstellung sind sowohl die von den einzelnen Ländern zugestandenen Reduktionen, als auch die Verteilung der deutschen Zahlungen auf die einzelnen Gläubigermächte ersichtlich. Die Diskussion über die alliierten Gesamtforderungen dürfte nunmehr erst in der heutigen Vollsitzung in das entscheidende Stadium treten. Die akute Gefahr eines Konferenzabbruches ist vermieden worden und die Verhandlungen gehen in einer Erfolg versprechenden Atmosphäre weiter. Allmählich scheint sich auch die Ueberzeugung durchzusetzen, daß es ohne weitere Abstriche in den verstiegenen alliierten Forderungen nicht zu einer Lösung kommen werde.
London, 16. April. (Eig. Drahtbericht.) Ein Pariser Bericht stellt fest, daß durch die ausgleichende Handlungsweise Dr. Schachts die
gewesen ist. Wie ist dies möglich, nachdem die Regierung alle Streike verboten hat? Ein Bergarbeiter erzählte mir darauf folgendes: Als eine Gewerkschaftsabordnung Primo vor zwei Jahren eine Liste ihrer Forderungen überreichte, meinte dieser: „Zum Teufel", sie ist sehr lang. Mer ich nehme an, daß die wichtigsten Forderungen an der Spitze der Liste stehen Er ergriff eine große Schere und fügte hinzu: „Was würden Ste sagen, wenn ich Ihre Liste abschneiden würde, sodaß nur die ersten fünf Forderungen stehen bleiben?" Unsere Kameraden erwiderten, daß es schon sehr schön wäre, denn unter den ersten Forderungen waren der Achtstundentag, die Wochen- eudruhe, ein Lohnminimum und die obligatorische Arbeiter-Versicherung. „Gut", sagte der Diktator, „diese Forderungen werden erfüllt". Sie können sich vorsteh- len, welche endlosen Auseinandersetzungen in den Parlamenten und bei vielen aufeinander- folgenden Regierungen wir gebraucht hätten, um dies alles durchzusetzen. Wenn man dis Kategorie der Gegner Primo de Riveras ein- gehend prtist, stellt man fest, daß es alles Leut« sind, die unter dem früheren Regime im Genuß
Noch gestern sah es so aus, als ob die Pari- ser Sachverständigen-Konferenz unbedingt auf- fliegen müßte, denn die von den Miierten präsentierten Minimalforderungen liegen so hoch, daß sie nicht nur über die völlig unberücksichtigt gebliebene deutsche Leistungsfähig- keil in phantastischer Höhe hinausschießt, sondern nicht einmal eine Verbesserung gegenüber dem Dawesplan bringen. Der Dawesplan sieht bekanntlich noch 37 Jahreszah- hingen zu 2% Milliarden Rm. vor. Die Mini- malsorderung der Alliierten läuft dem gegen- hnnVoUTO?rr^tun^n Durchschnitts betrage
hon 2,2 Milliarden Rm. hinaus, zu denen eine Ser^”9er“n0. der Zahlungsdauer um weitere „.y^tyte, d. h. bis zum Ende der Tilgung der alliierten Schulden kommt, und zwar mit einer Jcchresannultat von Ifl Milliarden Rm. Er- rechnet man den Gegenwartswert dieser 21 Zusatzzahlungen uno legt diesen dann auf die C^re des Dawesplans mit um, so ergebe« ich wieder fast genau die 2% Militär- sen Rm. des jetzige« Zahlunqs- ems. Berücksichtigt man weiter die Tat- fache, daß der Transfer-Schutz geopfert oder ne Abgeschwächt- Form eines un- gewahrbaren Morato- j riums gekleidet werden fall, so sieht es allerdings ganz so aus, als ob ein einheitliches “ber, Endlösung der Reparations- ’ 8“ erzielen fein wird.
‘"öS bIeibt ’a stets die Möglichkeit, ebc,nt¥eHen Scheitern politische Verhandlungen mit einem ähnlichen 3tele ae- fuhrt werden. Hätten die Gläubiger die An- von etwa 1800 Mill?als gleichmäßige Normalannuität statt ansteiaender AfurdErt, so würde das vermutlich eine Verhandlungsbasis für unsere Sachverstäm hiSen gewesen sein Ob selbst 1800 Millionen tnt Rahmen der deutschen Leistungsfähigkeit hegen, oder schon genügen würden, eine schwere über kurz oder lang lerbeizuführen, ver- "'AL.natürlich niemand zu sagen, ^ebenfalls macht es aber für Geldmarkt und Börse einen gewissen Unterschied aus, ob 1800 Mill. Mark Mahlt wurden, und zwar auf Grund einer Einigung, die gleichzeitig stimmungsmätzig einen Auftrieb gegeben hätte, oder ob Parts letzt negativ verläuft, und damit die Aufgabe besteht, die weitere Erfüllung des Dawes-Sv- gegenüber einer mißtrauischen Welt zu versuchen. Im Falle eines endgültigen Ab- bruchs der Pariser Konferenz würde es sicher ge- uug Krefte und Kliquen in Deutschland gebLt, die das Volk tn etne Panik- oder Verzweiflungsstimmung versetzen möchten. Eine solche mehr gefühlsmäßig bedingte Einstellung würde töricht und unberechtigt sein. Es ist nämlich nicht anzunehmen, daß das Dawes-System bereits in diesem Jahre zusammenbrechen wird. Vielmehr dürfte sich erst bet der nächsten Weltwirtschaftskrise seine Unerfüllbarkeit er- weisen. In einer solchen Krise wird das Land Mit der größten internationalen Verschuldung nämlich Deutschland, naturgemäß am Härte- ste« mitgenommen werden ,da ihm dann die international geborgten Gelder soweit nur I tagend möglich gekündigt werden. In diesem Augenblick, der nicht nur ein Aufhören des stän- big fließenden Stromes von Auslandskapital, sondern die Zurückrufung der gegebenen Kredite bedeuten wurde, wird Deutschland unfähig wer- I den, den Dawes-Plan weiter zu erfüllen. Mit anderen Worten: Der Dawesplan steht und fälIt mit den AuslandSkredtten. die allein es uns bisher ermöglicht haben, ihm nachzukommen.
Einzelpreis: Sonntag- 20 Pfennig. jg Jahrgang
erwartete Krise vermieden worden sei. Die Alliierten hatten gestern die Möglichkeit unterstrichen, über ihre Ziffern erneut zu sprechen, um Mißverständnisse zu beseitigen.
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Hoffnung auf ein Reparattonskomplvmlst
London, 16. April. (Eig. Drahtbericht.) Ein Blatt erwartet, daß nach langwierigen und mühseligen Verhandlungen schließlich ein R»- parations-Kompromiß zustande kommt. Das Blatt meint, die britische öffentliche Meinung würde nach allen bisher gebrachten unerhörten Opfern höchstens mit einem sehr beschränkten britischen Zugeständnis, wie z. B. einer Verminderung des Ersatzes der Gelder, die England bereits an die Vereinig- ten Staaten gezahlt habe, einverstanden fei«. Erfreulich an den Vorschlägen sei allein die erhebliche Verminderungder Sachlieferungen und ihr Aufhören nach sieben Jahren.
Primo de Rivera ist einer dieser gutmütigen Generäle von kindlicher Einfachheit. Er verfügt über eine große Arbeitskraft und ei« klares Urteil. Er ist weder doftrinär noch anmaßend. Die Einfachheit seines Wesens und seiner Sprache ist sprichwörtlich. Er hat auch ! viel Mut, denn man braucht wohl nicht zu Betonen, daß er, trotzdem er im ganzen Lande nicht unpopulär ist, viele Feinde besitzt. Am ersten Tage schon lud er mich ein, nachmittags einer großen Benefizvorstellung für die Presse beizuwohnen, die im Theater de la Zarzuela stattfand, und außerdem bat er mich, ihn gegen Mitternacht in feiner Loge im Mufie Hall aufzusuchen, wo eine großartige Revue gespielt wurde. Es waren zwei grundverschiedene Milieus. Im Theater de la Zarzuela bestand das Publikum in der Mehrzahl aus Intellektuellen und aus dem besseren Madrider Bürgertum. Primo de Rivera wurde nicht sehr warm ausgenommen. Man be- grüßte ihn höflich beim Ausgang, aber der Saal blieb ziemlich kühl. Dagegen am Abend, als er in seine Proszeniumloge ging, mußte er einen langen Korridor durchmessen und an einem lebendigen Spalier von Hunderten von Männern aus dem Volke Vorbeigehen. Ml« Köpfe wurden automatisch entblößt. Man hört« ein Murmeln des Willkommens und viele dieser Männer beeftten sich, der Ehre teilhaftig zu werden, dem Diktator die Hand zu schütteln. Ich fragte am nächsten Tage nach den Gründen dieser Freundschaft, und matt er-
Abbruch in Paris vermieden
DaS entscheidende Stadium hat Begonnen — Weiteren Abstrichen geneigt?
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Reue Spuren im Londoner Polizeiskandal.
Zur akuten Angst und Bestürzung läge jedensalls bet einem Scheidern der Pariser Konferenz kein Anlaß vor, wenn auch einige schöne Frühlingsträume zerflatter«.
DaS eine ist sicher: Sobald sich die wettere Undurchführbarkeit des Dawes-Plans erwiesen hätte, wird auch die Stimmung für eine grundsätzliche Aenderung eines Zustandes günstiger fein, bei dem jährlich Tribute, also durchaus einseitige Leistungen ohne Gegenwert in MU- liarden-Höhe den natürlichen Gang der internationalen Kapitalwanderung in Unordnung bringen. Alles in allem kann man sagen, daß auch nach einem Scheiter« des Endlösungs-Versuchs Deutschlands Lage gewiß nicht rosig sein würde, aber doch keineswegs hoffnungslos. Denn Währung und Kreditbafis, alfo zwei Hauptvorausfetzungen jeder produktiven wirtfchastlichen Arbeit, werden zweifellos gesund bleibe«. Einstweilen hat jedoch die fchmei- dige Verhandlungstaktik Schachts über den
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